Tag: Drogen

The Wraith (Mike Marvin, USA 1986)

Posted by – 23. Januar 2017

You want a race? ‚Cause I’ll show you a race!“

 Wer von ihnen herausgefordert wird, kann seinem schicken Auto schon mal Lebewohl sagen – denn niemand gewinnt gegen Packard Walsh (Nick Cassavetes) und seine Rocker-Gang bei den illegalen Straßenrennen, deren Sieger stets das Gefährt des Kontrahenten erhält. Dieses scheinbar unverrückbare Naturgesetz wird erst außer Kraft gesetzt, als ein Gespenst aus der Vergangenheit (Charlie Sheen) auftaucht und Packard seine Vormachtstellung auf der Straße und bei seiner Freundin Keri Johnson (Sherilyn Fenn) streitig macht.

„The Wraith“ – den meisten wohl besser bekannt unter seinem deutschen Titel „Interceptor“ – war eigentlich nie einer meiner Lieblingsfilme, aber ich würde ihn auf jeden Fall trotzdem zu den Filmen zählen, die aus Gründen wichtig für mich waren. Aus welchen Gründen? Das weiß ich selbst nicht so genau. Fest steht, dass mir Mike Marvins beim letzten Sehen gut, ja verdammt gut gefallen hat. Und ich denke, das hat weniger mit irgendwelchen konkreten Umsetzungsstrategien in Form und Inhalt zu tun, als mit der vereinnahmenden Naivität, mit der diese Rachegeschichte erzählt wird.

Ich komme aus einer Gegend, da feiert man den Führerschein gerne mal mit zwei falschen Korn in der Dorfdisco – um danach bei einem Rennen über die nächtlichen Landstraßen Papas Auto mit 120 Km/h gegen einen Baum zu setzen. Das ist dumm, fühlt sich während man für die Kumpels an der Bar die Getränke bestellt, gemeinsam feiert und dann ins Auto steigt aber noch wie die beste Idee überhaupt an. Die Parallelen zu Mike Marvins Film sind nicht einfach herbeigeschrieben, das Gefühl des allgegenwärtigen Stumpfsinns ist in den Dorfkneipen dieser Welt ebenso real wie in Marvins Films: So einfältig wie die Figuren in „The Wraith“ – Packards Crews ist ein Gruppe dauerbreiter Blödiane, die vielleicht Benzin im Blut, aber auf alle Fälle Bremsflüssigkeit im Hirn haben, und auch er selbst vermag es nicht, über sein Interesse an Autos und seiner Freundin hinauszudenken –, so primitiv ist auch die Geschichte, die hier erzählt wird. Doch das hört sich jetzt vielleicht negativer an als es gemeint ist. Es ist nämlich sogar in keiner Weise als Kritik von mir gedacht – im Gegenteil. Die allumfassende Stupidität von Gut und Böse, vom Rächer, Ge- und Berächten, ist so entwaffnend ehrlich – da ist es, seinen Nebenbuhler zu Tode zu foltern und dessen Rache als zurückgekehrter Alien-Geist mit einem Schulterzucken abzutun, genauso normal wie besagte mörderische Autorennen – dass mir „The Wraith“ beinahe schon wie „aus dem Leben gegriffen“ vorkommt.

Es ist auch nicht das einzig Gute, das ich über den Film zu sagen hätte. Ich könnte mich noch ein ganzes Weilchen darüber auslassen, was für markige Figuren Marvin hier erdacht hat, besonders lange würde ich von dem liebestollen und ebenso -wütigen Packard schwärmen, der von Nick Cassavetes wirklich mit genau der richtigen Dosierung als Ernst und Karikatur dargeboten wird. Die Dialoge in diesem Film sind der Hammer. Da mag man keine einzelne Zeile herausgreifen, das gesprochene Wort ist hier in Gänze Ultrakunst, und egal ob man den Film nun ernst nimmt wie ich oder ihn als 1980er-Jahre Sumpfsinn abtun will – man wird mit ihm seinen Spaß haben. Apropos Spaß haben: Der Soundtrack bestehend aus Hits wie „Secret Loser“ (Ozzy Osbourne), „Where’s the Fire“ (Tim Feehan), „Rebel Yell“ (Billy Idol), „Power Love“ (Lion) und und und macht irre Spaß. Wenn man denn etwas an diesem Film bemängeln möchte (was ich eigentlich nicht möchte, aber ich will ja nichts verschweigen…), dann ist es höchstens, dass die restliche Audiospur mit dem grandiosen Soundtrack nicht ganz mithalten kann. Vor allem während der Autorennen klingt der Film leider etwas dünn. Aber das ist Heulen auf hohem Niveau, ich halte „The Wraith“ alles in allem trotzdem für einen faszinierenden Film, der nicht trotz, sondern wegen seines naiven Innenlebens so gut funktioniert. Oder um es mit den Worten von Skank (David Sherrill) zu sagen: „Jesus, this shit’s got some kick!

Bild © Marketing

Sicario (Denis Villeneuve, USA 2015)

Posted by – 2. März 2016

SicarioNach der Bundeszentrale für Politische Bildung bezeichnet man als „Krieg“ einen „organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen Staaten bzw. zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates“ (-> bpb). Bei der Vielzahl der Kriege, die derzeit weltweit ausgefochten werden und deren gefühlt zunehmender Komplexität, kann man schon mal den Überblick verlieren. Kriege, die Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, verschwinden nicht selten ganz vom Radar, obwohl sie mit unverminderter Härte weitergehen. Ein ähnliches Schicksal hat den sogenannten „mexikanischen Drogenkrieg“ ereilt, auch wenn er uns immer mal wieder durch einen Zeitungsartikel oder Filme in Erinnerung gerufen wird. „Die Grenzen sind verschoben worden“, heißt es irgendwann in Denis Villeneuves großartigem „Sicario“, einem der Filme über diesen Krieg, und etwas später: „Das hier ist jetzt das Land der Wölfe“. Das muss auch die FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) erfahren, die von einer internationalen Einsatztruppe unter der Leitung des Agenten Matt Graver (Josh Brolin) für einen undurchsichtigen Auftrag rekrutiert wird. Ebenfalls mit von der Partie – der Söldner. Alejandro (Benicio Del Toro). Bald muss Kate feststellen, dass die Prinzipien, für die sie kämpft, im „Land der Wölfe“ keine Bedeutung haben.

Hat man das nicht alles schon gesehen? Die Parallelen zu „Traffic“ sind eindeutig, aber auch an „Zero Dark Thirty“ habe ich mich atmosphärisch und durch die Figurenkonstellation erinnert gefühlt. Doch Villeneuves Film hat geht weiter in seiner Aussage, ist komplexer und schwerer zu greifen als die genannten. Es ist ein ruppiger Film aber man kann leicht glauben, hinter den kraftvollen, teils magisch anmutenden Bildern von Kameramann Roger Deakins, unterlegt mit dem düsteren Score von Jóhann Jóhannsson, eine transzendente Note wahrzunehmen. Die Brutalität im mexikanischen Drogenkrieg kennt keine Grenzen. Das machen schon die ersten Szenen des Films deutlich, wenn Agentin Kate Macer mit ihrem Einsatzteam ein Haus stürmt und in den Wänden etliche, grausam zugerichtete Leichen findet. Doch geht es in dem Film weder um die direkten Auswirkungen des Krieges, noch um das komplizierte Verhältnis zwischen Mexiko und den USA; und es ist auch kein Film über eine toughe Polizistin.

Was ist er stattdessen? Zum einen ist der Film sicherlich das, was sein Titel sagt. „Sicario“ bezeichnet innerhalb des organisierten Verbrechens einen Auftragskiller. Und darum geht es. Auch. Wer in Villeneuves Film derjenige welcher ist, stellt sich allerdings erst im späteren Verlauf heraus. Hier bietet der Film ebenfalls verschiedene Deutungsmöglichkeiten an. Gleichermaßen – auch dies steckt in dem Begriff des „Auftragskillers“ irgendwie drin – geht es um komplexe Beziehungen. Jemand bekommt dafür Geld, einen Menschen umzubringen. Das alles geschieht aus einem ganz bestimmten Grund: Ein solcher Mord hat eine Geschichte – genauso wie er eine Zukunft haben wird. Jeder Akt der Gewalt erzeugt weitere Gewalt, ein Kreislauf; und falls die Mühlen sich zu langsam drehen, kann man mit Geld die ganze Sache jederzeit ein wenig beschleunigen.

Die Grenzen mögen sich verschoben haben und der gezeigte Kosmos nun von „Wölfen“ beherrscht werden. Doch nicht zwischen Staaten, sondern zwischen einer immer größer werdenden Anzahl von Akteuren. „Wölfisch“ wird der Krieg dadurch, dass er nach normalem Verständnis nicht mehr regelhaft abläuft. Es geht nicht mehr darum, den Konflikt zu gewinnen. Um was geht es dann? Warum ändert sich trotz der Anstrengung aller rivalisierenden Wolfsrudel nichts an dem Mächteverhältnis? Warum ist nicht endlich der mächtige Alphawolf USA in der Lage, den Gegner tödlich zu treffen? Eine Antwort könnte sein, dass ein Kräftegleichgewicht besteht. Niemand gewinnt, weil alle gleich stark sind. Diese Erklärung überzeugt mich allerdings nicht, ich favorisiere eine andere. Ich denke, dass der Drogenkrieg existent bleibt, weil er für alle genügend Vorteile bietet. Bezogen auf die oben genannte Definition der Bundeszentrale heißt das, dass bei Kriegen gar nicht unbedingt der Konflikt, verstanden als das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessen, im Mittelpunkt stehen muss. Bei unterschiedlichen Interessen würde sich das stärke Interesse irgendwann durchsetzen. Vielleicht ist es deswegen sinnvoller, den Krieg, von dem hier die Rede ist, als eine Art Beziehung zu interpretieren, bei der alle Partner mit genug Macht etwas davon haben. Dass diese polyamoröse Partnerschaft aka „der mexikanische Drogenkrieg“ jährlich mitunter 5-stellige Zahlen an Todesopfern zu verzeichnen hat, spielt keine Rolle. Es ändert sich nichts. Alles ist gut so wie es ist.

Bild © Studiocanal

Giftchen (Konrad Kästner, Deutschland 2011)

Posted by – 13. Mai 2015

FullSizeRender (2)Es gibt kaum etwas, das schizophrener ist, als die Drogenpolitik in Deutschland. Das zeigt sich besonders beim Thema Alkohol. Nach Aussage der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung sterben jährlich in Deutschland fast 20.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Wenn man einen kombinierten Tabak- und Alkoholkonsum dazurechnet, sind es sogar fast 75.000 Menschen. Ein paar halbherzige Kampagnen der Bundesregierung oder die Altersgrenze von 16 für Bier und Wein bzw. 18 Jahren Spirituosen ändern nichts daran, dass das Trinken zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland gehört. Trotzdem ist es fest in der Gesellschaft verankert. Schizophren ist aber nicht nur der politische Umgang mit diesem Thema, sondern auch der gesellschaftliche: Jeder weiß um die Gefahren von Alkohol und kennt die Zahlen, trotzdem ist Trinken normal und es hält sich hartnäckig das Ideal vom maßvollen Alkoholkonsum, der im Gegensatz zur skeptisch beäugten Abstinenz als erstrebenswert gilt.

Konrad Kästner thematisiert in seiner Dokumentation die gesellschaftspolitische Dimension nur am Rande. Er konzentriert sich auf seine vier Protagonisten, Karin, Oli, Rolf – und seine eigene Mutter. Er begleitet die vier in seinem Film ein Stück auf ihrem Lebensweg und lässt sie über das berichten, was Alkohol für sie ist. Für alle gilt: Eine Welt ohne Alkohol ist für kaum vorstellbar. Das wird in berührenden Szenen deutlich. Zum Beispiel bei Rolf, der entgegen dem ersten Anschein nach der Sucht noch nicht entkommen ist. Oder bei Karin, die so deprimiert und überfordert wirkt, dass der Zuschauer ihre Hoffnungslosigkeit beinahe am eigenen Leibe spürt. Selbst bei Kästners Mutter, die seit sechs Jahren abstinent lebt, nimmt das Thema immer noch großen Raum in ihrem Denken ein. Auch Kästner,der eine Bar in Berlin betreibt und dem man seine persönliche Betroffenheit mehrmals im Film anmerkt, nimmt sich da nicht aus. Wie sollte es auch anderes sein. Alkohol ist ominpräsent in unserer Gesellschaft, der Späti, in dem man 24 Stunden am Tag Schnaps kaufen kann, befindet sich, wie Oli berichtet, direkt vor der Entzugsklinik. Wahrscheinlich ist er nicht Wenigen bereits zum Verhängnis geworden.

In der für mich vielsagendsten Szene des Films diskutiert der aus der Klinik entlassene Oli mit einem alten Freund über das Thema Alkohol. Während der Süchtige unsicher an einem Glas Tee herummacht, trinkt sein Kumpel fast schon provokativ ein Bier. Nicht nur, dass der Freund die Regeln, die Oli für das gemeinsame Wohnen aufstellt (kein Alkohol in der Wohnung) mit einem ironischen, süffisanten Lächeln quittiert, auch Olis Erzählung über die Anfänge seiner Sucht werden von dem Freund in Frage gestellt („du erinnerst dich falsch, es war alles ganz anders“). Was ich hieran unheimlich finde, ist, dass selbst im direkten Gespräch mit einem Betroffenen, die Deutungshoheit darüber, wie die Dinge sind und waren, was normal und was es nicht ist, bei den vermeintlich Nicht-Kranken liegt. Diese Szene macht meiner Meinung nach sehr gut den eigenartigen Umgang mit dem Thema Alkohol bzw. Alkoholkrankheit deutlich. Trinken ist so lange akzeptiert, bis jemand die unsichtbare Linie zwischen „normalem“ Trinken und Suchttrinken überschreitet. Der Süchtige – das wird beispielhaft in dieser Szene sichtbar – ist in den Augen der Anderen das Problem und nicht etwa die Substanz oder die gesellschaftlichen Verhältnisse. So ein Feierabendbierchen kann ja wohl nicht schlecht sein.

Dass die Dokumentation so eindrucksvoll geworden ist, liegt aber nicht nur an Kästners sensiblen Umgang mit dem Thema, dem Respekt, den er den alkoholkranken Menschen entgegenbringt und seinem Erzähl-Rhythmus wie seinem feinen Gespür dafür, wann Distanz und wann Nähe gefragt ist. Auf der technischen Seite kann die Dokumentation ebenfalls überzeugen. Besonders hervorzuheben ist hier die Kamera von Sandra Staffl, die nicht nur die Interviewpassagen unverfälscht und sachlich aber niemals bloßstellend eingefangen hat, sondern auch in einigen rauschhaften Zwischenpassagen Trübsinn und Verheißung des Alkohols einfängt. Unsere Hochachtung haben sich nicht zuletzt die vier Protagonisten dieser gelungenen Dokumentation verdient, die den Mut hatten, sich mit ihren Problemen ungeschönt der Welt zu stellen – wohl weil sie ahnten, dass sie nur in einer aufgeklärten Gemeinschaft ihrer Alkoholsucht werden entkommen können. Vielleicht trägt Kästners starker Dokumentarfilm ja ein Stück dazu bei.

All That Jazz (Bob Fosse, USA 1979)

Posted by – 24. April 2015

All That JazzGenie, Workaholic, Frauenheld – Joe Gideon (Roy Scheider) ist ein gefeierter Regisseur und Choreograph am Broadway. Gerade ist er dabei, ein neues Stück vorzubereiten – da streikt sein Körper. Joe hat die letzten Jahre über seine Verhältnisse gelebt, zu viel Arbeit, zu viele Drogen und zu wenig Schlaf zollen nun ihren Tribut. Nach einem Herzanfall wird er ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Film ist mir auf den Radar geraten, weil ich nach „A Chorus Line“ neulich Lust hatte, mir noch ein paar Sachen aus der Welt des Showbiz und der Bühne anzusehen. Die Geschichte von Richard Attenboroughs Musical-Verfilmung – das Casting für ein Broadway-Stück – wird allerdings schon in den ersten Minuten von Fosses Film quasi im Zeitraffer abgehandelt. Und auch der Rest des Films, in dem es um den Niedergang von Joe Gideons geht, ist wahnsinnig schnell erzählt. Die Geschichte wird allerdings nicht streng chronologisch ausgebreitet. Bereits am Anfang ist der Regisseur in einer Art Zwischenwelt, in der er mit einer Frau (Jesssica Lange) über sein Leben räsoniert. Ob sie ein Engel ist oder ein Abbild seiner irdischen Wünsche, bleibt offen. Der Stress, der ansonsten in seinem Leben hervorsticht, ist in diesen Momenten verschwunden, charmant und abgeklärt, nicht ohne seine Bereitschaft für einen Flirt durchscheinen zu lassen, redet er mit dem hübschen Wesen; nicht ganz so entspannt geht es während seiner letzten Lebensmonate zu, seine Liebschaften wachsen ihm über den Kopf und er hat starke Zweifel, ob er sein neues Stück in den Griff bekommt. Der Film ist in diese Phasen wie Joes Leben – ein einziger Rausch.

Was den Film auszeichnet, sind vor allem drei Dinge: Erstens hat es genau mit dieser erwähnten Rauschhaftigkeit tun. Nicht nur die Traumsequenzen, auch Gideons Leben wirkt wie ein Fiebertraum, seine letzten Monate, die exemplarisch für sein ganzes Lebens stehen können, sind ein nervöses Blitzlicht-Stakkato, in denen es für den Protagonisten und den Zuschauer keinen ruhigen Moment gibt. Zweitens, sein Hauptdarsteller, Roy Scheider, der so viele Kollegen, die sich an ähnlichen Rollen versucht habe, an die Wand spielt und hier wohl die beste Leistung seiner Karriere abliefert. Man glaubt ihm diese Figur, ihr Getriebensein und ihre Manie, alles für ihr neues Stück zu geben. Der Mann tut einem leid, aber man möchte ihn nicht zum Innehalten auffordern, denn man weiß, was ihn treibt und was er tun muss – koste es was es wolle! Drittens sind die beeindruckenden Musical-Einlagen zu nennen bis hin zur abschließenden Traumsequenz, in der Gideon sein neues Stück vorweg imaginiert. Mir persönlich gefällt die kleine Nummer am besten, die Gideons Tochter (Erzsebet Foldi) und seine Geliebte (Ann Reinking) für ein eine kleine Einlage eingeübt haben und die sie dem müden Choreografen in seinem Wohnzimmer vortanzen.

In Deutschland wurde „All That Jazz“ unter dem Titel „Hinterm Rampenlicht“ vermarktet. Das passt auch insofern ganz gut, als dass der Film selbst ein wenig im Schatten zu stehen scheint. Der Film erhielt zwar 9 Oscar Nominierungen und gewann davon auch vier – Bestes Szenenbild, Beste Kostüme, Bester Schnitt und Beste Musik – so richtig im Rampenlicht war er dennoch nie. Bevor ich durch einen Tipp auf ihn gestoßen bin, hatte ich nie von ihm gehört, was mir, jetzt da ich ihn gesehen habe, ziemlich eigenartig vorkommt. „All That Jazz“ ist ein wahnsinniger und wahnsinnig guter Film und jedenfalls einer der besten, die ich in den letzten Wochen und Monaten gesehen habe. Anhand einiger Wochen aus dem Leben eines Künstlers wird ein ganzes Leben, ja eine komplette Branche auf der Grenze von Schaffensdrang und Selbstausbeutung eindrucksvoll portraitiert. Wie gesagt: Wahnsinn!

Bild © Twentieth Century Fox