Tag: Martial Arts

Notizen #12

Posted by – 4. August 2016

Eigentlich (wie ich dieses Wort liebe!) wollte ich nicht mehr kurz notieren, sondern immer einen zumindest etwas detaillierteren Text fabrizieren… Hier jedenfalls mal wieder nur ein paar schäbige Notizen.

The Assassin (Hsiao-Hsien Hou, Taiwan / China / Hong-Kong / Frankreich 2015)

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Ich fand den umjubelten „The Assassin“ nur so lala. Nennt mich einen Banausen, aber für die Kunst, die Hsiao-Hsien Hou hier darbietet, fehlen mir irgendwie die Antennen. Die zweifellos hübschen Bilder haben mir jedenfalls nicht geholfen, in die Geschichte zu kommen. Vielleicht sollte man das ja auch nicht, vielleicht sollte der Zuschauer irgendwie draußen bleiben; und vielleicht werden deswegen gefühlt die Hälfte des Films alle Figuren nur schemenhaft zu erkennen hinter wehenden Vorhängen gezeigt. Aber warum? Keine Ahnung. Ich war jedenfalls froh, als es vorbei war. Schon allein deswegen, weil zum Schluss noch mal ein richtig feines Stück Musik kommt. Für mich der Höhepunkt des Films.

Station Agent (Tom McCarthy, USA 2003)

Toller Film – eigentlich. Station Agent hätte ich wohl mal zu meinen Lieblingsfilmen gerechnet, ich habe irgendwo sogar noch eine Liste meiner Top 10 der ersten Dekade des neuen Jahrtausends und da ist er drauf, aber dieses Mal konnte ich mich nicht so richtig auf ihn einlassen. Vielleicht nutzen sich Filme irgendwann ab, drei, vier, fünf Mal funktionieren sie, aber bei sechsten Ansehen dann, plötzlich, mag das Gehirn nicht mehr. Vielleicht lag es ja daran, dass ich „Station Agent“ diesmal in sonderbarer Gesellschaft gesehen habe, so sonderbar, dass die Sonderbarkeit der Figuren im Film dagegen einfach nicht ankommt. Auf diese Theorie kann ich jetzt allerdings aus Respekt vor lebenden Personen, die das hier bestimmt nicht lesen, aber vielleicht ja doch (wer weiß das schon?) nicht weiter eingehen. Aber toller Film eigentlich.

Toni Erdmann (Maren Ade, Deutschland / Österreich 2016)

Zu diesem Film, für den der Ausdruck „Meisterwerk“ zu klein und damit völlig ungeeignet ist, nur einen Satz zu schreiben, das geht natürlich gar nicht.

The Shallows (Jaume Collet-Serra, USA 2106)

Wohin das Auge sieht: Haie! . „Supershark“, „Sharktopus“, „Dinoshark“ „Sharknado“ eins, zwei, drei usw. Selbst im Supermarkt ist man vor ihnen nicht sicher! Ich kann mir dieses ganze Zeug nur mit Mühe ansehen. Dass es sich bei „The Shallows“ um einen ernstgemeinten Hai-Horror handeln sollte, hat dann aber doch mein Interesse geweckt. Und wirklich, nicht übel, was „House of Wax“- und „Orphan“-Regisseur Jaume Collet-Serra hier abliefert, gar nicht übel. Dazu braucht er nicht mehr als eine junge Surferin (Blake Lively) und einen blutrünstigen Hai. Ich finde es jedenfalls super, dass sich jemand dieser Tage traut, einen unironischen Hai-Thriller zu drehen, zumal das Ergebnis durchaus sehenswert ist (spannend, toll fotografiert, überzeugende Hauptdarstellerin). Da kann ich auch verschmerzen, dass Zufälle die an sich sehr reizvoll reduzierte Geschichte etwas zu sehr dominieren und die existenzialistische Dimension von „The Shallows“ eher unterentwickelt ist.

The Lobster (Giorgos Lanthimos, Frankreich / Irland / Großbritannien, Niederlande / Griechenland 2015)

Ich frage mich seitdem täglich, welches Tier ich wohl wäre. Jedenfalls kein Hai.

Demolition (Jean-Marc Vallée, USA 2016)

Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal) verliert seine Frau bei einem Autounfall. Statt ordnungsgemäß zu trauern, öffnet er sich in Briefen dem Kundenservice einer Automatenfirma – und erhält überraschend Antwort von Karen Moreno (Naomi Watts), die sich sehr interessiert an seinen Gefühlen zeigt. Die beiden lernen sich kennen. Nach und nach erkennt Davis, dass er zuerst sein altes Leben auseinandernehmen muss, ehe er ein neues beginnen kann. Dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, wird häufig behauptet. Der Protagonist des Films scheint diese Meinung nicht zu teilen oder der These zumindest von Grund auf nachgehen zu wollen, indem er zwanghaft alles auseinanderbaut, was ihm unter den Schraubenschlüssel kommt. Dieser Akt der Zerstörung ist die grundlegende Metapher dieses ambitionierten aber leider völlig überkonstruierten und unglücklicherweise auch bis zum Bersten vollgestopften Drehbuchs. Doch anders als in der Geschichte fügt sich der Film leider nicht wie durch ein Wunder zu einem kunstvollen Großen und Ganzen zusammen. „Demolition“ ist eins der raren Beispiele für etwas, das weniger ist, als die Summe seiner Teile.

Vor der Morgenröte (Maria Schrader, Österreich / Deutschland / Frankreich 2016)

Mal von „Toni Erdmann“ abgesehen, hat mich kein Film in den letzten Wochen so beeindruckt wie die Stefan Zweig Biografie von Maria Schrader. In „Vor der Morgenröte“ wimmelt es von Irritationen und ich denke, das ist Konzept und soll die Situation und Zerrissenheit seiner Hauptfigur zeigen. Der Film wird getragen von Josef Harder. Harder ist ein großartiger, aber – das vergisst man vielleicht ab und an, wenn man ihn nur als den Brenner kennt – auch sehr vielseitiger Schauspieler, der hier einen neuen Bereich seines Könnens demonstriert. Ich sage mal vorher, dass dieser Film in meinen Jahres-Top-10 sein wird.

Notizen #9

Posted by – 1. April 2016

Peur sur la ville (Henri Verneuil, Frankreich / Italien 1975)

Ein Killer, der sich selbst Minos nennt, will die Welt reinigen, indem er Frauen tötet, deren Lebenswandel ihm nicht gefällt. Kommissar Le Tellier (Jean-Paul Belmondo) wird beauftragt den Fall zu lösen. – Dass ich ein wenig enttäuscht bin von „Peur Sur La Ville“ liegt vermutlich daran, dass ich ihn mir mit den falschen Erwartungen angesehen habe. Ich hatte ein wenig gehofft, hier eine französische Variation des Giallo zu erleben – und vielleicht hätte ich das auch, wenn ich nicht mittlerweile einigermaßen genaue Vorstellungen habe, was sich für mich nach Giallo anfühlt und was nicht. Henri Verneuils Film hat einige Parallelen zu dieser speziellen Art des italienischen Thrillers, und ihm ist ein durchaus spannender und eigentlich auch schön anzusehender Action-Krimi gelungen, aber ich war irgendwie auf etwas anderes aus und habe außerdem meine Probleme mit etwas zu heldenhaft dargestellten, raubeinigen Cops, die wild in die Menge ballern im Allgemeinen und Belmondo im Besonderen. Dafür ist Charles Denner als sein sympathisch unaufgeregter Kollege Inspektor Moissac ganz nach meinem Geschmack.

High Rise (Ben Wheatley, UK 2015)

Ich erinnere mich noch vage, dass ich damals von James Graham Ballards Roman „High Rise“ (im Deutschen „Der Block“) überaus fasziniert war. Diese mehr- und reizvoll eindeutige Dystopie (?) über ein Hochhaus und seine Bewohner, die Entropie des Systems, die schlussendlich möglicherweise gar keine Entwicklung hin zum Chaos zeigt, sondern ein düsteres Transformations-Szenario ausformuliert, hat es ohne Frage in sich. Das zeigt sich schon an den jahrzehntelang erfolglosen Versuchen, sie in das Medium Film zu überführen. Nun hat es Ben Wheatley endlich geschafft. Obwohl der Kinobesuch schon zwei Wochen vorbei sind, weiß ich immer noch nicht so recht, ob ich mit dem Ergebnis wirklich einverstanden bin. Fest steht: Dieser Film hätte auf jeden Fall einen längeren Text verdient, aber ich habe gerade wenig Zeit und finde es auch nicht besonders leicht, den Finger darauf zu legen, was an Ben Wheatleys „High Rise“-Version gelungen ist und was nicht. Der Film ist auf jeden Fall visuell und auditiv unglaublich einfallsreich. Auch wenn da sonst nichts wäre, schon allein um für eine Weile in diesen filmischen Wahnsinn einzutauchen, lohnt sich ein Kinoticket. Und auch die Schauspieler sind toll. Ich achte ja meist nicht auf so etwas, aber hier hätte ich Tom Hiddleston (!!!), Elisabeth Moss und sogar Luke Evans immer weiter zusehen können. Aber: Wie Lucas Barwenczik in seinem sehr schönen Text auf Kino-Zeit schreibt, glaube auch ich nicht, dass „High Rise“, einfach eine vertikale Version von „Snowpiercer“ ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Wheatley zu zweidimensional an den Stoff herangeht und sich zu sehr auf das Unten und Oben der Geschichte bzw. das soziale Gefälle der im Block lebenden Figuren fokussiert. Der prächtige Stil überdeckt ein wenig, dass Wheatley aus welchen Gründen auch immer die Geschichte um einige Bedeutungsebenen verkürzt. Es ist mehr so ein diffuses Gefühl als eine konkrete Kritik, aber ich glaube, der triste Stoff ist reichhaltiger als der opulente Film.

Ip Man 3 (Wilson Yip, HK 2015)

Ich mochte den ersten, ich mochte den zweiten Teil. Nun geht die „Ip Man“-Reihe von Wilson Yip in die dritte Runde. Auch diesmal schlüpft Donnie Yen in die Rolle des berühmten Wing Chun-Meisters Ip Man. Diesmal muss er eine Schule gegen eine Bande brutaler Gangster verteidigen. Als deren Boss Frank (Mike Tyson) nicht einmal davor zurückschreckt, Ip Mans Sohn zu entführen, fliegen die Fetzen. – Dem legendären Ip Man wurden schon mehrere Filme gewidmet. Zuletzt hatte sich sogar Wong Kar-Wais in „The Grandmaster“ an der Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters versucht. Gegen den Film von Kar-Wais, in dem dieser wohl vor allem versucht Inszenierungskünste zu zelebrieren, nehmen sich die Filme von Wilson Yip angenehm bodenständig aus. Hier ist Ip Man zwar ein hervorragender Kämpfer, aber auch ein fehlbarer Mensch, der weder vor Niederlagen noch persönlichen Tragödien gewappnet ist. Sicherlich, so ganz ohne Machismo kann man die Geschichte um den ehrenhaften Kampfsportler nicht erzählen, von der Masse der Kampfsportfilme hebt sich „Ip Man 3“ aber dennoch wohltuend ab, weil es Yip auch immer darum geht zu zeigen, wie Leben und Kämpfen zusammenhängen. Ach so – und einige der Fights sind natürlich auch ganz hübsch.

Deadpool (Tim Miller, USA 2016)

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher davor gedrückt, mich zu diesem Film zu äußern. Wahrscheinlich war das gut. Wenn ich mir ansehe, wie unreflektiert gerade auf „Batman V Superman“ eingedroschen wird, muss ich zugeben, dass mir das im Falle von „Deadpool“ auch leicht hätte passieren können. Insofern will ich zumindest kurz meine (Anti-)Haltung skizzieren, vielleicht angefangen mit einem Rekurs auf Zack Snyders eben erwähntes DC-Abentuer: Drehbuchautor David S. Goyer hat vor 10 Jahren zur der Idee, beide Superhelden zusammentreffen zu lassen gesagt, „Batman Vs. Superman is where you go when you admit to yourself that you’ve exhausted all possibilities“. Meiner Meinung ist das Unfug. Meiner Meinung nach (wahrscheinlich auch Unfug) hat meinen seine kognitiven Grenzen erreicht, wenn man beginnt, Filme zu drehen, die außer Ironie und Selbstbezüglichkeit nichts vorzuweisen haben. „Deadpool“ ist –meiner Meinung nach – so ein Fall. Mag er auch handwerklich solide sein, die „vierte Wand“ durchbrechen und mit von Psychologen präzise auf die Zielgruppe zugeschnittenen Witzchen zugeballert ein – ich finde ihn totlangweilig. Mehr noch: Mir fällt es sehr schwer, mich auf derartige Filme (ähnlich: „Kick-Ass“) einzulassen, weil sie einer meiner Grundhaltungen entgegenstehen. Nach meiner Überzeugung muss Gewalt weh tun! Tut sie das nicht, dann schmerzt mich das sehr.

Big Trouble In Little China (John Carpenter, USA 1986)

Posted by – 30. Juli 2015

big troubleDer Trucker Jack Burton (Kurt Russell) hilft seinem Freund Wang Chi (Dennis Dun) seine Verlobte aus den Klauen von Lo Pan, einem uralten chinesischen Magier (James Hong) und seinen Schergen zu befreien. Unterstützt werden die beiden von dem Touristen-Führer Egg Shen (Victor Wong) und der Anwältin Grace Law (Kim Cattrall).

Mit „Big Trouble In Little China“ verbinde ich viel. Ich sah ihn das erste Mal zu einer Zeit, in der sich seine wahnwitzigen Ideen wie Lichtblitze in mein junges Hirn brannten und die Synapsen neu verschalteten. Im zarten Teenager-Alter habe ich ihn das erste Mal gesehen, und es ist nicht übertrieben zu sagen – nach diesem verrückten Action-Fantasy-Spukfilm mit Hongkong-Flair war ich ein anderer. Seitdem habe ich aber nicht nur ein Faible für große Strohhüte. Ich war damals sehr empfänglich für Geschichten, die zeigen, dass neben unserer sichtbaren noch eine andere, uns verborgene Welt existiert. John Carpenters Film spielt in San Franciscos Stadtteil China-Town. Doch: Einmal falsch abgebogen, finden sich Jack und Wang gleich inmitten eines Straßenkampfs zwischen zwei rivalisierenden Gangs wieder, bei dem auch die „3 Stürme“ – die Magier Regen, Donner und Blitz – und schließlich sogar Lo Pan mitmischen. Dies ist Jacks erste Begegnung mit dem Übersinnlichen, dabei bleibt es jedoch selbstverständlich nicht. Im Folgenden gewinnt man den Eindruck, dass tatsächlich hinter jeder Ecke und Tür eine bewusstseinserweiternde Überraschung auf die Helden wartet, und das war, wie gesagt eine Idee, die ich damals wie heute sehr mochte – das überall Geheimnisse und Überraschungen lauern. Und apropos Held: Kurt Russels Jack Burton ist ein wirklich interessanter Vertreter dieser Gattung, ein nicht gerade überkomplex gestrickter Charakter, aber ein Kumpel-Typ, einer, mit dem man Pferde bzw. entführte grünäugige Ladys (zurück-)stehlen kann. Neben der Non-Stop-Action und dem Ideenfeuerwerk ist es wahrscheinlich diese charmante Figur, die mir den Film, der so ehrlich und unbedarft ist wie sein Protagonist, so ans Herz hat wachsen lassen.

Bei aller Liebe zu dem Film gehören dazu auch noch ein paar melancholische Worte. Ich habe „Big Trouble In Little China“ in den letzten Jahrzehnten oft gesehen, doch spätestens mit der Begegnung vor ein paar Tagen muss ich leider feststellen, dass der Film – trotz aller Begeisterung, die ich oben geschrieben habe durchblicken lassen – seine Wirkung nicht mehr annähernd in dem Maße entfaltet wie früher. Ich gebe zu, diesmal habe ich ihn unter unvorteilhaften Bedingungen gesehen, gestückelt, in drei Anläufen, weil ich immer so müde war. Die letzte Etappe war die zermürbendste auf dem Fernseher meiner Eltern. Wir brauchten ca. eine Stunde, um eine DVD zum Laufen zu bringen und sind bis zum Schluss der Einstellung des komplizierten Soundsystems nicht Herr geworden. Das macht wahrscheinlich nur einen kleinen Teil des empfundenen Qualitätsverlusts aus. Vielleicht ist es die Übersättigung an Attraktionen, vielleicht lege ich heute einfach auf andere Dinge Wert als damals. Mit dem Film verhält es sich ein wenig so wie mit dem Jahrmarkt, den ich heutzutage auch nicht mehr mit der gleichen Faszination erleben kann wie als Kind. Das Gefühl ist einfach anders.

Wir hatten schöne Zeiten zusammen, aber jetzt behalte ich dich lieber in guter Erinnerung, anstatt mir durch die Wirklichkeit etwas anderes einreden zu lassen. Und während du, oh „Big Trouble In Little China“, dich auf dem festen Platz in meinem Herzen ein wenig ausruhen und neue Kraft schöpfen darfst, schaue ich mir ein paar der Filme an, die ich noch nicht so oft gesehen habe.

Bild © Twentieth Century Fox

The Raid 2 (Gareth Evans, Indonesien 2014)

Posted by – 30. Juni 2014

Kaum ein Film hat mich in den letzten Jahren so durchgerüttelt wie „The Raid“ (OT: Serbuan maut). In diesem irren Gewalttrip des walisischen Regisseurs Gareth Evans prügelten sich Polizisten und Gangster in einem Hochhaus fast 100 Minuten gegenseitig ins Nirwana. Anstelle des klaustrophobischen Szenarios setzt die Fortsetzung auf eine wesentlich komplexere Story sowie ein elaborierteres künstlerisches Konzept. Mehr noch als der Vorgänger wird der zweite Teil so zu einer Reflexion über das Wesen des Kämpfens an sich. Das hat durchaus seinen Reiz. Die Wucht und die Dringlichkeit des ersten Teils aber bleiben in der – mit zweieinhalb Stunden etwas langen – Fortsetzung ein wenig auf der Strecke. Mehr dazu, was mir an „The Raid 2” (OT:The Raid 2: Berandal)  gefallen hat und was nicht, gibt’s zu lesen auf Kino-Zeit.de.

Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan (Chor Yuen, Hongkong 1972)

Posted by – 21. April 2014

Meine neun #MARCHialARTs-Filme hatte ich im März brav zu Ende geschaut, es bisher aber leider versäumt, etwas zu „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“ (OT: Ai Nu)  zu schreiben. Genaugenommen hat sich der widersinnige Film schon während des Schauens ein wenig gesträubt – bis ich ihn dann schließlich ganz gesehen habe, hatte die chinesische Kurtisane mit ihrem tödlichen Blick schon zweimal dem VCL-Player den Garaus gemacht, von mehreren Aussetzern der Tonspur ganz zu schweigen. Und auch im Nachgang widersetzt er sich noch. Es fällt mir nicht leicht, den Finger darauf zu legen, warum er mir eigentlich so gut gefallen hat.

Die junge Ai Nu (Lily Ho Li-Li) wird entführt und von Gangstern an das Edelbordell „Vier Jahreszeiten“ verkauft, das unter dem eisernen Regime der Kung-Fu-Meisterin Lady Chun (Betty Pei Ti) steht. Jeder Versuch, sich zu wehren, wird grausam bestraft. Jahre später ist Ai Nu eine erfolgreiche und heiß begehrte Kurtisane. Doch Ainu hat nichts von dem, was ihr angetan wurde, vergessen. Ihr einziger Wunsch: Rache.

Schon diese paar Zeilen deuten vielleicht das breite Themen-Spektrum von Chor Yuens Film an. Er malt seine Geschichte in kräftigen Farben, kennt keine Tabus, weder bei Ai Nus obligatorischer Jungfrauen-Untersuchung oder späterer Genital-Folter, lässt Posaunen zur Vergewaltigung erschallen, ist Rache- bzw. „Rape & Revenge“- und Gefängnisfilm aber eben auch Martial Arts, Melodram, Liebesfilm und sogar Krimi. Weil Ai Nu schon früh gelernt hat, dass sie mit Gewalt nicht weiterkommt, hat sie ihre Strategie geändert. Sie verführt die lesbische Bordellchefin, die ein Auge auf sie geworfen hat und hat dadurch den Rücken frei, sich zunächst einmal um die Männer „zu kümmern“, die sie vergewaltigt haben. Der Polizist Chief Ji (Yueh Hua) beginnt zu ermitteln, und obwohl sein Verdacht schnell auf Ai Nu fällt, kann er der schönen Frau nichts nachweisen. Hier beginnt der Film übrigens, mit dem Anfang von Jis Nachforschungen, die Vorgeschichte bis zu diesem Punkt wird in Rückblenden erzählt.

Was ich an „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“ mochte, war auch seine Vielseitig- und Ernsthaftigkeit wie auch sein vergleichsweise hoher Härtegrad. Zum Schluss spritzt das Blut literweise und auch der ein oder andere Arm verbleibt nicht am zugehörigen Torso. Was den Film für mich letzten Endes großartig macht, ist, dass er trotz seiner Nähe zum Bahnhofskino und der Fülle an Themen doch eine Geschichte erzählt. Sinngemäß erklärt Ai Nu der Puffmutter und dem Zuschauer im Finale noch einmal das Kernthema: Am Anfang habe ich dich gehasst, sagt sie zu Chun, aber mit Hass konnte ich dich nicht besiegen, deswegen habe ich angefangen dich zu lieben. Interessant ist, mit welch langem Atem Yuen dieses Thema herausarbeitet hat und wie gekonnt er sogar noch das Doppelgänger-Motiv in seinen Film einfließen lässt. Zum Schluss ist es für den Zuschauer – für den europäischen wahrscheinlich noch viel mehr als für den chinesischen – nicht leicht den Überblick zu behalten, wer Ai Nu und wer Chan ist. Die Figuren verschwimmen, scheinen fast eins zu sein. Unmittelbar nach dem Film habe ich mich sogar gefragt, ob die Darstellerinnen nicht einige Male ihre Kleider getauscht haben, nur um mich zu verwirren. Das habe ich mir möglichweise aber nur eingebildet. Nichtsdestotrotz gelingt es Yuen nach den zuvor gelegten falschen Fährten ganz vortrefflich, seinen Film auf  ein zentrales Thema zuzuspitzen, eine Frau nämlich, die sich erst in ihre ärgste Feindin verwandeln musste, um sie besiegen zu können. Und ist das nicht die Crux und das Tragische an allen Rache-Filmen, dass das Opfer zunächst das Böse begreifen und schließlich selbst ein Teil von ihm werden muss?

Herzlichen Dank an Thomas, der mir dieses Kleinod aus der Shaw-Brothers-Schmiede zur Verfügung gestellt hat.

#MARCHialArts 6-8 (Liu Chia-Liang, Tsui Hark, John Hyams, HK, HK, USA 1978/97/2012)

Posted by – 24. März 2014

8 der 9 Filme der #MARCHialArts-Aktion habe ich hinter mir. Wegen Schreibfaulheit und viel um die Ohren kommt hier nur ein Sammelpost der letzten drei Filme:

The 36th Chamber Of Shaolin (Liu Chia-Liang, Hongkong 1978)

Mit „The 36th Chamber Of Shaolin“ (OT: Shào Lín sān shí liù fáng) habe ich wohl einen der Klassiker des chinesischen Kung-Fu-Kinos gesehen. Die Story: Im China der Qing-Dynastie herrschen die Tataren. Der junge Liu Yu Te will die Knechtschaft nicht länger hinnehmen und besucht das berühmte Shaolin-Kloster, um dort Kung-Fu zu lernen. Dazu muss er 35 Kammern durchlaufen, in denen er jeweils einen bestimmten Aspekt der Kampfkunst erwirbt. Diese Lernphase hat mir an „The 36th Chamber Of Shaolin“  eigentlich am besten gefallen. Was den Film aber weiterhin interessant macht, ist nicht nur die erstaunliche Akrobatik der Darsteller, sondern außerdem Einblicke in die Philosophie des Kampfsports und die freiheitliche Message: Kung-Fu ist für alle da! Es lebe die 36. Kammer!

Double Team (Tsui Hark, USA 1997)

Eigentlich unvorstellbar, dass „Double Team“, dieser fantastische Film, seit drei Jahren ungesehen in meinem Regal vor sich hinvegetiert. Es war einer der ca. 70 Filme, die wir von unseren Gästen zur Hochzeit bekommen haben. Warum hat es so lange gedauert bis ich – bekennender Tsui-Hark-Fan! – den endlich gesehen habe? Was von seinen Anlagen eindeutig ein B-Movie ist, wird in den Händen von Tsui Hark und mit schlagkräftiger Unterstützung des einzigartigen Jean-Claude van Damme zur Genre-Perle. Man muss sich nur kurz vorstellen, wie van Damme und Mickey Rourke im Minen gespickten Kolosseum von Rom den Endkampf ausfighten, während Dennis Rodman mit dem Motorrad und einem Kind unterm Arm ab und an durch’s Bild düst – und ach ja, dann ist da noch der Tiger… Soviel nur, um einen Eindruck des Irrsinns zu bekommen, dessen Celluloid gewordene Manifestation dieser Film ist. Danke, Mr. Hark!

Universal Soldier – Day Of Reckoning (John Hyams, USA 2012)

Mein einziger #MARCHialArts-Rewatch, aber ich musste dieses schmerzhafte Action-Manifest einfach noch einmal sehen (Eindruck vom letzten Mal hier). Schon im letzten Teil, „Regeneration“, hat John Hyams begonnen, den Mythos des verbesserten Menschen zu dekonstruieren. Doch während die Soldaten dort nicht mehr Herren über ihre Körper waren, geht Hymas hier noch einen Schritt weiter und raubt ihnen die Seelen. Im ersten Film von Emmerich waren es noch die Erinnerungen, welche die Soldaten zu Individuen machten und ihnen die Möglichkeit gaben, sich der Kontrolle des Militärs zu entziehen. Jetzt können sie sich nicht einmal mehr auf ihre Erinnerungen verlassen. Das einzige, was den Soldaten bleibt, ist die Lüge in ihrem Kopf. Dafür kämpfen sie. Das ist unsäglich traurig. Und lässt einen nicht mehr los.

Next Stop #MARCHialArts 9: „Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan“

Born To Fight (Hoi Mang, USA / Hongkong 1989)

Posted by – 14. März 2014

Born To Fight

#MARCHialArts 5

In den 1980ern habe ich so ziemlich alles mitgenommen, was das Fernsehen an Kung-Fu-Filmen im Angebot hatte. Später kam dann noch die Auswahl aus der heimischen Videothek dazu. Um Filme mit Cynthia Rothrock habe ich meist einen Bogen gemacht. Die erneute Begegnung mit ihr vor ein paar Tagen hat meine Vorurteile zwar nicht gänzlich aus dem Weg geräumt, mir aber gezeigt, dass ich Filme mit der blonden Kung-Fu-Lady heute anscheinend einigermaßen gut unterhalten überstehe.

In „Born To Fight“ (OT: Shi jie da shai), auch bekannt unter dem Titel „The Blonde Fury“ und etlichen weiteren Namen, geht es um die kampfstarke FBI-Agentin Cindy (Cynthia Rothrock), die nach Hongkong geschickt wird, um eine Geldfälscherbande hochzunehmen. Da vermutlich Zeitungsverleger Ron Deck (Ronny Yu) dahintersteckt, wird Cindy als Reporterin bei dessen Zeitung eingeschleust.  Bis sie herausfindet, dass Deck wirklich der Drahtzieher ist, vergeht nicht viel Zeit. Dementsprechend dauert es auch nicht lange, bis Cindy ihre Martial-Arts-Kenntnisse unter Beweis stellen muss.

Um die Qualitäten von „Born To Fight“ richtig zu würdigen, müsste man eigentlich noch auf weitere Figuren eingehen.  Da ist z.B.  Cindys Freundin Judy (Elizabeth Lee) und deren Vater Yu (Roy Chiao). Dieser ist Staatsanwalt und Hauptankläger im Falle Ron Deck sowie ein paar  trottelige Cops, die dem Zuschauer so manche Szene vermiesen oder versüßen – ganz nach Stimmung. Ich war anscheinend gut drauf, denn mich hat der ganze Klamauk, der sonst eher nicht mein Fall ist, hier nicht gestört. Ich empfand ihn sogar als bereichernd, weil er die Kämpfe in ein anderes Licht rückt. Bis es so richtig los geht und Rothrock auf Betriebstemperatur kommt, vergeht zwar ein wenig Zeit – die besseren Fights finden sich in der zweiten Filmhälfte –, aber wenn „Born To Fight“  erst einmal Fahrt aufgenommen hat, häufen sich die abgefahrenen Ideen, die für so manches entschädigen. Nicht so mein Fall waren z.B. der etwas schnelle Schnitt und der übermäßige Gebrauch von Zeitraffer und Zeitlupe. In seinen stärksten Momenten, dann, wenn es hart auf hart kommt, ist „Born To Fight“  allerdings richtig groß! Da ziehen die Kontrahenten auch schon mal das Sakko aus und Rothrock zeigt, dass hochhackige Schuhe und Feminismus durchaus vereinbar sind. Das kann man sich echt mal ganz gut angucken!

Bild © Splendid
 

The Princess Blade (Shinsuke Sato, Japan 2001)

Posted by – 13. März 2014

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In einer nahen Zukunft. Eine Gruppe von Auftragskillern, die Takemikazuchi, sorgt für die Einhaltung der Gesetze. Yuki (Yumiko Shaku) ist eine von ihnen. Als sie an ihrem 20. Geburtstag erfährt, dass ihre Mutter von Byakurai (Kyûsaku Shimada), dem Boss der Takemikazuchi, umgebracht worden ist, schwört sie Rache. Doch bevor sie die bekommt, muss sie erst einmal vor ihren eigenen Leuten fliehen. Auf der Flucht lernt sie den Rebellen und Attentäter Takashi (Hideaki Itô) kennen, der auf der anderen Seite des Gesetzes steht.

„The Princess Blade“ (OT: Shura Yukihime) von Shinsuke Sato, der auf dem Manga „Shurayuki Hime“ basiert, markiert den Tiefpunkt der bisher unter dem Motto #MARCHialArts geschauten Filme. Die Prämisse, der dystopische Hintergrund und die persönliche Rachegeschichte klingen auf dem Papier gar nicht schlecht, aber im Film funktioniert leider nichts davon. Ich weiß nicht, ob ich einfach zu unaufmerksam war, um gewisse Feinheiten oder die eigentlich recht ansehnlichen Location-Shots von Kameramann Taro Kawazu (im Wald, das Fabrikgelände, am See,..) richtig zu würdigen. Aber auf mich wirkte das alles einfach unglaublich öde, sowohl was die Beziehungen zwischen den Figuren als auch – von ein paar erfreulichen Momente abgesehen – was die Martial-Arts-Szene anbelangt. Hinzu kommt die eigentlich recht simple aber so undurchsichtig erzählte Story, dass mir bis zum Ende weder klar war, dass ich mich in der einer alternativen Gesellschaft der Zukunft befinde, noch dass Yuki und Takashi schon aus politischen Gründen eigentlich Feinde sind, was Takashis Job ist, welche Rolle genau der Tod von Yukis Mutter spielt usw. Worldbuilding: nebulös. Figurenzeichnung: schemenhaft. All das hat bei mir eine maximale Distanz zum Film aufgebaut – eine Kälte in der Rezeption, die schon fast an Teilnahmslosigkeit grenzte. Nicht ausgeschlossen, dass das alles bewusst gewählte Stilmittel sind, dass sich der Zuschauer dem Film so fern fühlen soll, damit er besser versteht, wie es den entfremdeten Figuren geht. Dieses Verständnis hat sich „The Princess Blade“ in meinem Fall aber zu teuer erkauft. Was bleibt ist ein trostloser Film mit einigen visuellen Vorzügen, aber großen erzählerischen Schwächen. Von hinten durch die Brust – am Auge dann aber doch noch einen unhandlichen Schwertgriff breit vorbei.

Bild © Highlight
 

300: Rise Of An Empire (Noam Murro, USA 2014)

Posted by – 9. März 2014

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Schon „300“ von Zach Snyder war in meinen Augen ziemlicher Müll – und das ohne ihm dafür faschistoide Tendenzen unterstellen zu müssen. Ich habe eh nicht verstanden, warum dieser Film in den Augen vieler Leute Kultstatus genießt. Die Kämpfe werden als eindrucksvoll und toll choreografiert bezeichnet, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Der Digi-Look tat sein Übriges, um diesem fürchterlichen Hybrid aus zynischem Comic und fremdbestimmtem Computerspiel jeden Ansatz von Unmittelbarkeit zu nehmen.

Angesichts von Noam Murros Nachfolger „300: Rise Of An Empire“ kann ich jetzt jedoch ein gewisses Verständnis für Snyders Film aufbringen. Immerhin kann man seinem Werk zugutehalten, dass es absolut schnörkellos erzählt ist. Kaum ein Gramm Fett zu viel am Körper dieses Spartaner-Films. Anders verhält es sich mit dem, was Murro hier veranstaltet. Der Film, der die Parallelereignisse zu „300“ schildert, erzählt von der Seeschlacht zwischen Griechen und Persern und wirkt, als wäre alles, was bei Snyder zu Gunsten einer straighten Story weggelassen wurde, stattdessen hier untergebracht: ein filmisches Waisenhaus für unerwünschte Ideen. Ästhetisch verfolgt Murro ein ähnliches Konzept wie der erste Teil. Ihm gelingen zugegebenermaßen einige gute Momente, beispielsweise, wenn man die Kämpfe wie durch eine Glasscheibe von unten sieht oder der Held am Ende mit einem Pferd über das schwimmende, brennende Schiffswrack galoppiert. Es gibt zwar viel Blut, aber keinen roten Faden, einen Leichenberg überflüssiger Ideen, aber keine dramaturgische Linie. Ein kleines Schwätzchen im Spartaner-Dorf, kurzer Schwenk zu dem Buckligen aus Teil eins, ach ja, schnell noch erzählen, wie Xerxes (Rodrigo Santoro) eigentlich so groß geworden ist. Ein Vater-Sohn-Konflikt und das Drama um den Ziehonkel. Es muss fast die Hälfte des Films vergehen, bis ich dahinterkomme, dass der griechische General Themistokles (Sullivan Stapleton) eigentlich die Hauptfigur ist – wobei auch das gleich wieder relativiert werden muss: Die einzig interessante Storyline des Films handelt nämlich von Artemisia (Eva Green), einer Griechin, die von ihren eigenen Landsleuten versklavt, gefoltert und vergewaltigt wurde, bis sie schließlich bei den Persern ein freundliches Zuhause findet. Sie ist die Antagonistin, die Gegenspielerin von Themistokles, aber für viele Zuschauer (wie auch mich) die eigentliche Heldin. Leider weiß Murro davon nichts und lässt die Figur zum Schluss gänzlich ehrlos über die Klinge springen.

Es lebe Hellas? Es lebe Sparta? Bitte nicht! Lasst im unzweifelhaft kommenden nächsten Teil bitte Artemisia wieder auferstehen – die einzige Lichtgestalt in diesem geschmacklosen, einfältigen und vor allem ziemlich seelenlos langweiligen Film aus der Rechnerkonserve.

Bild © Warner Bros. 
 

Chocolate (Prachya Pinkaew, Thailand 2008)

Posted by – 8. März 2014

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Heute ist Weltfrauentag. Aus diesem Grund, und weil ich es langweilig finde, dass sich im Bereich Martial Arts meist nur Männer die Fresse einschlagen, möchte ich in den kommenden Tagen ein paar Filme mit starken Heroinnen unter die Lupe nehmen. Den Anfang macht „Chocolate“ von Prachya Pinkaew.

Der Film handelt von der jungen Zen (Yanin Vismistananda), die Autistin ist – aber ein Ass in Sachen Kung Fu. Um Geld für ihre krebskranke Mutter zu besorgen, versucht sie sich anfangs mit kleinen Straßen-Shows etwas dazuzuverdienen. Das klappt mehr schlecht als recht, so dass sie schließlich dazu übergeht, das Geld von Gangstern einzutreiben, die ihrer Mutter noch etwas schuldig sind.

Ich mochte Prachya Pinkaews „Ong Bak“, auch wenn sich der thailändische Filmemacher dort weder als begnadeter Erzähler noch als besonders einfallsreicher Regisseur präsentiert hat. Doch die Kampfszenen waren anders als ich es aus chinesischen oder amerikanischen Produktionen gewöhnt war – direkter, körperlicher, kunstvoll aber nicht gekünstelt. Mit „Chocolate“ befindet sich Pinkaew immer noch auf dem eingeschlagenen Weg – weitergekommen ist er allerdings nicht. Man könnte jetzt noch alle möglichen Details der Story aufzählen, beispielsweise die Hintergründe von Zens Mutter Zin (Ammara Siripong), Zens Freundschaft zu Mangmoon (Taphon Phopwandee) usw., aber ehrlich gesagt, mich hat an „Chocolate“ alles, was nicht Kampf war, nicht überzeugen können. Eine packende Geschichte, mag sie auch noch so einfach sein, ist für jedes Genre – auch für Martial Arts! – essentiell. Und die funktioniert hier einfach nicht – sogar weniger noch als in „Ong Bak“. Das liegt sowohl an der umständlichen Erzählung, die ungeschickt beginnt, seltsame Momente highlightet, kein überzeugendes Ende bietet, aber auch an Pinkaews Unfähigkeit, Emotionen im Zuschauer zu wecken. Dabei hätte ihm gerade das mithilfe seiner charismatischen Heldin eigentlich gelingen müssen.

Selbst der Martial-Art-Parts des Films hat mich nicht gleich angesprochen. Am Anfang waren die Kämpfe etwas zu seicht und ich frage mich, warum Zens Gegner nach einem Stups schon zu Boden gehen und dort auch gleich bleiben. Dieser Aspekt hat sich im Verlauf des Films zum Glück gebessert, z.B. das Scharmützel in der Schlachterei kann sich sehen lassen und im Showdown, einem sensationellen Kampf zwischen Hochbahn und Hotelwand, zieht sich der Film dann noch am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit. So bin ich schließlich doch irgendwie auf meine Kosten gekommen. Ein gewisses Maß an Enttäuschung kann ich hinsichtlich meiner Erwartungen an den Regisseur und die Prämisse des Films aber dennoch nicht abstreiten.

Fazit: Zwiespältig.

Bild © 3L