Tag: Comicverfilmung

X-Men: Apocalypse (Bryan Singer, USA 2016)

Posted by – 17. Dezember 2016

Für den Kino-Zeit-Adventskalender habe ich einen Text zu „X-Men: Apokalypse“ beigesteuert. Darin beschreibe ich ein wenig, warum ich die aus „X-Men: First Class“, „X-Men: Days Of Future Past“ und nun „Apocalypse“ bestehende Reihe so mag. Kurz gesagt: Es geht um viel. Es geht um elementare Konflikte, Krieg, Frieden, Macht, Verantwortung, Einsamkeit und Freundschaft, Schuld und Vergebung,… Um zu verdeutlichen, was ich an der Reihe so brillant finde, sollte man sich die raffinierte alternative Realität vergegenwärtigen, die sie zu dem bis dahin existierenden X-Universum aufbaut. Diese alternative Zukunftslinie ermöglicht, sich von den ersten drei Filmen zu distanzieren, ohne sie zu leugnen, was nicht nur erzählerisch interessante Chancen eröffnet, auch philosophisch ist dieser Zugang faszinierend. Das Denken in Möglichkeiten, das hier für eine Comicverfilmung gewohnt unterhaltsam aber ungewohnt clever veranschaulicht wird, steht in direkter Verbindung mit den zunehmenden geopolitischen Herausforderungen und bietet – ebenfalls für eine Comicverfilmung ungewöhnlich – echte Antworten. Durch das Erkunden der Möglichkeiten können uns Filme wie „X-Men: Apokalypse“ vielleicht tatsächlich ein wenig dabei helfen, uns klar darüber zu werden, wie wir leben wollen. Amen.

P.S. Alex Summers lebt!

Notizen #6

Posted by – 25. Februar 2016

The Martian (Ridley Scott, USA 2015)

Buch gelesen, Film nachgeholt. Ein Kinoereignis ist „The Martian“ von Ridley Scott ohne Frage – auf dem heimischen Fernseher ohne gutes Soundsystem entfaltet er seine Wirkung allerdings nur bedingt. Außerdem hat der Film das gleiche Problem wie das Buch: Schlaue Menschen finden technische Lösungen für technische Probleme, aber das „Menschliche“ kommt in Film und Vorlage so gut wie nicht vor. Die größte Emotion löst hier noch der Bowie-Song „Starman“ aus. Sicherlich, was interessieren Befindlichkeiten, wenn es darum geht, einen Astronauten (Matt Damon) vom Mars zu retten? Mit Jammern, Tränen ist niemandem geholfen, der sich in einer solchen Notlage befindet. Hier geht es darum, was der Homo Sapiens kraft seines Verstandes erreichen kann. Die Verneigung vor der Wissenschaft ist Scott mit seinem Film auf jeden Fall gelungen, ein echtes, menschliches Drama allerdings nicht.

Green Inferno (Eli Roth, USA / Chile 2014)

An Eli Roth scheiden sich die Geister. Bis ich „Hostel 2“ gesehen hatte, hielt auch ich ihn für einen interessanten Filmemacher. Auf „Green Inferno“ war ich trotzdem irgendwie gespannt, vielleicht weil ich dachte, dass das ohnehin schon recht fürchterliche Genre des Kannibalen-Films durch Roths Provokationsdrang vielleicht noch etwas dazugewinnen könnte. Doch man merkt schnell: Roth hat keine wirkliche Idee, was er zum Genre beizusteuern hat. Deswegen orientiert er sich sehr nah an den Genre-Vorbildern sowie an seinem eigenen „Hostel“: Eine lange Exposition, das – je nach Sichtweise – mehr oder weniger geschickte Spiel mit Vorurteilen gegen fremde Kulturen und heftige Gewaltexzesse. Leider funktioniert das bei „Green Inferno“ nicht. Diente die Einleitung bei „Hostel“ noch dem Spannungsaufbau, ist sie hier größtenteils langweilig, die Figuren geben wenig her; und im Kannibalenfilm ist dann irgendwie doch zu klar, worauf das alles hinausläuft. Interessant ist der Film am ehesten noch deswegen, weil hier die Verhältnisse mehrmals komplett auf den Kopf gestellt werden: Wer hier gut und wer böse ist, darüber kann man genauso lange sinnieren wie über das wenig glaubwürdige aber trotzdem provokante Ende, wo eine der überlebenden Figuren eine wenig nachvollziehbare aber trotzdem denkwürdige Entscheidung trifft. Daran, dass bei Eli Roth die Meinungen auseinandergehen, wird auch „Green Inferno“ nichts ändern.

Dredd (Pete Travis, USA 2012)

Extreme Situationen erfordern extreme Maßnahmen. Das sieht man nirgends so gut wie an der Comic-Figur Judge Dredd, die in einem postapokalyptischen Amerika für Recht und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei Pete Travis so gut wie alles stimmt. Die Geschichte (Alex Garland), das visuelle Konzept des Regisseurs und von Kameramann Anthony Dod Mantle, der schon für einige Dogma-Filme tätig war, die Schauspieler (Karl Urban als Judge Dredd, Olivia Thirlby als seine Partnerin, die großartige Lena Headey als fieser Gangsterboss) – hier passt alles. So bin ich denn fast geneigt, „Dredd“ zu meinen Lieblings-Comicverfilmungen zu zählen, aber da wäre wohl voreilig, denn ich kenne die Comics ja gar nicht. Da ich ohnehin gerade dabei bin, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, wäre es wohl auch eine gute Gelegenheit, mir mal „Judge Dredd“ näher anzuschauen. Lesetipps nehme ich gerne entgegen.

Maze Runner: The Scorch Trials (Wes Ball, USA 2015)

Den ersten Teil („Maze Runner“) hatte ich noch recht wohlwollend aufgenommen. Er hat mir sogar besser gefallen als die Buchvorlage. Den zweiten Roman habe ich angefangen, aber wegen künstlerischer Differenzen zwischen mir und dem Jugendbuch-Autor James Dashner nicht zu Ende gelesen, dafür den Film dann vor ein paar Tagen nachgeholt. Leider ist nichts von den Dingen übrig, die ich am ersten Teil mochte. Thomas (Dylan O’Brien) und seine ebenfalls aus dem Labyrinth entkommenen Freunde verschlägt es in „Maze Runner: The Scorch Trials“ zuerst direkt in die Hände der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) und gleich danach, verfolgt vom undurchsichtige WCKD-Agenten Janson (Aidan Gillen) und seinen Schergen, in ein verbranntes Ödland, in dem zahlreiche Gefahren lauern. Trotzdem wollte bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, im Gegenteil – ich fand die Hatz nach kürzester Zeit unglaublich ermüdend. Ob das daran liegt, dass das Geheimnis um das Labyrinth im ersten Teil in ein 08/15-Plot um eine zwielichtige Organisation transformiert wurde, dass zwischen den Figuren nichts Interessantes passiert, oder dass Wes Ball kein Regisseur ist, der die beiden Punkte in irgendeiner Form kompensieren könnte. Meine Freude auf den nächsten Teil, „Maze Runner 3: The Death Cure“, hält sich deswegen in Grenzen.

Batman Begins (Christopher Nolan, USA 2005)

Posted by – 14. November 2015

Dark Knight TrilogieNachdem ich mich gerade wieder wie ein kleines Kind über „Batman“-Comics freue, wollte ich mir gerne auch noch einmal Christopher Nolans Vision des Dunklen Ritters zu Gemüte führen. Nolan hat bisher ausnahmslos Filme gemacht, die mich gleichzeitig ärgern und faszinieren, aber unterm Strich trotzdem seltsam kalt lassen. Diesem widersprüchlichen Gefühl möchte ich beim Wiedersehen von „Batman Begins“ und hoffentlich in Kürze auch den folgenden beiden Teilen einmal nachspüren.

In „Batman Begins“, der von verschiedenen Batman-Comics beeinflusst wurde, setzt Nolan sich ausführlich mit der Entstehung des dunklen Ritters auseinander. Er beleuchtet relevante Aspekte von Bruce Waynes Jugend, setzt sich mit dem durch den Tod seiner Eltern verursachten Trauma auseinander und schildert seine ersten Versuche, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. In dieser Ausführlichkeit ist das bisher in keinem Film erzählt worden. Auffällig ist aber eher Nolans Versuch, die Batman-Geschichte möglichst realistisch aufzubereiten. Er erklärt nicht nur das psychische Profil seines Helden, sondern legt bei dessen Fähigkeiten und den von ihm zur Verbrecherjagd genutzten Gadgets viel Wert auf Plausibilität. Dieses Vorgehen passt zu Nolans Art, Filme zu machen und macht im Hinblick auf Batman auch durchaus Sinn, gehört er doch zu der Art Held, der einen mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Zugang möglich erscheinen lässt. Dieser Ansatz spiegelt sich im Design, den Kostümen, der Kampftechnik usw. wider. Der Nachteil: Je ernster man ein fantastisches Thema nimmt, je mehr fordert es die Rezipienten heraus, das Ergebnis auf Herz und Nieren zu prüfen und es besonders knauserig zu sein.

Geht man so an den Film, dann findet man natürlich einiges, an dem man herummäkeln könnte. Ich muss zugeben, ich selbst schwanke bei „Batman Begins“ auch stark zwischen den Polen Bewunderung und Missmut. Ich mag z.B. Christian Bale nicht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mein ambivalentes Verhältnis zu dem Film. Bevor ich etwas näher auf das eingehe, was mich stört, möchte ich zuvor auf jeden Fall noch kurz auf die Stärken des Films eingehen und erwähnen, dass „Batman Begins“ phasenweise wirklich grandios aussieht. Die vielleicht wunderbarste Szene der ganzen Nolan-Reihe endet damit, dass ein unter Drogen gesetzter, brennenden Batman aus einem Fenster stürzt. Insgesamt gefällt mir die erste Filmhälfte rund um Ausbildung und Entstehungsmythos besser als der Part, wo ein totgeglaubter Bekannter zurückkehrt, der Plan des Oberschurken wie auch das Finale. Meine Lieblingsfiguren in Nolans Batman sind Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred sowie Gary Oldman als Commissioner Gorden.

Schön finde ich weiterhin, dass hier nahezu alles mit allem zusammenhängt und zusammen, man merkt es – soll es etwas Großes ergeben. Wenn man mal von der Figur Jonathan Crane alias Scarecrow (Cilian Murphy) absieht, die mir ein wenig wie das fünfte Rad am Batmobil vorkommt, merkt man schon, dass Nolan hier mehr im Sinn hatte, als eine einfache Superhelden-Geschichte zu erzählen. Ihm geht es darum, das Wesen eines Superhelden zu ergründen, auszuloten, wie der Held zum Helden werden kann, nämlich indem er nicht mehr Mensch, sondern Symbol ist und wie es überhaupt möglich ist, außerhalb des Gesetzes für die Einhaltung ebendieses zu sorgen. Welche Antworten Nolan hier findet – keine Ahnung. Und hier beginnen meines Erachtens die Probleme dieses Films. Er möchte erkennbar eine realistischere Batman-Version sein, die ohne allzu grelle Effekte und comichafte Übertreibungen auskommt. Mal abgesehen davon, dass Nolan das meiner Meinung nach nicht durchhält und im letzten Filmdrittel unpassend dick aufträgt und sich ein wenig ideenlos in der Comic-Mottenkisten bedient, sind Übertreibungen genauso an anderer Stelle zu finden, allerdings weniger auf der Handlungs- als auf der Bedeutungsebene. Alles ist so wichtig, so ernst, so tiefsinnig. Der tiefere Sinn quillt dem Film aus allen Poren, legt sich über die prägnante Handlung und elegante Optik; und man muss gedanklich schon ordentlich kratzen, um hinter allem geronnenen Schmu das freizulegen, was den Film eigentlich so gut macht.

Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit dem Nolan den Stoff angeht. Ich finde der Film sieht sehr gut aus. Gotham war nie schöner. Ich finde „Batman Begins“ ist eine sehr gute Superhelden-Origin-Story. Abgesehen von Bale finde ich die Besetzung super. Aber ich komme einfach nicht mit dem Gelaber klar.

Nachtrag: Ich beende diesen Text am 14.11.2015, einen Tag nach den verehrenden Anschlägen von Paris. Ich erwähne das nur, weil sich angesichts der wahren Ereignisse die Limitierungen von Filmen wie „Batman Begins“ zeigen. Sowohl Bruce Wayne als auch sein Widersacher wollen das Verbrechen in Gotham bekämpfen, der eine indem er die Stadt dem Erdboden gleich macht, der andere, indem er zum er zu einem Symbol und als Übermensch für Recht und Ordnung sorgt. Bruce Wayne sagt, „As a man, I’m flesh and blood, I can be ignored, I can be destroyed; but as a symbol… as a symbol I can be incorruptible, I can be everlasting.“ Wayne irrt sich nicht, was die Macht von Symbolen betrifft. Aber er irrt sich, wenn er das für eine Lösung hält. Vor dem Hintergrund des weltweiten Terrors zeigt sich allerdings, das die Methode, die Menschheit hinter einer Idee zu vereinen letztlich für das Gute wie für das Böse genutzt werden kann. Was wir brauchen, um gemeinsam in Frieden zu leben, ist sicherlich weder ein Superheld noch eine bestimmte Religion, sondern etwas anderes.

Bild © Warner Home Video

Batman (Tim Burton, GB / USA 1989)

Posted by – 7. November 2015

batmanManchmal denke ich, Superhelden-Filme sind erst seit „X-Men“ und „Spider-Man“ das, was sie heute sind. Rein technisch aber auch erzählerisch haben die DC- und vor allem Marvel-Filme seitdem einen Quantensprung nach vorne gemacht. Trotzdem gibt es natürlich auch schon vorher einige Exemplare, die eine enorme Bedeutung für das Genre hatten. Neben Richard Donners „Superman“ (1978) ist das natürlich vor allem Tim Burtons „Batman“, der gute zehn Jahre nach Donners Film erschien und vieles bereits andeutete, das in weiteren zehn Jahren langsam eine erkennbare Gestalt annehmen sollte. Da ich gerade „Batman“-Comics verschlinge, hatte ich Lust, mir Burtons Film und vielleicht auch die Nachfolger mal wieder anzusehen.

In Burtons Film nach einem Drehbuch von Sam Hamm und Warren Skaaren gibt es zur Abwechslung mal keine ausführliche Origin-Story des Helden. Hier ist die Fledermaus in Gotham schon fleißig am Schurken vermöbeln. Während Polizei, Presse und Bevölkerung noch rätselt, wer sich hinter der Maske verbirgt, wird der Zuschauer direkt in die Entstehungsgeschichte von Batmans Erzfeind, dem Joker, geworfen. Dieser heißt hier Jack Napir (Jack Nicholson), ist von Beruf Gangster und wird von seinem Boss (Jack Palance) in eine Falle gelockt, weil Napir mit dessen Frau rumgemacht hat. Statt wie geplant von der Polizei erschossen zu werden, stürzt er nach einem Kampf mit Batman (Michael Keaton), der ebenfalls mit von der Partie ist, in einen Bottich mit grüner Chemie-Sauce, wodurch er zum einen ein bisschen wahnsinnig wird und zum anderen sein charakteristisches Äußeres erhält. Es dauert nicht lange, da geraten Batman und Joker schon wieder aneinander, weil sie sich beide in die Fotografin Vicki Vale (Kim Basinger) vergucken.

Ich würde sagen, „Batman“ ist nicht nur, aber vor allem aufgrund seines Erscheinungsbildes interessant. Burtons detailverliebter, morbid-bizarrer Stil, der sich schon im Vorgänger „Beetlejuice“ deutlich gezeigt hatte, passt wie die schwarz behandschuhte Faust aufs geschminkte Joker-Auge. „Irgendwie so“, das dachte ich damals als ich den Film im Kino gesehen habe und das denke ich auch noch heute beim keine-Ahnung-wie-vielten Sehen, muss ein Batman-Film aussehen. Lustvoll übertrieben, comichaft – aber trotzdem düster und mit dem notwendigen Realismus, dass man eine wie die hier erzählte Geschichte ernst nehmen kann. Hier war ein Mann mit Vision am Werk. Burton hält sich, soweit ich das beurteilen kann, nur grob an die Comic-Vorlagen, sondern interpretiert seine Welt und die Figuren durchaus eigenständig. Für meinen Geschmack etwas starr in der Bewegung, den Action-Szenen (was bestimmt auch an Batmans unkomfortablen Gummikostüm liegt, der es ihm nicht einmal möglich macht, den Kopf zu drehen), ist sein Film äußerst lebendig in der Inszenierung, gespickt mit vielen lustigen und verstörenden Szenen, so dass bei mir auch beim wiederholten Sehen nie Langeweile aufkam.

Enttäuscht bin ich persönlich von Jack Nicholson. Während ich Michael Keaton als Bruce Wayne / Batman richtig klasse finde, störe ich mich zunehmend an Nicholsons Joker. Früher fand ich seine Performance wirklich toll. Nachdem Heath Ledgers selbstzerfleischender Darstellung in „The Dark Knight“ und einigen Comics, die ich in letzter Zeit gelesen habe, muss ich sagen, dass er meine Vision des Superschurken gar nicht trifft. Ich finde seine durch den Unfall verursachte Wandlung nicht glaubwürdig und ich halte Nicholsons Spiel weiterhin für zu selbstverliebt – die Figur wird vom Schauspieler immer wieder überlagert. Dass mich sein Joker nervt und mir Unbehagen bereitet, ist auf der anderen Seite auch wieder gar nicht schlecht, denn ich glaube, so jemand wie der Joker, der muss dem Zuschauer einfach ein wenig weh tun. Was dann bei Burton auch ganz gut gelungen ist, ist der Zusammenhang von Pro- und Antagonist. Wie sich zum Schluss herausstellt, ist aber nicht nur Batman für die Entstehung des Jokers verantwortlich – auch anders herum hat Napir dazu beigetragen, dass aus Bruce Wayne Batman wurde. Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Yin und Yang. Doch, doch, das ist alles für seine Zeit schon ganz gut und aller Schwächen zum Trotz noch ein Quäntchen besser (origineller, spannender, überraschender, spritziger,…) als Christopher Nolans „Batman Begins“, den ich mir die Tage ebenfalls noch einmal ansehen werde.

Bild © Warner Home Video

Ant-Man (Peyton Reed, USA 2015)

Posted by – 20. Juli 2015

Superhelden-Filme aus dem Hause Disney/Marvel – so mein Eindruck – stagnieren gerade auf hohem Niveau. Mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so leicht, dazu überhaupt noch etwas Interessantes zu schreiben, so gleichgeschaltet kommen mir die Filme gerade vor. „Avengers: Age Of Ultron“ habe ich aus diesem Grund schon gar nicht mehr mit einem Text gewürdigt. „Ant-Man“ heißt nun der jüngste (Fließband-)Produkt aus der Marvel-Film-Schmiede, das – überraschender Weise – im engen Rahmen seiner Möglichkeiten sogar mal wieder für etwas Abwechslung sorgt. Argumente für den Film ist neben dem sympathischen Humor vor sein visueller Einfallsreichtum. Wenn man sich jetzt noch dazu entschließen könnte, mal keine 08/15-Geschichte zu erzählen und sich daran erinnern würde, dass vor allem spannende Konflikte und mehrdimensionale Figuren Filme interessant machen, dann würde ich mich vielleicht bald wieder zu den Marvel-Fanboys zählen. Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu „Ant-Man“ geschrieben.

Daredevil (Mark Steven Johnson, USA 2003)

Posted by – 8. Dezember 2014

daredevilMittlerweile, so scheint es, haben die Marvel-Helden die Kinos erobert und fest in ihrem stählernen Griff. Es gibt kein Entkommen mehr aus Marvel Cinematic Universe. Vor etwas über 10 Jahren war die Situation noch nicht ganz so krass, da wurden noch (Marvel-)Filme gemacht, die mit dem geleckten Coorporate Design heutiger Beiträge nicht allzu viel zu tun hatten. Ein bisschen wehmütig hat mich das Wiedersehen mit „Daredevil“ an diese Zeit erinnert.

Es geht um den Anwalt Matt Murdock (Ben Affleck), der durch einen Unfall in der Kindheit erblindet ist, seitdem aber besondere Fähigkeiten hat. Kostümiert und mit geschärften Sinnen macht er Jagd auf die Ganoven, die mit legalen Mitteln nicht zu fassen sind. Als der die ebenso kampfstarke wie schöne Griechin Elektra Natchios (Jennifer Garner) kennenlernt, ahnt er noch nicht, dass er bald die Chance bekommen wird, den mysteriösen Tod seines Vaters aufzuklären.

Marvel war im frühen Jahrtausend noch in der Findungsphase was kostümierte Männer, die von Hausdächern entschlossen herabblicken, angeht. Schon damals feierte Marvel mit Filmen wie „X-Men“ oder „Spider-Man“ Erfolge, aber selbst die Gurken, zu denen gemeinhin auch „Daredevil“ gezählt wird, haben noch den gewissen Charme des Unvollkommenen. Ein helles Licht in der Dunkelheit des Marvel Cinematic Universe ist Mark Steven Johnsons Film tatsächlich nicht – das sehe ich auch nach der Zweitsichtung noch so –, aber er wird nicht ganz zu Recht so gebashed, finde ich. Es gibt viele schöne Einfälle in dem Film, bereits zu Beginn, als der Teufel in eine Kirche stürzt; die von Colin Farrells völlig überzogene, aber trotzdem irgendwie ziemliche geile Interpretation des Superschurken Deadshot; oder der völlig sinnbefreite Kampf zwischen Matt Murdock und Elektra Natchios auf dem Kinderspielplatz – so eine Szene wäre heute gar nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass sich Johnson gar nicht mal so schlecht darin schlägt, sich den Herausforderungen, die der „Daredevil“-Stoff durch die Blindheit seines Helden mit sich bringt, zumindest entschlossen zu stellen. In Ansätzen klappt es gar nicht schlecht, die veränderte Wahrnehmung des Protagonisten auf die Kämpfe zu übertragen. Hier wäre vor allem die Sequenz zu nennen als Daredevil einen zu Unrecht freigesprochenen Verbrecher jagt und in einer Kneipe stellt. Das darauf folgende unübersichtliche Getümmel zeigt meines Erachtens recht gut die mit seiner besonderen Wahrnehmung zusammenhängenden Fähigkeiten des blinden Superhelden.

So gut wie an dieser Stelle klappt das im weiteren Verlauf leider nur noch selten. Was dem Film, wenn auch vielleicht nicht das Genick bricht, so aber doch diesen einen gehörigen Knacks verpasst, ist die Action, die ihm mehr schlecht als recht funktioniert. Viele Bewegungsabläufe wirken von Sam Raimis „Spider-Man“ abgeguckt, ohne allerdings dessen Eleganz zu erreichen, es will den Effektkünstlern einfach nicht gelingen, die Bewegungen echt aussehen zu lassen. Mich hat das während des Films immer wieder herausgerissen, mir ist ein unbeweglicher „Batman“ à la Tim Burton lieber als Choreografien der Marke „gewollt und nicht gekonnt“. Einige andere Kritiken wie die an Ben Affleck als Hauptdarsteller, kann ich nachvollziehen, hat mich allerdings nicht gestört. Das ernsthafte Musikproblem, das dem Film mitunter unterstellt wird, höre ich ebenfalls nicht. Für mich sind Figuren wie Songs gleichermaßen over the top und passen daher gut zusammen.

Wie gesagt, „Daredevil“ gehört noch zu den Filmen, bei denen von der eintönigen Qualität späterer Produktionen noch nicht allzu viel zu merken war. Besser macht ihn das freilich auch nicht. Aber allein, dass er ein Stück aus der Masse der Hochglanz-Produkte herausragt, macht ihn schon sehenswert. Und wenn ich mir hier im Blog nicht immer Sachen schwarz auf weiß vornehmen würde, die ich dann in 97,9 % der Fälle nicht einhalte, würde ich sagen, dass ich mir demnächst mal die ganzen „hässlichen Entlein“ der Marvel-Filme zu Gemüte führe – vielleicht finde sich ja doch der eine oder andere schwarze Schwan darunter.

Bild © Studiocanal
 

Ghost Rider: Spirit of Vengence (Mark Neveldine, Brian Taylor, USA 2012)

Posted by – 12. April 2014

ghostrider2Um seinen Vater vor dem nahenden Tod zu retten, hat Johnny Blaze (Nicolas Cage) einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Seither ist er dazu verdammt, sich in einen Dämon – ein Skelett mit brennendem Schädel: den Ghost Rider – zu verwandeln und Jagd zu machen auf verdorbene Seelen. Sich im hintersten Eckchen Osteuropas zu verstecken und dort in einer finsteren Baracke mit seinem Schicksal zu hadern, hilft Blaze nicht wirklich – auch hier findet ihn sein Schicksal. Und zwar in Gestalt des gottesfürchtigen Moreau (Idris Elba), der versucht, Blaze für einen himmlischen Auftrag zu gewinnen: Er soll mithilfe seines inneren Dämonen den kleinen Danny (Fergus Riordan) beschützen, auf dessen Fersen sich der Teufel persönlich (Ciarán Hinds) geheftet hat. Denn Danny ist das uneheliche Kind des Herrschers der Finsternis.

Nach der ersten „Ghost Rider“-Verfilmung durch Mark Steven Johnson im Jahr 2007 stand es nicht allzu gut um den finsteren Marvel-Helden. Die Begeisterung des Publikums hielt sich in engen, sehr engen Grenzen und auch die Kritik reagierte hämisch. Zur Überraschung nicht Weniger wurde trotzdem ein Teil aus der Taufe gehoben, der – und hier kann man wirklich staunen – fast auf ganzer Line überzeugt. Nach dem ersten Sehen wollte ich schon laut „Meisterwerk!“ in den Kinosaal rufen. Und obwohl sich die anfängliche Euphorie bei der ebigen Zweitsichtung etwas gelegt hat, finde ich den eigenwilligen Film immer noch sehr gut. Das Regisseur-Team Mark Neveldine und Brian Taylor, bekannt geworden durch „Crank“ und „Gamer“, scheren sich kaum um den ersten Teil, sondern gehen den (Anti-)Helden-Stoff ganz neu an. Heiße Öfen, brennende Schädel und sehr viel Action ist die neue Direktive und auch wenn der extrovertierte, überbordende Stil der beiden Regisseure meine Sache bisher nicht war – in diesem Fall kann ich mir kaum etwas besseres vorstellen. Neveldine und Taylor tunen den Antihelden-Stoff um den Ghost Rider nach allen Regeln der Kunst, treten ordentlich auf’s Gaspedal und rasen mit Vollgas durch die plotlochdurchzogene Story.

Logik? Egal! Nachvollziehbare Figuren und plausibles Verhalten? Wozu!? Hauptsache es bratzt! Und das tut es (auch wenn das Finale leider etwas abfällt). Es sind aber nicht nur die Action-Szenen und viele insznenatorische Ideen, wie z.B. die, dass der Film in manchen Fights in eine andere Dimension wegzudriften scheint, die gefallen. Auch die Gags zünden, wie etwa als Blaze ausführt, wie der Ghost Rider pinkelt. Zumindest mein Humor war das. Wer’s glatt poliert mag, sieht definitiv den falschen Film. Wer nichts gegen Schlaglöcher hat und es mag, wenn’s heftig qualmt und ruckelt, ist hier aber genau richtig! Und auch wer glaubt, er hätte schon jede Nicolas-Cage-Grimasse sehen, kann hier noch etwas entdecken.

Bild © Universum Film
 

The Amazing Spider-Man (Marc Webb, USA 2012)

Posted by – 8. April 2014

Um mich auf den zweiten Teil „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ vorzubereiten, habe ich mich ein weiteres Mal an Teil eins gewagt. Das letzte Mal konnte ich mit ihm, wie hier nachzulesen, nicht besonders viel anfangen. Oder war das nur der erschreckte Schmerzensschrei eines Raimi-Fans? Hat mir Marc Webbs Reboot vielleicht nur aus einer Laune heraus nicht gefallen? Diese Hoffnung hat sich leider bereits in den ersten Minuten der Neusichtung zerschlagen. Ich bin schon fast soweit zu sagen, dass der Film aus einer Aneinanderreihung von schlechten Entscheidungen besteht: Viele kleinere und größere Drehbuchschwächen (da wüsste ich gar nicht wo ich anfangen soll!), Anschlussfehler noch und nöcher, ein Schnitt, der den Film förmlich zerhackt, alles ist so offensichtlich, so platt, das Casting… Mir ist es ein Rätsel, wie das, was Andrew Garfield da macht – sein Peter Parker ist ein genialistisch-nervöser Hipster-Nerd mit Skateboard –, mit differenziertem Schauspiel verwechseln kann. Und auch Emma Stone zieht in dem Film ein paar Grimassen, die in anderen Jobs ein Kündigungsgrund wären. Zum Glück sind Spinnen sehr widerstandsfähig. Auch mit einem 08/15-Drehbuch und einem anscheinend überforderten Regisseur bekommt man den Spider-Man-Stoff nicht kaputt. Und wer weiß, vielleicht hat Webb in den letzten zwei Jahren ja Kraft geschöpft, das quasi komplett neue Team nicht zu vergessen, angefangen bei den neue Autoren, dem dynamischen Duo Alex Kurtzman und Roberto Orci, dem neuen Kameramann, einem neuen Cutter… Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

P.S.

Aber ich möchte abschließend noch einmal meine Verwirrung zum Ausdruck bringen. Wie kann man Filme nur so unterschiedlich wahrnehmen? Ich habe haufenweise Reviews gelesen, die genau die Aspekte des Films, die ich für grottenschlecht halte, in den Himmel loben. Und ich habe mittlerweile auch mit vielen Menschen gesprochen, von denen, für mich nicht nachvollziehbar, viele Webbs Film für zumindest ganz ordentlich, wenn nicht sogar für ziemlich prima halten. Mit den Filmen kann die Meinung über Filme also nicht allzu viel zu tun haben. Klar, über Geschmack lässt sich nicht streiten blabla. Aber ich will ja auch nicht streiten. Ich will Meinungen verstehen! Der Inszenierung, der Geschichte, den Produktionswerten, der Leistung der Darsteller usw. Adjektive wie orgasmisch bist versaubeutelt zuzuweisen (etwas anderes habe ich im Geschreibsel weiter oben ja auch nicht geschafft) und sich darauf auszuruhen, kommt mir weder besonders sinnvoll vor, noch hilft es mir, die Position anderer zu verstehen. Ich mag es, wenn Autoren ein hohes Reflexionsniveau bezüglich ihrer Meinung haben, wenn sie transparent machen, warum sie finden, was sie finden, sie, wenn nötig, ihren Hintergrund einfließen lassen, wenn sie eine unterhaltsam zu lesende Geschichte aus ihrer Sicht auf einen Film machen, eine Geschichte nach deren Lektüre mir das Ansehen eines Films mehr Spaß macht als wenn ich es nicht getan hätte (und das ganz unabhängig davon, ob dem Schreiber oder der Schreiberin der Film gefallen hat oder nicht). Ich sage nicht, dass mir selbst das jemals gelungen ist. Aber ich arbeite daran. Versprochen.

P.P.S.

Apropos Transparenz. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine sehr schöne Aktion hinweisen, die Marco Siedelmann auf Hardsensation ins Leben gerufen hat. In „Reden über Schreiben über Film(e)“ interviewt er verschiedene Filmschreiber & -denker und lässt so den Menschen hinter der Meinung sichtbar werden. Den Anfang macht ein sehr lesenswertes Gespräch mit Oliver Nöding von Remember It For Later.

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Posted by – 22. März 2014

Es ist nicht die Zeit für patriotische Helden, deren Kostüm aussieht, wie aus einer Amerika-Flagge zusammengenäht. Habe ich gedacht. Das erste Solo-Abenteuer von Captain America vor drei Jahren hat mich in dieser Ansicht bestärkt. Mit „Captain America: The Winter Soldier“ haben mich Anthony und Joe Russo nun allerdings eines Besseren belehrt. Geht anscheinend doch. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen. Ein wenig geschwätzig zwar und in manchen Momenten over the top, war ich dennoch erstaunt, wie offensiv und mutig hier die Gefahr, die von allmächtigen Geheimorganisationen ausgeht, kritisiert wird. Dass die Antwort auf diese Bedrohung gerade ein Mann in nationalfarbenen Strumpfhosen sein soll, ist bestimmt diskussionswürdig, aber auf jeden Fall weniger trivial als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Systeme können sich nicht selbst heilen. Dazu bedarf es Menschen. Und zwar solche, die transparent agieren, die vertrauenswürdig sind und in der Lage, selbst zu vertrauen. Woran man denn die Bösen erkennt, wird im Film einmal gefragt. Das sind die, die auf dich schießen, antwortet Captain America. So einfach ist es vielleicht nicht. Doch den Impuls, die totale Überwachung und Waffensysteme, welche angeblich der Sicherheit dienen, unbedingt und entschlossen abzulehnen, kann ja wohl so falsch nicht sein. Dass diese Haltung gerade von einem Mann vertreten wird, der aus der Vergangenheit der USA kommt, ist vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen natürlich besonders interessant. Ja, „Captain America: The Winter Soldier“ hat mich überrascht. Ein unterhaltsamer Film. Und vielleicht sogar ein schlauer. Die Action-Szenen nicht zu vergessen. Zumindest derer drei sind ziemlich geil. Für Kino-Zeit.de habe ich eine Kritik geschrieben.

I, Frankenstein (Stuart Beattie, USA / Australien 2014)

Posted by – 18. Januar 2014

Eigentlich habe ich nichts gegen ein Kino, das etwas Altes neu zusammenstellt. Daraus können wirklich schöne Sachen  entstehen. Aber das ist bei Stuart Beatties „I, Frankenstein“, in dem Frankensteins Monster (Aaron Eckhart) zum Monster massakrierender Martial-Arts-Maniac mutiert,  leider nicht der Fall. In diesem Film stimmt meines Erachtens gar nichts, und ich vermute, dass nicht einmal tolerante Genrefans und Trash-Gourmets auf ihre Kosten kommen. Zu den wenigen positiven Dingen an „I, Frankenstein“ gehört das absolute Fehlen von Ironie. Hut ab vor der Konsequenz, mit der Beattie offenen Auges seinen Film bis zum bitteren Ende durchzieht und mit Karacho gegen die Wand fährt. Meinen vollständigen Verriss kann man auf Kino-Zeit.de nachlesen.