Tag: Batman

Notizen #2


Ich merke jetzt schon, dass mich diese Rubrik eher nervt als zu kompensieren, dass ich gerade so wenig Zeit für Film, Kino und Schreiben habe. Nur so ein paar Sätze über ihn zu schreiben, das hat kein Film verdient. Und mir bringt es eigentlich auch nicht viel. Bei knappen 1000 Zeichen springt das Hirn noch nicht an. Aber egal – das habe ich zuletzt gesehen:

The Dark Knight (Christopher Nolan, USA / UK 2008)

Mein drittes Mal „The Dark Knight“. Ich bleibe bei meiner Meinung: Dies ist der beste Batman-Film, der bisher gemacht worden ist. Warum? Auch, weil hier Nolans Stärken (realistischer Ansatz, tolles Design) mit einer guten (Kriminal-)Geschichte zusammenkommen. Aber vor allem natürlich weil Heath Leadgers Darstellung des Jokers so überragend ist. Gut und böse, Ordnung und Chaos, Ying und Yang – dieser „Batman“ traut sich an die großen Fragen und bleibt trotzdem mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Toll.

Man Of Tai Chi (Keanu Reeves, USA, China, Hongkong 2013)

Ich kann schon verstehen, warum dieser Film so wohlwollend aufgenommen wurde. Kenau Reeves versucht in „Man Of Tai Chi“ das Prügelkino der 1980er und 90er Jahre ins neue Jahrtausend zu transferieren. Und das gelingt ihm gar nicht mal so schlecht, bei allen Stärken und Schwächen, die das Genre ausmacht. Meine Probleme mit „Man Of Tai Chi“ lagen vor allem darin begründet, dass ich die Kämpfe mäßig fand und ich auch keinen wirklichen Spannungsanstieg im Verlauf des Films feststellen konnte. Keanu Reeves als Endgegner war ein Flop. Ich bin sicher, dass man als Liebhaber des Genres auch noch etliche positive Aspekte des Films nennen kann, aber ich belasse es mal bei diesen kurzen Anmerkungen und der Feststellung, dass mich der Film nicht besonders gut unterhalten hat.

The Punisher (Jonathan Hensleigh, USA / Deutschland 2004)

Hatte ich irgendwann schon mal gesehen. Fand ich damals so lala und diesmal leider auch nicht viel besser. Mich stört nichts so richtig, aber es gibt auf der anderen Seite auch wenig echte Stärken, die „The Punisher“ zu einem Superhelden-Film mit Erinnerungswert machen. Vielleicht ist es sogar sein Superhelden-untypisches Setting, das ihn innerhalb der Marvelfilme noch am besten auszeichnet. Nimmt man ihn als Action-Film, hat er wiederum zu wenig Alleinstellungsmerkmale. Highlight des Films ist sicherlich der Fight des Punishers gegen den Herren im gestreiften T-Shirt, und auch sonst gibt es den ein oder anderen Moment, in dem ich freundlich Richtung Fernseher genickt habe, aber alles in allem hat der Film einfach zu wenig, um mein Interesse zu wecken und zu halten. Meiner Lust, mich mal näher mit den „Punisher“-Comics auseinanderzusetzen, habe ich durch den Film jetzt erst mal einen Dämpfer verpasst. Ist aber nicht schlimm. Mehr Zeit für andere Sachen.

Bone Tomahawk (S. Craig Zahler, USA 2015)

Und nach dem Film alle so: Äh? Ratlose Blicke. Nicht falsch verstehen, die Geschichte um ein paar Cowboys, die zwei Geiseln aus der Gewalt von Kannibalen-Indianern befreien wollen, ist jetzt auf den ersten Blick für einen Genre-Film nichts Ungewöhnliches, aber für den zweiten dann eben schon. Was genau an ihm nicht stimmt, ist gar nicht so leicht zu sagen. Vielleicht lässt es sich am besten so beschreiben: Der Film ist absolut leer. Aber – kann das wirklich sein? Soviel Trara, so bekannte Schauspieler, offensichtliche Können seitens S. Craig Zahler – und dann ist da nichts sonst? „Bone Tomahawk“ war der einzige Film, den ich in diesem Jahr auf den Fantasy Filmfest White Nights gesehen habe und noch zwei Wochen nach Sichtung, weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Ist da was? Ist nichts? Ich weiß es nicht…

Contraband (Lucio Fulci, Italien 1980)

Wieder ein Fulci zu dem man eigentlich ganz viel sagen könnte und sollte, aber angesichts des anstehenden Artikels zu „Das Haus an der Friedhofsmauer“ drückt sich mein Gehirn gerade davor, überhaupt irgendwas Sinnvolles zu diesem Regisseur auszuspucken. Immerhin habe ich mit „Contraband“ (OT: Luca il contrabbandiere) einen der letzten Filme, den ich mir zur Vorbereitung noch zu Gemüte führen wollte, angesehen und endlich mal wieder einen Fulci gesehen, der mir ziemlich viel Spaß gemacht hat: Schmutzig, düster, trostlos, kraftvoll inszeniert, auffällig stringent und sehr spannend. Guter Fulci, wenn man einmal davon absieht, dass er an ein, zwei Stellen wirklich unnötig brutal ist.

Batman Begins (Christopher Nolan, USA 2005)


Dark Knight TrilogieNachdem ich mich gerade wieder wie ein kleines Kind über „Batman“-Comics freue, wollte ich mir gerne auch noch einmal Christopher Nolans Vision des Dunklen Ritters zu Gemüte führen. Nolan hat bisher ausnahmslos Filme gemacht, die mich gleichzeitig ärgern und faszinieren, aber unterm Strich trotzdem seltsam kalt lassen. Diesem widersprüchlichen Gefühl möchte ich beim Wiedersehen von „Batman Begins“ und hoffentlich in Kürze auch den folgenden beiden Teilen einmal nachspüren.

In „Batman Begins“, der von verschiedenen Batman-Comics beeinflusst wurde, setzt Nolan sich ausführlich mit der Entstehung des dunklen Ritters auseinander. Er beleuchtet relevante Aspekte von Bruce Waynes Jugend, setzt sich mit dem durch den Tod seiner Eltern verursachten Trauma auseinander und schildert seine ersten Versuche, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. In dieser Ausführlichkeit ist das bisher in keinem Film erzählt worden. Auffällig ist aber eher Nolans Versuch, die Batman-Geschichte möglichst realistisch aufzubereiten. Er erklärt nicht nur das psychische Profil seines Helden, sondern legt bei dessen Fähigkeiten und den von ihm zur Verbrecherjagd genutzten Gadgets viel Wert auf Plausibilität. Dieses Vorgehen passt zu Nolans Art, Filme zu machen und macht im Hinblick auf Batman auch durchaus Sinn, gehört er doch zu der Art Held, der einen mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Zugang möglich erscheinen lässt. Dieser Ansatz spiegelt sich im Design, den Kostümen, der Kampftechnik usw. wider. Der Nachteil: Je ernster man ein fantastisches Thema nimmt, je mehr fordert es die Rezipienten heraus, das Ergebnis auf Herz und Nieren zu prüfen und es besonders knauserig zu sein.

Geht man so an den Film, dann findet man natürlich einiges, an dem man herummäkeln könnte. Ich muss zugeben, ich selbst schwanke bei „Batman Begins“ auch stark zwischen den Polen Bewunderung und Missmut. Ich mag z.B. Christian Bale nicht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mein ambivalentes Verhältnis zu dem Film. Bevor ich etwas näher auf das eingehe, was mich stört, möchte ich zuvor auf jeden Fall noch kurz auf die Stärken des Films eingehen und erwähnen, dass „Batman Begins“ phasenweise wirklich grandios aussieht. Die vielleicht wunderbarste Szene der ganzen Nolan-Reihe endet damit, dass ein unter Drogen gesetzter, brennenden Batman aus einem Fenster stürzt. Insgesamt gefällt mir die erste Filmhälfte rund um Ausbildung und Entstehungsmythos besser als der Part, wo ein totgeglaubter Bekannter zurückkehrt, der Plan des Oberschurken wie auch das Finale. Meine Lieblingsfiguren in Nolans Batman sind Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred sowie Gary Oldman als Commissioner Gorden.

Schön finde ich weiterhin, dass hier nahezu alles mit allem zusammenhängt und zusammen, man merkt es – soll es etwas Großes ergeben. Wenn man mal von der Figur Jonathan Crane alias Scarecrow (Cilian Murphy) absieht, die mir ein wenig wie das fünfte Rad am Batmobil vorkommt, merkt man schon, dass Nolan hier mehr im Sinn hatte, als eine einfache Superhelden-Geschichte zu erzählen. Ihm geht es darum, das Wesen eines Superhelden zu ergründen, auszuloten, wie der Held zum Helden werden kann, nämlich indem er nicht mehr Mensch, sondern Symbol ist und wie es überhaupt möglich ist, außerhalb des Gesetzes für die Einhaltung ebendieses zu sorgen. Welche Antworten Nolan hier findet – keine Ahnung. Und hier beginnen meines Erachtens die Probleme dieses Films. Er möchte erkennbar eine realistischere Batman-Version sein, die ohne allzu grelle Effekte und comichafte Übertreibungen auskommt. Mal abgesehen davon, dass Nolan das meiner Meinung nach nicht durchhält und im letzten Filmdrittel unpassend dick aufträgt und sich ein wenig ideenlos in der Comic-Mottenkisten bedient, sind Übertreibungen genauso an anderer Stelle zu finden, allerdings weniger auf der Handlungs- als auf der Bedeutungsebene. Alles ist so wichtig, so ernst, so tiefsinnig. Der tiefere Sinn quillt dem Film aus allen Poren, legt sich über die prägnante Handlung und elegante Optik; und man muss gedanklich schon ordentlich kratzen, um hinter allem geronnenen Schmu das freizulegen, was den Film eigentlich so gut macht.

Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit dem Nolan den Stoff angeht. Ich finde der Film sieht sehr gut aus. Gotham war nie schöner. Ich finde „Batman Begins“ ist eine sehr gute Superhelden-Origin-Story. Abgesehen von Bale finde ich die Besetzung super. Aber ich komme einfach nicht mit dem Gelaber klar.

Nachtrag: Ich beende diesen Text am 14.11.2015, einen Tag nach den verehrenden Anschlägen von Paris. Ich erwähne das nur, weil sich angesichts der wahren Ereignisse die Limitierungen von Filmen wie „Batman Begins“ zeigen. Sowohl Bruce Wayne als auch sein Widersacher wollen das Verbrechen in Gotham bekämpfen, der eine indem er die Stadt dem Erdboden gleich macht, der andere, indem er zum er zu einem Symbol und als Übermensch für Recht und Ordnung sorgt. Bruce Wayne sagt, „As a man, I’m flesh and blood, I can be ignored, I can be destroyed; but as a symbol… as a symbol I can be incorruptible, I can be everlasting.“ Wayne irrt sich nicht, was die Macht von Symbolen betrifft. Aber er irrt sich, wenn er das für eine Lösung hält. Vor dem Hintergrund des weltweiten Terrors zeigt sich allerdings, das die Methode, die Menschheit hinter einer Idee zu vereinen letztlich für das Gute wie für das Böse genutzt werden kann. Was wir brauchen, um gemeinsam in Frieden zu leben, ist sicherlich weder ein Superheld noch eine bestimmte Religion, sondern etwas anderes.

Bild © Warner Home Video

Batman (Tim Burton, GB / USA 1989)

Posted by 7. November 2015

batmanManchmal denke ich, Superhelden-Filme sind erst seit „X-Men“ und „Spider-Man“ das, was sie heute sind. Rein technisch aber auch erzählerisch haben die DC- und vor allem Marvel-Filme seitdem einen Quantensprung nach vorne gemacht. Trotzdem gibt es natürlich auch schon vorher einige Exemplare, die eine enorme Bedeutung für das Genre hatten. Neben Richard Donners „Superman“ (1978) ist das natürlich vor allem Tim Burtons „Batman“, der gute zehn Jahre nach Donners Film erschien und vieles bereits andeutete, das in weiteren zehn Jahren langsam eine erkennbare Gestalt annehmen sollte. Da ich gerade „Batman“-Comics verschlinge, hatte ich Lust, mir Burtons Film und vielleicht auch die Nachfolger mal wieder anzusehen.

In Burtons Film nach einem Drehbuch von Sam Hamm und Warren Skaaren gibt es zur Abwechslung mal keine ausführliche Origin-Story des Helden. Hier ist die Fledermaus in Gotham schon fleißig am Schurken vermöbeln. Während Polizei, Presse und Bevölkerung noch rätselt, wer sich hinter der Maske verbirgt, wird der Zuschauer direkt in die Entstehungsgeschichte von Batmans Erzfeind, dem Joker, geworfen. Dieser heißt hier Jack Napir (Jack Nicholson), ist von Beruf Gangster und wird von seinem Boss (Jack Palance) in eine Falle gelockt, weil Napir mit dessen Frau rumgemacht hat. Statt wie geplant von der Polizei erschossen zu werden, stürzt er nach einem Kampf mit Batman (Michael Keaton), der ebenfalls mit von der Partie ist, in einen Bottich mit grüner Chemie-Sauce, wodurch er zum einen ein bisschen wahnsinnig wird und zum anderen sein charakteristisches Äußeres erhält. Es dauert nicht lange, da geraten Batman und Joker schon wieder aneinander, weil sie sich beide in die Fotografin Vicki Vale (Kim Basinger) vergucken.

Ich würde sagen, „Batman“ ist nicht nur, aber vor allem aufgrund seines Erscheinungsbildes interessant. Burtons detailverliebter, morbid-bizarrer Stil, der sich schon im Vorgänger „Beetlejuice“ deutlich gezeigt hatte, passt wie die schwarz behandschuhte Faust aufs geschminkte Joker-Auge. „Irgendwie so“, das dachte ich damals als ich den Film im Kino gesehen habe und das denke ich auch noch heute beim keine-Ahnung-wie-vielten Sehen, muss ein Batman-Film aussehen. Lustvoll übertrieben, comichaft – aber trotzdem düster und mit dem notwendigen Realismus, dass man eine wie die hier erzählte Geschichte ernst nehmen kann. Hier war ein Mann mit Vision am Werk. Burton hält sich, soweit ich das beurteilen kann, nur grob an die Comic-Vorlagen, sondern interpretiert seine Welt und die Figuren durchaus eigenständig. Für meinen Geschmack etwas starr in der Bewegung, den Action-Szenen (was bestimmt auch an Batmans unkomfortablen Gummikostüm liegt, der es ihm nicht einmal möglich macht, den Kopf zu drehen), ist sein Film äußerst lebendig in der Inszenierung, gespickt mit vielen lustigen und verstörenden Szenen, so dass bei mir auch beim wiederholten Sehen nie Langeweile aufkam.

Enttäuscht bin ich persönlich von Jack Nicholson. Während ich Michael Keaton als Bruce Wayne / Batman richtig klasse finde, störe ich mich zunehmend an Nicholsons Joker. Früher fand ich seine Performance wirklich toll. Nachdem Heath Ledgers selbstzerfleischender Darstellung in „The Dark Knight“ und einigen Comics, die ich in letzter Zeit gelesen habe, muss ich sagen, dass er meine Vision des Superschurken gar nicht trifft. Ich finde seine durch den Unfall verursachte Wandlung nicht glaubwürdig und ich halte Nicholsons Spiel weiterhin für zu selbstverliebt – die Figur wird vom Schauspieler immer wieder überlagert. Dass mich sein Joker nervt und mir Unbehagen bereitet, ist auf der anderen Seite auch wieder gar nicht schlecht, denn ich glaube, so jemand wie der Joker, der muss dem Zuschauer einfach ein wenig weh tun. Was dann bei Burton auch ganz gut gelungen ist, ist der Zusammenhang von Pro- und Antagonist. Wie sich zum Schluss herausstellt, ist aber nicht nur Batman für die Entstehung des Jokers verantwortlich – auch anders herum hat Napir dazu beigetragen, dass aus Bruce Wayne Batman wurde. Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Yin und Yang. Doch, doch, das ist alles für seine Zeit schon ganz gut und aller Schwächen zum Trotz noch ein Quäntchen besser (origineller, spannender, überraschender, spritziger,…) als Christopher Nolans „Batman Begins“, den ich mir die Tage ebenfalls noch einmal ansehen werde.

Bild © Warner Home Video