Tag: John Carpenter

Messiah Of Evil (Willard Huyck, Gloria Katz, USA 1973)

Posted by – 2. Mai 2016

Messiah Of Evil„Ein wenig seltsam ist es schon“, erinnere ich mich, diesen Text vor zwei Wochen schon einmal begonnen zu haben, „dass ich von „Messiah Of Evil“ zuvor noch nie etwas gehört habe“. Eigentlich hatte ihn, diesen Text, nämlich schon zu Dreiviertel fertig, aber dann ist er mir leider irgendwie verloren gegangen. Ich vermute technisches Versagen. Meine Lust, das Geschriebene zu rekonstruieren, hält sich in Grenzen. Aber der Film von Willard Huyck & Gloria Katz ist so gut, dass ich ihn auch nicht kompletten auslassen kann und zumindest ein paar Sätze tippen muss. Denn er enthält derart markante Szenen, dass es für Freunde des Phantastischen Films eigentlich undenkbar ist, wenn schon nicht den ganzen Film so noch nicht mal diese besagten Teile aus ihm zu kennen.

Der Inhalt ist schnell erzählt und ohnehin nicht das, was „Messiah Of Evil“ so besonders macht: Es geht um die junge Arletty (Marianna Hill), die auf der Suche nach ihrem Vater, einem Künstler, in das Küstenstädtchen Pointe Dune gerät. Das Haus ihres Vaters findet sie verlassen vor, dafür trifft sie im Dorf Thom, der sich für die örtliche Legende vom blutigen Mond interessiert, und seine beiden Begleiterinnen Laura (Anitra Ford) und Toni (Joy Bang). Die Dorfbewohner verhalten sich indes äußerst seltsam und scheinen mehr zu wissen, als sie zu verraten bereit sind.

Der Zuschauer ahnt zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig mehr, nämlich, dass die Dorfbewohner nicht nur seltsam, sondern durchaus gewaltbereit sind und, wie sich kurze Zeit später herausstellt, eine Vorliebe für rohes Fleisch haben. Die erste Szene, in der das ganz deutlich wird, ist gleich eines der Highlights des Films. Laura ist genervt von ihrer Gesellschaft und zudem ein wenig eifersüchtig auf Thom, der heftig Arletty umgarnt. Daraufhin macht sie sich auf den Weg ins Dorf, wo sie einer Fußgängerin in den Supermarkt hinterhergeht. Was folgt, ist wohl einer der besten in einem Einkaufstempel spielenden Momente, die es überhaupt gibt. Auch dem Kino wird im weiteren Verlauf noch eine längere Sequenz gewidmet (diesmal macht Toni Bekanntschaft mit den Dorfbewohnern), von deren Existenz nichts gewusst zu haben, für mich rückblickend irgendwie bizarr anmutet.

Doch „Messiah Of Evil“ ist nicht nur ein Film mit einer Handvoll herausragender Szenen, er ist auch allumfassend atmosphärisch – ja er ist Atmosphäre; und wenn ich jetzt Argentos „Suspiria“ als Vergleich heranziehe, ist das sicherlich einerseits irreführend, andererseits auch wieder nicht. Wer sich Huycks & Katz’ Film weniger als zusammenhängende Geschichte, sondern mehr als stimmungsvolle Geisterbahnfahrt vorstellt, liegt gar nicht so falsch. Und wo wir gerade beim Vergleichen sind: Auch wenn die Ausstattung tatsächlich ein wenig an Argento erinnert (das Haus von Arlettys Vater ist ein Traum!!), hat mich der Film gleich in mehreren Momenten an John Carpenter erinnert; und auch wenn ich noch nichts derartiges gelesen habe, möchte ich wetten, dass Carpenter „Messiah Of Evil“ kannte und sich in Filmen wie „The Fog“ (das isolierte Küstenstädtchen) „Prince Of Darkness“ (die vor der Kirche lauernden Besessenen) oder „Mouth Of Madness“ (die Atmosphäre in der Stadt und der sich ausbreitende Wahnsinn) davon inspirieren ließ.

Viel mehr will ich in dieser Textrekonstruktion auch gar nicht sagen, höchstens noch einmal herausstellen, dass „Messiah Of Evil“ meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Film ist, den sich jeder Fan der Phantasik, sofern noch nicht geschehen, ganz dringend anschauen sollte. Ob er wirklich zu den großen, vergessenen Meisterwerken gehört oder ich einfach mal wieder keinen Plan hatte, dürft ihr mir gerne in die Kommentare schreiben.

Bild © Alive

Elvis (John Carpenter, USA 1979)

Posted by – 5. Dezember 2015

ElvisJohn Carpenter einmal ganz anders. Mit dem Biopic über den großen Elvis Presley zeigt der Regisseur, der bis zu diesem Zeitpunkt schon „Dark Star“ (1974), „Assault on Precinct 13“ (1976), „Someone’s Watching Me!“ (1978) und „Halloween“ (1978) gedreht hatte, dass er nicht nur Horror, Comedy und Thriller kann, sondern dass er auch realistische Dramen beherrscht und durchaus in der Lage ist, das Leben einer berühmten Persönlichkeit inszenatorisch interessant und von inhaltlichem Mehrwert auf die Leinwand zu bringen. Eine Fähigkeit, die nicht viele Regisseure haben.

Carpenters Film beginnt mit einem Quasi-Selbstmord: Elvis, der gerade im International Hotel eingecheckt ist, „erschießt“ einen Fernseher, in dem gerade über ihn berichtet wird. Der Anfang, der im Jahr 1970 spielt, ist gleichzeitig das chronologische Ende der Geschichte. Danach erzählt Carpenter vom Großwerden des Stars Elvis Aaron Presley, dessen bewegtes Leben (1935 – 1977) auch heute noch die Welt rührt. Was macht Carpenter anders, was macht er besser als so viele Kollegen? Nun, in Biopics soll dem Protagonisten ein Denkmal gesetzt werden. Das Ergebnis sind in der Regel ziemlich vorhersehbare und damit öde Geschichten vom Aufstieg und Fall ihrer Helden, die meist auf Glorifizierung und übertriebenes Sentiment setzen und sich dabei im Allgemeinen verlieren. Natürlich erfüllen auch solche Filme ihren Sinn, schließlich möchte man etwas für die Vitrine, und das Erinnerungsstück soll bitteschön auch hübsch anzusehen sein. Legitim – aber langweilig. Vielleicht tue ich dem Genre gerade Unrecht und mir kommen im Moment nur die falschen Filme in den Sinn. Aber was ich von einem Biopic erwarte, ist, dass man eine Meinung zu seinem Subjekt hat. Einfach nur die Wikipedia-Fakten aneinanderzureihen, ein bisschen Aufstieg, ein bisschen Liebe, ein bisschen Krise, hach, so eine Berühmtheit hat es schon nicht leicht, das reicht mir nicht. Carpenters Films jedenfalls kann ich diese Art von Vorwürfen nicht machen, sein Film ist spezifisch, er hat etwas zu sagen, das über die Platituden anderer Musiker- und Starbiografien hinausgeht.

Elvis hatte viel Energie, sogar für zwei, aber auch für zwei sollte sie nicht für sein ganzes Leben reichen. Er hatte von Anfang an ein Bild von sich, dem er nacheiferte. Er ist geworden, was er wollte. Aber dieses Bild seiner Selbst war nicht differenziert genug – äußerlich geprägt von seiner Musik, seinem Look, den Statussymbolen, die ihm sein Ruhm verschafft hat, aber innerlich, emotional, verkümmert. Sspätestens ab dem Moment als seine Mutter stirbt ­– wobei es zu den größten Stärken des Films zählt, dieses quasi-telepahtisch, irritierend intime Verhältnis überhaupt in dieser Form herauszuarbeiten – ist Elvis verloren. Mit der äußeren Fülle ging schon die innere Leere einher, und der Verlust seiner Mutter ließ ihn innerlich ins Bodenlose stürzen. Seine Kraft war noch da, mit großer Anstrengung stellte er sich dem körperlichen Verfall und gefühlten Sinnlosigkeit entgegen, sein Bild von sich, das ihm wie ein Leuchtfeuer in der Nacht die Orientierung gab, wurde zum einzigen Bezugspunkt seines immer unglücklicher werdenden Lebens. Neben Carpentens behutsamer Regie, die das Innenleben seines Protagonisten andeutet ohne es plakativ auszustellen, ist es vor allem Russels meisterhafter Darsteller-Leistung zu verdanken, dass Elvis für den Zuschauer lebendig wird und man als Zuschauer zunehmend den Stress, der sich in dem Star aufbaut, spürt und ein Gefühl dafür bekommt, wie und warum Elvis mehr und mehr verbrennt.

Und wenn ich oben gesagt habe, „Carpenter einmal ganz anders“, dann muss ich das zum Schluss wieder ein Stück zurücknehmen. Denn das, was man bei diesem Regisseur oft verkennt, ist, dass er nicht nur im Spannungsfach ein absoluter Meister ist. Auch wenn es vielleicht etwas verdächtig klingt, dass ich als bekennender Biopic-Verächter und jemand, der mit Elvis eigentlich wenig anfangen kann, hier so ein Loblied singt – das hat nichts damit zu tun, dass ich ein großer Carpenter-Fan bin. Dieser Film ist meiner Meinung nach wirklich toll und eine viel zu wenig beachtete Perle sowohl des Genres als in dem Werk dieses großartigen Filmemachers. Wenn Elvis tatsächlich noch irgendwo lebt, dann in Carpenters Film.

Bild © Edel Germany

They Live (John Carpenter, USA 1988)

Posted by – 16. August 2015

they live„So ein Humbug“, sagt mein Vater nach dem Film, und meine Mutter: „Bist du nicht langsam zu alt für sowas?“ Ich fühle mich geehrt, dass mir ein so exklusiver Geschmack bescheinigt wird. Aber ich wundere mich auch: Wie können meine Eltern nicht erkennen, was für einen fantastischen Film sie mit John Carpenters „They Live“ vor sich haben?

Auf der Suche nach Arbeit kommt John Nada (Roddy Piper) nach Los Angeles und heuert dort auf dem Bau an. Mehr oder weniger zufällig fällt ihm ein Karton mit Sonnenbrillen in die Hände. John traut seinen Augen nicht – der Blick durch die Brille offenbart, wie die Welt wirklich ist: Die Erde ist von Außerirdischen infiltriert, die alle Menschen mit unterbewussten Botschaften beeinflussen. Zusammen mit seinem Kumpel Frank (Keith David) sagt er den Besetzern den Kampf an. Wobei der Ausdruck „Kumpel“ der Geschichte vorgreift. Ehe John und Frank an einem Strang ziehen und den Außerirdischen entgegentreten, muss John seinen Kollegen zunächst einmal von seiner Entdeckung überzeugen, was in eine der längsten Prügelszenen der Filmgeschichte kulminiert. „Put the glasses on! Put ‚em on!“. Bäng. Zosch. Krawumm.

Humbug ist das aus einem bestimmten Blickwinkel natürlich schon. Da prügeln sich zwei, weil der eine will, dass der andere eine Brille aufsetzt, das ist schon was anderes, als man sonntäglich beim Tatort zu sehen bekommt. Und ich kann meinen Eltern eigentlich auch nicht vorwerfen, dass sie von „They Live“ nicht so fasziniert sind wie ich heute. Denn ehrlich gesagt hatte ich diesen Carpenter-Film auch nicht in bester Erinnerung, ich habe ihn erst jetzt wirklich ins Herz geschlossen. Denn Humbug in dem Sinne, dass hier Bedeutung vorgegeben wird, die tatsächlich aber nur Schwindel ist – das ist der Film mit Sicherheit nicht, das ist mir diesmal klar geworden. Es geht um eine fremde Macht, die die Menschen über die wahre Beschaffenheit der Welt im Unklaren lässt. Willensfreiheit ist in diesem Szenario eine Illusion. Die Menschen werden durch unbewusste Signale gesteuert und dazu animiert, zu gehorchen und zu konsumieren. Ich will hier nicht den Gesellschaftskritiker raushängen lassen, aber ganz anders geht es in der Welt ja wirklich nicht zu. Im Kapitalismus muss der Mensch zum Kaufen animiert werden – um jeden Preis. Wir sind schon so erzogen, aber auch die allgegenwärtige Werbung macht uns jeden Tag klar: der Mensch ist ein Mängelwesen, doch er kann diesem Mangel durch Konsum entgegenwirken. Und selbst für diejenigen, die aus dem System ausbrechen wollen, gibt es noch das passende Selbsthilfebuch oder den Yogakurs im Angebot. Doch mit der Selbstverwirklichung verhält es sich wie mit dem Esel und der Karotte, natürlich ist sie nicht erreichbar, ständig fehlt noch ein weiterer Konsumartikel zum letzten Glück.

Da hat es der Widerstand im Film natürlich ein wenig leichter: Brille auf – und schon lässt sich die Illusion als solche entlarven. Man merkt schon daran, wie genial Carpenters Drehbuch ist, dass es Menschen gibt, die den Film als Humbug bezeichnen. In plakativen und eindringlichen Bildern wird hier die moderne westliche Gesellschaft aufs Korn genommen, aber aller Einfachheit zum Trotz ist es gar nicht so leicht, die Ähnlichkeit zwischen Fiktion und Wirklichkeit klar zu erkennen – so umfassend ist die Gehirnwäsche, der die meisten von uns seit Beginn ihres Lebens ausgesetzt sind. Ehe ich zu verschwörungstheortetisch klinge, möchte ich einfach noch einmal betonen, was für einen großen Spaß dieser Film macht, wenn man ihn mit der richtigen Einstellung anguckt. Humbug im Sinne von Quatsch mit Soße ist er nämlich auch. Man merkt allen Beteiligten ihren Spaß an, den sie während des Drehs hatten. Allen voran Roderick George Toombs, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Roddy Piper, was mich zum Schluss noch zu einem traurigen Anlass bringt. Piper ist ist am 1. August 2015, einen Tag nachdem ich mir „They Live“ angesehen habe, gestorben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich weder ein besonderes Interesse am Wrestling noch bewusst andere Filme mit Piper gesehen habe, geht mir sein Tod nahe. Piper hat in Carpenters Film eine unheimlich sympathische Ausstrahlung und nicht zuletzt ist er der Grund dafür, warum „They Live“ so ein feiner Film geworden ist. Oder mit John Nadas Worten: „I have come here to chew bubblegum and kick ass… and I’m all out of bubblegum.“ Oh ja, das ist ihm gelungen! Die außerirdischen Invasoren haben hier den Arschtritt ihres Lebens bekommen. Außerhalb des Films verhält sich alles leider etwas komplizierter. Wir haben keine Brille, die uns dabei hilft, die Welt zu erkennen, wie sie wirklich ist.

Bild © Optimum

Big Trouble In Little China (John Carpenter, USA 1986)

Posted by – 30. Juli 2015

big troubleDer Trucker Jack Burton (Kurt Russell) hilft seinem Freund Wang Chi (Dennis Dun) seine Verlobte aus den Klauen von Lo Pan, einem uralten chinesischen Magier (James Hong) und seinen Schergen zu befreien. Unterstützt werden die beiden von dem Touristen-Führer Egg Shen (Victor Wong) und der Anwältin Grace Law (Kim Cattrall).

Mit „Big Trouble In Little China“ verbinde ich viel. Ich sah ihn das erste Mal zu einer Zeit, in der sich seine wahnwitzigen Ideen wie Lichtblitze in mein junges Hirn brannten und die Synapsen neu verschalteten. Im zarten Teenager-Alter habe ich ihn das erste Mal gesehen, und es ist nicht übertrieben zu sagen – nach diesem verrückten Action-Fantasy-Spukfilm mit Hongkong-Flair war ich ein anderer. Seitdem habe ich aber nicht nur ein Faible für große Strohhüte. Ich war damals sehr empfänglich für Geschichten, die zeigen, dass neben unserer sichtbaren noch eine andere, uns verborgene Welt existiert. John Carpenters Film spielt in San Franciscos Stadtteil China-Town. Doch: Einmal falsch abgebogen, finden sich Jack und Wang gleich inmitten eines Straßenkampfs zwischen zwei rivalisierenden Gangs wieder, bei dem auch die „3 Stürme“ – die Magier Regen, Donner und Blitz – und schließlich sogar Lo Pan mitmischen. Dies ist Jacks erste Begegnung mit dem Übersinnlichen, dabei bleibt es jedoch selbstverständlich nicht. Im Folgenden gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich hinter jeder Ecke und Tür eine bewusstseinserweiternde Überraschung auf die Helden wartet, und das war, wie gesagt eine Idee, die ich damals wie heute sehr mochte – das überall Geheimnisse und Überraschungen lauern. Und apropos Held: Kurt Russels Jack Burton ist ein wirklich interessanter Vertreter dieser Gattung, ein nicht gerade überkomplex gestrickter Charakter, aber ein Kumpel-Typ, einer, mit dem man Pferde bzw. entführte grünäugige Ladys (zurück-)stehlen kann. Neben der Non-Stop-Action und dem Ideenfeuerwerk ist es wahrscheinlich diese charmante Figur, die mir den Film, der so ehrlich und unbedarft ist wie sein Protagonist, so ans Herz hat wachsen lassen.

Bei aller Liebe zu dem Film gehören dazu auch noch ein paar melancholische Worte. Ich habe „Big Trouble In Little China“ in den letzten Jahrzehnten oft gesehen, doch spätestens mit der Begegnung vor ein paar Tagen muss ich leider feststellen, dass der Film – trotz aller Begeisterung, die ich oben geschrieben habe durchblicken lassen – seine Wirkung nicht mehr annähernd in dem Maße entfaltet wie früher. Ich gebe zu, diesmal habe ich ihn unter unvorteilhaften Bedingungen gesehen, gestückelt, in drei Anläufen, weil ich immer so müde war. Die letzte Etappe war die zermürbendste auf dem Fernseher meiner Eltern. Wir brauchten ca. eine Stunde, um eine DVD zum Laufen zu bringen und sind bis zum Schluss der Einstellung des komplizierten Soundsystems nicht Herr geworden. Das macht wahrscheinlich nur einen kleinen Teil des empfundenen Qualitätsverlusts aus. Vielleicht ist es die Übersättigung an Attraktionen, vielleicht lege ich heute einfach auf andere Dinge Wert als damals. Mit dem Film verhält es sich ein wenig so wie mit dem Jahrmarkt, den ich heutzutage auch nicht mehr mit der gleichen Faszination erleben kann wie als Kind. Das Gefühl ist einfach anders.

Wir hatten schöne Zeiten zusammen, aber jetzt behalte ich dich lieber in guter Erinnerung, anstatt mir durch die Wirklichkeit etwas anderes einreden zu lassen. Und während du, oh „Big Trouble In Little China“, dich auf dem festen Platz in meinem Herzen ein wenig ausruhen und neue Kraft schöpfen darfst, schaue ich mir ein paar der Filme an, die ich noch nicht so oft gesehen habe.

Bild © Twentieth Century Fox

Starman (John Carpenter, USA 1984)

Posted by – 26. Juli 2015

StarmanDie Voyager Golden Record ist eine Datenplatte, die mit der Raumsonde Voyager in die Weiten des Universums gesendet worden ist. Mit ihrer Hilfe sollten Aliens von der Existenz der Menschheit erfahren. Extrem unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. John Carpenters „Starman“, der auf einem Drehbuch von Bruce A. Evans und Raynold Gideon beruht, spielt die Idee durch, was wäre wenn eine außerirdische Intelligenz die Einladung annimmt. Doch anders als in so vielen Science-Fiction-Filmen erweisen sich hier nicht die Besucher als feindlich, sondern die Menschheit als verdammt schlechter Gastgeber. Kaum angekommen, wird das UFO auch schon abgeschossen. Der „Starman“ an Bord überlebt, nimmt die Gestalt des verstorbenen Mannes (Jeff Bridges) von Jenny Hayden (Karen Allen) an und reist mit ihr quer durch die USA zu dem Ort, wo er in zwei Tagen wieder abgeholt werden soll. Und wie soll es anders sein: das Militär ist ihnen dicht auf den Fersen.

Da es niemand sonst so richtig tut, möchte ich hier eine Lanze für John Carpenters „Starman“ brechen, den ich nach einer Ewigkeit vor ein paar Tagen wieder einmal gesehen habe. Das Science-Fiction-Roadmovie, dem die typischen thematischen und stilistischen Erkennungsmerkmale des Regisseurs zwar fehlen, weiß nichtsdestotrotz zu überzeugen, weil es nämlich nicht nur ganz wunderbare, prägnante Momente (die Szene mit dem Baby!, herrliche Landschaftsaufnahmen), sondern auch inhaltlich einiges zu bieten hat. Dass der Mensch mehr ist als sein Körper, gehört zu einer häufig strapazierten Binsenweisheit des Wohlfühlkinos. Dass der Mensch wie jedes Lebewesen aber nun mal eben auch Körper ist und dass damit einiges zusammenhängt, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt. Nicht umsonst besorgt sich das außerirdische Energiewesen in Carpenters Film erst einmal einen Körper, denn nur so kann es erleben, wie es ist ein Erdenbewohner zu sein und nur auf diesem Weg ist es in der Lage, eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Doch es sind nicht nur die Chancen der Körperlichkeit, welche die Geschichte vorantreiben, sondern auch ihre Tücken. Der Starman ist gefangen im Fleisch, unddas mit allen seinen Bedürfnissen – Hunger, Schmerzen und vor allem Liebe – die zwar nicht das Ziel, aber doch die Beschaffenheit seiner Reise bestimmen. Und für Jenny Hayden ist die Gestalt des Außerirdischen natürlich alles andere als nebensächlich. Dass er aussieht wie ihr verstorbener Mann ist anfangs natürlich vor allem ein Grund für Irritation, Angst und Misstrauen. Doch schon bald ist es gerade seine Gestalt, die ihr hilft, Vertrauen zu fassen und sich schließlich sogar zu verlieben. Mit Blick auf viele seiner anderen Filme frage ich mich, ob es vielleicht dieser Aspekt gewesen sein könnte, der Carpenters Interesse an dem Stoff geweckt hat – dass unsere Körper letztlich unsere Freiheitsgrade bestimmen, dass wir in gewisser Weise sogar ihre Gefangenen sind, weil sie bestimmen, was wir tun und empfinden können.

Aber ich will diesen Gedanken auch nicht überstrapazieren. Denn wie gesagt, dies ist ein Carpenter-Film der etwas anderen Art, einer in dem der Regisseur seine Vielfältigkeit und sein großes thematisches Spektrum unter Beweis stellt. Hier geht es nicht um Angst, es geht um Liebe, weniger um Zwänge denn um Möglichkeiten und nicht carpenter-typisch ums Gefangensein, sondern um Freiheit. „Starman“ gehört zu den seltenen Filmen, welche die schönen Seiten der USA zeigen, in denen es um Hilfsbereitschaft geht und um guten Kuchen. Er ist damit ein wenig wie ein Märchen, in dem der Außerirdische wie die gute Fee dem Menschen seine Wünsche erfüllt. Nach der Begegnung mit dem Starman sind alle, die es zugelassen haben, bereichert. Sie hatten die Chance, etwas zu lernen. Und auch er selbst hat zum Schluss, wenn er sich auf den Rückweg zu seinem Planeten macht, wertvolle Erfahrungen dazugewonnen.

Bild © Sony Pictures

Memoirs Of An Invisible Man (John Carpenter, USA 1992)

Posted by – 17. Juli 2015

Jagd auf einen UnsichtbarenWer würde nicht gerne einmal Mäuschen spielen und sich, ohne bemerkt zu werden, an Orten aufhalten, zu denen man sonst keinen Zugang hat? Wer wäre nicht gerne einmal unsichtbar? Bestimmt die meisten. Was man sich allerdings selten klar macht, ist, welche Einschränkungen dieser vermeintliche Zustand absoluter Freiheit mit sich bringt. Nicht gesehen zu werden heißt nämlich vor allem eins – unendlich allein zu sein. Wie in John Carpenters „Memoirs Of An Invisible Man“. Da macht der lebefreudige Geschäftsmann Nick Halloway (Chevy Chase) während einer Tagung in einem Forschungszentrum ein Nickerchen. Durch einen Unfall im Labor wird ein Teil des Gebäudes sowie er selbst unsichtbar. Ehe er sich versieht ist ihm eine Spezialeinheit der C.I.A. unter der Führung des skrupellosen David Jenkins (Sam Neill) auf den Fersen. Sie wollen sich die Fähigkeiten des Unsichtbaren zu Nutze machen.

Die folgende Stunde ist Nick auf der Flucht, und ich fühlte mich nicht nur einmal an Andrew Davis’ meisterlichen „The Fugative“ erinnert. Dessen Spannung und Dichte erreicht Carpenters Film zwar nicht, seine Stärken liegen dafür anderswo. Allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig ähnlich wie mit dem Protagonisten – es fällt mir gar nicht so leicht zu sagen, wo sie sich befinden. Ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum dieser Film so mäßige Kritiken eingefahren hat, da ich ihn als reinen Unterhaltungsfilm wie auch im Kontext von Carpenters Werk (als dessen er auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar ist) sehr schätze. Denn von den Möglichkeiten, die seine Unsichtbarkeit bieten sollte, bekommt Nick nur wenig mit. Er ist ein Gejagter, der ständig kurz davor steht, entdeckt zu werden. Er kann kaum schlafen, weil das Licht durch seine Augenlider scheint, er darf nicht essen, weil die Nahrung in seinem Magen natürlich nicht unsichtbar ist und er sich so verraten würde, er kann sich niemandem anvertrauen, weil der C.I.A. alles überwacht. Nick kann alles Sehen, aber er hat so gut wie keinen Einfluss auf die Dinge. Jede Intervention von ihm würde sofort seine Häscher auf ihn aufmerksam machen. Unsichtbar bedeutet bei Carpenter nicht frei, sondern gefangen zu sein. Wie Carpenter diesen Aspekt von Unsichtbarkeit hier herausarbeitet, finde ich besonders reizvoll.

Was nicht heißen soll, dass sich meine Sympathie diesem Film gegenüber hierin erschöpft. Von den zahlreichen Dingen, die ich an ihm mag, möchte ich vor allen noch einmal die drei Hauptdarsteller, Chevey Chase, Sam Neill und mit Einschränkung auch Daryl Hannah hervorheben, die jeder für sich wie auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Chase hatte vor, mit diesem Film ins ernstere Fach zu wechseln, doch seine „funny bones“ kann er nicht komplett verstecken. Ich finde ihn einfach super besetzt in der Rolle des gelangweilten Playboys, der sich seine Wirklichkeit Stück für Stück zurück erkämpfen muss, und der erst durch sein Verschwinden lernt, in welcher Weise er in der Welt sein will. Neills Figur ist der perfekte Antagonist für diesen passiven Helden, sein David Jenkins ist ebenso clever wie skrupellos, gierig und omnipräsent. Er ist es gewohnt, Druck auf andere Menschen auszuüben, er drängt sie immer weiter an den Rand, bis sie sich entweder unterwerfen oder von der Klippe stürzen. Oder wie Nick, der irgendwann zum Gegenangriff bläst.

Einen kleineren Kritikpunkt hätte ich aber dennoch. Nicks furchtbare Situation, gejagt zu werden, nirgendwo hin zu können und allein zu sein, wird vielleicht ein wenig zu sehr abgemildert durch den Love Interest in Gestalt von Daryl Hannah. Die Chemie zwischen ihrer Figur und Nick stimmt, aber mit Sicherheit wäre alles noch etwas dramatischer, wenn Nick niemanden hätte, der ihn unterstützt. Ich selbst bin unsicher, ob ich mir den Film hier anders wünsche, denn einerseits fehlt ihm so, wie er ist, die letzte Konsequenz, andererseits gefällt mir gerade die Mischung aus Tragik und Humor, Anspruch und Unterhaltung. Doch auch so, wie er ist, habe ich „Memoirs Of An Invisible Man“ unheimlich gern. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich ihn sehe, auch wenn ich es nicht bis ins Detail erklären kann.

Bildm © Euro Video

Prince Of Darkness (John Carpenter, USA 1987)

Posted by – 19. Mai 2015

Prince Of DarknessWenn man sich über Carpenter-Filme unterhält, wundere ich mich regelmäßig, wie viele Filmfans „Prince Of Darkness“ sehr mögen, ohne sich wirklich durchringen zu können, ihn an die Spitze ihrer persönlichen Rangliste des Regisseurs zu stellen. Wobei – irgendwie kann ich es auch gut nachvollziehen. Schließlich geht es mir ähnlich. Bei mir rangiert der Film pi mal Daumen auf Platz 5 meiner Carpenter-Charts. Meine Einstellung zu dem Film ist mir bei der letzten Sichtung etwas klarer geworden und ich will versuchen, das hier mal ganz knapp zu notieren.

In diesem Film erzählt John Carpenter nach eigenem Drehbuch die Geschichte einer im wahrsten Sinne teuflischen Bedrohung: Im Keller einer lange geschlossenen Kirche wird eine seltsame Entdeckung gemacht. Ein Priester (Donald Pleasence) verständigt daraufhin eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung Howard Birack (Victor Wong), die das Phänomen genauer untersuchen wollen. Doch ehe sie sich versehen, sitzen sie in der Falle – sie können die Kirche nicht verlassen. Und im Keller lauert der Prinz der Finsternis und wartet darauf, wiedergeboren zu werden.

Irgendwo zwischen den allseits bejubelten Meisterwerken und den Filmen, bei denen sich die meisten einig sind, dass sie wirklich gar nichts taugen, hat John Carpenter einige Filme gedreht, die sich im Mittelfeld versteckt halten. „Prince Of Darkness“, nach „The Thing“ und vor „Mouth Of Madness“ der zweite Teil von Carpenters sogenannter apokalyptischer Trilogie, ist so ein Film, der nie ganz zu den Klassiker aufgeschlossen hat, der sich angesichts seiner mannigfaltigen Stärken aber ohne Frage irgendwo im oberen Drittel verorten lässt. Schon der Anfang versetzt mich jedes Mal in Hochstimmung. Die zielführende Hinführung zum Plot, die dezente Vorstellung der gleichwohl markanten Figuren und dann die Location, diese wunderbar gruselige Kirche in einem ebenso gruseligen Teil von Los Angeles, die anfangs schwer fassbare Bedrohung, die innerhalb und außerhalb der Gemäuer lauert. Eingesperrt sein ist auch hier wieder ein ganz zentrales Thema. Je mehr Raum das Böse bekommt, desto unfreier werden die Figuren, die im Laufe des Filmes verschiedene Stadien der Gefangenschaft durchlaufen. Ja, „Prince Of Darkness“ hat alles, was Carpenter-Filme auszeichnet – und noch mehr.

Für manchen mögen hier auch die Probleme anfangen. Hat dieser apokalyptische Sci-Fi-Horror- und Zeitreisefilm von allem etwas zu viel? Zu viel pseudo-wissenschaftliches Gebrabbel enthält er mit Sicherheit, aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm, so bluten einem wenigsten ordentlich die Ohren. Mich jedenfalls hat dieses relative Manko eigentlich nicht gestört, zumal der geniale Regisseur Carpenter die Schwächen des Drehbuchautors Carpenter mehr als ausgleicht. Ich empfinde den dadurch entstehenden Trash-Appeal sogar als ganz guten Ausgleich für die Horror-Seite des Films. Ja, ich würde sagen – nach „The Thing“ ist „Prince Of Darkness“ der spannendste Film, den John Carpenter je gemacht hat. Insofern habe ich meine Probleme auch eher mit dem letzten Drittel des Films, denn hier funktioniert er für mich dramaturgisch nicht mehr so gut. Mich würde sehr interessieren – geht es anderen ähnlich? Die Figuren sind zu dem Zeitpunkt eingeschlossen in drei verschiedenen Räumen. Sie können nicht heraus, aber auch nicht bleiben. Bei einer besteht sogar die Notwendigkeit, ihren Aufenthaltsort zu verlassen. Was auf dem Papier ganz reizvoll klingt, erweist sich im Film – möglicherweise noch nicht gleich beim ersten Sehen, aber bei jeder erneuten Sichtung etwas mehr – als zunehmend zäh. Mehr Gefängnisse erhöhen nicht den Grat an Gefangenschaft. Carpenter schneidet von Raum zu Raum und nach einer langen Weile, ohne besondere dramaturgische Notwendigkeit, mündet das Ganze in einem wenig glorreichen Finale. Die Wissenschaftler können den Prinzen der Finsternis recht unspektakulär auf einmal aus der Welt schubsen. Und ab dafür.

Viel gruseliger sind da schon die letzten Sekunden, die für die letzte halbe Stunde mehr als entschädigt. Carpenter verabschiedet sich mit einem eindrucksvollen Bild, wenn nämlich deutlich wird, dass das Böse zwar vertrieben aber niemals völlig aus der Welt ist. Es blickt uns tagtäglich in unserem Ebenbild an. Und weil der Wissenschaftler ein Narzisst ist, wird er die verspiegelte Büchse der Pandora auch immer wieder von neuem öffnen.

Bild © Studiocanal

The Fog (John Carpenter, USA 1980)

Posted by – 16. März 2015

the fogAnfangs ist es nur die Meldung der Wetterstation, dass eine Nebelbank Richtung Küste zieht. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Bewohner der Stadt Antonio Bay in Kalifornien noch nicht, dass der Nebel kein natürliches Phänomen ist, sondern dass er ihretwegen kommt. Denn Antonio Bay birgt ein dunkles Geheimnis.

Nach einer Redewendung verliert sich die Geschichte immer mehr im Nebel. Bei John Carpenters „The Fog“ bringt ein Seenebel die Ereignisse der Vergangenheit allerdings zurück – in Gestalt von sechs mörderischen Geistern, die Rache wollen für das, was ihnen angetan wurde. Überhaupt ist „The Fog“, John Carpenters Film direkt nach „Halloween“ einer, der sich zwar an klassischen Gruselstoffen orientiert, aber gleichzeitig sehr modern ist, indem er vieles hervorholt und explizit macht, das bis dahin eher versteckt und andeutungsweise wirksam war. Traditionsbewusst und trotzdem innovativ rasseln bei Carpenter zwar die Tassen im Schrank, Uhren bleiben stehen, Glas birst – und doch sind seine Gespenster keine ätherischen Schatten, sondern eine sehr stoffliche Bedrohung in Gestalt von sechs verrotteten Seemännern, die mit Säbeln und Enterhaken beträchtlichen Schaden anrichten.

Doch auch wenn „The Fog“ den Anfang einer neuen Ära des Horrorfilms markierte, ist das doch alles schon wieder Geschichte. Filme wie dieser werden heute nicht mehr gemacht. In den 1980er Jahren war das Erzähltempo noch ein anderes, hier lag die Kraft in der Ruhe, Atmosphäre und Spannung wurde mit anderen Mitteln erreicht als es heute der Fall ist. Zumindest für mich stelle ich fest, dass mir Carpenters Art Filme zu drehen, einfach besser gefällt, als das allermeiste, was man in den letzten 10, 20 Jahren zu sehen bekommen hat. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Nicht nur der Nebel ist ein lebendiges Wesen, der ganze Film, die Musik, die Kameraeinstellungen, die Landschaft und die Darsteller, sie alle verschmelzen zu einem Organismus, der zu gar nichts verpflichtet ist als zu sich selbst. Das ist schön, genauso wie das meines Erachtens besonders Interessante an Carpenters viertem Kino-Langfilm, nämlich dass hier zwei in früheren und späteren Filmen immer wiederkehrende Themen zum ersten Mal so offensichtlich aufeinandertreffen: Enge und Weite. Dass es Carpenter virtuos versteht, Begrenzungen des Raums zu Spannungszwecken einzusetzen, ist beispielsweise in Filmen wie „Assault On Precinct 13“, „The Thing“ oder „Prince Of Darkness“ unmittelbar einsichtig. Aber auch durch das Fehlen von Grenzen und die (scheinbare) Freiheit, überall hin zu können, hat bei Carpenter nichts Befreiendes. „Dark Star“, „Halloween“ oder „Memoirs of an Invisible Man“ sind Paradebeispiele für das agoraphobische Talent des Regisseurs. In „The Fog“, in dem die Straßen nicht in die Freiheit führen, sondern stets nur wieder in neue Gefängnisse, kommt nun, wie gesagt, beides zusammen. Fast wirkt es so, als wollte Carpenter hier systematisch verschiedene Varianten des Eingesperrt- und in die Enge-getrieben-Seins durchdeklinieren. In sofern muss man diesem Film, dergemeinhin zur Gruppe der besten oder sagen wir eher prägendsten Filme des Regisseurs gezählt wird, wahrscheinlich wirklich eine Schlüsselrolle in seinem Werk zusprechen.

„The Fog“ gehört dennoch zu den Carpenter-Filmen die ich nie so richtig in mein Herz schließen konnte. Als Kind fand ich ihn ziemlich gruselig, aber wenn ich ihn dieser Tage sehe, wie gestern mal wieder geschehen, ist es mehr so eine Art wohlmeinendem Zuneigung. Ich bewundere einige Szenen, ich mag die Stimmung und die Figuren, aber mich stören auch einige Aspekte wie der etwas holprige Spannungsaufbau und das hingehutschte Finale. Auch Captain Blake (Rob Bottin) und seine modrigen Matrosen hätten sich meinethalben nicht zu zeigen brauchen, sondern wären verborgen im Nebel besser aufgehoben gewesen. Aber vielleicht ist das auch Meckern auf hohem Niveau, denn wie oben schon geschrieben: Filme wie dieser werden heute gar nicht mehr gemacht. Dass es „The Fog“ gibt, dafür bin ich John Carpenter sehr dankbar!

Bild © Studiocanal

Someone’s Watching Me! (John Carpenter, USA 1978)

Posted by – 27. Oktober 2014

Someone's Watching Me#Horrorctober 10

Rape is when a man consciously keeps a woman in fear

Die Live-Regisseurin Leigh Michaels (Lauren Hutton) zieht nach Los Angeles in das Hochhaus „Arkham Tower“, wird dort aber schon bald vom gegenüberliegenden „Blake Tower“ aus von einem Unbekannten beobachtet und zunehmend bedrängt. Die Polizei ist keine Hilfe, nur ihr neuer Freund Paul (David Birney) und ihre Arbeitskollegin Sophie (Adrienne Barbeau) stehen zu ihr.

Nachdem die letzten neun Filme meines #horrorctober ein echtes Highlight leider schmerzlich vermissen ließen, habe ich mit Nummer 10, John Carpenters TV-Film „Someone’s Watching Me!“ jetzt doch noch ein kleines Meisterwerk erwischt. Seinen TV-Charakter merkt man „Someone’s Watching Me!“ nicht sonderlich an. Bis auf die Musik hat der Film alles, was einen Carpenter dieser Zeit auszeichnete: Eine klare Idee, in klaren Bildern und ruhiger Erzählweise vorgetragen, ein großes Interesse an Räumlichkeit und damit verbunden eine klaustrophobische Stimmung sowie das Quäntchen Humor, das in seinen Spannungsfilmen häufig übersehen wird. Der Film wirkt ein wenig wie eine Fingerübung zu „Halloween“, während dessen Vorproduktion Carpenter ihn gedreht hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Hochhaus – neben Lauren Hutton der zweite Hauptdarsteller des Films – Carpenter dazu inspiriert hat, „Halloween 2“ in einem Hochhaus spielen zu lassen. Der Plan wurde allerdings zugunsten des Krankenhauses, in dem mehr als die Hälfte des Films stattfindet, fallen gelassen.

Was ich an „Someone’s Watching Me!“ gleichwohl bemerkenswert finde, ist zum einen die starke gesellschaftskritische Ausrichtung des Film, der sich ganz offensichtlich mit dem Verhältnis zwischen Frau (in einer Männerwelt) und Mann (und dessen Allmachtsphantasien) auseinandersetzt und zum anderen eine markante Kritik an der zunehmenden Technisierung der Gesellschaft, ich will sogar behaupten, das Thema Überwachung ist hier bereits vorwegnimmt. Anders als manche Kolleginnen und Kollegen sehe ich normalerweise nicht überall Phalli, aber die Hochhäuser stehen so erigiert herum, das ist bestimmt kein Zufall… Und es passt ja auch ganz wunderbar zum Inhalt des Films, der eben nicht nur eine „Rear Window“-Referenz und ein Lehrstück in Sachen Spannungskino ist, nein, er nimmt auch zahlreiche Standards zukünftiger Horrorfilme vorweg und ist eben auch eine starke Metapher für eine frauenfeindliche Gesellschaft. Im Hinblick auf Geschlechterverhältnisse zeigt der Film ein konservatives, aber durchaus realistisches Horrorszenario der total überwachten Frau, ist aber gleichzeitig für das Jahr 1978 auch ein erstaunlich mutiger Film mit einer emanzipierten Protagonistin. Toll gespielt von Lauren Hutton – erst stark, vorgerecktes Kinn, selbstbewusst, lustig, dann zunehmend mit gesenktem Kopf, zurückhaltend, verängstigt. Die Gewalt gegen sie geht aber nicht allein von dem anonymen Stalker aus; Versuche, sie zu kontrollieren kommen von überall: von ihrem Chef, ihrem Macho-Kollegen, den Männern in der Bar. Auch der Grund nach Los Angeles zu ziehen, war ein Mann. Der starke Druck von außen bekommt sie allerdings nicht klein – sie bleibt unangepasst, kämpft, will sich nicht vertreiben lassen.

Es klingt bestimmt durch, ich bin wirklich sehr angetan. „Someone’s Watching Me!“ ist die Sorte Film, die mich glücklich macht: Von zurückhaltender Schönheit, schnörkellos und trotzdem über alle Maßen reichhaltig. Und hier noch ein kleines Loblied auf die sozialen Medien. Da mir der Film mit über 20 Euro selbst für die gebrauchte DVD zu teuer war, und alle Online-Streaming-Dienste, für die ich zahle, ihn nicht im Programm führen, habe ich bei Twitter nachgefragt, zufällig im Besitz des Filmes und verleihbereit wäre. Und tatsächlich fand sich jemand, der mir den Film freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. So schlecht ist die Welt also doch nicht.

Bild © Warner Home Video 
 

Halloween II (Rick Rosenthal, USA 1981)

Posted by – 24. Oktober 2014

halloween box#Horrorctober 9

John Carpenter ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure und „Halloween“ mein Favorit aus seinem mehr als 20 Langfilme umfassenden Œuvre. Auf Filmstarts habe ich 2007 mal ein keines Loblied auf ihn verfasst. Kein Wunder, dass ich mich an die Fortsetzung bisher nicht heran getraut habe. Aber so ein #Horrorctober hat ja auch was mit Mut zu tun. Deswegen habe ich mir endlich einen Ruck gegeben und den zweiten Teil jetzt in den DVD-Player gelegt. So schlimm wie befürchtet war das gar nicht, im Gegenteil.

Die Fortsetzung schließt nahtlos an den ersten Teil an: Dr. Loomis (Donald Pleasence) hat Michael Myers ein paar Kugeln verpasst, woraufhin dieser vom Balkon gestürzt ist. Doch als Loomis unten nachsieht, ist Myers verschwunden. Während Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), die einzige Überlebende der Ereignisse, ins Krankenhaus gebracht wird, versuchen Loomis und der Sheriff (Charles Cyphers) Myers zu finden.

Wenn „Halloween“ wie ein unter zunehmendem Druck stehender Behälter ist, der schließlich explodiert, dann ist „Halloween II“ der sich ausbreitende, außer Kontrolle geratene Flächenbrand. Loomis und der Sheriff suchen den Killer, Laurie liegt untätig in ihrem Krankenbett, Myers macht sich auf den Weg ins Hospital. Dort angekommen, dürfen wir ihm dabei zusehen , wie er sich einfallsreich durchs Personal mordet. Eben dieses Personal macht bis dahin, was Krankenhauspersonal eben so macht, z.B. ein heißes Liebes-Bad in irgendeinem Bottich nehmen. Ein wenig, das liest man vielleicht schon in der kurzen Inhaltsangabe , krankt „Halloween II“ daran, dass hier alles drunter und drüber geht respektive sich voneinander wegzubewegen scheint. So richtig spannend ist „Hallween II“ deswegen trotz seines hohen Gewaltpegels über lange Strecken nicht. Was passiert, scheint eher dem Zufall geschuldet, als einem klaren dramaturgischen Konzept. Aber gerade in dem fehlenden Fokus und der Art, wie Debütant Rick Rosenthal das Drehbuch von John Carpenter und Debra Hill in Szene setzt, ist es ganz wunderbar. Wenn John Carpenter stets die Begrenzungen des Raums interessieren, lotet Rosenthal stattdessen seine Weitläufigkeit aus. Besonders die Sequenzen, in denen wir Michael auf seinem Weg ins Krankenhaus begleiten, haben es mir angetan. Die Nacht ist in diesem Moment so greifbar, die Figuren sind wie Rußteilchen im Wind, die nach der „Explosion“ (als Metapher verstanden) im Finale des ersten Teils durch die Gegend wehen.

Nicht wenige finden den zweiten Teil sogar noch besser als den ersten, was ich zumindest nachvollziehen kann. Denn anders als im Vorgänger gibt es hier keine 40-minütige Exposition, sondern es geht gleich ordentlich zur Sache. Mein Fall ist das nicht, und ich habe in vielen Momenten Carpenters Genie vermisst. Aber ich leugne nicht, dass mir diese Fortsetzung, die rein inhaltlich völlig überflüssig ist, doch recht gut gefallen hat. Und am Ende gibt es sogar noch die Explosion, die ich mir im ersten Teil nur eingebildet habe.

Bild © Anchor Bay Entertainment