Tag: Lance Henriksen

The Quick And The Dead (Sam Raimi, USA 1995)

Posted by 7. Juni 2015

Western sind eigentlich nicht mein Fall, aber es gibt Ausnahmen. „The Quick And The Dead“, mit dem Sam Raimi nach dem Abschluss seiner „Evil Dead“-Trilogie und seinem meisterlichen „Darkman“ zeigt, dass er auch dieses Genre zu bereichern weiß, gehört dazu. Ich habe ihn mittlerweile schon recht oft gesehen und vor ein paar Jahren auch mal eine etwas längere Kritik dazu geschrieben. Dem habe ich nach der gestrigen Sitzung nicht besonders viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich heute nicht mehr so sehe, dass der Star-gespickte Trip ingesamt zu wenig Überraschungen bieten würde. Auch wenn der grobe Fahrplan bekannt ist, bietet der Film im Detail doch Highlights en masse. Eine komplizierterer Rahmenhandlung hätte diesem gradlinigen Film bestimmt eher geschadet. Es geht um einen jährlichen Duell-Wettbewerb in einem kleinen miesen Western-Kaff, den tyrannische Bürgermeister John Herod (Gene Hackman), der das Duell regelmäßig gewinnt und eine geheimnisvolle Rächerin (Sharon Stone) die es offensichtlich auf seinen Kopf abgesehen hat. Schon zwischen dem Hauptpersonal knistert die Luft, aber es gibt etliche weitere originelle Figuren, die Raimi mit der ihm typischen Inszenierungsfreude einfallsreich gegeneinander antreten lässt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich wohl nur eine andere Hauptdarstellerin favorisiert und weiterhin vorgeschlagen, ihre genauen Motive im Dunkeln zu lassen. Aber auch ohne meine Hilfe ist „The Quick And The Dead“ ein ganz wunderbar kurzweiliger, verspielter und boshafter Western geworden, den ich mir in 20 Jahren noch nicht über gesehen habe.

Aliens (James Cameron, USA 1986)

Posted by 16. Juli 2012

Was ist gefährlicher als ein Alien? Genau! Viele Aliens! Nach diesem Motto lässt es James Cameron richtig krachen.

Nach den Ereignissen in „Alien“ ist Ripley (Sigourney Weaver) 57 Jahre im Kälteschlaf durch den Weltraum unterwegs, bis sie von einem Bergungsschiff gefunden wird. Ihrem Bericht darüber, was sich damals auf der Nostromo zugetragen hat, glaubt allerdings niemand. Erst als der Kontakt zu den Siedlern abbricht, die mittlerweile auf Mond LV-426 leben, beginnt man sich für ihre Geschichte zu interessieren. Zusammen mit einer Handvoll Marines, soll Ripley auf den Mond zurückkehren, um die Lage zu klären.

Ich habe „Aliens“ schon ewig nicht gesehen, aber neulich dann endlich mal wieder. Und auch noch den Extended Cut und auf großer Leinwand. Das war schon toll. Trotzdem hatte ich irgendwie kaum Lust, die ganzen Vorzüge herunterzubeten. Nur soviel: Cameron zeigt mit „Aliens“, dass er die Regeln des Blockbuster-Kinos beherrscht, aber gleichzeitig in der Lage ist, die emotionale Seite seiner Geschichte perfekt und glaubhaft in ein Action-Szenario einzubinden. Dass Cameron beispielsweise, Ripley eine Tochter andichtet (die aber den mit der Raumfahrt verbundenen Relativitäsaspekten geschuldet nicht mehr unter den Lebenden weilt) gibt ihrem Verhältnis zu Newt (Carrie Henn) den notwendigen emotionalen Gehalt. Auch der zivilisationskritische Anspruch, der in späteren Filmen Camerons noch deutlicher wird, ist schon in „Aliens“ angelegt. Ich bin ja sonst niemand der überall Phallussymbole sieht, aber die sich tolldreist überschätzenden Marines werden von Cameron mit solch übergroßen Waffen ausgestattet, dass die Ironie mir hier sofort ins Auge springt.  Es ist zwar auch etwas widersprüchlich, aber gleichzeitig sehr gekonnt, wie Cameron einerseits die Steigerungsforderung des Blockbusterkinos bedient, dem Zuschauer aber andererseits eine beißende Kritik an eben jener Dynamik unterjubelt. Scotts Alien war toll, aber Camerons „Aliens“ ist vielleicht sogar noch besser, weil er mehr Zutaten und „mehr Dampf“ hat, ohne dass die Suppe zu irgendeiner Zeit überkocht.

Irgendwo habe ich mal gelesen, „das Kino der 1980er Jahre hätte noch Eier in der Hose“ gehabt. (Ob mit dieser Aussage jetzt der Mut der Filmemacher gelobt oder das machohafte ihrer Filme kritisiert werden sollte, weiß ich nicht. Vielleicht zeigt sich in diesem Satz auch die Wirkung  der in den 1940er Jahren begonnenen Emanzipationswelle – schließlich brachten die 80er auch einige tolle Filmheldinnen hervor.) Für Camerons Film stimmt der Satz auf jeden Fall. Da gibt es ohne Zweifel sehr viele Eier.

Bild © Twentieth Century Fox