Tag: Don Coscarelli

Phantasm IV: Oblivion (Don Coscarelli, USA 1998)

Posted by – 4. Dezember 2016

phantasm-4#horrorctober 13

Den Abschluss meines diesjährigen #horrorctober bildet der vierte Teil der Phantasm-Reihe: Mit „Phantasm IV: Oblivion“ – „OblIVion“ – erreicht die Reihe ihr vorläufiges Ende. Obwohl – soviel sei vorweg genommen – ich dem Finale zwiespätige Gefühle entgegen bringe, hätte ich mir kaum einen besseren Film als Höhepunkt der 13 im Oktober gesehenen Horrorfilme aussuchen können. Aller Schwächen zum Trotz ist auch Teil vier ein essentieller Bestandteil der „Phantasm“-Reihe, durch den noch deutlicher zum Vorschein kommt, was die Reihe schon immer war: ein Alptraum, in den man sich als Kind verirrt und aus dem man nie wieder herausfindet.

Der Film beginnt, wo der Teil zuvor endete: Reggie (Reggie Bannister) wird von dem Tall Man (Angus Scrimm) gefangen gehalten, Mike (A. Michael Baldwin), der zuletzt entdeckt hatte, dass sich in seinem Kopf eine Sperre befindet, ist in einem Leichenwagen auf der Flucht. Während er dem Tall Man in eine andere Dimension folgt, kann sich Reggie befreien und macht sich auf die Suche nach seinem Freund.

Viel detaillierter auf die Handlung einzugehen, halte ich nicht für besonders sinnvoll. Und ganz leicht ist es auch nicht, da sich dieser Teil, wie eigentlich die anderen auch, kaum um die Regeln des Erzählens schert, sondern einer Traumlogik folgt, sprich assoziativ vorgeht. In Coscarellis Welt also business as usual. Auffällig und deswegen berichtenswert finde ich an diesem vierten Teil vor allem folgendes. Das erste ist eine irgendwie ganz und gar schöne Beobachtung:

Seit fast 20 Jahren kämpfen Reggie und Mike jetzt gegen den Tall Man. Dieser Abschnitt der Geschichte ist deswegen einmal mehr wie das Treffen guter Freunde, die noch einmal zusammenkommen, um der Vergangenheit zu huldigen. Interessant finde ich diesbezüglich weiterhin, dass in der Beziehung zwischen den beiden deutlicher als zuvor Risse angedeutet werden, die sich darin zeigen, dass die beiden wenig Screentime zusammen haben und Mike – während Reggie immer mehr er selbst wird – sich zu verlieren scheint, so dass zum Schluss gar nicht mehr klar ist, auf welches Seite er überhaupt steht.

Dass Coscarelli als Regisseur immer schwieriger – oder sagen wir lieber: masseninkompatibler – wird und von Film zu Film weniger darauf achtet, auf was man als Filmemacher bei Erfolgsaussicht Wert legen sollte (eine plausible Geschichte, nachvollziehbare Figuren, spannende Konflikte usw.), macht den vierten Teil auf alle Fälle sympathisch, hat aber gute und seine schlechte Seiten. Zu den Vorzügen auch dieses „Phantasm“-Teils gehört, dass er zweifellos ein ungewöhnlicher Film ist, dessen kongeniale Melange aus (alp)traumhaften Bildern, einem einprägsamen Score und dieser eigenartigen Coscarelli-Stimmung, die alles irreal und irgend beiläufig erscheinen lässt. Doch die immerwährende Wiederholung macht auch dem Besondersten irgendwann den Garaus. Den ersten und mit Abstrichten auch noch den zweiten Teil finde ich fantastisch, im Text zum letzten Teil habe ich mir noch gewünscht, dass die Reihe niemals vorbei geht. Beim vierten Teil ist das nicht mehr der Fall. Ich fühle mich ein wenig wie die Figuren, die stets aufs neue in ähnliche (Traum-)Situationen kommen, ohne dass es sie noch wirklich zu interessieren scheint, so als hätten sie die Hoffnung ohnehin schon aufgegeben, jemals wieder zu erwachen. Ob da mal wieder eine Nebenfigur vom Bösen besessen ist oder hinter der nächsten Ecke ein Killerzwerg lauert, ist auf eine Weise egal, die sich einerseits fast schon – positiv gesagt – beruhigend vertraut anfühlt, die andererseits irgendwie nicht so kompatibel mit dem Horrorgenre ist. Man fühlt sich wohl in „Phantasm IV: Oblivion“ – so wohl wie man sich in einem gut bekannten Alptraum nur fühlen kann.

Aufwachen, endlich mal richtig Aufwachen wäre nach der gefühlten Ewigkeit, die die Figuren das Böse und mich diese Reihe begleitet hat, deswegen auch nicht schlecht – auch auf die Gefahr hin, dass der Traum, der schon so oft geträumt wurde, verblasst, wie ein Traum mit geöffneten Augen nun mal verblasst. Ich nehme dieses, 20-jährige Klassentreffen gerne noch mit und behalte gute und schlechte Dinge dieses melancholischen, ein wenig enttäuschenden aber trotz allem auch irgendwie freudigen Wiedersehens ehrerbietig in Erinnerung. Zum nächsten Treffen – „Phantasm: Ravager“ (2016) – werde ich allerdings voraussichtlich nicht mehr erscheinen. Sonst schreibe ich nachher noch zum fünften Mal den gleichen Text.

Bild © Anchor Bay

Phantasm 3 (Don Coscarelli, USA 1994)

Posted by – 12. April 2014

phantasm 3Die Pause tat gut, haben sich bereits nach dem zweiten Teil leichte Ermüdungserscheinungen eingestellt. Aber jetzt will ich doch endlich wissen wie es mit Mike, Reggie, dem Tall Man und seinen Zwergen weitergeht. Im zweiten Teil hatten Mike (James LeGros) und sein Freund Reggie (Reggie Bannister) dem Tall Man (Angus Scrimm) den Kampf angesagt. Unterstützt wurden die beiden von der telepathisch begabten Liz (Paula Irvine). Der dritte Teil beginnt im Auto, genau dort wo der zweite endete: Mike (diesmal wie im ersten Teil gespielt von A. Michael Baldwin), Liz und Reggie befinden sich im Kampf mit dem Tall Man, Liz kommt ums Leben, Reggie wird aus dem Auto geschleudert, überlebt aber. Mike wird von Tall Man entführt. Reggie macht sich daraufhin auf die Suche nach Mike. Unterstützt wird er von dem kampferprobten Jungen Tim (Kevin Connors), der seine Eltern an den Tall Man verloren hat und der Soldatin Rocky (Soldatinnen Rocky).

„Phantasm 3“ ähnelt in vielerlei Hinsicht seinen Vorgängern. Mit dem Tall Man, den Spheres, den Killerzwergen auf der einen Seite und Reggie, dem Eisverkäufer, der sich von einer Nebenfigur zum Helden gemausert hat auf der anderen, sind die Markenzeichen der Reihe vorhanden. Auch die typische, irgendwie apokalyptische „Phantasm“-Atmosphäre, zu deren wesentlichen Bestandteilen die Titelmelodie und assoziative, oft eher einer Traumlogik als einer echten Handlung folgenden Erzählweise gehören, finden sich im dritten Teil. Man kann während des Schauens noch so nüchtern sein, bereits einen Tag später erinnert man sich an den Film als hätte man ihn heftig angetütert gesehen.

Und doch gibt es auch kleine Unterschiede bzw. Erweiterungen zu den Vorgängern. Weniger Killerzwerge zum Beispiel. Und der Tall Man kommt ungewöhnlich gesprächig daher, der Zuschauer erfährt außerdem mehr über den Hintergrund der Spheres, dieser seltsamen Metallkugeln. Hinzu kommt, dass sich Coscarelli hier schon fast als konventioneller Filmemacher präsentiert, „Phantasm 3“ orientiert sich lange Zeit an der Struktur eines Roadmovies, in dem Reggie mit dem Auto durch ein seltsam leergefegtes Amerika düst. Vom Mainstream ist der Film dennoch weit entfernt. In gewisser Weise ist der dritte Teil sogar von noch mehr luzider Energie erfüllt als die Vorgänger. Figuren tauchen wie zufällig auf, verschwinden wieder, die Toten wachen auf, Lebenden träumen. Der Zuschauer? Seite Muskeln sind entspannt, die Augen zucken, der Blutdruck steigt, Atmung- und Herzfrequenz erhöhen sich, das Gehirn gibt auf und ertränkt den Geist in Bildern, Erektion, REM-Phase! „What the hell is happening here?“ fragt Reggie irgendwann im Film. Sein verstorbener Freund Jody Pearson hat darauf eine Antwort parat: „Seeing is easy. Understanding? Well, it takes a little more time“. Kein Problem, die Zeit nimmt man sich gerne. Mehr noch: Man wünscht sich, dass der Film niemals endet. In dieser Hinsicht klingen die letzten Worte des Tall Man auch nicht wie eine Drohung, sondern eine Verheißung: „It’s never over!“

Bild © Anchor Bay
 

Fantansy Filmfest Nights 2013

Posted by – 28. März 2013

FFN13_Ein paar Sätze zu den Filmen, die ich auf den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights gesehen habe.

American Mary (Jen Soska, Sylvia Soska, USA 2012)

Die Medizin-Studentin Mary Mason (Katharine Isabelle) braucht Geld und entschließt sich, einen Job in einem Nachtclub anzunehmen. Doch es kommt anders als sie denkt: Weil sich herumspricht, dass Mary gut mit dem Skalpell umgehen kann, häufen sich plötzlich die Anfragen nach illegalen Schönheitsoperationen. „American Mary“ beginnt stark und hat auch im Folgenden immer wieder seine Momente. Leider bleibt der gute erste Eindruck nicht die gesamte Zeit erhalten. Der Schwenk zum „Rape & Revenge“-Movie wirkt weniger wie die stimmige Fortentwicklung der begonnenen Geschichte, sondern eher wie ein Rettungssprung in sichere, aber auch irgendwie langweilige Genre-Gefilde. Trotzdem ein sehenswerter Film. Was bleibt ist die Gewissheit, dass Schönheit relativ ist. Und auch das hat keine festen Grenzen: Was Menschen mit ihrem Gewissen vereinbaren können und was nicht.

John Dies At The End (Don Coscarelli, USA 2012)

Als Dave (Chase Williamson) und John (Rob Mayes) Bekanntschaft mit einer neuen Droge, Sojasauce genannt, machen, ist nichts mehr wie vorher. Haben die beiden einfach nur schreckliche Visionen oder sind sie wirklich einer Weltverschwörung auf der Spur? Und wenn: Können ausgerechnet diese beiden Männer die Erde retten? Der Film verdient mit Sicherheit mehr Beachtung und ich werde mich demnächst auch noch mal länger dazu äußern. Hier nur in aller Kürze. Don Coscarelli hat sich in den letzten Monaten zu einem Regisseur gemausert, dem ich sehr viel Achtung entgegen bringe. Coscarelli hat etwas von einem spielwütigen Kind, das kompromisslos seinen Willen durchsetzt und alles was ihm in den Kopf schießt, schamlos in einen Film verwandelt. Und doch ist das Ganze nie prätentiös, sondern durch und durch ehrliche Fantasy. Das gilt auch für „John Dies At The End“, welches – und dies ist mein Ultrakurzfazit – ein verdammt guter Film ist!

Stoker (Chan-wook Park, USA / UK 2013)

Der Hollywood-Einstand gilt für Ausländer immer als schwer, aber für Park Chan-wook ist das anscheinend kein Problem. Mit „Stoker“ liefert er nicht nur einen rundherum stimmigen Film, sondern gleich auch eines seiner besten Werke überhaupt ab. Im Film geht es um die India Stoker junge India Stoker (Mia Wasikowska), die Nach dem Tod ihres Vaters (Dermot Mulroney) nicht nur mit ihrer Mutter Evelyn (Nicole Kidman), sondern auch mit ihrem wie aus dem Nichts aufgetauchtem Onkel Charlie (Matthew Goode) in einem Haus wohnt. Wer ist der Mann? Wo kommt er so plötzlich her? Und was will er? Toll an „Stoker“ ist nicht nur die Besetzung: Mia Wasikowska („Jane Eyre“) sehe ich wirklich sehr gern und Matthew Goode fast noch lieber. Auch Nicole Kidman war schon lange nicht mehr so gut. Das Drehbuch von „Prison Break“-Star Wentworth Miller, eine tiefe Verbeugung vor „Shadow Of A Doubt“, kann ich seit meinem kleinen Hitchcock-Ausflug auch richtig würdigen. Vermutlich einer der besten Thriller des Jahres.

The Bay (Barry Levinson, USA 2012)

Die Hafenstadt Chesapeake Bay im Bundesstaat Maine lebt überwiegend vom Tourismus. Zumindest bis giftige Substanzen im Wasser nachgewiesen werden. Während der Bürgermeister John Stockman (Frank Deal) noch abwiegelt, treten schon die ersten Erkrankungen auf. Als Wissenschaftler herausfinden, dass der Grund ein durch Wachstumshormone mutierter Parasit ist, ist es schon zu spät. Insgesamt ist „The Bay“, der Found-Footage-Beitrag von Oscar Preisträger Barry Levinson, kein schlechter Film. So richtig überzeugend ist er allerdings auch nicht. Dabei hätte die Idee sowohl im Bereich des realitätsnahen, ökologisch orientierten Tierhorrors als auch als selbstreflexive Medienkritik einiges an Potenzial geboten: Wenn irgendwann einmal die Welt untergeht, dann hätten wir zumindest alles auf Band. Eine längere Kritik gibt’s auf Kino-Zeit.

Bild © Fantasy Filmfest
 

Beastmaster (Don Coscarelli, USA 1982)

Posted by – 10. Dezember 2012

Ich beginne mal mit dem Fazit: DAS ist Fantasy! Und so geht’s: Da der Hohepriester Maax (Rip Torn) das Menschenopfern nicht lassen kann und zudem ein Faible für schwarze Magie hat, verbannt ihn König Zed (Rod Loomis) kurzerhand aus seinem Königreich. Das lässt einer wie Maax aber nicht mit sich machen. Der Hohepriester rächt sich indem er das ungeborene Kind der Königin von einer Hexe in eine Kuh beamen lässt. Doch das Baby wird von einem Bauern gerettet und wächst unter dem Namen Dar (Marc Singer) in dessen Dorf auf. Dort wird er auch im Schwertkämpfer unterrichtet. Außerdem bemerkt Dar, dass er die Fähigkeit hat, mit Tieren zu sprechen. Als das Dorf niedergebrannt wird, macht sich der Beastmaster auf den Weg, um Rache zu nehmen.

Willkommen bei „Beastmaster“, einem Film voll kruder Ideen und jeder Menge Irrsinn. Der Irrsinn fängt schon bei der Besetzung an: Marc Singer ist eine unbeholfene Lulatsch-Version eines Helden, Rip Torn ein so einfach gestrickter Bösewicht, dass es schon wieder faszinierend ist: Maax hat tatsächlich aber auch gar nichts anderes im Sinn, als Leute zu opfern. Das nenne ich zielstrebig! (Eigentlich sollte die Rolle von Klaus Kinski gespielt werden, aber das wäre vielleicht etwas zu naheliegend gewesen.) Aber auch inhaltlich weist der Film alle Schattierungen von „seltsam“ auf.  Dieser schwarzmagische Eintopf basiert auf dem Buch „The Beast Master“ von Andre Norton, das Drehbuch schrieb Coscarelli zusammen mit Paul Pepperman, der mit ihm schon bei  „Phantasm“ zusammengearbeitet hatte (dort war er allerdings für die Special Effects zuständig). Das Ergebnis kann sich – wie eigentlich immer bei Coscarelli – durchaus sehen lassen. Das liegt vor allem daran, dass „Beastmaster“ immer wieder überrascht, weil er andere Wege geht, als der 08/15-Fantasyfilm. Das bezieht sich gar nicht so sehr auf das große Ganze, sondern eher auf die unzähligen, fantasievollen Details, die anderen für 5 Filme gereicht hätten. Ein wenig erinnert „Beastmaster“ vom Aufbau an „Star Wars – A New Hope“.  Da das Buch von Norton aus dem Jahr 1953 ist, ist es recht offensichtlich, wer sich die Ideen wo geborgt hat. Und hier noch eine unbelegte Theorie, wer sich beim Beastmaster bedient haben könnte: Ich habe gerade „The Meerkats“ (DT: Wächter der Wüste) gesehen; dort heißt das Protagonisten-Erdmännchen Kolo. In „Beastmaster “heißen die beiden Frettchen Kodo und Podo.  Zufall?

Wenn ich überhaupt etwas an diesem Film auszusetzen habe, dann, dass er mit 118 Minuten etwas lang geraten ist. Es gibt immer wieder etwas zähe Passagen in denen eigentlich nichts passiert, bzw: irgendetwas passiert, das die Geschichte aber nicht vorantreibt. Auf der anderen Seite sind der fehlende Rhythmus und die relative Länge vielleicht auch ein Grund dafür, dass Coscarellis Ausflug ins klassische Fantasy-Genre so eigen uns so entspannt ausgefallen ist.

Bild © Starz / Anchor Bay
 

Phantasm 2 (Don Coscarelli, USA 1988)

Posted by – 18. August 2012

Es ist nicht leicht, dem harten Geschäft des Leichenschrumpfens nachzukommen, wenn immer ein schwerbewaffneter Eisverkäufer dazwischenfunkt…

Sieben Jahren nach seinem Kampf gegen den Tall Man sitzt Mike Pearson (diesmal gespielt von James LeGros) in der Psychiatrischen Klinik, doch er kann den leitenden Arzt überzeugen, gesund zu sein und wird entlassen. Zusammen mit seinem Freund Reggie (Reggie Bannister), der ihn damals schon unterstützt hat, beschließt er, den Tall Man (Angus Scrimm) endgültig aufzuhalten. Unterstützung erhalten die beiden von Liz, Reynolds (Paula Irvine) mit der Mike in telepathischem Kontakt steht.

Fast 10 Jahre hat es gedauert, bis Don Coscarelli seine mit „Phantasm“ begonnene Geschichte endlich weiter erzählt. Genug Zeit zum Überlegen – so sollte man meinen. Schade, dass er trotzdem  nicht genug Stoff beisammen hatte, um einen weiteren Langfilm durchgehend mit Inhalt zu füllen. Denn „Phantasm 2“ variiert und steigert lediglich die Elemente des Vorgängers. Spielte der erste Teil an einem Ort, sind Mike und Reggie nun unterwegs, weil sie den Tall Man verfolgen, der die Friedhöfe Amerikas plündert. Gab es im letzten Teil eine Pistole, plündern die beiden nun einen Waffenladen und sind deswegen mit Motorsäge, Schrotflinte und Granaten ausgestattet. Das einzige, was „Phantasm 2“ signifikant vom Vorgänger unterscheidet, ist, dass hier lange Zeit nicht eine, sondern zwei Geschichten erzählt werden. Auf der einen Seite von Mike und Reggie, auf der anderen Seite von Liz, die nach dem Tod ihres Großvaters den Machenschaften des Tall Man auf die Spur kommt. Liz übernimmt damit sozusagen die Rolle, die Mike (damals gespielt von Michael Baldwin) im ersten Teil verkörperte, die entdecken darf, was der böse Leichenbestatter so treibt. Die Geschichte aufzusplitten funktioniert meines Erachtens dramaturgisch nicht besonders gut. Bei Mike und Reggie ist zu viel Leerlauf, bei Liz erfährt der Zuschauer vor allem das, was er schon aus dem ersten Teil kennt.

Trotzdem hat „Phantasm 2“ seine Stärken. Zum Beispiel die Splatter-Szenen, die expliziter und zahlreicher sind als die des Vorgängers. So kommen die Spheres, die tödlichen, silbernen Multifunktions-Kugeln des Tall Man oft und ziemlich blutig zum Einsatz. Aber auch die schwerbewaffneten Freunde Mike und Reggie richtigen diesmal ordentlich Schaden an, was nicht nur der Tall Man, sondern auch seine Gehilfen schmerzhaft erfahren müssen. Obwohl Coscarelli bei „Phantasm 2“ schon in den 30ern war, wirkt der Film trotzdem immer noch die wie Phantasie eines Pubertierenden. Und das soll jetzt bitte nicht als Kritik missverstanden werden. Auch der erste Teil ist wie ein Traum an mir vorbei gezogen und wirkte auf mich wie eine längst vergessene Erinnerung, ein Kindheits(alp)traum, den ich wirklich gehabt haben könnte. Auch der „Phantasm 2“ hat zumindest etwas von dieser fiebrigen Intensität, die ich an Filmen sehr gerne mag. So ist der zweite Teil der Reihe zwar nicht so gut wie der erste, aber trotzdem ein sehr eigener Horrofilm wie man ihn nicht alle Tage sieht.

Bild © Anchor Bay
 

Phantasm (Don Coscarelli, USA 1979)

Posted by – 30. Juni 2012

Hat der unheimliche, riesenhafte Bestatter (Angus Scrimm) gerade tatsächlich einen Sarg allein in den Leichenwagen gehoben? Mike (A. Michael Baldwin), der nach dem Tod seiner Eltern bei seinem älteren Bruder Jody (Bill Thornbury) in Oregon lebt, traut seinen Augen nicht. War das nur eine Sinnesträuschung? Aber auch in den folgenden Tagen fällt Mike im Umkreis des Bestattungsinstituts immer mehr Sonderbares auf. Doch niemand glaubt ihm.

Die Geschichte von Don Coscarelli beginnt klassisch, wird im weiteren Verlauf aber immer fantastischer, so dass ich diejenigen, die den Film noch nicht kennen, vor dem Weiterlesen warnen möchte. Ich denke, das Skurrilitäten-Kabinett von „Phantasm“ lässt sich am besten genießen, wenn man so wenig wie möglich weiß.

Denn Mike findet bald heraus, dass der Bestattungsunternehmer, der Tall Man, in seiner Bestattungshalle menschliche Körper zu Zwergen schrumpft und sie durch ein Portal in eine andere Dimension veschickt, wo sie als Sklaven arbeiten müssen. Aber auch auf Erden sind sie dem Hünen zum Gehorsam verpflichtet, weswegen Mike, nachdem er das Geheimnis des Tall Man gelüftet hat, auch bald von den gefährlichen kleinen Wesen verfolgt wird. Zusammen mit seinem Bruder und dessen Freund Reggie (Reggie Bannister) versucht Mike den Spuk aufzuhalten.

Der damals erst 22-jährige Don Coscarelli hat den Film, das erkennt man an jeder Szene, mit vollem Einsatz gedreht. Er selbst ist für Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt verantwortlich, die Schauspieler setzen sich größtenteils aus Freunden und Bekannten zusammen – und auch seine Familie hat Coscarelli in das Projekt einbezogen. Dass der kaum 650.000 $ teure Film handwerklich schon aus diesem Grund nicht perfekt sein kann, versteht sich von selbst. Schneiden z.B. gehört anscheinend weniger zu Coscarellis Talenten und auch das Drehbuch ist offensichtlich nicht vollends durchdacht. Doch nicht nur die zweifellos ebenfalls vorhandenen Stärken, die „Phantasm“ auszeichnen, nein, es sind in diesem Fall auch die Unzulänglichkeiten, die ihn zu etwas Besonderem machen. So hebt sich z.B. die Szenenfolge, die statt einer normalen Erzähl- zuweilen eher einer assoziativen Traumlogik zu folgen scheint, von anderen Horrorfilmen durchaus ab. Der Eindruck des Traumhaften wird durch das naiv-monotone, aber auch sehr treibende Thema von Myrow und Seagrave noch verstärkt.

Mich erinnert „Phantasm“ ein wenig an Romane von Stephen King, in deren Zentrum ja auch häufig Jugendliche und ihr erster Kontakt mit dem Bösen steht. Solche Romane oder eben auch Filme wie „Phantasm“ sind ein Fenster in die Vergangenheit. Durch sie können wir einen Blick erhaschen auf die Zeit als unsere wildwüchsigen Ängste noch nicht durch Logik und Rationalität beschnitten worden waren. Damals wussten wir noch, dass unter jedem Bett ein Killerzwerg und hinter jedem Spiegel ein großer, böser Mann lauern konnte.

Bild © Anchor Bay