Tag: Kevin Bacon

Death Sentence (James Wan, USA 2007)

Posted by – 24. Januar 2017

Schönes Filmplakat: In reinem Schwarz-Weiß gehalten wächst die Silhouette eines Mannes im Anzug aus der Finsternis. In der Hand hält er einen Baseball-Schläger von dem es heftig tropft. Die Substanz lässt sich unschwer als Blut deuten.

Das Filmplakat gibt klar die Richtung des neuen Films von „Saw“-Regisseur James Wan vor. Es geht um den erfolgreichen Risikoanwalt und netten Familienvater Nick Hume (Kevin Bacon), der mit seinen beiden Söhnen Brendan (Stuart Lefferty), Lucas (Jordan Garrett) und seiner hübschen Frau Helen (Kelly Preston) ein beschauliches Leben führt. Das ändert sich allerdings auf dramatische Weise als Brendan vor den Augen seines Vaters auf brutale Weise von einer Gang ermordet wird. Vater Hume sieht rot: Anstatt die Polizei dabei zu unterstützen, den Schuldigen hinter Gitter zu bringen, beschließt er, das Recht selbst in die Hand zu nehmen. Aber Rache will gelernt sein und schon bald befindet sich der Selbstjustiuz-Anwalt und seine restliche Familie auf der Abschussliste der Gangster…

Regisseur James Wan sagt, er habe mit dieser Selbstjustiz-Geschichte (nach einem Drehbuch von Ian Jeffers, das wiederum auf dem gleichnamigen Roman von Brian Garfield beruht) eines der elementarsten Themen überhaupt aufgegriffen und ihm nur einen modernen Rahmen gegeben. „Es ist eine ganz klassische Geschichte, sie hat etwas von Shakespeare“, findet Wan und erläutert weiter im Presseheft: „Ein Mann ringt mit seinen inneren Dämonen. Er fühlt sich seiner Familie gegenüber in der Verantwortung und gerät in einen Strudel voller Gewalt und sieht sich ständiger Vergeltungsschläge ausgesetzt, die sein Leben zerstören. Letzten Endes muss er feststellen, dass Gewalt absolut sinnlos ist.“ Mag sie auch absolut sinnlos sein – das ist ja eh wie ein filmischer Gemeinplatz –, so ist sie doch leider das einzige in „Death Sentence“, das von gewisser filmischer Qualität ist. Der pseudo-moralische Guss, mit dem Wan seinen Film überzogen hat, ist es jedenfalls nicht – der ist genauso schwer genießbar wie eine Vielzahl von Klischees und eine Handvoll ungeschickter Entscheidungen von Wackelkameras über Found Footage bis hin zur Musikauswahl. Wäre der Film doch nur etwas mehr wie das Filmplakat, einfach und direkt, hätte er sich seiner Tragödie nur gedankenlos hingegeben, ohne die unglaubwürdigen Bemühungen, alles politisch korrekt erscheinen zu lassen.

Ganz so unzufrieden wie damals im Kino war ich mit „Death Sentence“ beim zweiten Sehen allerdings nicht. Drei Punkte lassen sich zu seiner Ehrenrettung anführen. Erstens: Kevin Bacon. Der hatte zwar in letzter Zeit häufig Pech mit seinen Filmen, aber wenn jemand in der Lage ist, aus uninteressanten Drehbüchern das Maximale herauszuholen, da er. Zweitens: Durchaus auch spannende Momente sowei zwei bis drei wirklich Action-Sequenzen. Die liegen Regisseur Wan offensichtlich wesentlich besser als alles, was Fingerspitzengefühl verlangt. Zum ersten Mal richtig mitreißend wird es, als Hume (der bis auf seinen Namen nichts mit dem berühmten Philosophen gemein hat, insofern ist die Wahl auch ziemlich lächerlich, da wird nur einmal mehr Anspruch und Tiefe suggeriert, die der Film einfach nicht hat) von der Gang verfolgt wird. Über die Straße, durch Häuser bis in ein Parkhaus zieht sich die Verfolgungsjagd, bei der Anwalt nur knapp dem Tod entgeht. Der Überfall der Gang auf Humes Haus ist kurz, aber ebenfalls spannend. Richtig zur Sache geht es noch mal am Ende, als der waffenbepackte Hume das Hauptquartier der Gang stürmt. Das hat zwar immer noch nichts von Shakespeare, dafür aber ein paar andere, hochkalibrige Qualitätsmerkmale. Drittens: Obwohl „Death Sentence“ in seinem Bemühen, es allen Recht zu machen, unglaubwürdig und letztlich unentschlossen wirkt, ist er trotz moralinsüßen Überzug eine ziemlich bittere Pille. Hinten raus würde ich ihn nicht als gelungen bezeichnen, aber er ist auf schizophrene Weise gescheitert. Und angesichts seines – anspruchsvollen – Rache- und Selbstjustiz-Themas ist das ja schon fast wieder ein kleiner Sieg in der Niederlage.

Bild © Concorde Video

In The Cut (Jane Campion, USA / Australien 2003)

Posted by – 8. Januar 2015

In The CutNach fast drei Wochen unfreiwilliger Film-Abstinenz habe ich endlich mal wieder was gesehen. Und zwar „In The Cut“, welches ein sonderbar uneindeutiger Film ist und das nicht nur weil sich Meg Ryan vor meinem inneren Auge mehrmals in Nicole Kidman verwandelt hat (die ja, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, tatsächlich für die Rolle vorgesehen war). Der ganze Film ist ein seltsam oszillierendes Etwas irgendwo zwischen Pulp, Poesie und Politik. Erzählt wird die Geschichte der Englischlehrerin Frannie (Meg Ryan), die zunächst in einer Bar beobachtet, wie ein Paar Sex hat. Den Mann kann sie nicht erkennen, sieht nur seine auffällige Tätowierung am Handgelenk. Kurze Zeit später steht die Polizei in Gestalt von Detective Giovanni Malloy (Mark Ruffalo) vor ihrer Tür. Die beobachtete Frau ist tot, umgebracht von einem Serienkiller, Frannie wurde in der Bar gesehen und der Kopf der Toten wurde in ihrem Garten gefunden.

Virginia Woolf meets Brian de Palma: Jane Campions Film ist ein klassischer, atmosphärischer Serienkillerfilm auf der einen, ein mit wahnsinnig vielen Bezügen, Symbolen etc. bis zum bersten vollgestopftes Kunstwerk auf der anderen Seite. Beide Seite haben hier Qualitäten, so ganz fügt sich das aber nicht zu einem homogenen Ganzen zusammen. Viele tolle Momente gibt es ohne Frage, mitunter war ich beinahe berauscht von den Bildern, die wie Blicke durch ein schmutziges Fenster auf eine Welt wirkten, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Diese Fantasiefragmente sind manchmal kaum mehr als Szenen aus einem Groschenroman, dann wirken sie wieder wie eine geistreiche Reflexion über… ja, über was eigentlich? Irgendwas mit Männern und Frauen sicherlich. Frauen wollen Liebe, die Männer sind bestenfalls vulgäre Sex-Maniacs, in der Regel aber völlig durchgeknallte Wracks, was man ihnen nur nicht auf den ersten Blick ansieht. Ob sich Campions Einschätzung auf das Genre bezieht, in dem er beheimatet ist oder auf die wirkliche Welt, gibt der Film nicht preis.

Ein wenig hat mich „In The Cut“ an die Satz-Schnipsel an Frannies Wand erinnert (sie sammelt Poesie, die sie an ihre Zimmerwand heftet): Jeder Satz ist für sich genommen schön, doch tritt man einen Schritt zurück und sieht sich das „Kunstwerk“ aus der Entfernung an, verlieren die Details ihre Bedeutung. Neue Muster entstehen, die aber noch nicht so recht ein Bild ergeben wollen. Was bleibt ist ein großes Durcheinander.

Bild © Euro Video

Friday The 13th (Sean S. Cunningham, USA 1980)

Posted by – 31. August 2014

Freitag der 13.Freddy Kruger, Michael Myers, Jed Sawyer alias Letherface: alle kult. Und auch Jason Voorhees hat es irgendwie geschafft, in die Gruppe der legendären Filmkiller aufgenommen zu werden. Dabei spielt er im ersten Teil seiner eigenen Reihe noch nicht einmal mit. Und auch in der ersten Fortsetzung ist er noch nicht der, für den ihn seine Fans lieben. Ich habe schon seit einiger Zeit Lust, mir die Filme der „Friday The 13th“-Reihe und die Entwicklung seines „Helden“ genauer bzw. überhaupt mal anzusehen. Nur vom ersten Teil kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich ihn kenne. Über ihn habe ich 2009 mal was geschrieben (–> KLICK). Die anderen Teile bilden in meinem Kopf einen undefinierbaren Brei.

Nach dieser erneuten Begegnung mit „Friday The 13th“ kann ich schon mal sagen: er hat mir ein gutes Stück besser gefallen als 2009. (Dass ich ihn „Unglückswerk“, „reizlosen Film“, künstlerisch belanglos und „langweilig“ genannt habe, ist mir fast ein bisschen peinlich.) Der erste Teil ist interessanterweise derjenige, mit dem ich keine Jugenderinnerungen verbinde. Ein paar von den Teilen, in denen Jason der eishockeybemaskete Killer ist, habe ich schon zu meiner Schulzeit, in einem zarten Altern in dem man solche Filme vermutlich noch nicht sehen sollte, zu Gesicht bekommen. Ich erinnere mich noch, wie ein älterer Junge den Film aus dem Bus herausgereicht hat. Dazu musste ich immer morgens wenn es noch dunkel war zur Bushaltestelle, wo ich wartete und hoffte, dass er wieder einen Film für mich dabei hatte. Jedenfalls, den ersten Teil habe ich erst wesentlich später gesehen und ich weiß noch, dass ich mehr als nur ein bisschen enttäuscht war, dass er mit der späteren Reihe so wenig zu tun hatte.

Auch wenn ihm der leicht verruchte, nihilistische Charme seiner schmuddeligen Nachfolger etwas abgeht, halte ich heute „Friday The 13th“ für einen Film, der zu Recht zu den Klassikern des Genres gerechnet werden kann. Die Story um ein paar Junge Leute, die in einem Camp am See von einem Unbekannten niedergemetzelt werden, verdient zwar keinen Preis und auch handwerklich konnte ich keine wirklichen Innovationen ausmachen. Aber in Sachen Atmosphäre hat Cunninghams Film, der immer wieder durch die feine subjektive Kamera oder tolle Shots aus schrägen Perspektiven positiv heraussticht, einiges zu bieten. Und auch farbdramaturgisch gibt es tolle Momente: diese bunten Regenmäntel, die die Figuren in der regnerischen Nacht tragen, haben es mir auch diesmal wieder angetan. Einen Großteil des Films sind sie einfach helle, bunte Punkte in der endlosen Finsternis, Irrlichter, die durchs Camp am Crystal Lake huschen, die, ohne es zu wissen, eigentlich schon tot sind. Passend dazu: Die Musik von Harry Manfredini, die  zwischen nervig und genial schwankt und in ihren besten Momenten richtiges Giallo-Feeling aufkommen lässt.

2009 schrieb ich über den Film: „Was zwischen den Morden passiert, ist so schrecklich banal. Das Drehbuch bleibt vor allem wegen seiner platten Dialoge in Erinnerung.“ Das sehe ich inzwischen anders. Besonders der ruhige Anfang und das Geplänkel zwischen den Figuren kam mir diesmal sehr locker und mit leichter Hand inszeniert, mitunter sogar improvisiert vor. Die Szene mit der Schlange im Zimmer, die ich in dem Filmstarts-Text für den unfreiwilligen Humor des Films herausstellte, fand ich diesmal richtig toll. Betsy Palmer betitelte das Drehbuch als einen Haufen Scheiße, machte aber trotzdem mit, weil sie ein neues Auto brauchte. So ist das wahrscheinlich oft im Leben, man weiß erst später, wofür es eigentlich gut war. Auch Cunningham hat sich wohl nicht gedacht, dass er mit „Friday The 13th“ den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Horrorreihen ins Leben rufen würden. Und auch ich hätte mir bei meiner Erstbegegnung mit dem Film nicht vorstellen können, dass ich ihn von mal zu mal besser und mittlerweile gar nicht mal so übel finden würde.

Bild © Paramount Home Entertainment

X-Men: First Class (Matthew Vaughn, USA 2011)

Posted by – 21. Februar 2013

Erik Lehnsherr: „I want you by my side. We’re brothers, you and I. All of together, protecting each other. We want the same thing.“ – Charles Xavier: „My friend. I’m sorry, but we do not.“

Mir fallen nicht besonders viele gute Prequels ein. „Indiana Jones And The Temple Of Doom“. „Twin Peaks: Fire Walk with Me“. Die letzten 3 „Bond“-Filme. „Rise of the Planet of the Apes“. Vielleicht „The Hobbit“.  Aber auch „X-Men: First Class“ – soviel muss ich nach dem mittlerweile dritten Anschauen zugestehen – ist trotz einiger kleinerer Probleme ein richtig gutes Prequel, das nicht nur etwas Licht in die Anfänge der X-Men bringt, sondern vor allem auch eine Menge Spaß macht.

Die X-Men fanden nämlich schon in den 1960er Jahren zusammen als Charles  Xavier (James McAvoy), Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) und eine Gruppe weiterer Mutanten versuchten, den größenwahnsinnigen Sebastian Shaw (Kevin Bacon) aufzuhalten, der die Kuba-Krise dazu  nutzen will, die Welt ins Chaos zu stürzen. Doch es zeigt sich: Auch die Allianz der X-Men ist äußerst fragil…

„X-Men: First Class“ ist nicht so sensibel wie der erste Teil und auch keine runde Sache wie Teil zwei:  Einige Gadgets – Magnetos Helm, der Cerebro-Prototyp und einiges mehr – sind für meinen Geschmack etwas zu krampfhaft in die Story gestopft worden. Und schon wieder gibt es ein Serum, mit dem man Mutation wie eine Grippe durch Antibiotika austreiben kann. (Zum Glück funktioniert es nicht und spielt, verglichen mit „X-Men: The Last Stand“, nur eine untergeordnete Rolle.) Und auch nicht jeder Mutant gefällt: Die Feuerkugeln herauswürgende Libellen-Lady (Zoë Kravitz) z.B. gehört jetzt nicht gerade zu den coolsten Superhelden, die je erdacht wurden.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn – und das wird mir erst so richtig klar, weil und während ich den Film zum dritten Mal schaue – „X-Men: First Class“ ist auch ein ziemlich kurzweiliger, ideenreicher und visuell origineller Trip, bei dem es auch nach mehrmaligem Sehen immer wieder  neue Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Die Beziehung zwischen den Figuren hätte ich mir  etwas komplexer und sich natürlicher entwickelnd vorstellen können, aber auch so sind die Konflikte glaubhaft und die einzelnen Schauspieler verkörpern ihre Figuren trotz oft geringer Screentime prägnant und insgesamt überzeugend. Hinzu kommen gleich eine ganze Reihe von Gänsehaut-Momenten, für die ich stellvertretend zwei Tode nennen will. Und zwar  das überaus traurige Dahinscheiden von Darwin (Edi Gathegi), der nach ein paar überschwänglichen Minuten erkennen muss, dass er in der Mutanten-Schulen eben doch nur die Schulbank der ersten Klasse drückt und besser die Finger von den großen Jungs gelassen hätte. Ebenfalls intensiv: Die Szene als Magneto sich an Shaw rächt. Nicht nur, dass die Münze vom Anfang wieder eine Rolle spielt und bildhaft deutlich wird, das die Vergangenheit die Gegenwart konstituiert;  das Cross-Cutting zwischen Magneto und Charles Xavier zeigt eindrucksvoll wie sich die beiden Figuren mittlerweile voneinander entfernt haben – aber dennoch schicksalhaft zusammenhängen.

Und so findet in „X-Men: First Class“ der ewige Konflikt zwischen Mutanten und Menschen seinen Anfang. Das Böse, das sind immer die anderen. Ein Blick in die Zeitung reicht um festzustellen, dass dieser Satz auch außerhalb von Comic-Verfilmungen Gültigkeit hat. Oder, um mit den Worten von Magneto zu sprechen: „Peace was never an option.“

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil 2.