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Night Of The Blind Dead (Amando de Ossorio, Spanien / Portugal 1971)

Posted by – 22. Januar 2014

Die Nacht der reitenden LeichenKomisch, schon seit gefühlten Ewigkeiten weiß ich von der Existenz reitender Leichen, aber diesen ersten Teil der vierteiligen Reihe um die Titel gebenden Untoten, habe ich erst heute gesehen. Besonders spannend oder sogar gruselig war er nicht, aber „er hatte was“, wie man so schön sagt.

Darum geht’s: Einst dachten ein paar Templerritter, sie könnten durch Jungfrauen-Opfer Unsterblichkeit erlangen. Zunächst wurden sie dafür allerdings exkommuniziert und hingerichtet. Ganz unrecht hatten sie allerdings nicht – wie die Urlauberin Virginia White (María Elena Arpón) ein paar hundert Jahre später schmerzhaft am eigenen Leib erfahren muss, als sie sich von ihren Freunden Bella (Lone Fleming) und Roger (César Burner) trennt und sich in eine abgelegene Tempelanlage verirrt. Denn die untoten Tempelritter gehen immer noch ihren satanischen Ritualen nach.

Ein wenig hat „Night Of The Blind Dead“ – keine Ahnung, ob das wirklich der internationale Titel ist, den ich ja eigentlich immer benutze, OT: La Noche del terror ciego, DT: „Die Nacht der reitenden Leichen – das Problem seiner Bösewichte: Knarzig, träge und unbeholfen wie die skelettierten Tempelritter schleppt sich der Film von einer Szene zur nächsten. Und immer wenn das Gefühl aufkommt, jetzt würde die Sache Fahrt aufnehmen – Zeitlupe! Und alles dauert noch lääääänger. Dass die Leichen, denen Reiten tatsächlich noch am besten steht, wie kostengünstig verkleidete Laiendarsteller aussehen, kommt dem Gesamteindruck ebenfalls nicht zugute. Trotzdem will ich nicht abstreiten, dass es über die Spielzeit von 97 Minuten doch eine ganze Reihe schöner Szenen gibt, wie z.B. eine Rückblende, die das Verhältnis der beiden Freundinnen näher beleuchtet oder solche, die im Morgengrauen spielen und in denen das Licht einfach verdammt schön ist. Oder solche, die zumindest ein wenig komisch sind, wenn auch nicht ganz freiwillig. Ich habe mich beispielsweise sehr gefreut als Virginia, obwohl sie nur ein klein wenig beleidigt war, gleich aus dem Zug springt – und das in einer Gegend, in der nach Aussage des Schaffners keine Menschenseele wohnt. Oder auch als Virginia von den Toten aufersteht und der ganze Film kurzzeitig ein Vampirfilm zu werden scheint.

Was ich an „Night Of The Blind Dead“ am unterhaltsamsten fand, war jedenfalls nicht die Sache mit den Tempelrittern, sondern die Figurenkonstellation: Der Beziehung zwischen Virginia und Bella wird von einigen Andeutungen am Anfang des Films nicht weiter nachgegangen (meiner Meinung nach der größte Fehler des Films!), aber als Bella und Roger sich zusammen mit dem Gauner Petro (José Thelman) und seiner Flamme Maria (María Silva) zum Kloster begeben, wird der Film zum ersten und fast einzigen Mal richtig unheimlich. Und das nicht etwa weil die Zombies los sind, sondern weil Petro sich an der freundlichen Bella vergreift. An dieser Stelle hat es bei mir Klick gemacht und ich habe mich gefragt, ob de Ossorio wohl möglich gar keinen klassischen Horrorfilm drehen wollte. Männliche Gewalt ist in gewisser Weise ja zentrales Thema. Im Mittelalter haben die Templer Jungfrauen gequält und ihr Blut getrunken. Zwar sind sie dafür bestraft und unter die Erde gebracht worden, doch das Problem wurde damit nur vordergründig beseitigt. Die Symptome wurden bekämpft, doch die Krankheit lebt und kann jederzeit wieder ausbrechen: Die Gewalt, die Männer gegen Frauen ausübten und immer noch ausüben, ist unsterblich und sie schlummert bis wir sie wieder wecken. Das geschieht am Anfang, als Virginia indirekt durch die Annäherungsversuche von Roger an ihrer Freundin Bella zu der verwunschenen Ruine getrieben wird, das geschieht – deutlicher – bei der Vergewaltigung durch Petro.

Vielleicht ist das ja die Message, die de Ossorio seinem Film noch zwischen die Zeilen geschrieben hat. So verstanden, wäre er eine Warnung vor einer Krankheit, die man nicht heilen kann, indem man die Infizierten tief verbuddelt. „Night Of The Blind Dead“ schildert, wie sich die Infektion ausbreitet. Insofern alles in allem doch ein interessanter erster Teil, der Lust auf mehr macht. Schön sind dessen letzte Szenen wenn zu sehen ist, wie die Toten mit dem Zug ins Dorf kommen und der ohnehin nicht schnelle Film sich ein letztes Mal verlangsamt, das Bild gefriert und jede Bewegung im Moment erstarrt. Das Bild könnte aus einer Zeitung stammen und zu einer Katastrophenmeldung gehören, die den Anfang vom Ende einläutet.

Bild ©  Laser Paradise