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Cowboys & Aliens (Jon Favreau, USA 2011)


Cowboys & AliensAliens? Finde ich gut! Und auch an Western habe ich nichts Grundsätzliches auszusetzen. (Ok, einmal davon abgesehen, dass viele Vertreter dieses Genres den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern verharmlosen.) Insofern könnte Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ trotz der ganzen durchwachsenen Kritiken ja doch vielleicht ganz okay sein – habe ich gedacht.

Ein Cowboy (Daniel Craig) erwacht in der Wüste. An seinem Handgelenk befindet sich ein seltsames Gerät. Was ist das? Und wie ist es dahin gekommen? Schnell findet der Mann heraus, dass seine Erinnerungslücke sogar noch größer ist. Nicht mal daran, wie er heißt, kann er sich erinnern. Auch in dem nahegelegenen Dorf findet er keine Antworten. Dafür bekommt er aber Ärger mit dem Sheriff Taggart (Keith Carradine), der ihn für den Gesetzlosen Jake Lonergan hält und dem brutalen Rinderbaron, dem Ex-Colonel Dolarhyde (Harrison Ford); und dann tauchen über dem Dorf auch noch unbekannte Flugobjekten auf und – Aliens greifen an.

Wenn Außerirdische auf die Erde kommen, wollen sie in der Regel a) Menschen entführen, um Versuche mit ihnen zu machen, b) die irdischen Rohstoffe ausbeuten oder c) gleich den ganzen Planeten erobern. Die Aliens aus diesem Film fallen in die Kategorie a) und b). Die Motive der Schauspieler in diesem Film mitzumachen, sind schon schwieriger zu durchschauen. Harrison Ford, Daniel Craig, Clancy Brown, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Keith Carradine, Paul Dano, Walton Goggins,.. Was machen sie in diesem Film? Warum wollten sie dabei sein? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass alle vorher das Drehbuch gelesen haben, sonst hätte es sich der eine oder andere  vielleicht zweimal überlegt. ‏@thetruemilhouse bietet auf Twitter folgende Erklärung für das Staraufgebot an: „Die haben sich danach bestimmt gegenseitig gefragt, warum sie mitgemacht haben. Und gegenseitig geantwortet: ‚Na, weil ihr dabei wart.’“ – So könnte es tatsächlich gewesen sein.

Zu viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Viel schlimmer für den Brei aber sind schlechte Köche. Bei „Cowboys & Aliens“ kommt beides zusammen. Mark Fergus und Hawk Ostby haben durch ihre Mitarbeit an „Iron Man“ und „Children Of Men“ eigentlich einen guten Namen, aber hier ist davon nichts zu sehen. Nach „The Legend of Zorro“, „Transformers“ oder auch „Star Trek“ bin ich im Übrigen der Ansicht, dass Roberto Orci und Alex Kurtzman als Autoren grundsätzlich nicht viel taugen, weil sie keine Ideen haben. Anders Damon „Lost“ Lindelof. Ideen überhaupt erstmal zu haben, scheint nicht sein Problem. Dafür aber sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Das ist schon bei seinem holprigen „Prometheus“-Script-Schreiben deutlich geworden. Ja, „Cowboys & Aliens“ hat einige Probleme, die zwei größten sind: Zum einen macht das alles nicht besonders viel Sinn – weder im Großen und Ganzen noch im Detail. Dass die Alien beispielsweise so öffentlichkeitswirksam Menschen entführen ist genauso ein Quatsch wie, dass sie es überhaupt tun. Eigentlich fragt man sich permanent: WTF!? Die Figuren des Films sind ebenfalls nicht besonders durchdacht: Ella Swensons  (Olivia Wilde) Wandel vom toughen Cowgirl zur außerirdischen Weltenretterin kann ich da noch eher glauben als die Transformation von Papa und Sohnemann Dolarhyde zur liebenswürdigen Wildwest-Familie. Unglaubwürdigkeit ist aber nur das eine Problem. Zum anderen – und das wiegt wesentlich schwerer – ist „Cowboys & Aliens“ einfach nur eine Aneinanderreihung von Western-und Alien-Invasion-Klischees. Das ist wahnsinnig uninteressant und besonders gut zusammen passt das auch nicht.

Das soll jetzt gar nicht so vernichtend klingen. Man kann den „Cowboys & Aliens“ schon ganz gut aussitzen. Und mitunter amüsiert das eine oder andere Versatzstück, das von Favreau nicht ganz ohne Augenzwinkern serviert wird. Aber ich ärgere mich einfach, dass ein Film, für den über 160 Million Dollar ausgegeben wurden, der außerdem zahlreiche großartige Schauspieler versammelt und bei dessen Thema sich weiterhin eine fantasievolle Umsetzung geradezu aufgedrängt hätte, sein Potenzial so gedankenlos in verspielt. „You have to stop thinking“ sagt Ella irgendwann zu Jake. Er tut wie ihm heißen, bald darauf fliegt alles in die Luft. Happy End. Am Ende bleibt der Held des Films mit schwerem Dachschaden zurück. Aber er ist glücklich. Und ich sitze frustriert auf dem Sofa, aber erfreue mich wenigstens geistiger Gesundheit.

Bild © Paramount Home Entertainment
 

Quantum Of Solace (Mark Forster, UK / USA 2008)

Posted by 29. Oktober 2012

Am Wochenende habe ich nach einem Film-Halbmarathon spät nachts noch mal einen Großteil von „Quantum Of Solace“ gesehen. Hätte ich den Film nicht nach der Hälfte aufgrund von akuter Müdigkeit abbrechen müssen, wäre das glaube ich mein fünftes Mal gewesen. Aber auch so kann ich immer noch sagen: Was! Für! Ein! Film! Weil ich mir eh gerade das Hirn über „Skyfall“ zermartert habe (und was an ihm nicht stimmt), bietet es sich natürlich an, auch mal ein paar Sätze zu dem meiner Meinung nach besten Bond-Film überhaupt aufzuschreiben.

Story: James Bond ist zurück. Und er hat Rachegefühle! Nachdem seine geliebte Vesper im vorigen Teil in den Tod getrieben wurde, macht sich Bond (Daniel Craig) daran, die Verantwortlichen auf eigene Faust aufzuspüren … und zu liquidieren.

Schon der 21. James Bond-Film stellte einen gewaltigen Einschnitt im Franchise um den berühmten Geheimagenten dar. Unter der Regie von Martin Campbell und mit Daniel Craig als James Bond wurden die Uhren des Bond-Universums zurückgestellt und die Reihe begann noch einmal ganz vorne mit „Casino Royal“, Ian Fleming erstem Bond Roman. Bond 22, „Ein Quantum Trost“, schließt genau dort an, wo der letzte „Casino Royal“ endete. (Die beiden Teile sind die bisher einzigen, die eine fortlaufende Geschichte erzählen.) Nachdem er dort seine Geliebte sterben sah, macht er sich nun auf die Suche nach den Verantwortlichen. Die forensische Abteilung des Geheimdienstes kann einen M16-Verräter mit einem Bankkonto auf Haiti in Verbindung bringen, wo Bond auf die Spur des zwielichtigen Ökomagnaten Dominic Greene (toll: Mathieu Amalric) kommt. Steckt er hinter Vespers Tod?

Bereits in „Casino Royal“ wurden die scheinbar unverrückbaren Gesetze der Bond-Reihe einer Revision unterzogen. Der Ton wurde härte, der heldenhafte Geheimagent war auf einmal wieder mehr Mensch. Die sinnfreien Materialschlachten der Vorgänger wurden durch handgemachte Man-To-Man-Action abgelöst. Doch Marc Forster, der neue Regisseur, treibt die Änderungen noch weiter voran – und nicht wenige konservative Fans werden sich nach Ansicht von „Quantum Of Solace“ fragen, ob das eigentlich noch der Bond ist, der sie die letzten Dekaden begleitet hat. Forster hat den Film so fantastisch inszeniert, dass es einem den Atem verschlagen kann. Die Kamera, der Schnitt, die sagenhafte Filmmusik – das alles ist over the top. Zusätzlich ist „Ein Quantum Trost“ noch actionlastiger als der Vorgänger und geht von der Atemlosigkeit ein bisschen Richtung Paul Greengrass’ „Bourne“-Filme – nur dass Forster seinen Film mit einem größeren Kunstanspruch umsetzt. Die Szene in dem Opernhaus, in dem Bond Greene und seinen Widersacher aus „Casino Royal“, Mr. White, wiederentdeckt, wurde in der berühmten Kulisse von „Tosca“ aufgenommen und ist für mich eine der Szenen des neuen Jahrtausends [/exaggerateoff].

„Je älter man wird, desto häufiger verwechselt man die Schurken mit den Helden“ wird irgendwann im Film gesagt. Diese Aussage ist sehr treffend und gibt den Grundtenor des Filmes an. Der einst charismatische Geheimagent ist zum effizienten Rächer geworden, der Bösewicht ist ein berühmter Naturschützer und der hemdsärmlige CIA macht mit allen Seiten Geschäfte, Hauptsache, der Gewinn stimmt. „Quantum Of Solace“ verlässt noch ein Stück weiter als „Casino Royal“ die 30 Jahre lang zementierte Spur. Und auch der Titelsong von Alica Keys und Jack White ist auf interessante Weise anders. Das wird nicht jedem gefallen. Produzentin und Mastermind Barbara Broccoli hat Mut bewiesen, einen künstlerisch derart ambitionierten Regisseur wie Forster („Stay“, „The Kite Runner“) zu engagieren. Doch das Risiko hat sich gelohnt. Wer es schafft, sich auf Forsters Herangehensweise einzulassen und dieses Action-Arthouse-Mosaik zu entschlüsseln, sieht einen der besten Bond-Filme aller Zeiten.

Bild © Sony
 

Skyfall (Sam Mendes, UK/USA 2012)

Posted by 29. Oktober 2012

„Skyfall“, der aktuelle James Bond, macht mir große Kopfschmerzen. Und zwar deswegen, weil ich auf der einen Seite die ersten, überwiegend positiven bis euphorischen Reaktionen verstehen und mir auch vorstellen kann, dass er ein Mördererfolg wird. Ist ja auch kein schlechter Film. Auf der anderen Seite ist es aber ein Bond, den ich persönlich fast schon ärgerlich finde. Und zwar, weil er meiner Meinung all das aufgibt, was die letzten beiden Teile so besonders gemacht hat.

Darum geht’s: James Bond (Daniel Craig) soll zusammen mit Agentin Eve (Naomie Harris)  eine Liste wiederbeschaffen, die die Namen von zahlreichen britischen V-Männern verzeichnet sind. Doch Fehlanzeige. Während der gegnerische Agent mit der Liste entkommt, wird Bond angeschossen, stürzt schwer verletzt in einen Fluss und taucht im wahrsten Sinne erst einmal unter. Erst als er davon hört, dass der MI6 einen neuen, mächtigen Gegenspieler hat, steht Bond von den Toten auf und macht sich wieder an die Arbeit.

Auf Kino-Zeit gibt es zu „Skyfall“ eine Rezension von mir, in der ich versuche, den Film und seinen Kontext vorzustellen und ausgewogen auf seine Stärken und Schwächen einzugehen. Aber wenn ich mal alle Versuche, objektiv zu sein, beiseite lasse, muss ich sagen: Für mich war das nichts. Konkret stört mich, dass Bond, der eben erst wieder Mensch geworden ist, schon wieder zum Supermann mutiert ist. Dass er angeschossen wird und infolge dessen nicht mehr ganz so geschmeidig seine Waffe zieht oder aufgrund seiner Alkoholexzesse nicht durch die Agenten-Prüfung kommt soll ihn verletzlich erscheinen lassen – tut es aber nicht. Bond ist wieder mal von der Aura der Unbesiegbarkeit umgeben. Ebenfalls missfällt mir, dass der Gadget- und Produktfetish von damals zurück ist: Der Smoking, die Walther PPK, Miss Moneypenny, der Aston Martin – alle(s) wieder dabei. Da hilft es auch nichts, dass der Aston Martin am Ende genüsslich zerlegt wird. Tatsache ist: Die Bond-Reliquien sind wieder. Dass es auch ohne geht habe die letzten beiden Teile aber gezeigt.

Ich habe als Kind gerne James Bond Filme gesehen, aber irgendwann das Interesse verloren. Erst mit dem Reboot habe ich wieder Feuer gefangen. Aber: Wenn die Bond-Reihe den eingeschlagenen Weg weitergeht, sind wir in Kürze wieder da, wo wir waren – und wegwollten. Und dann brauchen wir  schon wieder einen Neustart.

Bild © Sony