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What Have You Done To Solange? (Massimo Dallamano, Italien 1972)

Posted by – 25. März 2012

Nach „Der Tod trägt schwarzes Leder“ (OT: La polizia chiede aiuto) war „What Have You Done To Solange?“ (OT: Cosa avete fatto a Solange?) mein zweiter Film von Massimo Dellamano. Shame-Fact: Ich habe bisher nicht einmal „Für eine Handvoll Dollar (OT: Per un pugno di dollari) oder „Für ein paar Dollar mehr“ (OT: Per qualche dollaro in più) bewusst gesehen, bei denen Dellamano den Kameramann gemacht hat. Wobei sich das Schämen auch in Grenzen hält. Western konnte ich noch nie wirklich etwas abgewinnen.

Wie dem auch sei: „What Have You Done To Solange?“ Die Frage stellt sich erst später im Film. Am Anfang steht – wie sollte es anders sein – ein grausames Verbrechen: Der Sport- und Italienischlehrer Henry Rossini (Fabio Testi) vergnügt sich gerade mit einer seiner Schülerinnen im Londoner Hyde Park als das junge Mädchen plötzlich einen Mord gesehen haben will. Rossini glaubt dem Mädchen anfangs nicht. Erst als am nächsten Tag in der Presse von einer gefundenen Frauenleiche berichtet wird, begibt  sich der Lehrer an den Tatort – nur um daraufhin selbst ins Visier der Polizei zu geraten. Inspektor Barth (Joachim Fuchsberger) von Scotland Yard erkennt schnell, dass Rossini nicht der Mörder ist, bemerkt aber auch, dass der Mann einiges zu verbergen hat und es auch in der Schule des Mädchens vor Geheimnissen nur so wimmelt.

In Deutschland hat man versucht, Dellamanos Film unter dem Titel „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ als Edgar-Wallace-Film zu vermarkten. Was die Spannung und das Rätselhafte dieses Krimis angeht, gibt es tatsächlich einige Ähnlichkeiten zu der einen oder anderen Verfilmung, die auf Werken des britischen Schriftstellers Wallace beruhen. Zudem bietet natürlich Joachim Fuchsberger  eine gewisse Verbindung zu den Wallace-Streifen. Was die Stimmung anbelangt, könnte der Unterschied allerdings kaum größer sein. Der Ton, den Dellamanto in „What Have They Done To Solange?“ anschlägt, ist von Beginn an rau und eisig. Das liegt gar nicht so sehr an den brutalen Verbrechen, sondern an der Stimmung der ganzen Geschichte. Der erste Mord legt eigentlich nur offen, wie verdorben das ganze System ist. Das Verhältnis des Lehrers zu einem zu jungen Mädchen und das „Verständnis“ seiner Kollegen gehören noch zu den beinahe nachvollziehbaren Aspekten der Geschichte. Je tiefer Kommissar Barth gräbt, desto schwärzer wird die Erde. Und am Ende ist einfach nur abgrundtiefe Dunkelheit.

Lange Rede: Mir hat „What Have You Done To Solange?“ richtig gut gefallen. Nicht nur, weil er überdurchschnittlich spannend war. Ich mochte, dass die Figuren nicht die sind, als die sie im ersten Moment erscheinen – oder sich zumindest nicht so verhalten, wie man es von ihnen erwartet. Der Held: Ein Lehrer, der auf junge Schülerinnen steht. Der Inspektor ein genervter, unsensibler Geselle. Die Mädchen.. naja, und so weiter. Und am Ende, wenn der Fall gelöst ist und man bei anderen Filmen eine gewisse Zufriedenheit darüber empfinden mag, dass alles aufgeklärt und der Schuldige gefasst ist, habe ich im Falle dieses Films nur eine trostlose Leere empfunden. So müssen Krimis sein!

Und noch einen Satz zur DVD-Fassung. Ich habe die verglichen mit dem Original um 7 Minuten gekürzte deutsche Fassung gesehen. Eigentlich voll doof. Aber wie ich denke herauszulesen war, haben diese fehlenden Minuten mir den Film nicht verdorben. Bei der nächsten Sichtung dann aber auf alle Fälle uncut.

Bild © Tobis