Tag: Komödie

Notizen #12

Posted by – 4. August 2016

Eigentlich (wie ich dieses Wort liebe!) wollte ich nicht mehr kurz notieren, sondern immer einen zumindest etwas detaillierteren Text fabrizieren… Hier jedenfalls mal wieder nur ein paar schäbige Notizen.

The Assassin (Hsiao-Hsien Hou, Taiwan / China / Hong-Kong / Frankreich 2015)

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Ich fand den umjubelten „The Assassin“ nur so lala. Nennt mich einen Banausen, aber für die Kunst, die Hsiao-Hsien Hou hier darbietet, fehlen mir irgendwie die Antennen. Die zweifellos hübschen Bilder haben mir jedenfalls nicht geholfen, in die Geschichte zu kommen. Vielleicht sollte man das ja auch nicht, vielleicht sollte der Zuschauer irgendwie draußen bleiben; und vielleicht werden deswegen gefühlt die Hälfte des Films alle Figuren nur schemenhaft zu erkennen hinter wehenden Vorhängen gezeigt. Aber warum? Keine Ahnung. Ich war jedenfalls froh, als es vorbei war. Schon allein deswegen, weil zum Schluss noch mal ein richtig feines Stück Musik kommt. Für mich der Höhepunkt des Films.

Station Agent (Tom McCarthy, USA 2003)

Toller Film – eigentlich. Station Agent hätte ich wohl mal zu meinen Lieblingsfilmen gerechnet, ich habe irgendwo sogar noch eine Liste meiner Top 10 der ersten Dekade des neuen Jahrtausends und da ist er drauf, aber dieses Mal konnte ich mich nicht so richtig auf ihn einlassen. Vielleicht nutzen sich Filme irgendwann ab, drei, vier, fünf Mal funktionieren sie, aber bei sechsten Ansehen dann, plötzlich, mag das Gehirn nicht mehr. Vielleicht lag es ja daran, dass ich „Station Agent“ diesmal in sonderbarer Gesellschaft gesehen habe, so sonderbar, dass die Sonderbarkeit der Figuren im Film dagegen einfach nicht ankommt. Auf diese Theorie kann ich jetzt allerdings aus Respekt vor lebenden Personen, die das hier bestimmt nicht lesen, aber vielleicht ja doch (wer weiß das schon?) nicht weiter eingehen. Aber toller Film eigentlich.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Zu diesem Film, für den der Ausdruck „Meisterwerk“ zu klein und damit völlig ungeeignet ist, nur einen Satz zu schreiben, das geht natürlich gar nicht.

The Shallows (Jaume Collet-Serra, USA 2106)

Wohin das Auge sieht: Haie! . „Supershark“, „Sharktopus“, „Dinoshark“ „Sharknado“ eins, zwei, drei usw. Selbst im Supermarkt ist man vor ihnen nicht sicher! Ich kann mir dieses ganze Zeug nur mit Mühe ansehen. Dass es sich bei „The Shallows“ um einen ernstgemeinten Hai-Horror handeln sollte, hat dann aber doch mein Interesse geweckt. Und wirklich, nicht übel, was „House of Wax“- und „Orphan“-Regisseur Jaume Collet-Serra hier abliefert, gar nicht übel. Dazu braucht er nicht mehr als eine junge Surferin (Blake Lively) und einen blutrünstigen Hai. Ich finde es jedenfalls super, dass sich jemand dieser Tage traut, einen unironischen Hai-Thriller zu drehen, zumal das Ergebnis durchaus sehenswert ist (spannend, toll fotografiert, überzeugende Hauptdarstellerin). Da kann ich auch verschmerzen, dass Zufälle die an sich sehr reizvoll reduzierte Geschichte etwas zu sehr dominieren und die existenzialistische Dimension von „The Shallows“ eher unterentwickelt ist.

The Lobster (Giorgos Lanthimos, Frankreich / Irland / Großbritannien, Niederlande / Griechenland 2015)

Ich frage mich seitdem täglich, welches Tier ich wohl wäre. Jedenfalls kein Hai.

Demolition (Jean-Marc Vallée, USA 2016)

Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal) verliert seine Frau bei einem Autounfall. Statt ordnungsgemäß zu trauern, öffnet er sich in Briefen dem Kundenservice einer Automatenfirma – und erhält überraschend Antwort von Karen Moreno (Naomi Watts), die sich sehr interessiert an seinen Gefühlen zeigt. Die beiden lernen sich kennen. Nach und nach erkennt Davis, dass er zuerst sein altes Leben auseinandernehmen muss, ehe er ein neues beginnen kann. Dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, wird häufig behauptet. Der Protagonist des Films scheint diese Meinung nicht zu teilen oder der These zumindest von Grund auf nachgehen zu wollen, indem er zwanghaft alles auseinanderbaut, was ihm unter den Schraubenschlüssel kommt. Dieser Akt der Zerstörung ist die grundlegende Metapher dieses ambitionierten aber leider völlig überkonstruierten und unglücklicherweise auch bis zum Bersten vollgestopften Drehbuchs. Doch anders als in der Geschichte fügt sich der Film leider nicht wie durch ein Wunder zu einem kunstvollen Großen und Ganzen zusammen. „Demolition“ ist eins der raren Beispiele für etwas, das weniger ist, als die Summe seiner Teile.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Österreich / Deutschland / Frankreich 2016)

Mal von „Toni Erdmann“ abgesehen, hat mich kein Film in den letzten Wochen so beeindruckt wie die Stefan Zweig Biografie von Maria Schrader. In „Vor der Morgenröte“ wimmelt es von Irritationen und ich denke, das ist Konzept und soll die Situation und Zerrissenheit seiner Hauptfigur zeigen. Der Film wird getragen von Josef Harder. Harder ist ein großartiger, aber – das vergisst man vielleicht ab und an, wenn man ihn nur als den Brenner kennt – auch sehr vielseitiger Schauspieler, der hier einen neuen Bereich seines Könnens demonstriert. Ich sage mal vorher, dass dieser Film in meinen Jahres-Top-10 sein wird.

Tucker And Dale Vs Evil (Eli Craig, Kanada 2010)

Posted by – 27. Mai 2016

Tucker DaleAuf den ersten Blick sieht Craigs Debüt-Langfilm vielleicht aus, wie ein 08/15-Horrorfilmchen, bei dem es eine Gruppe von College-Kids bei einem Zelturlaub mit den Einheimischen zu tun bekommt. Doch schon der Titel deutet an, dass sich nicht alles ganz so zuträgt, wie der Genrekenner es erwartet: Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) sind nämlich in diesem Fall nicht die Bösen. Im Gegenteil! Bei den beiden Landeiern handelt es sich um grundsympathische Typen, die in den Wäldern einfach etwas an einer Hütte basteln und sich beim Fischen entspannen wollen. Ein Missverständnis führt dazu, dass die College-Kids Tuckers und Dales Rettungsversuch der hübschen Allison (Katrina Bowden) für eine Entführung halten – und fortan mit allen Mitteln versuchen, gegen die beiden Freunde vorzugehen.

Es gibt sie, die Horrorfilme, die einfach Spaß machen. Sam Raimis „Evil Dead“-Filme fallen mir da spontan ein; oder Peter Jacksons „Bad Taste“ und „Braindead“; oder der wunderbare „Return Of The Living Dead“; oder „Re-Animator“; oder oder. Und auch in jüngster Zeit gab es wohl immer mal wieder Versuche, die man dazu zählen könnte. Leider ist deren Anzahl, denen die Melange aus Gewalt und gute Laune gelingt, meiner Meinung – oder sagen wir lieber meinem Geschmack nach, nicht besonders groß. Auch „Tucker And Dale Vs Evil“ steht ja in dem Ruf, diesen Spagat zu schaffen, und beim ersten Sehen fand ich ihn auch ganz nett. In der Zweisichtung hat er mich allerdings freundlich gesagt weniger überzeugt.

Sicher, das Spiel mit den vertauschten Rollen, bei dem die Collegekids die Psychopathen und die Hinterwäldler die Sympathieträger sind, funktioniert an und für sich ganz gut und macht deutlich, wie vieles, das wir als filmische Wahrheiten unhinterfragt akzeptieren, eigentlich eine Frage der Perspektive ist. Das ist der zentrale Witz von „Tucker And Dale Vs Evil“ und ja, das ist schon irgendwie ganz ok gemacht und zumindest beim ersten Sehen fand ich es ja auch amüsant bis lustig. Wenn der Zuschauer das Prinzip allerdings einmal durchschaut hat (was ziemlich schnell der Fall ist), geht dem Film schnell die Puste aus.

Ich bin nach dem zweiten Sehen der Meinung, dass Craig zum einen zu früh klar macht, wohin der Hase läuft und sich zum anderen quasi schon zu Beginn des Films auf die witzige Seite seiner Horror-Komödie schlägt, sprich, die spannende geschweige denn gruselige dafür leider viel zu kurz kommt. Mir ist bewusst, dass dieses Urteil sehr subjektiv ist und natürlich immer davon abhängt, was man gerne sieht; ich kann mir vorstellen, dass viele den Film gerade für seinen Charme, seinen Witz wie seine sympathisches Protagonisten-Duo mögen. Mir hätte er vermutlich besser gefallen, wenn nicht alles so leicht zu durchschauen wäre, sondern wenn Craig vor allem etwas mehr Ernst bei seinen Figuren und dem Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Parteien an den Tag gelegt hätte. So ist mir das ganze zu sehr Nummernrevue ohne echtes Drama, ohne Fallhöhe.

„Tucker And Dale Vs Evil“ ist guter Stoff für das Fantasy Filmfest, wo jeder Fun-Splatter frenetisch bejubelt wird; oder vielleicht auch für den Fortgeschrittenen Anfänger in diesem Genre, der sich darüber freuen kann, dass er erkennt, was hier witzig sein soll. Aber es ist kein guter Film in dem Sinne, dass hier eine Geschichte dramaturgisch geschickt erzählt wird, dass es einen spannenden Konflikt oder interessante Figuren gibt, dass hier etwas entwickelt wird, dass mehr ist als die Summe seiner mehr oder weniger spaßigen Teile. Nein, „Tucker And Dale Vs Evil“ ist nicht mein Ding. Vielleicht liegt dieses etwas harsche, zweite Urteil aber auch nur daran, dass ich, was Humor in Filmen angeht, eh ein schwieriger Kandidat bin

Bild © Universum Film

50 First Dates (Peter Segal, USA 2004)

Posted by – 14. Mai 2016

50 first datesEs hat ein paar Filme gedauert, bis ich herausgefunden habe, was sich krank am besten schauen lässt. Die Antwort lautet ohne Wenn und Aber: Adam-Sandler-Filme. Ich will jetzt nicht zu allen, die ich in den letzten auf dem Sofa verbrachten Tagen gesehen habe, etwas aufschreiben. Aber wenn einer mir sogar das ein oder andere Tränchen abringt, weil er so lustig, romantisch, traurig, weise und zusammengefasst einfach wundervoll ist, dann sollte ich wohl doch ein paar Sätze dazu sagen.

Der Tierarzt Henry Roths (Adam Sandler) kann sich nicht beklagen. Das Leben auf Hawaii ist sonnig und warm, die Touristen liegen ihm zu Füßen. Eine feste Bindung kann er sich nicht vorstellen – bis er Lucy Whitmore (Drew Barrymore) trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick und schöner noch, Lucy scheint das gleiche zu empfinden. Doch als er sie am nächsten Tag wieder trifft, kann sie sich nicht an ihn erinnern. Denn die junge Frau hatte einen Unfall, seitdem kann sie keine neuen Informationen abspeichern. Jeden Morgen wacht sie in der Annahme auf, dass es sich um den Tag vor ihrem Unfall handelt. Während Lucys Vater Marlin (Blake Clark) und ihr Bruder Doug (Sean Astin) versuchen, Lucy ihr Schicksal zu verheimlichen und ihr den gleichen Tag immer und immer wieder vorzuspielen, will Henry sich nicht damit abfinden. Er macht sich daran, Lucys Herz jeden Tag erneut zu erobern, in der Hoffnung, dass sie sich vielleicht irgendwann an ihn erinnert…

Nun denn, warum ist „50 First Dates“ so gut?

Auch wenn die Geschichte natürlich an „Groundhog Day“ erinnert, würde ich sie als hochgradig originell durchgehen lassen. Eine Liebesgeschichte, die auf diese Weise erzählt wird, ist mir von Harold Ramis Film abgesehen nicht bekannt. Auch die Parallelen hierzu relativieren sich, wenn man sich genauer anschaut, was Adam Sandler an diesem Stoff eigentlich interessiert: In „50 First Dates“ geht es ja nicht um den Reifungsprozess des Protagonisten angesichts dessen Situation, sondern darum wie Menschen (wichtig, Mehrzahl!) mit einer schwierigen gesundheitlichen Situation einer weiteren Person umgehen, die wiederum gleichzeitig niemals zum Objekt gemacht, sondern ab einer bestimmten Phase des Film selbstbestimmt ihr Schicksal in die Hand nimmt. George Wing, der neben diesem, glaube ich, nur noch das Drehbuch für „Outsourced“ und ein paar Folgen der daraus entstandenen Serie geschrieben hat, ist hier wirklich ein sensationelles Script gelungen, bei dem zwar nicht jeder Gag zündet, bei dem aber das große Ganze stimmt.

Das ist natürlich nicht alles. Damit ein Film wie „50 First Dates“ funktionieren kann (ok, ok das gilt jetzt wahrscheinlich für die allermeisten Vertreter dieser Spezies), ist es natürlich essentiell, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Und man muss schon ein wenig länger überlegen, um ein Film-Paar zu finden, das so gut harmoniert wie Adam Sandler und Drew Barrymore. Harrison Ford und Carrie Fischer vielleicht, oder Patrick Swayze und Demi Moore, oder Leonardo DiCaprio und Kate Winslet und vielleicht noch ein paar. Aber so viele gibt’s da nicht, denn in dieser Liga wird Luft ganz dünn.

Doch so wichtig die Schauspieler sind, kein Film ist allein ihretwegen gut. Und natürlich muss es deswegen auch noch einen wirklich guten Grund abseits der bereits genannten geben, warum 50 First Dates“ mich so umgehauen hat. Der Clou des Films ist ja – für Sandler-Filme typisch, aber oft übersehen – dass er überhaupt einen hat. Er macht ja nicht einfach eine albern-kurzweilige Liebeskomödie, sondern ein Werk, das etwas zu sagen hat. Es hat – wie bisher alles, was ich von Sandler gesehen habe – Sinn, Verstand und ganz viel Herz und diesmal und darüber hinaus auch große aktuelle Brisanz. Mir fällt auf die Schnelle jedenfalls kein anderer Film ein, der das Thema Krankheit innerhalb einer Beziehung warmherziger und liebevoller umgesetzt hat. Denn darum geht es ja eigentlich, um ein Paar, das ob der schweren Erkrankung des einen Partners und aller weiteren Widrigkeiten zum Trotz zusammenfinden und -bleibt. „50 First Dates“, eine Liebeskomödie, die sich subversiv von allen Liebesfilmklischees emanzipiert ohne dabei auf irgendetwas zu verzichten, was die Zuschauer sehen wollen und was dieses Genre ausmacht.

Also – darum!

Schön, dass dieser Film mal nicht wie so viele andere Sandler-Komödien in Deutschland am Publikum vorbeigerauscht ist, sondern die Anerkennung erhalten hat, die er meiner Meinung nach definitiv verdient. Denn wie gesagt, „50 First Dates“ ist einfach wundervoll!

Bild © Sony Pictures Home Entertainment

Blended (Frank Coraci, USA 2014)

Posted by – 14. Mai 2016

BlendedWenn man älter wird, verschieben sich die Prioritäten. Davon wollen Liebesfilme in der Regel nichts wissen. Nur sehr selten bekommen sie es hin, mal etwas anderes als die üblichen Beziehungsanbahnungen und -konstellationen überraschungsfrei rauf und runter zu dudeln. Da überrascht es, dass einer der interessantesten Beiträge ausgerechnet ein Adam Sandler Film ist. Oder eben nicht. Denn nach den wenigen Begegnungen mit seinen Filmen kann ich schon sagen, dass keiner so oberflächlich ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag.

In „Blended“ geht es um die allein erziehenden Eltern Lauren (Drew Barrymore) und Jim (Adam Sandler). Sie treffen sich zu einem Blind Date – und können sich auf den Tod nicht ausstehen! Doch schon wenig später führt sie das Schicksal nicht nur erneut zusammen, sondern ermöglicht den beiden Familien sogar einen gemeinsamen Afrika-Urlaub. Auch wenn am Anfang ordentlich die Funken sprühen, müssen die beiden Streithähne bald feststellen, dass sie doch gar nicht so schlecht zusammenpassen.

Neben diesem ganz individuellen Fall geht es in „Blended“ – und das macht ja schon der Titel deutlich – um eine im Liebesfilm weniger häufig betrachtete Form des Zusammenfindens und –lebens, nämlich um das derjenigen, die die erste Runde schon gespielt haben und nun mit Kindern ein Leben leben, das genauer zu betrachten den meisten romantischen Komödien wohl zu anstrengend wäre. Schließlich brauchen Kinder, wie in „Blended“ mal gesagt wird, 99% deiner Zeit und nur 1% bleibt da für den Partner übrig. 1% – das wäre vielen Filmen wohl zu wenig, um hier romantisch auf Touren zu kommen, deswegen lassen es die meisten lieber gleich sein. Nicht so Sandler, der sich hier mit seinen Autoren Clare Sera und Ivan Menchell wie Regisseur Frank Coraci geradezu mit kindlicher Begeisterung auf das Thema „Patchworkfamilie“ (mit allem was dazu gehört) stürzt und im Ergebnis nicht nur einen der lustigsten und romantischsten Liebesfilme abliefert, die ich seit Jahren gesehen habe, sondern auch einen der endlich mal etwas übers (Zusammen)Leben zu sagen hat.

Denn bei aller Albernheit – und davon gibt es bei „Blended“ natürlich auch genug, man nehme nur diese scheußlich-herrlich afrikanische Musik-Combo, die zu den unpassendsten Momente aus dem Nichts auftaucht und die alle peinlichen Momente noch peinlicher macht – ist es Sandler hoch anzurechnen, dass er sich nicht scheut, auch komplizierte Beziehungen mit allem was dazu gehört auf seine ganz eigene Art unter die Lupe zu nehmen. Neben der Beziehung Lauren und Jim – die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist indes ganz hervorragend! – muss es, dem Thema entsprechend, natürlich auch oder sogar vor allem um das Leben mit den Kindern der beiden gehen. Im Detail sind das Laurens Söhne, der überdreht-aggressive Tyler (Kyle Red Silverstein) und Brendan (Braxton Beckham), der mitten in der Pubertät steckt und seine Sexualität noch nicht ganz unter Kontrolle hat sowie Jims Töchter, die alle sehr unter der abwesenden Mutter leiden, die kleine Lou (Alyvia Alyn Lind), die nach einem Sportsender benannte Espn (Emma Fuhrman), wie die älteste Tochter Hilary (Bella Thorne), der ihr männliches Aussehen sehr zu schaffen macht.

Ich kann verstehen, wenn man Sandler vorwirft, er würde oberflächlich sein und nicht davor zurückscheuen, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich sehe das bzw. empfinde das allerdings nicht so. Sicherlich mögen manche „interkulturellen“ Gags grenzwertig und diskutabel sein, was die grundsätzlich positive Einstellung Sandlers zu den Charakteren seiner Filme angeht, darauf lasse ich nichts kommen. Ich finde es im Gegenteil sogar höchst erstaunlich, wie es Sandler immer wieder gelingt, mir auch bei jedem noch so grenzdebilen Scherz trotzdem wie ein großer Humanist vorzukommen. In seinem Film lachen wir nicht über die Figuren – wir lachen mit ihnen, weil wir spüren, dass auch wir hätten diejenigen sein können, die sich aufs Pupskissen setzen. In seinen Filmen sind wir alle eine große Familie.

Bild © Warner Home Video

Notizen #4

Posted by – 21. Januar 2016

Seraphim Falls (David Von Ancken, USA 2006)

Von der Regel, dass ich neben „Once Upon A Time In The West“ und „The Quick And The Dead“ keine Western mag, gibt es eine weitere Ausnahme. Aufgrund einer Empfehlung von vertrauenswürdigen Tipp-Gebern auf Twitter habe ich mir „Seraphim Falls“ angesehen – und für gut befunden. Ein Mann (Liam Neeson) jagt darin einen anderen (Pierce Brosnan). Warum, erfährt man erst viel später. Aber eigentlich ist der Grund auch egal, Von Ancken scheint es hier in seinem Rache-Western eher ums Grundsätzliche zu gehen. Der Film beginnt sehr realistisch – man spürt die Kälte, fühlt sie durch Mark und Bein gehen; später kommt die Hitze, der Durst, die Erschöpfung… – driftet aber immer mehr ab und wird zur Parabel, die uns in eindrucksvollen Bildern deutlich macht, dass Rache… – Ach, ich will nicht zuviel verraten, schaut euch den Film selber an.

The Shiver of the Vampires (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Isa und Antoine geraten auf ihrer Hochzeitsreise in ein Vampir-Schloss. Isa gerät unter den Einfluss der Vampirkönigin Isolde, Antoine versucht seine Angetraute zu retten. – Warum „The Shiver Of The Vampires (OT: Le Frisson des Vampires) mancherorts im Internet als einer der besten Filme von Jean Rollin bezeichnet wird, weiß ich nicht. Im Prinzip steht überall das Gleiche, und zwar das, was bei allen Rollin-Vampir-Filmen steht: Irgendwas mit Kunst & Trash, Gothik & Erotik, psychedelisch & surreal. Ob bei Tageslicht, in der Morgendämmerung oder nachts, bei Kerzenschein – ich habe alles probiert – bei mir hat „The Shiver of the Vampires“ nicht funktioniert. Ich fand ihn beliebig. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch irgendwie an mir liegt. Schließlich fand ich bisher eigentlich alles, was ich von Rollin gesehen habe, gut bis sehr gut.

Coffy (Jack Hill, USA 1973)

Trash-Commando von Trash-O-Meter hat mir einen Stapel Filme mitgegeben, um mich in die Welt der Blaxpoitation einzuführen. Dann mal los! Den Anfang machte ein „sehr bedenkliches Action-Drama, das Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren propagiert“ (Lexikon des internationalen Films) von Jack Hill. „Coffy“ war für mich gleich ein Volltreffer, was weniger an dem Film selbst lag – eine Frau nimmt für ihre abhängige Schwester Rache an der Drogenmafia –, sondern an seiner famosen Hautdarstellerin Pam Grier, die ich Ungebildeter bisher tatsächlich erst aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kannte. Ich mag Grier als Frau gerne leiden, aber ich fand auch ihre Figur der Coffy Coffin stark. Und ich möchte dem katholischen Filmdienst an dieser Stelle gerne widersprechen und behaupten, dass hier nicht das Recht des Stärkeren propagiert, sondern die Gewalt gegen den Schwächeren für ein B-Movie auf gar nicht so unclevere Weise thematisiert wird. Im Spannungsfeld Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß, Mann gegen Frau erweist sich die Protagonistin nicht nur als jemand, der wegen der Umstände in den Widerstand geht, sondern eben auch als amoralisches Produkt eben dieser Umwelt, in der besagtes Recht des Stärkeren gilt. Doch ist dies keine Propaganda im Sinne von Werbung für ihr Handeln, sondern immer auch zutiefst tragisch, weil Coffys naiver Rachefeldzug für eine bessere Welt im Kern chancenlos ist. Ich danke Herrn Trash-Commando für die sehenswerte Leihgabe.

Shaft (Gordon Parks, USA 1971)

Gleich noch mal einen Dank in die gleiche Richtung. Björn goes Blaxpootaion Part II. Es ist schon ein bisschen witzig, dass ich diesen „Klassiker“ erst kurz vor der Rente sehe. Aber besser spät als nie bzw: eigentlich auch egal. Ich war noch nie ein großer Freund von Krimis, großen Wummen und coolen Sprüchen. Daran hat leider auch „Shaft“ nichts geändert. Aber die Musik, die war gut, und dass Isaac Hayes einen Oscar für den Besten Song gewonnen hat, leuchtet mir – auch wenn mir sonst wenig an den Oscars einleuchtet – voll uns ganz ein.

One, Two, Three (Billy Wilder, USA 1961)

Zum ersten Mal gesehen und – darf ich das hier sagen? – ich finde diesen Film ganz furchtbar. Ja, ich weiß, Billy Wilder und alle reden ganz schnell und lustig, har har, aber warum diese Zusammenschau von billigen nationalen Klischees einen so guten Ruf hat, verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich finde „One, Two, Three“ nicht nur nicht lustig, ich finde ihn in seinem kaum verhohlenen Spott über alle nicht-amerikanischen Menschen bedenklich. Die meisten Witze gehen auf Kosten der Russen, aber auch gegen Bürger der DDR, gegen die Deutschen und Frauen wird ordentlich ausgeteilt. Ich bin niemand, der besonderen Wert auf politische Korrektheit legt, aber wenn auf Kosten anderer gelacht werden soll, dann bitte als Provokation und nicht in Form einer vermeintlichen Wohlfühl-Komödie.

 

Notizen #3

Posted by – 10. Januar 2016

Mal wieder nur kurz.

Fantastic Four (Josh Trank, USA 2015)

Nachdem ich so widersprüchliche Dinge über diesen Film gelesen habe, bin ich schließlich doch neugierig geworden und muss sagen, dass ich die sich eindeutig in der Minderzahl befindlichen Verteidiger von Josh Tranks „Fantastic Four“-Reboot zumindest verstehen kann. Denn vom Marvel-Einheits-Superbrei hebt er sich ab. Probleme gibt es natürlich auch. Es ist wahrscheinlich müßig, Superhelden-Filmen fehlenden Realismus vorzuwerfen, wobei das doch gerade ein Markenzeichen dieses Genres ist, aber ich muss sagen, für mich hatte der Film tatsächlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Z.B. als die vier beschließen, auf eigene Faust in die neue Dimension aufzubrechen; oder als sie, nachdem Reed wieder eingefangen wurde, unvermittelt wieder ins Jenseits geschickt werden. Aber gut. Meckern könnte man noch lange. Zum Beispiel lang und leidenschaftlich über das gruselige CGI, die holprige Erzählung, der man anmerkt, dass nicht nur eine Hand daran herumgewerkelt hat, oder das versemmelte Finale. Doch man kann nicht ignorieren, dass Trank versucht, etwas anders zu machen. Im fertigen Produkt ist seine verwässerte Vision – eine düstere Mischung aus Coming-of-Age Geschichte und Body Horror – immerhin noch zu erahnen.Alles in allem? War das nix. Aber der Film war mir trotzdem nicht unsympathisch. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen

Case of the Scorpion’s Tail (Sergio Martino, Spanien / Italien 1971)

Obwohl mir bisher kein Film von Sergio Martino so richtig gut gefallen hat, gebe ich nicht auf. Diesmal war „Case Of The Scorpion’s Tail“ (OT: La Cola del escorpión), ein früher, aber doch nicht ganz gewöhnlicher Giallo an der Reihe. Die Geschichte beginnt mit Lisa Baumer (Ida Galli), die sich gerade mit ihrem Liebhaber im heimischen Bettlager dem Höhepunkt entgegenkuschelt als das Flugzeug ihres Mannes hoch oben in den Lüften explodiert. Die Witwe kommt damit in den Genuss der Lebensversicherung von einer Millionen Dollar, die ihr in Griechenland ausgezahlt werden soll. Weil die Versicherungsgesellschaft der Dame nicht traut, wird Lisa durch den Privatdetektiv Peter Lynch (George Hilton) beschattet. In Athen lauern außerdem noch andere Anwärter auf das Geld. Bald gibt es die ersten Toten. Auch dieser Film von Martino war für meine Begriffe jetzt keine Offenbarung, trotzdem will ich nicht leugnen, dass er weder ein 08/15-Giallo ist, noch sich überhaupt so leicht in das Genre einfügen lassen will.. Eine recht spannende Geschichte, Bruno Nicolais schräger Score und wirklich haufenweise seltsame Kamera-Perspektiven machen ihn auf jeden Fall sehenswert. Noch etwas mehr Freude macht der Film, wenn man sich zuvor mit dem schönen Booklet von Rochus vom kinderfilmblog einstimmt, der mir die DVD freundlicherweise ausgeliehen hat.

Captain Phillips (Paul Greengrass, USA 2014)

Ja, spannend. Ich mag Greengrass’ Filme eh und auch „Captain Phillips“, den ich nun endlich nachgeholt habe, hat mir wieder gut gefallen. Es geht um ein Containerschiff, das in der Nähe von Somalia von Piraten angegriffen und schließlich gekapert wird. Mich haben die Verhältnisse und Kontraste fasziniert, wenn ich das mal so abstrakt sagen darf – die Reichen und Armen, die Schwarzen und Weißen. Die großen Schiffe und die kleinen. Wer hätte gedacht, dass man ein großes Containerschiff einfach so kapern kann? Nun gut, so einfach ist das nicht, aber mit der richtigen Portion an Verzweiflung und Wagemut, über die die Piraten ohne Frage verfügen, ist es möglich. Den Teil des Films, der auf dem Frachter spielt, fand ich sehr mitreißend, den Teil, in dem sich die Piraten mit Captain Phillips (Tom Hanks) in einem Rettungsboot auf der Flucht befinden, etwas weniger, keine Ahnung warum. Vielleicht hat mich in dem Teil die gleiche Schockstarre überfallen, wie den gebeutelten Captain, der erst im sehr emotionalen Finale, wie ich dann auch wieder, die Fassung verliert. Starker Film jedenfalls.

21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Zweitsichtung. Diesmal mit Frau und Eltern vor dem heimischen Fernseher. Interessantes Meinungsspektrum nach dem Film, das von 2/10 Punkten (Mutter) bist hin zu 8/10 Punkten (Papa) reichte. Ich sortiere mich irgendwo dazwischen ein. Ich fand ihn ähnlich gut wie bei der Erstsichtung (hier etwas mehr dazu) und sogar auf Deutsch war er nicht unlustig. Diesmal ist mir sogar noch mehr klar geworden, was für ein Glücksfall dings und dings sind. Die beiden harmonieren so prächtig, dass der Film nur so flutscht und sich die Gags quasi von selbst schreiben. Lediglich das Ende, der Genitalschuss, den ich geschmacklos und billig finde, stört mich nach wie vor.

Inside Out (Pete Docter, Ronnie del Carmen, USA 2015)

Es ist natürlich ganz wunderbar, wie die Innen- und Gefühlswelt der jungen Protagonistin in diesem Animationsfilm dargestellt wird. Ihre Gefühle – Freude, Wut, Angst und Ekel – sind hier agierende Figuren, die in der Psyche der Hauptfigur allerlei anstellen und schließlich wieder richten. Und ich würde auch sagen, dass dieser Pixar mal wieder zu den stärkeren Filmen des Studios gehört. Dennoch kann ich nicht so ganz in den allgemeinen Lobgesang einstimmen, weil ich „Inside Out“ erzählerisch als sehr konventionell und damit von den visuellen Attraktionen abgesehen fast schon als langweilig empfunden habe. Die Prämisse und die optische Seite sind ohne Frage toll, aber mir fehlte da irgendwie noch etwas, das die Geschichte spannender macht wie auch ein wenig mehr dazu, was die Behauptung des Films, dass – unsere Persönlichkeit und unsere Handlungen – vollständig durch die Mechanik unserer Innenwelt bestimmt werden, für unser Selbstverständnis als Mensch bedeutet.

Memoirs Of An Invisible Man (John Carpenter, USA 1992)

Posted by – 17. Juli 2015

Jagd auf einen UnsichtbarenWer würde nicht gerne einmal Mäuschen spielen und sich, ohne bemerkt zu werden, an Orten aufhalten, zu denen man sonst keinen Zugang hat? Wer wäre nicht gerne einmal unsichtbar? Bestimmt die meisten. Was man sich allerdings selten klar macht, ist, welche Einschränkungen dieser vermeintliche Zustand absoluter Freiheit mit sich bringt. Nicht gesehen zu werden heißt nämlich vor allem eins – unendlich allein zu sein. Wie in John Carpenters „Memoirs Of An Invisible Man“. Da macht der lebefreudige Geschäftsmann Nick Halloway (Chevy Chase) während einer Tagung in einem Forschungszentrum ein Nickerchen. Durch einen Unfall im Labor wird ein Teil des Gebäudes sowie er selbst unsichtbar. Ehe er sich versieht ist ihm eine Spezialeinheit der C.I.A. unter der Führung des skrupellosen David Jenkins (Sam Neill) auf den Fersen. Sie wollen sich die Fähigkeiten des Unsichtbaren zu Nutze machen.

Die folgende Stunde ist Nick auf der Flucht, und ich fühlte mich nicht nur einmal an Andrew Davis’ meisterlichen „The Fugative“ erinnert. Dessen Spannung und Dichte erreicht Carpenters Film zwar nicht, seine Stärken liegen dafür anderswo. Allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig ähnlich wie mit dem Protagonisten – es fällt mir gar nicht so leicht zu sagen, wo sie sich befinden. Ich kann jedenfalls nicht ganz nachvollziehen, warum dieser Film so mäßige Kritiken eingefahren hat, da ich ihn als reinen Unterhaltungsfilm wie auch im Kontext von Carpenters Werk (als dessen er auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar ist) sehr schätze. Denn von den Möglichkeiten, die seine Unsichtbarkeit bieten sollte, bekommt Nick nur wenig mit. Er ist ein Gejagter, der ständig kurz davor steht, entdeckt zu werden. Er kann kaum schlafen, weil das Licht durch seine Augenlider scheint, er darf nicht essen, weil die Nahrung in seinem Magen natürlich nicht unsichtbar ist und er sich so verraten würde, er kann sich niemandem anvertrauen, weil der C.I.A. alles überwacht. Nick kann alles Sehen, aber er hat so gut wie keinen Einfluss auf die Dinge. Jede Intervention von ihm würde sofort seine Häscher auf ihn aufmerksam machen. Unsichtbar bedeutet bei Carpenter nicht frei, sondern gefangen zu sein. Wie Carpenter diesen Aspekt von Unsichtbarkeit hier herausarbeitet, finde ich besonders reizvoll.

Was nicht heißen soll, dass sich meine Sympathie diesem Film gegenüber hierin erschöpft. Von den zahlreichen Dingen, die ich an ihm mag, möchte ich vor allen noch einmal die drei Hauptdarsteller, Chevey Chase, Sam Neill und mit Einschränkung auch Daryl Hannah hervorheben, die jeder für sich wie auch im Zusammenspiel gut funktionieren. Chase hatte vor, mit diesem Film ins ernstere Fach zu wechseln, doch seine „funny bones“ kann er nicht komplett verstecken. Ich finde ihn einfach super besetzt in der Rolle des gelangweilten Playboys, der sich seine Wirklichkeit Stück für Stück zurück erkämpfen muss, und der erst durch sein Verschwinden lernt, in welcher Weise er in der Welt sein will. Neills Figur ist der perfekte Antagonist für diesen passiven Helden, sein David Jenkins ist ebenso clever wie skrupellos, gierig und omnipräsent. Er ist es gewohnt, Druck auf andere Menschen auszuüben, er drängt sie immer weiter an den Rand, bis sie sich entweder unterwerfen oder von der Klippe stürzen. Oder wie Nick, der irgendwann zum Gegenangriff bläst.

Einen kleineren Kritikpunkt hätte ich aber dennoch. Nicks furchtbare Situation, gejagt zu werden, nirgendwo hin zu können und allein zu sein, wird vielleicht ein wenig zu sehr abgemildert durch den Love Interest in Gestalt von Daryl Hannah. Die Chemie zwischen ihrer Figur und Nick stimmt, aber mit Sicherheit wäre alles noch etwas dramatischer, wenn Nick niemanden hätte, der ihn unterstützt. Ich selbst bin unsicher, ob ich mir den Film hier anders wünsche, denn einerseits fehlt ihm so, wie er ist, die letzte Konsequenz, andererseits gefällt mir gerade die Mischung aus Tragik und Humor, Anspruch und Unterhaltung. Doch auch so, wie er ist, habe ich „Memoirs Of An Invisible Man“ unheimlich gern. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich ihn sehe, auch wenn ich es nicht bis ins Detail erklären kann.

Bildm © Euro Video

What About Bob? (Frank Oz, USA 1991)

Posted by – 7. April 2015

What About BobDass ich mit Komödien sehr oft nichts anfangen kann, erwähnte ich bestimmt schon mal. Der Grund, warum ich Frank Oz’ „What About Bob?“ trotzdem so mag, ist wahrscheinlich, dass es sich hierbei im Grunde nicht um eine Komödie, sondern um einen Horrorfilm handelt.

Worum geht’s? – Um den Psychiater Leo Marvin (Richard Dreyfuss), der mit Bob Wiley (Bill Murray) einen Patienten bekommt, der ihn an seine Grenzen bringt – und darüber hinaus. Nicht nur, dass Bob seinen Therapeuten bis an dessen Urlaubsdomizil verfolgt und sich dort breit macht, der multiphobische Neurotiker erobert auch im Nu die Herzen von Leos Familie. – Natürlich ist das lustig. Denn Bill Murray und Richard Dreyfuss sind kongenial als Seelenklempner und Irrer. Während Murrays Fähigkeiten als Comedian auf der Hand liegen, möchte ich an dieser Stelle nachdrücklich bemerken, wie perfekt Dreyfuss für seine Rolle gecastet ist und wie gut er sie ausfüllt. Ich denke, seine Performance als selbstgefälliger Arzt trägt maßgeblich zum Gelingen des Films bei. Der Horror, von dem ich eingangs sprach, wird durch den Humor sogar noch verstärkt. Für Leo ist es furchtbar, dass Bob ihn bis an seinen Urlaubsort verfolgt, noch schrecklicher ist es allerdings, dass alle den Eindringling zwar als liebenswert kauzig, auf keinen Fall aber als Bedrohung ansehen. Und eine Bedrohung für Leib und Leben ist er ja auch nicht, wohl aber für die Spießerwelt des Egozentrikers Leo. Für den Zuschauer bedeutet das ein Wechselbad der Gefühle, denn einerseits ist es natürlich nicht ganz ohne Reiz, mitzuzusehen, wie der Verrückte im geordneten Leben Leos alles durcheinander bringt. Andererseits kann man auch tiefes Mitgefühl und empathische Panik dafür empfinden, was der plötzlich hilflose Helfer durchmacht.

Was ich an dem Film ebenfalls sehr schätze, ist die Art, wie er Psychotherapie des letzten Jahrhunderts auf die Schippe nimmt. Das tut er nicht, in dem er sich infantil veralbert, sondern indem er ihr Selbstverständnis ad absurdum führt: Sicherlich kann eine psychologische Behandlung helfen, doch das tut sie eher weniger aufgrund von psychologischem Geheimwissen, sondern durch das Gespräch zwischen Therapeut und Patient, dem Aufdecken versteckter Ressourcen und dem Aktivieren von sozialen Netzwerken. Die der Figur des Leo innewohnende Arroganz, ist auch die Arroganz seiner ganzen Profession – der Hilfesuchende wird hier behandelt wie der Kunde jeder anderen Dienstleistung. Er bekommt ein Produkt verkauft und soll sich dann bitte schnell wieder entfernen. Dass Patienten keine Objekte sind, sondern dass die Wirkung von Therapien gerade in der persönlichen Beziehung zwischen Arzt und Hilfesuchendem liegt, zeigt Bob dem selbstgefälligen Psycho-Doc eben dadurch, dass er in einem Tabubereich netzwerkt und sich die Beziehung zu seinem Arzt mit Gewalt holt. Das ist scharfsinnig beobachtet, ziemlich lustig umgesetzt aber, wie gesagt, auch ganz schön gruselig.

Ich komme zum Ende. An diesem Film stimmt so gut wie alles. Außer vielleicht die Grimasse, die der gebeutelte Psychiater in seine letzten Szene zieht, die Resignation aber auch so etwas wie Akzeptanz zum Ausdruck bringt. Hier ist der Film dann auf einmal doch versöhnliche Komödie, indem er den Anschein erweckt: Alles halb so wild. Oder doch nicht? Offenbart „What About Bob?“ möglicherweise eben an dieser Stelle erst seinen wahren Schrecken? Denn der Leidensgenosse Leo ist besiegt und das gleich doppelt: Nicht nur sein Renommee ist dahin, denn er hat seine Familie sowie seine Schwester an den Patienten verloren. Und benimmt sich zum Schluss, wie man es von einer Figur in diesem Gerne erwartet. Damit kehrt er dem Zuschauer den Rücken zu. Dann ist man ganz allein. Paranoia.

Bild © Touchstone

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Posted by – 30. Januar 2015

Es ist schon erstaunlich, dass die Verfilmungen der Romane von Wolf Haas um den sehr kauzigen Privatdetektiv Simon Brenner zwar in Fan-Kreisen durchaus Kultstatus genießen, dass ihnen aber die ganz große, breite Anerkennung bisher verwehrt geblieben ist. Dabei gäbe es mehrere Gründe, die kongenialen Filme des eingespielten Teams bestehend aus Regisseur Wolfgang Murnberger, Hauptdarsteller Josef Hader und Autor Wolf Haas so manchem gelackten Hollywood-Thriller vorzuziehen. Zum einen sind die Filme zeitlos und brandaktuell gleichzeitig. Mord, Korruption, Menschenhandel, et cetera pp. – hier werden die dunklen Seiten von Österreich angegangen, doch eigentlich sind es die Schattenseiten der ganzen Welt, die Zivilisationskrankheiten, die aus menschlichen Wünschen und Ängsten hervorgehen, die in Haas’ Romanen behandelt werden. Zum anderen, dass es die Filme überhaupt gibt! Wer schon mal einen Brenner-Krimi gelesen hat, kann sich vorstellen, wie unmöglich es auf den ersten Blick erscheint, solche durch ihre Sprache besonderen Stoffe für die Leinwand zu adaptieren. Doch dem Triumvirat Murnberger, Hader und Haas ist es gelungen. Mal wieder. Warum auch der vierte Film, „Das ewige Leben“, wieder ding ist, führe ich in meiner Kritik für kino-zeit.de aus.

Final Words (Manuel Antônio de Macedo, Brasilien 1993)

Posted by – 7. Dezember 2014

Madox FinalDie Apokalypse ist schriftgewordene Ekstase – Honoré de Balzac

Ich hatte neulich den Auftrag, einen Text über die Apokalypse bzw. apokalyptische Filme zu schreiben. (Anfangs hieß das Thema noch „Endzeit“, wozu mit wesentlich mehr eingefallen wäre.) Gar nicht so leicht, denn so viele Filme, ist mir nach einigem Nachdenken aufgegangen, die sich wirklich mit dem Untergangs beschäftigen und Bilder dafür finden, gibt es gar nicht. Entweder die Apokalypse wird gerade noch verhindert, oder sie wird im Vorspann des Films kurz abgehandelt. Zum Glück ist mir ein Film wieder eingefallen, den ich im Rahmen eines Brasilien-Specials mal auf einem Regionalsender gesehen habe. Meine Erinnerung ist zugegebener Maßen etwas nebulös und ich bitte vage und ungenauere Aussagen zu entschuldigen.

„Final Words“ (OT: O último relatório) von Manuel Antônio de Macedo, hierzulande auch bekannt unter dem korrekt übersetzten, aber doch irgendwie weniger schönen Titel „Der letzte Bericht“, ist in meiner Erinnerung das Manifest der Apokalypse schlechthin. Hier geht die Welt unter, aber so richtig! In ihm bekommt der arbeitslose Journalist Madox (Wilson Carrero) den Auftrag, den Tag des jüngsten Gerichts zu protokollieren. Ob von Gott oder dem Teufel beauftragt und warum gerade er, das weiß er selber nicht so genau. Auf jeden Fall steht eines Morgens ein offensichtlich nicht-menschliches Geschöpf vor seiner Apartmenttür in São Paulo und weiht den ungläubigen Reporter in seine neue Aufgabe ein. Widerspruch ausgeschlossen und schwupps geht auch schon die Welt unter.

So schön und detailverliebt wie in de Macedos TV-Film hat man das allerdings noch nie erlebt, da öffnen sich die Himmelspforten, schwarz wird zu weiß, oben zu unten; der Boden reißt auf, ihm entströmen die Himmels- und Höllenscharen, welche die Menschen ihrer Bestimmung zuführen, frei nach dem Motto „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Und der gute (faule?) Madox ist gezwungen, über alles haarklein zu berichten. Ein Haufen Arbeit, was die über sechsstündige Laufzeit des Films durchaus rechtfertigt. Viel passiert auf der reinen Handlungsebene nicht, Langeweile kommt in diesem apokalyptischen Doku-Thriller, der die bürokratische Seite des Weltuntergangs zeigt, zumindest für den Zuschauer, trotzdem nicht auf. Während die Szenen im Pugatorium nichts für schwache Nerven sind, entbehren die Interviews mit den vor der Himmelspforte Wartenden allerdings nicht einer gewissen Komik, ach was, sie sind zum Schreien! Wenn der Teufel ein Eichhörnchen ist, sind die himmlischen Heerscharen Schafe im Wolfsfell. Freud und Leid liegen auch am Ende unserer Tage und in diesem letzten Bericht nicht allzu viele Seiten auseinander.

„Schönschmerz“ und „Gutweh“ sind wohl die Begriffe, der das Gefühl, das der Film auslöst, am ehesten beschreiben. „Final Words“ ist ein Film über das Ende. Doch gibt es kaum eine zweite Geschichte, die so stark den Wunsch auslöst, zu wissen, wie es weitergeht. Insofern bewahrheitet sich mal wieder, dass jedem Ende auch ein Anfang innewohnt. De Macedos tragikomisches Stück TV lässt den Zuschauer nicht allein, sondern vermittelt – gerade ob der Endgültigkeit seiner Geschichte – paradoxerweise Hoffnung. Und vielleicht ist das die Erkenntnis, die ich aus meinem Streifzug durch die Filmwelt der Apokalypse mitgenommen habe und die dieser Film mir noch einmal in besonderer Weise ins Gedächtnis zurückgerufen hat, dass es nämlich nie um das Ereignis als solches geht, sondern um das Gefühl. Der Weltuntergang am frühen Morgen kann einem dem Sprichwort nach ja den ganzen Tag versauen. Wenn die Welt allerdings so schön wie hier untergeht, zehrt man da Jahre von.

Bild © Mil Imagens