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Trollhunter (André Øvredal, Norwegen 2010)

Posted by – 23. April 2012

Ich hatte einen schönen Abend. Die Erkältung klingt ab, die Lasagne hat in freundlicher Gesellschaft noch besser geschmeckt und im Anschluss gab es einen tollen Film, von dem ich hier kurz berichten will.

Zuerst halten die drei Filmstudenten Thomas (Glenn Erland Tosterud), Kalle (Tomas Alf Larsen) und Johanna (Johanna Mørck) Hans (Otto Jespersen) für einen Wilderer, doch als sie ihn mehrere Tage beschatten finden sie heraus: der Mann hat einen ganz anderen Job. Denn Hans ist Trolljäger. Im Auftrag der norwegischen Regierung erledigt er Trolle, die aus ihrem Revier ausgebrochen sind. Und Hans hat keine Lust mehr, zu schweigen und nimmt die drei Studenten deswegen mit auf einen irren Trip quer durchs Land, um sich bei seiner Arbeit filmen zu lassen.

Found-Footage-Filme waren noch nie so richtig mein Fall. „Blair Witch Project“ fand ich gut, alles was danach kam, weniger. Vielleicht, weil ich das Genre als erzählerisch limitiert empfinde und der Doku-Look bei Spielfilmlänge auf mich gezwungen wirkt. Bei Trollhunter (OT: Trolljegeren) von André Øvredal allerdings hatte ich all diese Probleme nicht. Im Gegenteil. Ich bin gerade immer noch wie elektrisiert und ganz verknallt in diesen wunderbaren wunderbaren Film.

„Trollhunter“ überführt die Sagengestalt in die reale Welt und deutet gleichzeig die norwegische Wirklichkeit so, dass ganz alltägliche Dinge, wie Hochspannungsleitungen, Steinschläge und umgestürzte Bäume, auf einmal Indizien für etwas Phantastisches werden. Bei ihrer Reise durch Norwegen, die auch durch fabelhafte Landschaftsaufnahmen besticht, bekommen die Studenten – und mit ihnen der Zuschauer – eine ganze Reihe von Informationen über die Geheimnisse des Landes. Dazu zählt natürlich vor allem ganz viel Insiderwissen über Trolle im Allgemeinen und das Leben und Sterben von Trollen in Norwegen im Besonderen. Vieles davon ist irre komisch, anderes einfach nur absurd, wieder anderes richtig ans Herz gehend. Aber alles trägt dazu bei, dass „Trollhunter“ eine ganz eigene Stimmung hat.

Von zwei, bis drei kleine Problemchen abgesehen, z.B. Thomas’ T(r)ollwutinfention, die irgendwie im Sande verläuft, oder der neuen Kamerafrau, die sich zu nahtlos ins Geschehen einfügt, war „Trollhunter“ eine der schönsten Entdeckungen der letzten Zeit und ein Film, für den ich von nun an richtig die Werbetrommel rühren werden.

Und jetzt habe ich vor lauter Schwärmerei ganz vergessen, etwas über den großen, den einzigen, den tragischen Trolljäger Hans zu schreiben, der schon allein Grund genug wäre, den Film toll zu finden. Hätte ich diesen Film als Kind gesehen, wäre mein Berufswunsch wahrscheinlich auch Trolljegeren gewesen.

 Bild © Universal