Tag: Michael Keaton

Notizen #8

Posted by – 13. März 2016

Spectre (Sam Mendes, GB 2015)

Schon von „Skyfall“ war ich enttäuscht, aber mit „Spectre“ hat der Craig-Run für mich seinen Tiefpunkt erreicht. Autor Paul Haggis scheint bei „Casino Royale“ und „Quantum Of Solace“ eine Ahnung gehabt zu haben, was der neue Bond sein könnte, Neal Purvis und Robert Wade, die zusammen mit John Logan für die letzten beiden Filme verantwortlich sind, geht dies leider völlig ab. Der aktuelle Teil führt die losen Handlungsfäden zwar irgendwie zusammen, so richtig beeindruckt davon, dass hinter allem eine beleidigte Leberwurst mit Komplexen steht, dürfte aber niemand sein. Der Held? Craigs Bond ist mittlerweile ein arroganter Gockel und widerlicher Witwentröster geworden, der sein Hirn durchbohrende Nadeln besser wegsteckt als andere Leute Mückenstiche. Und selbst die bemüht imposanten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema, lassen den „Spectre“ auf magische Weise nur noch peinlicher wirken.

Der grüne Bogenschütze (Jürgen Roland, Deutschland 1961)

Damals fand ich sie gruselig, heute nehme ich die Edgar-Wallace-Filme eher als verspielt, witzig und selbstironisch wahr. Den grünen Bogenschützen hatte ich zwar schon einmal vor urlanger Zeit gesehen, meine Erinnerung war aber dementsprechend nebulös. Beim erneuten Sehen präsentiert sich der fünfte Film der Wallace-Reihe (1959 bis 19729) als noch nicht ganz so elaboriert, wie spätere Vertreter, doch durchaus unterhaltsam, wenn auch für meinen Geschmack etwas Bogenschützen-arm. „Der grüne Bogenschütze“ ist bestimmt kein Highlight der Reihe, aber wegen seiner gelungenen Bösewichte – Gerd Fröbe als cholerisches Ekelpaket, Stanislav Ledinek als sein unangenehmer Handlanger –, finde ich ihn auch heute noch ganz nett.

Seven Blood-Stained Orchids (Umberto Lenzi, Italien 1972)

Ob man den Film, der in Deutschland unter dem Titel „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannt ist (OT: Sette orchidee macchiate di rosso), eher als konservativen Giallo oder als progressiven Versuch betrachtet, der Wallace-Reihe neues Leben einzuhauchen – schlecht ist er jedenfalls nicht. Er handelt von einer Mordreihe, bei welcher der Killer immer ein Schmuckstück in Form eines silbernen Halbmonds am Tatort zurücklässt. Giulia (Uschi Glas) und ihr Mann Mario (Antonio Sabato) forschen nach und geraten bald selbst in Gefahr. Was den Film so tragisch und damit auch gut macht: Zum Schluss erweisen sich die Morde als eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer. Der Versuch, die Wallace-Reihe hierdurch wiederzubeleben ist allerdings gescheitert. „Seven Blood-Stained Orchids“ war das 38. und letzte Wallace-Kapitel.

Spotlight (Thoms McCarthy, USA 2015)

Wenn der Film vorüber ist, kommt einem wahrscheinlich sofort folgende Frage in den Sinn: Was ist eigentlich aus der Katholischen Kirche geworden? Nach dem riesigen Missbrauchsskandal und dessen Aufdeckung durch ein paar couragierte Journalisten des Boston Globe im Jahr 2001 müsste die Kirche doch in den letzten Zügen liegen. Schließlich hatte der Missbrauch sowie dessen Vertuschung Methode. Dann der Schreck und einem klar, dass sich nichts geändert hat; und diese Erkenntnis ist in gewisser Weise noch furchterregender und trauriger als die zahllosen Vergewaltigungen Jugendlicher durch ein paar notgeile Würdenträger. Die katholische Kirche hat in den letzten zweitausend Jahren schon ganz andere Dinge ausgesessen, was soll ihr ein so kleines Skandälchen schon anhaben? Ehe ich zynisch werde, möchte ich einfach noch sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat, die Musik Howard Shore ebenso. Nur die deutsche Synchronisation klingt leider, als wären da nur zwei Sprecher am Werk gewesen.

I Spit On Your Grave 3 (R.D. Braunstein, USA 2015)

Nachdem sie brutal vergewaltigt worden ist, hat sich Jennifer (Sarah Butler) ein neues Leben aufgebaut. Um die furchtbaren Erinnerungen zu verarbeiten, besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Als ihre Freundin auf brutale Weise umgebracht wird, sieht Jennifer rot… – „Rape & Revenge“-Filme befriedigen in der Regel gleich zwei niedere, voyeuristische Interessen: Die Lust an Gewalt und die an nackter Haut. Das Perfide an Filmen dieser Art ist, dass sich der Zuschauer durch die Rache irgendwie auf der richtigen Seite fühlen darf und schnell den ästhetisierten Gewaltakten auf den Leim geht. Diesen Vorwurf kann man „I Spit On Your Grave 3“, der die Geschichte des Remakes weiterführt, allerdings kaum machen. Braunstein geht sehr zurückhaltend mit den exploititativen Elementen seiner Geschichte um, er verzichtet auf nackte Haut und meidet, von zwei, in der deutschen Fassung noch mal entschärfte Ausnahmen abgesehen, brutale Szenen. So richtig gelungen ist der Film, der es offensichtlich gut meint, allerdings trotzdem nicht. Zwar wird durch die Figur der Jennifer deutlich, dass Opfer häufig auch Tätermuster entwickeln. Den anderen Figuren des Films bleibt ein differenziertes Profil allerdings versagt.

Projekt X (Nima Nourizadeh, USA 2012)

Weil seine Eltern übers Wochenende verreist sind, wollen Thomas (Thomas Mann) und Kumpels eine große Party schmeißen. Die anfängliche Angst, dass niemand kommt, erweist sich als unbegründet. Das gute Marketing seines Freundes Costa (Oliver Cooper) geht voll auf. Zum Schluss zählt die Party beinahe 2000 Gäste – und läuft völlig aus dem Ruder. – Inspiriert von einer wahren Begebenheit, bei der ein Teenager in den USA über Facebook einlud und von Partygästen förmlich überrannt wurde, erzählt die Regisseurin Nima Nourizadeh in ihrem im Food-Footage-Stil gedrehtes Debüt die Geschichte einer Eskalation ohne Gefühl. Die Kritiken zum Film waren sehr gemischt. Ich würde den Film auch scheiße finden, wenn ich ihn als den Versuch einer Komödie betrachten würde. Doch wenn man ihn als Horrorfilm sieht, geht’s eigentlich. Mir haben diese Menschen im Film jedenfalls ziemlich Angst gemacht.

Batman (Tim Burton, GB / USA 1989)

Posted by – 7. November 2015

batmanManchmal denke ich, Superhelden-Filme sind erst seit „X-Men“ und „Spider-Man“ das, was sie heute sind. Rein technisch aber auch erzählerisch haben die DC- und vor allem Marvel-Filme seitdem einen Quantensprung nach vorne gemacht. Trotzdem gibt es natürlich auch schon vorher einige Exemplare, die eine enorme Bedeutung für das Genre hatten. Neben Richard Donners „Superman“ (1978) ist das natürlich vor allem Tim Burtons „Batman“, der gute zehn Jahre nach Donners Film erschien und vieles bereits andeutete, das in weiteren zehn Jahren langsam eine erkennbare Gestalt annehmen sollte. Da ich gerade „Batman“-Comics verschlinge, hatte ich Lust, mir Burtons Film und vielleicht auch die Nachfolger mal wieder anzusehen.

In Burtons Film nach einem Drehbuch von Sam Hamm und Warren Skaaren gibt es zur Abwechslung mal keine ausführliche Origin-Story des Helden. Hier ist die Fledermaus in Gotham schon fleißig am Schurken vermöbeln. Während Polizei, Presse und Bevölkerung noch rätselt, wer sich hinter der Maske verbirgt, wird der Zuschauer direkt in die Entstehungsgeschichte von Batmans Erzfeind, dem Joker, geworfen. Dieser heißt hier Jack Napir (Jack Nicholson), ist von Beruf Gangster und wird von seinem Boss (Jack Palance) in eine Falle gelockt, weil Napir mit dessen Frau rumgemacht hat. Statt wie geplant von der Polizei erschossen zu werden, stürzt er nach einem Kampf mit Batman (Michael Keaton), der ebenfalls mit von der Partie ist, in einen Bottich mit grüner Chemie-Sauce, wodurch er zum einen ein bisschen wahnsinnig wird und zum anderen sein charakteristisches Äußeres erhält. Es dauert nicht lange, da geraten Batman und Joker schon wieder aneinander, weil sie sich beide in die Fotografin Vicki Vale (Kim Basinger) vergucken.

Ich würde sagen, „Batman“ ist nicht nur, aber vor allem aufgrund seines Erscheinungsbildes interessant. Burtons detailverliebter, morbid-bizarrer Stil, der sich schon im Vorgänger „Beetlejuice“ deutlich gezeigt hatte, passt wie die schwarz behandschuhte Faust aufs geschminkte Joker-Auge. „Irgendwie so“, das dachte ich damals als ich den Film im Kino gesehen habe und das denke ich auch noch heute beim keine-Ahnung-wie-vielten Sehen, muss ein Batman-Film aussehen. Lustvoll übertrieben, comichaft – aber trotzdem düster und mit dem notwendigen Realismus, dass man eine wie die hier erzählte Geschichte ernst nehmen kann. Hier war ein Mann mit Vision am Werk. Burton hält sich, soweit ich das beurteilen kann, nur grob an die Comic-Vorlagen, sondern interpretiert seine Welt und die Figuren durchaus eigenständig. Für meinen Geschmack etwas starr in der Bewegung, den Action-Szenen (was bestimmt auch an Batmans unkomfortablen Gummikostüm liegt, der es ihm nicht einmal möglich macht, den Kopf zu drehen), ist sein Film äußerst lebendig in der Inszenierung, gespickt mit vielen lustigen und verstörenden Szenen, so dass bei mir auch beim wiederholten Sehen nie Langeweile aufkam.

Enttäuscht bin ich persönlich von Jack Nicholson. Während ich Michael Keaton als Bruce Wayne / Batman richtig klasse finde, störe ich mich zunehmend an Nicholsons Joker. Früher fand ich seine Performance wirklich toll. Nachdem Heath Ledgers selbstzerfleischender Darstellung in „The Dark Knight“ und einigen Comics, die ich in letzter Zeit gelesen habe, muss ich sagen, dass er meine Vision des Superschurken gar nicht trifft. Ich finde seine durch den Unfall verursachte Wandlung nicht glaubwürdig und ich halte Nicholsons Spiel weiterhin für zu selbstverliebt – die Figur wird vom Schauspieler immer wieder überlagert. Dass mich sein Joker nervt und mir Unbehagen bereitet, ist auf der anderen Seite auch wieder gar nicht schlecht, denn ich glaube, so jemand wie der Joker, der muss dem Zuschauer einfach ein wenig weh tun. Was dann bei Burton auch ganz gut gelungen ist, ist der Zusammenhang von Pro- und Antagonist. Wie sich zum Schluss herausstellt, ist aber nicht nur Batman für die Entstehung des Jokers verantwortlich – auch anders herum hat Napir dazu beigetragen, dass aus Bruce Wayne Batman wurde. Gut und Böse, Ordnung und Chaos, Yin und Yang. Doch, doch, das ist alles für seine Zeit schon ganz gut und aller Schwächen zum Trotz noch ein Quäntchen besser (origineller, spannender, überraschender, spritziger,…) als Christopher Nolans „Batman Begins“, den ich mir die Tage ebenfalls noch einmal ansehen werde.

Bild © Warner Home Video

Need For Speed (Scott Waugh, USA 2014)

Posted by – 14. März 2014

Ich mag keine Autos. Und auch keine Auto-Filme. Doch keine Regel ohne Ausnahme. „Need For Speed“ ist so eine. Für die Ausgabe No. 17 des AGM-Magazins, welches in jedem gut sortierten Zeitschriftenhandel auffindbar sein sollte, aber auch hier bestellt werden kann, habe ich eine kleine Hymne auf den Film geschrieben. Im Kern sage ich dort Folgendes: Scott Waugh ist ein unglaublich stylischer, visuell starker, herrlich ernsthafter und gleichzeitig wunderbarer naiv-komischer Film gelungen, sicherlich auch ein Kniefall vor Richard C. Sarafians Klassiker „Vanishing Point“, aber auch ein selbstbewusstes, eigenständiges Werk, das den Zuschauer in ein anderes, fernes und trotzdem hyperreales Jetzt katapultiert. Muss man einfach lieb haben! Das Gesicht von „Breaking Bad“-Star Aaron Paul scheint zu quietschen, wenn er versucht, es zu bewegen, ganz so, als wäre er selbst ein Teil der Maschine, seines Rennautos, das er quer durch Amerika steuert. Und die großartige Imogen Poots („28 Weeks Later“) ist der göttliche Funke, der dem rasenden Vehikel Leben einhaucht. Wer einen wunderschönen, reichlich seltsamen und den vielleicht besten Auto-Film des Jahres sehen will, kommt an „Need For Speed“ nicht vorbei. Er startet am 30. März 2014 im Kino.