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Blended (Frank Coraci, USA 2014)

Posted by – 14. Mai 2016

BlendedWenn man älter wird, verschieben sich die Prioritäten. Davon wollen Liebesfilme in der Regel nichts wissen. Nur sehr selten bekommen sie es hin, mal etwas anderes als die üblichen Beziehungsanbahnungen und -konstellationen überraschungsfrei rauf und runter zu dudeln. Da überrascht es, dass einer der interessantesten Beiträge ausgerechnet ein Adam Sandler Film ist. Oder eben nicht. Denn nach den wenigen Begegnungen mit seinen Filmen kann ich schon sagen, dass keiner so oberflächlich ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

In „Blended“ geht es um die allein erziehenden Eltern Lauren (Drew Barrymore) und Jim (Adam Sandler). Sie treffen sich zu einem Blind Date – und können sich auf den Tod nicht ausstehen! Doch schon wenig später führt sie das Schicksal nicht nur erneut zusammen, sondern ermöglicht den beiden Familien sogar einen gemeinsamen Afrika-Urlaub. Auch wenn am Anfang ordentlich die Funken sprühen, müssen die beiden Streithähne bald feststellen, dass sie doch gar nicht so schlecht zusammenpassen.

Neben diesem ganz individuellen Fall geht es in „Blended“ – und das macht ja schon der Titel deutlich – um eine im Liebesfilm weniger häufig betrachtete Form des Zusammenfindens und –lebens, nämlich um das derjenigen, die die erste Runde schon gespielt haben und nun mit Kindern ein Leben leben, das genauer zu betrachten den meisten romantischen Komödien wohl zu anstrengend wäre. Schließlich brauchen Kinder, wie in „Blended“ mal gesagt wird, 99% deiner Zeit und nur 1% bleibt da für den Partner übrig. 1% – das wäre vielen Filmen wohl zu wenig, um hier romantisch auf Touren zu kommen, deswegen lassen es die meisten lieber gleich sein. Nicht so Sandler, der sich hier mit seinen Autoren Clare Sera und Ivan Menchell wie Regisseur Frank Coraci geradezu mit kindlicher Begeisterung auf das Thema „Patchworkfamilie“ (mit allem was dazu gehört) stürzt und im Ergebnis nicht nur einen der lustigsten und romantischsten Liebesfilme abliefert, die ich seit Jahren gesehen habe, sondern auch einen der endlich mal etwas übers (Zusammen)Leben zu sagen hat.

Denn bei aller Albernheit – und davon gibt es bei „Blended“ natürlich auch genug, man nehme nur diese scheußlich-herrlich afrikanische Musik-Combo, die zu den unpassendsten Momente aus dem Nichts auftaucht und die alle peinlichen Momente noch peinlicher macht – ist es Sandler hoch anzurechnen, dass er sich nicht scheut, auch komplizierte Beziehungen mit allem was dazu gehört auf seine ganz eigene Art unter die Lupe zu nehmen. Neben der Beziehung Lauren und Jim – die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist indes ganz hervorragend! – muss es, dem Thema entsprechend, natürlich auch oder sogar vor allem um das Leben mit den Kindern der beiden gehen. Im Detail sind das Laurens Söhne, der überdreht-aggressive Tyler (Kyle Red Silverstein) und Brendan (Braxton Beckham), der mitten in der Pubertät steckt und seine Sexualität noch nicht ganz unter Kontrolle hat sowie Jims Töchter, die alle sehr unter der abwesenden Mutter leiden, die kleine Lou (Alyvia Alyn Lind), die nach einem Sportsender benannte Espn (Emma Fuhrman), wie die älteste Tochter Hilary (Bella Thorne), der ihr männliches Aussehen sehr zu schaffen macht.

Ich kann verstehen, wenn man Sandler vorwirft, er würde oberflächlich sein und nicht davor zurückscheuen, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich sehe das bzw. empfinde das allerdings nicht so. Sicherlich mögen manche „interkulturellen“ Gags grenzwertig und diskutabel sein, was die grundsätzlich positive Einstellung Sandlers zu den Charakteren seiner Filme angeht, darauf lasse ich nichts kommen. Ich finde es im Gegenteil sogar höchst erstaunlich, wie es Sandler immer wieder gelingt, mir auch bei jedem noch so grenzdebilen Scherz trotzdem wie ein großer Humanist vorzukommen. In seinem Film lachen wir nicht über die Figuren – wir lachen mit ihnen, weil wir spüren, dass auch wir hätten diejenigen sein können, die sich aufs Pupskissen setzen. In seinen Filmen sind wir alle eine große Familie.

Bild © Warner Home Video