Tag: Hugh Jackman

Prisoners (Denis Villeneuve, USA 2013)

Posted by – 22. Februar 2015

Prisoners

Die Familien Dover und Birch feiern gemeinsam Thanksgiving. Nach dem Essen gehen die Töchter Anna Dover und Joy Birch draußen spielen – und sind kurz darauf spurlos verschwunden. Die Polizei nimmt zwar den Fahrer (Paul Dano) eines verdächtigen Wohnmobils fest, dem lässt sich jedoch nichts nachweisen. Während Detective Loki (Jake Gyllenhaal) weiterhin nichts unversucht lässt, den Täter zu finden, hält der Vater von Anna, Keller Dover (Hugh Jackman), den Mann am Steuer des Wohnmobils jedoch nicht für unschuldig – und entführt ihn.

Ich habe mich kurz gefragt, ob ich den Text mit dem Satz „Endlich habe ich den Film auch gesehen“ beginne. Weil mir „Enemy“ so gut gefallen hat, habe ich mich tatsächlich sehr auf „Prisoners“ gefreut. Nach dem Film ist die Stimmung allerdings eine andere, jetzt fühle ich mich gefangen in der Geschichte, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. „Prisoners“ wird mitunter in einem Atemzug mit „Big Bad Wolves“ genannt. Und bin froh, dass Vielleneuves Film bis auf eine ähnliche Prämisse so gut wie gar nichts mit Aharon Keshales & Navot Papushados dümmlicher Selbstjustiz-Comedy gemein hat. Was hat er, was Filme ähnlichen Themas nicht haben, was macht gerade diesen Film zu einem schwarzen Loch, aus dem kein Lichtstrahl entweicht? Seit ein paar Tagen arbeitet es in mir, doch ich finde weder Eingang noch Ausgang. In seiner Absolutheit erinnert mich der Monolith „Prisoners“ an Filme wie „The Silence Of The Lambs“ oder „Seven“, nicht nur, weil dem Zuschauer ebenfalls ein klares Happy End verweigert wird. Villeneuves Film nach einem Drehbuch von Aaron Guzikowski ist in dieser Hinsicht sogar besonders perfide, weil eine Andeutung am Ende den geprügelten Zuschauer kurz die Illusion von Hoffnung geben mag.

In „Prisoners“ ist wirklich jeder ein Gefangener – im ganz wörtlichen Sinne oder auch im übertragenen: ein Gefangener seiner Geschichte, seiner Erziehung und persönlichen Traumata, seiner Weltanschauung und (falschen) Theorien etc. – und wahrscheinlich ist es auch der Titel, der am ehesten einen Weg in diesen hermetischen Film weist, der vordergründig ein reines Genre-Produkt, aber gleichwohl offensichtlich so viel mehr ist. Was genau, da bin ich mit meinen Gedanken noch nicht am Ende. Deswegen verbleibe ich mit der, bei Texten zu diesem unaufgeregt gleichwohl exzellent inszeniertem Film, unumgänglichen Feststellung, dass die Schauspieler durch die Bank wirklich Großartiges leisten. Jede ihrer Figuren ist plastisch und absolut glaubwürdig in ihren Ängsten, ihrem Getriebensein, und in dem vermeintlichen Akt von Freiheit, mit dem sie gegen die Mauern ihres Kerkers rennen.

Derzeit ist der Film noch ein mächtiger schwarzer Fels in der Brandung meiner Gedanken; aber er ist auch ein existenzielles Filmerlebnis, allerdings eines, das dem Zuschauer an die Substanz gehen kann. „Pray for the best, but prepare for the worst“, heißt es im Film. Aber auf das Böse, wie es im dort gezeigt wird, kann man nicht vorbereitet sein.

Bild © Universal Pictures

X-Men: The Last Stand (Brett Ratner, USA 2006)

Posted by – 17. Februar 2013

Mutation – gibt es da nicht was von Ratiopharm?

Die Bruderschaft um Magneto (Ian McKellen) rüstet ein weiteres Mal zum Krieg gegen die Menschheit. Denn die hat ein Serum entwickelt, das Mutanten – auch gegen ihren Willen – ihrer Kräfte beraubt. Doch es gibt noch ein weit größeres Problem, dem sich von Charles Xavier (Patrick Stewart) und seine X-Men stellen müssen: Ihre verstorbene Kollegin Jean Grey (Famke Janssen) ist als allmächtiger Mutant Dark Phoenix wiedergeboren worden.

Ich weiß noch wie enttäuscht ich war, als ich den Film damals im Kino gesehen habe. Sicherlich, ein paar Stärken dieser Reihe – z.B. tolle Charaktere und die ethische Dimension der Geschichte – sind noch vorhanden. Außerdem gibt es eine Handvoll guter Einzelszenen. Trotzdem kriselt es im Franchise ab diesem Teil gewaltig. Ein großes – vielleicht sogar das größte Problem an „X-Men: The Last Stand“ ist schon seine Grundprämisse. Auf einmal gibt es ein Heilmittel, das Mutationen beseitigt. Mutation? Hier, nimm das. Schwupp, weg. Dass so ein Serum nicht besonders wahrscheinlich ist, ist angesichts des Genres, in dem wir uns bewegen, zu verschmerzen. Dass dadurch die große Tragik des X-Men-Universums nivelliert wird, nicht. Mutation wird auf einmal zu etwas, das man an- und ausziehen kann wie ein paar Socken. Die Fallhöhe, die die Reihe durch die ersten beiden Teile aufgebaut hatte, ist verschwunden.

Andere Elemente der Story wirken ebenfalls nicht sonderlich durchdacht. Z.B. der Handlungsstrang um Jean Grey (Famke Janssen). Der wurde zwar im letzten Teil bereits angelegt, aber jetzt bricht er doch so holterdiepolter durch die Tür, dass man fast erschrickt und gar nicht genug Zeit hat, Empathie mit ihrer und anderen involvierten Figuren aufzubauen. Charles Xavier (Patrick Stewart) enthüllt im Nebensatz, dass Jean Grey ein Supermutant mit zwei Persönlichkeiten ist. Aha. Scott Summers alias Cyclops (James Marsden) ist auf einmal verschwunden. Das wirkt, als wären da ein paar Seiten Script vom Winde verweht worden. Und auch sonst rumpelt es an allen Ecken und Enden heftig im Drehbuch von Simon Kinberg und Zak Penn, das von „Rush Hour“-Regisseur Brett Ratner – das kommt noch dazu – nicht gerade uninspiriert umgesetzt worden. Angesichts dieser beiden großen Defizite ist es fast schon egal, dass Ratners Film noch eine Reihe weiterer dummer Ideen und stilistischer Unsicherheiten aufbietet, über die ich mich jetzt aber gar nicht auslassen will.

Bryan Singer und seine Crew haben mit den ersten beiden Teilen die „X-Men“-Comics kongenial für die Leinwand adaptiert. Singer hat soviel vorgelegt – da konnte „X-Men: The Last Stand“ einfach nicht auf der ganzen Linie scheitern. Ich komme allerdings nicht umhin zu bemerken, dass Ratners Sequel gefährlich nahe am Totalausfall entlang schrammt und dem Franchise einigen Schaden zugefügt hat. Aber apropos Schaden: Da gibt’s doch bestimmt auch was von Ratiopharm?

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil 2.
 

X-Men 2 (Bryan Singer, USA 2003)

Posted by – 17. Februar 2013

X-Men_ Complete CollectionDie Berlinale – das waren für mich fast 35, teilweise nicht ganz leicht verdauliche Stücke Kinokost. Da brauche ich jetzt erst einmal ein, zwei etwas bekömmlichere Filmchen, um mich sanft zu entwöhnen und behutsam wieder runterzukommen.

Die Wahl fällt auf „X-Men 2“. Die ersten beiden Teile der Reihe gehören meiner Meinung nach zu den besten Superhelden-Filmen überhaupt. In meiner Erinnerung war der zweite Teil sogar noch etwas besser als der erste. Seit der letzten Sichtung sind allerdings schon ein paar Jahre ins Land gegangen und heute muss ich diese Einschätzung etwas relativieren.

Nach den Ereignissen im ersten Teil sitzt Erik Lensherr alias Magneto (Ian McKellen) im Hochsicherheitsgefängnis. Trotzdem ist die Gefahr eines Krieges zwischen Menschen und Mutanten  noch immer nicht gebannt. Denn der hassgetriebene General Stryker (Brian Cox) schafft es, die Maschine Cerebro an sich zu bringen und den Philanthropen Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) so zu manipulieren, dass dieser bereit ist, alle Mutanten mit Hilfe der Maschine auszulöschen. Seine Schüler, die X-Men, müssen sich mit Magneto zusammentun, um den Genozid zu verhindern.

Was ich an Singers „X-Men“-Umsetzung sehr mag: Wie verletzlich seine Helden wirken. Ihre „Superkräfte“ sind meist eher Fluch als Segen. In dieser Hinsicht kann Singers Filmen  bestenfalls Ang Lees „Hulk“ das Wasser reichen.

Leider musste ich gerade feststellen, dass der zweite Teil die Ausformulierung dieses Themas nicht besonders konsequent weiterverfolgt. Zwar gibt es immer wieder Figuren wie Strykers Sohn Jason (Michael Reid MacKay) oder  Kurt Wagner alias Nightcrawler (Alan Cumming), in denen die Idee lebt, aber insgesamt setzt Singer in „X-Men 2“ mehr auf Action und eine flotte Story. Das ist ja auch an sich nicht verkehrt. Zumal wieder die Chemie zwischen den Figuren wie auch die Produktionswerte stimmen und der Film vor visuellen Einfällen gerade nur so überschäumt. Insofern ist das schon ein wirklich toller Film. Trotzdem: Ein ganz klein bisschen enttäuscht war ich beim diesmaligen Schauen doch. Irgendwie scheint sich mir hier schon der Abwärtstrend des „X-Men“-Franchise anzudeuten.

Oder bin ich einfach noch im Berlinale-Modus und muss mich erst wieder an „normale“ Filme gewöhnen?

Bild © Twentieth Century Fox