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Mad Max Beyond Thunderdome (George Miller, George Ogilvie, Australien 1985)

Posted by – 10. Juni 2015

Als Max (Mel Gibson) sein Gefährt geklaut wird, sieht er sich gezwungen, die Händler-Siedlung Bartertown aufzusuchen. Dort hofft er seine alte, kamelgezogene Fahrzeugkarosse wiederzubekommen. Stattdessen gerät er mit der Möchtegern-Herrscherin Aunty Entity (Tina Turner) aneinander, mit der er aber einen Deal machen kann: Gelingt es Max, ihren Widersacher MasterBlaster (Angelo Rossitto & Paul Larson) aus dem Weg zu räumen und ihr so den Weg zur absoluten Macht über die Stadt zu ebnen, bekommt er seinen Wagen zurück.

Ich kann gut verstehen, dass der dritte Teil nicht ganz den Beliebtheitsgrad erreichen konnte wie die beiden Vorgänger. Kurzweilig ist freilich auch er. Doch was gibt es nach „Mad Max 2: The Road Warrior“ eigentlich noch zu erzählen? Jedenfalls konnte es nicht weiter bergab gehen, deswegen musste der dritte Teil wieder ein Stück zivilisierter zugehen. 15 Jahre sind seit Max’ Auseinandersetzung mit Humungus und dessen Bande vergangen. Zwar ist das Benzin knapper denn je, doch haben sich die Menschen wieder zusammengefunden in dem Versuch, ein Stück Zivilisation zurückzubringen. In Bartertown hat man begonnen, Handel zu treiben und es sogar geschafft, ein paar rudimentäre Regeln für das Zusammenleben aufzustellen. Gibt’s Zoff, müssen die beiden Streithähne ihre Zwistigkeiten in der Donnerkuppel austragen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Konflikte klein bleiben und schnell gelöst werden. So weit, so schön. Aber vielleicht ist das für die Fans der ersten beiden Teile eben auch etwas zu schön. Klar, das Benzin ist knapp, das Wasser ist verseucht und auch mit der Zahnpflege ist es in dieser Zukunft nicht weit her. Aber es gilt eben nicht mehr nur das Recht des Stärkeren respektive Schlaueren, sondern man scheint dies- und jenseits der Donnerkuppel gewillt, etwas aufzubauen. Vom Nihilismus der Vorgänger ist jedenfalls nicht mehr viel zu sehen. Außerdem hat der Film (für mich fühlt er sich sogar ein wenig wie zweieinhalb Filme an) anderes als die beiden Vorgänger eine richtige Geschichte.

Wie gesagt, ich finde es nachvollziehbar, dass sich Teil 3 vielleicht etwas zu sehr nach Hollywood für den einen oder anderen nicht mehr so ganz nach „Mad Max“ anfühlt. Doch ich gebe zu bedenken, dass George Miller hier ganz folgerichtig weiterführt, was er in den beiden Vorgängern begonnen hat. Kompromisse macht er auch hier keine. Wenn die große Überschrift des drei- bzw. mittlerweile vierteiligen Anti-Evangeliums möglicherweise das Scheitern ist, so geht es in „Mad Max Beyond Thunderdome“ doch eindeutig um Visionen des Wiederaufbaus bzw. deren Dekonstruktion. Während die Materialisten von Bartertown ihr Utopia auf Schweinemist errichten (daraus gewinnen sie Energie), hat sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in einer Oase tief in der Wüste hausen und scheinbar einen recht nachhaltigen Lebensstil pflegen, ganz aufs Hoffen verlegt. Hoffen, dass jemand kommt und sie rettet. Hoffen, dass dieser jemand sie ins Paradies – nach Übermorgenland – bringt. Der Retter wider Willen ist natürlich mal wieder Max, der zwar weiß, dass der Garten Eden verloren ist, der den Jünglingen ihren Glauben aber nicht ausreden kann.

Irgendwie fühlt es sich für mich so an, als wäre die Reihe mit dem dritten Teil in ihre spirituelle Phase eingetreten. Anhand von zwei Gruppen stellt Miller zwei Glaubenssysteme vor, die sich in Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit und dem Untergang der Zivilisation herausgebildet haben. Wenn ich dem Film einen Vorwurf machen müsste, dann wäre das nicht, dass er nichts Neues zu erzählen hat, sondern dass er seine Ideen nicht konsequent genug weiterentwickelt. Irgendwann treffen Oasenbewohner auf Bartertownerianer zusammen, es kommt zu einer Verfolgungsjagd im Stile des zweiten Teils und dann war es das leider auch schon mit dem Film. Andererseits kann man Miller dankbar sein, dass er ganz zum Schluss zumindest insofern konsequent ist, dass der zu einfachen Denksystemen eine Absage erteilt und den Zuschauer wieder mit einer Irritation entlässt: Da sitzen die Jünglinge im ersehnten Übermorgenland, aber was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Happy End aussieht, ist in Wirklichkeit nur ein Exitus Interuptus und man darf sich durchaus fragen, ob die Idee mit dem Schweinemist nicht vielleicht doch die bessere war.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins & zwei.

Mad Max 2: The Road Warrior (George Miller, Australien 1981)

Posted by – 4. Juni 2015

Apokalypse – das ist, wenn die Welt untergeht. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Enthüllung“, „Entschleierung“. Gemeint ist damit der tatsächliche Welt-Untergang, das Ende der Geschichte und – wie manche glauben – das Reich Gottes. In George Millers „Mad Max“-Fortsetzung liegt das Ende schon hinter uns. Wer denkt, schlimmer als die Vernichtung der Zivilisation könnte es den Menschen nicht treffen, sieht sich durch „Mad Max 2: The Road Warrior“ eines besseren belehrt. Vom Paradies jedenfalls keine Spur.

In einem postapokalyptischen Ödland streiten sich die letzten Überlebenden um die verbliebenen Ressourcen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Die geänderten Umstände haben auch den Menschen geändert, der Wahnsinn steht den meisten ins Gesicht geschrieben. Und in ihrer Garderobe äußert er sich auch. Der Ex-Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) ist einer der wenigen, die das Pech haben, zu stark zu sein, um zu sterben. Ziellos düst der Einzelgänger mit seinem aufgemotzten Ford Interceptor durch die kargen Weiten Australiens. Er wurde einst verlassen, jetzt verlässt er sich auf niemanden mehr. Das einzige Lebewesen, das er in seiner Nähe duldet, ist ein Hund, der ihn auf seinem Weg begleitet. Alle anderen weißt er schroff von sich. Doch es ist klar – ewig kann man alleine nicht zu recht kommen. Als er eine Gruppe von Menschen trifft, die über größere Benzinvorräte verfügen, aus diesem Grund von einer Horde Outlaws unter der Führung des brutalen Humungus (Kjell Nilsson) bedroht werden, sieht er sich gezwungen, zu kooperieren.

Was folgt, ist ein bizarrer, fiebriger Action-Trip, in dem sich eine markante Szene an die nächste reiht, wobei die Teile aber mehr ergeben als endzeitliches Stückwerk. Wie schon der Vorgänger ist „Mad Max 2: The Road Warrior“ weniger Geschichte als ein Gefühl. Und zwar kein Schönes! Wenn man sich als Sci-Fi-, Endzeit- und Action-Fan natürlich auch ordentlich freuen darf, ist der Film hinter aller cineastischen Energie von Nihilismus und einer diffusen Traurigkeit geprägt. Meine Lieblingsszene kommt gleich am Anfang: Max hat den Straßenkampf gegen ein paar Rowdys gewonnen und darf nun die Belohnung einheimsen: Ein liegengebliebenes Fahrzeug hat noch etwas Benzin im Tank: Während Max misstrauisch die Straße im Blick behält und mit ein paar Schüsseln das herauslaufende Benzin auffängt, sieht der Zuschauer wie sich der Treibstoff mit dem Blut des Fahrzeuginsassen mischt. Eindrucksvoller als durch dieses Bild kann man das Thema von „Mad Max 2: The Road Warrior“ nicht zum Ausdruck bringen. Die Lebensenergie der Motoren ist zur Lebensenergie des Menschen geworden. Aber wenn Sprit alles ist, worum es geht, dann ist klar, dass etwas auf der Strecke bleibt.

Große Katastrophen beinhalten, auch wenn das zynisch klingen mag, immer die Chance auf einen Wandel. Nicht in diesem Fall. Die Menschen hier konnten die Vergangenheit nicht loslassen und klammern sich immer noch an das schwarze Gold, das sie in Bewegung hält, aber eigentlich Stillstand bedeutet. Damit geht es im Vorgänger wie in der Fortsetzung ums Scheitern – das der Zivilisation wie das des Protagonisten. Während im ersten Teil Max’ fader Sieg gegen die Mörder seiner Familie eigentlich eine Niederlage war, ist hier sein Scheitern in gewisser Weise ein Erfolg. Max, ein Messias wider Willen, ist für uns gescheitert, aber nicht für unsere Erlösung und unser Seelenheil, sondern damit wir weiter sündigen können. Nach der Entschleierung und dem Ende der Geschichte beginnt nicht hier das Reich Gottes, sondern ein endloses, leeres Jammertal.

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil eins.

Mad Max (George Miller, Australien 1979)

Posted by – 31. Mai 2015

mad max trilogieIn einer nicht allzu weit entfernten Zukunft beherrschen motorisierte Banden die Straßen. Sie terrorisieren die Bevölkerung, stehlen Benzin und auch vor Vergewaltigung und Mord schrecken sie nicht zurück. Die Polizei ist nahezu machtlos. Als bei einer Verfolgungsjagd der aus dem Gefängnis entflohene Nightrider (Vincent Gil) umkommt, sind seine Banden-Kollegen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) und Bubba Zanetti (Geoff Parry), die ohnehin nicht gut auf die Polizei zu sprechen sind, noch aufgebrachter. Als Cop Jim „Goose“ Rains (Steve Bisley) und Max Rockatansky (Mel Gibson) auch noch Johnny „the Boy“ Boyle (Tim Burns), ein Mitglied ihrer Gang, verhaften, eskaliert die Lage zwischen den Outlaws und den Gesetzeshütern.

Lang ist es her. Damals war auch die Zukunft eine andere. Endlose, verdorrte Weiten, in denen sich eine Handvoll verrohter Überlebender um die letzten Rohstoffe zanken und das Recht des Stärkeren gilt. In George Millers erstem „Mad Max“-Film war dieses Szenario zwar nicht voll ausgeprägt, doch darf man wohl behaupten, dass hier – auch wenn es z.B. mit „The Last Man on Earth“ (1964), dem wunderbaren „A Boy And His Dog“ (1974) und weiteren schon andere stilbildende postapokalyptische Filme gab – sowohl was die visuelle als auch die inhaltliche Ebene dieser Erzählungen betrifft, ein wichtiger Vertreter das Licht der Welt erblickt hat. In meiner Erinnerung war der erste Teil immer der schwächste der Reihe. Als ich ihn mir vor ein paar Tagen – heiß gemacht durch den famosen „Mad Max: Fury Road“ und anlässlich der Veröffentlichung der ersten 3 Filme auf Blu-Ray – endlich mal wieder gesehen habe, musste ich wie so manches Mal feststellen, dass die Erinnerung trügt, bzw. dass der Geschmack sind ändert.

Viele reden bei den „Mad Max“-Filmen immer von rudimentären Geschichten oder zumindest solchen, die „kein Gramm Fett zu viel“ enthalten. Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Schon beim Schreiben der Inhaltsangabe ist mir aufgefallen, wie schwer es ist, den Finger drauf zu legen, was an „Mad Max“ eigentlich wichtig ist. Zumindest scheint es sich hier um alles andere als eine gradlinige Rachegeschichte zu handeln. Der Konflikt zwischen jenen, die krampfhaft versuchen, die kümmerlichen Reste der alten Ordnung aufrecht zu erhalten und jenen, die ihre eigenen Regeln machen, ist sicherlich elementar. Allerdings geraten die Figuren im Film eher unvermittelt aneinander. Dass es gerade Max ist, der mit den Straßenrockern in Konflikt gerät und dass das Schicksal gerade ihn ins Finale spült, ist eher dem Zufall geschuldet. So wie ich das sehe, erzählt „Mad Max“ dem Titel zum trotz weniger die Geschichte von einer bestimmten Person als vom Untergang der Zivilisation. Die Polizei – das sieht man schon am Anfang des Films – ist den Straßen-Rowdies sehr ähnlich. Max fürchtet sich davor, eine Grenze zu überschreiten und so zu werden, wie die, die er jagt: „Any longer out on that road and I’m one of them.“ Als sein Partner schwer verwundet wird, entschließt er sich dazu, den Dienst zu quittieren und mit seiner Familie aufs Land zu fahren, vom Helden im klassischen Sinne hier noch keine Spur. Als dann das Schicksal ihm alles nimmt wofür erlebt, will sich Max trotzdem nicht so recht in das Bild seiner heroischen Zunft fügen.

Damals war, wie gesagt, unser Bild der Zukunft ein anderes. Die „Mad Max“-Filme geben hiervon Zeugnis. Wenn, beziehungsweise – vielleicht sogar weil der ebenfalls wahnsinnig gute „Mad Max 2: The Road Warrior“ als der prototypische Vertreter des Endzeit-Films gilt, mag ich diesen ersten heute sogar noch etwas lieber. Das liegt zum einen daran, dass er so roh, so anarchisch und hoffnungslos ist und zum anderen so pointiert eine Welt zeigt, welche sich in der Umbruchphase zur sozialen Entropie befindet. In wenigen Filmen dieser Gattung sieht man besser als in George Millers Debütfilm, warum alles den Bach runter geht. „Mad Max“ ist sicherlich ein unangenehmer, aber auf den zweiten Blick auch ein großer und wichtiger Film über das Scheitern.

Bild © Warner Home Video