Tag: Gesellschaftskritik

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

Posted by – 18. November 2015

Durch meine letzten Texte „The Hunger Games“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3.1) dürfte klar geworden sein, dass ich ein großer Verehrer der Reihe bin. Die Bücher haben mir sehr gut gefallen, die Filme finde ich sogar noch besser. Nun bin ich ein wenig erleichtert, dass sich daran auch durch den letzten Film nichts ändert, gab es doch beim Vorgänger ein Indiz, dass es das große Filme vielleicht an der nötigen Konsequenz missen lassen würde. Doch jetzt bin ich beruhigt, Francis Lawrence bringt die Adaption zu einem würdigen Abschluss und zeigt, dass Blockbuster und Anspruch ebenso wenig ein Widerspruch sind wie ein Kino für jugendliche Zuschauer, das gleichzeitig auch Erwachsene herausfordern kann. Der starke „The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ komplettiert die Reihe, die ich als Ganzes nun ohne Zögern als Meisterwerk bezeichne. Meine ausführliche Kritik gibt es wie stets auf Kino-Zeit.

They Live (John Carpenter, USA 1988)

Posted by – 16. August 2015

they live„So ein Humbug“, sagt mein Vater nach dem Film, und meine Mutter: „Bist du nicht langsam zu alt für sowas?“ Ich fühle mich geehrt, dass mir ein so exklusiver Geschmack bescheinigt wird. Aber ich wundere mich auch: Wie können meine Eltern nicht erkennen, was für einen fantastischen Film sie mit John Carpenters „They Live“ vor sich haben?

Auf der Suche nach Arbeit kommt John Nada (Roddy Piper) nach Los Angeles und heuert dort auf dem Bau an. Mehr oder weniger zufällig fällt ihm ein Karton mit Sonnenbrillen in die Hände. John traut seinen Augen nicht – der Blick durch die Brille offenbart, wie die Welt wirklich ist: Die Erde ist von Außerirdischen infiltriert, die alle Menschen mit unterbewussten Botschaften beeinflussen. Zusammen mit seinem Kumpel Frank (Keith David) sagt er den Besetzern den Kampf an. Wobei der Ausdruck „Kumpel“ der Geschichte vorgreift. Ehe John und Frank an einem Strang ziehen und den Außerirdischen entgegentreten, muss John seinen Kollegen zunächst einmal von seiner Entdeckung überzeugen, was in eine der längsten Prügelszenen der Filmgeschichte kulminiert. „Put the glasses on! Put ‚em on!“. Bäng. Zosch. Krawumm.

Humbug ist das aus einem bestimmten Blickwinkel natürlich schon. Da prügeln sich zwei, weil der eine will, dass der andere eine Brille aufsetzt, das ist schon was anderes, als man sonntäglich beim Tatort zu sehen bekommt. Und ich kann meinen Eltern eigentlich auch nicht vorwerfen, dass sie von „They Live“ nicht so fasziniert sind wie ich heute. Denn ehrlich gesagt hatte ich diesen Carpenter-Film auch nicht in bester Erinnerung, ich habe ihn erst jetzt wirklich ins Herz geschlossen. Denn Humbug in dem Sinne, dass hier Bedeutung vorgegeben wird, die tatsächlich aber nur Schwindel ist – das ist der Film mit Sicherheit nicht, das ist mir diesmal klar geworden. Es geht um eine fremde Macht, die die Menschen über die wahre Beschaffenheit der Welt im Unklaren lässt. Willensfreiheit ist in diesem Szenario eine Illusion. Die Menschen werden durch unbewusste Signale gesteuert und dazu animiert, zu gehorchen und zu konsumieren. Ich will hier nicht den Gesellschaftskritiker raushängen lassen, aber ganz anders geht es in der Welt ja wirklich nicht zu. Im Kapitalismus muss der Mensch zum Kaufen animiert werden – um jeden Preis. Wir sind schon so erzogen, aber auch die allgegenwärtige Werbung macht uns jeden Tag klar: der Mensch ist ein Mängelwesen, doch er kann diesem Mangel durch Konsum entgegenwirken. Und selbst für diejenigen, die aus dem System ausbrechen wollen, gibt es noch das passende Selbsthilfebuch oder den Yogakurs im Angebot. Doch mit der Selbstverwirklichung verhält es sich wie mit dem Esel und der Karotte, natürlich ist sie nicht erreichbar, ständig fehlt noch ein weiterer Konsumartikel zum letzten Glück.

Da hat es der Widerstand im Film natürlich ein wenig leichter: Brille auf – und schon lässt sich die Illusion als solche entlarven. Man merkt schon daran, wie genial Carpenters Drehbuch ist, dass es Menschen gibt, die den Film als Humbug bezeichnen. In plakativen und eindringlichen Bildern wird hier die moderne westliche Gesellschaft aufs Korn genommen, aber aller Einfachheit zum Trotz ist es gar nicht so leicht, die Ähnlichkeit zwischen Fiktion und Wirklichkeit klar zu erkennen – so umfassend ist die Gehirnwäsche, der die meisten von uns seit Beginn ihres Lebens ausgesetzt sind. Ehe ich zu verschwörungstheortetisch klinge, möchte ich einfach noch einmal betonen, was für einen großen Spaß dieser Film macht, wenn man ihn mit der richtigen Einstellung anguckt. Humbug im Sinne von Quatsch mit Soße ist er nämlich auch. Man merkt allen Beteiligten ihren Spaß an, den sie während des Drehs hatten. Allen voran Roderick George Toombs, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Roddy Piper, was mich zum Schluss noch zu einem traurigen Anlass bringt. Piper ist ist am 1. August 2015, einen Tag nachdem ich mir „They Live“ angesehen habe, gestorben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich weder ein besonderes Interesse am Wrestling noch bewusst andere Filme mit Piper gesehen habe, geht mir sein Tod nahe. Piper hat in Carpenters Film eine unheimlich sympathische Ausstrahlung und nicht zuletzt ist er der Grund dafür, warum „They Live“ so ein feiner Film geworden ist. Oder mit John Nadas Worten: „I have come here to chew bubblegum and kick ass… and I’m all out of bubblegum.“ Oh ja, das ist ihm gelungen! Die außerirdischen Invasoren haben hier den Arschtritt ihres Lebens bekommen. Außerhalb des Films verhält sich alles leider etwas komplizierter. Wir haben keine Brille, die uns dabei hilft, die Welt zu erkennen, wie sie wirklich ist.

Bild © Optimum

Nightcrawler (Dan Gilroy, USA 2014)

Posted by – 1. April 2015

nightcrawlerJake Gyllenhaal… – ach nein, ich fange anders an: Dass Journalismus und die Sensationen, über die er berichtet, gemeinsam ein System bilden, in dem nicht einfach das eine ein Resultat des anderen ist, sondern dass die Zusammenhänge komplexer sind, weiß man nicht erst seit gestern. Trotzdem sind die Ausprägungen der Verflechtungen – vielleicht durch die neuen Medien, vielleicht durch den mentalen Wandel – heute weit stärker als noch vor 20 oder 30 Jahren. Vom Katastrophen- und Sensationsjournalismus und dem Wettrennen um mediale Aufmerksamkeit handelt Dan Gilroys Regiedebüt „Nightcrawler“. Oder besser gesagt um einen Soziopathen, der gleichzeitig Produkt wie Motor und Inovator dieser schönen neuen Medienwelt ist.

Gyllenhaal, Jake, spielt Louis Bloom, diesen Mann, der nur auf den ersten Blick unbeholfen wirkt, in Wirklichkeit aber, wie er selber sagt, ein „schneller Lerner“ ist – und dabei völlig ohne Skrupel. Das Credo des American Dream, den Willen zum Erfolg, hat er in sich aufgesogen und verinnerlicht, Werte des Zusammenlebens sind allerdings nur noch Variablen in seinem zweckrationalen Kalkül. Bloom arbeitet sich hoch, der Zuschauer verfolgt seine anfangs noch linkischen Versuche, zunächst überhaupt einen Job zu bekommen und sich dann als freier Journalist einen Namen zu machen, mit wachsendem Unwohlsein. Dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt, das wird schnell klar. Wie weit er für seine selbstgesteckten Ziele zu gehen bereit ist, das offenbart sich erst im Laufe dieses Thrillers.

Gyllenhaal ist das absolute, unhintergehbare Zentrum des Films, der Faktor, der dieses ambitionierte Stück Film zu einer besonderen Erfahrung macht. Seine Figur ist zweifellos ein Produkt der Leistungsgesellschaft, vgl. „Whiplash“, und beispielhaft eine Kreatur des amerikanischen Traums bzw. Albtraums in seiner schlimmsten Ausprägung. Schon zuletzt in „Prisoners“ hat Gyllenhaal mehr noch als alle anderen Darsteller einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach „Nightcrawler“ drängen sich Vergleiche mit Robert de Niro, der in „Taxi Driver“, „Raging Bull“ oder „Cape Fear“ unvergessliche Charaktere schuf, förmlich auf. Es ist wohl nicht übertrieben, zu sagen: Gyllenhaal ist derzeit einer der interessantesten Hollywoodstars. Und für mich der wichtigste Grund, warum ich „Nightcrawler“ sehr gerne gesehen habe.

Dass der Film als Ganzes bei mir etwas weniger Eindruck gemacht hat als dem medialen Echo zufolge bei einigen anderen, mag daran liegen, dass ich ihn für meinen Geschmack als etwas zu ausformuliert und damit teilweise redundant empfunden habe. Schon der Anfang, der zusätzliche Informationen über seine Hauptfigur liefert, wäre meines Erachtens nicht nötig gewesen. Und auch das Grundthema, die Kritik am Sensationsjournalismus und die Analyse, wie er sich im Wechselspiel mit Charakteren wie Bloom herausbildet, ist nicht schlecht, aber doch irgendwie recht offensichtlich und ein wenig formelhaft umgesetzt. Das führt zu Abzügen in der B-Note und dazu, dass mir „Nightcrawler“ insgesamt etwas weniger gefallen hat, als der bereits erwähnte, wunderbar ambivalente „Whiplash“. Nichtsdestotrotz, ein feiner Film und wie gesagt: Gyllenhaal.

Bild © Concorde Filmverleih

The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Francis Lawrence, USA 2014)

Posted by – 19. November 2014

Wie man hier und hier nachlesen kann, gefallen mir die ersten beiden Teile der „The Hunger Games“-Filme richtig gut. Nach Teil 3 bin ich sogar soweit zu sagen: Hier kommt etwas ganz Großes auf uns zu, etwas, das vielleicht irgendwann in einer Reihe mit Jahrhundert-Trilogien wie „Star Wars“, „The Godfather“, „Spider-Man“ oder „Lord Of The Rings“ genannt werden wird. Das klingt übertrieben? Lasst uns in 10 oder 20 Jahren noch einmal darüber sprechen! „The Hunger Games: Mockingjay – Part 1“ ist eine überragende, in fast allen Belangen konsequente Fortsetzung, die ihre Kraft in der Tradition von Werken wie Orwells „1984“ ganz aus ihrer dystopische Substanz und der damit verbundenen Tragik der persönlichen Schicksale schöpft. Weitere Gründe, warum mir der Film so gut gefallen hat, wie auch einen Kritikpunkt, verrate ich auf Kino-Zeit.

RoboCop (José Padilha, USA 2014)

Posted by – 6. Februar 2014

Paul Verhoevens „RoboCop“ aus dem Jahre 1987 ist ein Klassiker. Wie sehr er mir gefällt, habe ich hier schon einmal aufgeschrieben. Das Remake, für das nach Darren Aronofskys Ausstieg und viel hin und her schließlich immerhin noch José Padilha („Tropa de Elite“) gewonnen werden konnte, hinterlässt mich mit zwiespältigen Gefühlen. Zwar habe ich rein visuell wenig zu beanstanden, im Gegenteil, Padilha sind ein paar grandiose Momente gelungen. Von der galligen Grundsatzkritik des Originals ist allerdings nicht besonders viel übrig. Das Remake, das sich eher an Superhelden-Kino à la „Iron Man“ orientiert, kommt mir ein wenig vor, wie die helle, optimistische Version des Verhoeven-Films. Mit Technik und einem rechtschaffenden Helden lassen sich – so der Tenor des Films – eben alle Probleme lösen. Hier meine ausführliche Kritik.

V For Vendetta (James McTeigue, USA / GB / Deutschland 2006)

Posted by – 4. Januar 2014

v for vendettaWie stürzt man ein Terrorregime? Indem man das Regierungsgebäude in die Luft jagt!

Acht Jahre sind vergangen, seit ich James McTeigues gleichnamige Verfilmung der Graphic Novel „V For Vendetta“ im Kino gesehen habe. Gestern habe ich den Film zum zweiten Mal angeschaut und muss fesstellen, dass sich, verglichen mit meinem ersten Eindruck 2006, nicht viel verändert hat: „V For Vendetta“ hat neben einiger nicht zu leugnender Stärken (mindestens) ein gravierendes Problem.

Irgendwann im 21. Jahrhundert ist Großbritannien eine Diktatur, regiert von Großkanzler Adam Sutler (John Hurt) mit eiserner Hand.Doch dann regt sich Widerstand: Ein Mann, der sein Gesicht hinter einer Guy-Fawkes-Maske versteckt und sich V nennt, jagt Londons Old Bailey in die Luft. Die junge Evey (Natalie Portman), die von V vor einer Vergewaltigung gerettet wird, wird zur Komplizin des geheimnisvollen Maskierten.

Zunächst zum Positiven: McTeigues hat seinen Film nach dem Drehbuch des Matrix-Geschwisterpaars Andy & Lana Wachowski durchaus ordentlich inszeniert, es gibt – bis auf die plakative NS-Symbolik – ein zurückhaltendes, dennoch sehr stimmiges visuelles Konzept und auch sonst ist alles meist eher dezent als voll auf die Zwölf. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das für mich größte Pfund des Films ist ein absolut hervorragender Hugo Weaving als V, der maskenbedingt allein durch seine Bewegungen und Stimme überzeugt. James Purefoy, der eigentlich für die Rolle vorgesehen war, sprang wegen künstlerischer Differenzen ab – nach diversen Quellen wollte er nicht den ganzen Film über die Maske tragen (was er selbst allerdings bestreitet). Ein paar Purefoy-Szenen sind noch im Film, welche das sind, konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden. Wahrscheinlich ist das auch gar nicht weiter relevant, da nach Produzent Joe Silver noch etliche weitere Darsteller V spielten. Jedenfalls glaube ich, dass Weavings Statur, die Art sich zu bewegen und vor allem seine Stimme, dem Ergebnis sehr zugutegekommen ist.

Aber Highlights hin oder her – für mich funktioniert der Film nicht. Das liegt vor allem an der Zeichnung des totalitären Regimes. „V For Vendetta“ hat einfach keine dystopische Wucht. Beispielhaft kann man die Schwächen an der Figur des Großkanzlers Adam Sutler festmachen, der in überlebensgroßen Projektionen wutpredigt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich John Hurt das letzte Mal mit so wenig Charisma habe agieren sehen. Doch Schuld sind vor allem die Sätze, die ihm die Wachowskis in den Mund gelegt haben. Aufdringlicher und plakativer geht es nicht. Doch nicht nur Sutler, auch sein ganzes Terrorregime, dessen Struktur und Mechanismen, bleiben blass und nebulös. Der Zuschauer erfährt nur, dass die Medien unter der Kontrolle der Regierung stehen, eine Kontrolle, die ein einzelner Showmaster allerdings spielend umgehen kann und hinterher nicht einmal mit Konsequenzen rechnet sowie, dass es eine geheime Staatspolizei gibt, deren Mitglieder Fingermen genannt werden und die Ausgangssperre kontrollieren. Als Evey in einer Szene zwei Vertretern dieser Spezies begegnet, agieren sie jedenfalls wie zwei gewöhnliche Verbrecher, ohne dass an dieser Stelle wirklich klar wird, dass sie für das System stehen.

Aber nicht nur die dunkle Seite der Medaille hat keinen Glanz, keine Finesse und Überzeugungskraft. Auch die vermeintlich gute Seite ist zu grob geschnitten, um Lust zu machen, sich ernsthaft mit ihrer Position auseinanderzusetzen. Dem namenlosen Helden ist durch das Terrorregime Unrecht widerfahren. Deswegen beschließt er, sich zu rächen. Wofür genau er kämpft, bleibt unklar. Der Mann kann schön reden (Sätze mit vielen Vs¹), doch hat er wirklich eine gestalterische Vision? Das lässt die Wahl seiner Methoden besonders zweifelhaft erscheinen: Systematisch rächt er sich an seinen Peinigern. Den Tod Unschuldiger nimmt er billigend in Kauf. Evey foltert er, um sie „zu befreien“. Einem Film, der das Wort „Vendetta“ im Titel trägt, vorzuwerfen, er sei nur ein Rachefilm, klingt etwas seltsam, doch ich glaube, ohne die Vorlage zu kennen, dass Alan Moores Graphic Novel mehr sein wollte.

Ein wenig erinnert „V For Vendetta“ an Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie, wenn man einmal davon absieht, dass Batman im Gegensatz zu V das Töten seiner Gegner strickt ablehnt: Auch dort geht es um eine Idee. Doch während bei Nolan die Revolution ihr Gesicht in einem Helden findet, sind es bei McTeigues Film bzw. Moores Comics die Massen: Es ist nicht wichtig, wer V ist. Jeder kann die Maske tragen. Die Idee lebt in jedem einzelnen. Das Finale zeigt ein Volk, das in Massen auf die Straße geht ­– visuell sehr eindrucksvoll. Dass es zum Schluss zu den Fawkes-Masken greift und den Aufstand probt, zeigt aber nur einmal mehr, dass McTeigue mir die Welt des Films nicht glaubhaft machen kann. Entweder hat hier niemand wirklich Angst vor den Repressionen des Regimes, oder die Angst ist da, aber die Wachowskis haben vergessen, dem Drehbuch ein paar Szenen zu spendieren, die diesen Aufmarsch glaubhaft machen. Und dass man ein Terrorregime stürzt, indem man das Regierungsgebäude in die Luft jagt, glaube ich ebenfalls nicht. Außerdem bleibt bis zum Schluss die Frage offen, ob denn nun wirklich alle Macht vom Volke ausgeht oder ob es der Revolution eines maskierten Rächers bedarf, der die Drecksarbeit macht, damit sich niemand anderes die Finger schmutzig machen muss.

Das lasse ich als mein Fazit auch einfach so stehen: Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft sind die größten Probleme des eigentlich recht unterhaltsamen und auch farb- und formschönen Films. Mit einem intelligenteren Drehbuch hätte ich ihn echt gern haben können.

¹Voilà! In view, a humble vaudevillian veteran, cast vicariously as both victim and villain by the vicissitudes of Fate. This visage, no mere veneer of vanity, is a vestige of the vox populi, now vacant, vanished. However, this valorous visitation of a by-gone vexation, stands vivified and has vowed to vanquish these venal and virulent vermin vanguarding vice and vouchsafing the violently vicious and voracious violation of volition. The only verdict is vengeance; a vendetta, held as a votive, not in vain, for the value and veracity of such shall one day vindicate the vigilant and the virtuous. Verily, this vichyssoise of verbiage veers most verbose, so let me simply add that it’s my very good honor to meet you and you may call me V“ – V

Bild © Warner Home Video
 

The Hunger Games: Catching Fire (Francis Lawrence, USA 2013)

Posted by – 20. November 2013

They can’t hurt me. There’s no one left I love – Johanna Mason, Distrikt 7

Ich bin positiv überrascht von „The Hunger Games: Catching Fire“. Viele Romanverfilmungen werden ihrer Vorlage nicht gerecht, aber manchmal veredeln die Bilder die Geschichten geradezu. Das ist hier der Fall. Ich mochte, wie hier geschrieben, schon den ersten Teil „The Hunger Games“ sehr gerne. Aber da das zweite Buch von Suzanne Collins ein wenig die Probleme eines typische Brückenstücks zwischen dem ersten und dritten Teil hatte, habe ich meine Erwartungen bezüglich des Films etwas herunter geschraubt. Das wäre nicht gar nicht nötig gewesen, denn die Fortsetzung steht dem ersten Film in nichts nach, treibt die todtraurige Geschichte in der grausamen Welt von Panem unbarmherzig voran und wartet darüber hinaus mit einem interessanten künstlerischen Konzept auf. Mehr dazu schreibe ich auf Kino-Zeit. Und hier geht’s zum Film-Quickie mit Sophie.

Return Of The Living Dead (Dan O’Bannon, USA 1985)

Posted by – 16. Juni 2012

Vieles wird vom Regen fortgespült. Aber manches bleibt. Einer meiner Lieblingszombiefilme zum Beispiel: „Return Of The Living Dead“. Seine Atmosphäre und Tonalität sind in meinen Augen etwas besonderes, weil der Spagat zwischen Horror, Komik und Tragik hier so wunderbar gelungen ist. Vor ein paar Tagen habe ich ihn nach sehr langer Zeit endlich mal wieder gesehen und erfreut festgestellt, dass ich ihn immer noch herausragend finde.

Frank (James Karen) und Freddy (Thom Mathews), zwei Mitarbeiter eines medizinischen Versandhauses, öffnen versehentlich einen Behälter der US Army. Das daraus entweichende Gas hat die Eigenschaft, alles Tote wieder zum Leben zu erwecken. Die daraufhin Amok laufende Leiche aus dem Lagerraum können die beiden nur mit Hilfe von Versandhaus-Chef Burt (Clu Gulager) unschädlich machen. Die zuckenden Leichenteile im nahen Krematorium zu entsorgen erweist sich allerdings als keine gute Idee, denn der Rauch, der noch Spuren des gefährlichen Toxins 245 enthält, gelangt durch den Regen ins Grundwasser. Zu blöd, dass sich genau neben dem Krematorium ein Friedhof befindet…

Dan O’Bannon mag ein eigensinniger und schwieriger Mensch gewesen sein. Seinen Kollegen hat er es mit Sicherheit nicht immer leicht gemacht. Für viele Filmfreunde hingegen gilt er als Lichtgestalt. Er war ein großartiger Drehbuchautor wie er unter anderem bei „Dark Star“, „Alien“ und „Total Recall“ unter Beweis gestellt hat, ist aber auch, wie sich bei „Return Of The Living Dead“ zeigt, ein extrem fähiger Regisseur. Der Film, der in Deutschland unter dem unschönen Namen „Verdammt, die Zombies kommen“ vermarktet wurde, strotzt geradezu vor unzähligen kleinen Gags und charmanten Ideen. Aber auch der intellektuelle Überbau stimmt.

„You mean the movie lied? Oh jesus!“ Frank, Burt und Freddy sind schockiert als sie feststellen, dass man die Zombies nicht töten kann, indem man ihr Gehirn zerstört. Diese Erkenntnis gibt auch gleich die Marschrichtung für den Film vor, denn auch auf den Zuschauer warten einige kleine Genre-Variationen, die allerdings eine große Wirkung entfalten. Sowieso sind die Zombies bei O’Bannon sehr gelungene Vertreter ihrer Zunft. Was ihre Lust auf GEHIIIIRN betrifft, kennen sie keine Kompromisse, ansonsten zeigen sie sich aber als genreuntypisch individuell und erstaunlich intelligent. Besonders mitgenommen haben mich als Jugendlicher immer die langen Verwandlungsszenen, wenn lebende Menschen durch Toxin 245 infiziert werden. Freddy und Frank, die am Anfang des Films das Gift eingeatmet haben, erleiden nahezu den kompletten Film über dieses Schicksal. Leben ist Leiden, scheint O’Bannon zu finden, und am Ende wartet auf den Menschen weder Nirwana noch Himmel, sondern der unendliche Hunger auf Gehirne. Der rabenschwarze Grundton dieses vermeintlich lustigen Films ist kein Ausrutscher, sondern Konzept. Und es ist bestimmt auch kein Zufall, dass an dem Friedhofstor ein Grafitti prangt, das dem Zuschauer unmissverständlich klar macht: „No Future“.

Versteckt hinter allen Kautzigkeiten und Genrebestandteilen macht O’Bannon  philosophisches Kino, das von einer sehr pessimistischen Grundaussage geprägt ist. Das wurde auch schon bei seinem Erstlingswerk „Dark Star“ deutlich, aber auch bei vielen seiner anderen Filme ist dies zu erkennen. O’Bannon hat , behaupte ich mal, schon immer versteckt politisches Kino gemacht. Und auch „Return Of The Living Dead“ ist voll von kritischen Anspielungen. Dass es beispielsweise in seinem Film gar keine Möglichkeit gibt, die Zombies aufzuhalten, ist eine Zuspitzung der Aussage von Romeros Film(en), wo der Bedrohung ja zumindest prinzipiell – zum Beispiel durch einen schönen Kopfschuss –Einhalt zu gebieten war. Die Menschen haben die Nebenfolgen ihrer Technologien nicht mehr unter Kontrolle. Neuere, weitere Technologien sind darauf keine Antwort. In dieser Hinsicht ist O’Bannons Film sehr ätzend zeitkritisch und vermutlich auch weitsichtig. In diesem Zusammenhang darf auch das wunderschöne Ende nicht vergessen werden. „The Rain will wash everything away“ heißt es da. Dass dem nicht so ist, davon handelt dieser Film.

Bild © MGM