Tag: Backwood

Just Before Dawn (Jeff Lieberman, USA 1981)

Posted by 29. Mai 2016

just before dawnDamals in den 1980ern war die Welt noch in Ordnung, da war das Horrorgenre noch weitestgehend frei von ironischen Meta-Beiträgen. Nach der enttäuschenden Zweitsichtung von „Tucker And Dale Vs Evil“ tut es deswegen gut, ein paar Worte zu Jeff Liebermans „Just Before Dawn“ zu verlieren. Lieberman, der vor allem für den Wurm-Horror „Squirm“ (1975) bekannt ist, zeigt mit seinem Backwood-Slasher, dass auch geradlinige Genrebeiträge durchaus gehaltvoll sein können.

Die Story ist simpel: Fünf junge Leute wollen Urlaub machen, irgendwo im Amerikanischen Hinterland. Auf die Warnungen des ortsansässigen Rangers (George Kennedy) hören sie nicht, und so kommt’s wie es kommen muss – einer nach dem anderen fällt einem mysteriösen Killer zum Opfer.

Doch genauso, wie die Jugendlichen im Laufe des Films immer mehr ihr wahres Gesicht zeigen, wird auch der Killer entmystifiziert. Konnte der Zuschauer zu Beginn, als das Ungeheuer durch ein Loch in der Kirchendecke auf seine ersten Opfer hinabblickt, noch glauben, man hätte es mit einem naturgleichen Monster zu tun, stellt sich irgendwann heraus – Menschen, die den Film unbefangen sehen wollen, sollten hier nicht weiterlesen – dass es sich nicht um einen einzelnen Mörder, sondern um die degenerierten Söhne einer Hinterwäldler-Familie handelt.

Thematisch bewegt sich „Just Before Dawn“ eher auf den Spuren von Filmen wie John Boormans „Deliverance“ als sich wie ein typischer Genrebeitrag anzufühlen. Es geht hier, denke ich, allerdings weniger um das in Filmen schon lange angespannte Verhältnis zwischen arroganten Städtern und verrohten Hinterwäldlern, sondern eher um das Verhältnis von Kultur und Natur – allerdings nicht in der Hinsicht, dass das eine oder andere besser wäre, sondern darum, dass die Natur immer schon vom Menschen korrumpiert ist. Die Schönheit der Landschaft steht in auffälligem Kontrast zu den unschönen, lärmenden Eindringlingen, aber eben auch zu den verrohten Waldbewohnern. Harmonie zwischen Mensch und Natur ergibt sich auch nicht einfach daraus, dass man in ihr lebt und seinen Bedürfnissen nachgeht (die man an den inzestuösen Killerzwillingen sieht). Mensch und Umwelt, sie sollen sich in diesem Film einfach nicht näher kommen.

Das Lexikon des internationalen Films macht es sich mit dem Fazit „„Miserabel gespielte Billigkost, gewalttätig und spekulativ“ mal wieder etwas einfach, denn selbst, wenn man zugesteht, dass „Just Before Dawn“ billig, gewalttätig und nicht gerade großes Schauspielerkino ist, kommt man kaum umhin zu erkennen, dass es Lieberman hier durchaus an der Umsetzung einer Idee und nicht allein am Schock der Zuschauer gelegen war. Das sieht man bereits daran, dass sich Lieberman auffällig viel Zeit für seine Geschichte nimmt und die Morde, genreuntypisch, eben nicht in ihrem Zentrum stehen. Wem das nicht reicht, kann die Besonderheit des Films aber auch an der Wandlung seiner zwei Hauptfiguren ablesen: Während sich der Obermacker Warren (Gregg Henry) immer mehr zu Heulsuse entwickelt, geht in seiner Freundin Constance (Deborah Benson) eine gegenteilige Entwicklung vom unscheinbaren Mäuschen zum Vamp vor, die ihren Gegner mit der bloßen Faust erstickt. Die sexuelle Komponente ist hier nicht zu übersehen. Und ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass sich „Just Before Dawn“ vielleicht nur vordergründig in das Backwood-Slasher-Genre einsortiert, in Wirklichkeit aber ein – wenn auch denkbar abstraktes – „Rape & Revenge“-Movie ist, in dem nicht nur der Mann die Frau, sondern auch die Menschheit Mutter Natur – erfolglos – angeht.

Ich denke nicht, dass ich „Just Before Dawn“ komplett durchschaut habe. Was aber bleibt, ist das angenehme Gefühl, einen visuell wie inhaltlich sorgfältig gearbeiteten Film vor sich zu haben, der – im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres – es weder nötig hat, zu posten noch sich sklavisch an die Genre-Regel zu halten, weil es eben Substanz hat. Ein guter Film. Allerdings einer, den man sich nicht unbedingt von Odeon Entertainment besorgen sollten, so wie ich es getan habe. Die Bildqualität ist dermaßen schlecht, dass man dafür eigentlich kein Geld verlangen dürfte.

Bild © Odeon Entertainment

Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

Posted by 27. Mai 2016

Tucker DaleAuf den ersten Blick sieht Craigs Debüt-Langfilm vielleicht aus, wie ein 08/15-Horrorfilmchen, bei dem es eine Gruppe von College-Kids bei einem Zelturlaub mit den Einheimischen zu tun bekommt. Doch schon der Titel deutet an, dass sich nicht alles ganz so zuträgt, wie der Genrekenner es erwartet: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind nämlich in diesem Fall nicht die Bösen. Im Gegenteil! Bei den beiden Landeiern handelt es sich um grundsympathische Typen, die in den Wäldern einfach etwas an einer Hütte basteln und sich beim Fischen entspannen wollen. Ein Missverständnis führt dazu, dass die College-Kids Tuckers und Dales Rettungsversuch der hübschen Allison (Katrina Bowden) für eine Entführung halten – und fortan mit allen Mitteln versuchen, gegen die beiden Freunde vorzugehen.

Es gibt sie, die Horrorfilme, die einfach Spaß machen. Sam Raimis „Evil Dead“-Filme fallen mir da spontan ein; oder Peter Jacksons „Bad Taste“ und „Braindead“; oder der wunderbare „Return Of The Living Dead“; oder „Re-Animator“; oder oder. Und auch in jüngster Zeit gab es wohl immer mal wieder Versuche, die man dazu zählen könnte. Leider ist deren Anzahl, denen die Melange aus Gewalt und gute Laune gelingt, meiner Meinung – oder sagen wir lieber meinem Geschmack nach, nicht besonders groß. Auch „Tucker And Dale Vs Evil“ steht ja in dem Ruf, diesen Spagat zu schaffen, und beim ersten Sehen fand ich ihn auch ganz nett. In der Zweisichtung hat er mich allerdings freundlich gesagt weniger überzeugt.

Sicher, das Spiel mit den vertauschten Rollen, bei dem die Collegekids die Psychopathen und die Hinterwäldler die Sympathieträger sind, funktioniert an und für sich ganz gut und macht deutlich, wie vieles, das wir als filmische Wahrheiten unhinterfragt akzeptieren, eigentlich eine Frage der Perspektive ist. Das ist der zentrale Witz von „Tucker And Dale Vs Evil“ und ja, das ist schon irgendwie ganz ok gemacht und zumindest beim ersten Sehen fand ich es ja auch amüsant bis lustig. Wenn der Zuschauer das Prinzip allerdings einmal durchschaut hat (was ziemlich schnell der Fall ist), geht dem Film schnell die Puste aus.

Ich bin nach dem zweiten Sehen der Meinung, dass Craig zum einen zu früh klar macht, wohin der Hase läuft und sich zum anderen quasi schon zu Beginn des Films auf die witzige Seite seiner Horror-Komödie schlägt, sprich, die spannende geschweige denn gruselige dafür leider viel zu kurz kommt. Mir ist bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und natürlich immer davon abhängt, was man gerne sieht; ich kann mir vorstellen, dass viele den Film gerade für seinen Charme, seinen Witz wie seine sympathisches Protagonisten-Duo mögen. Mir hätte er vermutlich besser gefallen, wenn nicht alles so leicht zu durchschauen wäre, sondern wenn Craig vor allem etwas mehr Ernst bei seinen Figuren und dem Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an den Tag gelegt hätte. So ist mir das ganze zu sehr Nummernrevue ohne echtes Drama, ohne Fallhöhe.

„Tucker And Dale Vs Evil“ ist guter Stoff für das Fantasy Filmfest, wo jeder Fun-Splatter frenetisch bejubelt wird; oder vielleicht auch für den Fortgeschrittenen Anfänger in diesem Genre, der sich darüber freuen kann, dass er erkennt, was hier witzig sein soll. Aber es ist kein guter Film in dem Sinne, dass hier eine Geschichte dramaturgisch geschickt erzählt wird, dass es einen spannenden Konflikt oder interessante Figuren gibt, dass hier etwas entwickelt wird, dass mehr ist als die Summe seiner mehr oder weniger spaßigen Teile. Nein, „Tucker And Dale Vs Evil“ ist nicht mein Ding. Vielleicht liegt dieses etwas harsche, zweite Urteil aber auch nur daran, dass ich, was Humor in Filmen angeht, eh ein schwieriger Kandidat bin

Bild © Universum Film

Eden Lake (James Watkins, UK 2008)

Posted by 5. Mai 2012

Ich gebe zu,  „Eden Lake“ hatte es gestern nicht leicht, nachdem ich zuvor den tollen „Don’t Look Now“ auf großer Leinwand sehen durfte. Aber ich denke, es lag nicht nur an meiner Stimmung, dass James Watkins Film nicht überzeugen konnte. Die Story (Pärchen macht Urlaub auf dem Ländle und gerät dort mit einigen verrohten Einheimischen aneinander) ist nicht neu, auch, wenn wir es diesmal nicht mit amerikanischen Rednecks, sondern Jugendlichen in der englischen Provinz zu tun haben. Auch sind Kelly Reilly und Michael Fassbenden sicherlich besser Schauspieler als der Großteil der Darsteller in ähnlichen Produktionen. Und James Watkins macht seinen Job in seinem Regiedebüt nicht einmal sonderlich schlecht. Dennoch schafft er es an keiner Stelle, sich freizuspielen. Wenn man nichts Gutes sagen kann, soll man ja schweigen. Deswegen mache ich es kurz: Egal von welcher von welcher Seite man es beleuchtet, „Eden Lake“ sticht nirgend heraus, grenzt sich nicht ab, erhellt keine besonderen Aspekte der Geschichte (das Thema Jugendgewalt hätte sich hier ja angeboten..) und wird dadurch trotz guter Ausgangslage zu einer doch recht ermüdenden Angelegenheit.