Tag: Alien Invasion

Invaders From Mars (Tobe Hooper, USA 1986)

Posted by – 3. Oktober 2014

Invasion vom Mars#Horrorcober #6

Tobe Hooper hat nicht nur rein äußerlich ein wenig Ähnlichkeit mit Steven Spielberg, auch beruflich haben die beiden Regisseure einiges miteinander gemein. In den frühen 1980er Jahren drehte Hooper für Spielberg „Poltergeist“, 20 Jahre später wirkte er an Spielbergs Miniserie „Taken“ mit; und auch Toopers „Invaders From Mars“ ist so etwas wie die Alptraum-Version von Spielbergs „Close Encounters Of The Third Kind“

Der jungeDavid (Hunter Carson) beobachtet eines Nachts aus dem Fenster wie hinter dem Hügel seines Elternhauses ein Ufo landet. Seine Eltern glauben ihm nicht. Am nächsten Morgen ist sein Vater (Timothy Bottoms), der nach eigenem Bekunden hinter dem Hügel nachgesehen und nichts gefunden hat, irgendwie verändert. Und auch in der Schule beobachtet David seltsame Veränderungen. So verhält sich seine Lehrerin Mrs. McKeltch (Louise Fletcher) eigenartig. Oder ist es normal, dass sie die Frösche, die eigentlich für den Bio-Unterricht gedacht waren, plötzlich selber isst? Zusammen mit Mrs. Magnusson (Karen Black) und General Wilson (James Karen) macht sich David daran, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Natürlich sind mal wieder Außerirdische schuld, genauer die im Titel schon erwähnten Marsianer. Aber obwohl man das ja schon von Anfang an weiß, wird im Film die Katze für meinen Geschmack trotzdem zu früh aus dem Sack gelassen. Ich mag „Invaders From Mars“ solange er etwas von „Invasion of the Body Snatchers“ hat, doch wenn die klopsigen Marsianereinmal ins Bild kommen, ist das Ganze einfach nur noch putzig und für einen Erwachsenen, der versucht, sich im Rahmen des #Horroctober etwas zu gruseln, einfach nicht das Richtige. Die Effekte, vor allem das Monsterdesign wie auch zahlreiche zähe, und ein paar einmalig kauzige Momente im Verlauf des Films, machen es dem gruselwilligen Zuschauer nicht leicht. Man wird einfach das Gefühl nicht los, die Autoren hätten die Essenz der Geschichte nicht verstanden. (Oder wollten sie wohlmöglich etwas ganz anderes, als man erwartet?) Schade, denn Szenen wie solche, als erst Davids Eltern und später noch andere Personen hinter dem Hügel verschwinden und später verändert zurückkehren, haben sich tief in mein Gehirn gebrannt. Vor allem der anfängliche Charakterwandel von Davids Vater hat mich damals als Jugendlicher wirklich gegruselt. Nach dem Film habe ich meine Eltern tatsächlich eine zeitlang argwöhnisch beäugt und mich jedes Mal, wenn sie abends vom Sport wiedergekommen sind, gefragt, ob es noch die gleichen Eltern sind.

Ein wenig ging es mir mit „Invaders From Mars“ wie mit „Fright Night“ und „Night Of The Creeps“, feine Filme zweifellos, aber sie entfalten leider nicht mehr die Wirkung, wie sie es bei mir als Teenager getan haben. Hoopers Remake wirkt wie eine proportionslose, irgendwie groteske Version eines Spielbergfilms – und ist übrigens Jugend(alp)traum im doppelten Sinne: Nicht nur, weil ich ihn damals besser fand, auch das internationale Ende bietet einen Twist, der die Seltsamkeit des Films noch einmal in ein anderes Licht rückt und viele seiner sonderlichen Einfälle konzeptionell einbindet. So war ich zum Schluss, auch wenn die ganz große Begeisterung ausblieb, doch irgendwie wieder versöhnt.

Bild © Koch Media
 

Grabbers (Jon Wright, UK / Irland 2012)

Posted by – 28. Dezember 2012

GrabbersAlkohol löst keine Probleme, heißt es ja so schön. Dass dieser Ausspruch völliger Quatsch ist, beweist Jon Wrights Sci-Fi-Horror-Filmchen „Grabbers“. Dort rettet Alkohol Leben, ja – vielleicht den ganzen Planeten!

In dem irischen Fischerdörfchen Erin Island geht es in der Regel sehr ruhig zu. Das ändert sich als sich Außerirdische den heimischen Strand als Nistplatz für ihre Eier aussuchen. Außerdem sind die an Kraken erinnernden Monster einem Schlückchen Menschenblut nicht abgeneigt. Dorfpolizist O’Shea (Richard Coyle) und seine neue Kollegin, die Polizistin Lisa (Ruth Bradley), finden durch Zufall die Schwachstelle der Wesen: Alkohol. Um die nächste Nacht zu überstehen und sich vor den Invasoren zu schützen, verbarrikadieren sich die Dorfbewohner im Pub – und feiern was das Zeug hält. So eine Party hat Erin Island noch nicht gesehen.

Auf dem letzten Fantasy Filmfest entwickelte er sich schnell zum Publikumsliebling. Und auch die Rezensionen zum Film fielen überwiegend positiv aus. So ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Sicher, die „Sauf um dein Leben“-Idee ist ganz witzig und die Figuren des Films sind sehr charmant geschrieben. Aber irgendwie hätte man aus den Zutaten viel mehr machen können. Für meinen Geschmack hätten die Grabbers z.B. ruhig etwas mehr grabbeln dürfen.

„Grabbers“ ist anspruchslos-nette Unterhaltung für zwischendurch und selbst ein wenig wie ein Kneipenabend: Währenddessen ist er ganz nett. Doch am nächsten Tag setzt die Ernüchterung ein und man fühlt sich irgendwie betrogen.

Bild © Ascot Elite
 

Cowboys & Aliens (Jon Favreau, USA 2011)

Posted by – 26. Dezember 2012

Cowboys & AliensAliens? Finde ich gut! Und auch an Western habe ich nichts Grundsätzliches auszusetzen. (Ok, einmal davon abgesehen, dass viele Vertreter dieses Genres den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern verharmlosen.) Insofern könnte Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ trotz der ganzen durchwachsenen Kritiken ja doch vielleicht ganz okay sein – habe ich gedacht.

Ein Cowboy (Daniel Craig) erwacht in der Wüste. An seinem Handgelenk befindet sich ein seltsames Gerät. Was ist das? Und wie ist es dahin gekommen? Schnell findet der Mann heraus, dass seine Erinnerungslücke sogar noch größer ist. Nicht mal daran, wie er heißt, kann er sich erinnern. Auch in dem nahegelegenen Dorf findet er keine Antworten. Dafür bekommt er aber Ärger mit dem Sheriff Taggart (Keith Carradine), der ihn für den Gesetzlosen Jake Lonergan hält und dem brutalen Rinderbaron, dem Ex-Colonel Dolarhyde (Harrison Ford); und dann tauchen über dem Dorf auch noch unbekannte Flugobjekten auf und – Aliens greifen an.

Wenn Außerirdische auf die Erde kommen, wollen sie in der Regel a) Menschen entführen, um Versuche mit ihnen zu machen, b) die irdischen Rohstoffe ausbeuten oder c) gleich den ganzen Planeten erobern. Die Aliens aus diesem Film fallen in die Kategorie a) und b). Die Motive der Schauspieler in diesem Film mitzumachen, sind schon schwieriger zu durchschauen. Harrison Ford, Daniel Craig, Clancy Brown, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Keith Carradine, Paul Dano, Walton Goggins,.. Was machen sie in diesem Film? Warum wollten sie dabei sein? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass alle vorher das Drehbuch gelesen haben, sonst hätte es sich der eine oder andere  vielleicht zweimal überlegt. ‏@thetruemilhouse bietet auf Twitter folgende Erklärung für das Staraufgebot an: „Die haben sich danach bestimmt gegenseitig gefragt, warum sie mitgemacht haben. Und gegenseitig geantwortet: ‚Na, weil ihr dabei wart.’“ – So könnte es tatsächlich gewesen sein.

Zu viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Viel schlimmer für den Brei aber sind schlechte Köche. Bei „Cowboys & Aliens“ kommt beides zusammen. Mark Fergus und Hawk Ostby haben durch ihre Mitarbeit an „Iron Man“ und „Children Of Men“ eigentlich einen guten Namen, aber hier ist davon nichts zu sehen. Nach „The Legend of Zorro“, „Transformers“ oder auch „Star Trek“ bin ich im Übrigen der Ansicht, dass Roberto Orci und Alex Kurtzman als Autoren grundsätzlich nicht viel taugen, weil sie keine Ideen haben. Anders Damon „Lost“ Lindelof. Ideen überhaupt erstmal zu haben, scheint nicht sein Problem. Dafür aber sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Das ist schon bei seinem holprigen „Prometheus“-Script-Schreiben deutlich geworden. Ja, „Cowboys & Aliens“ hat einige Probleme, die zwei größten sind: Zum einen macht das alles nicht besonders viel Sinn – weder im Großen und Ganzen noch im Detail. Dass die Alien beispielsweise so öffentlichkeitswirksam Menschen entführen ist genauso ein Quatsch wie, dass sie es überhaupt tun. Eigentlich fragt man sich permanent: WTF!? Die Figuren des Films sind ebenfalls nicht besonders durchdacht: Ella Swensons  (Olivia Wilde) Wandel vom toughen Cowgirl zur außerirdischen Weltenretterin kann ich da noch eher glauben als die Transformation von Papa und Sohnemann Dolarhyde zur liebenswürdigen Wildwest-Familie. Unglaubwürdigkeit ist aber nur das eine Problem. Zum anderen – und das wiegt wesentlich schwerer – ist „Cowboys & Aliens“ einfach nur eine Aneinanderreihung von Western-und Alien-Invasion-Klischees. Das ist wahnsinnig uninteressant und besonders gut zusammen passt das auch nicht.

Das soll jetzt gar nicht so vernichtend klingen. Man kann den „Cowboys & Aliens“ schon ganz gut aussitzen. Und mitunter amüsiert das eine oder andere Versatzstück, das von Favreau nicht ganz ohne Augenzwinkern serviert wird. Aber ich ärgere mich einfach, dass ein Film, für den über 160 Million Dollar ausgegeben wurden, der außerdem zahlreiche großartige Schauspieler versammelt und bei dessen Thema sich weiterhin eine fantasievolle Umsetzung geradezu aufgedrängt hätte, sein Potenzial so gedankenlos in verspielt. „You have to stop thinking“ sagt Ella irgendwann zu Jake. Er tut wie ihm heißen, bald darauf fliegt alles in die Luft. Happy End. Am Ende bleibt der Held des Films mit schwerem Dachschaden zurück. Aber er ist glücklich. Und ich sitze frustriert auf dem Sofa, aber erfreue mich wenigstens geistiger Gesundheit.

Bild © Paramount Home Entertainment
 

The Darkest Hour (Chris Gorak, USA, Russland 2011)

Posted by – 19. August 2012

Nachdem ich gefühlte 80 News zu dem Film geschrieben habe, konnte ich mir „The Darkest Hour“ jetzt endlich auch mal ansehen.

Die Menschheit wird überraschend von einer fremden Spezies angriffen, die Kontrolle über Elektrizität hat und diese als Waffe einsetzt. Luke (Emile Hirsch), Ben (Max Minghella), Natalie (Olivia Thirlby) Anne (Rachael Taylor) und Skyler (Joel Kinnaman) verschanzen sich in einem Keller. Doch als sie ihr Versteck verlassen, hat sich die einstige Metropole in eine Geisterstadt verwandelt. Verzweifelt suchen Luke und die andere Überlebenden nach eine Möglichkeit, sich gegen die überlegenden Aliens zu wehr zu setzen.

Eigentlich eine schöne Idee, dass die Außerirdischen kaum zu sehende Elektrowesen sind. Leider macht Chris Gorak zu wenig daraus. Die Spannungskurve flacht nach einem guten Auftakt erstaunlich schnell ab, was auch daran liegt, dass man sich mal wieder mit den Figuren keine Mühe gegeben hat. Zwischen ihnen passiert einfach viel zu wenig. Auch die Außerirdischen machen nur kurz neugierig, bevor sich die Effekte wiederholen und dem Zuschauer klar wird, dass sie so gefährlich wohl auch nicht sind. Bei „Battleship“ waren die Invasoren nahezu blind. Bei „The Darkest Hour“ können sie ebenfalls nicht besonders gut sehen (unattraktiv veranschaulicht durch die Ego-Perspektive) und hören tun sie auch nix. Das macht das Fliehen und Verstecken relativ leicht.

Nachdem ich nach der Hälfte schon den Glauben an den Film verloren hatte, kam dieser nach etwa Stunde dann doch noch mal kurz zurück und präsentiere zumindest ein ordentliches Quantum Irrsinn: Ein durchgeknallter Elektriker der in einem Faraday’schen Käfig wohnt und ein Mikrowellen-Gewehr gebaut hat, eine Gruppe von Widerstandskämpfern in seltsamen Kostümen, ein verkleidetes Pferd usw. So konnte ich mir „The Darkest Hour“ für den Rest der Spieldauer immerhin noch als einigermaßen unterhaltsamen Trash gefallen lassen. Trotzdem insgesamt enttäuschend.

Bild © Twentieth Century Fox
 

Slither (James Gunn, USA 2006)

Posted by – 14. Mai 2012

Dass so ein Komet mal irgendetwas Schönes, Freundliches zur Erde bringt, ist sicher nicht die Regel. Auch bei James Gunns Debüt „Slither“ hat der Himmelskörper, der nahe der Kleinstadt Wheelsy abstürzt, für ihre Bewohner nichts wirklich Gutes, sondern wieder einmal nur eine gemeingefährliche außerirdische Lebensform dabei. Und so nimmt die Geschichte  ihren Gang:  Weil seine Frau Starla (Elizabeth Banks) ihn abgewiesen hat, wandert der sexuell frustrierte   Grant (Michael Rooker) durchs nächtliche Wheelsy. Statt einem amourösen Abenteuer findet Grant allerdings nur einen außerirdischen Parasiten, der den Mann in ein fleischfressendes, unförmiges Monster verwandelt. Sheriff Bill Pardy (Nathan Fillion) und eine Gruppe Dorfbewohner machen sich auf, den Mutanten zur Strecke zu bringen. Das mit mäßigem Erfolg.

Sein Debüt wirkt wie ein Fan-Film. In „Slither“ hat James Gunn so ziemlich alles untergebracht, was es je in Alien-Invasion-Filmen der letzten Jahrzehnte gab. Hinabstürzende Meteoriten, schleimige Würmer, Menschen, die außerirdischen Parasiten als Wirte dienen, große, unförmige Monster, die sich von rohem Fleisch ernähren und wachsen bis sie platzen, Blut, das ätzend ist wie Säure und vieles, vieles mehr. „Slither“ ist damit so eine Art best of. Habe ich mich bei ersten Gucken noch darüber gefreut, dass er für Fans solcher Filme so gut wie keine Wünsche offen lässt, habe ich es eben, bei der Zweitsichtung, als sehr positiv empfunden, dass Gunn der Mehrheit seiner Figuren mit dem nötigen Respekt begegnet und sie nicht zu charakterlosem Mutantenfutter degradiert. Die fast schon tragische Dreiecksgeschichte zwischen Nathan Fillion (wie immer sehr witzig), Elizabeth Banks und Michael Rooker, die durch die Mutation von letzterem ins grotesk-dramatische übersteigert wird, ist nur ein Beispiel für die gelungene Chemie zwischen den Figuren.

„Slither“ ist bestimmt kein Meisterwerk. Dazu ist er nicht originell genug. Ein handwerklich guter, in gewisser Weise kompromissloser und gleichzeitig sehr humorvoller Film ist er dennoch. Wenn die infizierten Personen sich über ihren schrecklichen Hunger beklagen während sie alles in sich reinstopfen, kann man das durchaus auch auf den Film in seiner Gesamtheit beziehen. James Gunn hat schreckliche Lust, Filme zu machen und alles in sein Debüt gestopft. Dass er, wenn er etwas maßvoller agiert, noch um ein vielfaches effizienter sein kann, hat er ja schließlich  in seinem zweiten Spielfilm „Super“ gezeigt.

Bild © Universal
 

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by – 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht „Die Rächer“ nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch „Die Rächer“ nennen.

Bild © Walt Disney
 

Battleship (Peter Berg, USA 2012)

Posted by – 15. April 2012

Aliens wollen mal wieder die Erde erobern. Dass es auch dieses Mal nicht klappt, liegt daran, dass die Außerirdischen alles andere als vorbereitet aufmarschieren. Einerseits hochtechnisiert, so dass sie irre Entfernungen von jetzt auf gleich überwinden können, scheint es ihren Raumschiffen andererseits an so etwas wie einem Ortungssystem zu fehlen. So verlieren die Angreifer gleich in der Erdumlaufbahn eines ihrer Schiffe, weil sie gegen einen Satelliten brettern. Und ihre Pechsträhne hält auch nach der Landung in den Gewässern vor Hawaii an. Denn die Nationen der Erdlinge veranstaltet ausgerechnet dort, wo die Invasoren niedergehen, einen kleinen Wettkampf ihrer Kriegsflotten. So ein paar Kriegsschiffe sollten für die überlegene Technik der Aliens eigentlich kein Problem sein. Leider haben diese ihre Angriffssysteme – das gilt für ihre Raumschiffe sowie auch im Nahkampf für ihre Körperpanzer – so programmiert, dass Feinde tendenziell nicht angegriffen werden. Was auf den Displays grün (und nicht rot!) blinkt, wird verschont. Und grün blinkt so ziemlich alles. Das gibt den Menschen unter der Führung des Heißsporns Alex Hopper (Taylor Kitsch) die Möglichkeit, die Angreifer nach und nach auszuschalten.

Wer einen intelligenten/spannenden/originellen Alien-Invationen-Film sehen möchte, soviel sollte klar geworden sein, trifft mit „Battleship“ die falsche Wahl. Aber dies war wohl auch kaum vorrangiges Ziel seiner Macher. Bei einer Verfilmung des Spiels „Schiffe versenken“ stehen natürlich die Schauwerte im Vordergrund. Und tatsächlich beginnt nach einer halben Stunde, in der Figuren vorgestellt werden (und die mir eigentlich ganz gut gefallen hat), schon der anderthalbstündige Showdown. Überraschenderweise hat der Film für mich auch hier keinen Boden gut gemacht – und das auch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass „Battleship“ nicht viel mehr sein will als ein Actionfilm, bei dem möglichst viel zu Bruch geht. Das liegt zum einen an dem schon erwähnten Punkt, dass die Angreifer aufgrund ihrer unpraktikablen Technik keine echten Gegner sind, zum anderen aber auch daran, dass die zuvor nicht ungeschickt aufgebaute Beziehungskonstellation, leichtfertig – und im Falle von Stone Hopper (Alexander Skarsgård) ganz wortwörtlich – über Bord geworfen wird. Während der Scharmützel im Verlauf des Film passiert emotional rein gar nichts mehr. Aber auch die Actionszenen habe mir nicht wirklich gut gefallen: Manche Sequenzen scheinen sich zu wiederholen, z.B. wenn die Raumschiffe der Außerirdischen aus dem Wasser hopsen. Und das CGI mag auf der Höhe der Zeit sein, richtig Wucht hat trotzdem kaum eine der Szenen.

Trotzdem ist „Battleship“ nicht völlig uninteressant. Die erste halbe Stunde bietet immerhin gute Comedy; und danach kann man dicke Hawaiianer zählen, sich fragen, ob man da gerade Militärpropaganda schaut (oder ob es vielleicht doch irgendeinen Hintersinn gibt?), sich über die verpeilten Außerirdischen oder wahlweise Rihanna in ihrer ersten Rolle beömmeln. Oder doch einfach nur den Mut von Liam Neeson bewundern, der nach „The A-Team“, „Clash Of The Titans“, „The Grey“ und „Wrath Of The Titans“ wieder mal in einem nach rationalen Maßstäben miesen Film mitmacht, ohne dadurch das Gesicht zu verlieren.

Bild © Universal Pictures