Tag: Gary Sinise

The Quick And The Dead (Sam Raimi, USA 1995)

Posted by 7. Juni 2015

Western sind eigentlich nicht mein Fall, aber es gibt Ausnahmen. „The Quick And The Dead“, mit dem Sam Raimi nach dem Abschluss seiner „Evil Dead“-Trilogie und seinem meisterlichen „Darkman“ zeigt, dass er auch dieses Genre zu bereichern weiß, gehört dazu. Ich habe ihn mittlerweile schon recht oft gesehen und vor ein paar Jahren auch mal eine etwas längere Kritik dazu geschrieben. Dem habe ich nach der gestrigen Sitzung nicht besonders viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich heute nicht mehr so sehe, dass der Star-gespickte Trip ingesamt zu wenig Überraschungen bieten würde. Auch wenn der grobe Fahrplan bekannt ist, bietet der Film im Detail doch Highlights en masse. Eine komplizierterer Rahmenhandlung hätte diesem gradlinigen Film bestimmt eher geschadet. Es geht um einen jährlichen Duell-Wettbewerb in einem kleinen miesen Western-Kaff, den tyrannische Bürgermeister John Herod (Gene Hackman), der das Duell regelmäßig gewinnt und eine geheimnisvolle Rächerin (Sharon Stone) die es offensichtlich auf seinen Kopf abgesehen hat. Schon zwischen dem Hauptpersonal knistert die Luft, aber es gibt etliche weitere originelle Figuren, die Raimi mit der ihm typischen Inszenierungsfreude einfallsreich gegeneinander antreten lässt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich wohl nur eine andere Hauptdarstellerin favorisiert und weiterhin vorgeschlagen, ihre genauen Motive im Dunkeln zu lassen. Aber auch ohne meine Hilfe ist „The Quick And The Dead“ ein ganz wunderbar kurzweiliger, verspielter und boshafter Western geworden, den ich mir in 20 Jahren noch nicht über gesehen habe.

Snake Eyes (Brian de Palma, 1988)

Posted by 1. Juni 2013

snake eyesDraußen: ein Herbststurm. Drinnen: Cop Rick Santoro (Nicolas Cage) wird während eines Boxkampfes in Atlantic City Zeuge eines Anschlags auf den US-Verteidigungsminister. Santoros Freund, Kevin Dunne (Gary Sinise), ein Mitarbeiter des Ministers, erschießt den Mörder, einen mutmaßlichen arabischen Terroristen. Doch was ist genau geschehen? Je tiefer Santoro gräbt, desto weniger scheint alles zusammenzupassen.

Der Film beginnt mit einer knapp 13-minütigen Plan-Sequenz, die Santoro durch die Halle folgt. Schnell wird klar: Auch der Cop hat Dreck am Stecken, er ist bis über beide Ohren korrupt und ein manischer Spieler obendrein. Die Welt, in der Santoro wandelt ist ebenfalls schmutzig und durch und durch kaputt. Am Anfang lässt Santoro noch verlauten, dass es genau seine Welt ist und er sich darin pudelwohl fühlt.  Das bringt die von Nicolas Cage gespielte Figur so überzeugend vor, dass der Zuschauer geneigt ist, es ihm sofort zu glauben. Doch seine Nachforschungen sind ein Stich ins Wespennest. Je mehr er über die wahren Hintergründe des Attentats herausfindet, desto weniger glücklich ist Santoro damit, Teil dieses korrupten, verdorbenen Systems zu sein.

So wie sich die Ereignisse für den Antihelden im Verlauf der Untersuchungen in immer neuem Licht präsentieren, wird „Snake Eyes“ auch für den Zuschauer zu einem spannenden und im besten Fall sehr verwirrenden Erlebnis. Nicht nur die Figuren streifen ihre Identitäten ab wie es ihnen gefällt – auch der Film als solcher weigert sich den Regeln zu gehorchen, die man von ihm erwartet. Der filmische Raum bricht auf, wird zur Kulisse und entlarvt die Bilder als Illusion. Das, was im Film eigentlich wahr sein sollte, sind nur noch die Geschichten der Figuren, die durch jede darauf folgende Szene relativiert werden können.

Der Showdown scheint im Vergleich zum restlichen Film etwas abzufallen. Besonders wohl scheint sich Santoro in seiner alten Haut doch nicht gefühlt zu haben. Jedenfalls schmeißt er alles hin – und beginnt ein neues Leben. Der Bösewicht erkennt, dass er gescheitert ist und beendet seines. Abermals bricht der filmische Raum auf. Draußen: kein Herbststurm, sondern ein heftiger Hurrikan. Doch der Sünder hat Buße getan. Und bald scheint wieder die Sonne. Das ist schön.

 Bild © Touchstone