Tag: Body Horror

Notizen #7

Posted by – 11. März 2016

The Paris Sex Murders (Ferdinando Merighi, Deutschland / Italien 1972)

Um meine derzeitige Giallo-Begeisterung wieder ein wenig zu dämpfen (Texte zu den gesehenen Filmen folgen..), habe ich mir den Rohrkrepierer „The Paris Sex Murders“ (OT: Casa d’appuntamento) angesehen, der in Deutschland unter dem Namen „Das Auge des Bösen“ von filmART / Media Target Distribution herausgebracht wurde. Alles was über ihn gesagt wird, stimmt. „The Paris Sex Murders“ ist billig, weitgehend sinnfrei, unfokussiert, mit überflüssigen Szenen vollgestopft… Und der Hauptdarsteller (Robert Sacchi) sieht tatsächlich aus wie der erfolglose Bruder von Humphrey Bogart. Das Beste ist tatsächlich die Veröffentlichung, die immerhin in gutem Bild, ungekürzt und mit allerlei (mehr oder weniger interessanten) Extras auf den Mark kam. Der Film ist je nach Standpunkt Zeitverschwendung oder ein großes Trash-Vergnügen. Oder, wie Stefan Dabrock freundlich auf Kino-Zeit.de schreibt, „die Kehrseite der Edelgiallos eines Dario Argento, der die Schönheit seiner Bilder zu künstlerischen Höhepunkten führte. Merighi zeigt, was unter der Oberfläche liegt“.

High Lane (Abel Ferry, Frankreich 2009)

Dass „High Lane“ nicht gut ist… Ich weiß nicht mehr genau, ob ich es irgendwo gelesen oder mir ganz alleine eingebildet habe. Jedenfalls habe ich überhaupt nichts erwartet. Aber so kann man sich irren. Zumindest die erste Hälfte des französischen Survival-Horror-Films über eine Gruppe Kletterer, die in Not geraten, war richtig stark. Sicherlich spielte meine Höhenangst auch eine Rolle dabei, dass ich während des Films Schweißperlen auf der Stirn hatte und die Armlehnen meines Sessels immer noch Spuren meines stählernen Griffs aufweisen. Als „High Lane“ (OT: Vertige) dann ab ca. der Mitte eine sehr konventionelle Richtung einschlägt, ist dieser Hybrid aus Bergsteigerdrama und Backwood-Slasher immer mindestens noch solide Genrekost.

The Clouds Of Sils Maria (Olivier Assayas, Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014)

Hach, war der gut. Doch ebenso erregend wie den Film, finde ich aber die Rezeption über ihn. Während sich bei jedem 08/15-Blockbuster die unterschiedlichsten Meinungen finden lassen, scheinen alle Kritiker Olivier Assayas ziemlich ähnlich zu beurteilen – nicht nur hinsichtlich seiner Qualität, sondern der Deutung der Geschichte. Wenn es in den Texten nicht darum geht, wie toll Kirsten Stewart ist (sie ist sehr toll!), dann geht es um die „widerhallenden Echos der Bedeutungsebenen“ (Artechock), „Frauenkonstellationen in Psychospiegeln, ausufernde Echos, Kunst und Welt, Liebe und Ehrgeiz, Herz und Ellenbogen“ (FAZ), „die Spiegel von tieferliegenden Konflikten, die um Flüchtigkeit und Verstetigung, um Pop versus Klassik, um Angriff und Abwehr kreisen“ (Critic.de), „den ewigen Doppelcharakter des Kinos zwischen Anspruch und Kommerz“ (taz) und darum, wie in Assayas Film „die dunklen Seiten unserer Transparenzgesellschaft“ (SPON) analysiert wurden. Mein Lieblingssatz kommt auch aus der genannten FAZ-Kritik: „Die Wolken von Sils Maria“ ist Ingmar Bergmans „Persona“ für altkluge Halbwüchsige.“ Gut, dass Dietmar Darth im nächsten Satz gleich schreibt, dass das gar nichts Böses bedeutet. Ich finde übrigens auch genau das, was alle schreiben und schließe diesen wolkigen Text voller Bedeutungsebenen mit einem zweiten Hach.

Clown (Jon Watts, USA / Kanada 2014)

Ich habe schon lange keinen Schocker mehr gesehen, der mich gleich von Beginn an so begeistert hat. Eigentlich sollen uns Clowns ja zum Lachen bringen. Aber spätestens seit Stephen Kings „It“ will das nicht mehr so recht funktionieren. Im Gegenteil – immer häufiger fungiert der Clown als Symbol für das Böse, das hinter den Fassaden der scheinbar heilen Welt lauert. Ziemlich unsymbolisch, sondern explizit und schmerzhaft geht es in Jon Watts Clown-Horrorfilm zu, in dem ein fürsorglicher Papa (Andy Powers) seinen Sohn (Christian Distefano) zum Geburtstag erfreuen will, indem er sich selbst als Clown verkleidet. Doch dann will sich das Kostüm nicht mehr ausziehen lassen, weil es nämlich eigentlich die Haut eines Dämons ist, der sich auf den Verzehr von Kindern spezialisiert hat. Und so dauert es nicht lange, bis Papa ziemlichen Hunger bekommt. Wer unter „Coulrophobie“ – der krankhafte Angst vor Clowns – leidet, sollte sich Watts Film vorsichtshalber nicht ansehen. Wer gute (Body-)Horrorfilme mag, hingegen schon. „Clown“ lässt nach den großartigen ersten 20 Minuten zwar gehörig nach, aber am Ende ist er auf alle Fälle immer noch ein Film, dessen rote Clownsnase deutlich aus der trüben Masse herausragt.

Antiviral (Brandon Cronenberg, Kanada / USA 2012)

Posted by – 10. Juni 2015

AntiviralWenn der Sohn meines Lieblingsregisseurs einen Film über Krankheiten macht, muss ich das natürlich sehen. Umso erstaunlicher, dass der Antiviral von Brandon Cronenberg dafür jetzt schon über ein Jahr ungesehen im Regal liegen blieb. Neben Vorfreude scheint die Angst vor Enttäuschung nicht unerheblich dafür verantwortlich gewesen zu sein.

In „Antiviral“ geht es um einen Mann (Caleb Landry Jones), der im eigenen Körper Krankheiten aus einer Firma schmuggelt, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Genauer gesagt geht es um ganz besondere Krankheiten, nämlich die des Stars Hannah Geist (Sarah Gadon). Eigentlich ist sein Job, diese Viren gut zahlenden Kunden zu injizieren, damit diese ihren Idolen besonders nah sein können, doch außerhalb der Firma bekommt er eine Menge Geld für den „Stoff“. Außerdem ist er auch selbst ein wenig verliebt in Frau Geist.

Im Body Horror geht es per Definition um die sichtbare Zerstörung des menschlichen Körpers, sei es durch Krankheiten, Parasiten, Mutation oder Verfall. David Cronenberg galt als einer der wichtigsten Vertreter dieses Subgenres des Horrorfilms und auch sein Sohn Brandon hat ganz offensichtlich ein Faible hierfür. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man den Vergleich zwischen Vater und Sohn trotz vermeintlich offensichtlicher Bezüge überstrapazieren sollte, denn direkt nebeneinander gestellt, wirkt Brandons Film irgendwie leer. Während Cronenberg Senior sich für die Wandlungsfähigkeit der Spezies Mensch interessiert, scheint es dem Junior eher an einer Art Gesellschaftskritik gelegen zu sein, die er mit blutigen Metaphern ausmalt. Mit großem Stilwillen und thematisch interessant, aber leider auch recht deutlich, ja plakativ und in gewisser Weise naiv. Starkult hat zu allen Zeiten die bizarrsten Formen angenommen und es ist ein erschreckend plausibler Gedanke, dass die fortschreitende Technik weitere Möglichkeiten der Verehrung hervorbringen wird.

Aber was ist bei Cronenberg jr. der Punkt? Dass es ganz schön eklig ist, dass manch einer sich darüber freut, den gleichen Herpes wie sein Idol zu haben? Dass es doch irgendwie „krank“ ist, dass es Firmen geben könnte, die die Infektion ihrer Kunden zu ihren Dienstleistungen zählt? Was interessiert ihn an seiner Geschichte um eine Welt, in der die Menschen ganz wild darauf sind, die Krankheiten ihrer Stars in sich zu tragen, außer dem Offensichtlichen, dem Blut und den Bildern des Verfalls? Denn weder das Individuum mit seinen Sehnsüchten, noch die futuristische Gesellschaft und das, was sie antreibt und im innersten zusammenhält, macht Cronenberg jr. leider transparent. Nicht auszuschließen, dass er sich dabei etwas gedacht hat, aber ich komme gerade nicht darauf. Außerdem – aber da bin ich mir nicht sicher, ob es an mir liegt oder ob ich es auch dem Film in die Schuhe schieben kann – löst „Antiviral“ bei mir im Moment nicht den Wunsch aus, mich länger mit ihm auseinanderzusetzen. Vielleicht beim nächsten Mal…

Bild © Momentum Pictures

Basket Case 2 (Frank Henenlotter, USA 1990)

Posted by – 21. Mai 2014

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Einer meiner Lieblingsmonsterfilme ist „Nightbreed“ (etwas mehr dazu: hier). Dass mich nun „Basket Case 2“ an Clive Barkers Romanverfilmung erinnert, ist kein Wunder, schließlich geht es auch in Frank Henenlotters Film um ein Refugium für Monster. Die Geschichte des zweiten Teils schließt direkt an die Ereignisse des ersten an. Duane Bradley (Kevin Van Hentenryck) und sein monsterhafter Zwillingsbruder Belial haben den Sturz überlebt und werden in ein Krankenhaus gebracht. Sobald Duane allerdings das Bewusstsein wiedererlangt, fliehen er und Bruder. Sie werden von Granny Ruth (Annie Ross) aufgelesen, die in ihrem Haus Wesen wie Belial Unterschlupf gewährt. Doch die Presse ist den mörderischen Zwillingen schon auf den Fersen…

„Haarsträubender Unfug, der auf den Brechreiz des Zuschauers spekuliert“ befand das Lexikon des Internationalen Films über den ersten Teil von Henenlotters Monsterreihe und auch wenn ich für den zweiten gerade kein Zitat vorliegen habe, vermute ich, dass das Urteil ähnlich ausgefallen wäre. Denn dieser ist ebenfalls „haarsträubender Unfug“ oder in anderen Worten: ziemlich gut! Auch wenn er im Vergleich zum ersten Teil weniger roh anmutet und anfangs deutliche Startschwierigkeiten hat, finde ich ihn inhaltlich sogar etwas besser. Im ersten Teil stand die Beziehung von Duane und Belial im Zentrum, nun geht Henenlotter einen Schritt weiter und beschäftig sich damit, was Monster eigentlich wollen. Nicht überraschend: Sie wollen in Würde leben und lieben. Und nur, wenn man sie nicht lässt, kann es auch mal blutig werden. Apropos „blutig“: Mir war gar nicht bewusst, dass meine Fassung gekürzt ist. Das ist mir leider erst mittendrin aufgefallen. Normalerweise hätte ich wohl abgeschaltet, aber da der Film nach dem etwas drögen Anfang stärker und stärker wird,  habe ich es einfach nicht über mich gebracht. „Basket Case“ bezeichnet im englischen eine Person mit massiven (psychischen) Problemen. Henenlotter arbeitet in diesem Film besser noch als im Vorgänger heraus, wie das Äußere eines Menschen mit seinem Inneren zusammenhängen kann. Das ist bestimmt nicht in dem Sinne gemeint, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann, sondern sehr(!) frei nach Simone de Beauvoir: Als Monster wird man nicht geboren, zu einem Monster wird man gemacht.

Abzüge in der B-Note gibt es für die etwas zu farblose Figur Granny Ruth, deren Motivation, die Kreaturen bei sich aufzunehmen, nie so richtig nachfühlbar wird. Apropos Kreaturen: Auch über das Monsterdesign lässt sich wahrscheinlich streiten. Die einen halten es für extrem originell, die anderen für albern. Ich sortiere mich da irgendwo in der Mitte ein und denke: auch wenn manch Kreatur eher komisch aussieht, erfüllt dies doch seinen Zweck, schon allein weil so das Wahrnehmungsspektrum des Zuschauers geschult und erweitert wird. Die mir liebste Idee des Films ist übrigens Susan (Heather Rattray), die schwanger ist – seit sechs Jahren! Sie und die direkt auf ihre „Enthüllung“ folgenden Ereignisse versehen das Finale des ohnehin großartig durchgeknallten letzten Drittels noch einmal mit ein paar besonders schrillen Tönen.

„Basket Case 2“ erreicht weder den visuellen Ideenreichtum noch die thematische Breite und Tiefe von „Nightbreed“– von Tod Brownings „Freaks“ ganz zu schweigen –, sehenswert weil charmant, zum Schluss ziemlich wild und sogar etwas weise („ripping the faces off people may not be in your best interest“) ist er aber trotzdem.

Bild © ASTRO / Best Entertainment
 

Blutgletscher (Marvin Kren, Österreich 2014)

Posted by – 5. Mai 2014

Der Text zu meinem dritten #MonsterMay-Film findet sich ausnahmsweise nicht hier, sondern drüben im Blog des AGM Magazins. Ich war zugegeben ziemlich neugierig auf den Film, der als Österreichs Antwort auf John Carpenters „The Thing“ angepriesen wurde. Die Parallelen sind tatsächlich unverkennbar – und doch misslingt es Regisseur Marvin Kren und Autor Benjamin Hessler meiner Ansicht nach fast komplett, die Stärken ihrer Inspirationsquelle in den eigenen Film hinüberzuretten. Weder das klaustrophobische Potenzial der Forschungsstation noch das agoraphobische der weiten, einsamen Berglandschaft wollen sich entfalten. Und auch das schwer zu fassende, fast schon abstrakte Monster aus Carpenters Film, gibt’s hier lediglich als Schmalspurversion. Nur das Ende dann mit seiner bösartigen Pointe, das hat einiges gerettet. Menschen machen die gleichen Fehler immer wieder. Das ist sowohl das Schlusswort von „Blutgletscher“, kann aber auch als tiefe, dem Horrorfilm inhärente Wahrheit schlechthin verstanden werden.

Night Of The Creeps (Fred Dekker, USA 1986)

Posted by – 7. Juni 2013

night of the creepsAlles Gute kommt von oben? Nicht immer. Jedenfalls nicht in Fred Dekkers Horror-Parodie „Night Of The Creeps“. Was hier auf die Erde stürzt ist ein fieser wurmartiger Parasit, der sich im Hirn von Menschen einnistet und dort seine Eier legt. Aber der Reihe nach.

1959. Während die Polizei einer Kleinstadt gerade einen entflohenen Serienkiller sucht, sitzen der Student Johnny und sein Rendezvous Pam am Waldrand in Jonnys Auto – als sie plötzlich ein seltsames Objekt abstürzen sehen.  Während Johnny sich auf die Suche nach der Absturzstelle macht, bleibt Pam im Wagen – und hat das Pech, von dem entflohenen Killer mit einer Axt in kleine Teile zerlegt zu werden. Doch auch Johnny hat nicht wesentlich mehr Glück: Im Wald findet er tatsächlich die Stelle, an dem das Objekt abgestützt ist, was aber nur dazu führt, dass er sich mit einem Killer-Parasiten infiziert.

27 Jahre später.  Um in eine Studentenverbindung aufgenommen zu werden, brechen Chris Romero (Jason Lively) und sein Kumpel James Carpenter Hooper (Steve Marshall)  in den Keller der Universität ein und erwecken dort aus Versehen den mit dem Parasiten infizierten Leichnam Johnnys zum Leben. Bald wimmelt es auf dem Campus von widerlichen Parasiten – den Creeps – die nach und nach die Studentenschaft infizieren und zu wandelnden Zeitbomben machen.

Schon die Namen der Figuren – Chris Romero, James Carpenter Hooper, aber auch Chris’ Freundin Cynthia Cronenberg (Jill Whitlow), Detective Ray Cameron oder Sgt. Raimi – machen deutlich, „Night Of The Creeps“ ist eine Homage an den Horrorfilm und seine Macher. Dabei nimmt Fred Dekker allerdings weder seine Vorbilder noch sich selbst so richtig ernst. Das Ergebnis ist ein kunterbunter Achtzigerjahre-Horror-Spaß, der voller Freude Filme wie „Shivers“, „Dawn Of The Dead“ oder „The Blob“ zitiert und mit Sicherheit auch selbst wieder neuere Filme wie James Gunns „Slither“ beeinflusst hat. Und auch der Subtext – das Böse dringt über deine Körperöffnung in dich ein und macht dich zu einem bräsigen Zombie – kann man als ironischen Kommentar auf den amerikanischen Puritanismus deuten.

Zugegeben. So ganz gnädig ist die Zeit mit „Night Of The Creeps“ nicht umgegangen. Viele der Effekte sind schlecht gealtert. Und auch der Humor ist nicht wirklich aus diesem Jahrtausend. Für jeden, der wissen will, wie es damals in den Achtzigern zugegangen ist oder der in dem Jahrzehnt und mit diesem Film groß geworden ist, ist „Night Of The Creeps“ ein Muss. Besonders schön ist der in schwarz-weiß gehaltene Anfang und die Szene mit dem Axtkiller (der später im Film im wahrsten Sinne noch einmal ausgebuddelt wird); aber auch sonst gibt es immer wieder Momente, die einfach nur Spaß machen und wehmütig an die Achtzigerjahre denken lassen. Außerdem beweist Dekker in seinem Debüt auch immer wieder großen Einfallsreichtum, der ihn eigentlich dazu hätte qualifizieren sollen, im Anschluss an „Night Of The Creeps“ noch ein paar tolle Filme zu machen. Mein persönlicher Lieblingsmoment ist der, als  Detective Cameron (ganz groß: Tom Atkins) gegen Ende in einer wunderbar gefilmten One-Man-Show mit den Creeps aufräumt. Und dann natürlich das Ende des Director’s Cuts. Dieser unterscheidet sich von der Kinoversion eigentlich nur durch das Finale. Da wird die filmische Klammer zugemacht und die Außerirdischen vom Anfang tauchen noch einmal in einer witzigen Szene auf. Das Gute kommt nämlich doch von oben, nicht immer, aber ziemlich oft.

Bild © Winkler Film
 

Dead Shadows (David Cholewa, Frankreich 2012)

Posted by – 5. Mai 2013

Dead Shadows

Auch bei Filmen gibt es bei mir so etwas wie Prokrastination. Statt einen guten oder wichtigen, schaue ich mir manchmal lieber einen schlechten Film an. Da verschmerze ich es eher, wenn ich hinterher nichts drüber schreibe. Auch „Dead Shadows“ war eigentlich als Prokrastinations-Film gedacht. Die Story: Damals in der Nacht, als ein Komet am Himmel erschienen ist, hat Chris seine Eltern verloren. Noch Jahre später ist der junge Mann (Fabian Wolfrom) traumatisiert. Dem erneuten Erscheinen eines Kometen sieht Chris deswegen mit großer Besorgnis entgegen. Zu Recht! Denn mit Eintreffen des Himmelskörpers bricht die Hölle los. – Und das ist dann stellenweise so bizarr, dass ich jetzt doch zwei Sätze dazu schreiben möchte. „Dead Shadows“ ist schlecht. Richtig übel. Er erinnert an ein unförmiges Monster, das aus Teilen von „Slithers“, „Grabbers“, „Attack The Block“, „The Thing“, „The Signal“ und noch etlichen weiteren Titeln ungelenk zusammengebaut wurde. Alles schon irgendwo gesehen, aber selten so amateurhaft. Die Schauspieler agieren wie Leute, die zum ersten Mal in einem Film mitspielen, die Musik wabert nebenher und scheint aus ganz anderes Sphären zu kommen. Die Story ist wirr, so etwas wie eine Dramaturgie existiert praktisch nicht. Eine Zeitlang habe ich deswegen sogar überlegt, ob ich „Dead Shadows“ einfach ausmache…

…doch dann zaubert der junge Franzose David Cholewa in seinem Debüt auf einmal Szenen aus dem Hut, die von apokalyptischer Schönheit sind. Irgendwann im letzten Drittel wird „Dead Shadows Dead Shadows“ zu einem psychotischen (Body-)Horror-Trip, der es in sich hat. Meine Lieblingsszene: Chris sitzt nach dem Kampf mit paar Typen erschöpft in einer Ecke, als ein Wesen, halb Frau, halb Spinnenmutant auftaucht, das Carpenters „The Thing“ entsprungen sein könnte. Doch das Wesen greift ihn nicht etwa an, sondern schmiegt sich zärtlich an seinen Rücken. Erst in diesem Moment habe ich erahnt, worum es Cholewa eigentlich geht. Die Monster des Films, sie alle haben irgendwie mit Chris zu tun. Vielleicht ist sogar er der Ursprung allen Grauens – weil er es als Kind selbst erlebt hat – und „Dead Shadows“ ist am Ende eine seltsame Variante des Coming-of-Age-Films? Wenn zum Schluss die Apokalypse über die Welt hereinbricht, wirkt das jedenfalls nicht wie das Ende von allem, sondern wie ein vielversprechender Anfang – zumindest für Chris.

Ich will „Dead Shadows“ nicht gutreden und würde ihn auch nicht weiterempfehlen, aber so schlecht wie ich am Anfang dachte, war er dann doch nicht. Ja, es gibt sogar einiges zu entdecken. Und dass er an ein paar Stellen an die Filme John Carpenters erinnert, ist, wie man in den Extras der DVD erfährt, auch kein Zufall: Cholewa ist nämlich ein ganz großer Fan von ihm. Und Carpenter-Fans kann man ja eigentlich nichts übel nehmen.

Bild © Mad Dimension
 

Return Of The Living Dead 3 (Brian Yuzna, USA 1993)

Posted by – 16. Dezember 2012

Return_of_the_living_dead_3Liebe ist Stärker als der Hunger auf Gehirne. Zumindest eine Zeitlang.

Unter der Aufsicht von Offizier Colonel John Reynolds (Kent McCord) experimentiert das Militär weiterhin am hochgiftigen Trioxin 245, das Tote wieder zum Leben erweckt. Zu doof, dass Reynolds Sohn Curt (J. Trevor Edmond) mit seiner Freundin Julie (Melinda Clarke) die Versuche beobachten und Curt, nachdem Julie bei einem Motorradunfall ums Leben kommt, der Idee verfällt, seine Freundin mit Hilfe von Toxin 245 zurückzuholen. Zwar gelingt die „Wiederbelebung“, doch entwickelt Julie danach einen eigenartigen Hunger auf Menschenfleisch.

Eigentlich bin ich ja kein großer Freund von Experimenten mit dem Zombiefilm, aber diese Zombie-Variation von Brian Yuzna gefällt mir ausnahmsweise sehr. Nach einem Drehbuch von John Penney lotet Yuzna hier die Idee aus, dass der Zombie doch keine willenlose Fressmaschine ist, sondern im Prinzip der Mensch bleibt, der er vorher war – nur halt mit gnadenlosem Hunger auf Gehirne. Die Zombies sind auf einmal Individuen, die über Selbstbewusstsein und –kontrolle verfügen, was mit der deprimierenden Grundprämisse des klassischen Zombiefilms nicht mehr allzu viel zu tun hat und „Return Of The Living Dead 3“– aller körperlicher Schmerzen zum Trotz – sich fast schon als Feelgood-Movie unter den Zombiefilmen macht.

Yuznas ist ein launiger, fantasievoller Genremix aus Zombiefilm, Body Horror, Sozialkritik und Coming-of-Age gelungen. Coming-of-Age? Ja, ich finde schon. Yuzna geht hier mit Themen wie der Loslösung vom Elternhaus, dem Konflikt mit Autoritäten, den bizarren Versuchen, die flügge werdenden Jugendlichen zu zähmen, der ersten Liebe u.ä. deutlich auf die Probleme Heranwachsender ein. Auch Julies auto-aggressives Verhalten kann in diesem Zusammenhang als Symbol der gesellschaftlichen Kälte und der jugendlichen Rebellion gedeutet werden. Insofern ist „Return Of The Living Dead 3“ fast schon ein bisschen Rock’n Roll.

Bild © Lions Gate
 

Prometheus (Ridley Scott, USA 2012)

Posted by – 23. Juni 2012

Der Weltraum, unendliche Weiten. Möglicherweise stammt der Keim, der das Leben auf der Erde möglich machte, von irgendwo dort oben. Und  vielleicht lauert in der endlosen Finsternis auch der Anfang vom Ende.

Nachdem ich gerade schon für das Multimania Magazin einen Artikel zu „Prometheus“ geschrieben habe, hier nur in Kürze einige Gedanken zum Film, kritische Anmerkungen, die sicherlich berechtigt wären, einmal außen vor gelassen. Nach den letzten Filmen von Sir Ridley Scott – und ich meine damit seine Filme der letzten zwanzig Jahre – dachte ich: von dem Mann können wir nichts mehr erwarten. Wirklich schlecht waren sie, vielleicht bis auf „G.I. Jane“, wohl alle nicht, dazu ist Scott einfach ein zu routinierter Regisseur, aber richtig gut gefallen hat mir eben auch nichts. Doch ich habe Scott wohl zu früh abgeschrieben. Mit „Prometheus“ ist ihm, meiner Meinung nach, ein sehr spätes, dafür aber umso erfreulicheres Comeback gelungen.

Die Forscher Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) finden Hinweise darauf, dass die Erde vor langer Zeit schon einmal von Außerirdischen besucht wurde. Die Spur führt ans andere Ende des Universums, zum Mond LV-223. Die mächtige Weyland Corporation schickt die Wissenschaftler samt Team zu dem Mond, um auf ihm dem Ursprung des Lebens nachzuspüren. Doch statt Leben wartet dort nur Tod auf die Crew.

In Scotts Film ist Prometheus der Name des Raumschiffs, das die Forscher zu ihrem Ziel bringt. Natürlich hat es mit dem Filmtitel noch mehr auf sich, schließlich erschuf nach griechischer Sage der Titan Prometheus den Menschen und auch im Film geht es um den Ursprung des Lebens. Dabei erschafft Scott in gewisser Weise sich selbst, vor allem aber den Alien-Mythos neu. Das Alien wird in „Prometheus“ als Symptom einer weit größeren Gefahr interpretiert. Ich vermute, dass diese Neuinterpretation vielen treuen Alien-Fans gegen den Strich gehen wird, aber ich denke, Scott hatte keine Wahl als das Projekt auf eine andere Ebene zu hieven, nur hierdurch konnte er sich freispielen und die Möglichkeiten schaffen, eine spannungs- und überraschungsreiche Geschichte zu beginnen, die sogar noch den mit Sicherheit kommenden Sequels die Chance zum Ausbau bietet. Und vielleicht wird Scott (oder sein Nachfolger) sogar noch etwas mutiger sein und sich von der alten Alien-Reihe ganz lösen, um die mit „Prometheus“ vielversprechend begonnene  neue Reihe kompromisslos weitererzählen.

Bild © Twentieth Century Fox
 

The Exorcist (William Friedkin, USA 1973)

Posted by – 25. Mai 2012

Peter, Sebastian und ich haben neulich bei Twitter mal über die verschiedenen Fassungen von William Friedkins „The Exorcist“ gesprochen.  Kurz darauf fiel die Entscheidung, uns parallel den Director’s Cut anzusehen und gleichzeitig darüber zu twittern. Gestern war es soweit. Mit dabei waren auch noch Rob, Laura und Annika. Es war ein sehr schöner Abend weil: nette Leute und lustige Kommentare. Aber natürlich auch, weil „The Excorist“ – das ist mir gestern wieder klar geworden – ein ganz formidabler Film ist. Auf einer oberflächlichen Ebene ist es ein straighter, spannender Okkultismus-Thriller. Dahinter scheint er aber  vielschichtiger und bedeutungsreicher zu sein, als man zunächst annimmt.

Aufgrund von Dreharbeiten zieht die geschiedene Filmschauspielerin Chris MacNeil (Ellen Burstyn) mit ihrer Tochter Regan (Linda Blair) und zwei Hausangestellten nach Washington D.C. in eine Stadtvilla. Als Regan schleichend ihr Verhalten ändert, sucht Chris verschiedene Ärzte auf – ohne Erfolg. Als einer der Ärzte vorschlägt, Chris solle einen Exorzismus versuchen, ist sie zunächst skeptisch. Doch Regans Verhalten nimmt immer drastischere Züge an, so dass die überforderte Mutter keine andere Wahl mehr hat.

Zunächst scheint „The Exorcist“ drei Geschichten zu erzählen, die von Pater Lancaster Merrin (Max von Sydow), die von Damien Karras (Jason Miller) sowie Chris MacNeil und ihrer Tochter Regan. Es funktioniert ganz wunderbar, wie ungezwungen und trotzdem stimmig Friedkin diese Erzählstränge zusammenführt. Schon von Anfang an ist die Stimmung bedrohlich, aber auf eine solch subtile Weise, wie man sie nur ganz selten findet. „Rosemarys Baby“ könnte man als Film anführen, der einen ähnlich gelungenen, sukzessiven Spannungsaufbau hat. Das Grauen in „The Exorcist“ wird aber im weiteren Verlauf  expliziter  dargestellt als in Polanskis Film. Die zunehmende Vulgarität, der großzügige Einsatz von Körperflüssigkeiten und das Fortschreiten von Regans äußerlichem und innerlichem Verfall sollen den Zuschauer  schockieren – aber der Schock ist hier kein genrekonformer Selbstzweck, sondern ein Symptom der Entfremdung. Nichts ist größer als die Angst vor Tabubrüchen. Und Regans Verhalten liegt definitiv außerhalb der Norm. Sie gehört nicht mehr dazu. Die Fremdheit, die das eigene Kind, das ja eigentlich das vertrauteste auf der Welt sein sollte, auf einmal ausstrahlt, ist wahrscheinlich das Verstörendste an dem ganzen Film. Und das auch deshalb, weil bestimmt jeder eigene Erfahrungen mit dem Fremden hat – z.B. mit Menschen, die anders aussehen oder andere Sprachspiele spielen – und insofern die im Film geschilderte Situation bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann.

Hätte Mutter Chris die Veränderungen an ihrer Tochter nicht einfach als Zeichen ihrer Individualität und Entfaltung ihrer Persönlichkeit akzeptieren können? Natürlich nicht. Die Abweichungen von der Norm waren einfach zu groß. Da konnte einfach nur ein Dämon dahinter stecken. Heute sind es auch gene mal Horrorfilme, gewaltverherrlichende Computerspiele oder das böse Internet.

Bild © Warner
 

Slither (James Gunn, USA 2006)

Posted by – 14. Mai 2012

Dass so ein Komet mal irgendetwas Schönes, Freundliches zur Erde bringt, ist sicher nicht die Regel. Auch bei James Gunns Debüt „Slither“ hat der Himmelskörper, der nahe der Kleinstadt Wheelsy abstürzt, für ihre Bewohner nichts wirklich Gutes, sondern wieder einmal nur eine gemeingefährliche außerirdische Lebensform dabei. Und so nimmt die Geschichte  ihren Gang:  Weil seine Frau Starla (Elizabeth Banks) ihn abgewiesen hat, wandert der sexuell frustrierte   Grant (Michael Rooker) durchs nächtliche Wheelsy. Statt einem amourösen Abenteuer findet Grant allerdings nur einen außerirdischen Parasiten, der den Mann in ein fleischfressendes, unförmiges Monster verwandelt. Sheriff Bill Pardy (Nathan Fillion) und eine Gruppe Dorfbewohner machen sich auf, den Mutanten zur Strecke zu bringen. Das mit mäßigem Erfolg.

Sein Debüt wirkt wie ein Fan-Film. In „Slither“ hat James Gunn so ziemlich alles untergebracht, was es je in Alien-Invasion-Filmen der letzten Jahrzehnte gab. Hinabstürzende Meteoriten, schleimige Würmer, Menschen, die außerirdischen Parasiten als Wirte dienen, große, unförmige Monster, die sich von rohem Fleisch ernähren und wachsen bis sie platzen, Blut, das ätzend ist wie Säure und vieles, vieles mehr. „Slither“ ist damit so eine Art best of. Habe ich mich bei ersten Gucken noch darüber gefreut, dass er für Fans solcher Filme so gut wie keine Wünsche offen lässt, habe ich es eben, bei der Zweitsichtung, als sehr positiv empfunden, dass Gunn der Mehrheit seiner Figuren mit dem nötigen Respekt begegnet und sie nicht zu charakterlosem Mutantenfutter degradiert. Die fast schon tragische Dreiecksgeschichte zwischen Nathan Fillion (wie immer sehr witzig), Elizabeth Banks und Michael Rooker, die durch die Mutation von letzterem ins grotesk-dramatische übersteigert wird, ist nur ein Beispiel für die gelungene Chemie zwischen den Figuren.

„Slither“ ist bestimmt kein Meisterwerk. Dazu ist er nicht originell genug. Ein handwerklich guter, in gewisser Weise kompromissloser und gleichzeitig sehr humorvoller Film ist er dennoch. Wenn die infizierten Personen sich über ihren schrecklichen Hunger beklagen während sie alles in sich reinstopfen, kann man das durchaus auch auf den Film in seiner Gesamtheit beziehen. James Gunn hat schreckliche Lust, Filme zu machen und alles in sein Debüt gestopft. Dass er, wenn er etwas maßvoller agiert, noch um ein vielfaches effizienter sein kann, hat er ja schließlich  in seinem zweiten Spielfilm „Super“ gezeigt.

Bild © Universal