Tag: Dario Argento

Horrorctober 2015

Posted by – 4. November 2015

Das war in diesem Jahr wohl nix mit dem #Horrorctober. 13 Filme wollte ich schauen, 4 habe ich dann nur geschafft. Und die Texte sind zu kurz und kommen zu spät, aber Bitteschön!

Tales Of Halloween (Neil Marshall, Lucky McKee, Darren Lynn Bousman u.a., USA 2015)

Ich bin kein großer Fan von Kurzfilmen, aber um mich schon Ende September in #Horrorctober-Stimmung zu bringen, hatte ich mir „Tales Of Halloween“ angeschaut. In zehn Episoden von zumindest handwerklich recht ordentlicher Qualität präsentieren namhafte Regisseure wie u.a. Neil Marshall, Mike Mendez oder Lucky McKee ihre kleinen Visionen von Halloween. Zu den Highlights der Compilation zähle ich Paul Solets atmosphärischen „The Weak and the Wicked“, in dem sich ein junger Mann mit dämonischer Hilfe einer Straßengang entgegenstellt. Auch gut weil witzig: Der Beitrag von Neil Marshall („The Descent“) um einen gemeinen Killerkürbis, der eine Kleinstadt terrorisiert. Genre-Fans dürfen sich über ein paar schöne Cameo-Auftritte von Joe Dante, John Landis und Stuart Gordon freuen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich bei den meisten Filmen dieser Veröffentlichung eine wirklich gute Idee vermisst habe, die über das hinausgeht, was man ohnehin aus dem Genre kennt. Echte Überraschungen bietet „Tales Of Halloween“ leider nicht. Einzige Ausnahme: Lucky McKees greller Beitrag, der zwar nicht besonders spannend ist, aber durch seine Unangepasstheit positiv hervorsticht.

Julia’s Eyes (Guillem Morales, Spanien 2010)

Mein zweiter #Horrorctober-Film. In „Julia’s Eyes“ (OT: Los ojos de Julia) geht es um eine Frau, deren blinde Zwillingsschwester sich das Leben nimmt. Oder war es doch kein Selbstmord? Auch wenn ich die Geschichte rückblickend etwas wirr erzähle und jetzt auch nicht unbedingt wirklich glaubhaft fand, muss ich doch sagen, dass Guillem Morales aus seiner Prämisse viel herausholt und einen insgesamt spannenden Film hinbekommen hat, bei dem vor allem einige inszenatorisch gelungenen Momente in Erinnerung bleiben. Weil der Film nun aber schon fast anderthalb Monate zurück liegt und ich mir keine Notizen gemacht habe, fällt mir mehr zu sagen auch nicht ein. Wer Gruselfilme mag und mal etwas anderes sehen möchte, sollte trotzdem mal einen Blick riskieren.

Crimson Peak (Guillermo del Toro, USA 2015)

Nach seinen letzten Filmen – „Pans Labyrinth“, „Hellboy – Die goldene Armee“ und „Pacific Rim“ sind die Erwartungen an Guillermo del Toros neustes Werk natürlich gigantisch. In „Crimson Peak“ erzählt del Toro die Geschichte von Edith Cushing (Mia Wasikowska), die von dem Geist ihrer toten Mutter gewarnt wird:„Hüte dich vor Crimson Peak.“ Erst Jahre später wird ihr die Bedeutung dieser Worte klar, doch da ist sie schon mit Baronett Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verheiratet und wohnt zusammen mit ihm und seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) auf dessen deren Anwesen – wo sie bald um ihr Leben bangen muss. Eines kann man del Toro nicht absprechen: rein optisch ist sein romantisches Gruselmärchen – abgesehen von den doof aussehenden CGI-Gespenstern – eine Augenweide. Allerdings scheint die kreative Energie, die in die Optik geflossen ist, an anderer Stelle zu fehlen. Irgendwo versteckt sich in diesen überbordenden Bilderwelten vielleicht ein guter Film, ich weiß es nicht, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich mich beim ersten Sehen trotz Kino-Bonus etwas gelangweilt habe.

Opera (Dario Argento, USA 1988)

In Argentos Filmen spielt die Geschichte meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind ästhetische Erfahrungen und wollen auch als solche wahrgenommen und geschätzt werden. Wer hier keinen Zugang findet, kann mit seinen Filmen oft nichts oder nur wenig anfangen und bleibt „außen vor“. Aber auch wenn es keine Geschichte im herkömmlichen Sinne gibt, so gibt es doch immer wiederkehrende Motive und Themen, wie z.B. auf einer sehr konkreten Ebene die ästhetische Gewaltakte, oder abstrakter, das Sujet des (Zu)Sehens. „Opera“ ist nicht nur deswegen interessant, weil er einfach einer der letzten großen Filme des Meisters Argento ist, sondern auch weil hier beide sich durch sein Werk ziehenden Elemente sehr schön deutlich zusammentreffen, weil hier das einem Mord zuschauen müssen, thematisiert wird. Die junge Opernsängern Betty (Cristina Marsillach) kann nach dem Unfall einer Kollegin deren Rolle in Verdis „Macbeth“ übernehmen, doch die Proben werden von Morden überschattet, deren Zeuge die junge Sängerin gezwungenermaßen wird. Ein feiner Film, zu dem ich mich gerne, irgendwann wenn mal Zeit ist, ausführlicher äußern möchte.

 

Trauma (Dario Argento, Italien / USA 1993)

Posted by – 19. Juni 2015

TraumaAls sich Aura (Asia Argento) das Leben nehmen will, kommt ihr der Zeichner David (Christopher Rydell) zur Hilfe. Kurze Zeit später wird die junge Frau von der Polizei festgenommen und zu ihren Eltern (Piper Laurie & Dominique Serrand) gebracht. Als diese in der darauf folgenden Nacht von einem Killer umgebracht werden, ruft Aura David um Hilfe. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder.

Und wie so oft bei Dario Argento liegt auch hier des Rätsels Lösung um den traumatisierten Killer tief in der Vergangenheit begraben; und wie z.B. auch „Sleepless“, der 8 Jahre später folgen sollte, wirkt „Trauma“ schon wie eine Art Best-Of oder vielleicht besser – wie eine thematische Zusammenschau von Argentos Schaffen. Sein erster amerikanischer Film mutet zwar insgesamt etwas anders an als seine italienischen Vorgänger, ist aber immer noch unverkennbar ein Werk des Regisseurs, über das es viel Positives zu sagen gibt: Tolles Licht, eine eigenartige Stimmung, das sympathische Hauptdarsteller-Pärchen, einige recht spannende Momente, eine Handvoll fieser Morde… Bis der Zuschauer weiß, wer der Killer ist, muss er viele falsche Fährten und Holzwege beschreiten, aber das ist – wie so oft – gerade das Schöne bei den Filmen des Italieners.

Komplett in den Bann gezogen, wie manches seiner anderen Werke, hat mich „Trauma“ trotzdem nicht, wobei ich auf keinen Fall sagen würde, dass der Film in irgendeiner Hinsicht unzulänglich wäre. Er ist nur eben nicht ganz so eigen wie einige der Vorgänger, mit denen sich Argento seinen Ruf erarbeitet hat. Er ist eher ein Querschnitt seines Werks für ein anderes Publikum, das sich, wie der Titel schon sagt, mit einem Grundthema des Filmemachers auseinandersetzt: dem Trauma als einer seelischen Verletzung, die häufig einer körperlichen Verwundung nachfolgt und in dem Opfer zu einer Stressspannung führen kann – die es oftmals als weitere Folge selbst zum Täter bzw. zur Täterin werden lassen. Diese Kausalität ist in seinen Filmen nicht selten zu beobachten, auch wenn sich Argento weniger für die psychologischen Facetten des Themas zu interessieren scheint als für die Tatsache, dass frühkindliche Verletzungen und die – zeitlich weit auseinanderliegenden – Folgen überhaupt zusammenhängen, ohne dass wir es auf den ersten Blick wahrnehmen können. Oftmals ist dieser Zusammenhang genau vor unseren Augen, doch von unserem auf Autopilot geschalteten Wahrnehmungsapparat nicht gleich zu erkennen. Auch in „Trauma“ liegt das Geheimnis im Unbewussten verborgen und auch hier ist es eigentlich offensichtlich – wenn man nur in der Lage gewesen wäre, genau hinzusehen. Dieses Gefühl zu vermitteln, dass da etwas ist, das sich aber knapp außerhalb des Sichtfelds versteckt, beherrscht Argento meisterhaft.

An „Trauma“ ist ansonsten noch auffällig wie verkopft er daher kommt. Zumindest wenn man Argentos neues Faible für Enthauptungen so deutet. Die Köpfe sprechen nach der unfreiwilligen Entfernung vom Halse sogar gelegentlich noch ein wenig, was einige Zuschauer bereits als die ersten Anzeichen der in den 1990er Jahren einsetzenden Trashisierung des einstigen Meisterregisseurs deuten. Ich für meinen Teil mochte es, auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen könnte, was das bedeuten soll. Vielleicht dass das Leid sowohl über das Individuum als auch den Tod hinausreicht, was ja sowohl im Hinblick auf Argentos Gesamtwerk als auch für einen Film mit dem Titel „Trauma“ Sinn machen würde.

Bildm © Optimum Home Entertainment

Dracula 3D (Dario Argento, Frankreich, Italien, Spanien 2012)

Posted by – 15. August 2014

Dracula ArgentoDer Roman „Dracula“ des irischen Schriftstellers Bram Stoker, gehört sicherlich zu den bekanntesten Werken der phantastischen Literatur. Ich habe meine erste Bekanntschaft mit dem Grafen durch ein Hörspiel aus dem Hause Europa gemacht. Ein paar Jahre später war Stokers Roman der erste, den ich auf Englisch gelesen habe. Und auch heute noch ist mir das Vampir-Sujet eines der liebsten innerhalb der Phantastik.

Wenn sich ein Meisterregisseur wie Dario Argento des Stoffes annimmt, hätten die Herzen der Cineasten noch vor einer Dekade vor Freude höher geschlagen. Doch die Zeiten, in denen der 1940 in Rom geborene Filmemacher herausragende oder, wie manche sagen, auch nur sehenswerte Filme gemacht hat, sind wohl vorüber. So ist auch seine Version des „Dracula“-Stoffs – die entgegen anderslautendem Marketing-Geschwurbel nur sehr rudimentär Stokers Geschichte erzählt – völlig ohne inszenatorische Raffinesse und erinnert bisweilen an minderbemitteltes, mit lustlosen Laien besetztes Bauerntheater.

„Eine berauschende Hyper-Trash-Erfahrung“ steht auf dem zugegeben ganz hübschen Blu-Ray-Cover. Da will ich gar nicht widersprechen. Das erlebt sich leider weniger schön, als es klingt. Wenn Otto-Normal-Zuschauer schon enttäuscht ist wird der eingeschworene Argento-Fan ist über alle Maßen entsetzt sein! WAS SOLL DAS? Erst liefert er, statt des von Fans ersehnten Abschlusses der Mütter-Trilogie, einen Haufen Schund ab („Mother Of Tears“, 2007), dann benennt er einen filmischen Totalausfall nach dem Genre, das er mitbegründet hat („Giallo“, 2009) – und jetzt demoliert er,„Meisterregisseur“Argento, auch noch die bedeutendste aller Horrorgeschichten. Deutlicher als hier konnte er wohl den Forderungen, die seit Jahren an ihn gestellt werden, nun wirklich keine Abfuhr erteilen. „Vai a farti fottere“ scheint er in Richtung seiner Fans zu rufen. Aus dem Meister der „tödlichen Kunst“ ist ein Virtuose der Zerstörung des eigenen Werks geworden. Früher ist er den schönen Körpern mit Messer zu Leibe gerückt, heute richtet sich sein destruktives Genie gegen die Prinzipien der Ästhetik als solche, ja die Kunst an sich.

Nur mit an Selbstaufgabe grenzender Anstrengung lässt sich hierin das Aufblitzen einstiger Fähigkeiten des Regisseurs erkennen. War es da nicht gerade, ein zartes Funkeln, am Grunde dieses trostlosen Meeres aus digitaler Asche? Da war doch etwas, irgendetwas, oder?

Bild © Koch Media

Do You Like Hitchcock? (Dario Argento, Spanien, Italien 2005)

Posted by – 17. Oktober 2013

DJLH#horrorctober zum Dritten. Diesmal mit der Hitchcock-Hommage „Do You Like Hitchcock“ (OT: Ti piace Hitchcock?), einem Film, der beweist, dass Dario Argento mitnichten seit den späten 1990ern nur Ausschusswahre herstellt. Bei „Sleepless“ (2001), quasi einem Best-of des eigenen Schaffens, konnte ich mich ja schon mit eigenen Augen überzeugen, dass Argento durchaus da noch in der Lage war, starke Filme zu machen. Und auch „Do You Like Hitchcock?“ beweist nicht das Gegenteil. Die Vorzüge des Films sind allerdings weniger die für den Regisseur früher typischen Merkmale wie der formale Einfallsreichtum, die Elemente aus dem Genre des Giallo und die in die Irre geführte Wahrnehmung (des Protagonisten wie auch des Zuschauers) gehören.

Der Filmstudent Giulio (Elio Germano) beobachtet sehr gerne die schöne Nachbarstochter Sasha (Elisabetta Rocchetti). Als deren Mutter umgebracht wird, folgert der Cineast messerscharf, dass es die Tochter und deren Bekannte Federica (Chiara Conti) gewesen sein müssen – schließlich hat er die beiden in der Videothek erwischt und sie über Alfred Hitchcocks „Strangers on a Train“ reden hören. Zusammen mit seiner Freundin Arianna (Cristina Brondo) nimmt Giulio die Ermittlungen auf.

„Do You Like Hitchcock“ ist ein ruhiges, manchmal fast schon entspanntes Gruselvergnügen mit – das macht ja schon der Titel überdeutlich – vielen Giallo- und noch mehr Hitchcock-Referenzen. Neben besagtem „Strangers on a Train“ werden auch fleißig Filme wie „Rear Window“, „Dial M for Murder“ und „Vertigo“ zitiert. Und auch Bezüge zu seinen eigenen Filmen herzustellen, vergisst Argento in diesem für’s TV produzierten Film nicht. Mich hat diese verspielte Gegenüberstellung zweier Meister des Spannungskinos jedenfalls gut unterhalten und irgendwie auch amüsiert – vielleicht weil Agento in dieser Liebeserklärung die großen Fußstapfen seines Vorbilds einerseits nicht annähernd ausfüllt, andererseits so selbstbewusst hineintritt, dass man – wie so oft bei Argento – das Gefühl bekommt, es würde ihm um etwas anderes gehen als das Offensichtliche.

Was sich mir jetzt beim ersten Anschauen und ohne zu recherchieren nicht erschlossen hat, ist der Anfang des Films: Dieser zeigt einen jungen Giulio, der zwei Frauen beobachtet, die in einer Waldhütte ein Huhn schlachten. Der Junge wird bemerkt, kann aber fliehen. Allerdings nicht ohne noch die Schreie der Frauen zu vernehmen. „You’ll be sorry, I’ll kill you, You’ll never get away from us“, rufen sie ihm nach. Ich deute die Worte jetzt einfach mal so, dass Giulio dazu verflucht wird, für den Rest seines Lebens ein Beobachter zu sein. Kein Wunder, dass er sich für ein Filmstudium entschlossen hat.

Bild © Highlight Video
 

Suspiria (Dario Argento, Italien 1977)

Posted by – 20. September 2013

suspiria2Neulich haben wir im Rahmen unseres mehr oder weniger regelmäßigen Videoabends schon zum zweiten Mal Dario Argentos monumentalen „Susiria“ gesehen. Und gestern, kaum einen Monat später, hatte ich gleich noch einmal an anderem Orte die Gelegenheit ihn in Groß zu erleben. Und „erleben“ ist hier genau das richtige Wort.

Auf der reinen Handlungsebene passiert in „Susiria“ recht wenig: Der Film handelt von Suzanne Banyon (Jessica Harper), die nach Freiburg reist, um dort Ballettunterricht zu nehmen. Doch schon bald häufen sich die unheimlichen Vorkommnisse in der Ballettschule und Suzy beginnt zu ahnen, dass in dem Gebäude dunkle Mächte am Werk sind. Ich habe vor ein paar Jahre auf Filmstarts.de schon einmal etwas zu dem Film geschrieben. Die Kritik beginnt mit dem Satz: „Manche Filme muss der Zuschauer erleben, um sie zu begreifen“.  Auch heute denke ich noch, dass einen Film von Argento zu verstehen nicht heißen kann, ihn zu analysieren und so eine den Bildern innewohnende, tiefere Bedeutung ans Tageslicht zu befördern. Nicht, dass sich auf diesem Wege  auch die eine oder andere Erkenntnis gewinnen ließe. Doch so ginge auch etwas verloren, etwas das seine Kraft vor allem erst auf sub-rationaler Ebene entfaltet. Man muss wie Alice dem Kaninchen in den Bau folgen bzw. sich wie Suzanne in die Ballettschule wagen. Einen Argento-Film zu verstehen, heißt für mich, sich dem Seherlebnis zu öffnen und dann nach innen zu fühlen. Dem einen erleichtert dies vielleicht ein alkoholisches Getränk, dem anderen die Inhalation indianischer Zauberkräuter. Auch ein kleiner Fieberschub schadet dem Filmgenuss sicher nicht. Was mir diesmal noch einmal in besonderem Maße bewusst geworden ist, ist, wie die verschiedenen Bestandteile des Films, die Kamera, die den Blick des Zuschauers führt, das Licht, die Farbkompositionen und natürlich die Musik der Progrock-Band Goblin ein Eigenleben führen. In manchen besonderen Momenten kommt mir der Film dann weniger vor wie ein einzelnes sakrales Monument, sondern wie etwas, das vielen uralten, lebenden Wesen besteht, wie in sich verschlungene Drachen, die sich nach tausendjährigem Schlaf langsam zu recken und strecken beginnen.

„Suspiria“ ist ein audio-visueller Rausch und wohl als Argentos wichtigsten Film zu bezeichnen, zumindest als denjenigen seiner Filme, dessen Vorzüge sich am leichtesten zeigen, ja, einen förmlich angreifen. Trotzdem, das zeigt mir die mittlerweile fünfte Sichtung, ist er keiner, den man sich schnell satt sieht. Im Gegenteil. Die Erfahrung wird immer reichhaltiger. Man spürt die Drachen immer deutlicher.

 Bild ©  Dragon
 

Demons 2 (Lamberto Bava, Italien 1986)

Posted by – 20. Februar 2013

demons_2Wenn ein Dämon im Begriff wäre, aus meinem Fernseher zu steigen, würde ich, schweren Herzens aber entschlossen, den Apparat aus dem Fenster schmeißen. Die Figuren in „Demons 2“ sind da weniger geistesgegenwärtig.

Im Hochhaus „The Tower“ steigt eine Geburtstagsparty. Doch statt zu feiern. schaut Sally (Coralina Cataldi-Tassoni), das Geburtstagskind, im Fernsehen lieber den Film „Herrschaft der Dämonen“ – und wird – schwupp – auch gleich erstes Opfer eines von der Mattscheibe in ihre Welt hinüberwechselnden Monsters. Jeder, der von einem Dämon verletzt wird, verwandelt sich ebenfalls in eines der blutgierigen Wesen. Und innerhalb kürzester Zeit macht eine Horde von Monstern Jagd auf die letzten Überlebenden des Hochhauses. Darunter ist auch die schwangere Hannah (Nancy Brilli), die sich in ihrer Wohnung verschanzt hat und auf die Rückkehr ihres Freundes George (David Edwin Knight) wartet.

„Demons 2“ (OT: Dèmoni 2) hat im Prinzip den gleichen Aufbau wie der erste Teil. Ein Gebäude aus dem die Menschen nicht flüchten können und ein Medium, durch das die Dämonen in ihre Welt kommen. Was folgt, lässt sich (wie schon in Teil eins) so zusammenfassen: Bis auf das Final Couple werden alle Figuren entweder a) von den Dämonen umgebracht oder b) gebissen, wodurch sie sich selbst in Dämonen verwandeln und Prinzip a) wieder in Kraft tritt.

Wodurch unterscheidet sich Teil zwei von Teil eins? Statt dem kleinen charmanten Metropol-Kino ist der Schauplatz von „Demons 2“ein Hochhaus. Und auch die Anzahl der Figuren und dementsprechend auch der Dämonen ist noch mal angewachsen. Gegen Hochhaus will ich gar nichts sagen, hier hat Bava durchaus ein paar schöne Ideen. Was die Figuren betrifft lässt er leider jedes Gespür für interessante Geschichten vermissen und auch die Dämonen wirken durch ihre schiere Masse eher weniger bedrohlich.

Warum sollte man sich „Dämonen 2“ überhaupt ansehen? Es gibt, wie gesagt, ein paar schöne Szenen. Gelungen ist meines Erachtens z.B. der Handlungsstrang im Fahrstuhl. Und auch die Szenen mit Hannah und dem dämonischen Nachbarsjungen, der in bester Alien-Manier einen putzigen Mini-Dämon gebiert, haben einen gewissen Witz. Außerdem spielt in „Dämonen 2“ die damals zehnjährigen Asia Argento, die Tochter von Dario Argento, der den Film produzierte und auch am Drehbuch beteiligt war, ihre erste Rolle. Sollte man wissen, so eine Frage könnte ja mal im Film-Quiz vorkommen.

Was nehme ich persönlich mit? Die Erkenntnis, dass das Böse oft aus dem Fernsehen kommt. Aber das wusste ich eigentlich auch schon vorher. Jedenfalls werden am Schluss im Film folgerichtig die Fernsehgeräte zerschlagen. Besser spät nie.

Bild © Arrow Video
 

The Bird With The Crystal Plumage (Dario Argento, Italinen 1970)

Posted by – 3. April 2012

 Meinen ersten Film von Dario Argento habe ich auf dem Flohmarkt der Bonner Rheinaue gekauft. Es war „Phenomena“. Der Film hat mich damals total umgehauen und mir eine Tür zu einem Genre aufgestoßen, mit dem ich bis dahin nur oberflächlich Bekanntschaft gemacht hatte. Das meiste von Argento habe ich mir den folgenden Jahren nach und nach angeschaut. Ein paar Lücken gibt es aber immer noch, wenn auch seit gestern eine weniger: Mit „The Bird With The Crystal Plumage“ (OT: L’uccello dalle piume di cristallo) habe ich nun endlich Argentos Debüt gesehen und damit die sogenannte Tier-Trilogie komplettiert (die des Weiteren aus „The Cat o’Nine Tails“ (1971) und „Four Flies On Grey Velvet“ (1972) besteht.)

„The Bird With The Crystal Plumage“ handelt von dem amerikanischen Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante), der in Rom Zeuge eines Mordversuchs wird. Er beobachtet, wie eine Frau (Eva Renzi) in einer Kunstgalerie von einem Unbekannten attackiert wird und nur schwer verletzt überlebt. Dalmas wird daraufhin zum Hauptverdächtigen – was ihn aber nicht davon abhält, sich mit Hilfe seiner Freundin Julia (Suzy Kendall) auf die Suche nach dem Täter zu machen. Bei diesem soll es sich um einen schon länger gesuchten Serienmörder handeln.

Die Geschichten, könnte man meinen, seien im Laufe von Argentos Karriere immer unwichtiger und abstrakter geworden. Stil verdrängte immer die Substanz, die zumindest bei seinen ersten Filmen noch vorhanden gewesen sein soll. Sein Debüt ist auf den ersten Blick ein normaler Krimi mit einer „sinnvollen“ Handlung: Sam versucht sich im Laufe des Film immer wieder die beobachtete Tat zu vergegenwärtigen, weil er der Meinung ist, er hätte ein Detail übersehen, das ihn zum Täter führen könnte. Mit ihm hat auch der Zuschauer das Gefühl, er könne den Fall durchschauen, wenn er nur genau genug hinsehen würde. Doch  dieser Eindruck ist, meine ich, bereits in diesem frühen Film bloße Illusion. Die scheinbar realistische Handlung suggeriert Rationalität, folgt aber in Wirklichkeit nur den Gesetzen des Genres und den Regeln, die Argento für seine Geschichten vorsieht. Weder ergeben sich die einzelne Handlungsabschnitte logisch auseinander, noch gibt es psychologische Notwendigkeiten für das Verhalten der Figuren, noch hat die ganze Geschichte einen tieferen Sinn. Und schon gar nicht ist der Täter zu erraten. Argento zeigt sich schon in „The Bird With The Crystal Plumage“ als begnadeter Stilist einer Form, die sich in den kommenden Filmen noch entwickeln sollte. Ob diese mit dem Begriff „Giallo“ tatsächlich schon auf den Punkt gebracht ist, bezweifele ich. Argento hat den Mord und seine Rahmenbedingungen zu einer Kunstform erhoben und in den 1970er und 80er Jahren ein filmisches Instrumentarium entwickelt, um die Essenz des Tötens freizulegen. Insofern ist das im Film gezeigte Gemälde „Mord im Park“ auch paradigmatisch für das Werk Argentos und prophetisch für alle seiner weiteren Filme.

Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass mir „The Bird With The Crystal Plumage“ von den ersten drei Argento-Filmen am besten gefallen hat. Das kann aber auch daran liegen, dass die Erinnerung an ihn im Gegensatz zu den anderen beiden noch frisch ist. Ich fand ihn durchweg spannend und einige Sequenzen (der Auftakt bei der Kunstgalerie oder als Sam den einen Killer verfolgt oder als Julia in ihrem Zimmer bedroht wird oder oder oder) sind grandios inszeniert und genau das, wofür ich Argento schätzte.