Tag: Body Horror

RoboCop (Paul Verhoeven, USA 1987)

Posted by – 3. Mai 2012

In der Zukunft. Mächtige Konzerne haben die Kontrolle übernommen. In Detroit hat der auf Waffensysteme spezialisierte Konzern OCP das Sagen. Nachdem sich der Einsatz des vollautomatischen Polizeiroboters ED-209 aufgrund technischer Schwierigkeiten verzögert, setzt sich ein anderes Projekt von OCP durch: Der Cyborg-Cop. Für diesen Protopolizisten benötigt OCP allerdings einen Menschen, um ihn technisch aufrüsten zu können. Sehr gelegen kommt ihnen deswegen, dass Cop Murphy (Peter Weller) im Dienst so schwer verwundet wird, dass man ihn für tot erklären und für das RoboCop-Experiment nutzen kann. Doch der als RoboCop wiedergeborene Murphy erinnert sich an sein früheres Leben und macht sich gemeinsam mit seiner Partnerin (Nancy Allen) daran, die Hintergründe seines Ablebens zu erforschen. Die Spur führt direkt ins Herz von OCP.

Es gibt Filme, die kann man alle paar Jahre wieder anschauen – und jedes Mal entdeckt man etwas Neues. „RoboCop“, den ich nun schon etliche Jahre nicht mehr gesehen habe, ist so ein Film. Die gestrige Sichtung hat mich mal wieder total umgehauen. Das liegt gar nicht  so sehr daran, dass sich mir besonders viele neue Aspekte erschlossen hätten, sondern daran, dass mir noch nie so klar geworden ist: „RoboCop“ ist pure filmische Schönheit.

1987 hat man sich Maschine-Mensch-Schnittstellen noch etwas einfacher vorgestellt, aber das ist nicht der einzige Aspekt, in dem Verhoevens Film nicht auf der Höhe der Zeit ist und aus heutiger Sicht etwas fremd anmuten mag. Allerdings sind diese Aspekte nahe irrelevant, vergleicht man sie mit den Stärken dieses Kleinods eines Science Fiction Films. Deus Ex Maschina, der Geist in / aus der Maschine, ist ein beliebtes Filmtopic. Aus der toten Maschine entsteht ein lebendes Bewusstsein. In „RoboCop“ läuft der Hase anders herum: Hier wird ein Mensch nach seinem Tod zur geistlosen Maschine gemacht. Doch das menschliche Bewusstsein ist derart stark, dass sich selbst in  dem klobigen Roboterkörper ein Rest Persönlichkeit überlebt bzw. wiedergeboren wird. Man kann „RoboCop“ deswegen durchaus als Variation des christlichen Auferstehungsmythos sehen, worauf mehrere Stellen im Film explizit hindeuten. Solche Referenzen waren von Verhoeven mit Sicherheit mitgedacht, sind aber immer noch nicht die größte Stärke seiner vielschichtigen Dystopie. Nein, was mich dieses Mal beim Anschauen des Films voll und ganz in den Bann geschlagen hat, war diese ungeheure, gradlinige Direktheit mit der diese gallige Sozialkritik erzählt ist und sie schlussendlich zu einer grandiose Satire macht. Man kann den Kapitalismus, die zunehmende Macht Wirtschaft, Technikgläubigkeit, Allmachtsfantasien etc. bestimmt auch subtil kritisieren, aber Verhoeven geht hier in etwa so feinfühlig vor, wie „The Dentist“ Dr. Feinstone bei einer Zahn-OP – und genau das ist es, was mich an „RoboCop“ so fasziniert.  Geschichten wie diese dürften ruhig mal ein bisschen weh tun, ach was – mehr als ein bisschen!

Natürlich gibt es etliche weitere Gründe, „RoboCop“ zu lieben. Viele Szenen sind wahnsinnig gut. Die soziale Kälte dringt dem Film aus allen Poren. Murphys Hinrichtung beispielsweise ist von traumatisierender Intensität. Und Ronny Cox und Kurtwood Smith geben zwei unglaublich gute Bösewichte ab. (Warum das für letzteren gilt, weiß ich gar nicht genau. Vielleicht nur, weil fiese Typen doch eigentlich keine Nickelbrillen tragen.) Der Film ist sicherlich ein wichtiger Vertreter des Body Horrors, der daraufhin aber noch gar nicht angemessen analysiert wurde. Diesem Gedanken hier nachzugehen, würde aber vermutlich zu weit führen. Deswegen mache ich nach der ganzen Lobhudelei hier einfach mal Schluss. Nur das noch: Ist der ED-209 eigentlich mit den Daleks verwandt, oder warum kommt der nicht die Treppe runter?

Bild © MGM