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The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Posted by – 28. Februar 2015

the town that dreaded sundownIch bin kein großer Fan, aber es lässt sich trotzdem kaum leugnen: Mit „Scream“ hat Wes Craven im Jahre 1996 den Slasher auf ein neues Niveau gehoben. In seinem augenzwinkernden, selbstreferenziellen Horror-Manifest beschäftigte er sich mit den Regeln des Genres und ließ die Figuren des Films Charaktere sein, die sich dieser Regeln durchaus bewusst waren. „Scream“ war aber nicht nur ein liebevolles Necken seines eigenen Stamm-Genres, sondern auch ein Kritik des Immergleichen, das man hier zu sehen bekommt. Ironischer Weise wurde sein Seitenhieb Richtung der Epigonen des Genres auch gleich wieder kopiert und fand dutzende Nachahmungstäter, die dachten, Horrorfilme müssen möglichst selbstbezüglich und ironisch sein und am besten so viele Zitate wie möglich enthalten. Leider sind viele Filme dieser degenerierten Denke viel weniger originell als sie sich selbst vorkommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt rühmliche Ausnahmen. „The Town That Deaded Sundown“ von Alfonso Gomez-Rejon ist, auch wenn er in gewisser Weise ein prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms ist, eine davon!

Gomez-Rejon bezieht sich zunächst einmal vor allem auf einen Film, den dokumentarisch angehauchten, im Original gleichnamigen Slasher aus dem Jahre 1976, der auf deutsch unter dem Titel „Der Umleger“ bekannt ist. Dieser wiederum hat eine reale Mordserie aus Grundlage, die 1946 in der Stadt Texarkania. Ein maskierter Mann – das Phantom –, brachte damals zahlreiche Liebespaare um. Gomez-Rejons Film setzt sowohl die wahren Ereignisse als auch die Existenz des Films voraus. Die Handlung setzt mit der Vorführung des Films von 1976, der jährlich zu Halloween gezeigt wird. Jami (Addison Timlin) und ihr neuer Freund Corey (Spencer Treat Holland) verlassen das Autokino vorzeitig, um auf einem verlassenen Parkplatz ein wenig Liebe zu machen. Plötzlich taucht ein maskierter Mann auf, der das Paar mit vorgehaltener Waffe zwingt, das Auto zu verlassen. Jami muss beobachten, wie ihr Freund brutal umgebracht wird. Sie selbst kann fliehen, aber nicht ehe das Phantom ihr noch etwas ins Ohr geflüstert hat…

Seit ein paar Jahren habe ich den Eindruck – wenn Filmemachern nichts einfällt, machen sie einfach einen ach so ironischen Film, der möglichst viele Werke der Vergangenheit zitiert. Mich nervt das. Gomez-Rejons Film ist anders. Zwar zitiert auch er seine Vorlage und andere Filme, doch hier scheint es mir keine Anbiederung an den Genre-Fan zu sein. Und an einem Mangel an eigenen Ideen es auch nicht liegen, denn sein Film ist voll davon. „The Town That Deaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, es ist eher, als würde wie Frankensteins Monster aus Leichenteilen hier ein neuer Film aus schillernden Fragmenten des Genres zusammengesetzt werden. Dabei ist es nicht nur die Kunstfertigkeit, mit der Gomez-Rejon die wahren Ereignisse und den Film von 1976 in sein eigenes Werk einbettet, die beeindruckt, sondern mit welchem Stilwillen und Inszenierungsfreude er seine Vision umsetzt. In manchen Momenten erinnert der Film an Recherche-Thriller à la „Zodiac“, in anderen, vor allem während der Mordsequenzen, die allesamt zum Niederknien sind, bricht der albtraumbunte Wahnsinn durch und zumindest ich fühlte mich an die technicoloren Mordfantasien eines Dario Argento erinnert.

Ich habe seit einiger Zeit nichts mehr gesehen, das so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Dem Regisseur, der bisher vor allem durch seine Arbeit im TV bekannt war, ist mit seinem Kinodebüt der wahrscheinlich beste Slasher seit Jonathan Levines „All The Boys Love Mandy Lane“ gelungen – ein großer Wurf aber ist „The Town That Deaded Sundown“ mit Sicherheit.

Bild © Tiberius Film

Odd Thomas (Stephen Sommers, USA 2013)

Posted by – 16. April 2014

Odd-Thomas„I can see dead people“. Dieser Satz könnte ein Zitat aus sehr, sehr vielen Filmen sein. Auch zu „Odd Thomas“ passt er. Es geht um den Imbisskoch Odd Thomas (Anton Yelchin), der eine besondere Gabe hat: Er kann die Toten sehen und mit ihnen reden. Außerdem sieht er die Bodachs, unheimliche Wesen, die vom Unglück der Menschen angezogen werden. Wenn Odd einen Bodach sieht, dann lässt ein grausiges Ereignis nicht lange auf sich warten.  Eines Tages betritt ein Mann Odds Diner, für den sich nicht nur ein Bodach interessiert, sondern gleich eine ganze Horde der Wesen. Odd weiß – etwas Schreckliches wird passieren und er muss das irgendwie verhindern.

Ich mag die Idee, dass hinter der sichtbaren Welt eine andere, unsichtbare liegt, eine, in der ganz andere Gesetze gelten, die aber trotzdem irgendwie mit unserer verbunden ist. An der Prämisse habe ich deswegen auch gar nichts auszusetzen. Wie wäre es wohl, wenn man – als einziger – Wesen sehen könnte, die Unheil ankünden? Ich erinnere mich an „Metastasen“, eine Kurzgeschichte von Dan Simmons, in der ein Mann nach einem Unfall „Krebsvampire“ sehen kann und dadurch weiß, wer sterben wird. Gruselig fand ich die Geschichte! Und traurig! Ein bisschen traurig ist auch „Odd Thomas“ geraten, gruselig hingegen kaum. Das liegt vermutlich nicht an der zugrunde liegenden Geschichte von Horrorautor Dean R. Koontz, sondern an Regisseur Stephen Sommers selbst, der auch das Drehbuch zu verantworten hat. Er hatte wohl eher einen Gespenster-Krimi à la Peter Jacksons feinem „The Frighteners“ im Sinn, der unterhaltsam, flott und actionreich sein sollte, was ihm meiner Ansicht nach auch gelungen ist. Ich fühlte mich wohl  in „Odd Thomas“. Allerdings hätte ich mir den Film weniger poppig inszeniert gewünscht, dafür aber mit mehr Ruhe und mit einem stärkeren Fokus darauf, wie es ist, Odd Thomas zu sein und seine Beziehung zu Stormy (Addison Timlin) und Polizeichef Wyatt Porter (Willem Dafoe). Es ist nicht so, dass der Film in dieser Hinsicht gar nichts böte, es gibt immer wieder Stellen, in denen Akzente gesetzt werden, beispielsweise wenn Odd den Cop mal wieder aus dem Bett klingelt oder ihn dabei stört, wenn er mit seiner Frau gerade ein Techtelmechtel hat. Porter nimmt das stets entspannt, er traut dem jungen Mann mit den besonderen Fähigkeiten. Diese Szenen sind weniger gut, nicht weil hier ein Running Gag etabliert wird, sondern weil sich hier zeigt, dass die Figuren schon eine lange Geschichte miteinander hatten, bereits ehe die erste Szene über den Bildschirm flimmert. Gleiches gilt für Odd und Stormy. Sie müssen sich nicht erst ineinander verlieben, sie sind bereits zusammen und ein eingespieltes Team und Traumpaar obendrein. Aber gerade weil solche Momente zu den Stärken des Films gehören, hätte ich mir davon mehr gewünscht. Und wenn die Bodachs wirklich wie aus einer unbekannten Dimension und nicht wie aus einem günstigen Computer kommend ausgesehen hätten, wäre das auch nicht schlimm gewesen. Es ist aber definitiv kein Fehler, sich „Odd Thomas“ anzusehen. Gut, dass ich mich nicht vom Cover der DVD habe abschrecken lassen. Da steht nämlich: „Vom Regisseur von „G.I. Joe“.

Bild © Ascot Elite