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Batman Begins (Christopher Nolan, USA 2005)

Posted by – 14. November 2015

Dark Knight TrilogieNachdem ich mich gerade wieder wie ein kleines Kind über „Batman“-Comics freue, wollte ich mir gerne auch noch einmal Christopher Nolans Vision des Dunklen Ritters zu Gemüte führen. Nolan hat bisher ausnahmslos Filme gemacht, die mich gleichzeitig ärgern und faszinieren, aber unterm Strich trotzdem seltsam kalt lassen. Diesem widersprüchlichen Gefühl möchte ich beim Wiedersehen von „Batman Begins“ und hoffentlich in Kürze auch den folgenden beiden Teilen einmal nachspüren.

In „Batman Begins“, der von verschiedenen Batman-Comics beeinflusst wurde, setzt Nolan sich ausführlich mit der Entstehung des dunklen Ritters auseinander. Er beleuchtet relevante Aspekte von Bruce Waynes Jugend, setzt sich mit dem durch den Tod seiner Eltern verursachten Trauma auseinander und schildert seine ersten Versuche, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. In dieser Ausführlichkeit ist das bisher in keinem Film erzählt worden. Auffällig ist aber eher Nolans Versuch, die Batman-Geschichte möglichst realistisch aufzubereiten. Er erklärt nicht nur das psychische Profil seines Helden, sondern legt bei dessen Fähigkeiten und den von ihm zur Verbrecherjagd genutzten Gadgets viel Wert auf Plausibilität. Dieses Vorgehen passt zu Nolans Art, Filme zu machen und macht im Hinblick auf Batman auch durchaus Sinn, gehört er doch zu der Art Held, der einen mehr oder weniger wirklichkeitsgetreuen Zugang möglich erscheinen lässt. Dieser Ansatz spiegelt sich im Design, den Kostümen, der Kampftechnik usw. wider. Der Nachteil: Je ernster man ein fantastisches Thema nimmt, je mehr fordert es die Rezipienten heraus, das Ergebnis auf Herz und Nieren zu prüfen und es besonders knauserig zu sein.

Geht man so an den Film, dann findet man natürlich einiges, an dem man herummäkeln könnte. Ich muss zugeben, ich selbst schwanke bei „Batman Begins“ auch stark zwischen den Polen Bewunderung und Missmut. Ich mag z.B. Christian Bale nicht. Aber das ist nicht der Hauptgrund für mein ambivalentes Verhältnis zu dem Film. Bevor ich etwas näher auf das eingehe, was mich stört, möchte ich zuvor auf jeden Fall noch kurz auf die Stärken des Films eingehen und erwähnen, dass „Batman Begins“ phasenweise wirklich grandios aussieht. Die vielleicht wunderbarste Szene der ganzen Nolan-Reihe endet damit, dass ein unter Drogen gesetzter, brennenden Batman aus einem Fenster stürzt. Insgesamt gefällt mir die erste Filmhälfte rund um Ausbildung und Entstehungsmythos besser als der Part, wo ein totgeglaubter Bekannter zurückkehrt, der Plan des Oberschurken wie auch das Finale. Meine Lieblingsfiguren in Nolans Batman sind Michael Caine als Bruce Waynes Butler Alfred sowie Gary Oldman als Commissioner Gorden.

Schön finde ich weiterhin, dass hier nahezu alles mit allem zusammenhängt und zusammen, man merkt es – soll es etwas Großes ergeben. Wenn man mal von der Figur Jonathan Crane alias Scarecrow (Cilian Murphy) absieht, die mir ein wenig wie das fünfte Rad am Batmobil vorkommt, merkt man schon, dass Nolan hier mehr im Sinn hatte, als eine einfache Superhelden-Geschichte zu erzählen. Ihm geht es darum, das Wesen eines Superhelden zu ergründen, auszuloten, wie der Held zum Helden werden kann, nämlich indem er nicht mehr Mensch, sondern Symbol ist und wie es überhaupt möglich ist, außerhalb des Gesetzes für die Einhaltung ebendieses zu sorgen. Welche Antworten Nolan hier findet – keine Ahnung. Und hier beginnen meines Erachtens die Probleme dieses Films. Er möchte erkennbar eine realistischere Batman-Version sein, die ohne allzu grelle Effekte und comichafte Übertreibungen auskommt. Mal abgesehen davon, dass Nolan das meiner Meinung nach nicht durchhält und im letzten Filmdrittel unpassend dick aufträgt und sich ein wenig ideenlos in der Comic-Mottenkisten bedient, sind Übertreibungen genauso an anderer Stelle zu finden, allerdings weniger auf der Handlungs- als auf der Bedeutungsebene. Alles ist so wichtig, so ernst, so tiefsinnig. Der tiefere Sinn quillt dem Film aus allen Poren, legt sich über die prägnante Handlung und elegante Optik; und man muss gedanklich schon ordentlich kratzen, um hinter allem geronnenen Schmu das freizulegen, was den Film eigentlich so gut macht.

Ich mag die Ernsthaftigkeit, mit dem Nolan den Stoff angeht. Ich finde der Film sieht sehr gut aus. Gotham war nie schöner. Ich finde „Batman Begins“ ist eine sehr gute Superhelden-Origin-Story. Abgesehen von Bale finde ich die Besetzung super. Aber ich komme einfach nicht mit dem Gelaber klar.

Nachtrag: Ich beende diesen Text am 14.11.2015, einen Tag nach den verehrenden Anschlägen von Paris. Ich erwähne das nur, weil sich angesichts der wahren Ereignisse die Limitierungen von Filmen wie „Batman Begins“ zeigen. Sowohl Bruce Wayne als auch sein Widersacher wollen das Verbrechen in Gotham bekämpfen, der eine indem er die Stadt dem Erdboden gleich macht, der andere, indem er zum er zu einem Symbol und als Übermensch für Recht und Ordnung sorgt. Bruce Wayne sagt, „As a man, I’m flesh and blood, I can be ignored, I can be destroyed; but as a symbol… as a symbol I can be incorruptible, I can be everlasting.“ Wayne irrt sich nicht, was die Macht von Symbolen betrifft. Aber er irrt sich, wenn er das für eine Lösung hält. Vor dem Hintergrund des weltweiten Terrors zeigt sich allerdings, das die Methode, die Menschheit hinter einer Idee zu vereinen letztlich für das Gute wie für das Böse genutzt werden kann. Was wir brauchen, um gemeinsam in Frieden zu leben, ist sicherlich weder ein Superheld noch eine bestimmte Religion, sondern etwas anderes.

Bild © Warner Home Video

Now You See Me (Louis Leterrier, USA / Frankreich 2013)

Posted by – 6. September 2015

now you see meDie vier Zauberer Atlas (Jesse Eisenberg), Henley (Isla Fisher), Merritt (Woody Harrelson) und Jack (Dave Franco) werden von einem Unbekannten ausgewählt. Sechs Jahre sind sie als „ The Four Horsemen“ weltberühmt und geben, finanziert von dem Millionär Arthur Tressler (Michael Caine), riesige Shows. Doch die vier und der Unbekannte im Hintergrund verfolgen ein ganz anderes Ziel. Bald schon sind ihnen Detective Dylan Rhodes (Mark Ruffalo), die Interpol-Agentin Alma Dray (Mélanie Laurent) und der Spezialist für Trickbetrüger Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) auf den Fersen.

Das perfekte Verbrechen hat ohne Frage viel mit Täuschung zu tun. Und so ist es auch eine reizvolle Idee, dass Zauberer ihre Kunst nutzen, um den Superheist durchzuführen. Was auf dem Papier interessant klingt, ist in fertiger Form nach einem Drehbuch von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt allerdings unerwartet öde. Da kann auch die flotte Regie von Louis Leterrier nichts retten. Doch woran scheitert „Now You See Me“ genau? Meiner Ansicht nach liegt das vor allem an drei Dingen. Erstens: Der Haltung des Films bzw. seiner Autoren. Boaz Yakin, Edward Ricourt und Ed Solomon kommen sich selbst so schlau vor, dabei ist ihr Werk im Detail alles andere als das. Der große Plan, der am Ende dem staunenden Zuschauer offenbart wird, ist in Wirklichkeit so löchrig wie ein Schweizer Käse. Man darf staunen, dass er überhaupt funktioniert hat. So lange der Film unterhält, ist es vielleicht nicht ganz so wichtig, ob das alles Sinn macht, was mich zum zweiten Kritikpunkt bringt. Nach der Exposition und spätestens nach der ersten großen Show, in der die Zauberer eine Bank ausrauben, geht dem Film merklich die Luft aus. Keine der kommenden Shows erreicht den Unterhaltungswert der ersten, und das Finale ist dann der absolute Tiefpunkt an Entertainment. Doch selbst dieser dramaturgische Sinkflug des Films wäre vielleicht bei (dritter Kritikpunkt) weniger farblosen Figuren noch zu verschmerzen gewesen. Das was Steven Soderbergh bei den „Oceans“-Filmen geschafft hat, gelingt Leterrier hier nicht im Ansatz. Eisenberg, Fisher, Harrelson und Franco hinterlassen keinen bleibenden Eindruck und auch Altstars wie Freeman oder Cain können viel retten.

Die drei genannten Punkte waren für mich die Hauptgründe, dass der „Now You See Me“ für mich nicht funktioniert hat. Da muss ich gar nicht erst erwähnen, dass die Auflösung sehr unglaubwürdig war. Aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass man den Film auch mögen kann. Er ist wie gesagt flott inszeniert und er hat das Potenzial das zu schaffen, was ein guter Zaubertrick schaffen sollte, nämlich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vom Eigentlichen abzulenken. Wem es reicht, dass er nach etwas mehr als 100 leidlich unterhaltsamen Minuten erfolgreich getäuscht wurde, darf sich freuen. Nur wer sich wie ich hinterher darüber ärgert, dass hier nichts Substanz hatte, dass 99 Prozent des Films Täuschung für das letzte Aha-Prozent sind, sollte einen Bogen um diesen „Zaubertrick“ machen und es vielleicht doch lieber noch einmal mit „The Prestige“ oder „The Incredible Burt Wonderstone“ (meine Rezension dazu gibt’s hier) versuchen.

Bild © Concorde

Interstellar (Christopher Nolan, USA 2014)

Posted by – 5. November 2014

interstellarDie globale Nahrungsknappheit hat die Erdbevölkerung an den Rand des Abgrunds gebracht. Diese hat sich infolgedessen von der Wissenschaft abgewandt und steckt ihre ganze Energie in die Landwirtschaft. Der Ingenieur und ehemalige NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey), Vater von Tochter Murph (Mackenzie Foy) und Sohn Tom (Timothée Chalamet), gehört zu den wenigen, die dies für den falschen Weg halten, seiner Meinung nach kann nur die Wissenschaft die Menschheit retten. Wie durch ein Wunder erhält er dazu die Chance: Mysteriöse Hinweise führen ihn und Murph zu einem geheimen Labor der US-Regierung, wo unter der Leitung von Professor Brand (Michael Caine) fieberhaft an der Rettung der Menschheit gearbeitet wird. Cooper erhält die Chance, seinen Beitrag zu leisten – allerdings muss er dafür seiner Kinder zurücklassen…

Wenn man etwas über aktuelle Filme sagt, muss man natürlich oberhöllisch aufpassen, nicht zu spoilern (d.h. anderen den Film zu verderben, indem man darüber spricht). Das gilt natürlich besonders für Filme von Geheimniskrämer Christopher Nolan, die ja immer atemraubende Überraschung bereithalten. Insofern verrate ich der Inhaltsangabe nicht einmal, warum der Film eigentlich „Interstellar“ heißt und beiße mir heftig auf die Zunge, ehe ich mich darüber auslasse, dass Nolan hier eigentlich ein altbekanntes Sci-Fi-Topos aufgreift, das niemanden, der mehr als einen ersten Kontakt mit der Materie hatte, besonders erstaunen dürfte. Die schönen Kritiken gibt’s also anderswo (z.B. hier und hier und hier und hier). Was gibt es sonst zu sagen?

Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben, Nolans neuestes Werk als meisterwarteten Film des Jahres zu bezeichnen. Zumindest kam es nach den geheimnisvollen Trailern, den ehrfürchtigen Ankündigungen und den kindlich-nervösen Diskussionen im Netz so vor. Ich glaube der Hype tut „Interstellar“ nicht gut, und das in doppelter Hinsicht: Zum einen wird eine übertriebene Erwartungshaltung („Was hat der Nolan diesmal wieder Großes vollbracht?“) früher oder später dazu führen, dass die Zuschauer enttäuscht sein werden. Zum anderen scheint Nolan – möglicherweise hervorgerufenen durch die Erwartungen des Publikums? – selbst mehr und mehr dem (Irr-)Glauben zu verfallen, er müsste etwas nie Dagewesenes liefern. Im schlimmsten Fall kommen beide Probleme zusammen: Der ständige Druck zum Meisterwerk führt zum Kollaps der Wundermaschine, während Nolan sich selber weiter als Innovator wähnt und das in seinen Filmen unglücklicherweise etwas zu sehr raushängen lässt. Das kann schnell peinlich werden. (Nicht, dass Nolan noch irgendwann das Schicksal eines M. Night Shaymalan erleidet!) Schon „Inception“, „The Dark Knight Rises“ und „Interstellar“ geben – alle auf ihre Weise – einen Vorgeschmack darauf, was sein könnte, wenn’s schlecht kommt. Doch noch ist es zum Glück nicht so weit. Denn „Interstellar“ ist gut, sehr gut sogar.

Auch wenn er nicht frei davon ist, sich etwas zu (und den Zuschauer etwas zu wenig) ernst zu nehmen. Der Eindruck des Wichtigtuerischen liegt weniger an Nolans Themen – Identität, Wahrheit, Erinnerung, Ordnung, Chaos sind natürlich allesamt wirklich bedeutend! – es geht um den Impetus, mit dem Nolan eine Stoffe vorstellt. Sätze wie „Love is the one thing that transcends time and space“ sagen sich eben nicht so leicht ohne große Geste. Zum Glück bietet der in diesem Fall gelegentlich aufflackernde Humor einen angenehmen Kontrapunkt zum Ernst der Lage, denn der Film bietet einen reichhaltigen Zitatfundus aus Jahrzehnten Sci-Fi-Geschichte: „2001“, „Star Wars“ „The Black Hole“,„Sunshine“ oder aktuelle „Gravity“ sind nur einige der offensichtlichen Bezugspunkte, Referenzen die mitunter ganz putzig sind. Außerdem ist „Interstellar“ abgesehen von einigen hochtrabenden Dialogen und dem zunehmend aufdringlicher werdenden Hans-Zimmer-Score und trotz der galaktischen Fragen, die ihn umtreiben, glücklicherweise erstaunlich bodenständig in Inhalt und Ausführung. Im Zentrum der Geschichte steht weniger die Technik als das, was Menschen verbindet und antreibt. Das ist mitreißend erzählt, emotional herausfordernd und bildgewaltig in Szene gesetzt. Vielleicht sind es diese Superlativen, die mir etwas die Lust rauben, mich mit den Feinheiten zu beschäftigen und die es erschweren, „Interstellar“ richtig gerne zu haben.

Bild © Warner Bros. GmbH