Tag: Götter

Thor: The Dark World (Alan Taylor, USA 2013)

Posted by – 28. Oktober 2013

„Thor“, von Kenneth Branagh, war unter den Superhelden-Filmen der letzten Jahre einer der überraschendsten: Quietschbunt, aber dem nötigen Ernst und trotzdem nicht humorlos. Das aktuelle Sequel „Thor: The Dark World“ (auf deutsch: „Thor: The Dark KINGDOM“) von Alan Taylor ähnelt in vielerlei Hinsicht seinem Vorgänger, erreicht aber aufgrund seines mit Verweisen überfrachteten, oft beliebig wirkenden Drehbuchs fast nie dessen Stärke. Dem Script mangelt es nicht an guten Ideen,  aber vor allem herrscht ein erstaunlicher Mangel an dramaturgischem Gefühl. Die gut aufgelegten Darsteller und das wilde Finale retten zum Glück so einiges, auf dem Olymp der Superhelden-Filme ist für „Thor 2“ dennoch kein Platz. Mehr dazu von mir auf Kino-Zeit.de.

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by – 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht “Die Rächer” nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch “Die Rächer” nennen.

Bild © Walt Disney
 

Clash Of The Titans 2: Wrath of the Titans (Jonathan Liebesman, USA 2012)

Posted by – 28. März 2012

Ok, Titanen, kommen immer noch nicht vor. Aber immerhin einer: Kronos. Um die Herrschaft über die Welt zu erringen, hatten Zeus (Liam Neeson) und seine Brüder, Poseidon und Hades (Ralph Fiennes), ihren Titanen-Vater bekämpft, besiegt und nach Tartaros verbannt. Durch eine Intrige droht der Titan nun aber zu entkommen. Perseus (Sam Worthington), die Kriegerkönigin Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn Agenor (Toby Kebbell) machen sich daran, das Schlimmste zu verhindern.

Ich hätte es nach dem ersten Teil nicht gedacht, aber „Wrath Of The Titans“ hat tatsächlich seine Momente. Wie die Autoren des Vorgängerteils geben sich zwar auch Dan Mazeau und David Johnson in „Wrath Of The Titans“ alle Mühe, jeden Eindruck von Figurenentwicklung zu verhindern; und auch Jonathan Liebesman („Battle Los Angles“, „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“) lässt keine besonderen Qualitäten als Regisseur erkennen: Die Action-Szenen sind hektisch, dennoch ohne Schwung, die Kämpfe einfallslos. Aber halb so schlimm. denn der eigentliche Star im Film ist sowieso das Titanen-Gefängnis Tartaros, dieses düstere Gebilde mit seinen unendlichen Labyrinthen. Ich habe mich angenehm an das Reich der Cenobiten aus „Hellbound: Hellraiser 2“ erinnert gefühlt. So werden immerhin die Tartaros-Szenen dafür sorgen, dass ich mich an den ansonsten wenig inspirierten Film erinnere.

Eine Sache fand ich an „Wrath Of The Titans“ ebenfalls noch interessant. Es macht nämlich richtig Spaß, ihn nach Zitaten zu durchkämmen.  Natürlich findet sich Diebesgut aus „Herr der Ringe“, aber überraschenderweise auch aus Filmen „Ghost Rider 2“ oder „Spider-Man“ u.ä. Was ich allerdings recht witzig fand, war die Fülle von Anspielungen auf „Star Wars“: Vater, Sohn, dunkle Seite – alles dabei. Und zum Schluss fliegt Perseus auf Pegasus sogar in den riesigen Kronos hinein, um seinen Superpeer auf dessen Herz zu werfen. Ich weiß nicht, ob es an den vielen Zitaten zuvor gelegen hat. Aber ich habe in diesem Moment nur noch Lando Carissian im Millenium Falcon auf seinem Weg ins Zentrum des Todessterns gesehen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn am Ende noch der Satz „may the force be with you“ gefallen wäre. Oder ist er’s vielleicht sogar?

Bild © Warner Bros.
 

Clash Of The Titans (Louis Leterrier, USA 2010)

Posted by – 28. März 2012

Ich bin mir nicht sicher, was „Clash Of The Titans“ überhaupt hier verloren hat. Auch wenn ich Fantasy gegenüber sehr aufgeschlossen bin, hat mir schon jeder Screenshot  und Trailer überdeutlich gemacht, dass es hier für mich nichts zu holen gibt. Vielleicht, weil ich ihn im TV gesehen habe und gerade ein Word-Dokument offen hatte. Hier jetzt trotzdem ein paar Gedanken.

„Clash Of The Titans“ beruht, anders als der Titel suggeriert, vage auf der  Perseussage. Perseus (Sam Worthington), Sohn des Zeus, wächst bei Fischern auf. Als seine Familie einem göttlichen Vergeltungsakt in die Quere kommt, ist der Weg frei für ein großes Abenteuer, das in Form einer Riesenkrake auch nicht lange auf sich warten lässt. Ach ja, Zeus, Hades, Kassiopeia, Andromeda, Io, Aphrodite, Hermes und Medusa spielen auch irgendwie mit.

Das Autoren-Dreiergespann Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi hat sich sichtlich keine Mühe gegeben, ihre Story einigermaßen im Gleichklang mit der griechischen Mythologie zu erzählen. Ich kenne mich in der Materie aber nicht besonders aus, und will mich deswegen hier auch nicht darüber echauffieren. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte würde auch überhaupt nicht ins Gewicht fallen, wenn Louis Leterrier („Transporter“, „The Incredible Hulk“) wenigstens an anderer Stelle Punkte holen würde. Aber in „Clash Of The Titans“ stimmt nichts. Stars wie Niam Neeson (Zeus), Ralph Fiennes (Hades) oder Mads Mikkelsen (Draco) können nichts gegen das lahme Buch ausrichten. Zwischen den Figuren funkt es einfach nicht. Überraschenderweise ist auch die Inszenierung alles andere als explosiv. Die Bilder bewegen sich zwar, eine Energieübertragung zum Zuschauer findet leider nicht statt.

Hätte es Leterrier und sein Team mit den 15 Millionen US-Dollar hier und da geschafft, Atmosphäre zu erzeugen, ich würde „Clash Of The Titans“ trotzdem nicht als guten Film bezeichnen – aber immerhin als einen, den man sich in der richtigen Stimmung durchaus ansehen kann. Aber da ist nichts. Charakterlose Helden in toten, digitalen Landschaften.

Letzter Gedanke: Keine Titanen. Wo sind die Titanen? Egal. Titanen hätten diesen Film auch nicht besser gemacht.

Bild © Warner Bros.