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Libido (Ernesto Gastaldi, Vittorio Salerno, Italien 1965)

Posted by – 19. März 2016

LibidoNicht so werden zu wollen wie seine Eltern – darüber wird der ein oder andere bestimmt schon nachgedacht haben. Und auch mir fallen da spontan gleich mehrere Menschen einen, die diesen Wunsch mal geäußert haben. Auch der Protagonist im frühen Giallo von Ernesto Gastaldi & Vittorio Salerno möchte auf keinen Fall in die Fußstapfen seines Vaters treten. Denn als Kind musste Christian mit ansehen, wie dieser eine Frau umbrachte und hinterher Selbstmord beging. Die nächsten Jahre verbringt Christian unter psychiatrischer Aufsicht. Um seinen gesundheitlichen Zustand zu testen kehrt er als Erwachsender (Giancarlo Giannini) zusammen mit seiner Gattin Eileen (Dominique Boschero), seinem Anwalt Paul (Luciano Pigozzi) sowie dessen Frau Brigitte (Mara Maryl) zum Haus seiner Kindheit zurück. Schon bald findet Christian immer mehr Anzeichen dafür, dass irgendetwas in dem alten Haus nicht stimmt. Lebt sein Vater etwa noch?

„Libido“, der kurz nach Mario Bavas Klassiker „Blood And Black Lace“ entstanden ist, ist, noch kein typischer Giallo, wenngleich die Elemente des Genres, eine Mordserie, ein unbekannter Killer, schwarze Handschuhe, sexuelle Traumata, einprägsame Musik u.ä. hier durchaus vorkommen. Auch das Thema Beobachten spielt, wie vor allem in den Gialli Dario Argentos, eine Rolle wichtige eine Rolle. Lediglich die Kamera des in schwarz-weiß gedrehten Films agiert bis auf wenige Ausnahmen eher giallo-untypisch einfallslos. Wenn „Libido“ optisch auch nicht gerade brillant daher kommt, ist die Geschichte mit Spuk-Touch trotzdem sehr spannend umgesetzt und psychologisch nicht ganz abwegig. Man merkt, dass sich der Schreib-Profi Ernesto Gastaldi und Vittorio Salerno (der Regisseur von „No il caso è felicemente risolto“, den ich mir die nächsten Tage ansehen möchte), die sich neben der Regie auch für das Buch verantwortlich zeichnen, hier ernsthaft einen Kopf gemacht und versucht haben, die Motivation der Figuren plausibel zu machen. Geglückt, würde ich sagen. Dass das recht gut funktioniert, liegt auch an den Darstellern, die mich hier, von Giancarlo Gianninis leichtem Overacting mal abgesehen, wirklich überzeugt haben. Der Zuschauer bleibt bis zum Ende im Unklaren, wer hier was aus welchen Gründen tut, doch wenn schließlich die Auflösung präsentiert wird, ist das, anderes als in vielen späteren Filmen, in denen der Täter unvermittelt aus dem Hut gezaubert wird, ist das Ergebnis nachvollziehbar und stimmig. Mir hat es gefallen, dass gerade die wahnsinnige Figur letzten Endes die wahrhaftigste war.

Schade, dass ein Film wie „Libido“ so wenig bekannt ist, nicht nur, weil man ihn in vielerlei Hinsicht als Wegbereiter des in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren aufblühenden Giallo begreifen kann. Das Thema, nicht wie die eigene Eltern werden zu wollen, ist universell und nachvollziehbar und hier wird hier filmisch auf eine sehr spannende Weise präsentiert. In Christians Fall klappt das, soviel sei verraten, wenn auch auf eine andere Weise als erwartet, nicht so ganz. Ich hoffe, das ist jetzt kein Spoiler, sondern ein Aspekt, der neugierig macht und alle, die das hier lesen motiviert, diesem kleinen aber feinen Früh-Giallo eine Chance zu geben.

Bild-Quelle: IMDB

Across The River (Lorenzo Bianchini, Italien 2013)

Posted by – 1. Februar 2015

across the riverVielleicht darf ich auch einfach mal schreiben, dass mir nicht viel zu einem Film einfällt. Kritiken lese ich eigentlich nicht allzu oft, aber zu „Across The River“ (OT: Oltre il Guado) sind mir einige sehr positive Texte untergekommen und deswegen wollte ich ihn gerne sehen. Das habe ich jetzt getan. Mir ist allerdings nicht klar geworden, was Publikum und Kritik an dem mehrfach ausgezeichneten Film sehen. Ich habe nicht einmal viel zu meckern, weil: da ist einfach nichts. Bestenfalls dieses Nichts kann ich kritisieren, ein Horror- bzw. Gruselfilm sollte ja „Etwas“ haben und zwar ein Etwas, das Angst macht.

Ein Mann (Marco Marchese) läuft erst durch einen Wald, dann durch ein verlassenes Dorf. Da mal eine schräge Klaviernote, dort ein Horn. In einigen Texten ist zu lesen, der Regisseur Lorenzo Bianchini, der hier auch für das Drehbuch und den Schnitt verantwortlich zeichnet, spiele mit Genre-Konventionen, ich aber sage: er reiht sie aneinander. Das hat man alles schon etliche Male und zwar meist besser gesehen. Lediglich das Timing unterscheidet sich ein wenig von ähnlichen Produktionen. Soweit, dies als „behutsamen Spannungsaufbau“ zu bezeichnen, würde ich aber auch nicht gehen. Und nur dafür, dass Bianchini wie ich kein großer Fan von Jump Scares zu sein scheint, bin ich noch nicht bereit zu klatschen. Zumindest ich war nicht ge- sondern eher entspannt, um nicht zu sagen gelangweilt – bist das Genervt sein dazu kam. Änderungsvorschlag für den Film: Alle Nebenstränge (alten Mann, Sanitäter und vor allem die beiden Schwestern weglassen), die Im-Traum-Ertrinken-Szene zum Schluss noch einmal wiederholen und ihn nicht aufwachen lassen. Dann wäre das zwar immer noch kein toller Film, aber zumindest wäre er dann stringenter aufgebaut und hätte am Ende auf die zwei schmierigen Schwestern aus der Mottenkiste des Horrorfilms verzichten können.

Positiv aufgefallen ist mir lediglich, wie der Aktions- und Wahrnehmungsradius der Hauptfigur immer weiter schrumpft. Stehen ihm am Anfang Wald und Wiesen offen und ist sein Sensorium durch die Kameras an den Füchsen sogar noch erweitert, verengen sich die Grenzen seiner Welt nach dem Ansteigen des Flusses und seiner Ankunft im Dorf immer weiter, bis er schließlich desorientiert durch die verfallenen Räume irrt. Ein glücklicher Zuschauer ist wohl einer, auf den sich diese Irritation und Klaustrophobie überträgt. Das hat bei mir leider nur in sofern funktioniert, dass mein Sofa von Filmminute zu -minute unbequemer geworden ist.

Bild © Marctropolis