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End Of Watch (David Ayer, USA 2012)

Posted by – 12. November 2012

Es ist nicht leicht ein Cop zu sein. Schon gar nicht in South Central L.A. Auf den Straßen herrscht Krieg. Der Ausnahmezustand ist zur Regel geworden.

Die beiden Streifenpolizisten Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) verrichten ihren Dienst im Hexenkessel von South Central. Kein leichter Job, denn hier sind Verfolgungsjagden, Schießereien und Gewalt sind an der Tagesordnung. Trotzdem sind die beiden mit Leib und Seele bei der Sache. Als sie durch Zufall einen schweren Drogenkurier ins Netz geht, wittern die beiden die Chance, einmal etwas richtig Bedeutsames leisten zu können. Sie gehen der Sache nach – und geraten in einen Bandenkrieg, der vielleicht doch eine Spur zu groß für die eifrigen Streifenpolizisten ist.

Ich kannte von David Ayer nur „Training Day“ und „Dark Blue“, für die er das Drehbuch geschrieben hat. Von seinen Regiearbeiten war mir bisher nichts bekannt.  Nach „End Of Watch“ bin ich aber durchaus gespannt auf weitere Filme von ihm. Viel passiert in seinem aktuellen Film eigentlich nicht, aber das was passiert, ist sehr gut in Szene gesetzt – und auch die Stimmung des Films hat mir gefallen. Das Gefühl der Gefahr ist allgegenwärtig, und wie die beiden Polizisten, ist auch der Zuschauer in ständiger Alarmbereitschaft. Durch den Found-Footage-Ansatz ist man sehr nah dran an den von Gyllenhaal und Peña meiner Meinung nach äußerst überzeugend gespielten Figuren. Zwar erfahren wir nicht viel Neues über die Polizeiarbeit, aber zumindest wird uns die Geschichte einmal aus einer anderen Perspektive gezeigt. Inhaltich reicher wäre der Film mit Sicherheit noch geraten, wenn er nicht allein aus der Perspektive der beiden Haudegen erzählt worden wäre, sondern dem Zuschauer mehr „Kontext“ geboten hätte. Auf der anderen Seite ist bei mir gerade dadurch, dass das Ganze nicht eingebettet und ich sprichwörtlich daran gehindert wurde, über den Tellerrand zu schauen, ein seltsam beklemmendes Gefühl entstanden, das, finde ich finde, dem Film sehr gut zu Gesicht steht.

Nein, es ist nicht leicht ein Cop zu sein. Polizisten in South Central geht es wie Soldaten im Feindesland. Dass es trotzdem Frauen und Männer gibt, die diesen Job mit Hingabe tun, davon erzählt David Ayers „End Of Watch“ – und das tut er in tollen Bildern, atmosphärisch dicht, kurz: sehr gut. Wie man über den „Patriotismus“ und die sehr trennscharfe Einteilung in Gut und Böse denkt, steht auf einem anderen Blatt. Ich für meinen Teil bringe nach dem Beruf des Polizisten jedenfalls nach dem Film noch etwas mehr Respekt entgegen als zuvor. Ich hoffe, das hält auch noch so lange, bis mich mal wieder ein Wachmann zurückpfeift, weil ich eine rote Ampel überradelt habe.

Bild © Tobis