Tag: Fantasy

Star Wars: Rogue One (Gareth Edwards, USA 2016)

Posted by – 16. Dezember 2016

„Star Wars“, „Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back“ und „Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi“ waren und sind für mich persönlich sehr wichtige Filme. (Deswegen habe ich mich glaube ich hier auch noch nicht getraut, etwas dazu zu schreiben.) Da haben auch die misslungenen Prequels „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace“, „Star Wars: Episode II – Attack Of The Clones“ und „Star Wars: Episode III – Revenge Of The Sith“ nicht viel dran ändern können. Seit dem irgendwie doch ganz okayen „Star Wars: The Force Awakens“ bin ich jedenfalls wieder dabei und beobachte gespannt, wie sich die Geschichte – „A long time ago, in a galaxy far, far away…“ – entwickelt. Mit „Star Wars: Rogue One“ wird ein weiteres Detail aus der schon grob bekannten Geschichte ausgeleuchtet – die Beschaffung der Pläne, die vor 40 Jahren unserer Zeitrechnung in „Star Wars“ durch eine Handvoll mutiger Rebellen zur Zerstörung des Todessterns führten. Obwohl „Rogue One“ wirklich umwerfend aussieht, finde ich ihn insgesamt leider nicht besser als „ganz nett“. Nach „Monsters“ und „Godzilla“ möchte ich fast sagen, typisch Edwards halt. Aber mal postiv gesagt: Auch ganz nett ist ja bei dem wiedererwachten Franchise, das ich nach Episode I, II und III schon verendet wähnte, immerhin etwas. Insofern danke. Ein wenig ausführlicher äußere ich mich zu der neuen „Star Wars“-Kriegsfilm auf Kino-Zeit.de

Phantasm IV: Oblivion (Don Coscarelli, USA 1998)

Posted by – 4. Dezember 2016

phantasm-4#horrorctober 13

Den Abschluss meines diesjährigen #horrorctober bildet der vierte Teil der Phantasm-Reihe: Mit „Phantasm IV: Oblivion“ – „OblIVion“ – erreicht die Reihe ihr vorläufiges Ende. Obwohl – soviel sei vorweg genommen – ich dem Finale zwiespätige Gefühle entgegen bringe, hätte ich mir kaum einen besseren Film als Höhepunkt der 13 im Oktober gesehenen Horrorfilme aussuchen können. Aller Schwächen zum Trotz ist auch Teil vier ein essentieller Bestandteil der „Phantasm“-Reihe, durch den noch deutlicher zum Vorschein kommt, was die Reihe schon immer war: ein Alptraum, in den man sich als Kind verirrt und aus dem man nie wieder herausfindet.

Der Film beginnt, wo der Teil zuvor endete: Reggie (Reggie Bannister) wird von dem Tall Man (Angus Scrimm) gefangen gehalten, Mike (A. Michael Baldwin), der zuletzt entdeckt hatte, dass sich in seinem Kopf eine Sperre befindet, ist in einem Leichenwagen auf der Flucht. Während er dem Tall Man in eine andere Dimension folgt, kann sich Reggie befreien und macht sich auf die Suche nach seinem Freund.

Viel detaillierter auf die Handlung einzugehen, halte ich nicht für besonders sinnvoll. Und ganz leicht ist es auch nicht, da sich dieser Teil, wie eigentlich die anderen auch, kaum um die Regeln des Erzählens schert, sondern einer Traumlogik folgt, sprich assoziativ vorgeht. In Coscarellis Welt also business as usual. Auffällig und deswegen berichtenswert finde ich an diesem vierten Teil vor allem folgendes. Das erste ist eine irgendwie ganz und gar schöne Beobachtung:

Seit fast 20 Jahren kämpfen Reggie und Mike jetzt gegen den Tall Man. Dieser Abschnitt der Geschichte ist deswegen einmal mehr wie das Treffen guter Freunde, die noch einmal zusammenkommen, um der Vergangenheit zu huldigen. Interessant finde ich diesbezüglich weiterhin, dass in der Beziehung zwischen den beiden deutlicher als zuvor Risse angedeutet werden, die sich darin zeigen, dass die beiden wenig Screentime zusammen haben und Mike – während Reggie immer mehr er selbst wird – sich zu verlieren scheint, so dass zum Schluss gar nicht mehr klar ist, auf welches Seite er überhaupt steht.

Dass Coscarelli als Regisseur immer schwieriger – oder sagen wir lieber: masseninkompatibler – wird und von Film zu Film weniger darauf achtet, auf was man als Filmemacher bei Erfolgsaussicht Wert legen sollte (eine plausible Geschichte, nachvollziehbare Figuren, spannende Konflikte usw.), macht den vierten Teil auf alle Fälle sympathisch, hat aber gute und seine schlechte Seiten. Zu den Vorzügen auch dieses „Phantasm“-Teils gehört, dass er zweifellos ein ungewöhnlicher Film ist, dessen kongeniale Melange aus (alp)traumhaften Bildern, einem einprägsamen Score und dieser eigenartigen Coscarelli-Stimmung, die alles irreal und irgend beiläufig erscheinen lässt. Doch die immerwährende Wiederholung macht auch dem Besondersten irgendwann den Garaus. Den ersten und mit Abstrichten auch noch den zweiten Teil finde ich fantastisch, im Text zum letzten Teil habe ich mir noch gewünscht, dass die Reihe niemals vorbei geht. Beim vierten Teil ist das nicht mehr der Fall. Ich fühle mich ein wenig wie die Figuren, die stets aufs neue in ähnliche (Traum-)Situationen kommen, ohne dass es sie noch wirklich zu interessieren scheint, so als hätten sie die Hoffnung ohnehin schon aufgegeben, jemals wieder zu erwachen. Ob da mal wieder eine Nebenfigur vom Bösen besessen ist oder hinter der nächsten Ecke ein Killerzwerg lauert, ist auf eine Weise egal, die sich einerseits fast schon – positiv gesagt – beruhigend vertraut anfühlt, die andererseits irgendwie nicht so kompatibel mit dem Horrorgenre ist. Man fühlt sich wohl in „Phantasm IV: Oblivion“ – so wohl wie man sich in einem gut bekannten Alptraum nur fühlen kann.

Aufwachen, endlich mal richtig Aufwachen wäre nach der gefühlten Ewigkeit, die die Figuren das Böse und mich diese Reihe begleitet hat, deswegen auch nicht schlecht – auch auf die Gefahr hin, dass der Traum, der schon so oft geträumt wurde, verblasst, wie ein Traum mit geöffneten Augen nun mal verblasst. Ich nehme dieses, 20-jährige Klassentreffen gerne noch mit und behalte gute und schlechte Dinge dieses melancholischen, ein wenig enttäuschenden aber trotz allem auch irgendwie freudigen Wiedersehens ehrerbietig in Erinnerung. Zum nächsten Treffen – „Phantasm: Ravager“ (2016) – werde ich allerdings voraussichtlich nicht mehr erscheinen. Sonst schreibe ich nachher noch zum fünften Mal den gleichen Text.

Bild © Anchor Bay

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Noah (Darren Aronofsky, USA 2014)

Posted by – 27. Dezember 2015

noahWas muss ein Film über Noah, seine Arche und die Sintflut, welche alle Menschen vom Angesicht der Erde tilgt, leisten, um ein guter Film zu werden? Naja, episch könnte er zum Beispiel sein und die Katastrophe mit moderner CGI- und Tricktechnik besonders eindrucksvoll zeigen. Oder er könnte uns etwas Interessantes über Noah und seine Familie erzählen. Es ging doch bestimmt nicht ohne Konflikte ab, mit seinen Liebsten auf einem großen Holzschiff gefangen zu sein. Nicht zuletzt könnte der Film natürlich auch eine interessante Interpretation des Bibeltextes bieten, die eine für heutige Zeit relevante Sicht auf die Dinge liefert. Nichts davon klappt.

Dabei hat sich Darren Aronofsky wahrscheinlich all das vorgenommen, als er sich entschied, die französische Comicbuch-Serie „Noé“ zu verfilmen. Man merkt schon, dass er etwas sagen wollte zu dem Mann, der das Leben auf der Erde vor dem Aussterben rettete, indem er je einen männlichen und weiblichen Vertreter jeder Spezies auf seine Arche mitnahm, seine Beweggründe, seine Familie, die inneren und äußeren Konflikte. Allein – das ist alles schon schrecklich platt und naiv und darüber hinaus auch noch schlecht gespielt, dass es wahrlich keine Freude ist, Aronofskys Noah-Vision beizuwohnen. Noahs Handeln ist einerseits biografisch motiviert – sein Vater wurde erschlagen, deswegen hat Noah (Russell Crowe) seit jeher keine allzu hohe Meinung von den Menschen – andererseits hat er eine Vorahnung einer großen Flut und nach dem Motto „viel hilft viel“ lässt Aronofsky ihn um ihn herum auch noch ein paar entsprechende Wunder erleben. Wer da nicht anfängt, eine Arche zu bauen, hat echt den Schuss nicht gehört. Interessanter könnte es werden, was seine familiäre Situation angeht – schließlich können nicht er und seine Frau Naameh (Jennifer Conelley) allein für den ganzen Nachwuchs nach der Sintflut sorgen. Zum Glück sind da noch seine Söhne Ham (Logan Lerman), Sem (Douglas Booth) und Jafet (Leo McHugh Carroll). Doch die Frau namens Ila (Emma Watson), die für Ham am Wegesrand liegt, ist leider unfruchtbar und für die anderen beiden Söhne gibt es gar niemanden. Das macht Sem so unfroh, dass er schließlich sogar mit dem Feind Tubal-Kain (Ray Winstone) kooperiert, um seinen Vater Noah umzubringen.

Spannend wird der Film aus diesem Konflikt resultierend kurz mal nach der digitalen Sintflut – und zwar auf der Arche. Denn da offenbart sich Noah als Fanatiker, der das Kind der durch ein Wunder gebärfähig gewordenen Ila umbringen will, weil – egal – jedenfalls kann man den zornigen Ham und den um Frau und Kind früchtenden Sem gut verstehen, dass sie ihren Papa aus dem Weg schaffen wollen. Schade, dass die Frauen, Ila und Naameh hier so passiv bleiben – Noahs Frau sagt zwar, dass sie ihm das alles nicht verzeihen wird und auch die schwangere Ila äußert ihre Unzufriedenheit mit der Situation, im Großen und Ganzen machen die beiden dem Captain der Arche sein Recht, auf seinem Schiff umzubringen wen er für richtig hält, nicht streitig. Hier für ein wenig mehr charakterliche Tiefe bei den weiblichen Figuren zu sorgen, ist ein Potenzial, das Aronofsky leider nicht einmal annähernd ausschöpft.

Und so ist auch alles Weitere, das mir zu „Noah“ einfällt, irgendwie nichts Gutes. Eine interessante neue Sicht auf die Bibelgeschichte hat sich mir nicht eröffnet, die Figuren wirken platt, die Schauspieler von der Regie alleine gelassen. Die Effekte sind mäßig und der digitale Look sorgt zumindest bei mir dafür, dass sich alles ziemlich unecht anfühlt. Zugute halten kann man dem Film vielleicht noch, dass er irgendwie auch mutig ist. Man hat das Gefühl, Aronofsky tut hier das, was er tun will – ohne Rücksicht auf Verluste. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, ich hätte diese Mischung aus Bibel- und Katastrophenfilm und „Der Herr der Ringe“ lieber von Roland Emmerich oder zur Not sogar von Michael Bay gesehen. (Oh je, das klingt jetzt ganz schön schlimm.)

Bild © Paramount

She (Avi Nesher, Italien 1982)

Posted by – 22. August 2015

sheIn diesem Blog verfolge ich ja durch Zeitknappheit erzwungener Maßen weniger den Anspruch, zu allem, was ich sehe, etwas zu schreiben. Es ist eher der Versuch, durch die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden mich den Filmen meines Lebens, also denen, die mich besonders beeindruckt und beeinflusst haben, durchs anzunähern und mir meine Einstellung zu ihnen klarer zu machen. Ein Film, der da auf keinen Fall fehlen darf ist „She“ von Avi Nesher. Den habe ich irgendwann in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre ein einziges Mal gesehen. Seitdem verfolgt er mich. Vor ein paar Tagen gab es – fast 30 Jahre später – nun endlich ein Wiedersehen.

Nach dem Atomkrieg ist die Welt eine andere. Zauberer, Monster und verstrahlte Typen lauern quasi überall. Tom (David Goss), seine Schwester und ihr Kumpel Dick (Harrison Muller jr.) kommen in ein Dorf, um Handel zu treiben. Bei einem Überfall auf den Basar wird Toms Schwester entführt, er selbst und Dick geraten kurze Zeit später Gefangenschaft der Herrscherin She (Sandahl Bergman). Doch sie können sich befreien, können She überrumpeln, machen sich mit ihr als Geisel auf die Flucht – und stolpern von einem Abenteuer ins nächste.

„Abenteuer“ – das Wort klingt eigentlich viel zu unschuldig für das, was die Gruppe in den folgenden 90 Minuten erlebt. Eine bizarrere Begegnung jagt hier die nächste. Warum ich „She“ so mag? Weil er spannend ist und witzig, gruselig bisweilen und weil er überrascht, weil hier Einfälle nebeneinander existierten, die man sonst nie zusammen sieht, weil die Melange von einer seltsam sympathischen Unbekümmertheit gekennzeichnet ist, so dass zumindest ich mich dem Charme des Films auch diesmal nicht entziehen konnte. Ich zähle die Einfälle nicht auf, um allen, die den Film noch nicht gesehen haben, die Überraschung nicht zu verderben. Nur eine Szene muss ich kurz vorstellen, weil es nämlich die ist, die ich vor allen anderen über die Jahre nicht aus dem Kopf bekommen habe und die auch bei diesem Sehen den stärksten Eindruck bei mir hinterlassen hat: Die Brücken-Szene. Da überquert Tom eine ebensolche und begegnet dabei einem Mann (David Traylor), der wie eine Mischung aus Soldat und Seemann angezogen ist. Er tänzelt um Tom herum, imitiert Groucho Marx, Popeye u.a., erschafft eigene Charaktere. Dass er sich, wenn man ihm einen Arm, Bein oder Kopf abtrennt, multipliziert, so dass Tom es bald mit einer ganzen Horde des Brückenwächters zu tun hat, macht dieses Wesen, das einer besonders bösen Folge „Monty Python’s Flying Circus“ entsprungen sein könnte, noch unheimlicher. Dieser Clown ist der Stoff, aus dem meine Alpträume sind.

Ein wenig schade ist, dass Avi Nesher, der im Detail so kreativ zu Werke geht, die Geschichte nicht nur sehr konventionell, sondern sogar leider auch ziemlich monoton vorträgt. Ich kann selbst nicht genau sagen, was ich mir gewünscht hätte, aber wäre ein wenig Irrsinn, den Nesher in den Reiseetappen findet, auch in den Film als solchem geflossen, hätte er mir wohl möglich noch besser gefallen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, auch so ist „She“ ein Film, wie man ihn, wenn überhaupt, zumindest nicht alle Tage zu sehen bekommt. Sein Trash-Appeal ist noch sein kleinster Vorzug, mich fasziniert mehr, wie Nesher hier unterschiedlichste Lebensformen, die sich nach der Apokalypse entwickelt haben, skizziert. Das tut er nicht nur fantasievoll, sondern auch mit Verstand. Denn letztlich weist er durch das Kuriositätenkabinett seines Films auch auf die Kontingenz und Sonderbarkeit unseres eigene Lebens. Leider ist „She“ der einzige Film, den ich von dem israelischen Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent kenne, so dass ich nicht wirklich ein Gefühl für seine Arbeit habe. Aber wenn die anderen ähnlich eigen sind, muss ich die unbedingt auch bald mal sehen.

In einem kleinen Interview mit Christian von Moviroyal habe ich schon mal erzählt, dass ich eigentlich nicht sammle. Ich habe lediglich zwei Billy-Regale, mehr will ich nicht. Das führt dazu, dass, wenn ein neuer Film dazu kommt, ein alter weg muss. Aus diesem Grund verschenke ich unter der Rubrik „Alles muss raus“ auch gelegentlich DVDs. Insofern evolutioniert mein Filmregal seit ein paar Jahren vor sich hin. Filme die ich behalte, sind solche, dir mir irgendwie wichtig sind oder mal waren, die Filme meines Lebens sozusagen. Durch „She“ von Avi Nesher ist mein Filmregal auf eine neue evolutionäre Stufe gerückt.

Bild © Pegasus

Big Trouble In Little China (John Carpenter, USA 1986)

Posted by – 30. Juli 2015

big troubleDer Trucker Jack Burton (Kurt Russell) hilft seinem Freund Wang Chi (Dennis Dun) seine Verlobte aus den Klauen von Lo Pan, einem uralten chinesischen Magier (James Hong) und seinen Schergen zu befreien. Unterstützt werden die beiden von dem Touristen-Führer Egg Shen (Victor Wong) und der Anwältin Grace Law (Kim Cattrall).

Mit „Big Trouble In Little China“ verbinde ich viel. Ich sah ihn das erste Mal zu einer Zeit, in der sich seine wahnwitzigen Ideen wie Lichtblitze in mein junges Hirn brannten und die Synapsen neu verschalteten. Im zarten Teenager-Alter habe ich ihn das erste Mal gesehen, und es ist nicht übertrieben zu sagen – nach diesem verrückten Action-Fantasy-Spukfilm mit Hongkong-Flair war ich ein anderer. Seitdem habe ich aber nicht nur ein Faible für große Strohhüte. Ich war damals sehr empfänglich für Geschichten, die zeigen, dass neben unserer sichtbaren noch eine andere, uns verborgene Welt existiert. John Carpenters Film spielt in San Franciscos Stadtteil China-Town. Doch: Einmal falsch abgebogen, finden sich Jack und Wang gleich inmitten eines Straßenkampfs zwischen zwei rivalisierenden Gangs wieder, bei dem auch die „3 Stürme“ – die Magier Regen, Donner und Blitz – und schließlich sogar Lo Pan mitmischen. Dies ist Jacks erste Begegnung mit dem Übersinnlichen, dabei bleibt es jedoch selbstverständlich nicht. Im Folgenden gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich hinter jeder Ecke und Tür eine bewusstseinserweiternde Überraschung auf die Helden wartet, und das war, wie gesagt eine Idee, die ich damals wie heute sehr mochte – das überall Geheimnisse und Überraschungen lauern. Und apropos Held: Kurt Russels Jack Burton ist ein wirklich interessanter Vertreter dieser Gattung, ein nicht gerade überkomplex gestrickter Charakter, aber ein Kumpel-Typ, einer, mit dem man Pferde bzw. entführte grünäugige Ladys (zurück-)stehlen kann. Neben der Non-Stop-Action und dem Ideenfeuerwerk ist es wahrscheinlich diese charmante Figur, die mir den Film, der so ehrlich und unbedarft ist wie sein Protagonist, so ans Herz hat wachsen lassen.

Bei aller Liebe zu dem Film gehören dazu auch noch ein paar melancholische Worte. Ich habe „Big Trouble In Little China“ in den letzten Jahrzehnten oft gesehen, doch spätestens mit der Begegnung vor ein paar Tagen muss ich leider feststellen, dass der Film – trotz aller Begeisterung, die ich oben geschrieben habe durchblicken lassen – seine Wirkung nicht mehr annähernd in dem Maße entfaltet wie früher. Ich gebe zu, diesmal habe ich ihn unter unvorteilhaften Bedingungen gesehen, gestückelt, in drei Anläufen, weil ich immer so müde war. Die letzte Etappe war die zermürbendste auf dem Fernseher meiner Eltern. Wir brauchten ca. eine Stunde, um eine DVD zum Laufen zu bringen und sind bis zum Schluss der Einstellung des komplizierten Soundsystems nicht Herr geworden. Das macht wahrscheinlich nur einen kleinen Teil des empfundenen Qualitätsverlusts aus. Vielleicht ist es die Übersättigung an Attraktionen, vielleicht lege ich heute einfach auf andere Dinge Wert als damals. Mit dem Film verhält es sich ein wenig so wie mit dem Jahrmarkt, den ich heutzutage auch nicht mehr mit der gleichen Faszination erleben kann wie als Kind. Das Gefühl ist einfach anders.

Wir hatten schöne Zeiten zusammen, aber jetzt behalte ich dich lieber in guter Erinnerung, anstatt mir durch die Wirklichkeit etwas anderes einreden zu lassen. Und während du, oh „Big Trouble In Little China“, dich auf dem festen Platz in meinem Herzen ein wenig ausruhen und neue Kraft schöpfen darfst, schaue ich mir ein paar der Filme an, die ich noch nicht so oft gesehen habe.

Bild © Twentieth Century Fox

Memoirs Of An Invisible Man (John Carpenter, USA 1992)

Posted by – 17. Juli 2015

Jagd auf einen UnsichtbarenWer würde nicht gerne einmal Mäuschen spielen und sich, ohne bemerkt zu werden, an Orten aufhalten, zu denen man sonst keinen Zugang hat? Wer wäre nicht gerne einmal unsichtbar? Bestimmt die meisten. Was man sich allerdings selten klar macht, ist, welche Einschränkungen dieser vermeintliche Zustand absoluter Freiheit mit sich bringt. Nicht gesehen zu werden heißt nämlich vor allem eins – unendlich allein zu sein. Wie in John Carpenters „Memoirs Of An Invisible Man“. Da macht der lebefreudige Geschäftsmann Nick Halloway (Chevy Chase) während einer Tagung in einem Forschungszentrum ein Nickerchen. Durch einen Unfall im Labor wird ein Teil des Gebäudes sowie er selbst unsichtbar. Ehe er sich versieht ist ihm eine Spezialeinheit der C.I.A. unter der Führung des skrupellosen David Jenkins (Sam Neill) auf den Fersen. Sie wollen sich die Fähigkeiten des Unsichtbaren zu Nutze machen.

Die folgende Stunde ist Nick auf der Flucht, und ich fühlte mich nicht nur einmal an Andrew Davis’ meisterlichen „The Fugative“ erinnert. Dessen Spannung und Dichte erreicht Carpenters Film zwar nicht, seine Stärken liegen dafür anderswo. Allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig ähnlich wie mit dem Protagonisten – es fällt mir gar nicht so leicht zu sagen, wo sie sich befinden. Ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum dieser Film so mäßige Kritiken eingefahren hat, da ich ihn als reinen Unterhaltungsfilm wie auch im Kontext von Carpenters Werk (als dessen er auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar ist) sehr schätze. Denn von den Möglichkeiten, die seine Unsichtbarkeit bieten sollte, bekommt Nick nur wenig mit. Er ist ein Gejagter, der ständig kurz davor steht, entdeckt zu werden. Er kann kaum schlafen, weil das Licht durch seine Augenlider scheint, er darf nicht essen, weil die Nahrung in seinem Magen natürlich nicht unsichtbar ist und er sich so verraten würde, er kann sich niemandem anvertrauen, weil der C.I.A. alles überwacht. Nick kann alles Sehen, aber er hat so gut wie keinen Einfluss auf die Dinge. Jede Intervention von ihm würde sofort seine Häscher auf ihn aufmerksam machen. Unsichtbar bedeutet bei Carpenter nicht frei, sondern gefangen zu sein. Wie Carpenter diesen Aspekt von Unsichtbarkeit hier herausarbeitet, finde ich besonders reizvoll.

Was nicht heißen soll, dass sich meine Sympathie diesem Film gegenüber hierin erschöpft. Von den zahlreichen Dingen, die ich an ihm mag, möchte ich vor allen noch einmal die drei Hauptdarsteller, Chevey Chase, Sam Neill und mit Einschränkung auch Daryl Hannah hervorheben, die jeder für sich wie auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Chase hatte vor, mit diesem Film ins ernstere Fach zu wechseln, doch seine „funny bones“ kann er nicht komplett verstecken. Ich finde ihn einfach super besetzt in der Rolle des gelangweilten Playboys, der sich seine Wirklichkeit Stück für Stück zurück erkämpfen muss, und der erst durch sein Verschwinden lernt, in welcher Weise er in der Welt sein will. Neills Figur ist der perfekte Antagonist für diesen passiven Helden, sein David Jenkins ist ebenso clever wie skrupellos, gierig und omnipräsent. Er ist es gewohnt, Druck auf andere Menschen auszuüben, er drängt sie immer weiter an den Rand, bis sie sich entweder unterwerfen oder von der Klippe stürzen. Oder wie Nick, der irgendwann zum Gegenangriff bläst.

Einen kleineren Kritikpunkt hätte ich aber dennoch. Nicks furchtbare Situation, gejagt zu werden, nirgendwo hin zu können und allein zu sein, wird vielleicht ein wenig zu sehr abgemildert durch den Love Interest in Gestalt von Daryl Hannah. Die Chemie zwischen ihrer Figur und Nick stimmt, aber mit Sicherheit wäre alles noch etwas dramatischer, wenn Nick niemanden hätte, der ihn unterstützt. Ich selbst bin unsicher, ob ich mir den Film hier anders wünsche, denn einerseits fehlt ihm so, wie er ist, die letzte Konsequenz, andererseits gefällt mir gerade die Mischung aus Tragik und Humor, Anspruch und Unterhaltung. Doch auch so, wie er ist, habe ich „Memoirs Of An Invisible Man“ unheimlich gern. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich ihn sehe, auch wenn ich es nicht bis ins Detail erklären kann.

Bildm © Euro Video

Mad Max Beyond Thunderdome (George Miller, George Ogilvie, Australien 1985)

Posted by – 10. Juni 2015

Als Max (Mel Gibson) sein Gefährt geklaut wird, sieht er sich gezwungen, die Händler-Siedlung Bartertown aufzusuchen. Dort hofft er seine alte, kamelgezogene Fahrzeugkarosse wiederzubekommen. Stattdessen gerät er mit der Möchtegern-Herrscherin Aunty Entity (Tina Turner) aneinander, mit der er aber einen Deal machen kann: Gelingt es Max, ihren Widersacher MasterBlaster (Angelo Rossitto & Paul Larson) aus dem Weg zu räumen und ihr so den Weg zur absoluten Macht über die Stadt zu ebnen, bekommt er seinen Wagen zurück.

Ich kann gut verstehen, dass der dritte Teil nicht ganz den Beliebtheitsgrad erreichen konnte wie die beiden Vorgänger. Kurzweilig ist freilich auch er. Doch was gibt es nach „Mad Max 2: The Road Warrior“ eigentlich noch zu erzählen? Jedenfalls konnte es nicht weiter bergab gehen, deswegen musste der dritte Teil wieder ein Stück zivilisierter zugehen. 15 Jahre sind seit Max‘ Auseinandersetzung mit Humungus und dessen Bande vergangen. Zwar ist das Benzin knapper denn je, doch haben sich die Menschen wieder zusammengefunden in dem Versuch, ein Stück Zivilisation zurückzubringen. In Bartertown hat man begonnen, Handel zu treiben und es sogar geschafft, ein paar rudimentäre Regeln für das Zusammenleben aufzustellen. Gibt’s Zoff, müssen die beiden Streithähne ihre Zwistigkeiten in der Donnerkuppel austragen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Konflikte klein bleiben und schnell gelöst werden. So weit, so schön. Aber vielleicht ist das für die Fans der ersten beiden Teile eben auch etwas zu schön. Klar, das Benzin ist knapp, das Wasser ist verseucht und auch mit der Zahnpflege ist es in dieser Zukunft nicht weit her. Aber es gilt eben nicht mehr nur das Recht des Stärkeren respektive Schlaueren, sondern man scheint dies- und jenseits der Donnerkuppel gewillt, etwas aufzubauen. Vom Nihilismus der Vorgänger ist jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Außerdem hat der Film (für mich fühlt er sich sogar ein wenig wie zweieinhalb Filme an) anderes als die beiden Vorgänger eine richtige Geschichte.

Wie gesagt, ich finde es nachvollziehbar, dass sich Teil 3 vielleicht etwas zu sehr nach Hollywood für den einen oder anderen nicht mehr so ganz nach „Mad Max“ anfühlt. Doch ich gebe zu bedenken, dass George Miller hier ganz folgerichtig weiterführt, was er in den beiden Vorgängern begonnen hat. Kompromisse macht er auch hier keine. Wenn die große Überschrift des drei- bzw. mittlerweile vierteiligen Anti-Evangeliums möglicherweise das Scheitern ist, so geht es in „Mad Max Beyond Thunderdome“ doch eindeutig um Visionen des Wiederaufbaus bzw. deren Dekonstruktion. Während die Materialisten von Bartertown ihr Utopia auf Schweinemist errichten (daraus gewinnen sie Energie), hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in einer Oase tief in der Wüste hausen und scheinbar einen recht nachhaltigen Lebensstil pflegen, ganz aufs Hoffen verlegt. Hoffen, dass jemand kommt und sie rettet. Hoffen, dass dieser jemand sie ins Paradies – nach Übermorgenland – bringt. Der Retter wider Willen ist natürlich mal wieder Max, der zwar weiß, dass der Garten Eden verloren ist, der den Jünglingen ihren Glauben aber nicht ausreden kann.

Irgendwie fühlt es sich für mich so an, als wäre die Reihe mit dem dritten Teil in ihre spirituelle Phase eingetreten. Anhand von zwei Gruppen stellt Miller zwei Glaubenssysteme vor, die sich in Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit und dem Untergang der Zivilisation herausgebildet haben. Wenn ich dem Film einen Vorwurf machen müsste, dann wäre das nicht, dass er nichts Neues zu erzählen hat, sondern dass er seine Ideen nicht konsequent genug weiterentwickelt. Irgendwann treffen Oasenbewohner auf Bartertownerianer zusammen, es kommt zu einer Verfolgungsjagd im Stile des zweiten Teils und dann war es das leider auch schon mit dem Film. Andererseits kann man Miller dankbar sein, dass er ganz zum Schluss zumindest insofern konsequent ist, dass der zu einfachen Denksystemen eine Absage erteilt und den Zuschauer wieder mit einer Irritation entlässt: Da sitzen die Jünglinge im ersehnten Übermorgenland, aber was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Happy End aussieht, ist in Wirklichkeit nur ein Exitus Interuptus und man darf sich durchaus fragen, ob die Idee mit dem Schweinemist nicht vielleicht doch die bessere war.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins & zwei.

Cube (Vincenzo Natali, Kanada 1997)

Posted by – 21. Mai 2015

CubeEingesperrt zu sein – das gehört wohl zu den furchtbarsten Erfahrungen überhaupt. Dass sich das klaustrophobische Gefängnis dann aber noch als bösartige Todesfalle entpuppt, macht die Sache natürlich nicht besser.

Sechs Menschen erwachen in einem Raum. Dieser hat die Form eines Kubus. Sechs Türen an jeder Seite führen in andere Räume, die dem vorherigen bis aufs Haar zu gleichen scheinen. Keiner der Verschleppten hat eine Ahnung, wie er in dieses Labyrinth geraten konnte und jeder versucht anders mit der Situation zurecht zu kommen. Ausbrecherkönig Rennes (Wayne Robson) will sich lieber alleine durchschlagen, die hochbegabte Matheschülerin Leaven (Nicole De Boer) hat einfach nur Angst, der Architekt und Zyniker Worth (David Hewlett) sitzt apathisch da und scheint keinen Überlebenswillen zu besitzen. Die Ärztin Holloway (Nicky Guadagni) sorgt sich vor allem um ihren Mitgefangenen, den Autisten Kazan (Andrew Miller). Cop Quentin (Maurice Dean WInt) will die Gruppe zusammenhalten. Der Zusammenhalt ist bitter nötig, denn bald stellen die Gefangenen fest, dass hinter jeder Tür eine Todesfalle lauern kann.

Manchmal gibt es Filmerlebnisse, die keiner so richtig mitbekommt. Vincenzo Natalis „Cube“ ist so ein Fall. Sein Film aus dem Jahre 1997 ist nicht nur ein unglaublich intensiver, schwer erträglicher klaustrophobischer Alptraum, sondern ebenso ein intellektuelles Puzzlespiel, das Sozialpessimismus mit ätzender Zivilisationskritik verbindet. Die Genialität seiner düsteren, bis ins Kleinste durchgeplanten Technologieparabel, die einst auf dem Fantasy Filmfeste für Furore sorgte, sprach sich erst nach und nach auch in größeren Kreisen herum. Mich hat er damals jedenfalls von den Socken gehauen.

Während die Protagonisten einen Moment brauchen, bis sie ihre nahezu aussichtslose Lage erkennen, weiß der Zuschauer bereits nach dem Intro, welches mörderische Potenzial das kubusartige Gefängnisses hat. Wie schlimm alles wirklich ist, dürfte damals wie heute auch die eingefleischtesten Genre-Kenner überrascht haben bzw. überraschen. Doch „Cube“ vorschnell als reinen Genrefilm abzustempeln, wird ihm nicht gerecht. Mögliche Kritikpunkte, wie das übertriebene Acting oder die teilweise artifiziell wirkenden Dialoge passen in gewisser Weise gut zu seiner theaterhaften Künstlichkeit. In mancherlei Hinsicht erinnert er an Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“, ohne ganz in dessen Beziehungs-Nihilismus zu erschöpfen. Auch hier sind die Figuren, bzw. die Chemie zwischen ihnen, der eigentlich Spengstoff. Dass der Mensch des Menschen Wolf ist, ist meiner Meinung nach trotzdem nur ein Nebenaspekt des Films. In der Schreckensformel dieses Konstrukts sind Individuen lediglich ein Teil der Gleichung. Es ist der „grenzenlose, menschliche Stumpfsinn“ für dessen Realität der Kubus ein Existenzbeweis ist.

Warum passiert das alles? Warum gibt es den Würfel und warum wurden Menschen in ihn verschleppt? Vincenzo Natalis Antwort ist gleichermaßen unbefriedigend wie einfach und bitter: Weil es möglich ist. Oder um es mit einem Zitat aus dem Film zu sagen: „Why put people in it?“ „Because it’s here. You have to use it or admit it’s pointless.“ „But IT IS pointless“ „That’s my point“.

Bild © Highlight

Seventh Son (Sergei Wladimirowitsch Bodrow, USA 2014)

Posted by – 4. März 2015

Mir fällt zur Abwechslung mal gar nichts Nettes über einen Film zu sagen ein. „Seventh Son“ ist ein seelenloses Fließband-Produkt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich auch die Stars, die an diesem Debakel mitgewirkt haben, ziemlich geärgert haben müssen, als sie den fertigen Film gesehen haben. Na gut, Jeff Bridges vielleicht nicht, der spielt ja eh nur noch Variationen der gleichen Rolle und es ist ihm anscheinend ganz egal, wo. So ein dickes Fell werden die meisten Zuschauer nicht haben. Ich zumindest war ziemlich angeödet. Für Kino-Zeit habe ich meinen Film-Frust in Worte gefasst.