Tag: #horrorctober

Notizen #15

Posted by – 30. Oktober 2016

#horrorctober Film 8-12

Lisa And The Devil (Mario Bava, Italien / Deutschland / Spanien 1972)

Kurz nachdem Lisa (Elke Sommer) auf ihrem Spanien-Trip ein Wandgemälde betrachtet, das den Teufel zeigt, verläuft sie sich in der Stadt und findet sich kurz darauf in einer unheimlichen Halbwelt wieder, in der Leibhaftige selbst die Strippen zieht. – So oder auch ganz anders könnte man den Inhalt von Mario Bavas drittletztem Film beschreiben. Ich kenne mich mit Bava noch nicht genug aus, um diesen Film als Quintessenz seines Schaffens zu bezeichnen, aber man darf, denke ich, behaupten, dass sich in „Lisa And The Devil“ (OT: Lisa e il diavolo) viele Motive seines Schaffens wiederfinden und dieser stimmungs- und geheimnisvolle Film zumindest insofern ein Highlight seines Gesamtwerks darstellt. Gehört nach erster Einschätzung nicht zu meinen allerliebsten Bava-Filmen, ist aber weiter oben mit dabei.

Bad Biology (Frank Henenlotter, USA 2008)

Für jeden Topf ein Deckelchen: Eine Frau mit einer 7-fach Klitoris und unstillbarem Sexhunger gerät an einen jungen Mann mit mutiertem, mörderischem Riesenpenis. Dort, wo die Geschichte von (Charlee Danielson) und Batz (Anthony Sneed) eigentlich erst beginnt, ist sie auch leider schon wieder zu Ende. Und vorher passiert in Henenlotters Film leider auch nichts, was man von ihm nicht schon kennt und leider auch schon wesentlich besser in „Brain Damage“ oder „Basket Case“ (hier was zum ebenfalls guten zweiten Teil) gesehen hätte. Immerhin – und zumindest das muss man ihm zugutehalten – ist „Bad Biology“ eben auch kein Film von der Stange, sondern in seinem Zusammenspiel aus Komik, Tragik und Horror ein echter Henenlotter.

Lemora: A Child’s Tale of the Supernatural (Richard Blackburn, USA 1975)

Wenn Jean Rollin ein Vertreter der Tschechoslowakische Neuen Welle gewesen wäre und er in den späten 1960er Jahren in die USA geladen worden wäre, um unter völliger künstlerischer Freiheit eine Version von „Alice In Wonderland“ zu drehen, wer weiß, vielleicht wäre dann ein Film wie „Lemora: A Child’s Tale of The Supernatural“ dabei herausgekommen. Jedenfalls ist Richard Blackburns Film definitiv die Entdeckung meines diesjährigen Horrorctober. Es ist ein Werk, von dessen Existenz ich – und bestimmt noch ein paar andere da draußen – bis vor ganz kurzer Zeit keine Ahnung hatte. Sehr gerne möchte ich zu dessen wachsender Bekanntheit und Ruhm beitragen indem ich hier verkünde, was für ein wunderbarer und eigensinniger (im aller wohlmeinendsten Wortsinne!) Film Blackburns „Lemora“ doch ist. Anschauen und weitersagen!

Green Room (Jeremy Saulnier, USA 2016)

Nazis vs. Punks: Bei ihr Tour durch den Nordwesten der USA landet die Punk-Band Ain’t Rights in einer abgelegenen Nazi-Bar auf dem Land. Zwar geht das Konzert ohne größere Pannen über die Bühne, aber als die Band danach im Backstage-Bereich einen Mord beobachtet, ist die braune Kacke am dampfen. – „Green Room“ ist ein geradliniger, recht harter Thriller, aber mir will, wie schon bei Jeremy Saulniers Vorgängerfilm „Blue Ruin“, nicht wirklich einleuchten, warum er bei Kritik und Publikum so gut angekommen ist. Vieles an diesem Film ist gut, ordentlich, hier stimmt das Große und Ganze wie das Detail. Und trotzdem sträube ich mich, „Green Room“ wirklich zu mögen. Vielleicht weil ihr den alle mögt. Und ich hier der eigentliche Punk bin.

Textas Chainsaw Massacre 2 (Tobe Hooper, USA 1986)

WAHNSINN!!!1

 

Notizen #14

Posted by – 15. Oktober 2016

Als nächsten Programmpunkt im #horrorctober (Film 4-7) habe ich mir ein paar mir unbekannte Slasher-Jahre angesehen. Von hui bis pfui war alles dabei.

Terror Train (Roger Spottiswoode, USA / Kanada 1980)

Ein Film, den ich überhaupt nicht auf dem Radar hatte, den ich zufällig auf Youtube entdeckt und den ich mir trotz schlechter Bild- und Tonqualität und störender Untertitel angesehen habe. Daran kann man schon erkennen, dass „Terror Train“ von Roger Spottiswoode gar nicht so schlecht sein kann. Hier läuft zwar weitestgehend alles nach bekanntem Strickmuster ab, aber auf eine angenehm zurückhaltende Art und Weise, mit Gefühl für die Figuren und Blick für die Atmosphäre des ungewöhnlichen Settings: Der Film spielt in einem Zug, den die nach und nach dahinscheidenden Mitglieder einer Uni-Verbindung zwecks rauschhafter Party gemietet haben. Vielleicht noch erwähnenswert: Neben Jamie Lee Curtis, die in gefühlt jedem dritten Slasher der Dekade mitspielt ist auch der Zauberer David Copperfield mit von der Partie.

The Burning (Tony Maylam, USA 1981)

Meine Erwartung an meinen 5. #horrorctober-Film waren aufgrund einer Empfehlung eines ansonsten sehr zuverlässigen Tippgebers in Sachen Slasher-Kunst hoch – zu hoch wie sich leider herausstellte. Ein durch die Folgen eines Streichs verunstalteter Sommercamp-Aufseher rächt sich hier an ein paar Teenies, und das beste, das ich über ihn sagen kann, ist, dass mir nichts wirklich Schlechtes zu ihm einfällt. Sagen wir mal ganz nichtssagend: ein solider Genrebeitrag. Filmquiz-Frage: Welche Oscar-Preisträgerin ist hier in ihrer ersten Rolle zu sehen? Richtig, Holly Hunter!

Offerings (Christopher Reynolds, USA 1989)

Ich kann mir ja einiges gutschreiben. Aber im Falle von Christopher Reynolds „Offerings“ fällt mir nichts mehr ein. Wer einen amateurhaften, durch und durch unoriginellen Slasher (am auffälligsten bedient Reynolds sich bei John Carpenters „Halloween“, sogar die Musik ist nur einen Millimeter vom Plagiat entfernt) mit wirklich dilettantischen Darstellerinnen und Darstellern sehen will, der ist hier richtig. Allenfalls der ein oder andere Mord ist ganz hübsch in Szene gesetzt aber das fällt angesichts der ganzen anderen Unzulänglichkeiten kaum noch ins Gewicht.

Alice Sweet Alice (Alfred Sole, USA 1976)

Hui! „Alice Sweet Alice“ – hierzulande vielleicht eher bekannt unter dem Titel „Communion – Messe des Grauens“ – ist definitiv das bisherige Highlight meiner diesjährigen #Horrortober-Saison. Er ist schön, er ist ungewöhnlich. Und er ist irgendwie auf eine besondere Art spannend, die ich noch gar nicht richtig fassen kann. Die Atmosphäre dieses brutalen Psychothrillers mit Giallo-Einschlag hat mich jedenfalls ziemlich gepackt; und anders als andere würde ich es Alfred Sole, der das Drehbuch zusammen mit Rosemary Ritvo schrieb, nicht negativ auslegen, dass er sich in seinem Film scheinbar nicht so recht entscheiden kann, welchen Fokus die Geschichte haben soll. Die Unsicherheit, in welche Richtung sich die Story entwickelt, hat den Film für mich noch interessanter gemacht. Ob Alice dann zum Schluss wirklich noch… – naja, ich will ja nicht zu viel verraten. So oder so ist „Alice Sweet Alice“ wahres Genre-Juwel und so in etwas das Gegenteil von dem, was der „dilettantisch inszenierter blutrünstiger Gruselfilm“. Wobei, blutrünstig…

Notizen #13

Posted by – 6. Oktober 2016

Und wieder mal haben wir Oktober. Im Rahmen der Internet-Aktion #Horrorctober werden ich und andere uns bis zum 31. des Monats 13 Horrorfilme ansehen. Im letzten Jahr hat das bei mir leider nicht so gut geklappt. Auch wenn es sich andeutet, dass ich aufgrund eines neuen Jobs wieder wenig Zeit haben werde, will ich, trotz Filmkrise, es zumindest nicht unversucht lassen, die Aufgabe zu bewältigen. Was ich mir anschauen werde, steht hier. Eine Liste aller anderen Teilnehmer, Links zu ihren Listen und Texten hier. Statt längerer Kritiken werde ich mich diesmal wahrscheinlich nur in Form einiger Sammelnotizen begnügen. Los geht’s mit Film 1-3..

Don’t Breathe (Fede Alvarez, USA 2016)

Den diesjährigen, hoch erfreulichen Auftakt macht „Don’t Breathe“, den ich, zugegeben, schon im September gesehen habe – aber wir wollen da mal nicht so sein. Der Film von Fede Alvarez ist ein Paradebeispiel dafür, dass im Horror-Genre immer noch etwas geht und man dafür nicht mal das Rad neu erfinden muss: Erzählerisch effizient, clever, vom Szenario her minimalistisch, hinsichtlich seiner Bezüge aber reichhaltig, stilistisch herausragend, aber trotzdem nie selbstzweckhaft oder gar selbstverliebt. Zweifellos einer der ganz wichtigen Horrorfilme 2016. Hier meine Kritik auf Kino-Zeit.de.

Hush (Mike Flanagan, USA 2016)

Weil ich nach „Don’t Breathe“ Lust hatte, mir noch ein paar andere Filme anzusehen, die grob in die Rubrik „Home Invasion“ fallen, habe ich mich ein wenig umgesehen und mich schließlich für „Hush“ von Mike Flanagan entschieden, den es praktischerweise bei Netflix gab. Inhaltlich gibt es sogar einige Parallelen zu Alvarez’ Film, was nicht nur durch das minimalistische Szenario gegeben war. Bei Alvarez war der Antagonist blind, bei seinem Flanagan ist die Protagonistin taub. Doch leider macht der US-Amerikaner nicht annähernd so viel aus der Ausgangssituation wie sein Kollege aus Uruguay. Das Ergebnis ist ordentlich inszeniert, aber wenig überraschend und deswegen leider nur mäßig spannend. „Hush“ hat etwas von einer Fingerübung. Er ist der nette Horrorfilm für zwischendurch, aber keiner, für den man lange, anhaltende Liebe entwickelt.

Knock Knock (Eli Roth, USA, Chile 2015)

Von diesem Film wurde mir vorab abgeraten, weil a) schlecht und b) kein Horror und c) noch irgendwas (vergessen). Aber ich fand die Ausgangslage doch so spannend – Strohwitwer bekommt Besuch von zwei unbekannten Damen,..–, weil das könnte ja jedem mal passieren und da kann man sich durch einen Film wie „Knock Knock“ schon mal seelisch drauf vorbereiten. Den Anfang, vielleicht sogar gut die erste Hälfte, fand ich dann fast auch grandios, das Gefühl von drohender Gefahr, knisternde Erotik, eine Stimmung, die mehr und mehr ins Unangenehme kippt. Leider ändern nicht nur die beiden Besucherinnen ihr, sondern der ganze Film im weiteren Verlauf sein Gesicht. Die im positiven wie negativen sinnliche Stimmung weicht (wie man das ja von Roth schon kennt“) einer, meiner Wahrnehmung nach platten, grell-satirischen Ausrichtung. Doch wo ich bei „Hostel“ noch eine Ahnung davon hatte, in welche Richtung die Spitzen gerichtet sind, habe ich bei „Knock Knock“ keine Idee mehr, gegen wen oder was diese Satire gerichtet sein soll. Schlussendlich fand ich den Film wohl nicht so schlecht wie diejenigen, die mir von ihm abgeraten haben, für einen großen Wurf halte ich ihn allerdings auch nicht.

Horrorctober 2015

Posted by – 4. November 2015

Das war in diesem Jahr wohl nix mit dem #Horrorctober. 13 Filme wollte ich schauen, 4 habe ich dann nur geschafft. Und die Texte sind zu kurz und kommen zu spät, aber Bitteschön!

Tales Of Halloween (Neil Marshall, Lucky McKee, Darren Lynn Bousman u.a., USA 2015)

Ich bin kein großer Fan von Kurzfilmen, aber um mich schon Ende September in #Horrorctober-Stimmung zu bringen, hatte ich mir „Tales Of Halloween“ angeschaut. In zehn Episoden von zumindest handwerklich recht ordentlicher Qualität präsentieren namhafte Regisseure wie u.a. Neil Marshall, Mike Mendez oder Lucky McKee ihre kleinen Visionen von Halloween. Zu den Highlights der Compilation zähle ich Paul Solets atmosphärischen „The Weak and the Wicked“, in dem sich ein junger Mann mit dämonischer Hilfe einer Straßengang entgegenstellt. Auch gut weil witzig: Der Beitrag von Neil Marshall („The Descent“) um einen gemeinen Killerkürbis, der eine Kleinstadt terrorisiert. Genre-Fans dürfen sich über ein paar schöne Cameo-Auftritte von Joe Dante, John Landis und Stuart Gordon freuen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich bei den meisten Filmen dieser Veröffentlichung eine wirklich gute Idee vermisst habe, die über das hinausgeht, was man ohnehin aus dem Genre kennt. Echte Überraschungen bietet „Tales Of Halloween“ leider nicht. Einzige Ausnahme: Lucky McKees greller Beitrag, der zwar nicht besonders spannend ist, aber durch seine Unangepasstheit positiv hervorsticht.

Julia’s Eyes (Guillem Morales, Spanien 2010)

Mein zweiter #Horrorctober-Film. In „Julia’s Eyes“ (OT: Los ojos de Julia) geht es um eine Frau, deren blinde Zwillingsschwester sich das Leben nimmt. Oder war es doch kein Selbstmord? Auch wenn ich die Geschichte rückblickend etwas wirr erzähle und jetzt auch nicht unbedingt wirklich glaubhaft fand, muss ich doch sagen, dass Guillem Morales aus seiner Prämisse viel herausholt und einen insgesamt spannenden Film hinbekommen hat, bei dem vor allem einige inszenatorisch gelungenen Momente in Erinnerung bleiben. Weil der Film nun aber schon fast anderthalb Monate zurück liegt und ich mir keine Notizen gemacht habe, fällt mir mehr zu sagen auch nicht ein. Wer Gruselfilme mag und mal etwas anderes sehen möchte, sollte trotzdem mal einen Blick riskieren.

Crimson Peak (Guillermo del Toro, USA 2015)

Nach seinen letzten Filmen – „Pans Labyrinth“, „Hellboy – Die goldene Armee“ und „Pacific Rim“ sind die Erwartungen an Guillermo del Toros neustes Werk natürlich gigantisch. In „Crimson Peak“ erzählt del Toro die Geschichte von Edith Cushing (Mia Wasikowska), die von dem Geist ihrer toten Mutter gewarnt wird:„Hüte dich vor Crimson Peak.“ Erst Jahre später wird ihr die Bedeutung dieser Worte klar, doch da ist sie schon mit Baronett Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verheiratet und wohnt zusammen mit ihm und seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) auf dessen deren Anwesen – wo sie bald um ihr Leben bangen muss. Eines kann man del Toro nicht absprechen: rein optisch ist sein romantisches Gruselmärchen – abgesehen von den doof aussehenden CGI-Gespenstern – eine Augenweide. Allerdings scheint die kreative Energie, die in die Optik geflossen ist, an anderer Stelle zu fehlen. Irgendwo versteckt sich in diesen überbordenden Bilderwelten vielleicht ein guter Film, ich weiß es nicht, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich mich beim ersten Sehen trotz Kino-Bonus etwas gelangweilt habe.

Opera (Dario Argento, USA 1988)

In Argentos Filmen spielt die Geschichte meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind ästhetische Erfahrungen und wollen auch als solche wahrgenommen und geschätzt werden. Wer hier keinen Zugang findet, kann mit seinen Filmen oft nichts oder nur wenig anfangen und bleibt „außen vor“. Aber auch wenn es keine Geschichte im herkömmlichen Sinne gibt, so gibt es doch immer wiederkehrende Motive und Themen, wie z.B. auf einer sehr konkreten Ebene die ästhetische Gewaltakte, oder abstrakter, das Sujet des (Zu)Sehens. „Opera“ ist nicht nur deswegen interessant, weil er einfach einer der letzten großen Filme des Meisters Argento ist, sondern auch weil hier beide sich durch sein Werk ziehenden Elemente sehr schön deutlich zusammentreffen, weil hier das einem Mord zuschauen müssen, thematisiert wird. Die junge Opernsängern Betty (Cristina Marsillach) kann nach dem Unfall einer Kollegin deren Rolle in Verdis „Macbeth“ übernehmen, doch die Proben werden von Morden überschattet, deren Zeuge die junge Sängerin gezwungenermaßen wird. Ein feiner Film, zu dem ich mich gerne, irgendwann wenn mal Zeit ist, ausführlicher äußern möchte.

 

Horrors of the Black Museum (Arthur Crabtree, Großbritannien 1959)

Posted by – 12. November 2014

Horrors Of The Black Museum#horrorctober 13, Nachtrag

So ein schöner Titel und dann so ein zerfahrener Film, der irgendwie nicht auf den Punkt kommt, oder keinen hat. Vielleicht war ich zu müde, vielleicht von den zwölf vorausgehenden, teilweise recht expliziten Filmen etwas übersättigt, jedenfalls konnte mich dieser Nachzügler meines #horrorctober nicht so recht überzeugen. Es geht um eine Mordserie erschüttert London, die London in Angst und Schrecken versetzt. Inspektor Graham (Geoffrey Keen) und das Scotland Yard sind ratlos. Auch als sich der vermeintliche Täter stellt, gehen die Morde weiter. Der Psychiater Dr. Ballan (Gerald Anderson) ist der erste mit einem handfesten Verdacht: Steckt vielleicht der von Morden faszinierte Schriftsteller und Journalist Edmund Bancroft (Michael Gough) – sein Patient! – dahinter?

Während Scotland Yard noch rätselt, weiß der Zuschauer längst Bescheid. Wohin der Hase ist nach wenigen Minuten klar, der Rest ist Warten, dass mal wieder ein Mord geschieht oder wenigstens handlungsmäßig irgendwas Überraschendes geschieht. Tut es – von dem kingkongesken Finale einmal angesehen – leider nicht. Mit Ausnahme von Bancroft, bleiben alle anderen Figuren blass. Selbst dessen Gehilfe Rick (Graham Curnow), zu dem er ein sehr besonderes Verhältnis hat, die im Verlauf des Films noch sehr wichtig wird, bleibt skizzenhaft.

Der Film hätte selber ein wenig mehr sein müssen, wie ein Museum, das zweifellos dann die größte Anziehungskraft hat, wenn es seltene Exponate in ihm zu sehen bzw. es schlicht überhaupt etwas zu entdecken gibt. Davon ist in Crabtrees Film aber zu wenig zu sehen. Man mag ihm zu Gute halten, dass er für vieles, beispielsweise den italienischen Giallo ein Vorläufer gewesen sein mag, aber um zu goutieren, wer vielleicht von wem irgendwie, irgendwann inspiriert wurde, kenne ich mich in den Jahrzehnten zu wenig aus. Ich weiß nur: Robert Fuest hat das gut zehn Jahre später in „The Abominable Dr. Phibes“ wesentlich besser hinbekommen. Sein von dem grandiosen Vincent Price gespielter Antagonist hat sich wirklich ein paar schräge Sachen einfallen lassen, um die nach seiner Sicht Schuldigen um die Ecke zu bringen. Bei Crabtree muss man sich mit einem manipulierten Fernglas, einem Elektrodings sowie ordinären Dolch und Zange zufrieden geben. Außerdem hatte Phibes für einen Psychopathen ein recht anständiges Motiv, dass ihn nicht nur zu einer gruseligen, sondern auch zu einer tragischen Figur gemacht hat. Der Schurke in „Horrors of the Black Museum“ hat nichts davon, sein diffuser Hass auf Frauen macht ihn genauso wenig plastisch wie sein behauptetes Interesse für Morde, dass leider nicht einmal im Gebrauch der sicherlich zahlreichen Mordwerkzeugen seines schwarzen Museums zum Ausdruck kommt.

Als Fazit sage ich mal „ganz nett“, aber was heißt das schon für einen Film, der gruselig sein will?

Bild ©  Network
 

Drag Me To Hell (Sam Raimi, USA 2009)

Posted by – 31. Oktober 2014

#horrorctober 12

„Mit Flüchen ist nicht zu spaßen“ habe ich 2009 meine Filmstarts-Rezension zu Sam Raimis „Drag Me To Hell“ begonnen. Diesen und auch ein paar Sätze aus dem Text würde ich heute noch so (unter)schreiben. Insofern fasse ich mich kurz: Dass verflucht werden eine ersten Sache ist, bekommmt jedenfalls die Bankangestellte Christine (Alison Lohman) zu spüren, die einer Zigeunerin den Kredit verweigert und darauf hin einen fetten fluch an den Hals gehext bekommt. Es folgt: Geisterbahn-Kino à la Rami. „Drag Me To Hell“ ist seine Lockerungsübung zwischen den Blockbustern „Spider-Man 3“ und „Oz: The Great And Powerful“ und gleichzeitig die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Interessant ist der Film nicht nur, weil er einen verspielten Umgang mit den Genrekonventionen pflegt, sondern auch die moralischen Standards des Horrorkinos augenzwinkernd unterläuft. Eine Art „Tanz der Teufel“ light, nicht ganz so böse, etwas weniger einfallsreich mit einigen unfreiwillig schaurigen CGI-Effekten, aber alles in allem immer noch sehr feucht fröhlich und einfach unterhaltsam. Und deutlich anders, als das Horror-Fastfood, das man sonst so serviert bekommt.

P.S. Obwohl ich mit dem #horrorctober schon etwas regelbeugend im September angefangen habe, habe ich es diesmal wieder nicht ganz geschafft. Heute, Freitag, den 31.10. um Punkt 23: 55 war der zwölfte Film vorüber, für den letzten ist keine Zeit mehr. Vielleicht lastet auf mir auch eine Art Fluch? Ich werde das nächstes Jahr mal genauer beobachten.

Halloween H20: 20 Years Later (Steve Miner, USA 1998) 

Posted by – 29. Oktober 2014

Halloween H20#horrorctober 11

Weil ich schon bei „Halloween II“ eine Ahnung davon bekommen habe, wie sehr es mich stört, wenn sich Fortsetzungen wenig bis gar nicht um den „Geist“ des Originals scheren, und weil ich neugierig darauf war, „Halloween H20“ noch einmal in dem Wissen zu sehen (das letzte Mal war im Jahr des Kinostarts), dass Steve Miner auf dem Regiestuhl sitzt, habe ich umdisponiert und schaue mir zum Schluss meiner kleinen #horrorctober-Retro lediglich noch diesen „Halloween“-Teil an. War bereits die erste Fortsetzung überflüssig, so darf dieser Film immerhin wohlwollend als Folgefehler durchgehen.

Miners Film lässt die letzten Teile außer Acht und schließt inhaltlich an „Halloween II“ an. Zwanzig Jahre später lebt Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) unter dem Namen Keri Tate in Kalifornien. Als Direktorin der Elite-Schule „Hillcrest“ hat sie Verantwortung für viele Schüler, darunter ist auch ihr Sohn John (Josh Hartnett). Dem geht das überfürsorgliche Verhalten seiner Mutter extrem auf die Nerven. Deswegen kümmert er sich auch nicht weiter um ihre Warnungen, Michael Myers könne noch irgendwo da draußen sein, und stiehlt sich zusammen mit ein paar Freunden von einer Klassenfahrt davon, um im Keller des Internats eine wilde Party zu feiern. Hätte er auf seine Mutti gehört…

… wäre der Film auch nicht anders gelaufen. Michael, der Lauries Tarnidentität mittlerweile aufgedeckt hat, dringt in das gut gesicherte Internatsgelände ein und metzelt sich durch die Belegschaft. Dass nun ein paar Schüler mit John eine Party feiern, spielt für das Grundgerüst der Story keine Rolle. Und das ist wahrscheinlich auch schon der Hauptaspekt, der mich an „Halloween H20“ stört: Das meiste, was passiert, ist einfach ganz schrecklich egal. Miner hat Jason immerhin seine Maske geschenkt und damit die „Friday“-Reihe zu dem gemacht, was sie ist. Ein vergleichbarer Coup gelingt ihm bei „Halloween“ nicht. Für diesen Jubiläums-Film, der nach ursprünglicher Planung das endgültige Ende der Reihe markieren sollte, ist das Drehbuch von Robert Zappia, Matt Greenberg und Kevin Williamson echt schludrig – respektive: vieles macht einfach keinen Sinn. Das fängt mit diesem seltsamen Konstrukt des Internats an, reicht über die völlig unplausible Handlung (warum muss John seine Mutter erst überreden, mit am Schulausflug teilnehmen zu dürfen, nur um dann „heimlich“ doch zu Hause zu bleiben?) und schlecht geschriebene Charakter, wie z.B. Laurie Strode, die mittlerweile schwere Alkoholikerin ist, was für den Verlauf der Geschichte aber rein gar keine Rolle spielt.) Da helfen weder alte Stars wie Jamie Lee Curtis, die sich noch einmal erbarmt hat in ihre Rolle zu schlüpfen, noch die kommenden (Michelle Williams, Joseph Gordon-Levitt), noch die Handvoll Gänsehautmomente nicht weiter. Z.B. als Laurie – die Michael zuvor schon einige Male imaginiert hat – den Killer mit der weißen Maske dann wirklich sieht. Oder das Finale, in dem Laurie gegen ihren Nemesis antritt und ein für alle Mal (schön wär’s) einen Schlussstrich unter das Kapitel Halloween zieht. Solche Momente sind in Ordnung, vieles ist nicht wirklich schlecht – aber nichts ist eben richtig gut. Außerdem frage ich mich, was das Ende, wenn der eingeklemmte Michael seiner Schwester die Hand entgegenstreckt, bedeuten soll. Dass das Böse doch auch nur geliebt werden will? Wenn sich hier wirklich eine Idee versteckt, dann hätte sie besser ausgearbeitet gehört. Bei John Carpenter ist die künstlerische Vision bei der Umsetzung des Stoffs klar erkennbar. Das absolut Böse ist bei ihm eine unerklärbare, leere Größe. Miner nutzt die„Halloween“-typischen Gadgets, die weiße Maske, den Carpenter-Score, doch als hätten er und seine Autoren das Thema des Originals wirklich verstanden, kommt es mir nicht vor.

Mir hat der Film vor allem noch einmal klar gemacht, was ich am ersten sowieso, aber vor allem auch am unterschätzen zweiten Teil der Reihe eigentlich hatte. Ich überlege seit zwei Tagen, ob man „Halloween H20“ als einen würdigen Ausklang der Reihe betrachten kann, aber dazu kann ich mich leider nicht entschließen. Das beste, was ich gerade noch über diesen siebten Teil sagen kann: es hätte schlimmer kommen können.

 Bild © Lions Gate
 

Someone’s Watching Me! (John Carpenter, USA 1978)

Posted by – 27. Oktober 2014

Someone's Watching Me#Horrorctober 10

Rape is when a man consciously keeps a woman in fear

Die Live-Regisseurin Leigh Michaels (Lauren Hutton) zieht nach Los Angeles in das Hochhaus „Arkham Tower“, wird dort aber schon bald vom gegenüberliegenden „Blake Tower“ aus von einem Unbekannten beobachtet und zunehmend bedrängt. Die Polizei ist keine Hilfe, nur ihr neuer Freund Paul (David Birney) und ihre Arbeitskollegin Sophie (Adrienne Barbeau) stehen zu ihr.

Nachdem die letzten neun Filme meines #horrorctober ein echtes Highlight leider schmerzlich vermissen ließen, habe ich mit Nummer 10, John Carpenters TV-Film „Someone’s Watching Me!“ jetzt doch noch ein kleines Meisterwerk erwischt. Seinen TV-Charakter merkt man „Someone’s Watching Me!“ nicht sonderlich an. Bis auf die Musik hat der Film alles, was einen Carpenter dieser Zeit auszeichnete: Eine klare Idee, in klaren Bildern und ruhiger Erzählweise vorgetragen, ein großes Interesse an Räumlichkeit und damit verbunden eine klaustrophobische Stimmung sowie das Quäntchen Humor, das in seinen Spannungsfilmen häufig übersehen wird. Der Film wirkt ein wenig wie eine Fingerübung zu „Halloween“, während dessen Vorproduktion Carpenter ihn gedreht hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Hochhaus – neben Lauren Hutton der zweite Hauptdarsteller des Films – Carpenter dazu inspiriert hat, „Halloween 2“ in einem Hochhaus spielen zu lassen. Der Plan wurde allerdings zugunsten des Krankenhauses, in dem mehr als die Hälfte des Films stattfindet, fallen gelassen.

Was ich an „Someone’s Watching Me!“ gleichwohl bemerkenswert finde, ist zum einen die starke gesellschaftskritische Ausrichtung des Film, der sich ganz offensichtlich mit dem Verhältnis zwischen Frau (in einer Männerwelt) und Mann (und dessen Allmachtsphantasien) auseinandersetzt und zum anderen eine markante Kritik an der zunehmenden Technisierung der Gesellschaft, ich will sogar behaupten, das Thema Überwachung ist hier bereits vorwegnimmt. Anders als manche Kolleginnen und Kollegen sehe ich normalerweise nicht überall Phalli, aber die Hochhäuser stehen so erigiert herum, das ist bestimmt kein Zufall… Und es passt ja auch ganz wunderbar zum Inhalt des Films, der eben nicht nur eine „Rear Window“-Referenz und ein Lehrstück in Sachen Spannungskino ist, nein, er nimmt auch zahlreiche Standards zukünftiger Horrorfilme vorweg und ist eben auch eine starke Metapher für eine frauenfeindliche Gesellschaft. Im Hinblick auf Geschlechterverhältnisse zeigt der Film ein konservatives, aber durchaus realistisches Horrorszenario der total überwachten Frau, ist aber gleichzeitig für das Jahr 1978 auch ein erstaunlich mutiger Film mit einer emanzipierten Protagonistin. Toll gespielt von Lauren Hutton – erst stark, vorgerecktes Kinn, selbstbewusst, lustig, dann zunehmend mit gesenktem Kopf, zurückhaltend, verängstigt. Die Gewalt gegen sie geht aber nicht allein von dem anonymen Stalker aus; Versuche, sie zu kontrollieren kommen von überall: von ihrem Chef, ihrem Macho-Kollegen, den Männern in der Bar. Auch der Grund nach Los Angeles zu ziehen, war ein Mann. Der starke Druck von außen bekommt sie allerdings nicht klein – sie bleibt unangepasst, kämpft, will sich nicht vertreiben lassen.

Es klingt bestimmt durch, ich bin wirklich sehr angetan. „Someone’s Watching Me!“ ist die Sorte Film, die mich glücklich macht: Von zurückhaltender Schönheit, schnörkellos und trotzdem über alle Maßen reichhaltig. Und hier noch ein kleines Loblied auf die sozialen Medien. Da mir der Film mit über 20 Euro selbst für die gebrauchte DVD zu teuer war, und alle Online-Streaming-Dienste, für die ich zahle, ihn nicht im Programm führen, habe ich bei Twitter nachgefragt, zufällig im Besitz des Filmes und verleihbereit wäre. Und tatsächlich fand sich jemand, der mir den Film freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. So schlecht ist die Welt also doch nicht.

Bild © Warner Home Video 
 

Halloween II (Rick Rosenthal, USA 1981)

Posted by – 24. Oktober 2014

halloween box#Horrorctober 9

John Carpenter ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure und „Halloween“ mein Favorit aus seinem mehr als 20 Langfilme umfassenden Œuvre. Auf Filmstarts habe ich 2007 mal ein keines Loblied auf ihn verfasst. Kein Wunder, dass ich mich an die Fortsetzung bisher nicht heran getraut habe. Aber so ein #Horrorctober hat ja auch was mit Mut zu tun. Deswegen habe ich mir endlich einen Ruck gegeben und den zweiten Teil jetzt in den DVD-Player gelegt. So schlimm wie befürchtet war das gar nicht, im Gegenteil.

Die Fortsetzung schließt nahtlos an den ersten Teil an: Dr. Loomis (Donald Pleasence) hat Michael Myers ein paar Kugeln verpasst, woraufhin dieser vom Balkon gestürzt ist. Doch als Loomis unten nachsieht, ist Myers verschwunden. Während Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die einzige Überlebende der Ereignisse, ins Krankenhaus gebracht wird, versuchen Loomis und der Sheriff (Charles Cyphers) Myers zu finden.

Wenn „Halloween“ wie ein unter zunehmendem Druck stehender Behälter ist, der schließlich explodiert, dann ist „Halloween II“ der sich ausbreitende, außer Kontrolle geratene Flächenbrand. Loomis und der Sheriff suchen den Killer, Laurie liegt untätig in ihrem Krankenbett, Myers macht sich auf den Weg ins Hospital. Dort angekommen, dürfen wir ihm dabei zusehen , wie er sich einfallsreich durchs Personal mordet. Eben dieses Personal macht bis dahin, was Krankenhauspersonal eben so macht, z.B. ein heißes Liebes-Bad in irgendeinem Bottich nehmen. Ein wenig, das liest man vielleicht schon in der kurzen Inhaltsangabe , krankt „Halloween II“ daran, dass hier alles drunter und drüber geht respektive sich voneinander wegzubewegen scheint. So richtig spannend ist „Hallween II“ deswegen trotz seines hohen Gewaltpegels über lange Strecken nicht. Was passiert, scheint eher dem Zufall geschuldet, als einem klaren dramaturgischen Konzept. Aber gerade in dem fehlenden Fokus und der Art, wie Debütant Rick Rosenthal das Drehbuch von John Carpenter und Debra Hill in Szene setzt, ist es ganz wunderbar. Wenn John Carpenter stets die Begrenzungen des Raums interessieren, lotet Rosenthal stattdessen seine Weitläufigkeit aus. Besonders die Sequenzen, in denen wir Michael auf seinem Weg ins Krankenhaus begleiten, haben es mir angetan. Die Nacht ist in diesem Moment so greifbar, die Figuren sind wie Rußteilchen im Wind, die nach der „Explosion“ (als Metapher verstanden) im Finale des ersten Teils durch die Gegend wehen.

Nicht wenige finden den zweiten Teil sogar noch besser als den ersten, was ich zumindest nachvollziehen kann. Denn anders als im Vorgänger gibt es hier keine 40-minütige Exposition, sondern es geht gleich ordentlich zur Sache. Mein Fall ist das nicht, und ich habe in vielen Momenten Carpenters Genie vermisst. Aber ich leugne nicht, dass mir diese Fortsetzung, die rein inhaltlich völlig überflüssig ist, doch recht gut gefallen hat. Und am Ende gibt es sogar noch die Explosion, die ich mir im ersten Teil nur eingebildet habe.

Bild © Anchor Bay Entertainment
 

Final Destination 4 (David R. Ellis, USA 2009)

Posted by – 19. Oktober 2014

final destination 4#Horrorctober 8

Der Vollständigkeit halber, und weil ich mich an die anderen, bestimmt großartigen aber auch herausfordernden Filme aus meiner #Horroctober-Liste gerade nicht herantraue, gibt’s mit „Final Destination 4“ – dem Teil der Reihe, der mir noch fehlt – noch einmal Horror-Fastfood. Diesmal hat ein junger Mann namens Nick (Bobby Campo), der mit seinen Freunden ein Autorennen besucht, die Vision eines schrecklichen Unfalls. Viele Zuschauer wie auch er selbst kommen dabei ums Leben. Er und ein paar andere verlassen daraufhin die Rennstrecke – und kommen gerade so mit dem Leben davon. Zumindest vorläufig, denn der Tod lässt sich nicht so einfach ausbremsen.

Wesentliche Unterschiede zwischen diesem und den anderen Teilen gibt es nicht, wohl aber ein paar Details, die ihm einen gewissen Wiedererkennungswert geben, von denen einige ihn meiner Meinung nach aber zu dem schlechtesten der Reihe machen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist z.B. , dass die Todesfälle bis auf wenige Ausnahmen das indirekte Resultat einer moralisch fragwürdigen Handlung sind. Eine Figur will sich beispielsweise an einer anderen rächen – und setzt damit die Ereignisse, die zu ihrem Tod führen erst in Gang. Eine andere gibt einem Penner zu wenig Geld, wieder eine andere drängt eine Frisörin dazu, trotz Ladenschluss ihr noch die Haare zu schneiden. Diese moralische Note hat mich gestört, weil sie eine der Grundprinzipien der Reihe unterläuft. Der Tod macht keinen Unterschied zwischen den Menschen, wer dran ist, ist dran, Geschlecht, Hautfarbe, Charakter oder politische Einstellung spielen beim Sterben keine Rolle. Anders bei „Final Destination 4“, hier scheint der Tod die Sünden der Menschen zu bestrafen. Das ist nicht prinzipiell verkehrt, sondern vielmehr sehr typisch für das Genre. „Final Destination“ gräbt sich so aber selbst das Wasser ab, weil es eine Besonderheit aufgibt. Und im konkreten Fall ist das außerordenlich ärgerlich, weil Ellis, bzw. die Auroren Eric Bress und Glen Morgan hier nicht nur jeden Geschmack vermissen lassen, sondern schlicht nicht nachgedacht haben. Samantha (Krista Allen), eine der Überlebenden der Katastrophe, wird schon während des Rennens als Rabenmutter charakterisiert, weil sie ihre Kinder mit Tampons vor dem Geräusch der fahrenden Autos zu schützen versucht. Nach dem Unglück will sie sich mit Freunden treffen und benötigt dazu noch eine neue Frisur. Ihre Kinder schickt sie derweil in die nächste Spielhölle. Die „Strafe“ folgt auf den Fuß: Bei verlassen des Frisörsalons wird ihr Kopf – vor den Augen ihrer Kinder – von einem umherfliegenden Metallteil zerschmettert.

Unabhängig von solchen Verfehlungen, auf die bestimmt nicht jeder Zuschauer gleich sensibel reagiert, gibt es noch einiges mehr zu beanstanden. Die Tode sind seltsam lieblos in Szene gesetzt, jedenfalls wollte sich bei mir nie Spannung einstellen. Mein Highlight wäre noch der Tod in der Autowaschanlage gewesen (ich weiß schon, warum ich da so ungern durchfahre!). Wäre gewesen. Denn leider erkennt Ellis nicht, dass er hier den Stoff zu einem Highlight der ganzen Reihe in den Händen gehalten hat und bringt die potenziell nervenaufreibende Sequenz denkbar lahmarschig zum Abschluss. Das auffälligste Manko sind allerdings die CGI-Effekte, die wie aus dem günstigsten japanischen Gore-Flick aussehen. Meiner Meinung nach ist die Bedeutung von Spezial-Effekten überschätzt, aber im Falle von „Final Destination 4“ haben sie mich gestört bzw. herausgerissen. Wenn Sterben nicht mehr ist als ein paar rote Pixel, dann hat der Tod seinen Schrecken verloren.

Ich will nicht ungerecht sein. Verglichen mit den anderen Teilen schneidet der vierte (von den auffallend mangelhaften Effekten abgesehen) wahrscheinlich nicht einmal besonders schlecht ab. Wer weiß, hätte ich die Filme in einer anderen Reihenfolge oder diesen in anderer Stimmung gesehen, wäre mein Urteil vielleicht anders ausgefallen. So halte ich „Final Destination 4“ knapp nach dem ebenfalls von Ellis inszenierten zweiten Teil für den schlechtesten der Reihe.

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