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Lucy (Luc Besson, Frankreich 2014)

Posted by – 17. Februar 2015

LucyIn Filmen ist zunächst einmal alles wahr, das ist eines der vielen schönen Dinge, die es über sie zu sagen gibt. So nutzen Menschen in Luc Bessons neuem Film nur 10 Prozent ihrer Gehirnkapazität. Aber weil die amerikanische Urlauberin Lucy (Scarlett Johansson) in Taipeh als unfreiwilliger Drogen-Kurier für die brandneue Substanz CPH4 missbraucht wird und durch eine Überdosis zum Übermenschen mutiert, gilt diese Regel für sie bald nicht mehr. Schnell liegt das 10 Prozent-Limit hinter ihr. Ärgerlich nur – da bist du immerhin schon 28 Prozent deiner Gehirnkapazität und musst trotzdem noch Morgan Freeman anrufen, wenn du nicht weiter weißt. Der spielt in dem Film Hirnforscher Professor Samuel Norman und darf in einem weitestgehend parallel laufenden Handlungsstrang den Zuschauer mit pseudowissenschaftlichen Hintergrundinfos versorgen. Und einen französischen Polizisten (Amr Wakedmuss) muss sich Lucy dann auch noch anlachen, damit sie nicht zu schnell ihre Menschlichkeit verliert.

Bei 30 Prozent weiß Lucy die Kugelschreiber-Farbe ihres Telefonpartners und kann Schäferhunde mit Blicken züchtigen. Ab 40 Prozent gibts Champagner in der Economy-Class. Aber schon hier machen sich die ersten Problemchen breit. Ihr Superorganismus verliert den Zusammenhalt, sie beginnt sich aufzulösen und braucht schnell mehr von der Droge, weswegen sie den anderen Drogenkurieren nachreist. In einem Pariser Krankenhaus kommt es zum Showdown. Der Drogenbaron Mr. Jang (Choi Min-sik) und seine Schergen sind mittlerweile aufgetaucht, aber Lucy hat 80 Prozent hinter sich gelassen und bewegt sich in an „Matrix“ erinnernde „Konstrukt“-artigen Sphären, so dass ihr ein popeliger Gangster nicht mehr gefährlich werden kann. Auf Anraten von Prof. Norman ist Lucy gerade dabei, noch schnell einen Supercomputer zu konstruieren, um ihr in den letzten Stunden rasant angeschwollenes Wissen weitergeben zu können. Klappt und dann ists auch schon vorbei, und ich denke, sympathischer Trip, dieser „Lucy“. Aber ich finde auch: Besson hätte noch ein wenig mutiger dem Irrsinn huldigen können. Wir hätten dir alles geglaubt, Luc, warum die Zurückhaltung? So nutzt „Lucy“ leider nur knappe 60 Prozent seines Potenzials. In meiner Fantasie peppe ich alles deswegen ein wenig auf, indem ich mir vorstelle, der Film sei der zweite Teil einer Trilogie, bestehend aus dem ersten Teil „Vicky Christina Barcelona“, dann eben „Lucy“ und schließlich „Her“.

Bild © Universal