Tag: Krimi

Detektive (Rudolf Thome, Deutschland 1969)

Posted by – 23. Januar 2017

Nach meinen ersten zwei Filmen von Rudolf Thome – „Das rote Zimmer“ und „Der Philosoph“ –, die sich in gewisser Weise sehr ähnelten, glaubte ich schon, ihn auf ein Thema festlegen zu können. Thome dreht „Liebesutopien“ habe ich mir damals gedacht und hoffte seitdem, diese Hypothese mal verifizieren zu können. Nachdem ich nun sein Debüt, „Detektive“, gesehen habe, scheint meine Annahme be- und widerlegt zugleich.

Der Film handelt von den Privatdetektiven Sebastian West (Marquard Bohm) und Andy Schubert (Ulli Lommel) sowie ihrer Sekretärin Micky (Uschi Obermaier), die in ihrem ersten Fall im Auftrag von Busse (Peter Moland) zunächst seine Flamme Annabella Quant (Iris Berben) beschatten, dann aber umschwenken und Annabella vor dem angeblich aufdringlichen Busse beschützen. Noch ehe dieser erste Fall so richtig gelöst ist, verfranzt sich das mittlerweile zum Quintett angewachsene Detektiv-Duo gleich in seinen nächsten Fall: Der alte, wohlhabende Krüger (Walter Rilla) verdächtigt seine Geliebte, Christa (Elke Haltaufderheide), ihm an die üppige Lebensversicherung zu wollen. Was genau ihnen wichtig ist – das Geld, die Frauen, Ruhm & Ehre oder Abenteuer,… –, das wissen die Detektive zum diesem Zeitpunkt auch noch nicht so genau…

„Kein Staub nirgends, alles rotzfrech“, schreibt Michael auf Nachtsichtgeräte. Und weil ich das gar nicht treffender formulieren kann, zitiere ich einfach mal weiter: „Kesse Mädels, schnoddrige Pseudo-Machos, Wummen gegen das Establishment, Knete, und zwischendurch mal kurz ein Nümmerchen. Aber bloß kein Aufhebens drum machen, denn in zehn Minuten sieht schon wieder alles anders aus! Dazu flotter Jazz von der Tonspur und Wodka, der direkt aus der Flasche getrunken wird.“  Dieser kurze Abschnitt gibt das Gefühl, das ich beim Sehen von „Detektive“ hatte, sehr gut wieder. Der Krimi-Plot tritt, auch wenn er überraschend komplex und für die Geschehnisse alles andere als unwichtig ist, schnell in den Hintergrund. Es sind die lässigen Typen und undurchschaubaren Frauen, die die Blicke auf sich ziehen und den Zuschauer durch den Film führen. Meine persönlichen Highlights waren Uschi Obermaier als Doppelagentin bzw. –assistentin Mickey und Peter Moland als schnöseliger Busse, den ich nach einiger Zeit sogar noch cooler fand als die möchtegerncoolen Möchtegerndetektive.

Aber vielleicht sollte man die Geschichte vor lauter Style doch noch nicht ganz vergessen, schließlich geht es um was. Nichts ist hier so richtig wichtig – der Detektivjob ist es nicht, das Geld ist es nicht, weder Freundschaft noch Liebe ist es –, aber vielleicht ist gerade das von Bedeutung, dass hier nichts zählt, die Figuren sich trotzdem nicht einfach zur Ruhe legen und gar nichts tun. Über die formale-filmgeschichtliche Seite angenähert, könnte man wie Thomas in seinem Filmtagebuch sagen, es sei „die Liebe zum amerikanischen Kino durch die französische Brille“; und auch, wenn ich mich weder mit den französischen noch amerikanischen Referenzfilmen wirklich auskenne, sagt mir mein Gefühl, dass das irgendwie stimmt. (Irgendwie will mir mein Hirn gerade sogar weismachen, dass Thomes Film Ähnlichkeiten mit Jean Rollins Detektiv-Geschichte hat..) hat da etwas vor Augen, das er schon mit diesem Debüt nach einem Drehbuch von Max Zihlmann erkundet, aber ich weiß nicht, ob es wirklich die Liebe zum Medium ist als vielmehr eine neugierige Zugewandtheit zu ihm, weil man mit ihm etwas tun kann, was man in der echten Welt nur mit sehr großem Risiko tun kann, nämlich die Welt und ihre Ideen – für sein Debüt zunächst einmal im sicheren Rahmen des Genrekinos – erkunden.

Ich bleibe dabei: Thomes Filme sind Utopien. Allerdings geht es nicht allein um die Liebe zwischen den Menschen. In seinen Filmen – davon legt schon sein schnoddriges Debüt eindrucksvoll Zeugnis ab – geht um die Sehnsucht, die Sehnsucht zu anderen Beziehungen, einem anderen Kino und vielleicht auch ganz einfach einer anderen Welt. Wie genau die aussehen soll, das wissen Thomes Figuren nicht so recht, soviel ist jedoch klar: wo auch immer die Expedition hingehen soll, nur zusammen…

Bild © ZWEITAUSENDEINS

Memento (Christopher Nolan, USA 2000)

Posted by – 9. Januar 2017

Elementarer als der Wunsch nach Vergeltung ist vielleicht nur die Liebe. Aber um die soll es hier nicht gehen. Sondern um Rache. Nur ganz selten ist das Thema so umfassend, tiefsinnig und clever behandelt worden, wie in Christopher Nolans „Memento“. Schon die Bibel beginnt mit einem Akt des Ungehorsams und der göttlichen Vergeltung. Die Vertreibung aus dem Paradies ist damit gleich auch der erste pädagogische Akt der Geschichte in dem die Zöglinge Rache mit dem ersten Schluck Apfelsaft eingeimpft bekommen. Sich an anderen zu rächen scheint von da an tief in unserem Wesen verwurzelt; kein Wunder also, dass es seit Anbeginn aller Zeiten so viele Geschichten zu dem Thema zu erzählen gibt.

Im Bereich Film gehören zu den großen Werken des Genres sicherlich „Once Upon A Time In The West“ (OT: C’era una volta il West) von Sergio Leone aus dem Jahre 1968. Ein Meisterwerk, ohne Frage und trotz seines unerfreulichen Racheplots ein seltsam positiver Film, zeigt er doch, dass der Wunsch, etwas zu erschaffen, den nach Rache sogar noch überdauert. Ganz anders ist da der mehrfach verfilmte Roman „Moby Dick“ Herman Melville (ich liebe die John-Huston-Version aus dem Jahre 1958!) bei dem die typisch menschliche Eigenschaft der Rachsucht bzw. seine Unfähigkeit zu vergeben, thematisiert wird. Er zeigt eindrucksvoll, dass Rache nichts Individuelles ist, sondern stets in ein System eingebunden ist, welches in letzter Konsequenz mit in den Untiefen des Hasses versinkt. Auch aktuell gibt es immer wieder starke Filme zu dem Thema. Exemplarisch nenne ich hier „Irreversible“ von Gaspar Noé, der mich damals ziemlich durcheinander gebracht hat. Das liegt nicht nur an seinen schonungslosen Gewaltszenen, sondern auch an seiner Erzählweise: Der Film beginnt seine Rache-Geschichte am Ende und arbeitet sich schrittweise zum Anfang zurück. Hierdurch wird ein seltsamer Effekt hervorgerufen: Auch wenn die Vergewaltigung, der Auslöser aller weiteren Ereignisse ist, gesühnt wurde, empfindet der Zuschauer keine Befriedigung. Dadurch, dass das Verbrechen auf die Rache folgt, wirkt es, als wäre man in einer Gewaltspirale, einem ewigen Kreislauf gefangen.

Aber genug von anderen Filmen. Hier soll es ja um Christopher Nolans „Memento“ gehen, den ich vor ein paar Wochen mal wieder gesehen haben. Obwohl: „Irreversible“ und die anderen genannten Titel sind schon eine gute Überleitung… Für mich ist „Memento“ nämlich einerseits die Essenz all dieser Filme sowie andererseits gleichzeitig ein Kommentar auf etwas, das dem Thema Rache wesentlich ist. In Nolans Films geht es um einen Mann namens Leonard (Guy Pearce), der den Mord an seiner Frau aufklären will. Doch er leidet unter einer Störung seines Kurzzeitgedächtnisses und kann deswegen keine neuen Erinnerungen abspeichern. Aus diesem Grund ist er komplett von seinen Aufzeichnungen und Notizen abhängig . Nolan beginnt seinen Film damit, wie Leonard einen Mann erschießt. Wie es dazu kommen konnte, erfährt der Zuschauer erst im weiteren Verlauf. Wie in „Irreversible“ wird auch in „Memento“ die Geschichte rückwärts erzählt. Auch hier ist die anti-chronologische Form kein artifizieller Selbstweckt, sondern dient dem Inhalt, auch wenn sie zusätzlich noch den irritierenden Effekt hat, die Schlusspointe mit der Kraft einer Bombe zünden zu lassen.

Durch diese Erzählweise erreicht Nolan folgendes: Wie der Hauptfigur fehlt auch dem Zuschauer der Überblick, so dass die Frage, ob die Rache hier – egal welchen moralischen Maßstab man anlegt – in irgendeiner Form legitim sein könnte, von Beginn an ad absurdum geführt wird. Am Anfang steht ein geschichtsloses Ergebnis. Ohne triftige Gründe kann es schwerlich das richtige sein, zumal sich – wie im weiteren Verlauf des Films nach und nach herausgearbeitet wird – die Lösung als Folgefehler entpuppt. Doch auch der größte Fehler sieht der Wahrheit täuschend ähnlich, wenn man es nur doll genug möchte; ist er auch noch weniger schmerzlich diese, rutscht man, wie Leonard leicht, in einen niemals endenden Kreislauf, in dem Rache erst zur schmerzlindernden Medizin und schließlich zum Lebenssinn wird.

Mit biblischem Ernst erzählt Nolan seine Rache-Parabel, und ich finde, dass der Ton gut zum Thema passt. Filme wie „Once Upon A Time In The West“, „Moby Dick“ oder eben auch „Memento“ sind existenzialistische und damit quasi religiöse Filme. Sie sagen etwas über unser Leben, etwas über den Sinn – darüber, was Rache für den Menschen bedeutet. Doch selten ist das Ergebnis so vielschichtig und umfassend wie in Nolans Film. Rache ist nicht mehr nur Reaktion auf ein angeblich oder tatsächlich erlittenes Unrecht, sondern (wie die Liebe) etwas urwüchsig elementares, von dem die gesamte Menschheitsgeschichte durchzogen ist, wie der Waldboden von einem Pilzmyzel.

Bild © EuroVideo

No, the Case Is Happily Resolved (Vittorio Salerno, Italien 1973)

Posted by – 15. Mai 2016

No il caso è felicemente risoltoDer Schalterbeamte Fabio Santamaria (Enzo Cerusico) beobachtet den brutalen Mord an einer Frau. Aber auch er wird gesehen. Fabio ergreift panisch die Flucht, zögert später aber, die Tat bei der Polizei zu melden. Ein Fehler! Der Mörder, der angesehene Prof. Ranieri (Riccardo Cucciolla), kommt Fabio zuvor und und gibt sich bei der Polizei als Zeuge des Mordes aus und liefert eine Beschreibung des arglosen Schalterbeamten.

Wenn man etwas zu „No, the Case Is Happily Resolved“ (OT: No il caso è felicemente risolto) von Vittorio Salerno sagt, ist es möglicherweise sinnvoll, zunächst das seltsam unpassend wirkende Ende zu erwähnen: Da wird ein Mann, um dessen Hals sich die Schlinge den ganzen Film lang immer fester zuzieht, innerhalb von wenigen Sekunden begnadigt. Der wahre Schuldige hat sich erhängt. Fall gelöst, der Gerechtigkeit ist genüge getan. HÄ? Und der Film beginnt schon mit einer Irritation: Man sieht das Fußballstadion – Ruhe. Man sieht den Wald – man hört einen Sprecher und Stadiongeräusche. Umkehr der Verhältnisse, ein Spiel mit den Perspektiven – das sieht man an mehreren Stellen im Film

Natürlich erzählt „No, the Case Is Happily Resolved“ auch eine interessante Geschichte, welche Richtung sie einschlägt und wie die implizite Kritik am italienischen Rechtssystem beschaffen ist, zeichnet sich aber recht schnell ab. Nein, es ist nicht das Was, es ist das Wie, das Salernos Film von der ersten bis zur letzten Minute ausmacht, dieses permanente Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, das fesselt. Enzo Cerusico und vor allem Riccardo Cucciolla spielen ihre Rollen des Weiteren wirklich großartig, Cerusico als zaudernder Beamter und Cucciolla als anfangs bedrohlicher und später jämmerlich selbstgerechter Bildungsbürger – das hat definitiv was. Einer der (schauspielerischen) Höhepunkte des Films war für mich, als der Professor den Schalterbeamten überredet, sein Spiel mitzuspielen, weil er, der Professor durch das Wissen, die Tat begangen zu haben und die dadurch herrührenden Alpträume schon gestraft genug sei.

Aber noch einmal zurück zum Ende: Die abrupte Schlussszene wurde meines Wissens von den  nachträglich eingefügt, wohl weil den Geldgebern „No, the Case Is Happily Resolved“ ansonsten zu pessimistisch vorgekommen wäre. Nun, solche Eingriffe gelingen selten gut. Auch in diesem Fall wird sich – zu Recht! – viel darüber mokiert. Doch ich kann mir nicht helfen, ich finde das erzwungene Ende, das gar nicht zum Rest des Films passt, gar nicht so schlimm. Mehr noch, meiner Meinung hat es sogar noch einen interessanten Effekt und wird damit fast schon zum i-Tüpfelchen dieses Krimis.

Der Ausdruck „verschlimmbessert“ wird verwendet, wenn bei dem Versuch, etwas zum Positiven zu wenden, das Gegenteil erreicht wird. Hier, im Falle des nachträglich eingefügten Endes, hatte es meiner Meinung nach allerdings nicht den negativen Effekt, der zu erwarten gewesen wäre. Hier handelt es sich eher um einen Fall einer „Verbesserschlimmerung“, wenn man so sagen will, bei der die positiven Absichten, die eigentlich schlechte Folgen haben müssten, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz etwas Gutes bewirken (oder zumindest einen interessanten Effekt haben). Dieser offensichtliche Eingriff von Außen in das Kunstwerk lässt sich durchaus in Beziehung setzen zur Story des Films, bei dem die Dinge ja auch nicht so sein dürfen, wie sie eigentlich sind. (Der Professor kann ja schlecht der Schuldige sein, er ist ja Professor.) Ja, man kann, wie der arme Fabio hier demonstriert, mit den besten Absichten Scheiße bauen – aber, wie im Falle des Films, dich auch aus Versehen etwas richtig machen. Mir hat „No, the Case Is Happily Resolved“ jedenfalls – auch in dieser Form, mit diesem Ende – richtig gut gefallen, das war definitiv mein Krimi-Highlight der letzten Monate!

Bild © Cde

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Notizen #9

Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Eastern Promises (David Cronenberg, Großbritannien / Kanada 2007)

Posted by – 28. Dezember 2015

Eastern PromisesVom frühen Body Horror über das neue Fleisch bis zum heutigen Spiel mit den Identitäten sind fast 40 Jahre vergangen. Und trotzdem wirkt das Kino des David Cronenberg alles andere als angestaubt. Im Gegenteil! Die Filme des Kanadiers dürfen zu den vitalsten gehörten, die die Filmwelt derzeit zu bieten hat. Cronenbergs Themen haben sich im Laufe der Jahre scheinbar gewandelt, doch wer genauer hinsieht, erkennt nach wie vor den rote Faden seines Schaffens. Nachdem die körperlichen Verwandlungen als Sujet seiner Filme mit dem neuen Jahrtausend ausklangen, widmete sich der Filmemacher mehr und mehr psychischen Transformationen und der Fragilität von Identität. „Eastern Promises“ und handelt von der Russenmafia in London. Kein Cronenberg Thema? Auf den ersten Blick nicht, doch unter der grandios inszenierten Oberfläche warten Schicht um Schicht alternative Realitäten auf den Zuschauer.

Die Story: Vor den Augen der Krankenschwester Anna Khitrova (Naomi Watts) stirbt die schwangere Tatiana (Sarah-Jeanne Labrosse). Das Baby überlebt. Anna nimmt daraufhin das russische Tagebuch der Toten an sich und forscht darin nach einer Kontaktadresse. Im Buch findet sie auch die Adresse eines russischen Restaurants. Den Besitzer Semyon (Armin Mueller-Stahl) bittet sie um Übersetzung des Tagebuches, nicht ahnend, dass sie an einen Paten der Londoner Vory V Zakone, einer mafiösen Vereinigung geraten ist.

Cronenberg interessiert sich im weiteren Verlauf weniger für den vordergründig konventionellen Genreplot als viel mehr für die Personen – Personen, die auf den ersten Blick wirken, als wären sie leicht zu durchschauen: Die hilfsbereite Krankenschwester, die fiesen Gangster der Russenmafia… Doch wie so oft bei Cronenberg trügt auch hier der Schein. Sicherlich hat „Eastern Promises“ auch als Gangsterfilm seine Stärken; doch wer  einen normalen Spannungsbogen oder auch nur genre-typische Action erwartet, wird –von einem denkwürdigen WTF!-Scharmützel in einem Dampfbad einmal abgesehen – möglicherweise enttäuscht. Ein wenig erinnert der Film an einen guten Tee, der sich erst nach und nach, mit jedem Aufguss in wenig anders und die vollständig offenbart, sondern bis zuletzt einige seiner Geheimnisse bewahrt.

Nach „History Of Violence“ und vor „A Dangerous Method“ ist „Eastern Promises“ der zweite Cronenberg-Film, in dem Viggo Mortensen die Hauptrolle übernahm. Er spielt Nikolai, den Chauffeur und Bodyguard von Semyons Familie. Wie schon im Vorgänger läuft Mortensen zu Höchstleistungen auf und präsentiert sich als einer der interessantesten und wandlungsfähigsten Schauspieler des jungen Jahrtausends. Sein Spiel, aber auch das der anderen Darsteller hat Oscarqualität. Hier seien vor allem der hier mal ultra-gruselige Armin Mueller-Stahl als gefährliches Familienoberhaupt wie Vincent Cassel als sein Sohn Kirill genannt, die alle anders sind als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aus diesem Grund, weil in „Eastern Promises“, diesem ruhigen, hypnotischen Thriller mit mehr als einem doppelten Boden, nichts ist wie es ist, sondern alles zwischen alternativen Möglichkeiten oszilliert, kann ich ihn mir immer wieder mit großem Genuss ansehen.

Bild © 20th Century Fox

Kino 2015: Meine Top 10

Posted by – 26. Dezember 2015

In diesem Jahr kann ich keine ersthafte „Top 10“-Liste aufstellen. Dazu habe ich einfach zu wenig gesehen. Dachte ich. Und so hatte ich mich eigentlich schon entschlossen, die Liste entweder wegzulassen oder mich auf die „Top 5“ zu beschränken. Nur ca. 30 Mal war ich im Kino – so wenig wie seit 20 Jahren nicht. Doch bei der Filminventur 2015 ist mir aufgefallen, dass unter den 30 Filmen etliche gute bis sehr gute zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich in diesem Jahr recht ausgewählt ins Kino gegangen bin und mir vor allem Filme angesehen habe, von denen ich erwarten konnte, dass sie mir gefallen. Deshalb gibt es nun auch in diesem Jahr wieder eine „Top 10“-Liste. Auch wenn zumindest die letzten drei es in einem anderen Jahr vermutlich nicht auf das 10er-Treppchen geschafft hätten, sind es doch gute Filme, und ihr Listenplatz ist nicht total abwegig.

The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 (Francis Lawrence, USA 2015)

„The Hunger Games: Mockingjay – Part 2“ ist ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt der stärkste Teil der Reihe. Ehrlich gesagt, finde ich es auch sinnlos, zu entscheiden, welcher Teil der beste ist, weil sie nämlich zusammen gehören und ein ganz vorzügliches Gesamtwerk bilden. Nach meiner derzeitigen Gefühlslage braucht sich „Hunger Games“nicht hinter meinen Lieblingsreihen „Star Wars“ oder „Spider-Man“ verstecken. Francis Lawrence und allen Beteiligten ist hier etwas ganz Großes gelungen. Wieso weshalb warum lest ihr hier, hierhier und schließlich hier.

Was heißt hier Ende? Der Filmkritiker Michael Althen (Dominik Graf, Deutschland 2015)

Mein Lieblingsfilm der letzten Berlinale, der auch einen regulären Kinostart hatte. Michael Althen hatte eine wunderbare Art, Kritiken über Filme zu schreiben. Die Dokumentation von Dominik Graf setzt dem 2011 verstorbenen Filmkritiker ein Denkmal. Ich hatte Tränen in den Augen. Meisterwerk.

Ex Machina (Alex Garland, USA 2015)

Bester Sci-Fi-Film der vergangenen 10 Jahre. Weil man hier etwas über den Menschen lernt, lernt man auch etwas über künstliche Intelligenz. Eine Maschine ist intelligent und menschenähnlich, wenn der Mensch nicht mehr unterscheiden kann, ob er mit seinesgleichen oder einem Roboter kommuniziert – so die gemeine Einschätzung. Alex Garland geht in seinem enorm stylischen Film noch einen Schritt weiter und sagt, sich gegenseitig zu betrügen, sei die wesentliche menschliche Eigenschaft. Wenn Maschinen darin genauso oder sogar besser sind, dann haben sie das Label KI wahrlich verdient. Hier etwas mehr dazu.

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA / Australien 2015)

Ja, was soll man dazu sagen? „Mad Max: Fury Road“ ist kein Film, den man sich über’s Denken aneignet, sondern über’s Fühlen und Erleben. Er ist ein Film der Bilder, der Bewegung, der Action. Ich habe ihn 1,5 Mal gesehen. Das zweite Mal begonnen habe ich ihn auf dem Laptop-Bildschirm in einem Hotelzimmer, aber das war dann nix. Der ist nur was für’s Kino. Hier noch zwei weitere Gedanken zum Film.

Victoria (Sebastian Schipper, Deutschland 2015)

Ich liebe „Absolute Giganten“ (hier zu meiner Filmstarts-Kritik), mag „Ein Freund von mir“, finde „Mitte Ende August“ (hier zur Kritik und zu einem Interview mit Sebastian Schipper) sogar noch etwas besser. Nach zwei Filmen, die nicht ganz an die Stärke des Debüts anschließen konnten, ist Sebastian Schipper mit „Victoria“ ein ganz starker Film gelungen. Der in Hannover geborene Filmemacher hat schon immer ein außergewöhnliches Gespür dafür, alltägliche Beziehungen in leicht überhöhter Form und trotzdem jederzeit nachvollziehbar auf die Leinwand zu bringen. In allen seinen Filmen geht es um Freundschaft. In „Victoria“, seinem düstersten, ruhelosesten und mitreißendsten Film, der aus einer einzigen, atemberaubenden Plansequenz besteht, geht es um deren Schattenseiten. Um in einer Berliner Partynacht nicht allein zu sein, schließt sich die junge Spanierin Victoria einer Gruppe von jungen, feiernden Männern an. Gemeinsam erleben sie einen wunderbaren Abend – bis alles irgendwann eskaliert. Ich habe immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Whiplash (Damien Chazelle, USA 2014)

„Whiplash“ ist der Film, bei dem ich mir am unsichersten bin, an welche Stelle meiner Top 10 er gehört. Je nach Stimmung, die sich von Minute zu Minute ändern kann, ist er wahlweise noch höher platziert oder gar nicht in der Liste. Aber dass Chazelles Fim so ambivalent ist, ist gleichzeitig auch eine seiner größten Stärken. Ob er ein heimliches Loblied auf die Leistungsgesellschaft oder eine hintergründige Kritik an ihr ist, bleibt offen und liegt letztlich im Auge des Betrachters. Zur Kritik hier entlang:

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Die Brenner-Filme sind großartig. Ich weiß gar nicht genau, welcher mir am besten gefällt, wahrscheinlich „Der Knochenmann“ (2009). Aber auch „Das ewige Leben“ ist ein ganz feiner Film, denn hier erfährt der Zuschauer mehr über die Person Simon Brenner als je zuvor. Wer ist dieser Mann, der seine Karriere bei der Polizei begann, dann Privatdetektiv wurde und sich seitdem von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, dem das Scheitern zur zweiten Natur geworden ist und der trotzdem niemals locker lässt, auch wenn er dafür einiges einstecken muss? Doch nicht nur der Zuschauer erfährt viel. Auch der Brenner selbst erfährt einiges über sich und darüber, was ihm im Leben wichtig ist. Hier geht’s zu meiner Kino-Zeit-Kritik.

It Follows (David Robert Mitchell, USA 2014)

Die letzten drei Filme hätten es in einem anderen Jahr mit mehr Kinobesuchen vermutlich nicht in meine Top 10 geschafft. Bei „It Follows“ hätte ich mir direkt nach dem Kinobesuch nicht einmal vorstellen können, dass er auch nur entfernt ein Kandidat sein könnte, wie hier nachzulesen ist. Aber der Film ist ordentlich nachgereift und hat sich ganz heimlich, still und leise zu den besten Filmen gesellt, die ich in diesem Jahr gesehen habe. „It Follows“ ist so sehr Traum, dass er, wenn man das erst einmal so richtig begriffen hat, mir zumindest umso mehr Angst gemacht hat. Ganz ehrlich, nach „It Follows“ habe ich ein paar Male schlecht geträumt. Und ein schöneres Kompliment kann man einem Horror-Film ja wohl nicht machen.

Star Wars – The Force Awakens (J. J. Abrams, USA 2015)

Wie so viele andere Menschen bin ich ein großer „Star Wars“-Fan und liebe Episode 4-6. Und wie ebenfalls nicht wenige, bin ich durch die Episoden 1-3 schwer traumatisiert worden. Als dann bekannt wurde, dass J. J. Abrams, der schon das StarTrek-Reboot vielleicht nicht kommerziell, aber doch künstlerisch gegen die Wand gefahren hatte, die Saga fortsetzen sollte, kümmerte mich das trotzdem nicht besonders, denn schlimmer als die letzten Filme konnte es ja nicht werden. Als Lawrence Kasdan zum Team der Fortsetzung hinzustieß und dann sogar der erste Trailer nicht so schlecht aussah, wurde mein Interesse schließlich doch geweckt. Lange Rede: Jetzt habe „Star Wars – The Force Awakens“ vor ein paar Tagen gesehen und… – Das krieg ich jetzt auf die Schnelle nicht in Worte gefasst, aber: Ich habe ein bisschen was zu mäkeln, aber der Daumen geht tendenziell hoch! Allein Daisy Ridley als Neu-Jedi Rey. So gut! Ein längerer Text folgt.

The Town That Dreaded Sundown (Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014)

Ich habe immer noch nicht die Vorlage dieses Remake/Sequels gesehen, deswegen fehlt mir eigentlich ein wichtiger Baustein, um die Qualität des Film wirklich einschätzen zu können. Aber, wie hier schon im Blog geschrieben, muss ich immer noch sagen: Auffällig guter, prototypischer Vertreter des postmodernen Horrorfilms. „The Town That Dreaded Sundown“ ist ein starkes und trotz – ja in diesem Fall sogar auch wegen! – seiner Bezüge ein sehr eigenes Werk, das gekonnt zwischen Horror, Arthouse und Experimentalfilm oszilliert und dabei sogar hier und da einen psychotischen Witz durchblitzen lässt. Mit plumpem Zitatdropping des aktuellen Horrorfilms der Nach-„Scream“-Ära hat das nichts zu tun, der Film beeindruckt durch extremen Stilwillen und Inszenierungsfreude. Ich muss sagen, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr gesehen habe, was so geschichtsbewusst und gleichzeitig so frisch und unverbraucht daher gekommen ist wie dieser Film. Sehr fein.

Es gibt noch eine Handvoll Filme, die ich eigentlich sehen wollte und von denen ich vermute, dass sie eine Chance auf einen Top-10-Platz gehabt hätten. Dazu gehören beispielsweise„Eisenstein in Guanajuato“,„Ich seh, ich seh“,„Duke Of Burgundy“„Everest“, „Sicario“, „Macbeth“ oder „Steve Jobs“. Aber dieses Jahr war echt wenig Zeit, so dass ich es einfach nicht hinbekommen habe. Es deutet sich allerdings an, dass sich bei mir nächstes Jahr etwas ändert. Im besten Fall bedeutet das, dass ich wieder mehr Zeit fürs Kino und Bloggen habe. Man darf mir gerne die Daumen drücken!

Inherent Vice (Paul Thomas Anderson, USA 2014)

Posted by – 15. August 2015

Inherent ViceIm Los Angeles der 1970er Jahre arbeitet Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) als Privatdetektiv – wenn er den Tag nicht gerade stoned im Marihuana-Nebel auf dem Sofa verbringt. Dann taucht seine Ex-Freundin Shasta Fay Hepworth (Katherine Waterston) auf, und er hat einen neuen Fall: er soll ihren Liebhaber, den Immobilienhai Mickey Wolfmann (Eric Roberts) retten, den dessen Frau Sloane (Serena Scott Thomas) und deren Lover Riggs Warbling (Andrew Simpson) in eine psychiatrische Anstalt stecken wollen. Doch kaum hat Sportello erste Nachforschungen anstellt, überschlagen sich die Ereignisse – Shasta wie auch Wolfmann sind plötzlich verschwunden, sein Freundfeind, der Cop Christian „Bigfoot“ Bjornsen (Josh Brolin), tritt ihm die Tür ein, und dann wird Sportelle auch noch in der Wüste niedergeschlagen. Soweit alles klar? Sportello jedenfalls nicht. Aber das hält ihn nicht davon ab, sich von da an noch mehr in den Fall zu hängen.

„Boogie Nights“, „Magnolia“, „Punch-Drunk Love“, „There Will Be Blood“,„The Master“ – Paul Thomas Anderson macht sehr unterschiedliche aber ohne Frage brillant Filme. Doch mit ihrer Makellosigkeit geht auch eine gewisse Kälte einher, die es mir schwer macht, sie richtig zu mögen – von großer Liebe ganz zu schweigen. Das gilt auch für die Thomas-Pynchon-Verfilmung „Inherent Vice“. In dieser somnambul-dämmrigen Krimi-Face, zeigt Anderson weitere Facetten seines Könnens, aber auch diesmal bin ich nicht so richtig war mit dem Film geworden. Anderson ist der Erste, der sich an eine Verfilmung eines Romans des geheimnisvollen Thomas Pynchon gewagt hat, und man könnte sagen – hier haben sich zwei gefunden, denn beide Künstler sind in ihrem Schaffen überaus eigensinnig. Das kommt „Inherent Vice“ doppelt zu gute. Auf der inhaltlichen Ebene fordert der skurrile Zeitgeist-Krimi-Plot heraus, die Inszenierung von Anderson schafft es aber irgendwie einen ästhetischen Sinn über diesen „Unsinn“ zu legen, so dass es der Geschichte möglich wird, auch als Film zu funktionieren. Und auch wenn es, wie gesagt, die große Liebe zwischen mir und dem Film nicht geworden ist, habe ich es trotzdem irgendwie genossen habe, mit Doc Sportello durch diese Geschichte zu gleiten. Den Faden hatte ich recht schnell verloren, glaube ich jedenfalls, vielleicht auch nicht, egal, jedenfalls, „Big Lebowski“ trifft hier „China Town“ und „Der Tod kennt keine Wiederkehr“. Und dann ist da natürlich noch viel Anderson-Eigenes, die Kälte und Distanz, die den Film irgendwie unnahbar macht und einen außen, ihn aber auch zu dem macht, was er ist, einen weiteren verdammt starken Film von Paul Thomas Anderson nämlich: kryptisch, kühl und clever. Und auf seine sehr spezielle lethargische Art und Weise brüllend komisch.

© Warner Bros.

Das ewige Leben (Wolfgang Murnberger, Österreich 2015)

Posted by – 30. Januar 2015

Es ist schon erstaunlich, dass die Verfilmungen der Romane von Wolf Haas um den sehr kauzigen Privatdetektiv Simon Brenner zwar in Fan-Kreisen durchaus Kultstatus genießen, dass ihnen aber die ganz große, breite Anerkennung bisher verwehrt geblieben ist. Dabei gäbe es mehrere Gründe, die kongenialen Filme des eingespielten Teams bestehend aus Regisseur Wolfgang Murnberger, Hauptdarsteller Josef Hader und Autor Wolf Haas so manchem gelackten Hollywood-Thriller vorzuziehen. Zum einen sind die Filme zeitlos und brandaktuell gleichzeitig. Mord, Korruption, Menschenhandel, et cetera pp. – hier werden die dunklen Seiten von Österreich angegangen, doch eigentlich sind es die Schattenseiten der ganzen Welt, die Zivilisationskrankheiten, die aus menschlichen Wünschen und Ängsten hervorgehen, die in Haas’ Romanen behandelt werden. Zum anderen, dass es die Filme überhaupt gibt! Wer schon mal einen Brenner-Krimi gelesen hat, kann sich vorstellen, wie unmöglich es auf den ersten Blick erscheint, solche durch ihre Sprache besonderen Stoffe für die Leinwand zu adaptieren. Doch dem Triumvirat Murnberger, Hader und Haas ist es gelungen. Mal wieder. Warum auch der vierte Film, „Das ewige Leben“, wieder ding ist, führe ich in meiner Kritik für kino-zeit.de aus.

Murder On The Orient Express (Sidney Lumet, Großbritannien 1974)

Posted by – 15. Januar 2015

mord im orientexpressZeit, mir mal wieder ein paar Klassiker zu vergegenwärtigen. „Murder On The Orient Express“ habe ich bestimmt schon einmal gesehen, Erinnerungen an den mehrfach Oscar-nominierten Film habe ich aber kaum welche. Am Anfang, wenn der Kriminalfall über die Entführung des Mädchens Daisy Armstrong aufgerollt wird, deren Leiche nach Zahlung des Lösegelds kurze Zeit später entdeckt wird, bin ich kurz verwirrt (muss ich mir das jetzt alles merken?). Die Verwirrung weicht, als der Film mit Ankunft der Fahrgäste im Orientexpress so langsam ins Rollen kommt. Ich bin fasziniert von der geschäftigen Atmosphäre in Istanbul, dem Auflauf an Figuren, die, so denke ich mir, ja bestimmt alle für die Story wichtig sind. Die anfängliche Freude wird allerdings abgebremst, als der Zug erst einmal unterwegs ist. Die Figuren, die mir gerade noch vielfältig interessant scheinen, mutieren auf einmal zu überschminkten, albern ausstaffierten Kreaturen, von denen die eine einen schlimmeren Dialekt spricht als die andere. Auch der Protagonist, der belgische Detektiv Hercule Poirot (Albert Finney), ist keine Ausnahme, und darüber hinaus ist er auch noch ein ganz unangenehmer Zeitgenosse. Nicht nur nutzt er seine Beziehungen, um einen besseren Platz im Zug zu ergattern, gerne weist er andere auch bei jeder Gelegenheit darauf hin, wie dumm er sie findet. Und als der Fahrgast Mr. Ratchett (Richard Widmark) ihn um Hilfe bittet, weil er sich bedroht fühlt, lehnt Poirot kurzerhand ab. Dieser Fall wäre ihm zu langweilig. Kurze Zeit später ist Mr. Ratchett tot, ermordet durch 12 Messerstiche. Vielleicht hat der ultra-schlaue Detective ja so etwas geahnt und ihm deswegen die Hilfe verweigert. So hat er wenigstens etwas zu tun, während die Eisenbahn irgendwo in Jugoslawien im Schnee stecken bleibt.

Man liest es vielleicht heraus, so richtig umgehauen hat mich „Murder On The Orient Express“ bei diesem Wiedersehen nicht, zumindest zuerst nicht. Irgendwann bin ich nur noch genervt von den Masken und Akzenten. Erst ganz am Schluss, als Poirot die Verdächtigen um sich versammelt und den Fall klärt macht es bei mir auf einmal „klick“. Der Film ist so etwas wie das böse Gegenstück zu „12 Angry Men“, sein zynisches Komplementär! In beiden Filmen spielt die Zahl „12“ eine entscheidende Rolle. In dem Drama um die zwölf Geschworenen sind es die Zweifel eines einfachen Mannes, die dazu führen, dass schließlich Recht gesprochen und ein Unschuldiger vor dem Tode bewahrt wird. In „Murder On The Orient Express“ weiß der arrogante Poirot sofort, dass etwas nicht stimmt, ja den Tod hat er in gewisser Weise sogar selbst herbeigeführt, ihn zu verhindern war ihm zu langweilig. Seine Zweifel, die schlussendlich zur Auflösung des Falls führen und die zahlreichen Personen an Bord des Zuges miteinander in Beziehung bringen, legitimieren hingegen nachträglich den im Orientexpress geschehenen Mord. Wenn man sich das einmal klar macht, bleibt einem die Spucke weg.

Ich habe keine Ahnung, ob ich diese Parallelen herbeifantasiere. Ich kenne keine entsprechenden Texte dazu, oder Aussagen von Lumet selbst, warum er sich gerade für diesen Agatha-Christie-Stoff entschieden hat. Aber die Verbindungen zwischen „12 Angry Men“ und „Murder On The Orient Express“ sind so deutlich, und so, wie ich ihn sehe, würde es auch es die unangenehme Aura des Films erklären. Der wäre dann nämlich keine „heiter-parodistische Unterhaltung mit Hollywood-Touch“, wie das Lexikon des internationalen Films behauptet, sondern ein burlesque-zynisches Requiem anlässlich der Beisetzung des Rechtsstaats.

Bild © Zweitausendeins