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Ender’s Game (Gavin Hood, USA 2013)

Posted by 19. Oktober 2013

enders gameIch unterbreche kurz den #Horrorctober, um meine Enttäuschung über „Ender’s Game“ kundzutun. Ich habe mir den Film schon gewünscht, da war er noch lange nicht in Planung. Und als ich dann gehört habe, dass er tatsächlich realisiert werden soll, habe ich einen Freudentanz aufgeführt. Auch die Nachricht, dass erst Wolfgang Petersen, später dann Gavin Hood die Regie übernehmen sollte, hat mich zwar kurz erschreckt, meinen tiefen Glauben daran, dass man aus der großartigen Romanvorlage von Orson Scott Card keinen schlechten Film kann, nicht erschüttert. Und wirklich schlecht ist das Ergebnis auch nicht geworden. Der Vorlage wird es trotzdem kaum gerecht.

Es herrscht Krieg zwischen Menschen und einer feindlichen, Bugger genannten, Alien-Rasse. Die erste Attacke der Außerirdischen konnte zwar durch den legendären Kommandanten Mazer Rackham (Ben Kingsley) zurückgeschlagen werden, doch 50 Jahre später droht wieder die Gefahr einer Invasion. Unter der Leitung von Colonel Graff (Harrison Ford) sucht das Militär fieberhaft unter den talentiertesten Kindern dasjenige, das als Befehlshaber die menschliche Flotte anführen soll. Heißester Kandidat ist ein brillanter Junge namens Andrew „Ender“ Wiggin (Asa Butterfield). Die Ausbildung ist erbarmungslos hart: Auf der Kommandanten-Schule im Orbit der Erde stößt der Junge an seine physischen und psychischen Grenzen.

Cards „Ender’s Game“ ist meiner Meinung nach ein wichtiges Werk der Science Fiction, nicht nur weil es sehr einfühlsam und spannend erzählt ist, sondern weil es etwas Elementares zu den Themen Konflikt und Beziehungen zu sagen hat. Das unmenschliche, manipulative Erziehungssystem, das kalte Logik und zweckrationales Kalkül predigt, bringt den empathischen Ender schließlich durch Betrug dazu, seine Fähigkeiten gegen seine moralische Intuition einzusetzen. Am Schluss steht ein Sieg, der eigentlich eine gigantische, vielleicht sogar die größte vorstellbare Niederlage darstellt. Es ist alles so unglaublich traurig. Und man möchte den Roman im Lichte des neuen Wissens eigentlich gleich noch einmal lesen, um alles besser verarbeiten zu können.

Gavin Hoods Romanadaption hat sicherlich ihre Qualitäten. Dazu gehören einige visuelle Ideen. Die Vorlage enthält einige Herausforderungen, wie die filmische Umsetzung des Kampfraums in dem die Kinder in Schwerelosigkeit gegen einander kämpfen. Z.B. hier hat Hood gute Arbeit geleistet. Weiterhin positiv fallen einige Darsteller ins Auge, wie der junge Asa Butterfield, der in der schwierigen Rolle des verletzlichen Wunderkinds Ender überzeugt; oder auch Abigail Breslin, die zwar nicht viel Screentime hat, ihre wenigen wenigen Momente als Enders Schwester Valentine und gutes Gegenstück überzeugend nutzt. Besonders gut ist Hoods Film außerdem immer dann, wenn es ihm gelingt, die Situation, in der sich Ender befindet, seine (inneren) Konflikte und die Beziehungen zu anderen, deutlich zu machen. Ender vereint in sich das Einfühlungsvermögen und die Sanftmut seiner Schwester mit der kalten Intelligenz und Brutalität seines Bruders Peter (Jimmy Pinchak). Das macht ihn zu einem brillanten Anführer, aber auch zu einer sensiblen, zerbrechlichen Person. Und er ist kurz davor kaputt zu gehen, sei es durch den Druck seiner Ausbilder, die Last der Verantwortung oder auch das verstörende, Mind Game genannte Computerspiel, mit dem er sich während der kurzen Trainingspausen  die Zeit vertreibt. Hood lässt durchaus Interesse an den Konflikten der Hauptfigur erkennen. Über viele für das Verständnis der Geschichte relevanten Handlungsabschnitte erzählt er trotzdem  zu schnell hinweg. Ob die ganze Tragweite der Ereignisse denen, die nicht mit der Romanvorlage vertraut sind, klar wird? Ich habe meine Zweifel. Gleiches gilt für die ethisch/moralische Dimension der Geschichte. Die ist im Film zwar noch vorhanden, droht aber hinter der auf Action und Überwältigung ausgelegten Inszenierung fast zu verschwinden.

Der Roman von Card hätte einen ganz großen Film möglich gemacht. Die Chance nutzt Hood, der sich schon bei „X-Men Origins: Wolverine“ nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, nur bedingt. Das Ergebnis ist zwar kein Desaster, aber auch ein Film, der hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt – weil es Hood nicht gelingt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe mich anfangs ja schon als Fan des Buches geoutet. Und als solcher bin ich enttäuscht, weil mir einfach zu viel von dem, was die Geschichte eigentlich ausmacht, zu kurz kommt.

Bild © Constantin Film
 

Cowboys & Aliens (Jon Favreau, USA 2011)


Cowboys & AliensAliens? Finde ich gut! Und auch an Western habe ich nichts Grundsätzliches auszusetzen. (Ok, einmal davon abgesehen, dass viele Vertreter dieses Genres den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern verharmlosen.) Insofern könnte Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ trotz der ganzen durchwachsenen Kritiken ja doch vielleicht ganz okay sein – habe ich gedacht.

Ein Cowboy (Daniel Craig) erwacht in der Wüste. An seinem Handgelenk befindet sich ein seltsames Gerät. Was ist das? Und wie ist es dahin gekommen? Schnell findet der Mann heraus, dass seine Erinnerungslücke sogar noch größer ist. Nicht mal daran, wie er heißt, kann er sich erinnern. Auch in dem nahegelegenen Dorf findet er keine Antworten. Dafür bekommt er aber Ärger mit dem Sheriff Taggart (Keith Carradine), der ihn für den Gesetzlosen Jake Lonergan hält und dem brutalen Rinderbaron, dem Ex-Colonel Dolarhyde (Harrison Ford); und dann tauchen über dem Dorf auch noch unbekannte Flugobjekten auf und – Aliens greifen an.

Wenn Außerirdische auf die Erde kommen, wollen sie in der Regel a) Menschen entführen, um Versuche mit ihnen zu machen, b) die irdischen Rohstoffe ausbeuten oder c) gleich den ganzen Planeten erobern. Die Aliens aus diesem Film fallen in die Kategorie a) und b). Die Motive der Schauspieler in diesem Film mitzumachen, sind schon schwieriger zu durchschauen. Harrison Ford, Daniel Craig, Clancy Brown, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Keith Carradine, Paul Dano, Walton Goggins,.. Was machen sie in diesem Film? Warum wollten sie dabei sein? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass alle vorher das Drehbuch gelesen haben, sonst hätte es sich der eine oder andere  vielleicht zweimal überlegt. ‏@thetruemilhouse bietet auf Twitter folgende Erklärung für das Staraufgebot an: „Die haben sich danach bestimmt gegenseitig gefragt, warum sie mitgemacht haben. Und gegenseitig geantwortet: ‚Na, weil ihr dabei wart.’“ – So könnte es tatsächlich gewesen sein.

Zu viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Viel schlimmer für den Brei aber sind schlechte Köche. Bei „Cowboys & Aliens“ kommt beides zusammen. Mark Fergus und Hawk Ostby haben durch ihre Mitarbeit an „Iron Man“ und „Children Of Men“ eigentlich einen guten Namen, aber hier ist davon nichts zu sehen. Nach „The Legend of Zorro“, „Transformers“ oder auch „Star Trek“ bin ich im Übrigen der Ansicht, dass Roberto Orci und Alex Kurtzman als Autoren grundsätzlich nicht viel taugen, weil sie keine Ideen haben. Anders Damon „Lost“ Lindelof. Ideen überhaupt erstmal zu haben, scheint nicht sein Problem. Dafür aber sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Das ist schon bei seinem holprigen „Prometheus“-Script-Schreiben deutlich geworden. Ja, „Cowboys & Aliens“ hat einige Probleme, die zwei größten sind: Zum einen macht das alles nicht besonders viel Sinn – weder im Großen und Ganzen noch im Detail. Dass die Alien beispielsweise so öffentlichkeitswirksam Menschen entführen ist genauso ein Quatsch wie, dass sie es überhaupt tun. Eigentlich fragt man sich permanent: WTF!? Die Figuren des Films sind ebenfalls nicht besonders durchdacht: Ella Swensons  (Olivia Wilde) Wandel vom toughen Cowgirl zur außerirdischen Weltenretterin kann ich da noch eher glauben als die Transformation von Papa und Sohnemann Dolarhyde zur liebenswürdigen Wildwest-Familie. Unglaubwürdigkeit ist aber nur das eine Problem. Zum anderen – und das wiegt wesentlich schwerer – ist „Cowboys & Aliens“ einfach nur eine Aneinanderreihung von Western-und Alien-Invasion-Klischees. Das ist wahnsinnig uninteressant und besonders gut zusammen passt das auch nicht.

Das soll jetzt gar nicht so vernichtend klingen. Man kann den „Cowboys & Aliens“ schon ganz gut aussitzen. Und mitunter amüsiert das eine oder andere Versatzstück, das von Favreau nicht ganz ohne Augenzwinkern serviert wird. Aber ich ärgere mich einfach, dass ein Film, für den über 160 Million Dollar ausgegeben wurden, der außerdem zahlreiche großartige Schauspieler versammelt und bei dessen Thema sich weiterhin eine fantasievolle Umsetzung geradezu aufgedrängt hätte, sein Potenzial so gedankenlos in verspielt. „You have to stop thinking“ sagt Ella irgendwann zu Jake. Er tut wie ihm heißen, bald darauf fliegt alles in die Luft. Happy End. Am Ende bleibt der Held des Films mit schwerem Dachschaden zurück. Aber er ist glücklich. Und ich sitze frustriert auf dem Sofa, aber erfreue mich wenigstens geistiger Gesundheit.

Bild © Paramount Home Entertainment