Tag: Australien

Charlie’s Farm (Chris Sun, Australien 2015)

Posted by – 12. März 2016

charlie's farmManchmal ärgere ich mich ein wenig über Rezensionen, die über Horrorfilme 08/15-Texte à la „schlecht, weil vorhersehbare Handlung, unsympathische Figuren“ etc. schreiben, aber im Falle von „Charlie’s Farm“ müsste ich eigentlich das Gleiche tun, weil es viel mehr auf den ersten Blick auch nicht zu sagen gibt.

Vier Freunde, Donkey (Sam Coward), Jason (Dean Kirkright), Natasha (Tara Reid) und Melanie () wollen ein außergewöhnliches Abenteuer erleben und auf „Charlie’s Farm“ übernachten. Dort hat vor ein paar Jahren eine degenerierte Familie grausame Morde verübt, bis diese von der Dorfgemeinschaft exekutiert wurde. Nur ihr Sohn Charlie soll überlebt haben und auf der Farm immer noch sein Unwesen treiben. Was sich auch als die Wahrheit herausstellt, wie die vier Freunde bald herausfinden.

In „Charlie’s Farm ist alles wie immer. Unsympathische, nicht besonders helle Figuren, schlechte Witze, eine – von einer kleinen Ausnahme abgesehen – in jedem Detail vorhersehbare Handlung, einen Killer, der in dem Meer von Killern der letzten Jahrzehnte absolut kein Alleinstellungsmerkmal hat, plakative, aber letztlich doch recht austauschbare Gewaltszenen und so weiter. Doch gerade weil hier alles genau so ist, wie es nun mal in der unteren Liga des Genres zu sein hat, muss sich das Gehirn halt irgendwie beschäftigen und arbeitet dann daran, die feinen Unterschiede wahrzunehmen; so dass man auf den zweiten Blick wohl bemerken könnte, dass Chris Sun hier dermaßen frech abkupfert und dabei beeindruckend konsequent hinter wirklich jedem einzelnen seiner oft auch schon nicht so tollen Vorbilder zurückbleibt, dass sich das schwerlich einfach mit einer Standarderklärung à la „der Film ist halt schlecht“ vom Tisch wischen lässt. Denn: Wirklich jede Szene ist so unglaublich präzise daneben, dass ich fast glauben möchte, dem Regisseur wäre hier die ultimative Hommage an den Bodensatz des Slasher-Genres gelungen. Sun verbeugt sich so tief vor den schlechten Filmen der Welt, dass diese dadurch fast groß und erhaben wirken.

Obwohl ich eigentlich die deutsche Blu-Ray von Meteor Film gesehen habe, musste ich dennoch das Cover des Mediabooks von ELEA-Media posten, auf dem Charlie zu sehen ist sowie die aufgespießten Köpfe von Genre-Größen wie Freddy, Michael Myers, Jason & Co. Hierin zeigt sich die wohl nicht ganz ernst zu nehmende Selbstüberschätzung des Films und weist einmal mehr den Weg, wie man „Charlie’s Farm“ letzten Endes doch goutieren kann. Der Film selbst ist ein wenig wie der Running Gag um Donkeys großen Penis, der gerade deswegen irgendwie gar nicht so verkehrt ist, weil er die meiste Zeit in der Hose bleibt.

Bild © ELEA-Media

Mad Max Beyond Thunderdome (George Miller, George Ogilvie, Australien 1985)

Posted by – 10. Juni 2015

Als Max (Mel Gibson) sein Gefährt geklaut wird, sieht er sich gezwungen, die Händler-Siedlung Bartertown aufzusuchen. Dort hofft er seine alte, kamelgezogene Fahrzeugkarosse wiederzubekommen. Stattdessen gerät er mit der Möchtegern-Herrscherin Aunty Entity (Tina Turner) aneinander, mit der er aber einen Deal machen kann: Gelingt es Max, ihren Widersacher MasterBlaster (Angelo Rossitto & Paul Larson) aus dem Weg zu räumen und ihr so den Weg zur absoluten Macht über die Stadt zu ebnen, bekommt er seinen Wagen zurück.

Ich kann gut verstehen, dass der dritte Teil nicht ganz den Beliebtheitsgrad erreichen konnte wie die beiden Vorgänger. Kurzweilig ist freilich auch er. Doch was gibt es nach „Mad Max 2: The Road Warrior“ eigentlich noch zu erzählen? Jedenfalls konnte es nicht weiter bergab gehen, deswegen musste der dritte Teil wieder ein Stück zivilisierter zugehen. 15 Jahre sind seit Max’ Auseinandersetzung mit Humungus und dessen Bande vergangen. Zwar ist das Benzin knapper denn je, doch haben sich die Menschen wieder zusammengefunden in dem Versuch, ein Stück Zivilisation zurückzubringen. In Bartertown hat man begonnen, Handel zu treiben und es sogar geschafft, ein paar rudimentäre Regeln für das Zusammenleben aufzustellen. Gibt’s Zoff, müssen die beiden Streithähne ihre Zwistigkeiten in der Donnerkuppel austragen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Konflikte klein bleiben und schnell gelöst werden. So weit, so schön. Aber vielleicht ist das für die Fans der ersten beiden Teile eben auch etwas zu schön. Klar, das Benzin ist knapp, das Wasser ist verseucht und auch mit der Zahnpflege ist es in dieser Zukunft nicht weit her. Aber es gilt eben nicht mehr nur das Recht des Stärkeren respektive Schlaueren, sondern man scheint dies- und jenseits der Donnerkuppel gewillt, etwas aufzubauen. Vom Nihilismus der Vorgänger ist jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Außerdem hat der Film (für mich fühlt er sich sogar ein wenig wie zweieinhalb Filme an) anderes als die beiden Vorgänger eine richtige Geschichte.

Wie gesagt, ich finde es nachvollziehbar, dass sich Teil 3 vielleicht etwas zu sehr nach Hollywood für den einen oder anderen nicht mehr so ganz nach „Mad Max“ anfühlt. Doch ich gebe zu bedenken, dass George Miller hier ganz folgerichtig weiterführt, was er in den beiden Vorgängern begonnen hat. Kompromisse macht er auch hier keine. Wenn die große Überschrift des drei- bzw. mittlerweile vierteiligen Anti-Evangeliums möglicherweise das Scheitern ist, so geht es in „Mad Max Beyond Thunderdome“ doch eindeutig um Visionen des Wiederaufbaus bzw. deren Dekonstruktion. Während die Materialisten von Bartertown ihr Utopia auf Schweinemist errichten (daraus gewinnen sie Energie), hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in einer Oase tief in der Wüste hausen und scheinbar einen recht nachhaltigen Lebensstil pflegen, ganz aufs Hoffen verlegt. Hoffen, dass jemand kommt und sie rettet. Hoffen, dass dieser jemand sie ins Paradies – nach Übermorgenland – bringt. Der Retter wider Willen ist natürlich mal wieder Max, der zwar weiß, dass der Garten Eden verloren ist, der den Jünglingen ihren Glauben aber nicht ausreden kann.

Irgendwie fühlt es sich für mich so an, als wäre die Reihe mit dem dritten Teil in ihre spirituelle Phase eingetreten. Anhand von zwei Gruppen stellt Miller zwei Glaubenssysteme vor, die sich in Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit und dem Untergang der Zivilisation herausgebildet haben. Wenn ich dem Film einen Vorwurf machen müsste, dann wäre das nicht, dass er nichts Neues zu erzählen hat, sondern dass er seine Ideen nicht konsequent genug weiterentwickelt. Irgendwann treffen Oasenbewohner auf Bartertownerianer zusammen, es kommt zu einer Verfolgungsjagd im Stile des zweiten Teils und dann war es das leider auch schon mit dem Film. Andererseits kann man Miller dankbar sein, dass er ganz zum Schluss zumindest insofern konsequent ist, dass der zu einfachen Denksystemen eine Absage erteilt und den Zuschauer wieder mit einer Irritation entlässt: Da sitzen die Jünglinge im ersehnten Übermorgenland, aber was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Happy End aussieht, ist in Wirklichkeit nur ein Exitus Interuptus und man darf sich durchaus fragen, ob die Idee mit dem Schweinemist nicht vielleicht doch die bessere war.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins & zwei.

Mad Max 2: The Road Warrior (George Miller, Australien 1981)

Posted by – 4. Juni 2015

Apokalypse – das ist, wenn die Welt untergeht. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Enthüllung“, „Entschleierung“. Gemeint ist damit der tatsächliche Welt-Untergang, das Ende der Geschichte und – wie manche glauben – das Reich Gottes. In George Millers „Mad Max“-Fortsetzung liegt das Ende schon hinter uns. Wer denkt, schlimmer als die Vernichtung der Zivilisation könnte es den Menschen nicht treffen, sieht sich durch „Mad Max 2: The Road Warrior“ eines besseren belehrt. Vom Paradies jedenfalls keine Spur.

In einem postapokalyptischen Ödland streiten sich die letzten Überlebenden um die verbliebenen Ressourcen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Die geänderten Umstände haben auch den Menschen geändert, der Wahnsinn steht den meisten ins Gesicht geschrieben. Und in ihrer Garderobe äußert er sich auch. Der Ex-Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) ist einer der wenigen, die das Pech haben, zu stark zu sein, um zu sterben. Ziellos düst der Einzelgänger mit seinem aufgemotzten Ford Interceptor durch die kargen Weiten Australiens. Er wurde einst verlassen, jetzt verlässt er sich auf niemanden mehr. Das einzige Lebewesen, das er in seiner Nähe duldet, ist ein Hund, der ihn auf seinem Weg begleitet. Alle anderen weißt er schroff von sich. Doch es ist klar – ewig kann man alleine nicht zu recht kommen. Als er eine Gruppe von Menschen trifft, die über größere Benzinvorräte verfügen, aus diesem Grund von einer Horde Outlaws unter der Führung des brutalen Humungus (Kjell Nilsson) bedroht werden, sieht er sich gezwungen, zu kooperieren.

Was folgt, ist ein bizarrer, fiebriger Action-Trip, in dem sich eine markante Szene an die nächste reiht, wobei die Teile aber mehr ergeben als endzeitliches Stückwerk. Wie schon der Vorgänger ist „Mad Max 2: The Road Warrior“ weniger Geschichte als ein Gefühl. Und zwar kein Schönes! Wenn man sich als Sci-Fi-, Endzeit- und Action-Fan natürlich auch ordentlich freuen darf, ist der Film hinter aller cineastischen Energie von Nihilismus und einer diffusen Traurigkeit geprägt. Meine Lieblingsszene kommt gleich am Anfang: Max hat den Straßenkampf gegen ein paar Rowdys gewonnen und darf nun die Belohnung einheimsen: Ein liegengebliebenes Fahrzeug hat noch etwas Benzin im Tank: Während Max misstrauisch die Straße im Blick behält und mit ein paar Schüsseln das herauslaufende Benzin auffängt, sieht der Zuschauer wie sich der Treibstoff mit dem Blut des Fahrzeuginsassen mischt. Eindrucksvoller als durch dieses Bild kann man das Thema von „Mad Max 2: The Road Warrior“ nicht zum Ausdruck bringen. Die Lebensenergie der Motoren ist zur Lebensenergie des Menschen geworden. Aber wenn Sprit alles ist, worum es geht, dann ist klar, dass etwas auf der Strecke bleibt.

Große Katastrophen beinhalten, auch wenn das zynisch klingen mag, immer die Chance auf einen Wandel. Nicht in diesem Fall. Die Menschen hier konnten die Vergangenheit nicht loslassen und klammern sich immer noch an das schwarze Gold, das sie in Bewegung hält, aber eigentlich Stillstand bedeutet. Damit geht es im Vorgänger wie in der Fortsetzung ums Scheitern – das der Zivilisation wie das des Protagonisten. Während im ersten Teil Max’ fader Sieg gegen die Mörder seiner Familie eigentlich eine Niederlage war, ist hier sein Scheitern in gewisser Weise ein Erfolg. Max, ein Messias wider Willen, ist für uns gescheitert, aber nicht für unsere Erlösung und unser Seelenheil, sondern damit wir weiter sündigen können. Nach der Entschleierung und dem Ende der Geschichte beginnt nicht hier das Reich Gottes, sondern ein endloses, leeres Jammertal.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins.

Wolf Creek (Greg McLean, Australien / Kanada 2005)

Posted by – 29. Dezember 2014

Wolf CreekZu den cineastischen (Horror-)Sensationen der letzten 10 Jahre gehört für mich eindeutig die Low-Budget-Produktion „Wolf Creek“, die viele Genreverwandten mit Leichtigkeit in die Tasche steckt. Zur Story, die angeblich auf einer wahren Begebenheit fußt: In einem klapprigen Auto touren die Engländerinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) mit ihrem australischen Freund Ben (Nathan Phillips) durchs endlose Hinterland des 5. Kontinents. Nach mehreren feuchtfröhlichen Stationen, Nächten im Zelt,Erfahrungen mit verrohten Einheimischen und einer zaghaften Annäherung zwischen Liz und Ben, kommen die drei schließlich im einsamen Nationalpark „Wolf Creek“ an.

Von hier aus hätte der Film auch ohne weiteres als romantisches Roadmovie vor den atemberaubenden Kulissen des „Back of beyond“ weitergehen können. Doch wer weiß, in welchem Genre er sich befindet, weiß auch, dass es anders kommen muss: Als die drei Backpacker versuchen, ihre Reise fortzusetzen, merken sie, dass ihr Wagen nicht mehr funktioniert und sie Stunden von der nächsten Zivilisationsoase entfernt in der Wildnis festsitzen. „Zum Glück“ erscheint Hilfe in Gestalt des Naturburschen Mick (John Jarret), der sie mit seinem Truck zu seinem Camp abschleppt. Dass Mick entgegen dem ersten Anschein kein netter Mensch ist und andere Pläne mit ihren hat, erfahren die drei am nächsten Morgen.

Strukturell haben Greg McLeans „Wolf Creek“ und Eli Roths „Hostel“ aus dem gleichen Jahr (und meiner Meinung nach ebenfalls ein herausragender Horrorfilm!) viel miteinander gemein. Beide Filme setzten auf eine sehr lange Exposition, um die Figuren vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich bei den Protagonisten um Backpacker, deren Reise durch ein fremdes Land direkt ins Verderben führt. Und genau wie in „Hostel“ sind es auch in „Wolf Creek“ die Einheimischen bzw. einer von denen, der für die jungen Touristen das Ende der Reise bedeuten. Das waren allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten, denn atmosphärisch gehen beide Filme unterschiedliche Wege. Während Roth dem Zuschauer mit diebischer Freude Genreklischees neu verpackt präsentiert und auf dessen voyeuristische Neigungen baut, beschreitet McLean beinahe dokumentarische Wege und erzeugt dadurch einen Realismus, der an die Nieren geht. Und im Vorbeigehen räumt der Regisseur mit dem Crocodile-Dundee-Mythos auf und zeichnet ein sehr düsteres Portrait des Kontinents, in dessen unendlichen Weiten sich der Wahnsinn ausbreitet.

Die Hoffnung, dass sich McLean nach „Wolf Creek“ als einer der großen seines Fachs etablieren würde, haben sich für mich allerdings mittlerweile fast zerschlagen. Der Krokodil-Horrorfilm „Rogue“ aus dem Jahre 2007 war unspektakulär, aber alles in allem noch durchaus ok. In dem unangenehm zynischen „Wolf Creek 2“ (2014) hingegen, mit dem McLean versucht, an seinen erfolgreichen Debütfilm anzuschließen, setzt der Australier ganz auf das Prinzip der Steigerung und nivelliert so alles, was den Vorgänger so interessant macht. (Dazu hier eine Kurz-Notiz.) Aber auch wenn McLean nun nicht der große Horror-Hoffnungsträger ist: „Wolf Creek“ ist und bleibt eine dreckige kleine Genre-Perle, die man kennen sollte.

Bild © Studiocanal

Tracks (John Curran, Australien 2014)

Posted by – 15. November 2014

Spuren BluRayDie Welt war, ist und wird wohl auch immer voll von Menschen sein, die unzufrieden sind mit ihrem Leben, die das Bedürfnis haben „auszusteigen“ und „sich selbst zu finden“. Doch nur Wenige wagen den (temporären) Schritt heraus aus der Gesellschaft und nur eine Handvoll ist dabei so zielstrebig wie die 1950 in Queensland geborene und in Brisbane aufgewachsene Australierin Robyn Davidson, die ihren Selbstfindungs-Trip quer durch die Wüste von langer Hand plante und sich durch nichts von ihrem Vorhaben abbringen ließ. Zusammen mit ihrem Hund Diggity und einer Handvoll Kamele macht sie die 2700 Kilometer lange Strecke Reise bis an die Westküste. Für das Geld für die benötigte Ausrüstung lässt sie sich von dem von dem „National Geographic“-Fotografen Rick Smolan helfen, der sie als Gegenleistung während der Reise fotografieren darf. Außerdem verpflichtet sich Davidson im Anschluss ihrer Reise einen Artikel für National Geographic zu verfassen – die Grundlage ihres späteren Beststellers „Spuren“, der auch Grundlage für diesen Film war.

„Tracks“ ist in gewisser Hinsicht so etwas wie die helle, freundliche Version von Sean Penns „Into The Wild“. Das ist allerdings nicht rein positiv zu werten. Schon Penn hatte anscheinend nicht hundertprozentiges Vertrauen in seine Bilder, und den Film zu dessen Nachteil beinahe schon in Musik ertränkt. Ganz so schlimm ist es bei Curran nicht, aber so richtig bewusst, welches Pfund er mit der Geschichte von Davidson eigentlich in der Hand hält, scheint auch ihm nicht gewesen zu sein: Brav chronologisch erzählt er seine Story runter, hakt die Plotpoints ab, pingelig darauf bedacht, dass auch ja nicht zu viel Leerlauf entsteht – ständig passiert irgendwas!, und wenn es ihm dann doch zu viel Wüste in seinem ganz und gar nicht wüsten Film wird, darf natürlich stimmungsvolle Musik nicht fehlen. Ja, mit Curran und seinem Film verhält es sich ein wenig wie mit Robyn und dem Reporter Smolan (im Film gespielt von Adam Driver), der ihren Trip zwar erst möglich gemacht hat, dessen ständige Einmischung ihr aber auch die Ruhe stiehlt und sie immer wieder daran hindert, ihre Reise so zu erleben, wie sie es sich gewünscht hat.

Dass ich „Tracks“ trotzdem mag, liegt maßgeblich an Mia Wasikowska. Sie schenkt nicht nur der Figur der Robyn Davidson, sondern dem ganzen Film seine Kraft. Diese Kraft liegt in Ruhe der Darstellerin, nicht in der Ruhe des Films, die Curran sich und dem Zuschauer viel zu selten gestattet. Und es liegt auch an ihr, dass „Tracks“ mehr ist, als ein gefälliges Biopic über einen Selbstfindungstrip. Dank Wasikowska und ihrem subtilen Spiel weiß man, dass das doch nicht ganz so einfach mit der Selbstfindung. Schließlich findet sie am Ende ihres Trips auch nicht sich selbst, sondern nur den Ozean. Von dem sie ja schon die ganze Zeit wusste, wo er ist.

 Bild © Ascot Elite