Tag: Joss Whedon

Notizen #1


Von meinem Ziel, über jeden Film, den ich sehe, etwas zu schreiben, wie so manches Blogger-Vorbild es schafft, bin ich leider weit entfernt. Bedauerlicherweise sehe ich auch nicht, dass sich das in naher Zukunft ändert. Die Freuden des Vaterseins sind etwas, das man mit Zeit bezahlt. Ganz abgesehen von der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Und dies und jenes. Die Fülle der Welt, könnte man sagen, und die Knappheit der Zeit sind schuld. Und natürlich meine angeborene Faulheit. Jedenfalls überlege ich schon länger, ob es nicht vielleicht gut wäre, ab und an einen Sammelpost zu verfassen, in dem ich über die Filme, zu denen mir etwas einfällt, zumindest kurz etwas sage. Dafür spricht, dass ich mein Filme-Sehen, wenn auch nicht vollständig, so doch umfassender dokumentieren würde. Dagegen spricht, dass ich möglicherweise manchmal den leichten Weg des Kurztexts wählen und mich vor einer etwas gründlicheren Auseinandersetzung mit einem Film drücken könnte. (Stichwort Faulheit.) Wie dem auch sei – ich werde es nur herausfinden, wenn ich es ausprobiere.

Avengers 2: Age of Ultron (Joss Whedon, USA 2015)

Zunächst das Positive: Es gibt wahrscheinlich wenig Regisseure/Autoren, die es so hinbekommen, wie Joss Whedon, mit 10 und mehr Figuren zu jonglieren, ohne dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, einer von ihnen würde zu kurz kommen. Dieses Kunststück ist dem Erfinder von „Buffy“, „Firefly“ und „Dollhouse“ auch in „Avengers 2: Age of Ultron“ wieder einmal gelungen. Ansonsten: Stagnation auf hohem Niveau. Schöne Effekte, aber wenig, das mich wirklich berührt hat. Ausnahmen sind da vielleicht die ersten beiden Auftritte von Ultron. Doof: Insgesamt wieder keinen guten Bösewicht hinbekommen. Quicksilver & Scarlett Witch: Verschenkt.

The Warriors (Walter Hill, USA 1979)

Nachdem ich neulich von „Trespass“ so positiv überrascht war, habe ich als Nachfolge-Hill mal „The Warriors“ aus dem Regal gezogen. Ein schönes Wiedersehen! Der Film spielt in der Welt rivalisierender New Yorker Straßengangs. Als ein Treffen, das eigentlich dazu gedacht war, die Gruppen zusammenzuführen, eskaliert, befinden sich die „Warriors“ auf einmal auf der Flucht. Gejagt von der Polizei und den anderen Gangs müssen Swan (Michael Beck) und die verbleibenden Mitglieder seiner Gruppe versuchen, sich in heimatliche Gefilde durchzuschlagen. „The Warriors“ ist Atmosphäre pur. Mir gefällt außerdem, dass die Figuren immer in Bewegung sind, und mich der Film mal an einen Traum, mal an ein Computerspiel erinnert.

The Conjuring (James Wan, USA 2013)

Jetzt habe ich endlich auch „The Conjuring“ gesehen und ich verstehe weder die Hater noch die Fürsprecher. Für mich war er ein in ziemlich jeder Hinsicht durchschnittlicher Gruselfilm. Deshalb gibt es nicht groß etwas zu meckern, weiß aber auch nicht, was an diesem Mix von Genrestandards besonders toll gewesen sein soll. James Wan traut sich nix, und so ist das Positivste, das ich über ihn sagen kann, dass er manche Fehler moderner Grusel- und Horrorfilme nicht macht. Zu einem Highlight des Genres macht es das „The Conjuring“ aber nicht.

City of the Living Dead (Italien, Lucio Fulci, 1980)

Ich darf demnächst mal was Längeres über Lucios Fulcis „The House By The Cemetery“ (OT: Quella villa accanto al cimitero) schreiben und deswegen wollte ich mir gerne noch mal die so genannte „Hell“-Trilogie vergegenwärtigen. „City Of The Living Dead“ (OT: Paura nella città dei morti viventi), besser bekannt unter dem deutschen Titel „Ein Zombie hing am Glockenseil“, hatte ich bis vor Kurzem erst ein Mal (damals noch auf VHS in einer verstümmelten Videotheken-Fassung) gesehen. Wie mit fast allem von Fulci, das ich bisher gesehen habe, hat mich auch dieser Film nicht besonders angesprochen, auch wenn manche Szenen natürlich im Gedächtnis bleiben. Wahrscheinlich ist Fulci ohnehin ein Mann des Augenblicks. Andererseits gehören Fulcis Filme zu denen, wo ich das Gefühl nicht loswerde, dass da mehr ist, als man sieht. Muss ich dringend noch einmal gucken.

High Noon (Fred Zinnemann, USA 1952)

Dafür, dass ich mit Western wenig anfangen kann, finde ich „High Noon“ von Fred Zinnemann ganz schön toll. Vielleicht weil der Film eigentlich gar kein klassischer Western ist, sondern eher ein sozialpsychologisches Experiment mit einer universellen, zeitlosen Aussage. Auch wenn seine Handlung nicht auf einen Raum beschränkt ist, erinnert er mich doch ein wenig an „12 Angry Men“, weil er ähnlich systematisch vorgeht. Während bei Sidney Lumets ein Geschworener nach und nach seine Kollegen überzeugt, dass ein wenig Zweifel hinsichtlich der Schuld des Angeklagten angebracht wäre, greift bei Zinnemann der Zweifel immer weiter um sich, so dass ein Town Marshall schlussendlich ohne Unterstützung seiner Freunde, Kollegen – ja seines ganzen Dorfes! – seinem Erzfeind gegenübersteht.

WarGames (John Badham, USA 1983)

Weil ich neulich mal etwas für eine „John Badham“-Publikation zu „Nick Of Time“ schreiben durfte, habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten einige Filme dieses großartigen Filmemachers angesehen. Mein Favorit? „WarGames“! Ich mag ihn nicht nur, weil ich ihn wahnsinnig unterhaltsam, sondern auch auf verschiedenen Ebenen sehr clever finde. Es geht ums Denken, Wahrnehmen und Beurteilen, dabei zeichnet der Film und seine Geschichte selbst die Funktionsweise des Gehirns nach. Ein Gehirn deutet nach Gerhard Roth die ihm zukommenden Daten nach drei Prinzipien, 1. dem Ort, wo die Daten verarbeitet werden, 2. werden die Informationen verschiedener Sinnesareale in einer parallelen Konsistenzprüfung auf ihre Stimmigkeit geprüft und 3. werden sie konsekutiven Konsistenzprüfungen mit früheren Daten (Gedächtnisdaten) auf Widerspruchsfreiheit hin analysiert. In „WarGames“ verkennt nicht nur der Computer – wie Computer das in Filme ja ziemlich oft tun – die Realität, auch der Mensch missinterpretiert die Tatsachen und hätte die Welt beinahe in einen alles vernichtenden Atomkrieg manövriert, weil er – und das zeigt Badham hier sehr geschickt – nur innerhalb des Systems mit eigenen Zuständen interagiert. Der Supergau als Folgefehler. Meisterwerk.

To be continued

The Avengers (Joss Whedon, USA 2012)

Posted by 29. April 2012

Wäre ich Anführer einer Superhelden-Gruppe, würde ich sie bestimmt nicht „Die Rächer“ nennen. Das wäre mir irgendwie peinlich. Trotzdem. Joss Whedons „The Avengers“ gehörte für mich zu den meisterwarteten Filmen 2012.  Nachdem ich vorletzte Woche zur Pressevorführung leider krank war (und mich zu Hause mit Rob-Zombie-Filmen vergnügen durfte), habe ich diesen Most-Wanted nun gestern endlich in der regulären Vorstellung nachgeholt. Auch wenn meine hohen Erwartungen nun bestimmt nicht übertroffen und vielleicht sogar nicht einmal ganz erfüllt wurden, war „The Avengers“ zweifellos ein starker Superheldenfilm.

„The Avengers“ schließt an die Handlung von „Thor“ an, aber auch die Kenntnis von „Captain America: The First Avenger“ und den beiden „Iron Man“-Teilen schadet nichts: Loki (Tom Hiddleston), Halbbruder des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) hat sich mit einer außerirdischen Streitmacht verbündet, um die Erde zu erobern. Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D., trommelt deswegen seine Rächer zusammen, um der Bedrohung Herr zu werden. Doch auch wenn die Helden – Thor, Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner), Black Widow (Scarlett Johansson) – allesamt über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, sind sie doch Einzelgänger und die Arbeit im Team nicht gewöhnt. Ein Umstand, den Loki hinterlistig ausnutzt…

Ich fange mal hinten an: Die letzte halbe Stunde, die gefühlt noch eine ganze Weile länger gedauert hat, gehört für mich nicht zu den Stärken des Films. Gesichtslose Außerirdische greifen die Erde bzw. zunächst einmal New York an und kriegen von den Rächern mit großem Krawums eins auf den Deckel. Das ist tricktechnisch durchaus beeindruckend und der ein oder andere Gag sorgt dafür, dass der Showdown seine Höhepunkte hat. Ich bin allerdings überhaupt kein Freund von solchen Materialschlachten, sie langweilen mich sehr schnell. Gelangweilt habe ich mich in diesem Fall zwar nicht, aber ich war auch nicht allzu weit davon entfernt. Aber wahrscheinlich sind solche Actionexzesse einfach ein Zugeständnis an Otto-Normal-Kinozuschauer, der ja auch dafür verantwortlich ist, dass sich Mist wie „Battleship“ seit ein paar Wochen an der Spitze der Deutschen Kinocharts hält. Wobei das bombastische Finale von Whedons Film zum Glück um Längen besser ist als alles, was Peter Berg seiner Schiffe-Versenken-Verfilmung gelungen ist.

Die Stärken von „The Avengers“ liegen allerdings weder in den guten Special Effects noch bei der – ebenfalls überzeugenden – Action, sondern, wie bei Joss Whedon üblich, in der Art und Weise wie die Figuren miteinander funktionieren. Schon „Buffy“, „Dollhouse“, „Firefly“ und „Serenity“ waren auch und vielleicht sogar vor allem deswegen so gut, weil zwischen den Figuren etwas passierte und Whedon in der Lage war, diese Chemie in grandiose Dialoge zu überführen. Das gelingt ihm auch bei „The Avengers“. Ganz egal, ob Black Widow versucht, Bruce Banner zu überzeugen, zum Team hinzuzustoßen, Iron Man und Thor aneinander geraten oder Phil Coulson (Clark Gregg) Captain America von seiner Leidenschaft für Superhelden-Sammelkarten erzählt – alle Szenen sind unglaublich charmant und witzig. Ebenfalls sehr gekonnt ist es, wie Whedon stets den Überblick behält und alle Figuren zu ihrem Recht kommen lässt. Niemand steht unangenehm im Vordergrund, allen wird die gleiche Aufmerksamkeit zuteil. Und sogar Figuren wie der einfach gestrickte Captain America in seinem komischen Kostüm wirkt in Whedons Film auf einmal nicht mehr so peinlich wie in Joe Johnston „Captain America – The First Avenger“. Whedon hat seine Helden alle lieb und macht interessante Einzelfiguren zu einer starken Truppe. Wenn ich der Anführer einer Gruppe Superhelden wäre, würde ich sie vielleicht auch „Die Rächer“ nennen.

Bild © Walt Disney