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Kino 2016: Meine Top 10

Posted by – 30. Dezember 2016

Auch in diesem Jahr habe ich – wieder – nicht sehr viel im Kino sehen können. Aber es hätte angesichts des beruflichen Hin und Her sowie einiger gesundheitlich unschöner Episoden auch noch weniger seinen können. Und so bin ich dankbar für das, was ich vor die Linse bekommen konnte und präsentiere hier voller Demut meine Top-10 des Jahres 2016. Berücksichtigt wurden wie immer ausschließlich Filme, die einen deutschen Kinostart hatten.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Schon „Alle anderen“ von Maren Ade hat mir sehr gut gefallen. „Toni Erdmann“ fand ich trotzdem noch einmal ungleich besser, vielleicht weil sich hier mögliche Interpretationen nicht ganz so aufdrängen, wie in ihrem Beziehungsfilm von 2008. Auch in „Toni Erdmann“, meinem Film des Jahres, geht es um eine Beziehung. Diesmal um die von Vater (Peter Simonischek) und Tochter (Sandra Hüller). Papa beschließt, seine Tochter, eine erfolgreice Unternehmensberaterin in Bukarest zu besuchen. Doch das Treffen läuft für bei beide nicht so richtig gut, und der alte Herr beschließt, es noch einmal – diesmal allerdings in Verkleidung! – zu versuchen. Wieder sind es weniger die Individuen, die Ade interessieren, als vielmehr etwas Übergeordnetes, Allgemeineres. Ade selbst nennt ihren Film eine „Ausbruchsfantasie“ aus einem statischen Familiengebilde. Das kann ich nachvollziehen, reicht mir aber noch nicht weit genug, denn es geht in„Toni Erdmann“ ja um so viel mehr: Es geht um Alt und Neu, sich finden und sich verlieren, um Abschiede. Es geht aber auch um Verkleidungen, Masken, Rollen, in die wir schlüpfen. Und vieles mehr. Und doch gibt es nicht die Moral der Geschichte, keine Auflösung und keinen Punkt, auf den sich alles konzentriert. Sonst bin ich manchmal ein wenig skeptisch, wenn so gut wie alle einen Film großartig finden. Aber im Falle dieses Films verstehe ich es, bin glücklich darüber und schließe mich mit Freude der großen und immer noch wachsenden Bewegung an. „Toni Erdmann“ bleibt ein offenes, vielschichtiges Werk, in das man, jeder auf seine Weise und immer wieder neu auf Entdeckungsreise gehen kann. Ein Kunstwerk eben.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Deutschland / Österreich / Frankreich 2015)

Als ich „Vor der Morgenröte“ kurz nach Kinostart gesehen habe, hätte ich nicht ahnen können, was für einen Sturm dieser kleine, ruhige Film in mir auslösen würde. Maria Schraders Film über die letzten Jahre des Schriftstellers Stefan Zweig ist das Portrait eines großen Denkers, dessen Weltbild von der Realität eingerissen wird. Man hat das Gefühl, die Regisseurin würde ihre Hauptfigur, beeindruckend gespielt von Josef Hader, während des Films immer weiter aus den Augen verlieren, aber das ist nur eine von mehren Irritationen, die die Zerrissenheit der Hauptfigur aufzeigt und das Seelenleben des Protagonisten nachzeichnet, der sich immer mehr selbst verliert. Dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann, bedeutete für Zweig nach jahrelangem stillem Kampf mit sich selbst letzten Endes den Weg in den Freitod. „Vor der Morgenröte“ ist einer der traurigsten Filme, die ich kenne.

Spotlight (Tom McCarthy, USA 2015)

Ein Film, der nachwirkt: In Tom McCarthys „Spotlight“ geht es um eine Gruppe von Journalisten, die in den frühen 2000er Jahren tausende Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche und deren systematische Vertuschung durch dieselbe aufdeckt. (Ich hatte hier schon kurz etwas dazu geschrieben.) Was mich an dem Film nach wie vor fasziniert, ist wie geduldig und unprätentiös er seine furchtbare Geschichte erzählt, die ja eigentlich gar keine Geschichte ist, sondern die Wirklichkeit – was alles nur noch furchtbarer macht! Doch „Spotlight“ ist nicht nur auf der inhaltlichen Seite überzeugend, auch die Form dieses Recherche-Thrillers und die Perspektive einiger hartnäckiger, investigativer Journalisten, die trotz ihres nur zähen Fortschritts einfach nicht aufgeben, hat mich beeindruckt. Hier zeigt sich: die Wahrheit ist nicht ohne Mühe zu haben und es braucht Menschen, die Strapazen auf sich nehmen, weil sie fern jeder Religion an eine bessere Welt glauben, welche aber nur zu erreichen ist, wenn man versucht, das Leid zu mindern und gegen jede Lüge eintritt, die versucht, Aufklärung und Bildung zu verhindern. Wie auch immer der derzeitige Stand der Aufarbeitung und Prävention innerhalb der katholischen Kirche sein mag – zunächst unter Papst Benedikt und nun unter Franziskus –, scheint es langsam voran zu gehen. Ich denke, Filme wie „Spotlight“ leisten durchaus einen Beitrag dazu, dass alles in Bewegung bleibt und nicht hinter einem „Vorhang des Schweigens“ zum Stillstand kommt.

X-Men: Apocalypse (Bryan Singer, USA 2016)

Die „X-Men“ sind für mich derzeit einfach die spannendste Superhelden-Truppe, weil sie dem Superhelden-Sein interessante Aspekte abgewinnen und die Filme darüber hinaus – hinter all dem, manchmal etwas den Blick verschleiernden Bombast – spannende Geschichten von elementaren Konflikten, aber letztlich eben immer auch von Menschen erzählen. Für den Kino-Zeit-Adventskalender habe ich mich ein wenig ausführlicher geäußert.

Arrival (Denise Villeneuve, USA 2016)

Schwierig. Weil ich  so viel erwartet habe – die letzten Filme von Denise Villeneuve, „Prisoners“, „Enemy“ und „Sicario“ fand ich überwältigend! –, weiß ich gerade nicht so genau, wohin mit diesem Film. Vielleicht gehört er gar nicht in diese Liste? Oder müsste er höher, müsste er niedriger platziert sein? In dem Film geht es um 12 Raumschiffe, die unvermittelt auf der Erde landen. Eine Linguistin (Amy Adams) soll die Sprache der Aliens entschlüsseln, bevor die ohnehin angespannte Weltlage eskaliert. ­– Fest steht, dass „Arrival“ mich von allen in diesem Jahr gesehen Filmen visuell am meisten beeindruckt hat. Doch der Film ist auch – in unterschiedlicher Ausprägung – selbstverliebt, bedeutungsschwanger, pathetisch und verrätselt. Und ich bin mir nicht sicher, ob zum Schluss alles so gut zusammen passt, wie es eine ambitionierte Konstruktion dieses Kalibers erfordert. Wie dem auch sei – für mich geht es in dem Film nur vordergründig oder sagen wir nicht zentral um Kommunikation, sondern eher um einen – spirituellen? – onto- wie phylogenischen Prozess der Selbsterkenntnis sowie die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit und der unserer Liebsten. Und dass es die Stärke des Menschen ist – eine Stärke, die ihn schließlich auf paradoxe Weise retten wird – sich allen noch ausstehenden Tragödien zum Trotz immer wieder für das Miteinander zu entscheiden. Ja doch, – „Arrival“ gehört in diese Liste, weil er mich vor allem in seinen letzten Szenen berührt hat und seitdem nicht loslässt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA / Griechenland 2015)

Ein Vater flieht mit seinem übersinnlich begabten Sohn quer durch die USA. So schön einfach lässt sich der aktuelle Film von Jeff Nicols („Take Shelter“,„Mud“) zusammenfassen. Doch einfach ist die Geschichte nicht, oder sagen wir besser – sie hat ihre Tücken, sie fordert heraus. Wenn man den Film als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt an emotionaler Intensität, die wahrscheinlich nicht nur junge Väter zu Tränen rührt. Ein wenig wundere ich mich, dass die Mehrheit „Arrival“ als großartigen Science-Fiction-Film mit Hintersinn bejubelt, der endlich mal anders ist und zeigt, was das Genre ausmacht, „Midnight Special“ aber verschmäht, weil er irgendwie durchs Raster fällt, er weder Fisch noch Fleisch und noch nicht mal etwas Halbes oder Ganzes sei. Dabei haben beide Filme, was ihre Andersartigkeit und ihren Verdienst ums Genre angeht, viele Gemeinsamkeiten. Die Sci-Fi-Aspekte sind kein Selbstzweck, sondern dienen in beiden Fällen dazu, sich einem verborgenen Sinn anzunehmen, wie es anders nicht möglich gewesen wäre. Unabhängig voneinander sind beide Filme verdammt gut und in gewisser Weise hat mich Nichols emotionale Vater-Sohn-Geschichte sogar mehr berührt als Villeneuves abstrakte Mutter-Tochter-Geschichte. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Regisseuren ist übrigens auch, dass jeder der beiden einen fantastischen Film nach dem nächsten dreht. Möge das noch lange so weitergehen!

Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo, Süd-Korea 2015)

Von Hong Sang-soo kannte ich bisher nur „Nobody’s Daughter Haewon“, an dem mich nach meinen Notizen zur Berlinale 2013 vor allem „seine verträumte Erzählweise fasziniert hat, die gekonnt an der Grenze zur Belanglosigkeit entlangspaziert, diese aber niemals überschreitet“. Das gilt auch für „Right Now, Wrong Then“, der ebenfalls wunderbar leichtfüßig, aber doch mit einer gewissen schelmischen Boshaftigkeit die Geschichte von einem Regisseur erzählt, der sich in eine Frau verliebt und mit ihr einen Tag verbringt – um ab genau der Hälfte der Spielzeit des Films die gleiche Geschichte noch einmal zu erzählen. Allerdings haben die von den gleichen Schauspielern gespielten Figuren diesmal andere Charakter-Eigenschaften, so dass sich die Handlung ein wenig anders entwickelt. „Right Now, Wrong Then“ – heißt das, die zweite Episode ist die richtigere? Ohne Frage ist es die romantischere, in ihr finden die beiden Figuren auf eine schönere Weise zusammen als in der ersten. Oder ist doch der erste Durchlauf der, der irgendwie richtiger ist – vielleicht weil sein unsympathischer Protagonist in seiner Verlogenheit dort authentischer wirkt? Und was soll das eigentlich alles? Diese und ähnliche Fragen gehen mir seit dem Filmgenuss durch den Kopf. „Right Now, Wrong Then“ ist – jetzt wie damals – ein großer, stiller Spaß!

The Hateful Eight (Quentin Tarantino, USA 2015)

Als ich Quentin Tarantinos 8. Film Anfang des Jahres im Kino gesehen habe, war ich zunächst für ein paar Stunden, Tage vielleicht, der Meinung dies wäre wohl das bisher schwächste Werk des Meisterregisseurs. Haben wir das nicht alles schon gesehen? Nein, haben wir nicht und: „The Hateful Eight“ ist nicht sein schwächster, sondern einer seiner besten, weil wütendsten Filme. Es sind wie so oft nämlich auch hier die Widersprüche, die einen Film gut machen: Hass und Liebe, Geist und Grütze, Tragik und Komik, Bewegung und Ruhe, Gewalt und gute Laune – all das hat „The Hateful Eight“, Tarantinos gallig-grandioser achter (der es wie durch ein Wunder auf den achten Platz meiner Jahres-Top-10 gebraucht hat!). Dazu hatte ich auch schon mal etwas aufgeschrieben und zwar hier!

The Forbidden Room (Guy Maddin, Kanada 2015)

Ein Film im Film im Film im Film… Guy Maddin und Ko-Regisseur John Evans haben die Stummfilmära geplündert und ein cineastisches Panoptikum voller Ideen-Fragmente niemals gedrehter Filme erschaffen – ein eigenes filmisches, in sich verschachteltes Multiversum voller Absurditäten, das seinesgleichen sucht. Verstanden habe ich zwar nichts, überwältigt war ich aber trotzdem. Und auch wenn mir „The Forbidden Room“ selbst für Maddin-Verhältnisse ein wenig zu überfrachtet war, haben Botschaften aus einer anderen Welt wie diese auf jeden Fall einen Platz in meinen Top-10 verdient.

Batman V Superman: Dawn Of Justice (Zach Znyder, USA 2016)

„High-Rise“, „Dibbuk“, „Don’t Breathe“,„Der Bunker“, „Wild“ „The Witch“, „Der Nachtmahr“ und „The Lobster“ – ich habe verschiedene Filme an diese, zehnte Position der Liste gesetzt, aber es fühlte sich einfach nicht richtig an. Nein, „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ MUSS einfach irgendeinen Platz in meiner Top-10 bekommen, weil er einfach seiner riesigen Probleme zum Trotz (alles an dem Film ist riesig!) ein gigantischer, ja ein wahrhaft monströser Film ist, wie er in diesem Kinojahr vergeblich seinesgleichen sucht. Mein ambivalentes Verhältnis zu „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ , bei dem letztlich aber die Faszination überwiegt, habe ich ausführlich auf Kino-Zeit beschrieben. Dürft ihr gerne lesen; und ich würde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich danach vielleicht entschließt, doch nicht so hart mit dem Film ins Gericht zu gehen – denn das hat er trotz aller Schwächen nicht verdient.

Dracula: Pages From A Virgin’s Diary (Guy Maddin, Kanada 2002)

Posted by – 6. Mai 2015

Dracula- Pages From A Virgin's DiaryBram Stokers „Dracula“ wurde schon sehr oft für die Leinwand adaptiert. Als bekennender Vampirfilm-Fan im Allgemeinen und dieser speziellen Geschichte im Besonderen machen sich natürlich Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Irgendwann hat man alles gesehen. Zumindest dachte ich das, bis ich „Dracula: Pages From A Virgin’s Diary“ von Guy Maddin gesehen hatte.

Vielleicht zu Beginn ein wenig persönlichen Kontext: Diesen Film von Guy Maddin habe ich bei meinem ersten und leider auch einzigen Besuch in den Berliner Tilsiter Lichtspielen gesehen. Es war nach „My Winnipeg“, den ich auf der Berlinale gesehen hatte, „The Saddest Music In The World“ und „Brand Upon The Brain“ (beide auf dem TV) mein vierter Film des kanadischen Regisseurs und momentan einer der mir liebsten. Nicht nur, dass mich sein eigenwilliger Stil, Filme zu drehen, erneut begeisterte, auch war ich sehr erstaunt eine Adaption zu sehen, die dem klassischen Dracula-Stoff noch einmal neue Seiten abringen konnte. Das liegt sicher auch daran, dass Maddin für den Sender CBC die Ballettversion des Stoffes von Mark Godden und dem Royal Winnipeg Ballett für die Leinwand adaptiert hat – aber nicht nur. Auch inhaltlich setzt der Film wichtige Akzente.

Was mir vorher nie aufgefallen ist und was Maddins Film wunderbar herausarbeitet: In der Stokers Dracula-Geschichte geht mehr oder weniger explizit um Fremdenfeindlichkeit. Schließlich kauft der Graf aus Übersee nicht nur Grundstücke in England, er spannt (und saugt) den britischen Gentlemen auch die Damen aus. Kein Wunder also, dass der männliche Verehrerkreis um Lucy Westenra (Tara Birtwhistle), die Freundin von Mina Murray (CindyMarie Small), Jonathan Harkers Verlobte, ziemlich alle allergisch darauf regieren, als Lucy sich auf einmal seltsam verhält. Als Schuldiger wird von Professor Abraham van Helsing (David Moroni), einem Experten für fremdländische Bedrohungen, schnell Graf Dracula (Wei-Qiang Zhang) ausgemacht, den der Männertrupp danach erbarmungslos jagt – allerdings nicht ohne Mina vorher ins Jenseits zu befördern, schließlich ist sie durch den Kontakt mit dem Grafen irgendwie besudelt. Maddin & Mark Godden machen das unglaublich geschickt, wie sie dem Stoff frech ihren Stempel aufdrücken, z.B. indem sie Jonathan Harkers Reise zum Grafen, seine Erlebnisse auf dem Schloss in knapp einer Minuten und zudem erst spät im Stück als Rückblende abhandeln, dafür aber die sexuellen Aspekte des Stoffs ironisieren und seine xenophobe Tendenz wunderbar stimmig nicht ohne Humor herausarbeiten. So richtig schön tanzen die Frauen hier nur, wenn Dracula zugegen ist. Kein Wunder, dass Briten sich von dem Fremdling gehörig auf den Schwanz getreten fühlen und so sind das Unheimlichste an diesem insgesamt eher amüsanten Film die selbsternannten Vampirjäger, die erst ruhen, als sie den Ausländer, der ihnen die Frauen und ihr Geld stiehlt, ausgeschaltet haben.

Ich zögere gerade ein wenig, diesen Film mit dem Tag „Lieblingsfilm“ (neu im Blog!) zu versehen. Zwar mag ich ihn immer noch sehr, aber die gleiche Faszination wie im Kino konnte diese Zweitsichtung nicht entfalten. Man kann einen Film eben nur einmal zum ersten Mal sehen; außerdem sind Filme im Kino in der Regel einfach besser. Andererseits kann der Film für diejenigen, die glauben schon alles Wesentliche über Blutsauger zu wissen, eine kleine Offenbarung sein. Deswegen möchte ich ihn ganz dringend allen ans Herz legen, die sich für den Dracula-Stoff interessieren, wie denen, die bisher nichts damit anfangen konnten. In einem Genre, das heutzutage mehr tot als lebendig wirkt, erweist sich Maddins „Dracula: Pages From A Virgin’s Diary“ stilistisch wie inhaltlich frisch und äußerst vital.

Bild © Tartan Video

Berlinale 2015

Posted by – 3. März 2015

Die letzten Jahre im Februar bin ich regelmäßig in die Berlinale-Welt ein- und erst 10 Tagen später erschöpft wieder aufgetaucht. Zwischen 30 und 40 Filmen hatte ich dann in dieser Zeit gesehen. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Als frischgebackener Vater konnte ich mir nicht so recht vorstellen, die Tage im Kino und die Nächte schreibend am Rechner zu verbringen. Ein paar Filme habe ich dennoch gesehen, hier ganz kurz ein paar Sätze dazu…

Android’s Dream (Ion de Sosa, Spanien / Deutschland 2014)

„Android’s Dream“ (OT: Sueñan los androides) ist eine freie Adaption von Philip K. Dicks Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ – und ein Film, der mich extrem gelangweilt hat. Für Kino-Zeit.de habe ich einen Verriss zu geschrieben. Nach diesem Auftakt konnte es nur besser werden..

Portrait Of The Artist (Antoine Barraud, Frankreich 2014)

..und das wurde es dann auch. So ganz verstanden habe ich „Portrait Of The Artist“ (OT: Le dos rouge) glaube ich nicht, reizvoll fand ich die Suche eines Regisseurs nach dem Monströsen aber dennoch. Ruhig erzähl, aber voller Irritationen. Auch für diesen Film habe ich etwas für Kino-Zeit.de geschrieben.

The Three Musketeers (George Sidney, USA 1948)

Als Kind hatte ich etwas übrig für Mantel- und Degenfilme, warum, daran hat mich „The Three Musketeers“erinnert, der in Retrospektive „Glorious Technicolor“ lief. Erzählerisch war er etwas eigenartig, nach der Hälfte hatte ich das Gefühl, der Film müsste eigentlich vorbei sein. Nach etwas Leerlauf ging’s dann aber noch einmal los. Toll choreographiert, manchmal witzig, immer energiegeladen. Ich wette, Jackie Chan hat diesen Film gesehen und sich davon ganz kräftig inspirieren lassen.

The Forbidden Room (Guy Maddin, Evan Johnson, Kanada 2015)

Guy Maddin ist ein Phänomen. Kaum ein anderer Filmemacher ist seinem extravaganten Stil über die Jahre so treu geblieben, wie der Kanadier. Seine Filme orientieren sich optisch an alten Stummfilmen, oft mit starkem, autobiografischem Zug. Innerhalb dieses Rahmens ist Maddin allerdings durchaus experimentierfreudig. In „The Forbidden Room“ haben er und sein Co-Regisseur Evan Johnson Ideen-Fragmenten niemals gedrehter Film ein eigenes filmisches, in sich verschachteltes Multiversum voller Absurditäten erschaffen. Verrückt. Genial. Aber auch unkonzentriert und damit etwas anstrengend.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Ich lese nicht viele Texte über Filme, aber als ich neulich von Michael Althen „Liebling, ich bin im Kino“ in die Finger bekam, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken zu schreiben! Die Dokumentation von Dominik Graf über den 2011 verstorbenen Filmkritiker war für mich deswegen ein absolutes Muss. Und wie ich nach dem Sehen feststellte, mein Highlight auf der diesjährigen Berlinale. Meisterwerk. Ich hatte Tränen in den Augen.