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Dead Shadows (David Cholewa, Frankreich 2012)

Posted by – 5. Mai 2013

Dead Shadows

Auch bei Filmen gibt es bei mir so etwas wie Prokrastination. Statt einen guten oder wichtigen, schaue ich mir manchmal lieber einen schlechten Film an. Da verschmerze ich es eher, wenn ich hinterher nichts drüber schreibe. Auch „Dead Shadows“ war eigentlich als Prokrastinations-Film gedacht. Die Story: Damals in der Nacht, als ein Komet am Himmel erschienen ist, hat Chris seine Eltern verloren. Noch Jahre später ist der junge Mann (Fabian Wolfrom) traumatisiert. Dem erneuten Erscheinen eines Kometen sieht Chris deswegen mit großer Besorgnis entgegen. Zu Recht! Denn mit Eintreffen des Himmelskörpers bricht die Hölle los. – Und das ist dann stellenweise so bizarr, dass ich jetzt doch zwei Sätze dazu schreiben möchte. „Dead Shadows“ ist schlecht. Richtig übel. Er erinnert an ein unförmiges Monster, das aus Teilen von „Slithers“, „Grabbers“, „Attack The Block“, „The Thing“, „The Signal“ und noch etlichen weiteren Titeln ungelenk zusammengebaut wurde. Alles schon irgendwo gesehen, aber selten so amateurhaft. Die Schauspieler agieren wie Leute, die zum ersten Mal in einem Film mitspielen, die Musik wabert nebenher und scheint aus ganz anderes Sphären zu kommen. Die Story ist wirr, so etwas wie eine Dramaturgie existiert praktisch nicht. Eine Zeitlang habe ich deswegen sogar überlegt, ob ich „Dead Shadows“ einfach ausmache…

…doch dann zaubert der junge Franzose David Cholewa in seinem Debüt auf einmal Szenen aus dem Hut, die von apokalyptischer Schönheit sind. Irgendwann im letzten Drittel wird „Dead Shadows Dead Shadows“ zu einem psychotischen (Body-)Horror-Trip, der es in sich hat. Meine Lieblingsszene: Chris sitzt nach dem Kampf mit paar Typen erschöpft in einer Ecke, als ein Wesen, halb Frau, halb Spinnenmutant auftaucht, das Carpenters „The Thing“ entsprungen sein könnte. Doch das Wesen greift ihn nicht etwa an, sondern schmiegt sich zärtlich an seinen Rücken. Erst in diesem Moment habe ich erahnt, worum es Cholewa eigentlich geht. Die Monster des Films, sie alle haben irgendwie mit Chris zu tun. Vielleicht ist sogar er der Ursprung allen Grauens – weil er es als Kind selbst erlebt hat – und „Dead Shadows“ ist am Ende eine seltsame Variante des Coming-of-Age-Films? Wenn zum Schluss die Apokalypse über die Welt hereinbricht, wirkt das jedenfalls nicht wie das Ende von allem, sondern wie ein vielversprechender Anfang – zumindest für Chris.

Ich will „Dead Shadows“ nicht gutreden und würde ihn auch nicht weiterempfehlen, aber so schlecht wie ich am Anfang dachte, war er dann doch nicht. Ja, es gibt sogar einiges zu entdecken. Und dass er an ein paar Stellen an die Filme John Carpenters erinnert, ist, wie man in den Extras der DVD erfährt, auch kein Zufall: Cholewa ist nämlich ein ganz großer Fan von ihm. Und Carpenter-Fans kann man ja eigentlich nichts übel nehmen.

Bild © Mad Dimension