Tag: Michael Bay

Friday The 13th (Marcus Nispel, USA 2009)


Friday the 13th Remake#horrorctober 5

Die „Friday The 13th“-Reihe und sein Star Jason sind Kult – warum weiß allerdings niemand so genau. An dem ersten Teil von Sean S. Cunningham aus dem Jahre 1980 kann es schwerlich liegen, in dem atmosphärischen, aber ansonsten wenig Besonderheiten aufweisenden Slasher spielt Jason noch nicht einmal mit. Es gehört ja fast schon zum Allgemeinwissen, dass Jason Voorhees Mutter im ersten Teil ihren Sohn rächt, der im nahen See des Camps beinahe ertrunken wäre. Sohnemann Jason ist ab Teil zwei dabei, ist aber erst seit dem dritten der hünenhaften Killer mit der Hockeymaske. Doch auch in den folgenden Filmen, die sich Meinung vieler vor allem durch primitive Drehbücher und die einfallslose Inszenierung unterschiedlicher Regisseure auszeichneten und die für gewöhnlich des Zuschauers Vorstellung von „Friday The 13th“ entsprechen, machen nicht ganz klar, wie die Reihe größer werden konnte als die Summe ihrer Teile.

Aber nun zum #horrorctober und der 2009er-Version von „Friday The 13th“. Es ist schon verständlich, dass Produzent Michael Bay sich entschlossen hat, nach diversen Remakes verschiedener Horrorklassiker, auch der „Friday“-Reihe etwas zu spendieren, das Bay wohl als Frischzellenkur bezeichnen würde. Oder er wollte einfach nur den Goldesel am Schwanz fassen. Als Regisseur wurde der deutsche Marcus Nispel verpflichtet, der für Bay bereits Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ neu inszeniert hatte. Ich konnte damit, wie auch mit Nispels „Pathfinder“, recht wenig anfangen, weswegen es wohl verständlich ist, dass ich auch mit seinem „Friday“-Reboot meine Probleme habe. Zunächst zum Positiven: Nispel hat die Vorlage, denke ich, schon verstanden. Er versucht gar nicht erst aus deren starren Korsett auszubrechen, geschweige denn sich groß abzusetzen, sondern hat einen Film gedreht, der sich ganz wunderbar einfügt. Sein „Friday“ ist so etwas wie die Zusammenfassung der ersten vier, aber er könnte genauso gut ein eigenständiger Teil der Reihe sein. Unterschiede von Nispels Version zu den Vorgängern lassen sich in dem zeitgemäßen Look, aber vor allem Ausmaß der Brutalität auffinden. Laut Wikipedia ist „Brutalität“ nach Meyers Konversations-Lexikon von 1888 als „viehisches, rohes Betragen“ beschrieben und genau das trifft auf „Friday The 13th“. Hier ist alles pure Gewalt: Der Sound, der Schnitt, der „Humor“, die Art wie die Figuren miteinander umgehen. Dass es, wenn Jason zur Tat schreitet, rabiat zur Sache geht, versteht sich von selbst. Jason ist auch bei Nispel, zumindest in den meisten Fällen, kein Sadist, der seine Opfer quält, sondern jemand der schnell und hart zuschlägt. Doch die Art, wie Nispel die Morde zeigt, hat trotzdem etwas „Genüssliches“, das mich abgestoßen hat. Noch unangenehmer ist mir allerdings aufgestoßen, wie er seine Figuren inszeniert. Besser als durch „viehisches, rohes Betragen“ lässt sich das nicht beschreiben. Ich will jetzt gar nicht mit Sexismus, Rassismus und Misanthropie anfangen, sondern nur sagen, dass ich das verrohte Zwischenmenschliche, das mir Nispel hier zeigt, extrem widerwärtig fand. Ob da ein tieferer Sinn verborgen ist, ob es beispielsweise eine Fehlinterpretation der Reihe oder nachher sogar noch lustig gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen.

Man hört es sicherlich heraus: Gefallen hat mir von Nispel auch „Friday The 13th“ nicht. Ich hatte keinen Spaß mit dem Film, obwohl auch einiges richtig gemacht wurde: Dieses Reboot ist nah dran an den Filmen, die es zum Leben erwecken will, es geht rein visuell in Ordnung und hat ordentlich Druck. Und auch Jason, gespielt von Derek Mears, hat in diesem Teil unheimliche Präsenz. Was dem Film fehlt, ist eine Seele. Kein Wunder, wenn Nispel nicht einmal seinen Figuren eine zugesteht. So ergibt das Paradox, dass der wuchtigste und spannendsten „Friday“-Film für mich gleichzeitig der langweiligste ist. Vielen anderen Menschen auf diesem Planeten hat er auch nicht so richtig gefallen. Das erhoffte Comeback des Kult-Killers der Film zunächst nicht. Zwar war er finanziell recht erfolgreich – bei Produktionskosten von 16 000 000 $ spielte er weltweit über 90 Millionen Dollar ein – aber die allgemeine Resonanz war eher bescheiden, so dass man Folgeprojekte erst einmal auf Eis legte. Doch egal wie gut oder schlecht man Nispels Version findet – anhaben konnte diese dem Kult um Jason nichts. Das haben schon ganze andere nicht geschafft. Und das wird auch dem nächsten Teil nicht gelingen. Paramount plant nämlich ein weiteres Reboot für 2015.

Bild © Paramount