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The Zero Theorem (Terry Gilliam, UK / Rumänien / Frankreich / USA 2013)

Posted by – 23. Oktober 2014

The Zero TheoremWenn da nicht sein Job wäre – er knackt für eine Firma Entitäten – würde Qohen Leth (Christoph Waltz) am liebsten den ganzen Tag zu Hause sitzen und auf den Anruf warten, der ihm den Sinn seines Lebens verrät. Dann erlaubt Management (Matt Damon) Qohen auf einmal die Heimarbeit, er muss dafür allerdings als Gegenleistung das sogenannte „Zero Theorem“ lösen. Unterstützt wird er dabei von Managements Sohn Bob (Lucas Hedges) und der Prostituierten Bainsley (Mélanie Thierry). Sollte er den Code knacken, winkt als Belohnung genau jener Anruf auf den er seit Jahren verzweifelt wartet.

Terry Gilliam hat der Welt schon so manches Meisterwerk beschert. Allen voran „Brazil“, seine persönliche Version von Orwells „1984“, aber auch den rührenden „König der Fischer“, die kultige Bibelsatire „Das Leben des Brian“, den düsteren Endzeitfilm „12 Monkeys“ und den schrägen Zeitreise-Trip „Time Bandits“. Doch er hatte es selten leicht mit seinen Filmen. Ein permanenter Kampf gegen die Studios, kreative wie auch finanzielle Restriktionen und tragische Zufälle wussten schon so manches seiner Werke zu beeinflussen oder sogar zu verhindern. Fast wirkt sein Schaffen wie das des Don Quijote – einen Film den er – erfolglos – seit Jahren zu realisieren versucht. Mit „The Zero Theorem“ hat er es ein weiteres Mal geschafft, dem Nichts einen Film abzuringen. Das ist zunächst mal etwas sehr Schönes! Wenngleich „The Zero Theorem“ alles andere als ein freundlicher Etwas geworden ist. Hinter dem bunten Reigen ist die gewohnte Gesellschaftskritik des unangepassten Filmemachers unschwer zu erkennen, doch die Bitterkeit des Films, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennt, ist sogar für Gilliam ungewöhnlich.

Was seine Geschichten verbindet, ist das Thema Fantasie. Aber nicht solche Art von Fantasie, die bei Einhörnern schon ihr Ende findet. Gemeint ist Fantasie als Gegenpol zur konformisierenden Gesellschaft, als menschliches Vermögen und potentiell grenzenloses Refugium innerhalb unserer Köpfe, Fantasie die letzten Endes nichts weniger ist als die Voraussetzung für Freiheit schlechthin. Darum geht es auch in „The Zero Theorem“. Hier stellt Gilliam die Sinnfrage. Der Film ist ein buntes Potpourri aus seinen Ideen. Munter mischt Gilliam Fragmente aus seinen Stoffen zusammen, fertig ist das Alterspatchwork, ein Museum der aussortierten Dinge, ein Schrottplatz seiner ganz persönlichen Ideen-Geschichte. Lustig ist das nicht und nicht immer unterhaltsam, mitunter sogar etwas nervig. Aber es ist mit der Eindringlichkeit eines Mannes vorgetragen, der weiß, dass er gegen Windmühlen kämpft. In der alternativen Realität des Films kommt Gilliam dann auch zu dem gar nicht so alternativen, sondern sehr wirklichkeitsnahen Ergebnis, dass die Suche nach einer tieferen Bedeutung längst zugunsten zügellosen Konsums aufgegeben wurde. Freiheit, Glück, Sinn hat das System beinahe jeden glaubend gemacht, ist nur innerhalb des Systems möglich. Lediglich der Protagonist, Qohen Leth, der in einer heruntergekommenen Kirche haust, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Eine Zeit lang glaubt er, dass irgendwann das Telefon klingeln und eine Stimme ihm den Sinn seiner Existenz offenbaren wird. Traurig ist Gilliams Film nicht deswegen, weil Qohens Glauben zum Schluss erschüttert wird, sondern weil er Erlösung findet – in einer quietsche-bunten, künstlichen Traumlandschaft von der Stange.

Bild © Concorde Filmverleih
 

Elysium (Neill Blomkamp, USA 2013)

Posted by – 8. August 2013

ElysiumElysion – das ist in der griechischen Mythologie eine Insel, die für die unsterblichen Helden reserviert ist. Reserviert ist Elysium – eine riesige Raumstation im Orbit der Erde – in Neill Blomkamps zweitem Langfilm auch. Allerdings nicht für Helden, sondern für die Reichen und Mächtigen. Die Erde ist im Jahr 2154 ein Jammertal, in dem die Menschen mehr schlecht als recht über die Runden kommen.

So auch der vorbestrafte Max (Matt Damon), der im überbevölkerten Los Angeles lebt und schwer für seinen Lebensunterhalt schuftet. Als er bei einem Arbeitsunfall verstrahlt wird, hat er nur noch eine Chance, sein Leben zu retten: Er muss nach Elysium, nur dort gibt es die medizinischen Mittel, ihn zu heilen. So leicht ist es allerdings nicht, dorthin zu gelangen. Verteidigungsministerin Delacourt (Jodie Foster) wacht wie ein Bluthund über die Raumstation und schreckt auch nicht davor zurück, Shuttles, die versuchen zu landen, eiskalt abzuschießen. Unterstützt wird sie von ihrem „Außendienstmitarbeiter“, dem Söldner Kruger (herrlich over the top: Sharlto Copley). Doch Max erhält unerwartete Hilfe: Für Gangsterboss Spider (Wagner Moura) soll er noch einmal einen Auftrag ausführen, dann wird dieser ihm helfen, nach Elysium zu gelangen.

Die Erwartungen an Blomkamp waren nach seinem auffällig frischen Debüt „District 9“ ziemlich groß. Der junge südafrikanische Filmemacher erfüllt sie auch, zumindest insofern, als dass es ihm abermals gelingt, den Zuschauer in seinen Film richtiggehend zu entführen und ihn spüren zu lassen, wie sich die Welt dort anfühlt. An Atmosphäre und Stimmung lässt „Elysium“ kaum etwas zu Wünschen übrig. So muss Science Fiction sein. Eine Sequenz, die vielleicht besonders deutlich macht, wie die Welt im 22. Jahrhundert tickt: Max ist auf dem Weg zur Arbeit. Unterwegs gerät er in eine Polizeikontrolle, bei der er von einem Roboter grundlos zusammengeschlagen wird. Schwer verletzt schleppt er sich trotzdem zu seinem Job und macht seine Schicht, denn er weiß: ohne Arbeit und Lohn ist sein Leben keinen Penny mehr wert. Sowieso scheint den Menschen auf der Erde ihr Körper nicht viel wert zu sein. Er ist lediglich die Maschine, die für ihn arbeitet. Ist sie kaputt, wird sie repariert. Kann sie etwas nicht leisten, wird sie durch Technik verbessert. Schmerz spielt keine Rolle. Max zögert also keinen Moment als ihm der Ganove Spider für seinen nächsten Job den Schädel aufsägt, einen Computer ins Hirn verpflanzt und ihm ein Exoskelett an die Knochen schmiedet. „Elysium“ ist auch richtig schön dreckiger Cyberpunk!

Dass der Film trotzdem dann und wann etwas durchhängt, hat mit einem Problem zu tun, das auch schon bei „District 9“ auftauchte. Viele Ideen wirken oft nur angedeutet, was sich vor allem bei den Figuren bemerkbar macht. Die Geschichte wird, oft mehr schlecht als recht, durch den Plot des Films nach vorne getrieben, aber nur selten durch mehrdimensionale Charaktere. Blomkamp nimmt es sich diesmal anders vor, doch die in die Story implantierte Hintergrundgeschichte des Helden sowie die Beziehung zu seiner Flamme (leider mal wieder eine sehr schlicht gehaltene Frauenfigur), geben dem Ganzen nicht mehr Tiefe, sondern vermitteln eher den Eindruck eines lieblosen Versatzstücks.

Doch wo viel hell ist, da darf es auch etwas dunkel sein. Auf der einen Seite das ätherische Elysium, auf der anderen die überbevölkerte, schmutzige Erde. Hier ein paar schnell hingehuschte Ideen, dort Kinomomente wie man sie in diesem Jahr noch nicht erleben durfte. „Elysium“ ein Science-Fiction-Film, den sich kein Genre-Fan entgehen lassen sollte. Hinter dem manchmal Provisorischen, oft etwas Plakativen, gibt es auch viel zu entdecken. Blomkamp zeigt mit seinem zweiten Film, dass er ein Thema hat, woran sein Herz hängt. Er zeichnet stimmungsvolle dystopische Skizzen der Zukunft und beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit. Er fragt auch: Wie ändert sich der Mensch durch äußere Einflüsse, durch Technik beispielsweise. Und noch einmal zum Titel: Elysion war den Helden vorbehalten. Wie die Bewohner der Raumstation zu ihrem Platz an der Sonne gekommen sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Doch genau an diesem Punkt, bei der Frage, wer wie zu Reichtum gelangt und wer die echten Helden sind, liegt die im Krawumm etwas untergegangene Substanz des Films und meiner Meinung das moralische Statement des Regisseurs. Helden sind für Blomkamp allein diejenigen, die für das Wohl anderer, für eine gerechtere Welt kämpfen und bereit sind, dafür etwas zu opfern. Privilegien verdient sich daher kein Held durch sein Tun. In Blomkamps Welt kann nur eine klassenlose Gesellschaft eine gerechte sein.

Angeregt durch den Film-Quickie mit Sophie stellt sich mir noch eine Frage. Bis auf Max’ Freundin Frey (Alice Braga) und die böse Sicherheitschefin Delacourt sind alle Figuren Männer. Sogar die Rolle von Jodie Foster war eigentlich für einen Mann bestimmt. Warum ist das so? Ich behaupte mal, dass der Film bei den Kritikern und beim Publikum noch besser wegkommen und „Elysium“ an den Kassen mindestens so erfolgreich sein würde, wenn die Rollenverteilung anders herum wäre. Außerdem hätte Blomkamp seine Vision des Jahres 2154 noch etwas glaubhafter machen können. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Frauen in der Zukunft so wenig eine Rolle spielen.

Bild © Sony
 

Bourne-Trilogie (Doug Liman, Paul Greengrass, USA 2002/2004/2007)

Posted by – 6. September 2012

In einem Abwasch bespreche ich hier für euch die „Bourne“-Trilogie – die ja eigentlich keine ist. Das beweist der vierten Teil, der gerade im Kino läuft.

In „The Bourne Identity“ wird ein Mann (Matt Damon) aus dem Wasser gefischt. Sei Gedächtnis hat er verloren. Trotzdem wird schnell klar, dass er kein einfacher Tourist ist, der über Bord gegangen ist. Bei seiner Suche nach sich selbst bringen ein Mikrochip unter seiner Haut und seine besonderen Fähigkeiten den Mann schnell auf eine heiße Spur: Er ist Superagent Jason Bourne, der im Namen der amerikanischen Regierung als Killer gearbeitet hat. Seine Auftraggeber haben allerdings gar kein Interesse, dass Bourne frei herumläuft und so findet sich der ehemalige Killer selbst auf der Abschussliste wieder. Hilfe erhält er nur von Weltenbummlerin Marie (Franka Potente).

Der erste Teil ist – trotz gut inszenierter Action – definitiv der gefühlvollste aller drei Teile. Und das liegt an Franke Potente. Sie bringt einen Ton in den Film, der den Nachfolgern völlig abgeht. Manchmal wirkt es ja ein bisschen seltsam, wenn deutsche Schauspieler in internationalen Produktionen den Deutschen geben müssen. Nicht so bei Potente. Ihre Figur fügt sich völlig natürlich in die Geschichte ein. Und auch die Chemie zwischen ihr und Damon stimmt. Dazu sind die Personen in der Agency – voran die von Brian Cox und Chris Cooper gespielten Bösewichte – ebenfalls einfallsreich, mehrdimensional und gut gespielt. Die Figuren  in Teil eins sind wirklich glaubwürdig –  und das ist etwas, nicht von allen Personen in den kommenden Teilen behaupten kann.

Der erste Teil endet mit einem Etappensieg für Bourne. Wenn sie ihn nicht in Ruhe lassen, werde er den Kampf vor ihre Haustür tragen. Das darf der Zuschauer dann in den nächsten beiden Teilen erleben.

Ab „The Bourne Supremacy“ ist alles etwas anders. Das liegt daran, dass Doug Liman von Paul Greengrass abgelöst wird, der schon mit „Bloody Sunday“ einen ganz fantastischen, halb-dokumentarischen Film gemacht hat. Seinem Stil – der omnipräsenten Handkamera, den Parallelmontagen und rasanten Schnitten –  ist er auch in seinen beiden „Bourne“-Filmen treu geblieben – ja, er scheint ihn geradezu perfektioniert zu haben.

Jason und Marie sind in Teil zwei untergetaucht und haben sich in Indien ein eigenes Leben aufgebaut. Doch eine politische Intrige zerrt den ehemaligen Agenten wieder ans Tageslicht und belastet ihn darüber hinaus mit einem Mord, den er allerdings nicht begangen hat. Mit letzter Kraft kann Bourne seinen Häschern entkommen. Marie hat allerdings nicht soviel Glück. Bourne beschließt darauf hin, ein für alle Mal mit seiner Vergangenheit aufzuräumen.

Was die Action betrifft, ist der zweite Teil ein einziger Rausch und damit absoluter Genuss. In diesem Moment würde ich „The Bourne Supremacy“ sogar nach „A Quantum Of Solace“ als besten Action-Film der letzten 10 Jahre bezeichnen, auch, weil hier künstlerische Gesichtspunkte nicht zu kurz kommen. Im Gegensatz zum folgenden Teil hat es Drehbuchautor Tony Gilroy auch noch geschafft, ein passables Script zu fabrizieren, das die Geschichte um Jason Bourne weiter voran treibt und bei paar Überraschungen bereit hält. Auch die emotionale Seite der Geschichte kommt – vor allem am Anfang bei Maries Tod und am Ende, wenn Bourne nach Russland reist – nicht zu kurz. Auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein können, haben mir beim nochmaligen Gucken der ersten und zweite Teil beide ungefähr gleichgut gefallen.

Der dritte Teil, „The Bourne Ultimatum“, geht genau dort weiter, wo der zweite endete. Bourne ist bei seiner Reise nach Moskau, wo er der Tochter seines ersten Opfers seine Taten beichtet, schwer verletzt worden – schafft es aber mit letzter Kraft zu fliehen. Doch damit hat der gebeutelte Agent noch immer keine Ruhe. Denn die Regierung ist ihm weiterhin dicht auf den Fersen. Wird es Bourne endlich schaffen, die falschen Vorwürfe gegen ihn zu entkräften und seine Erinnerung endgültig wieder herzustellen.

Der dritte Teil könnte unter dem Motto stehen: „Jemand ist für all das verantwortlich. Und ich werde ihn finden.“ Die Kausalkette lässt sich natürlich immer weiter zurückverfolgen, weil jede Wirkung eine vorausgehende Ursache hat. So kann man natürlich noch hundert weitere Bourne-Filme drehen. Aber die eigentliche Geschichte ist meiner Meinung nach schon in Teil zwei erzählt und alles was hier noch drangehängt wird, macht die Ausgangsidee nicht besser. Hinzu kommt ein wirklich schlechtes Drehbuch, dass zahlreiche Elemente der Vorgänger einfach dreist kopiert und dem Zuschauer ansonsten auch noch ziemlich viel Unsinn auftischt. Durch die rasante Inszenierung von Greengrass wird aber sogar „The Bourne Ultimatum“ (was für ein Ultimanum eigentlich?) zu einem einigermaßen kurzweiligen Filmerlebnis.

Fazit: Die drei „Bourne-Filme“ sind nicht gleich gut, aber alle machen Laune. Wenn man mal eine gute Agenten/Action-Reihe sehen möchte, dann macht man mit den Filmen bestimmt nichts falsch.

P.S. Ein besonderes Kompliment geht noch an die Polizei in jedem Land. Egal ob in Deutschland, Russland, Marokko oder Schweiz – die Beamten verstehen ihr Handwerk. Sie lassen nicht locker, komme was wolle. Aus diesem Grund setzen sie Bourne manchmal auch mehr zu als alle Super-Spezial-Agenten der Regierung zusammen.

Bild © Universal Pictures