Tag: kurz notiert

Notizen #11

Posted by – 14. Mai 2016

Ein paar Filme frisch vom Krankenlager.

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Ich bin ehrlich gesagt kein bisschen traurig, dass diese „Spider-Man“-Reihe von Marc Webb nicht fortgesetzt wurde, weil ich sie schon von Anfang an auf subtile Art und Weise ziemlich kacke fand. Den zweiten Teil, über den ich mich hier ja recht wohlwollend geäußert hatte, habe ich mir gestern im Rahmen einer eitrigen Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündung noch einmal anzugucken versucht, aber – nein, geht nicht. Es ist mir dieses Mal ehrlich gesagt sogar richtig schwer gefallen, dabei zu bleiben und nicht die ganze Zeit nebenher etwas anderes zu tun. Das ist nicht mein Spider-Man.

The Cynic, The Rat And The Fist (Umberto Lenzi, Italien 1977)

Schon besser gefallen hat mir da der Poliziottesco Umberto Lenzi (OT: Il cinico, l’infame, il violento), welcher die Fortsetzung von „Rome Armed to the Teeth“ (OT: Roma a mano armata, 1976) zu sein scheint, den ich aber nicht kenne. In dieser Fortsetzung geht es um den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli), der es mit dem „Chinesen“ (Tomás Milián), einem Gangster, den er vor Jahren in den Knast brachte, zu tun bekommt. Der Film hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihn krankheitsbedingt etwas zu anstrengend (zu laut & wild), aber eben auch unterhaltsam und über weite Strecken recht spannend fand. Schön, dass in diesem, recht gewalttätigen Film nicht der Stärkste gewinnt – der deutsche Titel „Die Gewalt bin ich“ suggeriert etwas in diese Richtung – sondern dass es letzten Endes die mit dem Plan sind, in hier die Oberhand behalten. Das dieser Plan frei nach dem Motto „warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“ etwas umständlich ist und am Ende vielleicht auch nicht so viel Sinn macht, verzeihe ich großzügig und würde mir glatt noch ein paar weitere Filme von Umberto Lenzi, von dem ich bisher nur „Spasmo“ und „Mondo Cannibale“ kenne, gefallen lassen.

Creed (Ryan Coogler, USA 2015)

Zwar bin ich auch mit den Rocky-Filmen aufgewachsen, aber anderes als viele Jungs (gabs da auch Mädchen?) meines Alters nie wirklich Fan des Italian Stallion und seiner Box- und Lebensgeschichte geworden. Ich finde die Filme ganz ok, vor allem den ersten und den vierten (aus unterschiedlichen Gründen), aber es gab nie eine tiefe Verbindung, keine großen Emotionen, geschweige denn Liebe. Ich sage das nur, damit mein Kompliment an die aktuelle Fortsetzung noch etwas mehr Gewicht bekommt. Denn „Creed“ ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern auch für sich genommen ein rundum gelungener Film, bei dem eigentlich alles stimmt. Alles ist natürlich ganz schön viel, aber so ist es nun mal.

The House On Sorority Row (Mark Rosman, USA 1983)

In letzter Zeit bin ich mal wieder an Slashern interessiert. Deshalb wollte ich zu „The House On Sorority Row“ eigentlich einen längeren Text schreiben, aber irgendwie ist mir dann doch nicht so richtig etwas eingefallen, zu diesem überdurchschnittlichen, aber auch etwas konturlosen Vertreter. Deswegen nur ein paar Sätze hier, auch wenn ich ihn vor knapp zwei Wochen in der Pre-Krankenlager-Ära gesehen habe. Es geht um ein paar Studentinnen, eine griesgrämige Hausbesitzerin, einen bösen Streich und – wie das bei Slashern so ist – eine Mordserie, in der die schon erwähnten Studentinnen die Stars sind. „The House On Sorority Row“ sieht gut aus, ist einigermaßen spannend und hat eine überraschende und nicht völlig an den Haaren herbeigezogenen Schluss. Ich mochte Rosmans Film, ohne wirklich begeistert zu sein. Vielleicht muss ich dem Film irgendwann noch eine Chance geben, vielleicht springt der Funke dann über.

So, und jetzt möchte ich bitte aufhören mit diesen unwürdigen Textschnipseln und zu jedem Film zumindest wieder eine Wordseite Worte finden. Danke.

Notizen #10

Posted by – 24. April 2016

Neuer Job, wieder weniger Zeit, deswegen nur ganz kurz:

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Zweitsichtung. Schon das erste Mal mochte ich ihn sehr.Vermutlich bisher mein Lieblingsfilm aus dem Marvel Cinematic Universe. Und das, obwohl ich mit Captain America eigentlich gar nichts anfangen kann. Aber die Russo-Brüder haben da einen echt feinen Film hinbekommen, der sich sowohl gut in die bisherige Reihe einfügt als auch eigene Akzente setzt. Das Superhelden-Genre ist noch nicht ausgelutscht, da ist noch was drin! Habe übrigens vor ein paar Tagen „Captain America: Civil War“ gesehen, ebenfalls von Anthony Russo & Joe Russo. Ein längerer Text, in dem ich vermutlich so was schreiben werde, wie, dass der Film gut, aber eben doch nicht ganz so gut wie „Winter Soldier“ ist, folgt.

The Bling Ring (Sophia Coppola, USA 2013)

„The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ finde ich toll und auch die allgemein nicht mehr ganz so gut aufgenommenen Folgefilme haben mir gefallen. „The Bling Ring“, eine von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte über Jugendliche, die in die Villen von Prominenten einbrechen und Luxusartikel stehlen, ist der erste Film von Sophia Coppola“ mit dem ich nicht so viel anfangen konnte. Oberflächlichkeit hat sie mit „Marie Antoinette“ schon einmal wesentlich interessanter in Szene gesetzt.

The Visit (M. Night Shyamalan, USA 2015)

Wenn man hinterher mal ein wenig genauer darüber nachdenkt, macht die Geschichte von M. Night Shyamalan über zwei Kinder, die zum ersten Mal ihre Großeltern treffen und in deren Haus Zeuge allerlei gruseliger Geschehnisse werden, nicht besonders viel Sinn. Währenddessen ist „The Visit“ aber äußerst spannend und mit angenehmer Ironie erzählt. Und die beiden Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould machen ihre Sache wunderbar. Ich bleibe dabei: Shyamalan ist ein einfallsreicher, fähiger und ungeheuer vielseitiger Regisseur, dem der Ruf als One-Hit-Wonder absolut zu Unrecht angehängt wird.

10 Cloverfield Lane (Dan Trachtenberg, USA 2016)

Weil „The Witch“ auf den Fantasy Filmfest Nights ausverkauft war, habe ich kurzerhand umdisponiert und mir „10 Cloverflied Lane“ angesehen. Zwar hatte mir „Cloverfield“ damals gar nicht gefallen, aber über den Nachfolger habe ich viel Gutes gehört. Leider ist mir so wieder bewusst geworden, wie wenig man sich doch auf den Geschmack anderer verlassen kann. Nicht, dass ich Trachtenbergs Debüt schlecht fand, aber für mich war das wieder ein Fall von einem zum Langfilm aufgeblasenen Kurzfilm, der außer seiner Grundidee nicht viel zu bieten hat. Ja, John Goodman spielt – wie immer gut – prima, aber dass seine Figur jetzt besonders vielschichtig angelegt und ihr Verhalten überraschend wäre, habe ich nicht gesehen. Insofern war ich von „10 Cloverfield Lane“ milde gelangweilt.

Midnight Special (Jeff Nichols, USA 2016)

Ups, den neuen Film von Jeff Nichols habe ich schon Mitte Februar gesehen und eigentlich wollte ich dazu etwas aufschreiben. Aber die damals frischen Gedanken sind im Licht der letzten Tage zu Staub zerfallen. Wie alle Filme von Nichols ist auch „Midnight Special“ wieder ein subtil eigenartiger Film, aber diesmal einer, zu dem ich nicht so richtig Zugang gefunden habe. Nur als Science-Fiction-Beitrag gesehen, ist das alles in der Tat etwas mager. Wenn man die Geschichte allerdings als Metapher auf das Sterben und den Tod eines Kindes und der Trauer seiner Eltern sieht, gewinnt sie an Bedeutungsreichtum und Intensität. Was mich möglicherweise von der großen Liebe zu diesem Film abhält, ist einfach die Tatsache, dass man zu viel denken muss, um genügend zu fühlen.

Notizen #9

Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Notizen #8

Posted by – 13. März 2016

Spectre (Sam Mendes, GB 2015)

Schon von „Skyfall“ war ich enttäuscht, aber mit „Spectre“ hat der Craig-Run für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die zusammen mit John Logan für die letzten beiden Filme verantwortlich sind, geht dies leider völlig ab. Der aktuelle Teil führt die losen Handlungsfäden zwar irgendwie zusammen, so richtig beeindruckt davon, dass hinter allem eine beleidigte Leberwurst mit Komplexen steht, dürfte aber niemand sein. Der Held? Craigs Bond ist mittlerweile ein arroganter Gockel und widerlicher Witwentröster geworden, der sein Hirn durchbohrende Nadeln besser wegsteckt als andere Leute Mückenstiche. Und selbst die bemüht imposanten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema, lassen den „Spectre“ auf magische Weise nur noch peinlicher wirken.

Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, Deutschland 1961)

Damals fand ich sie gruselig, heute nehme ich die Edgar-Wallace-Filme eher als verspielt, witzig und selbstironisch wahr. Den grünen Bogenschützen hatte ich zwar schon einmal vor urlanger Zeit gesehen, meine Erinnerung war aber dementsprechend nebulös. Beim erneuten Sehen präsentiert sich der fünfte Film der Wallace-Reihe (1959 bis 19729) als noch nicht ganz so elaboriert, wie spätere Vertreter, doch durchaus unterhaltsam, wenn auch für meinen Geschmack etwas Bogenschützen-arm. „Der grüne Bogenschütze“ ist bestimmt kein Highlight der Reihe, aber wegen seiner gelungenen Bösewichte – Gerd Fröbe als cholerisches Ekelpaket, Stanislav Ledinek als sein unangenehmer Handlanger –, finde ich ihn auch heute noch ganz nett.

Seven Blood-Stained Orchids (Umberto Lenzi, Italien 1972)

Ob man den Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannt ist (OT: Sette orchidee macchiate di rosso), eher als konservativen Giallo oder als progressiven Versuch betrachtet, der Wallace-Reihe neues Leben einzuhauchen – schlecht ist er jedenfalls nicht. Er handelt von einer Mordreihe, bei welcher der Killer immer ein Schmuckstück in Form eines silbernen Halbmonds am Tatort zurücklässt. Giulia (Uschi Glas) und ihr Mann Mario (Antonio Sabato) forschen nach und geraten bald selbst in Gefahr. Was den Film so tragisch und damit auch gut macht: Zum Schluss erweisen sich die Morde als eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer. Der Versuch, die Wallace-Reihe hierdurch wiederzubeleben ist allerdings gescheitert. „Seven Blood-Stained Orchids“ war das 38. und letzte Wallace-Kapitel.

Spotlight (Thoms McCarthy, USA 2015)

Wenn der Film vorüber ist, kommt einem wahrscheinlich sofort folgende Frage in den Sinn: Was ist eigentlich aus der Katholischen Kirche geworden? Nach dem riesigen Missbrauchsskandal und dessen Aufdeckung durch ein paar couragierte Journalisten des Boston Globe im Jahr 2001 müsste die Kirche doch in den letzten Zügen liegen. Schließlich hatte der Missbrauch sowie dessen Vertuschung Methode. Dann der Schreck und einem klar, dass sich nichts geändert hat; und diese Erkenntnis ist in gewisser Weise noch furchterregender und trauriger als die zahllosen Vergewaltigungen Jugendlicher durch ein paar notgeile Würdenträger. Die katholische Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge ausgesessen, was soll ihr ein so kleines Skandälchen schon anhaben? Ehe ich zynisch werde, möchte ich einfach noch sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat, die Musik Howard Shore ebenso. Nur die deutsche Synchronisation klingt leider, als wären da nur zwei Sprecher am Werk gewesen.

I Spit On Your Grave 3 (R.D. Braunstein, USA 2015)

Nachdem sie brutal vergewaltigt worden ist, hat sich Jennifer (Sarah Butler) ein neues Leben aufgebaut. Um die furchtbaren Erinnerungen zu verarbeiten, besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Als ihre Freundin auf brutale Weise umgebracht wird, sieht Jennifer rot… – „Rape & Revenge“-Filme befriedigen in der Regel gleich zwei niedere, voyeuristische Interessen: Die Lust an Gewalt und die an nackter Haut. Das Perfide an Filmen dieser Art ist, dass sich der Zuschauer durch die Rache irgendwie auf der richtigen Seite fühlen darf und schnell den ästhetisierten Gewaltakten auf den Leim geht. Diesen Vorwurf kann man „I Spit On Your Grave 3“, der die Geschichte des Remakes weiterführt, allerdings kaum machen. Braunstein geht sehr zurückhaltend mit den exploititativen Elementen seiner Geschichte um, er verzichtet auf nackte Haut und meidet, von zwei, in der deutschen Fassung noch mal entschärfte Ausnahmen abgesehen, brutale Szenen. So richtig gelungen ist der Film, der es offensichtlich gut meint, allerdings trotzdem nicht. Zwar wird durch die Figur der Jennifer deutlich, dass Opfer häufig auch Tätermuster entwickeln. Den anderen Figuren des Films bleibt ein differenziertes Profil allerdings versagt.

Projekt X (Nima Nourizadeh, USA 2012)

Weil seine Eltern übers Wochenende verreist sind, wollen Thomas (Thomas Mann) und Kumpels eine große Party schmeißen. Die anfängliche Angst, dass niemand kommt, erweist sich als unbegründet. Das gute Marketing seines Freundes Costa (Oliver Cooper) geht voll auf. Zum Schluss zählt die Party beinahe 2000 Gäste – und läuft völlig aus dem Ruder. – Inspiriert von einer wahren Begebenheit, bei der ein Teenager in den USA über Facebook einlud und von Partygästen förmlich überrannt wurde, erzählt die Regisseurin Nima Nourizadeh in ihrem im Food-Footage-Stil gedrehtes Debüt die Geschichte einer Eskalation ohne Gefühl. Die Kritiken zum Film waren sehr gemischt. Ich würde den Film auch scheiße finden, wenn ich ihn als den Versuch einer Komödie betrachten würde. Doch wenn man ihn als Horrorfilm sieht, geht’s eigentlich. Mir haben diese Menschen im Film jedenfalls ziemlich Angst gemacht.

Notizen #7

Posted by – 11. März 2016

The Paris Sex Murders (Ferdinando Merighi, Deutschland / Italien 1972)

Um meine derzeitige Giallo-Begeisterung wieder ein wenig zu dämpfen (Texte zu den gesehenen Filmen folgen..), habe ich mir den Rohrkrepierer „The Paris Sex Murders“ (OT: Casa d’appuntamento) angesehen, der in Deutschland unter dem Namen „Das Auge des Bösen“ von filmART / Media Target Distribution herausgebracht wurde. Alles was über ihn gesagt wird, stimmt. „The Paris Sex Murders“ ist billig, weitgehend sinnfrei, unfokussiert, mit überflüssigen Szenen vollgestopft… Und der Hauptdarsteller (Robert Sacchi) sieht tatsächlich aus wie der erfolglose Bruder von Humphrey Bogart. Das Beste ist tatsächlich die Veröffentlichung, die immerhin in gutem Bild, ungekürzt und mit allerlei (mehr oder weniger interessanten) Extras auf den Mark kam. Der Film ist je nach Standpunkt Zeitverschwendung oder ein großes Trash-Vergnügen. Oder, wie Stefan Dabrock freundlich auf Kino-Zeit.de schreibt, „die Kehrseite der Edelgiallos eines Dario Argento, der die Schönheit seiner Bilder zu künstlerischen Höhepunkten führte. Merighi zeigt, was unter der Oberfläche liegt“.

High Lane (Abel Ferry, Frankreich 2009)

Dass „High Lane“ nicht gut ist… Ich weiß nicht mehr genau, ob ich es irgendwo gelesen oder mir ganz alleine eingebildet habe. Jedenfalls habe ich überhaupt nichts erwartet. Aber so kann man sich irren. Zumindest die erste Hälfte des französischen Survival-Horror-Films über eine Gruppe Kletterer, die in Not geraten, war richtig stark. Sicherlich spielte meine Höhenangst auch eine Rolle dabei, dass ich während des Films Schweißperlen auf der Stirn hatte und die Armlehnen meines Sessels immer noch Spuren meines stählernen Griffs aufweisen. Als „High Lane“ (OT: Vertige) dann ab ca. der Mitte eine sehr konventionelle Richtung einschlägt, ist dieser Hybrid aus Bergsteigerdrama und Backwood-Slasher immer mindestens noch solide Genrekost.

The Clouds Of Sils Maria (Olivier Assayas, Deutschland / Frankreich / Schweiz 2014)

Hach, war der gut. Doch ebenso erregend wie den Film, finde ich aber die Rezeption über ihn. Während sich bei jedem 08/15-Blockbuster die unterschiedlichsten Meinungen finden lassen, scheinen alle Kritiker Olivier Assayas ziemlich ähnlich zu beurteilen – nicht nur hinsichtlich seiner Qualität, sondern der Deutung der Geschichte. Wenn es in den Texten nicht darum geht, wie toll Kirsten Stewart ist (sie ist sehr toll!), dann geht es um die „widerhallenden Echos der Bedeutungsebenen“ (Artechock), „Frauenkonstellationen in Psychospiegeln, ausufernde Echos, Kunst und Welt, Liebe und Ehrgeiz, Herz und Ellenbogen“ (FAZ), „die Spiegel von tieferliegenden Konflikten, die um Flüchtigkeit und Verstetigung, um Pop versus Klassik, um Angriff und Abwehr kreisen“ (Critic.de), „den ewigen Doppelcharakter des Kinos zwischen Anspruch und Kommerz“ (taz) und darum, wie in Assayas Film „die dunklen Seiten unserer Transparenzgesellschaft“ (SPON) analysiert wurden. Mein Lieblingssatz kommt auch aus der genannten FAZ-Kritik: „Die Wolken von Sils Maria“ ist Ingmar Bergmans „Persona“ für altkluge Halbwüchsige.“ Gut, dass Dietmar Darth im nächsten Satz gleich schreibt, dass das gar nichts Böses bedeutet. Ich finde übrigens auch genau das, was alle schreiben und schließe diesen wolkigen Text voller Bedeutungsebenen mit einem zweiten Hach.

Clown (Jon Watts, USA / Kanada 2014)

Ich habe schon lange keinen Schocker mehr gesehen, der mich gleich von Beginn an so begeistert hat. Eigentlich sollen uns Clowns ja zum Lachen bringen. Aber spätestens seit Stephen Kings „It“ will das nicht mehr so recht funktionieren. Im Gegenteil – immer häufiger fungiert der Clown als Symbol für das Böse, das hinter den Fassaden der scheinbar heilen Welt lauert. Ziemlich unsymbolisch, sondern explizit und schmerzhaft geht es in Jon Watts Clown-Horrorfilm zu, in dem ein fürsorglicher Papa (Andy Powers) seinen Sohn (Christian Distefano) zum Geburtstag erfreuen will, indem er sich selbst als Clown verkleidet. Doch dann will sich das Kostüm nicht mehr ausziehen lassen, weil es nämlich eigentlich die Haut eines Dämons ist, der sich auf den Verzehr von Kindern spezialisiert hat. Und so dauert es nicht lange, bis Papa ziemlichen Hunger bekommt. Wer unter „Coulrophobie“ – der krankhafte Angst vor Clowns – leidet, sollte sich Watts Film vorsichtshalber nicht ansehen. Wer gute (Body-)Horrorfilme mag, hingegen schon. „Clown“ lässt nach den großartigen ersten 20 Minuten zwar gehörig nach, aber am Ende ist er auf alle Fälle immer noch ein Film, dessen rote Clownsnase deutlich aus der trüben Masse herausragt.

Notizen #6

Posted by – 25. Februar 2016

The Martian (Ridley Scott, USA 2015)

Buch gelesen, Film nachgeholt. Ein Kinoereignis ist „The Martian“ von Ridley Scott ohne Frage – auf dem heimischen Fernseher ohne gutes Soundsystem entfaltet er seine Wirkung allerdings nur bedingt. Außerdem hat der Film das gleiche Problem wie das Buch: Schlaue Menschen finden technische Lösungen für technische Probleme, aber das „Menschliche“ kommt in Film und Vorlage so gut wie nicht vor. Die größte Emotion löst hier noch der Bowie-Song „Starman“ aus. Sicherlich, was interessieren Befindlichkeiten, wenn es darum geht, einen Astronauten (Matt Damon) vom Mars zu retten? Mit Jammern, Tränen ist niemandem geholfen, der sich in einer solchen Notlage befindet. Hier geht es darum, was der Homo Sapiens kraft seines Verstandes erreichen kann. Die Verneigung vor der Wissenschaft ist Scott mit seinem Film auf jeden Fall gelungen, ein echtes, menschliches Drama allerdings nicht.

Green Inferno (Eli Roth, USA / Chile 2014)

An Eli Roth scheiden sich die Geister. Bis ich „Hostel 2“ gesehen hatte, hielt auch ich ihn für einen interessanten Filmemacher. Auf „Green Inferno“ war ich trotzdem irgendwie gespannt, vielleicht weil ich dachte, dass das ohnehin schon recht fürchterliche Genre des Kannibalen-Films durch Roths Provokationsdrang vielleicht noch etwas dazugewinnen könnte. Doch man merkt schnell: Roth hat keine wirkliche Idee, was er zum Genre beizusteuern hat. Deswegen orientiert er sich sehr nah an den Genre-Vorbildern sowie an seinem eigenen „Hostel“: Eine lange Exposition, das – je nach Sichtweise – mehr oder weniger geschickte Spiel mit Vorurteilen gegen fremde Kulturen und heftige Gewaltexzesse. Leider funktioniert das bei „Green Inferno“ nicht. Diente die Einleitung bei „Hostel“ noch dem Spannungsaufbau, ist sie hier größtenteils langweilig, die Figuren geben wenig her; und im Kannibalenfilm ist dann irgendwie doch zu klar, worauf das alles hinausläuft. Interessant ist der Film am ehesten noch deswegen, weil hier die Verhältnisse mehrmals komplett auf den Kopf gestellt werden: Wer hier gut und wer böse ist, darüber kann man genauso lange sinnieren wie über das wenig glaubwürdige aber trotzdem provokante Ende, wo eine der überlebenden Figuren eine wenig nachvollziehbare aber trotzdem denkwürdige Entscheidung trifft. Daran, dass bei Eli Roth die Meinungen auseinandergehen, wird auch „Green Inferno“ nichts ändern.

Dredd (Pete Travis, USA 2012)

Extreme Situationen erfordern extreme Maßnahmen. Das sieht man nirgends so gut wie an der Comic-Figur Judge Dredd, die in einem postapokalyptischen Amerika für Recht und Ordnung sorgt. Ich weiß auch nach der Zweitsichtung (ein paar Sätze zur ersten gibt’s hier) nicht genau, ob mir der zynische Ton des Films wirklich gefällt, aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei Pete Travis so gut wie alles stimmt. Die Geschichte (Alex Garland), das visuelle Konzept des Regisseurs und von Kameramann Anthony Dod Mantle, der schon für einige Dogma-Filme tätig war, die Schauspieler (Karl Urban als Judge Dredd, Olivia Thirlby als seine Partnerin, die großartige Lena Headey als fieser Gangsterboss) – hier passt alles. So bin ich denn fast geneigt, „Dredd“ zu meinen Lieblings-Comicverfilmungen zu zählen, aber da wäre wohl voreilig, denn ich kenne die Comics ja gar nicht. Da ich ohnehin gerade dabei bin, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen, wäre es wohl auch eine gute Gelegenheit, mir mal „Judge Dredd“ näher anzuschauen. Lesetipps nehme ich gerne entgegen.

Maze Runner: The Scorch Trials (Wes Ball, USA 2015)

Den ersten Teil („Maze Runner“) hatte ich noch recht wohlwollend aufgenommen. Er hat mir sogar besser gefallen als die Buchvorlage. Den zweiten Roman habe ich angefangen, aber wegen künstlerischer Differenzen zwischen mir und dem Jugendbuch-Autor James Dashner nicht zu Ende gelesen, dafür den Film dann vor ein paar Tagen nachgeholt. Leider ist nichts von den Dingen übrig, die ich am ersten Teil mochte. Thomas (Dylan O’Brien) und seine ebenfalls aus dem Labyrinth entkommenen Freunde verschlägt es in „Maze Runner: The Scorch Trials“ zuerst direkt in die Hände der Organisation WCKD (World Catastrophe Killzone Department) und gleich danach, verfolgt vom undurchsichtige WCKD-Agenten Janson (Aidan Gillen) und seinen Schergen, in ein verbranntes Ödland, in dem zahlreiche Gefahren lauern. Trotzdem wollte bei mir nicht so recht Spannung aufkommen, im Gegenteil – ich fand die Hatz nach kürzester Zeit unglaublich ermüdend. Ob das daran liegt, dass das Geheimnis um das Labyrinth im ersten Teil in ein 08/15-Plot um eine zwielichtige Organisation transformiert wurde, dass zwischen den Figuren nichts Interessantes passiert, oder dass Wes Ball kein Regisseur ist, der die beiden Punkte in irgendeiner Form kompensieren könnte. Meine Freude auf den nächsten Teil, „Maze Runner 3: The Death Cure“, hält sich deswegen in Grenzen.

Notizen #5

Posted by – 15. Februar 2016

Mission: Impossible – Rogue Nation (Christopher McQuarrie, USA 2015)

Seit „Originaltitel Mission: Impossible – Ghost Protocol“ habe ich ein Problem: Immer, wenn ich Tom Cruise sehe, sehe ich Jogi Löw. Das ist leider überhaupt nicht zweckdienlich, wenn man Film sieht, ihn eigentlich spannend finden will, aber die ganze Zeit Mission-Jogi-Kopfkino hat. Unabhängig davon halte ich den aktuellen, wie schon den Teil davor, für keinen besonders interessanten Film. Christopher McQuarrie legt einfach zu viel Wert auf die belanglosen Aspekte des neuen Abenteuers von Superagent Ethan Hunt (Cruise): Verfolgungsjagden, hübsche Bilder, vielsagende Dialoge, die eigentlich gar nichts sagen. Dabei versteckt sich im Film ein durchaus mitreißendes Drama um die heimatlose Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), die für alle und niemanden zwischen den Stühlen agiert. Ihre Geschichte hätte ich gerne gesehen, nicht die von Team Jogitom.

Everest (Baltasar Kormákur, USA / Großbritannien / Island 2015)

„Everest“ von Baltasar Kormákur wollte ich eigentlich im letzten Jahr im IMAX sehen, aber es hatte nicht sein sollen. Nun habe ich ihn bei meiner neuen Stamm-Videothek „Amazon Prime“ nachgeholt und bin eigentlich ganz angetan: Atemraubende Kulissen, Einblicke in die Mentalitäten von Extrembergsteigern und letztendlich – in diesem Fall ist das wirklich wichtig – eine wahre Geschichte. Mit schnürt es jedenfalls immer noch die Kehle zu, wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen schon bei dem Versuch, den Mount Everest zu besteigen, ums Leben gekommen sind. Die Ereignisse, die im Jahr 1996 stattfanden und bei denen 8, teilweise sehr erfahrende Bergsteiger wie Rob Hall und Scott Fischer, starben, finde ich besonders tragisch. Dass sich Kormákur etwas zu wenig an den Fakten entlanghangelt und auf eindrucksvolle Bilder setzt, sich dabei aber meiner Meinung sehr zurückhält, was die Analyse der Situation angeht. Wie konnte das Unglück und geschehen? Eine sinnvolle Ergänzung zum Film sind somit sicherlich die Bücher von Jon Krakauer „Into thin air“ und „The Climb – Tragic Ambitions on Everest“ von Anatoli Nikolajewitsch Bukrejew. Zwar ganz ohne Bilder aber noch spannender als der Film!

Slow West (John Maclean, Großbritannien / Neuseeland 2015)

Nicht nur der Film des Musikers John Maclean, der sich wie seine Figuren durch die Wildwest-Landschaft mühsam und misstönend über die Zeit quält, war mir nicht angenehm. Irgendwie piekst es mich auch, dass ich beim im Internet Herumlesen fast überwiegend auf Texte gestoßen bin, in denen nicht nur sehr wohlwollend über „Slow West“ berichtet wurde – das gehört sich ja auch so –, sondern sogar beinahe verehrend und auf eine Art und Weise argumentierend, die mir nicht so richtig zugänglich werden wollte. Dass sich hier auf besonders clevere Art mit dem Gründungsmythos auseinandergesetzt wurde, dass hier Fantasien – vor allem männliche – entlarvt werden, dass hier das – angeblich tote – Genre „Western“ einen vitalen Lebensbeweis antritt… All das steht geschrieben. All das ist bestimmt nicht falsch. Aber des wegen gleich Juhu rufen? Ich verstehe schon, dass Junge Jake Cavendish (Kodi Smit-McPhee) einer verklärten Vorstellung über seine Möchtegernfreundin Rose Ross (Caren Pistorius) aufgesessen ist, wie er zum Ende hin unsanft erfahren muss. Interessant sind darüber hinaus sicherlich einige Brüche mit den Zuschauererwartungen. Meine Kritik, dass Maclean den Ton nicht trifft, dass die Aneinanderreihung von ausgestellt lakonischen Szenen, slapstickhaften Momenten und überraschend harten Gewaltausbrüchen, willkürlich wirkt und keinen erkennbaren Zweck hinsichtlich des Hauptthemas, der Dekonstruktion von Wunschträumen, erfüllt, lässt sich natürlich wie alles damit entkräften, dass der Regisseur bewusst die Erwartungen des Zuschauers unterlaufen will. Aber warum? Um zu zeigen, dass unsere Vorstellungen über den Wilden Westen eben nur Vorstellungen sind? Ahnten wir so etwas nicht schon?

Prison (Renny Harlin, USA 1987)

„Prison“ von Renny Harlin ist ein wunderbar sinnloser, aber extrem unterhaltsamer Film. Und sehr hübsch fotografiert ist er auch. Mac Ahlberg, der für „Re-Animator“ und „From Beyond“ oder dem – mittlerweile denke ich auch von mir – unterschätzten „King of the Ants“ als Kameramann verantwortlich ist, hat auch hier exzellente Arbeit geleistet. Auch Harlin als Regisseur wächst mir langsam ans Herz. Seine Filme sind direkt, effizient und pragmatisch. Und trotzdem haben seine mir bekannten Filme auch einen irgendwie verträumten Unterton, so als würde hinter der Oberfläche noch etwas anderes schlummern. Ein Bild, das mir gerade in den Sinn kommt: Einen Harlin-Film zu gucken ist, wie über einen zugefrorenen finnischen See zu laufen. Die Eisfläche ist glatt, perfekt und kühl, aber man spürt die Strömung unter seinen Füßen, fühlt den Abgrund des schwarzen Gewässers. Ich habe den Film zum ersten Mal gesehen und zwei Szenen entdeckt, die auch auf der in meinem Text zu „Slaughter High“ bereits erwähnten VHS-Kassette war: Die, als der eine Häftling von Metallrohren durchbohrt wird und die, als ein Wärter von Stacheldraht malträtiert wird. Was ich etwas schade finde ist, dass die Blu-Ray, die seit neuestem in meinem Besitz ist, keine nennenswerten Extras enthält. Über so einen Film gibt es doch bestimmt einiges zu erzählen, ein paar Interviews oder besser noch – ein Audiokommentar wäre entzückend gewesen!

Escape From Alcatraz (Don Siegel, USA 1979)

Nicht einfach ein Gefängnisfilm, sondern eine Art Prototyp des Gefängnis- und Ausbruchsfilms, an dem sich gefühlt alle folgenden Filme orientieren. (Harlins „Prison“ z.B.) Hat mir mal wieder Spaß gemacht, ihn zu sehen. Erkenntnisse: Auch wenn man Menschen entkleidet, sie aller Dinge entledigt, abschrubbt und in ein Gefängnis auf einem Felsbrocken sperrt, verlieren sie trotzdem nicht ihre Persönlichkeit. Sie bleiben, was sie waren, auch wenn sie die neue Umwelt natürlich zwingt, sich anzupassen. Faszinierend dabei ist auch, wie „professionell“ und mit welcher Ruhe sich Protagonist Frank Morris (Clint Eastwood) einen Überblick verschafft, die richtigen Leute kennenlernt und seinen Ausbruch vorbereitet und durchführt. Das wirkt fast ein wenig gelangweilt, vielleicht weil er tut, was er eben tut und das für ihn tatsächlich nichts Außergewöhnliches ist. Der Film hingegen ist in seiner Klarheit und Kraft schon etwas Besonderes.

Notizen #4

Posted by – 21. Januar 2016

Seraphim Falls (David Von Ancken, USA 2006)

Von der Regel, dass ich neben „Once Upon A Time In The West“ und „The Quick And The Dead“ keine Western mag, gibt es eine weitere Ausnahme. Aufgrund einer Empfehlung von vertrauenswürdigen Tipp-Gebern auf Twitter habe ich mir „Seraphim Falls“ angesehen – und für gut befunden. Ein Mann (Liam Neeson) jagt darin einen anderen (Pierce Brosnan). Warum, erfährt man erst viel später. Aber eigentlich ist der Grund auch egal, Von Ancken scheint es hier in seinem Rache-Western eher ums Grundsätzliche zu gehen. Der Film beginnt sehr realistisch – man spürt die Kälte, fühlt sie durch Mark und Bein gehen; später kommt die Hitze, der Durst, die Erschöpfung… – driftet aber immer mehr ab und wird zur Parabel, die uns in eindrucksvollen Bildern deutlich macht, dass Rache… – Ach, ich will nicht zuviel verraten, schaut euch den Film selber an.

The Shiver of the Vampires (Jean Rollin, Frankreich 1971)

Isa und Antoine geraten auf ihrer Hochzeitsreise in ein Vampir-Schloss. Isa gerät unter den Einfluss der Vampirkönigin Isolde, Antoine versucht seine Angetraute zu retten. – Warum „The Shiver Of The Vampires (OT: Le Frisson des Vampires) mancherorts im Internet als einer der besten Filme von Jean Rollin bezeichnet wird, weiß ich nicht. Im Prinzip steht überall das Gleiche, und zwar das, was bei allen Rollin-Vampir-Filmen steht: Irgendwas mit Kunst & Trash, Gothik & Erotik, psychedelisch & surreal. Ob bei Tageslicht, in der Morgendämmerung oder nachts, bei Kerzenschein – ich habe alles probiert – bei mir hat „The Shiver of the Vampires“ nicht funktioniert. Ich fand ihn beliebig. Aber ich will nicht ausschließen, dass das auch irgendwie an mir liegt. Schließlich fand ich bisher eigentlich alles, was ich von Rollin gesehen habe, gut bis sehr gut.

Coffy (Jack Hill, USA 1973)

Trash-Commando von Trash-O-Meter hat mir einen Stapel Filme mitgegeben, um mich in die Welt der Blaxpoitation einzuführen. Dann mal los! Den Anfang machte ein „sehr bedenkliches Action-Drama, das Selbstjustiz und das Recht des Stärkeren propagiert“ (Lexikon des internationalen Films) von Jack Hill. „Coffy“ war für mich gleich ein Volltreffer, was weniger an dem Film selbst lag – eine Frau nimmt für ihre abhängige Schwester Rache an der Drogenmafia –, sondern an seiner famosen Hautdarstellerin Pam Grier, die ich Ungebildeter bisher tatsächlich erst aus Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ kannte. Ich mag Grier als Frau gerne leiden, aber ich fand auch ihre Figur der Coffy Coffin stark. Und ich möchte dem katholischen Filmdienst an dieser Stelle gerne widersprechen und behaupten, dass hier nicht das Recht des Stärkeren propagiert, sondern die Gewalt gegen den Schwächeren für ein B-Movie auf gar nicht so unclevere Weise thematisiert wird. Im Spannungsfeld Arm gegen Reich, Schwarz gegen Weiß, Mann gegen Frau erweist sich die Protagonistin nicht nur als jemand, der wegen der Umstände in den Widerstand geht, sondern eben auch als amoralisches Produkt eben dieser Umwelt, in der besagtes Recht des Stärkeren gilt. Doch ist dies keine Propaganda im Sinne von Werbung für ihr Handeln, sondern immer auch zutiefst tragisch, weil Coffys naiver Rachefeldzug für eine bessere Welt im Kern chancenlos ist. Ich danke Herrn Trash-Commando für die sehenswerte Leihgabe.

Shaft (Gordon Parks, USA 1971)

Gleich noch mal einen Dank in die gleiche Richtung. Björn goes Blaxpootaion Part II. Es ist schon ein bisschen witzig, dass ich diesen „Klassiker“ erst kurz vor der Rente sehe. Aber besser spät als nie bzw: eigentlich auch egal. Ich war noch nie ein großer Freund von Krimis, großen Wummen und coolen Sprüchen. Daran hat leider auch „Shaft“ nichts geändert. Aber die Musik, die war gut, und dass Isaac Hayes einen Oscar für den Besten Song gewonnen hat, leuchtet mir – auch wenn mir sonst wenig an den Oscars einleuchtet – voll uns ganz ein.

One, Two, Three (Billy Wilder, USA 1961)

Zum ersten Mal gesehen und – darf ich das hier sagen? – ich finde diesen Film ganz furchtbar. Ja, ich weiß, Billy Wilder und alle reden ganz schnell und lustig, har har, aber warum diese Zusammenschau von billigen nationalen Klischees einen so guten Ruf hat, verstehe ich beim besten Willen nicht. Ich finde „One, Two, Three“ nicht nur nicht lustig, ich finde ihn in seinem kaum verhohlenen Spott über alle nicht-amerikanischen Menschen bedenklich. Die meisten Witze gehen auf Kosten der Russen, aber auch gegen Bürger der DDR, gegen die Deutschen und Frauen wird ordentlich ausgeteilt. Ich bin niemand, der besonderen Wert auf politische Korrektheit legt, aber wenn auf Kosten anderer gelacht werden soll, dann bitte als Provokation und nicht in Form einer vermeintlichen Wohlfühl-Komödie.

 

Notizen #3

Posted by – 10. Januar 2016

Mal wieder nur kurz.

Fantastic Four (Josh Trank, USA 2015)

Nachdem ich so widersprüchliche Dinge über diesen Film gelesen habe, bin ich schließlich doch neugierig geworden und muss sagen, dass ich die sich eindeutig in der Minderzahl befindlichen Verteidiger von Josh Tranks „Fantastic Four“-Reboot zumindest verstehen kann. Denn vom Marvel-Einheits-Superbrei hebt er sich ab. Probleme gibt es natürlich auch. Es ist wahrscheinlich müßig, Superhelden-Filmen fehlenden Realismus vorzuwerfen, wobei das doch gerade ein Markenzeichen dieses Genres ist, aber ich muss sagen, für mich hatte der Film tatsächlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Z.B. als die vier beschließen, auf eigene Faust in die neue Dimension aufzubrechen; oder als sie, nachdem Reed wieder eingefangen wurde, unvermittelt wieder ins Jenseits geschickt werden. Aber gut. Meckern könnte man noch lange. Zum Beispiel lang und leidenschaftlich über das gruselige CGI, die holprige Erzählung, der man anmerkt, dass nicht nur eine Hand daran herumgewerkelt hat, oder das versemmelte Finale. Doch man kann nicht ignorieren, dass Trank versucht, etwas anders zu machen. Im fertigen Produkt ist seine verwässerte Vision – eine düstere Mischung aus Coming-of-Age Geschichte und Body Horror – immerhin noch zu erahnen.Alles in allem? War das nix. Aber der Film war mir trotzdem nicht unsympathisch. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen

Case of the Scorpion’s Tail (Sergio Martino, Spanien / Italien 1971)

Obwohl mir bisher kein Film von Sergio Martino so richtig gut gefallen hat, gebe ich nicht auf. Diesmal war „Case Of The Scorpion’s Tail“ (OT: La Cola del escorpión), ein früher, aber doch nicht ganz gewöhnlicher Giallo an der Reihe. Die Geschichte beginnt mit Lisa Baumer (Ida Galli), die sich gerade mit ihrem Liebhaber im heimischen Bettlager dem Höhepunkt entgegenkuschelt als das Flugzeug ihres Mannes hoch oben in den Lüften explodiert. Die Witwe kommt damit in den Genuss der Lebensversicherung von einer Millionen Dollar, die ihr in Griechenland ausgezahlt werden soll. Weil die Versicherungsgesellschaft der Dame nicht traut, wird Lisa durch den Privatdetektiv Peter Lynch (George Hilton) beschattet. In Athen lauern außerdem noch andere Anwärter auf das Geld. Bald gibt es die ersten Toten. Auch dieser Film von Martino war für meine Begriffe jetzt keine Offenbarung, trotzdem will ich nicht leugnen, dass er weder ein 08/15-Giallo ist, noch sich überhaupt so leicht in das Genre einfügen lassen will.. Eine recht spannende Geschichte, Bruno Nicolais schräger Score und wirklich haufenweise seltsame Kamera-Perspektiven machen ihn auf jeden Fall sehenswert. Noch etwas mehr Freude macht der Film, wenn man sich zuvor mit dem schönen Booklet von Rochus vom kinderfilmblog einstimmt, der mir die DVD freundlicherweise ausgeliehen hat.

Captain Phillips (Paul Greengrass, USA 2014)

Ja, spannend. Ich mag Greengrass’ Filme eh und auch „Captain Phillips“, den ich nun endlich nachgeholt habe, hat mir wieder gut gefallen. Es geht um ein Containerschiff, das in der Nähe von Somalia von Piraten angegriffen und schließlich gekapert wird. Mich haben die Verhältnisse und Kontraste fasziniert, wenn ich das mal so abstrakt sagen darf – die Reichen und Armen, die Schwarzen und Weißen. Die großen Schiffe und die kleinen. Wer hätte gedacht, dass man ein großes Containerschiff einfach so kapern kann? Nun gut, so einfach ist das nicht, aber mit der richtigen Portion an Verzweiflung und Wagemut, über die die Piraten ohne Frage verfügen, ist es möglich. Den Teil des Films, der auf dem Frachter spielt, fand ich sehr mitreißend, den Teil, in dem sich die Piraten mit Captain Phillips (Tom Hanks) in einem Rettungsboot auf der Flucht befinden, etwas weniger, keine Ahnung warum. Vielleicht hat mich in dem Teil die gleiche Schockstarre überfallen, wie den gebeutelten Captain, der erst im sehr emotionalen Finale, wie ich dann auch wieder, die Fassung verliert. Starker Film jedenfalls.

21 Jump Street (Phil Lord, Chris Miller, USA 2012)

Zweitsichtung. Diesmal mit Frau und Eltern vor dem heimischen Fernseher. Interessantes Meinungsspektrum nach dem Film, das von 2/10 Punkten (Mutter) bist hin zu 8/10 Punkten (Papa) reichte. Ich sortiere mich irgendwo dazwischen ein. Ich fand ihn ähnlich gut wie bei der Erstsichtung (hier etwas mehr dazu) und sogar auf Deutsch war er nicht unlustig. Diesmal ist mir sogar noch mehr klar geworden, was für ein Glücksfall dings und dings sind. Die beiden harmonieren so prächtig, dass der Film nur so flutscht und sich die Gags quasi von selbst schreiben. Lediglich das Ende, der Genitalschuss, den ich geschmacklos und billig finde, stört mich nach wie vor.

Inside Out (Pete Docter, Ronnie del Carmen, USA 2015)

Es ist natürlich ganz wunderbar, wie die Innen- und Gefühlswelt der jungen Protagonistin in diesem Animationsfilm dargestellt wird. Ihre Gefühle – Freude, Wut, Angst und Ekel – sind hier agierende Figuren, die in der Psyche der Hauptfigur allerlei anstellen und schließlich wieder richten. Und ich würde auch sagen, dass dieser Pixar mal wieder zu den stärkeren Filmen des Studios gehört. Dennoch kann ich nicht so ganz in den allgemeinen Lobgesang einstimmen, weil ich „Inside Out“ erzählerisch als sehr konventionell und damit von den visuellen Attraktionen abgesehen fast schon als langweilig empfunden habe. Die Prämisse und die optische Seite sind ohne Frage toll, aber mir fehlte da irgendwie noch etwas, das die Geschichte spannender macht wie auch ein wenig mehr dazu, was die Behauptung des Films, dass – unsere Persönlichkeit und unsere Handlungen – vollständig durch die Mechanik unserer Innenwelt bestimmt werden, für unser Selbstverständnis als Mensch bedeutet.

Notizen #2

Posted by – 21. Dezember 2015

Ich merke jetzt schon, dass mich diese Rubrik eher nervt als zu kompensieren, dass ich gerade so wenig Zeit für Film, Kino und Schreiben habe. Nur so ein paar Sätze über ihn zu schreiben, das hat kein Film verdient. Und mir bringt es eigentlich auch nicht viel. Bei knappen 1000 Zeichen springt das Hirn noch nicht an. Aber egal – das habe ich zuletzt gesehen:

The Dark Knight (Christopher Nolan, USA / UK 2008)

Mein drittes Mal „The Dark Knight“. Ich bleibe bei meiner Meinung: Dies ist der beste Batman-Film, der bisher gemacht worden ist. Warum? Auch, weil hier Nolans Stärken (realistischer Ansatz, tolles Design) mit einer guten (Kriminal-)Geschichte zusammenkommen. Aber vor allem natürlich weil Heath Leadgers Darstellung des Jokers so überragend ist. Gut und böse, Ordnung und Chaos, Ying und Yang – dieser „Batman“ traut sich an die großen Fragen und bleibt trotzdem mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Toll.

Man Of Tai Chi (Keanu Reeves, USA, China, Hongkong 2013)

Ich kann schon verstehen, warum dieser Film so wohlwollend aufgenommen wurde. Kenau Reeves versucht in „Man Of Tai Chi“ das Prügelkino der 1980er und 90er Jahre ins neue Jahrtausend zu transferieren. Und das gelingt ihm gar nicht mal so schlecht, bei allen Stärken und Schwächen, die das Genre ausmacht. Meine Probleme mit „Man Of Tai Chi“ lagen vor allem darin begründet, dass ich die Kämpfe mäßig fand und ich auch keinen wirklichen Spannungsanstieg im Verlauf des Films feststellen konnte. Keanu Reeves als Endgegner war ein Flop. Ich bin sicher, dass man als Liebhaber des Genres auch noch etliche positive Aspekte des Films nennen kann, aber ich belasse es mal bei diesen kurzen Anmerkungen und der Feststellung, dass mich der Film nicht besonders gut unterhalten hat.

The Punisher (Jonathan Hensleigh, USA / Deutschland 2004)

Hatte ich irgendwann schon mal gesehen. Fand ich damals so lala und diesmal leider auch nicht viel besser. Mich stört nichts so richtig, aber es gibt auf der anderen Seite auch wenig echte Stärken, die „The Punisher“ zu einem Superhelden-Film mit Erinnerungswert machen. Vielleicht ist es sogar sein Superhelden-untypisches Setting, das ihn innerhalb der Marvelfilme noch am besten auszeichnet. Nimmt man ihn als Action-Film, hat er wiederum zu wenig Alleinstellungsmerkmale. Highlight des Films ist sicherlich der Fight des Punishers gegen den Herren im gestreiften T-Shirt, und auch sonst gibt es den ein oder anderen Moment, in dem ich freundlich Richtung Fernseher genickt habe, aber alles in allem hat der Film einfach zu wenig, um mein Interesse zu wecken und zu halten. Meiner Lust, mich mal näher mit den „Punisher“-Comics auseinanderzusetzen, habe ich durch den Film jetzt erst mal einen Dämpfer verpasst. Ist aber nicht schlimm. Mehr Zeit für andere Sachen.

Bone Tomahawk (S. Craig Zahler, USA 2015)

Und nach dem Film alle so: Äh? Ratlose Blicke. Nicht falsch verstehen, die Geschichte um ein paar Cowboys, die zwei Geiseln aus der Gewalt von Kannibalen-Indianern befreien wollen, ist jetzt auf den ersten Blick für einen Genre-Film nichts Ungewöhnliches, aber für den zweiten dann eben schon. Was genau an ihm nicht stimmt, ist gar nicht so leicht zu sagen. Vielleicht lässt es sich am besten so beschreiben: Der Film ist absolut leer. Aber – kann das wirklich sein? Soviel Trara, so bekannte Schauspieler, offensichtliche Können seitens S. Craig Zahler – und dann ist da nichts sonst? „Bone Tomahawk“ war der einzige Film, den ich in diesem Jahr auf den Fantasy Filmfest White Nights gesehen habe und noch zwei Wochen nach Sichtung, weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Ist da was? Ist nichts? Ich weiß es nicht…

Contraband (Lucio Fulci, Italien 1980)

Wieder ein Fulci zu dem man eigentlich ganz viel sagen könnte und sollte, aber angesichts des anstehenden Artikels zu „Das Haus an der Friedhofsmauer“ drückt sich mein Gehirn gerade davor, überhaupt irgendwas Sinnvolles zu diesem Regisseur auszuspucken. Immerhin habe ich mit „Contraband“ (OT: Luca il contrabbandiere) einen der letzten Filme, den ich mir zur Vorbereitung noch zu Gemüte führen wollte, angesehen und endlich mal wieder einen Fulci gesehen, der mir ziemlich viel Spaß gemacht hat: Schmutzig, düster, trostlos, kraftvoll inszeniert, auffällig stringent und sehr spannend. Guter Fulci, wenn man einmal davon absieht, dass er an ein, zwei Stellen wirklich unnötig brutal ist.