Tag: Alex Garland

Notizen #6

Posted by – 25. Februar 2016

The Martian (Ridley Scott, USA 2015)

Buch gelesen, Film nachgeholt. Ein Kinoereignis ist „The Martian“ von Ridley Scott ohne Frage – auf dem heimischen Fernseher ohne gutes Soundsystem entfaltet er seine Wirkung allerdings nur bedingt. Außerdem hat der Film das gleiche Problem wie das Buch: Schlaue Menschen finden technische Lösungen für technische Probleme, aber das „Menschliche“ kommt in Film und Vorlage so gut wie nicht vor. Die größte Emotion löst hier noch der Bowie-Song „Starman“ aus. Sicherlich, was interessieren Befindlichkeiten, wenn es darum geht, einen Astronauten (Matt Damon) vom Mars zu retten? Mit Jammern, Tränen ist niemandem geholfen, der sich in einer solchen Notlage befindet. Hier geht es darum, was der Homo Sapiens kraft seines Verstandes erreichen kann. Die Verneigung vor der Wissenschaft ist Scott mit seinem Film auf jeden Fall gelungen, ein echtes, menschliches Drama allerdings nicht.

Green Inferno (Eli Roth, USA / Chile 2014)

An Eli Roth scheiden sich die Geister. Bis ich „Hostel 2“ gesehen hatte, hielt auch ich ihn für einen interessanten Filmemacher. Auf „Green Inferno“ war ich trotzdem irgendwie gespannt, vielleicht weil ich dachte, dass das ohnehin schon recht fürchterliche Genre des Kannibalen-Films durch Roths Provokationsdrang vielleicht noch etwas dazugewinnen könnte. Doch man merkt schnell: Roth hat keine wirkliche Idee, was er zum Genre beizusteuern hat. Deswegen orientiert er sich sehr nah an den Genre-Vorbildern sowie an seinem eigenen „Hostel“: Eine lange Exposition, das – je nach Sichtweise – mehr oder weniger geschickte Spiel mit Vorurteilen gegen fremde Kulturen und heftige Gewaltexzesse. Leider funktioniert das bei „Green Inferno“ nicht. Diente die Einleitung bei „Hostel“ noch dem Spannungsaufbau, ist sie hier größtenteils langweilig, die Figuren geben wenig her; und im Kannibalenfilm ist dann irgendwie doch zu klar, worauf das alles hinausläuft. Interessant ist der Film am ehesten noch deswegen, weil hier die Verhältnisse mehrmals komplett auf den Kopf gestellt werden: Wer hier gut und wer böse ist, darüber kann man genauso lange sinnieren wie über das wenig glaubwürdige aber trotzdem provokante Ende, wo eine der überlebenden Figuren eine wenig nachvollziehbare aber trotzdem denkwürdige Entscheidung trifft. Daran, dass bei Eli Roth die Meinungen auseinandergehen, wird auch „Green Inferno“ nichts ändern.

Dredd (Pete Travis, USA 2012)

Extreme Situationen erfordern extreme Maßnahmen. Das sieht man nirgends so gut wie an der Comic-Figur Judge Dredd, die in einem postapokalyptischen Amerika für Recht und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei Pete Travis so gut wie alles stimmt. Die Geschichte (Alex Garland), das visuelle Konzept des Regisseurs und von Kameramann Anthony Dod Mantle, der schon für einige Dogma-Filme tätig war, die Schauspieler (Karl Urban als Judge Dredd, Olivia Thirlby als seine Partnerin, die großartige Lena Headey als fieser Gangsterboss) – hier passt alles. So bin ich denn fast geneigt, „Dredd“ zu meinen Lieblings-Comicverfilmungen zu zählen, aber da wäre wohl voreilig, denn ich kenne die Comics ja gar nicht. Da ich ohnehin gerade dabei bin, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, wäre es wohl auch eine gute Gelegenheit, mir mal „Judge Dredd“ näher anzuschauen. Lesetipps nehme ich gerne entgegen.

Maze Runner: The Scorch Trials (Wes Ball, USA 2015)

Den ersten Teil („Maze Runner“) hatte ich noch recht wohlwollend aufgenommen. Er hat mir sogar besser gefallen als die Buchvorlage. Den zweiten Roman habe ich angefangen, aber wegen künstlerischer Differenzen zwischen mir und dem Jugendbuch-Autor James Dashner nicht zu Ende gelesen, dafür den Film dann vor ein paar Tagen nachgeholt. Leider ist nichts von den Dingen übrig, die ich am ersten Teil mochte. Thomas (Dylan O’Brien) und seine ebenfalls aus dem Labyrinth entkommenen Freunde verschlägt es in „Maze Runner: The Scorch Trials“ zuerst direkt in die Hände der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) und gleich danach, verfolgt vom undurchsichtige WCKD-Agenten Janson (Aidan Gillen) und seinen Schergen, in ein verbranntes Ödland, in dem zahlreiche Gefahren lauern. Trotzdem wollte bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, im Gegenteil – ich fand die Hatz nach kürzester Zeit unglaublich ermüdend. Ob das daran liegt, dass das Geheimnis um das Labyrinth im ersten Teil in ein 08/15-Plot um eine zwielichtige Organisation transformiert wurde, dass zwischen den Figuren nichts Interessantes passiert, oder dass Wes Ball kein Regisseur ist, der die beiden Punkte in irgendeiner Form kompensieren könnte. Meine Freude auf den nächsten Teil, „Maze Runner 3: The Death Cure“, hält sich deswegen in Grenzen.

Kino 2015: Meine Top 10

Posted by – 26. Dezember 2015

In diesem Jahr kann ich keine ersthafte „Top 10“-Liste aufstellen. Dazu habe ich einfach zu wenig gesehen. Dachte ich. Und so hatte ich mich eigentlich schon entschlossen, die Liste entweder wegzulassen oder mich auf die „Top 5“ zu beschränken. Nur ca. 30 Mal war ich im Kino – so wenig wie seit 20 Jahren nicht. Doch bei der Filminventur 2015 ist mir aufgefallen, dass unter den 30 Filmen etliche gute bis sehr gute zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in diesem Jahr recht ausgewählt ins Kino gegangen bin und mir vor allem Filme angesehen habe, von denen ich erwarten konnte, dass sie mir gefallen. Deshalb gibt es nun auch in diesem Jahr wieder eine „Top 10“-Liste. Auch wenn zumindest die letzten drei es in einem anderen Jahr vermutlich nicht auf das 10er-Treppchen geschafft hätten, sind es doch gute Filme, und ihr Listenplatz ist nicht total abwegig.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

„The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ ist ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt der stärkste Teil der Reihe. Ehrlich gesagt, finde ich es auch sinnlos, zu entscheiden, welcher Teil der beste ist, weil sie nämlich zusammen gehören und ein ganz vorzügliches Gesamtwerk bilden. Nach meiner derzeitigen Gefühlslage braucht sich „Hunger Games“nicht hinter meinen Lieblingsreihen „Star Wars“ oder „Spider-Man“ verstecken. Francis Lawrence und allen Beteiligten ist hier etwas ganz Großes gelungen. Wieso weshalb warum lest ihr hier, hierhier und schließlich hier.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Mein Lieblingsfilm der letzten Berlinale, der auch einen regulären Kinostart hatte. Michael Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken über Filme zu schreiben. Die Dokumentation von Dominik Graf setzt dem 2011 verstorbenen Filmkritiker ein Denkmal. Ich hatte Tränen in den Augen. Meisterwerk.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Bester Sci-Fi-Film der vergangenen 10 Jahre. Weil man hier etwas über den Menschen lernt, lernt man auch etwas über künstliche Intelligenz. Eine Maschine ist intelligent und menschenähnlich, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit seinesgleichen oder einem Roboter kommuniziert – so die gemeine Einschätzung. Alex Garland geht in seinem enorm stylischen Film noch einen Schritt weiter und sagt, sich gegenseitig zu betrügen, sei die wesentliche menschliche Eigenschaft. Wenn Maschinen darin genauso oder sogar besser sind, dann haben sie das Label KI wahrlich verdient. Hier etwas mehr dazu.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Ja, was soll man dazu sagen? „Mad Max: Fury Road“ ist kein Film, den man sich über’s Denken aneignet, sondern über’s Fühlen und Erleben. Er ist ein Film der Bilder, der Bewegung, der Action. Ich habe ihn 1,5 Mal gesehen. Das zweite Mal begonnen habe ich ihn auf dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum Film.

Victoria (Sebastian Schipper, Deutschland 2015)

Ich liebe „Absolute Giganten“ (hier zu meiner Filmstarts-Kritik), mag „Ein Freund von mir“, finde „Mitte Ende August“ (hier zur Kritik und zu einem Interview mit Sebastian Schipper) sogar noch etwas besser. Nach zwei Filmen, die nicht ganz an die Stärke des Debüts anschließen konnten, ist Sebastian Schipper mit „Victoria“ ein ganz starker Film gelungen. Der in Hannover geborene Filmemacher hat schon immer ein außergewöhnliches Gespür dafür, alltägliche Beziehungen in leicht überhöhter Form und trotzdem jederzeit nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. In allen seinen Filmen geht es um Freundschaft. In „Victoria“, seinem düstersten, ruhelosesten und mitreißendsten Film, der aus einer einzigen, atemberaubenden Plansequenz besteht, geht es um deren Schattenseiten. Um in einer Berliner Partynacht nicht allein zu sein, schließt sich die junge Spanierin Victoria einer Gruppe von jungen, feiernden Männern an. Gemeinsam erleben sie einen wunderbaren Abend – bis alles irgendwann eskaliert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Whiplash (Damien Chazelle, USA 2014)

„Whiplash“ ist der Film, bei dem ich mir am unsichersten bin, an welche Stelle meiner Top 10 er gehört. Je nach Stimmung, die sich von Minute zu Minute ändern kann, ist er wahlweise noch höher platziert oder gar nicht in der Liste. Aber dass Chazelles Fim so ambivalent ist, ist gleichzeitig auch eine seiner größten Stärken. Ob er ein heimliches Loblied auf die Leistungsgesellschaft oder eine hintergründige Kritik an ihr ist, bleibt offen und liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zur Kritik hier entlang:

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Die Brenner-Filme sind großartig. Ich weiß gar nicht genau, welcher mir am besten gefällt, wahrscheinlich „Der Knochenmann“ (2009). Aber auch „Das ewige Leben“ ist ein ganz feiner Film, denn hier erfährt der Zuschauer mehr über die Person Simon Brenner als je zuvor. Wer ist dieser Mann, der seine Karriere bei der Polizei begann, dann Privatdetektiv wurde und sich seitdem von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, dem das Scheitern zur zweiten Natur geworden ist und der trotzdem niemals locker lässt, auch wenn er dafür einiges einstecken muss? Doch nicht nur der Zuschauer erfährt viel. Auch der Brenner selbst erfährt einiges über sich und darüber, was ihm im Leben wichtig ist. Hier geht’s zu meiner Kino-Zeit-Kritik.

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Die letzten drei Filme hätten es in einem anderen Jahr mit mehr Kinobesuchen vermutlich nicht in meine Top 10 geschafft. Bei „It Follows“ hätte ich mir direkt nach dem Kinobesuch nicht einmal vorstellen können, dass er auch nur entfernt ein Kandidat sein könnte, wie hier nachzulesen ist. Aber der Film ist ordentlich nachgereift und hat sich ganz heimlich, still und leise zu den besten Filmen gesellt, die ich in diesem Jahr gesehen habe. „It Follows“ ist so sehr Traum, dass er, wenn man das erst einmal so richtig begriffen hat, mir zumindest umso mehr Angst gemacht hat. Ganz ehrlich, nach „It Follows“ habe ich ein paar Male schlecht geträumt. Und ein schöneres Kompliment kann man einem Horror-Film ja wohl nicht machen.

Star Wars – The Force Awakens (J. J. Abrams, USA 2015)

Wie so viele andere Menschen bin ich ein großer „Star Wars“-Fan und liebe Episode 4-6. Und wie ebenfalls nicht wenige, bin ich durch die Episoden 1-3 schwer traumatisiert worden. Als dann bekannt wurde, dass J. J. Abrams, der schon das StarTrek-Reboot vielleicht nicht kommerziell, aber doch künstlerisch gegen die Wand gefahren hatte, die Saga fortsetzen sollte, kümmerte mich das trotzdem nicht besonders, denn schlimmer als die letzten Filme konnte es ja nicht werden. Als Lawrence Kasdan zum Team der Fortsetzung hinzustieß und dann sogar der erste Trailer nicht so schlecht aussah, wurde mein Interesse schließlich doch geweckt. Lange Rede: Jetzt habe „Star Wars – The Force Awakens“ vor ein paar Tagen gesehen und… – Das krieg ich jetzt auf die Schnelle nicht in Worte gefasst, aber: Ich habe ein bisschen was zu mäkeln, aber der Daumen geht tendenziell hoch! Allein Daisy Ridley als Neu-Jedi Rey. So gut! Ein längerer Text folgt.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Ich habe immer noch nicht die Vorlage dieses Remake/Sequels gesehen, deswegen fehlt mir eigentlich ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Film wirklich einschätzen zu können. Aber, wie hier schon im Blog geschrieben, muss ich immer noch sagen: Auffällig guter, prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms. „The Town That Dreaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, der Film beeindruckt durch extremen Stilwillen und Inszenierungsfreude. Ich muss sagen, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr gesehen habe, was so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Sehr fein.

Es gibt noch eine Handvoll Filme, die ich eigentlich sehen wollte und von denen ich vermute, dass sie eine Chance auf einen Top-10-Platz gehabt hätten. Dazu gehören beispielsweise„Eisenstein in Guanajuato“,„Ich seh, ich seh“,„Duke Of Burgundy“„Everest“, „Sicario“, „Macbeth“ oder „Steve Jobs“. Aber dieses Jahr war echt wenig Zeit, so dass ich es einfach nicht hinbekommen habe. Es deutet sich allerdings an, dass sich bei mir nächstes Jahr etwas ändert. Im besten Fall bedeutet das, dass ich wieder mehr Zeit fürs Kino und Bloggen habe. Man darf mir gerne die Daumen drücken!

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Posted by – 21. April 2015

Ex Machina„Künstliche Intelligenz“ ist ein verdammt spannendes Thema! Schließlich läutet der Mensch durch die Erschaffung neuen, intelligenten Lebens seinen nächsten evolutionären Quantensprung ein. Oder macht er sich selbst überflüssig? Was macht den Mensch zum Menschen? Was macht ihn aus? – Überraschenderweise fallen mir gerade nur sehr wenige Filme ein, die sich ernsthaft, kompetent und unterhaltsam mit diesen Fragen auseinandersetzen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe Filme mit intelligenten Maschinen – diese Intelligenz wird allerdings immer nur behauptet, eine wirkliche Auseinandersetzung, was sie ausmacht, findet nicht statt. Anders bei Alex Garlands grandiosem Quasikammerspiel „Ex Machina“.

Der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt bei der firmeninternen Lotterie den Hauptpreis. Er darf Firmengründer Nathan (Oscar Isaac) treffen. Dieser lebt zurückgezogen in einem streng abgesicherten Areal in den Weiten Alaskas. Dort arbeitet der Tech-Guru an einen Projekt zur Künstlichen Intelligenz. Caleb hat nun die Aufgabe, den verblüffend menschlich aussehenden Roboter Ava (Alicia Vikander), einer Art Turing-Test zu unterziehen und herauszufinden, ob Ava wirklich über Intelligenz verfügt.

Der Turing-Test, benannt nach seinem Erfinder Alan Turing, ist eine Versuchsanordnung, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Dabei interviewt ein menschlicher Fragesteller ohne Sichtkontakt zwei andere Personen, von denen einer ein Mensch und einer eine Maschine ist. Wenn der Fragesteller nach dem Interview nicht sagen kann, wer Mensch und wer Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden. Caleb führt die Gespräche mit Ava gleich von Angesicht zu Angesicht, so wird schnell klar: Ava verhält sich wie ein Mensch! Und Caleb beginnt ziemlich schnell, eine Beziehung zu dem weiblich aussehenden Roboter aufzubauen.

Auf die Frage, warum „Ex Machina“ ein so starker – drei Wochen nach Sichtung möchte ich immer noch sagen – überragender Film geworden ist, gibt es mehrere Antworten. Die nachvollziehbaren Figuren z.B. Das Verhalten der zwei Menschen wie auch der KI erklärt sich aus ihre Wünschen – und was sie dafür zu tun bereit sind. Für mich ist das stärkste Argument für den Film die Ruhe und konzentrierte Kraft, mit der er sich seinem Thema stellt. Ganz allgemein könnte man sagen, das Gelingen des Films ist eine Sache von Form und Inhalt. Die meisten Filmemacher bisher konnten der Versuchung nicht widerstehen, dem Publikum auch etwas fürs Auge zu bieten. Aber mit Sensationen und den Mitteln des Actionkinos lässt sich das Geheimnis der Künstlichen Intelligenz eben nur unzureichend einfangen. Das soll nicht heißen, dass etwas an der Form in Alex Garlands Film in irgendeiner Hinsicht nicht zufriedenstellend wäre, im Gegenteil, das Design ist zurückhaltend aber dennoch ausgeklügelt, so wie fast alles an dem Film. So einen durchdacht-ästhetischen Film habe ich seit langem nicht gesehen! Nur steht sie, die Form, hier eben im Dienste des Inhalts und dieser ist – das kann man kaum anders sehen – äußerst clever gemacht. Warum ich den „Ex Machina“ so schlau finde, kann ich hier leider nicht in aller Tiefe ausbreiten, ohne diejenigen, die ihn noch nicht gesehen haben, eine Erfahrung zu nehmen. Insofern belasse ich es bei Andeutungen, empfehle aber allen, die den Film unbefangen genießen wollen, nicht weiterzulesen. Spontan würde ich denken, was die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz spannend machen kann, sind zwei Dinge. Zum einen die Frage, was es für das Selbstverständnis des Menschen und gesellschaftlich bedeuten würde, wenn es eine wirkliche KI gäbe. Zum anderen – und dies ist die zentrale Frage des Films – wie eine KI beschaffen sein muss, dass man ihr tatsächlich zugestehen würde, in allen wesentlichen Eigenschaften wie ein Mensch zu sein. Den Turing-Test zu bestehen, ist dabei sicherlich nur die eine Seite. Welche Eigenschaften gehören noch dazu? Mitgefühl? Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Beziehungen einzugehen? Überlebenstrieb? Irrational sein zu können? Sexappeal? Soviel sei verraten – Garland findet hier seine ganz eigene Antwort.

Nun ist „Ex Machina“ aber nicht nur deswegen so gut, weil er auf einer cleveren Prämisse beruht. Auch links und rechts seines Plots findet sich mehr als genug zum Entdecken. Es ist erstaunlich, wie viele Ideen Garland in seinen Stoff verwoben hat, ohne dass dieser überfrachtet wirkt; und wie spannend der britische Schriftsteller sein Regiedebüt – unterstützt durch das fantastische Trio Alicia Vikander, Oscar Isaac und Domhnall Gleeson – bis zum überraschenden, nachdenklich stimmenden und je nach Interpretation ziemlich traurigen Finale erzählt. Entgegen der genretypischen Klischees stellt sich hier nicht die Frage nach der Weltherrschaft der Maschinen, sondern eher ob die KI im Film nicht ein Epiphänomen und Ava nicht nur die erste, sondern gleich auch schon die letzte künstliche Frau sein wird. „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt“ sing Herbert Grönemeyer – „weil er lügt und betrügt“ hätte der Text bei Alex Garland gelautet. Und „weil er scheitern kann“, möchte ich noch hinzufügen.

Bild © Universal Pictures Germany

28 Days Later (Danny Boyle, Großbritannien 2002)

Posted by – 16. Januar 2015

28 days laterDa überlebst du die Zombie-Apokalypse, weil du dich während des Ausbruchs der Epidemie zufällig gerade im Koma befindest; du wachst auf und schlägst dich mit ein paar weiteren Überlebenden zum letzten Militärstützpunkt durch – nur um festzustellen, dass die Soldaten beinahe verroht sind, wie die tollwütigen Infizierten. Doof gelaufen. Aber angesichts der globalen Katastrophe eben auch nur eine kleine Tragödie, die im Meer des Schreckens sicherlich untergegangen wäre – hätten sich Danny Boyle und Alex Garland nicht entschlossen, genau darüber einen Film zu machen. Warum tun sie das? Weil sie zu Recht der Meinung sind, dass man das Kleine sehen muss, um das Große zu verstehen.

Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist nicht nur ein absoluter Zusammenbruch der Zivilisation, sondern auch die Erosion unserer Werte. Richtig ist in der postapokalyptischen Welt von „28 Days Later“ nur, was verhindert, dass du krepierst. Jede Art von Gemeinschaft kann hier nur Zweckbündnis sein. Wer nicht so lebt, lebt bald gar nicht mehr. Denn: „People killing people“, wie eine Figur an einer Stelle ganz richtig bemerkt. Die guten Menschen haben diese Welt bereits freiwillig verlassen. Wer noch lebt, hat entweder den Schuss nicht gehört oder ist bereit, alles zu opfern – auch seine Menschlichkeit. Da braucht es gar keine Zombies respektive mit dem „Wut“-Virus infizierte Maniacs, um deutlich zu machen, dass wir am Arsch sind.

Danny Boyle und sein Kameramann Anthony Dod Mantle schaffen Bilder, die zusammen mit der Musik von John Murphy zu Momenten werden, die sich einbrennen und einem auch noch Jahre später nicht aus dem Kopf gehen. „28 Days Later“ gehört meiner Meinung nach insofern fraglos zu den interessantesten Beiträgen des Epidemie- und Zombie-Genres, eben weil hier anhand einer kleinen Gruppe von Leuten bereits so viel erzählt wird. Tolles Drehbuch von Alex Garland auch! Dass ich diesen Film trotzdem nicht zu meinen ganz persönlichen Lieblingen zähle, hat aber genau diesen Grund: er ist mir ein klein wenig zu sehr auf diese schicken Szenen aus. Wenn der Protagonist Jim (Cillian Murphy) anfangs in seinem Krankenhauskittel durch das verlassene London stromert, dann ist das atmosphärisch, sehr sogar; oder wenn er man Ende – selbst schon beinahe ein lebender Toter – Jagd auf die letzten Un-Menschen macht: très chic! Für einen Film, der den Untergang wirklich fühl- und erfahrbar macht, ist das alles meiner Ansicht nach aber zu ästhetisch. John Rambo sagt: „Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden“. Ich wandle das mal leicht ab und sage: „Um nicht nur einen guten, sondern einen richtig großartigen Zombiefilm zu machen, darf man sich nicht davor fürchten, selbst ein wenig zu stinken“. Etwas mehr Mief hätte „28 Days Later“ bestimmt gut getan. Ansonsten aber starker Film!

Bild © Twentieth Century Fox

Dredd 3D (Pete Travis, USA 2012)

Posted by – 14. Oktober 2012

Es gibt ein paar Superhelden, die habe ich etwas weniger lieb als andere. Den Punisher zum Beispiel. Oder den Ghost Rider. Und auch der Judge Dredd gehört zu dieser illustren Runde. Meine Helden dürfen durchaus düstere, gebrochene Charaktere sein. Aber sie sollten zumindest versuchen, die Menschenrechte zu achten und nicht jeden Bösewicht gleich niederzumetzeln. Auch wenn Judge Dredd deswegen so gar nicht in mein Heldenschema passt, war ich doch gespannt auf die Neu-Verfilmung, die schon etliche gute Kritiken einfahren konnte und auch bei der Internet Movie Database recht gut bewertet wurde. Vorgestern habe ich „Dredd 3D“ nun gesehen. Und ich muss sagen: Kein freundlicher Film, aber er hat was.

Irgendwann in der Zukunft. Ein Großteil von Amerika ist radioaktives Ödland. Leben ist nur noch in riesigen Stadtkomplexen möglich. Die Story des Film  spielt in Mega City One. Doch dort regiert das Verbrechen. Nur die Judges, Polizisten, Richter und Vollstrecker in einem, versuchen sich dem Chaos entgegenzustellen. Judge Dredd (Karl Urban) ist der berühmteste unter ihnen. Als er zusammen mit seiner PSI-begabten Kollegin Cassandra Anderson  (Olivia Thirlby) einen Gangster festnehmen will, der mit der Designer-Droge Slo-Mo dealt, gerät er allerdings der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey) in die Quere.

Die Ähnlichkeiten von „Dredd 3D“ und Gareth Evans „The Raid“ sind unverkennbar. In beiden Filmen sitzt eine Gruppe Polizisten in einem Hochhaus fest und versucht sich ihren Weg freizukämpfen. Beide Filme sind brutal und düster; doch während „The Raid“ ein agiler, toll choreografierter Kampfsport Film ist, setzen Regisseur Pete Travis und Autor Alex Garland  andere Schwerpunkte. “Dredd 3D” ist trotz zahlreicher Explosionen seltsam schwerfällig und wirkt gegenüber Evans leichtfüßigem Film wie ein bleierner Koloss. Karl Urban („Star Trekk“, „Pathfinder“) ist großartig in der Rolle des wortkargen, desillusionierten Gesetzeshüters. In seiner Uniform fast träge, doch gleichzeitig unglaublich selbstsicher und präsent, stampft er durch den Gebäudekomplex und ballert alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Judge Dredd nimmt seinen Helm nie ab, strahlt allein mit seiner Mundpartie  aber soviel Bitterkeit und Verachtung aus, dass man eine Gänsehaut bekommen kann. Da ist man als Zuschauer durchaus froh, wenn ab und an jemand wieder einen Slow-Motion-Rausch hat, alles strahlt und glitzert oder Olivia Thirlby strahlend blondes Haar durchs Bild weht und ein bisschen Licht in dieses nachtschwarze Etwas von einem Film bringt.  Wenn man das alles sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die Zeit der Helden vorbei ist. „Dredd 3D“ ist bitterböses, galliges, ja fast schon zynisches Action-Kino – aber vielleicht auch genau der Film, den wir für den ersten Teil des 21. Jahrhunderts verdient haben.

Also, wie gesagt, der Film hat was. Aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob mir das wirklich gefällt. Hätte ich den Film gemacht, ich glaube, dann wäre Slo-Mo legal und Judge Dredd würde 90 Minuten lang high in der Badewanne sitzen und mit den Blasen spielen. Das wäre doch auch mal schön. Nicht immer diese ganze Gewalt. Brrr.

Bild © Universum Film