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Antiviral (Brandon Cronenberg, Kanada / USA 2012)

Posted by – 10. Juni 2015

AntiviralWenn der Sohn meines Lieblingsregisseurs einen Film über Krankheiten macht, muss ich das natürlich sehen. Umso erstaunlicher, dass der Antiviral von Brandon Cronenberg dafür jetzt schon über ein Jahr ungesehen im Regal liegen blieb. Neben Vorfreude scheint die Angst vor Enttäuschung nicht unerheblich dafür verantwortlich gewesen zu sein.

In „Antiviral“ geht es um einen Mann (Caleb Landry Jones), der im eigenen Körper Krankheiten aus einer Firma schmuggelt, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Genauer gesagt geht es um ganz besondere Krankheiten, nämlich die des Stars Hannah Geist (Sarah Gadon). Eigentlich ist sein Job, diese Viren gut zahlenden Kunden zu injizieren, damit diese ihren Idolen besonders nah sein können, doch außerhalb der Firma bekommt er eine Menge Geld für den „Stoff“. Außerdem ist er auch selbst ein wenig verliebt in Frau Geist.

Im Body Horror geht es per Definition um die sichtbare Zerstörung des menschlichen Körpers, sei es durch Krankheiten, Parasiten, Mutation oder Verfall. David Cronenberg galt als einer der wichtigsten Vertreter dieses Subgenres des Horrorfilms und auch sein Sohn Brandon hat ganz offensichtlich ein Faible hierfür. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man den Vergleich zwischen Vater und Sohn trotz vermeintlich offensichtlicher Bezüge überstrapazieren sollte, denn direkt nebeneinander gestellt, wirkt Brandons Film irgendwie leer. Während Cronenberg Senior sich für die Wandlungsfähigkeit der Spezies Mensch interessiert, scheint es dem Junior eher an einer Art Gesellschaftskritik gelegen zu sein, die er mit blutigen Metaphern ausmalt. Mit großem Stilwillen und thematisch interessant, aber leider auch recht deutlich, ja plakativ und in gewisser Weise naiv. Starkult hat zu allen Zeiten die bizarrsten Formen angenommen und es ist ein erschreckend plausibler Gedanke, dass die fortschreitende Technik weitere Möglichkeiten der Verehrung hervorbringen wird.

Aber was ist bei Cronenberg jr. der Punkt? Dass es ganz schön eklig ist, dass manch einer sich darüber freut, den gleichen Herpes wie sein Idol zu haben? Dass es doch irgendwie „krank“ ist, dass es Firmen geben könnte, die die Infektion ihrer Kunden zu ihren Dienstleistungen zählt? Was interessiert ihn an seiner Geschichte um eine Welt, in der die Menschen ganz wild darauf sind, die Krankheiten ihrer Stars in sich zu tragen, außer dem Offensichtlichen, dem Blut und den Bildern des Verfalls? Denn weder das Individuum mit seinen Sehnsüchten, noch die futuristische Gesellschaft und das, was sie antreibt und im innersten zusammenhält, macht Cronenberg jr. leider transparent. Nicht auszuschließen, dass er sich dabei etwas gedacht hat, aber ich komme gerade nicht darauf. Außerdem – aber da bin ich mir nicht sicher, ob es an mir liegt oder ob ich es auch dem Film in die Schuhe schieben kann – löst „Antiviral“ bei mir im Moment nicht den Wunsch aus, mich länger mit ihm auseinanderzusetzen. Vielleicht beim nächsten Mal…

Bild © Momentum Pictures