Tag: Anne Hathaway

Rachel Getting Married (Jonathan Demme, USA 2008)

Posted by – 13. April 2015

rachel getting marriedDer Oscarpreisträger Jonathan Demme hat schon einige beachtliche Filme gemacht. An die Spitze der US-amerikanischen Regisseure brachte ihn die Roman-Verfilmung des Thomas-Harris-Thrillers „The Silence of the Lambs“, für den er auch die begehrte Trophäe der Academy erhielt sowie zwei Jahre später das Aids-Drama „Philadelphia“. Nach einigen weiteren sehenswerten, aber kommerziell wenig erfolgreichen Filmen meldete sich der Ausnahmeregisseur mit „Rachel Getting Married“ im Jahre 2008 eindrucksvoll zurück. Und auch für seine Hauptdarstellerin Anne Hathaway bedeutet er die endgültige Aufnahme in die Riege der ernstzunehmenden Schauspieler. Völlig zu Recht wurde sie für ihre Rolle der Kym für den Oscar nominiert.

Die alkoholabhängige Kym (Anne Hathaway) kehrt zur Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) aus der Entzugsklinik nach Hause zurück. Doch Kym kann sich mit der Nebenrolle am großen Tag ihrer Schwester und der vordergründigen Harmonie in ihrem Elternhaus nicht abfinden. Sie sabotiert die Hochzeitsvorbereitungen und die anschließende Feier mit bissigen Kommentaren und melodramatischen Auftritten. Auch wenn ihr Vater Paul (Bill Irwan) versucht, die Wogen zu glätten, kommt es doch zum offenen Konflikt in der Familie Buchmann. Alte Wunden drohen wieder aufzureißen.

Drogensüchtige Tochter stört Hochzeit ihrer Schwester und sorgt somit für Spannungen. Liest man diese Kurzzusammenfassung, die zugegebener Maßen nicht allzu originell klingt, mag noch keine rechte Vorfreude aufkommen. Demjenigen, der die Filmhandlung lediglich als einfaches Familiendrama begreift, wird sich Demmes Film auch nicht erschließen. Doch Demme wäre nicht der Regisseur, der er ist, hätte er in dem Drehbuchdebüt von Jenny Lumet (Tochter des großen Sidney Lumet) nicht viel Potenzial erkannt. Erstaunlich schonungslos und trotzdem immer fair analysiert er den fragilen Mikrokosmos der Familie Buchmann. Kameramann Declan Quinn ist immer ganz dicht am Geschehen und zeigt mit seiner Handkamera in teilweise dokumentarisch wirkenden Bildern, die an ein echtes Hochzeitvideo erinnern, die ungeschminkte Wahrheit hinter der bröckelnden Fassade. Doch „Rachels Hochzeit“ ist kein Problemfilm. Trotz aller Enthüllungen und Dramatik ist Demme immer darauf bedacht, sich die Geschichte aus sich selbst heraus entwickeln zu lassen.

In der filmischen Umsetzung der bereits ausgezeichneten Vorlage gelingt Demme Erstaunliches: bei größtmöglicher Genauigkeit die Figuren betreffend zeigt er das wahrhaftig anmutende Portrait einer zerrütteten Familie, der es trotz aller Widrigkeiten irgendwie gelingt, eine ergreifende Hochzeit zu feiern. Es ist wunderbar, wie geschickt Demme die Themen Drogensucht, Co-Abhängigkeit und Familientraumata verbindet und trotzdem niemals zum Boten einer wie auch immer gearteten Message wird. Der Zeigefinger bleibt unten. Dadurch wird „Rachel Getting Married“ zu einem wunderbar vielschichtigen, differenzierten Film, der seinem komplexen Thema voll und ganz gerecht wird und – wie nebenbei – noch die schönste Hochzeit des Jahres auf die Leinwand bringt.

Bild © Sony Pictures Germany

Interstellar (Christopher Nolan, USA 2014)

Posted by – 5. November 2014

interstellarDie globale Nahrungsknappheit hat die Erdbevölkerung an den Rand des Abgrunds gebracht. Diese hat sich infolgedessen von der Wissenschaft abgewandt und steckt ihre ganze Energie in die Landwirtschaft. Der Ingenieur und ehemalige NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey), Vater von Tochter Murph (Mackenzie Foy) und Sohn Tom (Timothée Chalamet), gehört zu den wenigen, die dies für den falschen Weg halten, seiner Meinung nach kann nur die Wissenschaft die Menschheit retten. Wie durch ein Wunder erhält er dazu die Chance: Mysteriöse Hinweise führen ihn und Murph zu einem geheimen Labor der US-Regierung, wo unter der Leitung von Professor Brand (Michael Caine) fieberhaft an der Rettung der Menschheit gearbeitet wird. Cooper erhält die Chance, seinen Beitrag zu leisten – allerdings muss er dafür seiner Kinder zurücklassen…

Wenn man etwas über aktuelle Filme sagt, muss man natürlich oberhöllisch aufpassen, nicht zu spoilern (d.h. anderen den Film zu verderben, indem man darüber spricht). Das gilt natürlich besonders für Filme von Geheimniskrämer Christopher Nolan, die ja immer atemraubende Überraschung bereithalten. Insofern verrate ich der Inhaltsangabe nicht einmal, warum der Film eigentlich „Interstellar“ heißt und beiße mir heftig auf die Zunge, ehe ich mich darüber auslasse, dass Nolan hier eigentlich ein altbekanntes Sci-Fi-Topos aufgreift, das niemanden, der mehr als einen ersten Kontakt mit der Materie hatte, besonders erstaunen dürfte. Die schönen Kritiken gibt’s also anderswo (z.B. hier und hier und hier und hier). Was gibt es sonst zu sagen?

Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben, Nolans neuestes Werk als meisterwarteten Film des Jahres zu bezeichnen. Zumindest kam es nach den geheimnisvollen Trailern, den ehrfürchtigen Ankündigungen und den kindlich-nervösen Diskussionen im Netz so vor. Ich glaube der Hype tut „Interstellar“ nicht gut, und das in doppelter Hinsicht: Zum einen wird eine übertriebene Erwartungshaltung („Was hat der Nolan diesmal wieder Großes vollbracht?“) früher oder später dazu führen, dass die Zuschauer enttäuscht sein werden. Zum anderen scheint Nolan – möglicherweise hervorgerufenen durch die Erwartungen des Publikums? – selbst mehr und mehr dem (Irr-)Glauben zu verfallen, er müsste etwas nie Dagewesenes liefern. Im schlimmsten Fall kommen beide Probleme zusammen: Der ständige Druck zum Meisterwerk führt zum Kollaps der Wundermaschine, während Nolan sich selber weiter als Innovator wähnt und das in seinen Filmen unglücklicherweise etwas zu sehr raushängen lässt. Das kann schnell peinlich werden. (Nicht, dass Nolan noch irgendwann das Schicksal eines M. Night Shaymalan erleidet!) Schon „Inception“, „The Dark Knight Rises“ und „Interstellar“ geben – alle auf ihre Weise – einen Vorgeschmack darauf, was sein könnte, wenn’s schlecht kommt. Doch noch ist es zum Glück nicht so weit. Denn „Interstellar“ ist gut, sehr gut sogar.

Auch wenn er nicht frei davon ist, sich etwas zu (und den Zuschauer etwas zu wenig) ernst zu nehmen. Der Eindruck des Wichtigtuerischen liegt weniger an Nolans Themen – Identität, Wahrheit, Erinnerung, Ordnung, Chaos sind natürlich allesamt wirklich bedeutend! – es geht um den Impetus, mit dem Nolan eine Stoffe vorstellt. Sätze wie „Love is the one thing that transcends time and space“ sagen sich eben nicht so leicht ohne große Geste. Zum Glück bietet der in diesem Fall gelegentlich aufflackernde Humor einen angenehmen Kontrapunkt zum Ernst der Lage, denn der Film bietet einen reichhaltigen Zitatfundus aus Jahrzehnten Sci-Fi-Geschichte: „2001“, „Star Wars“ „The Black Hole“,„Sunshine“ oder aktuelle „Gravity“ sind nur einige der offensichtlichen Bezugspunkte, Referenzen die mitunter ganz putzig sind. Außerdem ist „Interstellar“ abgesehen von einigen hochtrabenden Dialogen und dem zunehmend aufdringlicher werdenden Hans-Zimmer-Score und trotz der galaktischen Fragen, die ihn umtreiben, glücklicherweise erstaunlich bodenständig in Inhalt und Ausführung. Im Zentrum der Geschichte steht weniger die Technik als das, was Menschen verbindet und antreibt. Das ist mitreißend erzählt, emotional herausfordernd und bildgewaltig in Szene gesetzt. Vielleicht sind es diese Superlativen, die mir etwas die Lust rauben, mich mit den Feinheiten zu beschäftigen und die es erschweren, „Interstellar“ richtig gerne zu haben.

Bild © Warner Bros. GmbH
 

The Dark Knight Rises (Christopher Nolan, USA / UK 2012)

Posted by – 20. Juli 2012

„Memento“ hat mich damals auf dem Fantasy Filmfest wirklich umgehauen. Einen so originell erzählen und trotzdem derart spannenden Film hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Mit allen weiteren Filmen von Christopher Nolan – „Inception“ mal ausgenommen, den fand ich von Anfang an gut – hatte ich aber immer erst meine Probleme. Nach einigem Nachdenken haben sie mir dann aber stets doch ganz gut gefallen. Ich fürchte, „The Dark Knight Rises“ wird hier eine Ausnahme bilden. Wie ich auch bei Kino-Zeit ausführen durfte, unterscheidet sich der Film gar nicht wesentlich von den beiden Vorgängern. Im Gegensatz zum ersten Teil ist natürlich der Reiz des Neuen verschwunden; und verglichen mit dem zweiten fehlt „The Dark Knight Rises“ eine so starke Figur, wie Heath Ledger sie im Joker verkörperte. Auch wenn die Zutaten im Grunde die gleichen sind, hat mir der Abschluss der Trilogie einfach keine rechte Freude gemacht. Zwar setzt sich Nolan wieder über alle Konventionen hinweg und schüttelt etliche gute Szenen aus dem Ärmel, trotzdem hat bei mir der Frust über die zerfahrene Geschichte und die Geschwätzigkeit der Figuren überwogen. Das soll aber nur als vorläufige Meinung verstanden werden. Auch die anderen Nolans sind mit der Zeit gereift. Bei Nolan sind die Bilder sehr oft Metaphern für die psychischen Dispositionen seiner Helden. Bei Bruce Wayne, seinem Alter Ego Batman und der Stadt Gotham scheint mir dies besonders deutlich zu werden. Unter diesem Aspekt möchte ich mir die drei Teile in absehbarer Zeit gerne noch einmal ansehen.