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Terminator (James Cameron, USA / Großbritannien 1984)

Posted by – 19. Mai 2015

TerminatorUm mich für „Mad Max: Fury Road“ einzustimmen, den ich letzten Sonntag Abend im Kino gesehen habe (Text folgt vielleicht noch), habe ich zuvor diesen Klassiker aus dem Regal gezogen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich „Terminator“ mittlerweile gesehen habe – oft! – aber weil das letzte Mal schon wieder ein Weilchen zurückliegt und das Thema „Wiederholung“ ohnehin gut zu dem Film passt, ist es an der Zeit, meine Erinnerung an ihn mal wieder aufzufrischen.

„Terminator“ erzählt die Geschichte von zwei Zeitreisenden – dem Soldaten Kyle Reese (Michael Biehn) und dem Cyborg T-800 (Arnold Schwarzenegger). Beide sind aus der Zukunft in die Gegenwart des Jahres 1984 zurückgekehrt, um eine Frau zu finden: Sarah Connor (Linda Hamilton). Der eine will sie töten, der andere sie retten. Denn in der Zukunft haben nach einem Atomkrieg die Maschinen die Macht übernommen und die Reste der Menschheit fürchtet ums Überleben. Sarah Connors zukünftiger Sohn John, der im Jahre 1984 noch nicht geboren ist, wird die Rebellion gegen die Maschinen erfolgreich anführen; aus diesem Grund wollen die Maschinen seine Geburt verhindern.

„Terminator“ ist für mich so etwas wie die Sci-Fi-Version von John Carpenters „Halloween“, weil der Film in Struktur und Stimmung ähnliche Merkmale aufweist. (Und sogar Schwarzenegger sieht in ein paar Einstellungen aus wie Michael Myers.) In diesem Action-Bollwerk kommt die Bedrohung allerdings nicht aus dem Irrenhaus, sondern aus der Zukunft; und sie ist auch nicht so schwer fassbar wie Carpenters Film, denn wir wissen, was der Terminator will. Er will die Mutter des ärgsten Feindes der Robomacht der Zukunft vernichten, ehe dieser zu einer Gefahr werden kann. Klingt straight, ist es aber nicht. Denn: Gelänge ihm dies, würde es den Film wohl nicht geben, wäre die Menschheit der Zukunft Geschichte. Weil es den Film aber gibt, können wir daraus schließen, dass der Terminator scheitert – und die Geschichte ist eine unmögliche Figur, die sich immer wiederholt, ohne wirklich sein zu können. Ad infinitum. Wenn man jetzt noch einbezieht – Menschen, die „Terminator“ noch nicht gesehen haben, überlesen das bitte mal kurz –, dass Sarah und Kyle ein Stelldichein haben, dessen Produkt Sarahs Sohn John sein wird, erstrahlt dieses ödipale Escher-Gemälde von einem Film erst in voller Pracht.

Der Sohn schickt seinen Vater durch die Zeit zurück, um die eigene Zeugung sicherzustellen, die Maschinen, deren Emporkommen sich später ebenfalls als direktes Resultat des Zusammentreffens der Zeitreisenden im Jahr 1984 zeigt, schicken eine Art Anti-Vater zurück, der die Zeugung verhindern soll – der dadurch aber andererseits auch wieder die Bedingung der Möglichkeit der eigenen Existenz nihiliert hätte. Zum Schluss ist der einst so mächtige T-800 wie ein Baby, das mit letzter Kraft durch die Fabrikhalle krabbelt, bis er von der Mutter in einem schöpferischen Akt zerquetscht wird. Aber als Baby steht er auch für Leben und tatsächlich sichert gerade seine Zerstörung seine zukünftige Existenz und ewige Wiederkehr ins Jahr 1984. Halleluja! Je länger man darüber nachdenkt, desto fester zieht der Möbiusknoten im Kopf. Jedenfalls ist – und das ist es, was ich vermutlich sagen will – „Terminator“ damals wie heute eine runde Sache!

Bild © Twentieth Century Fox

Aliens (James Cameron, USA 1986)

Posted by – 16. Juli 2012

Was ist gefährlicher als ein Alien? Genau! Viele Aliens! Nach diesem Motto lässt es James Cameron richtig krachen.

Nach den Ereignissen in „Alien“ ist Ripley (Sigourney Weaver) 57 Jahre im Kälteschlaf durch den Weltraum unterwegs, bis sie von einem Bergungsschiff gefunden wird. Ihrem Bericht darüber, was sich damals auf der Nostromo zugetragen hat, glaubt allerdings niemand. Erst als der Kontakt zu den Siedlern abbricht, die mittlerweile auf Mond LV-426 leben, beginnt man sich für ihre Geschichte zu interessieren. Zusammen mit einer Handvoll Marines, soll Ripley auf den Mond zurückkehren, um die Lage zu klären.

Ich habe „Aliens“ schon ewig nicht gesehen, aber neulich dann endlich mal wieder. Und auch noch den Extended Cut und auf großer Leinwand. Das war schon toll. Trotzdem hatte ich irgendwie kaum Lust, die ganzen Vorzüge herunterzubeten. Nur soviel: Cameron zeigt mit „Aliens“, dass er die Regeln des Blockbuster-Kinos beherrscht, aber gleichzeitig in der Lage ist, die emotionale Seite seiner Geschichte perfekt und glaubhaft in ein Action-Szenario einzubinden. Dass Cameron beispielsweise, Ripley eine Tochter andichtet (die aber den mit der Raumfahrt verbundenen Relativitäsaspekten geschuldet nicht mehr unter den Lebenden weilt) gibt ihrem Verhältnis zu Newt (Carrie Henn) den notwendigen emotionalen Gehalt. Auch der zivilisationskritische Anspruch, der in späteren Filmen Camerons noch deutlicher wird, ist schon in „Aliens“ angelegt. Ich bin ja sonst niemand der überall Phallussymbole sieht, aber die sich tolldreist überschätzenden Marines werden von Cameron mit solch übergroßen Waffen ausgestattet, dass die Ironie mir hier sofort ins Auge springt.  Es ist zwar auch etwas widersprüchlich, aber gleichzeitig sehr gekonnt, wie Cameron einerseits die Steigerungsforderung des Blockbusterkinos bedient, dem Zuschauer aber andererseits eine beißende Kritik an eben jener Dynamik unterjubelt. Scotts Alien war toll, aber Camerons „Aliens“ ist vielleicht sogar noch besser, weil er mehr Zutaten und „mehr Dampf“ hat, ohne dass die Suppe zu irgendeiner Zeit überkocht.

Irgendwo habe ich mal gelesen, „das Kino der 1980er Jahre hätte noch Eier in der Hose” gehabt. (Ob mit dieser Aussage jetzt der Mut der Filmemacher gelobt oder das machohafte ihrer Filme kritisiert werden sollte, weiß ich nicht. Vielleicht zeigt sich in diesem Satz auch die Wirkung  der in den 1940er Jahren begonnenen Emanzipationswelle – schließlich brachten die 80er auch einige tolle Filmheldinnen hervor.) Für Camerons Film stimmt der Satz auf jeden Fall. Da gibt es ohne Zweifel sehr viele Eier.

Bild © Twentieth Century Fox