Tag: Marvel

Captain America: Civil War (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2016)

Posted by – 25. April 2016

Wenn Superhelden die Welt retten, geht oft so einiges kaputt. Dass dabei auch Menschen umkommen, wird in Film und Comic allerdings oft verschwiegen. Nachdem DC in Zach Snyders „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ dieses Thema angegangen ist, zieht nun auch Konkurrent Marvel nach lässt die Regisseure Anthony Russo & Joe Russo, die sich schon mit „Captain America: The Winter Soldier“ für einen der besten Marvel-Filme verantwortlich zeichneten, das Kind aus dem Brunnen holen, frei nach dem Motto: Ernst, das können wir auch! Das Ergebnis, „Captain America: Civil War“, kann sich, wie ich finde, nicht nur sehen lasse – es ist ein Highlight innerhalb des leider etwas eintönigen Marvel Cinematic Universe. Dabei erfinden Russo & Russo das Rad gar nicht neu, im Gegenteil – ihr Film fügt sich bestens in die Reihe der bereits existierenden Filme ein. Aber sie schaffen es eben auch, das Franchise in eine neue, ernstere Richtung zu lenken, Akzente zu setzen indem sie einen zeitgemäßen, nachvollziehbaren Konflikt präsentieren, die Figuren glaubhaft agieren lassen und kraftvolle Szenen kreieren, die in Erinnerung bleiben. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird, ich glaube, es ist der richtige. Auf Kino-Zeit habe ich ein wenig mehr dazu geschrieben.

Ant-Man (Peyton Reed, USA 2015)

Posted by – 20. Juli 2015

Superhelden-Filme aus dem Hause Disney/Marvel – so mein Eindruck – stagnieren gerade auf hohem Niveau. Mittlerweile finde ich es gar nicht mehr so leicht, dazu überhaupt noch etwas Interessantes zu schreiben, so gleichgeschaltet kommen mir die Filme gerade vor. „Avengers: Age Of Ultron“ habe ich aus diesem Grund schon gar nicht mehr mit einem Text gewürdigt. „Ant-Man“ heißt nun der jüngste (Fließband-)Produkt aus der Marvel-Film-Schmiede, das – überraschender Weise – im engen Rahmen seiner Möglichkeiten sogar mal wieder für etwas Abwechslung sorgt. Argumente für den Film ist neben dem sympathischen Humor vor sein visueller Einfallsreichtum. Wenn man sich jetzt noch dazu entschließen könnte, mal keine 08/15-Geschichte zu erzählen und sich daran erinnern würde, dass vor allem spannende Konflikte und mehrdimensionale Figuren Filme interessant machen, dann würde ich mich vielleicht bald wieder zu den Marvel-Fanboys zählen. Für Kino-Zeit.de habe ich etwas zu „Ant-Man“ geschrieben.

Elektra (Rob Bowman, USA, Kanada, Schweiz 2005)

Posted by – 13. Dezember 2014

elektraWas ich über „Daredevil“ gesagt habe, nämlich dass er rückblickend vor allem deswegen so interessant ist, weil er sich von den geleckten, aktuellen Marvel-Produktionen abhebt, gilt für „Elektra“ sogar noch mehr. Das liegt nicht nur an der Heldin – eine absolute Ausnahmeerscheinung in der männerdominierten Filmwelt Marvels – sondern auch an seiner von einer seltsamen Melancholie und Schwere durchzogenen Stimmung.

Elektra Natchios (Jennifer Garner) arbeitet als Profikillerin. Bei ihrem neuen Auftrag – auf einer abgelegenen Insel soll sie Mark Miller (Goran Višnjić) und dessen 13-jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) umbringen – schaltet sich ihr Gewissen ein. Sie lehnt den Job ab. Und ehe sie sich versieht, befindet sie sich in der Rolle der Beschützerin der Millers. Keine leichte Aufgabe, denn die gefährliche Verbrecherorganisation „Die Hand“ hat es auf Vater und Tochter abgesehen.

In kurzen Rückblicken erfährt der Zuschauer, dass Elektra, die ja eigentlich in „Daredevil“ gestorben war, von einem blinden Sensei namens Stick (Terence Stamp) von den Toten zurückgeholt und zu einer noch besseren Kämpferin ausgebildet wurde. Vielleicht war es ihr Tod, vielleicht die Ausbildung durch Stick oder das tägliche Meditationstraining, jedenfalls ist Elektra seitdem nicht nur besonders kampfstark, sondern kann manchmal auch einen Blick in die Zukunft werfen. Wenn man von dieser Fähigkeit absieht, und davon dass die Schergen der Hand mit Superkräften ausgestattet sind, könnte „Elektra“ auch als bodenständiger Actionfilm über Profis auf Abwegen durchgehen. Ja, wahrscheinlich funktioniert nahezu jeder Vertreter dieser Kategorie, der nach dem Muster „Killer kneift und bekommt danach selber Ärger“ aufgebaut ist. Und in der Tat strahlt Bowmans Film die Melancholie und Einsamkeit aus, die in diesem Genre charakteristisch ist. Zwar sind auch viele Superhelden Einzelgänger, müssen sie ja darauf achten, dass niemand ihre zweite Identität erkennt, doch so richtig trostlos geht es dort trotzdem nicht zu. Es ist eher eine kindliche Lust an Heimlichkeiten, würde ich mal behaupten, das viele Superhelden-Filme gemeinsam haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Elektra ist schon durch ihr rotes Kostüm farbdramaturgisch in dem entsättigten Film isoliert, aber auch dem Charakter ihrer Figur fällt es unglaublich schwer, andere Menschen an sich heranzulassen. Hier wartet der Film auch nicht, wie sonst üblich, mit einem Charakterwandel auf – ein Küsschen hier, ein freundlicher Blick da, aber ansonsten bleibt Elektra die einsame Wölfin und unnahbare Killerin. Trotzdem ist der Film natürlich kein ausgefeiltes Psychogramm, sondern immer noch eine Comic-Verfilmung, in gewisser Hinsicht so eine besonders grob geschnitzte. Genauer darüber nachdenken, was da eigentlich warum passiert, sollte man eher nicht, das versaut einem den Spaß. Auf die Comic-Elemente möchte ich aber genauso wenig verzichten wie auf übernatürlichen Aspekte des Films, besonders die von Hong-Kong-Kino inspirierten (Super-)Schurken, den geschwinden Boss, einen steinharten Koloss, eine Dame, deren Küsse töten und ein Tätowierter, der die Bilder auf seinem Körper zum Leben erwecken kann. Besonders letztgenannter hat es mir angetan. Die Kämpfe mit den Schurken sind allesamt ordentlich choreografiert und hübsch anzusehen und warten mit der ein oder anderen feinen visuellen Idee auf.

Wenn man, wie gesagt, mal davon absieht, dass die Geschichte hinten, vorne und mittendrin kaum Sinn macht (was mir persönlich ziemlich leicht fällt), kann man durchaus mal behaupten, dass man es bei „Elektra“, wenn auch nicht mit einem Meisterwerk, so doch mit einem unterschätzten Beitrag im Marvel-Universum zu tun hat. Aus dem Giftschrank einer der bekömmlicheren Tropfen.

Bild © Universum
 

The Amazing Spider-Man 2 (Marc Webb, USA 2014)

Posted by – 14. April 2014

Das Spider-Man-Reboot durch Marc Webb wurde gemischt aufgenommen. Ich gehörte zu den Leuten, die nur wenig gute Worte für den Film gefunden haben. Zwei Jahre sind vergangen, nun erscheint mit „The Amazing Spider-Man 2 die Fortsetzung (hierzulade gewohnt umständlich: „The Amazing Spider-Man: Rise Of Electro“). Und Überraschung, die hat mir tatsächlich ein gutes Stück besser gefallen – auch wenn sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, wie der erste Teil. In aller Kürze: Webb ist ein Meister des Augenblicks, der einige grandiose Momente aus dem Ärmel schüttelt. In manchen Szenen war sie da, diese Gänsehaut – das Spider-Man-Gefühl! Außerdem rechne ich es dem Regisseur hoch an, dass zumindest versucht, das Spider-Man-Universum zu erweitern und der Geschichte neue Facetten abzuringen. Auch wenn er sich hier leider verzettelt. Webb hat zu viele Elemente in der Luft, hantiert mit sehr unterschiedlichen Stimmungen, macht viel ein bisschen, aber wenig richtig. Superschurke Electro (Jamie Foxx) hin oder her: bei Kernstück des Films – der Beziehung zwischen Peter Parker und Gwen Stacy (Emma Stone) – scheitert Webb. Hier frühen einfach keine Funken. Meine komplette Kritik gibt’s auf Kino-Zeit.

Ghost Rider: Spirit of Vengence (Mark Neveldine, Brian Taylor, USA 2012)

Posted by – 12. April 2014

ghostrider2Um seinen Vater vor dem nahenden Tod zu retten, hat Johnny Blaze (Nicolas Cage) einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Seither ist er dazu verdammt, sich in einen Dämon – ein Skelett mit brennendem Schädel: den Ghost Rider – zu verwandeln und Jagd zu machen auf verdorbene Seelen. Sich im hintersten Eckchen Osteuropas zu verstecken und dort in einer finsteren Baracke mit seinem Schicksal zu hadern, hilft Blaze nicht wirklich – auch hier findet ihn sein Schicksal. Und zwar in Gestalt des gottesfürchtigen Moreau (Idris Elba), der versucht, Blaze für einen himmlischen Auftrag zu gewinnen: Er soll mithilfe seines inneren Dämonen den kleinen Danny (Fergus Riordan) beschützen, auf dessen Fersen sich der Teufel persönlich (Ciarán Hinds) geheftet hat. Denn Danny ist das uneheliche Kind des Herrschers der Finsternis.

Nach der ersten „Ghost Rider“-Verfilmung durch Mark Steven Johnson im Jahr 2007 stand es nicht allzu gut um den finsteren Marvel-Helden. Die Begeisterung des Publikums hielt sich in engen, sehr engen Grenzen und auch die Kritik reagierte hämisch. Zur Überraschung nicht Weniger wurde trotzdem ein Teil aus der Taufe gehoben, der – und hier kann man wirklich staunen – fast auf ganzer Line überzeugt. Nach dem ersten Sehen wollte ich schon laut „Meisterwerk!“ in den Kinosaal rufen. Und obwohl sich die anfängliche Euphorie bei der ebigen Zweitsichtung etwas gelegt hat, finde ich den eigenwilligen Film immer noch sehr gut. Das Regisseur-Team Mark Neveldine und Brian Taylor, bekannt geworden durch „Crank“ und „Gamer“, scheren sich kaum um den ersten Teil, sondern gehen den (Anti-)Helden-Stoff ganz neu an. Heiße Öfen, brennende Schädel und sehr viel Action ist die neue Direktive und auch wenn der extrovertierte, überbordende Stil der beiden Regisseure meine Sache bisher nicht war – in diesem Fall kann ich mir kaum etwas besseres vorstellen. Neveldine und Taylor tunen den Antihelden-Stoff um den Ghost Rider nach allen Regeln der Kunst, treten ordentlich auf’s Gaspedal und rasen mit Vollgas durch die plotlochdurchzogene Story.

Logik? Egal! Nachvollziehbare Figuren und plausibles Verhalten? Wozu!? Hauptsache es bratzt! Und das tut es (auch wenn das Finale leider etwas abfällt). Es sind aber nicht nur die Action-Szenen und viele insznenatorische Ideen, wie z.B. die, dass der Film in manchen Fights in eine andere Dimension wegzudriften scheint, die gefallen. Auch die Gags zünden, wie etwa als Blaze ausführt, wie der Ghost Rider pinkelt. Zumindest mein Humor war das. Wer’s glatt poliert mag, sieht definitiv den falschen Film. Wer nichts gegen Schlaglöcher hat und es mag, wenn’s heftig qualmt und ruckelt, ist hier aber genau richtig! Und auch wer glaubt, er hätte schon jede Nicolas-Cage-Grimasse sehen, kann hier noch etwas entdecken.

Bild © Universum Film
 

Captain America: The Winter Soldier (Anthony Russo, Joe Russo, USA 2014)

Posted by – 22. März 2014

Es ist nicht die Zeit für patriotische Helden, deren Kostüm aussieht, wie aus einer Amerika-Flagge zusammengenäht. Habe ich gedacht. Das erste Solo-Abenteuer von Captain America vor drei Jahren hat mich in dieser Ansicht bestärkt. Mit „Captain America: The Winter Soldier“ haben mich Anthony und Joe Russo nun allerdings eines Besseren belehrt. Geht anscheinend doch. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen. Ein wenig geschwätzig zwar und in manchen Momenten over the top, war ich dennoch erstaunt, wie offensiv und mutig hier die Gefahr, die von allmächtigen Geheimorganisationen ausgeht, kritisiert wird. Dass die Antwort auf diese Bedrohung gerade ein Mann in nationalfarbenen Strumpfhosen sein soll, ist bestimmt diskussionswürdig, aber auf jeden Fall weniger trivial als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Systeme können sich nicht selbst heilen. Dazu bedarf es Menschen. Und zwar solche, die transparent agieren, die vertrauenswürdig sind und in der Lage, selbst zu vertrauen. Woran man denn die Bösen erkennt, wird im Film einmal gefragt. Das sind die, die auf dich schießen, antwortet Captain America. So einfach ist es vielleicht nicht. Doch den Impuls, die totale Überwachung und Waffensysteme, welche angeblich der Sicherheit dienen, unbedingt und entschlossen abzulehnen, kann ja wohl so falsch nicht sein. Dass diese Haltung gerade von einem Mann vertreten wird, der aus der Vergangenheit der USA kommt, ist vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen natürlich besonders interessant. Ja, „Captain America: The Winter Soldier“ hat mich überrascht. Ein unterhaltsamer Film. Und vielleicht sogar ein schlauer. Die Action-Szenen nicht zu vergessen. Zumindest derer drei sind ziemlich geil. Für Kino-Zeit.de habe ich eine Kritik geschrieben.