Tag: Emile Hirsch

Killer Joe (William Friedkin, USA 2011)

Posted by – 16. November 2012

Letzte Woche Eklat beim Videoabend. Gastgeber macht „Killer Joe“ aus, weil dieser seiner Meinung nach ein „frauenverachtender Film für ein frauenverachtendes Publikum“ sei. Die anschließende Diskussion bringt uns nicht wieder zusammen. Den Rest des Films musste ich dann zu Hause gucken.

Die Welt, in die „Killer Joe“ den Zuschauer hineinstößt, ist eine schmutzige, eine böse Welt. Chris Smith (Emile Hirsch) hat Schulden, Um an die Lebensversicherung seiner Mutter zu kommen,  heuert der Tunichtgut kurzerhand den Polizisten Joe Cooper (Matthew McConaughey) an, der sich ein Zubrot als Killer verdient. Chris’ Vater Ansel (Thomas Haden Church) hat nichts dagegen, schließlich soll er etwas von dem Geld abgekommen. Und weil Joe gerne im Voraus bezahlt wird, gibt ihm Chris seine junge Schwester Dottie (Juno Temple) als Pfand. Doch alle habe die Rechnung ohne Chris Stiefmutter Sharla gemacht (Gina Gershon).

Der Zuschauer lernt Chris, Ansel und Sharla skrupellose, aber auch reichlich naive und chaotische Familie kennen und ist wie sie gar nicht mal so wenig froh, dass mit Joe Cooper ein Ordnungselement in die Geschichte tritt, einer, der die Dinge im Griff zu haben scheint. Man schmunzelt über die verpeilte Familie Smith und über den skurrilen Killer Joe. Und während man noch so schmunzelt, merkt man auf einmal, dass das alles so gar nicht zum Lachen ist. Denn Joe ist kein cooler Killer, sondern der absolute Oberarsch. Und die meisten anderen Figuren sind kaum besser.

Der Film ist hochgradig artifiziell, fast schon irreal. Genau wie Friedkins „Bug“ basiert er auf einem Theaterstück von Tracy Letts, der hier auch wieder das Drehbuch geschrieben hat. Friedkin und Letts verstehen es meisterhaft, vermeintlich reale Situationen „kippen“ zu lassen. „Killer Joe“ erinnert ein wenig an Filme wie „A Simple Plan“ oder „The Killer Inside Me“, wobei er beide an  Ruchlosigkeit und Raffinesse hinter sich lässt. Es sind vor allem zwei Szenen, die ich als besonders unangenehm empfunden habe. Ich möchte diese Momente hier nicht spoilern, aber trotzdem eine Warnung an alle Zartbesaiteten und solche aussprechen, die auf der Suche nach einem guten First-Date-Movie sind. Und ich möchte noch einmal zu der Frage zurückkehren, ob „Killer Joe“ ein „frauenverachtender Film“ ist – oder nicht. Meiner Meinung nach ist er das nicht. Auch wenn ein Großteil der impliziten und expliziten Gewalt gegen Frauen gerichtet ist, ist dies für mich kein ausreichender Grund. Es kommt ja auf die Art der Darstellung an. Ist die Gewalt  beschönigend dargestellt? Wird sie in irgendeiner Art und Weise gerechtfertigt? Wird die Frau auf die Rolle des Opfers reduziert? Alle diese Fragen würde ich mit nein beantworten. Die Gewaltdarstellungen des Films sind nicht leicht zu ertragen, die Frauenfiguren des Films sind weder weniger vielschichtig als die der Männer noch werden sie auf die Rolle des Opfers festgelegt. Im Gegenteil scheint mir die Täter/Opfer-Verteilung des Films ziemlich komplex zu sein. Ich weiß nicht, ob die hier vorgeschlagenen Kriterien schon zur Beurteilung ausreichen, ob ein Film eine verächtliche Einstellung gegen bestimmte Personengruppen an den Tag oder nicht. Aber mit ihnen geht es schon mal besser als ohne.

Doch auch, wenn ich keine misogyne Tendenzen erkennen kann, ist „Killer Joe“ für mich ein wahres Fäkalbad von einem Film, ein hundertminütiger Tauchgang durch die Kloake. Gemein wird das Ganze dadurch, weil man sich dieser Tatsache erst gegen Ende des Films bewusst wird. Doch dann ist es zu spät. Man(n) fühl sich schmutzig. Die Katharsis bleibt aus.

Bild © WVG Medien
 

The Darkest Hour (Chris Gorak, USA, Russland 2011)

Posted by – 19. August 2012

Nachdem ich gefühlte 80 News zu dem Film geschrieben habe, konnte ich mir „The Darkest Hour“ jetzt endlich auch mal ansehen.

Die Menschheit wird überraschend von einer fremden Spezies angriffen, die Kontrolle über Elektrizität hat und diese als Waffe einsetzt. Luke (Emile Hirsch), Ben (Max Minghella), Natalie (Olivia Thirlby) Anne (Rachael Taylor) und Skyler (Joel Kinnaman) verschanzen sich in einem Keller. Doch als sie ihr Versteck verlassen, hat sich die einstige Metropole in eine Geisterstadt verwandelt. Verzweifelt suchen Luke und die andere Überlebenden nach eine Möglichkeit, sich gegen die überlegenden Aliens zu wehr zu setzen.

Eigentlich eine schöne Idee, dass die Außerirdischen kaum zu sehende Elektrowesen sind. Leider macht Chris Gorak zu wenig daraus. Die Spannungskurve flacht nach einem guten Auftakt erstaunlich schnell ab, was auch daran liegt, dass man sich mal wieder mit den Figuren keine Mühe gegeben hat. Zwischen ihnen passiert einfach viel zu wenig. Auch die Außerirdischen machen nur kurz neugierig, bevor sich die Effekte wiederholen und dem Zuschauer klar wird, dass sie so gefährlich wohl auch nicht sind. Bei „Battleship“ waren die Invasoren nahezu blind. Bei „The Darkest Hour“ können sie ebenfalls nicht besonders gut sehen (unattraktiv veranschaulicht durch die Ego-Perspektive) und hören tun sie auch nix. Das macht das Fliehen und Verstecken relativ leicht.

Nachdem ich nach der Hälfte schon den Glauben an den Film verloren hatte, kam dieser nach etwa Stunde dann doch noch mal kurz zurück und präsentiere zumindest ein ordentliches Quantum Irrsinn: Ein durchgeknallter Elektriker der in einem Faraday’schen Käfig wohnt und ein Mikrowellen-Gewehr gebaut hat, eine Gruppe von Widerstandskämpfern in seltsamen Kostümen, ein verkleidetes Pferd usw. So konnte ich mir „The Darkest Hour“ für den Rest der Spieldauer immerhin noch als einigermaßen unterhaltsamen Trash gefallen lassen. Trotzdem insgesamt enttäuschend.

Bild © Twentieth Century Fox