Tag: Alfred Hitchcock

Do You Like Hitchcock? (Dario Argento, Spanien, Italien 2005)

Posted by 17. Oktober 2013

DJLH#horrorctober zum Dritten. Diesmal mit der Hitchcock-Hommage „Do You Like Hitchcock“ (OT: Ti piace Hitchcock?), einem Film, der beweist, dass Dario Argento mitnichten seit den späten 1990ern nur Ausschusswahre herstellt. Bei „Sleepless“ (2001), quasi einem Best-of des eigenen Schaffens, konnte ich mich ja schon mit eigenen Augen überzeugen, dass Argento durchaus da noch in der Lage war, starke Filme zu machen. Und auch „Do You Like Hitchcock?“ beweist nicht das Gegenteil. Die Vorzüge des Films sind allerdings weniger die für den Regisseur früher typischen Merkmale wie der formale Einfallsreichtum, die Elemente aus dem Genre des Giallo und die in die Irre geführte Wahrnehmung (des Protagonisten wie auch des Zuschauers) gehören.

Der Filmstudent Giulio (Elio Germano) beobachtet sehr gerne die schöne Nachbarstochter Sasha (Elisabetta Rocchetti). Als deren Mutter umgebracht wird, folgert der Cineast messerscharf, dass es die Tochter und deren Bekannte Federica (Chiara Conti) gewesen sein müssen – schließlich hat er die beiden in der Videothek erwischt und sie über Alfred Hitchcocks „Strangers on a Train“ reden hören. Zusammen mit seiner Freundin Arianna (Cristina Brondo) nimmt Giulio die Ermittlungen auf.

„Do You Like Hitchcock“ ist ein ruhiges, manchmal fast schon entspanntes Gruselvergnügen mit – das macht ja schon der Titel überdeutlich – vielen Giallo- und noch mehr Hitchcock-Referenzen. Neben besagtem „Strangers on a Train“ werden auch fleißig Filme wie „Rear Window“, „Dial M for Murder“ und „Vertigo“ zitiert. Und auch Bezüge zu seinen eigenen Filmen herzustellen, vergisst Argento in diesem für’s TV produzierten Film nicht. Mich hat diese verspielte Gegenüberstellung zweier Meister des Spannungskinos jedenfalls gut unterhalten und irgendwie auch amüsiert – vielleicht weil Agento in dieser Liebeserklärung die großen Fußstapfen seines Vorbilds einerseits nicht annähernd ausfüllt, andererseits so selbstbewusst hineintritt, dass man – wie so oft bei Argento – das Gefühl bekommt, es würde ihm um etwas anderes gehen als das Offensichtliche.

Was sich mir jetzt beim ersten Anschauen und ohne zu recherchieren nicht erschlossen hat, ist der Anfang des Films: Dieser zeigt einen jungen Giulio, der zwei Frauen beobachtet, die in einer Waldhütte ein Huhn schlachten. Der Junge wird bemerkt, kann aber fliehen. Allerdings nicht ohne noch die Schreie der Frauen zu vernehmen. „You’ll be sorry, I’ll kill you, You’ll never get away from us“, rufen sie ihm nach. Ich deute die Worte jetzt einfach mal so, dass Giulio dazu verflucht wird, für den Rest seines Lebens ein Beobachter zu sein. Kein Wunder, dass er sich für ein Filmstudium entschlossen hat.

Bild © Highlight Video
 

Rope (Alfred Hitchcock, USA 1948)

Posted by 15. März 2013

Hitchcock Collection„Und Hochmut ist’s, wodurch die Engel fielen,  woran der Höllengeist die Menschen fasst“ – Friedrich Schiller

Die Studenten Brandon Shaw (John Dall) und Phillip Morgan (Farley Granger) wollen den perfekten Mord begehen. Ihre Wahl fällt auf ihren Kommilitonen David (Dick Hogan). Um den Triumph ihrer Tat voll auszukosten, legen sie die Leiche in eine Truhe, die auf einer Party am gleichen Abend als Buffet dient. Unter den Partygästen befindet sich auch der scharfsinnige Professor  Rupert Cadell (James Stewart), der bald Verdacht schöpft.

Bei Klassikern solchen Kalibers fühle ich mich manchmal etwas gehemmt, meine Meinung kund zu tun. Zu „Rope“ möchte ich aber dennoch ein paar Sätze schreiben, zum einen weil er mir ganz hervorragend gefallen hat, zum anderen, weil ich aufgrund einer mit 14 Titeln bestückten DVD-Box, die neuerdings mein Regal schmückt, mit dem Gedanken einer kleinen Hitchcock-Retrospektive hier im Blog spiele. Zu Rope möchte ich erst einmal Folgendes sagen. Ich bin froh, dass mir gerade dieser Film als erster aus der Box in die Hände gefallen ist, denn er hat mir richtig Lust gemacht, weitere Hitchcock-Filme zu sehen. „Rope“, der in Deutschland unter dem putzigen Titel „Cocktail für eine Leiche“ bekannt ist, funktioniert sowohl als spannendes Krimi-Kammerspiel als auch als Reflexion über menschliche Allmachtsfantasien. Was ich immer gerne sehe ist die Begrenzung des Raums, sei es durch kammerspielartige Anordnungen wie z.B. bei „12 Angry Men“ oder zum Zwecke klaustrophobischer Szenarien wie etwa bei „Cube“ – oder fast allen Filmen von John Carpenter. Auch „Rope“ zieht einen Teil seiner Kraft aus dem Handlungsort, der Wohnung von  Brandon und Phillip. Hitchock konnte so seine handwerkliche Perfektion unter Beweis stellen, Außerdem steigert die Limitierung des Raums die Spannung erheblich und gibt vielleicht sogar einen Ausblick auf die Zukunft der beiden Mörder.

Über die wahrscheinlich hinlänglich bekannten oder zumindest leicht zu ergoogelnden Besonderheiten von „Rope“ (nur 10 teilweise getarnte Schnitte, selten dezenter Cameo des Meisters, homoerotische Dimension der Geschichte etc.) will ich mich gar nicht äußern. Ein ebenfalls bekannter Aspekt des Films, auf den ich durch das auf der DVD enthaltene Interview mit dem Drehbuchautor Arthur Laurent gestoßen bin, finde ich aber doch interessant. Laurents Version des Scripts, das er gegen Hitchcock allerdings nicht durchsetzen konnte, sah vor, den Mord nicht gleich am Anfang des Films zu zeigen. Der Zuschauer sollte bis zum Ende im Unklaren gelassen werden, ob die beiden Studenten ihren Kommilitonen tatsächlich umgebracht und in der Truhe versteckt haben. Dadurch hätte sich nach dem Autor ein stärkerer Spannungsbogen aufbauen lassen. Ich hätte der Version von Laurent auch den Vorzug gegeben, weil sie einige Stärken des Films noch mehr zum Vorschein gebracht hätte. Ich meine damit gar nicht mal die dramaturgischen Gründe, die Laurent selbst anführt, sondern eine zusätzliche Bedeutungsebene, die diese ungewisse Situation verstärkt hätte. Nämlich, den Zuschauer dazu zu bringen, sich mit den elitären Überlegenheitsfantasien Brandons wirklich auseinanderzusetzen und ihn nicht gleich als gestörten Mörder abzustempeln. In seiner letzten Form ist „Rope“ ein sehr spannender, in seinem Minimalismus faszinierender und absolut präziser Film. Mit der ursprünglichen Drehbuchfassung wäre aber noch eine clevere Reflexionsebene über den nur scheinbar fluiden Übergang zwischen intellektuellem Spiel und blutiger Wirklichkeit hinzu gekommen. Für mich wäre das das i-Tüpfelchen gewesen.

Bild © Cover Universal, Foto ich