Tag: Isabelle Nélisse

Mama (Andrés Muschietti, Spanien / Kanada 2013)

Posted by – 24. März 2013

MamaNicht nachvollziehbar handelnde Figuren, Versatzstücke am laufenden Band, ein bis zum Anschlag aufgerissener Score, um den Zuschauer zu erschrecken, sinnfreie Szenen, die nur dazu dienen etwas Atmosphäre zu erzeugen – die aber genau das Gegenteil bewirkten,… – willkommen im Gruselkino des neuen Jahrtausends!

Ein Mann bringt seine Frau um und flieht mit den beiden Töchtern Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse). Sein Bruder Lucas sucht ihn und die Mädchen (Nikolaj Coster-Waldau) in den folgenden Jahren verzweifelt – bis sie fünf Jahre später tatsächlich in einer verfallenen Hütte im Wald gefunden werden. Vom Bruder keine Spur. Lucas und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) nehmen die verwilderten Kinder bei sich auf, müssen aber bald feststellen, dass mit Victoria und Lilly noch etwas anderes, etwas Böses, in ihr Haus gekommen ist.

Wie oben schon angedeutet: Vieles hat mir an „Mama“ nicht gefallen. Der Film wirkt zu sehr wie ein aufgeblasener Kurzfilm, was er ja seinem Wesen nach auch ist. Viel zu oft unterwirft sich Andres Muschietti dem Diktat des (Er)Schreckens, anstatt sich auf seine Geschichte zu konzentrieren. Aber einiges fand ich dann doch richtig prima. Muschiettis Film ist nämlich eigentlich weniger normaler Gruselfilm als ein sozialpsychologisches Märchen darüber, wie Menschen durch ihr Milieu beeinflusst werden. Allerdings erzählt er diese Geschichte nicht wissenschaftlich-analytisch, sondern wählt vielmehr eine im doppelten Sinne fantastische Bildsprache und imposante Metaphern. Als sie nach fünf Jahren in der Hütte gefunden werden, sind sie mehr Monster als Menschen, was sich nicht nur durch ihr Aussehen, sondern in ihrer gesamten Körpersprache zeigt. Erst als sie von Lucas und Annabel liebevoll in die Familie aufgenommen werden, werden sie nach und nach wieder zivilisiert. Zumindest Victoria ist für die Vorzüge des neuen Zuhauses und die Zuneigung ihrer neuen Eltern durchaus empfänglich. Die jüngere Lilly hingegen findet sich in ihrer neuen Lebenswelt nicht zurecht. Zu einflussreich waren ihre Erlebnisse in den Wäldern, zu stark die Bindung zu ihrer „eigentlichen“ Mutter. Muschietti findet für diesen Kampf zweier Adoptivmütter um ihre Kinder starke Bilder, die die Auswirkungen des Milieus auf die beiden Mädchen und ihre Zerrissenheit illustrieren. So bildet das Ziehen und Zerren auch ein ganz zentrales Motiv des Films. Und zumindest auf dieser Ebene ist „Mama“ tatsächlich überaus gelungen. Ob das schon reicht, um „Mama“ insgesamt einen gelungenen Film zu nennen? Hier bin ich jetzt etwas zerrissen. Aber ich würde sagen: Eher nicht. Trotzdem hat er mich okay unterhalten und auch nach dem Kinobesuch noch einige Zeit beschäftigt. Insofern war es auf keinen Fall verschenkte Zeit.

Die gleiche Meinung in anderen Worte gibt’s auch in Nr. 25 des  Multimania-Magazins oder der aktuellen Ausgabe des Kontroversum-Podcasts.

Bild © Universal Pictures Germany