Tag: Michael Fassbender

Notizen #5

Posted by – 15. Februar 2016

Mission: Impossible – Rogue Nation (Christopher McQuarrie, USA 2015)

Seit „Originaltitel Mission: Impossible – Ghost Protocol“ habe ich ein Problem: Immer, wenn ich Tom Cruise sehe, sehe ich Jogi Löw. Das ist leider überhaupt nicht zweckdienlich, wenn man Film sieht, ihn eigentlich spannend finden will, aber die ganze Zeit Mission-Jogi-Kopfkino hat. Unabhängig davon halte ich den aktuellen, wie schon den Teil davor, für keinen besonders interessanten Film. Christopher McQuarrie legt einfach zu viel Wert auf die belanglosen Aspekte des neuen Abenteuers von Superagent Ethan Hunt (Cruise): Verfolgungsjagden, hübsche Bilder, vielsagende Dialoge, die eigentlich gar nichts sagen. Dabei versteckt sich im Film ein durchaus mitreißendes Drama um die heimatlose Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), die für alle und niemanden zwischen den Stühlen agiert. Ihre Geschichte hätte ich gerne gesehen, nicht die von Team Jogitom.

Everest (Baltasar Kormákur, USA / Großbritannien / Island 2015)

„Everest“ von Baltasar Kormákur wollte ich eigentlich im letzten Jahr im IMAX sehen, aber es hatte nicht sein sollen. Nun habe ich ihn bei meiner neuen Stamm-Videothek „Amazon Prime“ nachgeholt und bin eigentlich ganz angetan: Atemraubende Kulissen, Einblicke in die Mentalitäten von Extrembergsteigern und letztendlich – in diesem Fall ist das wirklich wichtig – eine wahre Geschichte. Mit schnürt es jedenfalls immer noch die Kehle zu, wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen schon bei dem Versuch, den Mount Everest zu besteigen, ums Leben gekommen sind. Die Ereignisse, die im Jahr 1996 stattfanden und bei denen 8, teilweise sehr erfahrende Bergsteiger wie Rob Hall und Scott Fischer, starben, finde ich besonders tragisch. Dass sich Kormákur etwas zu wenig an den Fakten entlanghangelt und auf eindrucksvolle Bilder setzt, sich dabei aber meiner Meinung sehr zurückhält, was die Analyse der Situation angeht. Wie konnte das Unglück und geschehen? Eine sinnvolle Ergänzung zum Film sind somit sicherlich die Bücher von Jon Krakauer „Into thin air“ und „The Climb – Tragic Ambitions on Everest“ von Anatoli Nikolajewitsch Bukrejew. Zwar ganz ohne Bilder aber noch spannender als der Film!

Slow West (John Maclean, Großbritannien / Neuseeland 2015)

Nicht nur der Film des Musikers John Maclean, der sich wie seine Figuren durch die Wildwest-Landschaft mühsam und misstönend über die Zeit quält, war mir nicht angenehm. Irgendwie piekst es mich auch, dass ich beim im Internet Herumlesen fast überwiegend auf Texte gestoßen bin, in denen nicht nur sehr wohlwollend über „Slow West“ berichtet wurde – das gehört sich ja auch so –, sondern sogar beinahe verehrend und auf eine Art und Weise argumentierend, die mir nicht so richtig zugänglich werden wollte. Dass sich hier auf besonders clevere Art mit dem Gründungsmythos auseinandergesetzt wurde, dass hier Fantasien – vor allem männliche – entlarvt werden, dass hier das – angeblich tote – Genre „Western“ einen vitalen Lebensbeweis antritt… All das steht geschrieben. All das ist bestimmt nicht falsch. Aber des wegen gleich Juhu rufen? Ich verstehe schon, dass Junge Jake Cavendish (Kodi Smit-McPhee) einer verklärten Vorstellung über seine Möchtegernfreundin Rose Ross (Caren Pistorius) aufgesessen ist, wie er zum Ende hin unsanft erfahren muss. Interessant sind darüber hinaus sicherlich einige Brüche mit den Zuschauererwartungen. Meine Kritik, dass Maclean den Ton nicht trifft, dass die Aneinanderreihung von ausgestellt lakonischen Szenen, slapstickhaften Momenten und überraschend harten Gewaltausbrüchen, willkürlich wirkt und keinen erkennbaren Zweck hinsichtlich des Hauptthemas, der Dekonstruktion von Wunschträumen, erfüllt, lässt sich natürlich wie alles damit entkräften, dass der Regisseur bewusst die Erwartungen des Zuschauers unterlaufen will. Aber warum? Um zu zeigen, dass unsere Vorstellungen über den Wilden Westen eben nur Vorstellungen sind? Ahnten wir so etwas nicht schon?

Prison (Renny Harlin, USA 1987)

„Prison“ von Renny Harlin ist ein wunderbar sinnloser, aber extrem unterhaltsamer Film. Und sehr hübsch fotografiert ist er auch. Mac Ahlberg, der für „Re-Animator“ und „From Beyond“ oder dem – mittlerweile denke ich auch von mir – unterschätzten „King of the Ants“ als Kameramann verantwortlich ist, hat auch hier exzellente Arbeit geleistet. Auch Harlin als Regisseur wächst mir langsam ans Herz. Seine Filme sind direkt, effizient und pragmatisch. Und trotzdem haben seine mir bekannten Filme auch einen irgendwie verträumten Unterton, so als würde hinter der Oberfläche noch etwas anderes schlummern. Ein Bild, das mir gerade in den Sinn kommt: Einen Harlin-Film zu gucken ist, wie über einen zugefrorenen finnischen See zu laufen. Die Eisfläche ist glatt, perfekt und kühl, aber man spürt die Strömung unter seinen Füßen, fühlt den Abgrund des schwarzen Gewässers. Ich habe den Film zum ersten Mal gesehen und zwei Szenen entdeckt, die auch auf der in meinem Text zu „Slaughter High“ bereits erwähnten VHS-Kassette war: Die, als der eine Häftling von Metallrohren durchbohrt wird und die, als ein Wärter von Stacheldraht malträtiert wird. Was ich etwas schade finde ist, dass die Blu-Ray, die seit neuestem in meinem Besitz ist, keine nennenswerten Extras enthält. Über so einen Film gibt es doch bestimmt einiges zu erzählen, ein paar Interviews oder besser noch – ein Audiokommentar wäre entzückend gewesen!

Escape From Alcatraz (Don Siegel, USA 1979)

Nicht einfach ein Gefängnisfilm, sondern eine Art Prototyp des Gefängnis- und Ausbruchsfilms, an dem sich gefühlt alle folgenden Filme orientieren. (Harlins „Prison“ z.B.) Hat mir mal wieder Spaß gemacht, ihn zu sehen. Erkenntnisse: Auch wenn man Menschen entkleidet, sie aller Dinge entledigt, abschrubbt und in ein Gefängnis auf einem Felsbrocken sperrt, verlieren sie trotzdem nicht ihre Persönlichkeit. Sie bleiben, was sie waren, auch wenn sie die neue Umwelt natürlich zwingt, sich anzupassen. Faszinierend dabei ist auch, wie „professionell“ und mit welcher Ruhe sich Protagonist Frank Morris (Clint Eastwood) einen Überblick verschafft, die richtigen Leute kennenlernt und seinen Ausbruch vorbereitet und durchführt. Das wirkt fast ein wenig gelangweilt, vielleicht weil er tut, was er eben tut und das für ihn tatsächlich nichts Außergewöhnliches ist. Der Film hingegen ist in seiner Klarheit und Kraft schon etwas Besonderes.

X-Men: First Class (Matthew Vaughn, USA 2011)

Posted by – 21. Februar 2013

Erik Lehnsherr: „I want you by my side. We’re brothers, you and I. All of together, protecting each other. We want the same thing.“ – Charles Xavier: „My friend. I’m sorry, but we do not.“

Mir fallen nicht besonders viele gute Prequels ein. „Indiana Jones And The Temple Of Doom“. „Twin Peaks: Fire Walk with Me“. Die letzten 3 „Bond“-Filme. „Rise of the Planet of the Apes“. Vielleicht „The Hobbit“.  Aber auch „X-Men: First Class“ – soviel muss ich nach dem mittlerweile dritten Anschauen zugestehen – ist trotz einiger kleinerer Probleme ein richtig gutes Prequel, das nicht nur etwas Licht in die Anfänge der X-Men bringt, sondern vor allem auch eine Menge Spaß macht.

Die X-Men fanden nämlich schon in den 1960er Jahren zusammen als Charles  Xavier (James McAvoy), Erik Lehnsherr (Michael Fassbender) und eine Gruppe weiterer Mutanten versuchten, den größenwahnsinnigen Sebastian Shaw (Kevin Bacon) aufzuhalten, der die Kuba-Krise dazu  nutzen will, die Welt ins Chaos zu stürzen. Doch es zeigt sich: Auch die Allianz der X-Men ist äußerst fragil…

„X-Men: First Class“ ist nicht so sensibel wie der erste Teil und auch keine runde Sache wie Teil zwei:  Einige Gadgets – Magnetos Helm, der Cerebro-Prototyp und einiges mehr – sind für meinen Geschmack etwas zu krampfhaft in die Story gestopft worden. Und schon wieder gibt es ein Serum, mit dem man Mutation wie eine Grippe durch Antibiotika austreiben kann. (Zum Glück funktioniert es nicht und spielt, verglichen mit „X-Men: The Last Stand“, nur eine untergeordnete Rolle.) Und auch nicht jeder Mutant gefällt: Die Feuerkugeln herauswürgende Libellen-Lady (Zoë Kravitz) z.B. gehört jetzt nicht gerade zu den coolsten Superhelden, die je erdacht wurden.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn – und das wird mir erst so richtig klar, weil und während ich den Film zum dritten Mal schaue – „X-Men: First Class“ ist auch ein ziemlich kurzweiliger, ideenreicher und visuell origineller Trip, bei dem es auch nach mehrmaligem Sehen immer wieder  neue Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Die Beziehung zwischen den Figuren hätte ich mir  etwas komplexer und sich natürlicher entwickelnd vorstellen können, aber auch so sind die Konflikte glaubhaft und die einzelnen Schauspieler verkörpern ihre Figuren trotz oft geringer Screentime prägnant und insgesamt überzeugend. Hinzu kommen gleich eine ganze Reihe von Gänsehaut-Momenten, für die ich stellvertretend zwei Tode nennen will. Und zwar  das überaus traurige Dahinscheiden von Darwin (Edi Gathegi), der nach ein paar überschwänglichen Minuten erkennen muss, dass er in der Mutanten-Schulen eben doch nur die Schulbank der ersten Klasse drückt und besser die Finger von den großen Jungs gelassen hätte. Ebenfalls intensiv: Die Szene als Magneto sich an Shaw rächt. Nicht nur, dass die Münze vom Anfang wieder eine Rolle spielt und bildhaft deutlich wird, das die Vergangenheit die Gegenwart konstituiert;  das Cross-Cutting zwischen Magneto und Charles Xavier zeigt eindrucksvoll wie sich die beiden Figuren mittlerweile voneinander entfernt haben – aber dennoch schicksalhaft zusammenhängen.

Und so findet in „X-Men: First Class“ der ewige Konflikt zwischen Mutanten und Menschen seinen Anfang. Das Böse, das sind immer die anderen. Ein Blick in die Zeitung reicht um festzustellen, dass dieser Satz auch außerhalb von Comic-Verfilmungen Gültigkeit hat. Oder, um mit den Worten von Magneto zu sprechen: „Peace was never an option.“

P.S. Film ist aus der gleichen Box wie Teil 2.
 

Prometheus (Ridley Scott, USA 2012)

Posted by – 23. Juni 2012

Der Weltraum, unendliche Weiten. Möglicherweise stammt der Keim, der das Leben auf der Erde möglich machte, von irgendwo dort oben. Und  vielleicht lauert in der endlosen Finsternis auch der Anfang vom Ende.

Nachdem ich gerade schon für das Multimania Magazin einen Artikel zu “Prometheus” geschrieben habe, hier nur in Kürze einige Gedanken zum Film, kritische Anmerkungen, die sicherlich berechtigt wären, einmal außen vor gelassen. Nach den letzten Filmen von Sir Ridley Scott – und ich meine damit seine Filme der letzten zwanzig Jahre – dachte ich: von dem Mann können wir nichts mehr erwarten. Wirklich schlecht waren sie, vielleicht bis auf „G.I. Jane“, wohl alle nicht, dazu ist Scott einfach ein zu routinierter Regisseur, aber richtig gut gefallen hat mir eben auch nichts. Doch ich habe Scott wohl zu früh abgeschrieben. Mit „Prometheus“ ist ihm, meiner Meinung nach, ein sehr spätes, dafür aber umso erfreulicheres Comeback gelungen.

Die Forscher Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) finden Hinweise darauf, dass die Erde vor langer Zeit schon einmal von Außerirdischen besucht wurde. Die Spur führt ans andere Ende des Universums, zum Mond LV-223. Die mächtige Weyland Corporation schickt die Wissenschaftler samt Team zu dem Mond, um auf ihm dem Ursprung des Lebens nachzuspüren. Doch statt Leben wartet dort nur Tod auf die Crew.

In Scotts Film ist Prometheus der Name des Raumschiffs, das die Forscher zu ihrem Ziel bringt. Natürlich hat es mit dem Filmtitel noch mehr auf sich, schließlich erschuf nach griechischer Sage der Titan Prometheus den Menschen und auch im Film geht es um den Ursprung des Lebens. Dabei erschafft Scott in gewisser Weise sich selbst, vor allem aber den Alien-Mythos neu. Das Alien wird in „Prometheus“ als Symptom einer weit größeren Gefahr interpretiert. Ich vermute, dass diese Neuinterpretation vielen treuen Alien-Fans gegen den Strich gehen wird, aber ich denke, Scott hatte keine Wahl als das Projekt auf eine andere Ebene zu hieven, nur hierdurch konnte er sich freispielen und die Möglichkeiten schaffen, eine spannungs- und überraschungsreiche Geschichte zu beginnen, die sogar noch den mit Sicherheit kommenden Sequels die Chance zum Ausbau bietet. Und vielleicht wird Scott (oder sein Nachfolger) sogar noch etwas mutiger sein und sich von der alten Alien-Reihe ganz lösen, um die mit „Prometheus“ vielversprechend begonnene  neue Reihe kompromisslos weitererzählen.

Bild © Twentieth Century Fox